Irgendwas mit Recht | Jura-Podcast von LTO-Karriere

Irgendwas mit Recht ist Dein Jura-Podcast in Kooperation mit LTO und LTO-Karriere. Hier erhältst Du Jura-Hintergrundwissen, neue Perspektiven und einen Sneak Peak in den juristischen Arbeitsalltag erfolgreicher Praktiker. Lerne Anwälte aus Wirtschaftskanzleien in persönlichen Interviews ebenso wie Staatsanwältinnen, Richterinnen und viele andere juristische Berufe kennen. So hörst Du von neuen Berufsfeldern für Deine Zeit nach Jurastudium, Staatsexamen und Referendariat - und findest vielleicht sogar Deine Kollegen von morgen. Ferner erhältst Du von Rechtsanwalt Marc Ohrendorf, LL.M. und seinen Gästen Tipps zur Examensvorbereitung sowie aktuelle Legal Tech News aus erster Hand. Das hilft gegen den Examensstress und motiviert für Deine anstehende Klausur. Happy listening!

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episode 14: IMR014: Referendariat im Silicon Valley | Interview Rechtsanwalt [transcript]


Folge 014 deines Jura-Podcasts zu Job und Karriere

In dieser Folge hörst Du, warum das Referendariat im Silicon Valley besonders viel Spaß macht und wie du dort im Rahmen Deiner Wahlstation hinkommst. Wir gehen auf die Arbeit vor Ort, Besonderheiten amerikanischer Law Schools und Nico’s ersten Arbeitstag ein.

Inhalt:
  • 0:45 Vorstellung
  • 2:15 Vorlauf und Planung der Station
  • 5:00 Die Arbeit vor Ort
  • 6:15 Besonderheiten amerikanischer Law Schools
  • 9:20 Access to Justice & Legal Tech
  • 14:30 Das Silicon Valley als Ort
  • 16:56 Der erste Arbeitstag
  • 19:02 Geht’s auch ohne Kanzleibackground?
  • 21:40 Bussiness Attire & autonome Roboter

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 2018-10-23  25m
 
 
00:11
Schön guten Tag. Herzlich Willkommen zu einer weiteren Folge "Irgendwas mit Recht.
00:11
Heute spreche ich in Hamburg mit Nico Kuhlmann. Hallo Nico.
00:11
<br>
00:11
<b>Nico Kuhlmann:</b>
00:11
Moin.
00:11
<br>
00:11
<b>Marc Ohrendorf:</b>
00:11
Ich grüße dich. Hi.
00:21
Wir sprechen heute über deine Referendariatsstation, die du im Silicon Valley gemacht hast, r
00:27
ichtig?
00:27
<br>
00:27
<b>Nico Kuhlmann:</b>
00:27
Das ist korrekt, genau.
00:27
<br>
00:27
<b>Marc Ohrendorf:</b>
00:27
Bevor wir darauf eingehen, stell' dich doch vielleicht mal kurz vor. Was machst du heute? Wann warst du dort?
00:34
Und dann werden wir uns ein bisschen chronologisch dem widmen, wie man sich vorbereitet, wie man dann tatsächlich irgendwo auch dort - ich sag' mal - genommen wird und was du dann dort auch erlebt hast.
00:46
Ja, vielen Dank. Ich bin von Haus aus erstmal klassischer Jurist, ich habe Jura studiert im schönen Bayreuth in Bayern,
00:55
hab dann, war dann für die Promotion in den USA. Hab mein Referendariat dann hier in Hamburg durchgeführt. Ganz klassische Station hier bei Gericht.
01:05
Ich durfte dann zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe.
01:08
Paar andere Stationen habe ich auch machen dürfen, also so gesehen erst meine ganz klassische juristische Ausbildung.
01:14
Das ist bei mir aber immer nur die halbe Wahrheit.
01:17
Hinzu kommt, dass ich schon immer eine sehr starke Affinität zu digitalen Themen hatte, auch zu wirtschaftlichen Themen.
01:24
Also ich hab' versucht, die juristische Welt nicht immer nur durch die dogmatisch rechtswissenschaftliche Brille zu sehen, sondern auch aus anderen Perspektiven zu betrachten.
01:33
Das hat ganz viele verschiedene Aspekte. Ich blogge seit einiger Zeit zum
01:37
Thema legal Tech. Ich schreibe viel auch für Legal Tribune Online und für andere Medien und versuche da mir so ein bisschen Gedanken zu machen, wie eigentlich die Digitalisierung uns Juristen betreffen könnte.
01:51
Und als es dann für mich zur Frage der Wahlstationen kam, stand natürlich ganz oben auf der Liste,
01:57
vielleicht mal ins Silicon Valley zu gehen, da vor Ort zu sehen, nicht nur wie Juristen dort vielleicht schon arbeiten, sondern auch wie andere Unternehmen, die aus dem Silicon Valley kommen, die Googles, die Facebooks und so weiter.
02:08
Was da vor Ort so passiert und genau.
02:08
Hat dann zum Glück auch geklappt und durfte meine Wahlstation Anfang dieses Jahres im Silicon Valley verbringen.
02:17
Wann hast du dich denn dazu entschieden, dorthin zu gehen? Also wie viel Vorlauf hast du gebraucht?
02:22
Der Vorlauf war tatsächlich jetzt für mich glücklicherweise einigermaßen überschaubar.
02:30
Ich arbeite jetzt seit über drei Jahren hier in Hamburg bei der Kanzlei
02:30
Hogan Lovells,
02:35
ursprünglich promotionsbegleitend und dann während der gesamten Zeit im Referendariat. Hab' da auch meine klassische Anwaltsstation vollbracht und hab' dann, glaube ich, ,nen Jahr vorher mal angefragt,
02:46
ob die Möglichkeit bestehen würde, in's Silicon Valley zu gehen für die Wahlstation.
02:51
Das ist bei uns klassischerweise eigentlich nicht vorgesehen. Also w
02:55
enn man bei
02:55
Hogan Lovells Anwaltsstation gemacht hat oder sonst verbunden ist, gibt es grundsätzlich immer die Möglichkeiten Washington D.C., London und Alicante.
03:03
Das hat mich aus verschiedenen Gründen alles nicht maximal gereizt, weil ich in vielen Orten schon war und wie gesagt schon ein bisschen auf's Silicon Valley mich gefreut habe,
03:13
hab dann aber, weil ich bei
03:13
Hogan Lovells auch das Thema legal Tech seit einiger Zeit betreue, einen ganz guten Juscase gehabt, warum es für mich Sinn machen könnte, nach Kalifornien zu gehen und das waren dann im Endeffekt glaube ich zwei E-Mails von zwei Partnern von uns und dann
03:26
war das grüne Licht aus den USA da.
03:31
Den Organisationskram, da war ich sehr dankbar für, hat dann tatsächlich auch die Kanzlei zu großen Teilen übernommen, also die die Frage des Visums vorbereiten, Flug buchen, die Krankenversicherungs für's Ausland abschließen und so weiter.
03:45
Da gibt es glücklicherweise in der Kanzlei unserer Größe Personal dafür, die das regelmäßig machen, weil wir ja regelmäßig Austauschprogramme haben, auch
03:45
von Anwälten
03:56
und
03:56
da wurde ich sehr stark unterstützt, sodass tatsächlich mein Vorbereitungsaufwand relativ gering war.
04:02
Was natürlich gerade dann besonders schön ist, wenn man sich auch eigentlich auf die Vorbereitung für die Klausuren konzentrieren musste...
04:02
<br>
04:02
<b>Marc Ohrendorf:</b>
04:02
Klar.
04:02
<br>
04:02
<b>Nico Kuhlmann:</b>
04:02
Sodass das sehr angenehm war.
04:11
Also wahrscheinlich sollte man, wenn man was Exotischeres vor hat für die Wahlstation, vielleicht ab so einem Jahr vorher mal überlegen, wo es hingehen sollte und dann die ersten Schritte einleiten.
04:23
Am Ende ist es dann doch immer so ein bisschen Kleinkram, der erledigt werden muss, aber es ist überschaubar.
04:28
Das heißt dein Ansprechpartner vor Ort war aber weiterhin auch Hogan Lovells?
04:28
<br>
04:28
<b>Nico Kuhlmann:</b>
04:28
Genau also
04:28
Hogan Lovells, für die, die die Kanzlei vielleicht nicht kennen, ist eine relativ große internationale Wirtschaftskanzlei, eine der größten der Welt.
04:40
Wir haben, ich glaub' 70 Büros weltweit und eben auch eins in San Francisco und nochmal ein Ableger direkt im Menlo Park im Silicon Valley, d
04:50
ass ich da quasi in der Kanzlei geblieben bin und vor Ort dann auch direkt die Ansprechpartner hatte und da in ein
04:58
gemachtes Nest mich setzen durfte.
04:58
<br>
04:58
Und du warst aber wahrscheinlich ja nicht so sehr daran interessiert, vor Ort dann reine Rechtsarbeit zu machen, du hast deine
05:06
technologische Ader ja schon angesprochen, sondern wolltest dir wahrscheinlich dort auch ein paar Unternehmen anschauen und hast das auch gemacht, wenn ich dich richtig verstanden habe, oder?
05:14
Genau, also natürlich Wahlstation ist ja auch noch Ausbildungsstation. Also ich hab'
05:19
im klassischen Team mitgearbeitet, ich bin von Haus aus IP'ler, also der grüne Bereich geistiges Eigentum
05:36
Und hab da im im Tagesgeschäft mich versucht einzubringen, war bei Verhandlung mit dabei, hab' Verträge mit gedraftet und hab' da, wie gesagt, meine meine - hoffentlich - Expertise versucht miteinzubringen.
05:51
Darüberhinaus hat man mir aber glücklicherweise auch viel Freiraum gegeben und wenn ich Vorschläge gemacht habe, was ich noch machen könnte, was für meine Gesamtausbildung förderlich sein könnte, bin ich da auch immer auf offene Ohren gestoßen.
06:06
Ich war mehrfach
06:06
in Stanford an der law school bei Veranstaltungen, ich hatte dann Kontakt zur Berkeley law school auch, hab' da ein bisschen was mitgemacht, also das war
06:15
die akademische Seite noch ein bisschen, die ja auch in den USA durchaus anders funktioniert als
06:15
,ne klassische deutsche juristische Fakultät.
06:23
Wollen wir darauf kurz für die Studierenden eingehen? Viele waren ja wahrscheinlich noch nicht an ,ner Hochschule in den USA.
06:29
Was meinst du damit genau, was funktioniert dort ein bisschen anders?
06:29
<br>
06:29
<b>Nico Kuhlmann:</b>
06:29
A
06:52
Das sieht man daran, dass die Gebäude ein bisschen schöner sind und den Studenten auch ein bisschen mehr Budget zur Verfügung steht, wenn die eigene Ideen und Konzepte haben.
07:00
Was mich ganz besonders interessiert hat, war, wie der Praxisbezug an den Fakultäten vor Ort war.
07:08
Was meine ich damit? Also bei uns in Deutschland ist die akademische Ausbildung würde ich sagen hervorragend.
07:16
Man hat nur d
07:18
adurch, dass man sehr viel Wert auf diese dogmatische Durchdringung legt w
07:22
eniger Praktika an den Unis und das ist
07:22
in den USA ein bisschen anders. Da gibt es Leute, die oft ein paar Jahrzehnte gearbeitet haben und dann zurückgekommen sind oder es gibt viel mehr Veranstaltungen und die auch ihr Wissen weitergeben.
07:34
Und da konnte ich
07:34
in Stanford
07:39
ir ein paar Sachen angucken, die mir besonders gut gefallen haben.
07:42
Da gibt es beispielsweise das Code X. Das ist das Center
07:42
for legal informatics
07:42
und da gibt es verschiedene legal Tech Start-up's,
07:49
die aus diesem Center hervorgegangen sind, von Studierenden, die sich nach ihrem Abschluss der Ausbildung nicht als klassische Anwälte niedergelassen haben, sondern ein Unternehmen gegründet haben, das im Bereich
07:49
legal Tech aktiv sind.
08:01
Und da gab es eine Reihe, die hieß
08:01
"Founder - now and then",
08:05
da waren Gründer eingeladen, die ehemalige Studierende waren, die dann relativ frisch dabei waren, teilweise auch die schon ihren ersten Exit oder den zweiten Exit hinter sich hatten, also Unternehmen schon weiterverkauft hatten. Und da gab's dann ,ne offene Podiumsdiskussion mit den aktuellen Studierenden,
08:20
was ich unglaublich spannend fand, weil gerade bei uns in Deutschland die
08:20
legal Tech Welle so ein bisschen hinterherhinkt, sodass wir gerade Leute, die erzählen können, wie sie Unternehmen, erfolgreich aufgebaut haben und dann auch erfolgreich verkauft haben noch gar nicht
08:32
gibt in Deutschland. Und da werden in Stanford die ehemaligen Gründer halt direkt wieder eingeladen, um den Studierenden ihre Erfahrungen weiterzugeben und da
08:32
fand ich die Nähe zur Praxis, der Austausch mit der Praxis
08:47
hatte ,nen höheren Stellenwert, was mir
08:47
sehr gut gefallen hat.
08:47
<br>
08:47
<b>Marc Ohrendorf:</b>
08:47
Ist natürlich ganz interessant, dass da auch wirtschaftliche Aspekte, hört man ja auch schon bisschen raus,
08:58
ja ,ne deutlich größere Rolle spielen als vielleicht an der ein oder anderen, gerade auch deutschen Fakultät, wo man mehr noch auf das altehrwürdige Recht abstellt und weniger darauf, was man dann nachher dann als Rechtsanwalt, legal Tech Unternehmer oder auch in sonstigen Branchen,
09:11
wo man sich einbringen kann als Jurist, dann auch wirtschaftlich daraus macht aus dem Studium sozusagen. Ist ja ein ganz
09:16
interessanter Aspekt, den viele Studierende vielleicht doch gar nicht so sehr bedacht haben.
09:16
<br>
09:16
<b>Nico Kuhlmann:</b>
09:16
Wenn ich da
09:16
noch kurz ergänzen darf:
09:24
Du hast Recht, das ökonomische spielt in den USA überall eine größere Rolle und wahrscheinlich auch in juristischen Fakultäten.
09:32
Ich würde aber die
09:32
legal Tech Szene nicht darauf reduzieren, sondern ich würde auch gerade sagen im Bereich des Zugangs zum Recht, des Exit Justice, können diese Unternehmen auch unglaublich viel leisten und gerade wenn man sich in den USA
09:47
AVO oder
09:47
legal Zoom oder andere Unternehmen anguckt, die einfach den Zugang zum Recht für die Bürger sehr viel vereinfacht haben, sehr viel transparenter gemacht haben, sehr viel preisgünstiger gemacht haben,
10:00
das hat ja auch Aspekte, die dann nicht primär ökonomisch sind im Sinne von "W
10:06
ir müssen jetzt die riesen Rechnung schreiben", aber die natürlichen ,nen gesamtgesellschaftlichen Vorteil haben, der auch nicht mit juristischer Dogmatik zu tun hat aber einfach mit gelebter Realität und
10:19
das wird da auch sehr groß geschrieben.
10:21
Also es gibt da tatsächlich eigene
10:21
Kurse an den Universitäten, wo die Studierenden lernen, beispielsweise juristische Apps zu bauen, die Leuten in Problemsituationen helfen können.
10:34
Etwas was ich mir auch in Deutschland wünschen würde, was
10:34
es so leider in der Form n
10:37
och nicht gibt, aber da wollte ich nochmal ergänzen, dass das nicht nur ökonomische Aspekte hat, sondern auch
10:43
einfach den Aspekt hat "Wie können wir eigentlich das Recht, was wir zurecht sehr wertschätzen und hochhalten, den Leuten möglichst einfach auch zugänglich machen?". Und da spielt die Digitalisierung, glaube ich, auch eine sehr große Rolle.
10:43
<br>
10:43
<b>Marc Ohrendorf:</b>
10:43
Ja, da bin ich komplett bei dir. Gar k
10:57
eine Frage. Also gerade auch wenn wir uns anschauen, wie regelmäßig natürlich in den USA auch ,nen Prozess selber finanziert werden muss und Rechtsschutzversicherungen deutlich weniger verbreitet sind als beispielsweise in Deutschland, dann ist das sicherlich ein wichtiger Aspekt.
11:11
Wenngleich, da bin ich komplett bei dir, auch in Deutschland es schön wäre, wenn man noch mehr digital und einfach und kostengünstiger vielleicht, gerade als Verbraucher, machen könnte.
11:21
Tota<b>l. E</b>s gibt in den USA die schöne Unterscheidung zwischen law in books and law in action. Und i
11:27
ch hab das Gefühl, jetzt rückblickend auf meine juristische Ausbildung, dass sich die eigentlich hauptsächlich auf
11:27
<b>law</b> in books konzentriert hat. Also wenn für uns deutsche Juristen das Recht
11:37
auf
11:37
dem Papier Sinn macht, dann sind wir damit zufrieden, ob es in der Realität auch genutzt wird, ob es funktioniert,
11:44
ist uns schlimmstenfalls egal. I
11:46
m besten Fall wissen wir's einfach nicht, weil wir ja auch wenig empirische Studien haben.
11:53
er Klassiker ist irgendwie die Beweislastumkehr im Kaufrecht, die ist auf
11:53
dem Papier macht die total Sinn,
11:58
wie die tatsächlich gelebt wird, ob die Leute das wissen, ob das funktioniert, ich weiß es nicht. Und wie gesagt, da finde ich die Unterscheidung zwischen law in books und law in action ganz schön.
12:08
Und ich glaube, wir würden uns ,nen Gefallen tun, gerade auch in der Ausbildung und gerade auch gesamtgesellschaftlich, wenn wir mehr
12:15
Wert darauf legen, auch zu gucken,
12:15
ob law in action auch funktioniert.
12:19
Ist das ,ne neue Perspektive für dich, die du jetzt im letzten Jahr dort gewonnen hast, um noch mal auf deine primären Erfahrungen im Referendariat zurückzukommen, inwieweit hat dich das da bereichert?
12:29
Also das ist wahrscheinlich ein Aspekt, der mir vorher nicht ganz so klar war, was natürlich auch daran liegt, dass bei uns in Deutschland der Rechtsmarkt ja eigentlich ganz gut funktioniert.
12:40
Wir haben 160.000 zugelassene Anwälte, d
12:43
as Rechtsanwaltsvergütungsgesetz sorgt dafür, dass die Preise einigermaßen stabil sind und auch kleinere Sachen nicht so viel kosten.
12:54
law in books und law in Action vielleicht noch dringender ist als bei uns,
12:54
Also es ist ja, es geht ja schlimmer. In den USA ist der Zugang zum Recht sehr viel komplizierter, sehr viel kostenintensiver, sodass da die Unterscheidung zwischen
13:08
aber auch bei uns
13:08
kann man glaube ich vieles anders machen und das ist definitiv was, was ich mitgenommen habe aus der Zeit.
13:13
Das andere, was ich mitgenommen habe, ist natürlich diese wahrscheinlich bekannte kalifornische Lebensfreude und Aufbruchstimmung und Experimentierfreude.
13:26
Also, wir Deutschen sind ja wahrscheinlich generell nicht das experimentierfreudigste Völkchen und wir Juristen dann wahrscheinlich noch mal weniger als der Durchschnitt und das fand'
13:26
ich in Kalifornien g
13:38
anz besonders schön, wie viele junge Studierende, aber auch junge Anwälte und auch Partner
13:45
Sachen ganz neu hinterfragen, ganz andere Ansätze gehen wollen, ganz andere Rechtsprodukte bauen und da viel, viel offener und viel freudiger sind.
13:56
Bei uns wird leider Digitalisierung oft unter negativen Aspekten diskutiert. So was heißt das jetzt für die Cyber Security? Und was bedeutet das für die Überwachung? Und sind auch alles valide Punkte, t
14:06
rotzdem glaube ich unter'm Strich ist die Digitalisierung was total Schönes und Tolles und wird uns ganz neue Möglichkeiten eröffnen.
14:14
Auch da würde ich dafür plädieren, dass wir da ein bisschen freudiger darauf zugehen und auch wir als Juristen das Thema ein bisschen großherziger annehmen und das selber auch mehr vorantreiben, um dann eben positive Effekte für uns, aber auch für die Bürger da draußen zu heben.
14:29
Jetzt warst du in San Francisco, war's San Francisco oder
14:29
wo warst du hauptsächlich?
14:29
<br>
14:29
<b>Nico Kuhlmann:</b>
14:29
Genau, richtig.
14:34
Ich hatte, auch das, vielen Dank nochmal an die Kanzlei, ein ganz schönes Apartment in
14:34
downtown San Francisco und hab' dann aus den Büro's im Financial District in San Francisco beziehungsweise
14:46
m Büro in Menlo Park im Silicon Valley gearbeitet, je nachdem wo grad mehr zu tun war und wo auch irgendwie Veranstaltungen waren oder wo ich andere Sachen mitnehmen konnte.
14:57
Das muss man sich so vorstellen, das Silicon Valley hat ja so ,nen sehr
15:02
chönen Klang an sich und das zaubert auch vielen Leuten immer ein Lächeln ins Gesicht.
15:08
Es ist tatsächlich relativ banal, also Silicon Valley ist ein Industriegebiet. Das ist das Industriegebiet im Vorort von San Francisco, es ist auch kein wirkliches Tal, sondern eher so ein Hangr
15:19
ücken.
15:19
<br>
15:19
<b>Marc Ohrendorf:</b>
15:19
Du muss da relativ weit rausfahren, ne? Ich war Anfang des Jahres auch mal da und dachte mir auch: "Hoppla,
15:19
ist doch ein deutliches Stück von der Stadt dann bis ja man beim Unternehmen ist, sozusagen.
15:19
<br>
15:19
<b>Nico Kuhlmann:</b>
15:19
Das stimmt,
15:31
es gibt ein Vorortzug, den "CalTrain",
15:35
er fährt von der Station, wo ich eingestiegen bin bis Menlo Parks, das ist im Silicon Valley, glaube ich knapp ,ne Stunde. U
15:43
nd dann natürlich noch muss man zu Fuß noch ein bisschen weitergehen,
15:43
also die Pendelstrecke war schon deutlich mehr als hier in Hamburg. Hier in Hamburg brauche ich mit dem Fahrrad glaube ich keine zehn Minuten bis zur Kanzlei.
15:43
Das war da ein bisschen was anderes<b> </b>
15:55
und es ist auch tatsächlich von der Umgebung her jetzt nichts, ohne jetzt böse zu sein, maximal Inspirierendes.
16:03
Das ist ein Industriegebiet, da gibt es viele funktionale Flachbauten, es gibt natürlich auch mal zwischendurch die ein oder andere schöne Einkaufsstraße,
16:12
aber ich glaube, das beeindruckendste, wenn man zum ersten Mal in#s Silicon Valley reinfährt, ist wie unbeeindruckt es eigentlich nach außen hin wirkt.
16:12
Es gibt natürlich Ausnahmen.
16:22
Der Googleplex ist ein sehr schöner Gebäudekomplex, da wo Google das Hauptquartier hat,
16:28
mit Pool, mit Beachvolleyballpatz, mit großem Dinosaurierskelett was ausgestellt wird, also relativ schön verspielt.
16:36
Es gibt jetzt den neuen Campus von Apple, der, der sehr abgespaced, sehr modern ist, aber auch tatsächlich ein bisschen versteckt hinter aufgeschütteten Hügeln.
16:46
Also auch nur maximal präsent, der Rest ist wie gesagt, relativ, also schöne und gepflegte, aber jetzt auch nicht maximal beeindruckende Industriegebäude.
16:56
Wie war dein erster Arbeitstag eigentlich?
17:00
Relativ klassisch, also wie gesagt ich war ja da auch in Büros von Hogan Lovells,
17:00
sodass die IT und die Programme und das Drumherum mir alles bekannt vorkam.
17:11
Ich hab' direkt in beiden Büros, also in beiden Bürogebäuden ein eigenes Bürozimmer bekommen, mit der klassischen
17:11
standardmäßigen Ausstattung,
17:20
hab' dann mein Team kennengelernt, wir waren dann abends noch direkt was trinken und bin da würd' ich sagen relativ nahtlos von meiner Arbeit hier in der Kanzlei in die Arbeit dadrüben gewechselt.
17:33
Was vielleicht erwähnenswert ist, dass die US-amerikanischen Kanzleien dafür bekannt sind, dass sich sehr viel Mühe geben, wenn sie junge Studenten oder oder Austauschstudierende da haben.
17:45
Das hat so ein bisschen den Hintergrund, dass in den USA das gesamte
17:45
Recruitment-Verfahren anders ist als bei uns in Deutschland.
17:53
Bei uns ist ja die Examensnote so das A und
17:53
O, in den USA gibt es keine Examensnote, man kann das bar exam nur bestehen oder nicht bestehen, aber es wird nicht bewertet mit einer Note, sodass die Kanzleien<b> </b>
18:07
sich darauf nicht verlassen können, wenn sie gute Leute einstellen wollen, sondern es geht nur indem sie testen und darum gibt es diese relativ ausgebauten summer associate programs, wo Studierende für den Sommer dann in die Kanzlei kommen und da mitarbeiten, man sich da kennenlernt und da versucht, die besten rauszu
18:22
fischen. Und da sich da die Kanzlei natürlich auch immer gut präsentieren muss, gibt es da ein sehr nettes Rahmenprogramm und an diesem
18:31
Rahmenprogramm durfte auch ich partizipieren.
18:35
s gab irgendwann mal eine Fahrradtour über die Golden Gate Bridge nach Sausalito und wir haben mal eine Silicon Valley Tour gemacht, wo wir mal alle Headquaters abgefahren haben und waren mal segeln.
18:51
Und haben da auch wie gesagt im Team und von der Kanzlei aus auch außerhalb des Büros ein bisschen was unternommen und hab' mich da wie gesagt, von Anfang an sehr wohlgefühlt.
19:01
Lass
19:01
uns mal noch auf einen anderen Aspekt eingehen. Du hattest natürlich den großen Vorteil, dass du hier schon ganz gut mit der Kanzlei verbunden warst und dann daher auch ja ,nen relativ einfachen, wenngleich natürlich auch ,nen aufwändigen, aber doch irgendwo k
19:16
ürzeren als normalerweise Weg finden konntest, dort deine Wahlstation zu machen.
19:22
Glaubst du, dass es realistisch, dass jemand, der sich vielleicht noch nicht so sehr eine Großkanzlei gewandt hat, vorher hier noch nicht für eine Großkanzlei gearbeitet hat, dort auch Fuß fassen könnte?
19:35
Die einfache Antwort wäre ein ganz klares "Ja", gefolgt von ein paar Rahmenbedingungen.
19:44
Also ich würde jedem raten, der grundsätzlich Interesse an sowas hat, die
19:44
Wahlstation dazu zu nutzen auch ins Ausland zu gehen, das hat aus fachlichen Gründen auch Vorteile.
19:55
Aber ich glaube, der größte Vorteil ist
19:55
eher so ,nen
19:55
menschlicher für einen selber. Einfach mal ein anderes Land sehen, ,ne andere Umgebung sehen, ,ne andere Kultur sehen,
20:03
sich da zurechtzufinden, sich da neuen Eindrücken auszusetzen, also das kann ich jedem einfach nur ans Herz legen.
20:03
Wenn man da grundsätzlich Interesse daran hat, stellt
20:13
sich die nächste Frage: Wie kann ich das machen? ,Ne
20:16
Kanzlei ist natürlich ein guter Ansprechpartner, gerade die großen Kanzleien haben ja weltweit auch Büros, und da<b> </b>
20:22
gibt es bestimmt ein Büro in einer Stadt, die einem zusagt, man muss dann natürlich irgendwie einen Grund finden, warum gerade die die Stadt vielleicht auch Sinn ergibt für einen Austausch, wenn man vorher mit der Kanzlei auch schon in Kontakt war, ist das alles im Bereich des Möglichen.
20:37
Darüber hinaus gibt es natürlich auch andere Ansprechpartner.
20:41
Man kann
20:41
zu ,ner deutschen Botschaft gehen, man kann zu ,ner Außenhandelskammer gehen, man kann auch einfach initiativ kleinere Kanzleien anschreiben.
20:50
Eine gute Bekannte von mir war bei einem deutschen Anwalt, der in Melbourne Australien praktiziert und hat da ihre Wahlstation gemacht.
21:00
Das ist dann vielleicht von der Planung aufwändiger und vielleicht von der Vergütung auch nicht ganz so attraktiv wie bei einer großen Wirtschaftskanzlei, a
21:08
ber auch die Möglichkeiten gibt es natürlich.
21:08
Da muss man sich einfach fragen, hat man grundsätzlich Interesse an Auslandserfahrung und wenn das der Fall ist, was würde zu einem passen, welche Stadt interessiert einen, welches Thema interessiert einen
21:21
und da muss man sich halt ein bisschen kümmern, aber da gibt es sehr viele Möglichkeiten.
21:25
Und wie gesagt, ich kann jedem nur dazu raten, das auszuprobieren.
21:29
Zum Abschluss will ich ganz gerne wissen, was denn <b>die</b> Erfahrung für dich war in deiner Wahlstation.
21:35
Wenn du sagst, okay wenn ich an eine Sache zurückdenke, dann denke ich an das.
21:35
<br>
21:35
<b>Nico Kuhlmann:</b>
21:35
Das ist immer schwierig, jetzt eine Sache rauszupicken ist. Es gibt da ganz, ganz viele. Ich will zwei sagen, wenn ich darf.
21:35
<br>
21:35
<b>Marc Ohrendorf:</b>
21:35
Gerne klar.
21:48
Die eine hat im Prinzip schon vor der Wahlstation stattgefunden.
21:52
Das war so ,ne Woche, das war nach den Klausuren, ,ne Woche vor meinem Abflug, wo ich dann mal an dem Punkt angekommen war, zu überlegen, was packe ich eigentlich ein. Und d
22:01
ann hab' ich eine E Mail geschrieben an den Partner, der für mich zuständig war in den USA, wie eigentlich der Dresscode bei uns vor Ort ist und
22:09
ob fünf dunkelblaue Anzüge reichen oder was ich mitbringen soll und ich bekam relativ schnell eine E Mail zurück mit: "Dear Nico, we are casual all the time. Please leave your suits at home."
22:21
ich dann tatsächlich nur mit Jeans und
22:21
ein, zwei Stoffhosen aber dann doch...
22:21
<br>
22:21
<b>Marc Ohrendorf:</b>
22:21
Hand aufs Herz, hast du wirklich keinen Anzug mitgenommen?
22:31
nd das hat sich tatsächlich nachher als Problem
22:31
herausgestellt, weil ich dann durch Kontakte zur Berkeley law school zum Berkeley Barrister Ball eingeladen worden bin, wo da
22:42
natürlich
22:42
Anzugpflicht bestand, sodass ich dann relativ kurz mir
22:58
Ich fand das ganz schön, der Senior Associate der mich betreut hat, der kam irgendwann morgens mit einem... mit Jeans und einem Wollhemd in mein Büro und meinte, er hätte sich heute zum allerersten Mal länger überlegt, was er anzieht.
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Nicht weil es für die Kanzlei wichtig gewesen wäre oder für den Job, sondern weil er nachher einen Termin hatte bei einer NGO, wo er junge Flüchtlingskinder aus Mexiko betreut
23:21
und er sich gefragt hat, wie, was er anziehen kann, um bei denen möglichst nahbar zu wirken und nicht, keinerlei Distanz zu haben.
23:28
Und das fand ich total schön als Anekdote, dass das der Tag war, wo er sich lange Gedanken macht, was er anziehen und jeder andere Tag einfach ein normaler
23:28
smart casual day ist und das ist so ein bisschen. Kommt ja in Deutschland auch mehr und mehr, a
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ber das war schon ein sehr großer Unterschied, w
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as einfach so das
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Attire, das Outfit angeht.
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Und ein anderer Aspekt, der mir in Erinnerung geblieben ist, war: Ich war irgendwann abends mal mit ,nem Kollegen was trinken in einer Bar, ich glaub' es war ein Mountain View im Silicon Valley<b> </b>
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und wir standen da auf der Straße mit
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unserem Cocktail und haben uns unterhalten. Und auf einmal fuhr ein vierrädriger autonomer Roboter an uns vorbei, der dort vor Ort die Pizza ausliefert.
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<b>Marc Ohrendorf:</b>
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Ach cool.
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<b>Nico Kuhlmann:</b>
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Also, es gibt schon Pizzadienste da unten, die die Pizzen mit diesen selbstfahrenden Robotern ausliefern. Und i
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ch hab' dann schnell ein Foto gemacht als er an uns vorbeifuhr und hab' das dann nachher recherchiert.
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Das funktioniert ganz normal, ich bestell' die Pizza per App an meine Adresse und dann wird die in diesen
24:33
fahrenden Roboter Kasten reingelegt und per GPS findet das dann den Weg zu mir nach Hause und sobald das bei mir gelandet ist, wird ein QR Code angezeigt, den ich mit meinem Handy einlesen muss und dann öffnet sich die Klappe und dann kann ich meine g
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ewärmte, warmgehaltene Pizza da rausholen. D
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as hat da vor Ort niemanden interessiert, weil das für die schon zum Alltag gehört hat, f
24:55
ür mich als zugereister Teutone war das natürlich ein Einblick in die Zukunft. Und da musste ich, musste ich schmunzeln als ich das gesehen habe.
25:08
Also selbstfahrende Autos gerade von Reymo, von Google hat man da ein paar mal gesehen, aber die kannte man ja auch hier aus dem Fernsehen.
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<b>Marc Ohrendorf:</b>
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Ja klar.
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<b>Nico Kuhlmann:</b>
25:08
So einen selbstfahrenden Pizzaroboter hatte ich vorher noch nicht gesehen und wusste auch nicht, dass es das gibt<b>. </b>
25:21
Das, das fand' ich ganz schön zu sehen und ich glaub', wir können uns noch auf ganz viel schöne Sachen freuen, die aus dem Tal der Zukunft auf uns zukommen.
25:28
Das ist ein schönes Schlusswort. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, hier heute uns einen Einblick zu geben, den Studierenden Einblick zu geben, wie es sein kann, wenn man im Silicon Valley seine Wahlstation macht und dir weiterhin viel Erfolg.
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<b>Nico Kuhlmann:</b>
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Vielen Dank!