SchönerDenken

Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte Klassiker.

https://schoener-denken.de

subscribe
share



Folge 1050: JOKER: Ein Film zum Verzweifeln


Die Comicfigur Joker ist ein brillanter Superschurke, ein höchst gefährlicher Krimineller. Damit ist der Joker in den Comics und den bisherigen Filmen der perfekte Antagonist für den Helden Batman – besonders beeindruckend in der Darstellung von Heath Ledger. Regisseur Todd Phillips ist aber am schillernden Bösewicht nicht interessiert. Er will die Origin-Story des Antihelden Joker erzählen: Woher kommt der Joker? Wer war er, bevor er der Joker wurde? Und am wichtigsten: Was hat den glücklosen Clowndarsteller Arthur Fleck zum Joker gemacht? Arthur Fleck wird verprügelt, gedemütigt, von seiner Mutter belogen (gewissermaßen), von seinem Vater verleugnet (gewissermaßen). Ist Arthur Fleck ein Opfer? Sind die Schicksalsschläge Grund oder Entschuldigung für seine beginnende Karriere als Mörder? Wer trägt die Verantwortung? Darauf gibt Regisseur und Drehbuchautor Todd Phillips keine Antwort. Phillips zeigt in dieser gesellschaftlichen, moralischen Frage keine Haltung. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite steht Joker-Darsteller Joaquin Phoenix, dessen Charisma diesen Film durchglüht, der Verletzlichkeit, Schmerz, Verzweiflung und die aufkommende Lust am Töten atemberaubend auf die Leinwand bringt. Sein Tanz auf der Treppe ist Filmgeschichte. Regisseur Todd Phillips konzentriert sich erfolgreich auf Atmosphäre – durch Licht, Szenenbild und vor allem durch den Einsatz von Musik. Nichts davon ist subtil, nicht davon verfehlt seine Wirkung. Für die Atmosphäre sorgt auch eine chaotische Revolte gegen „die da oben“, die sich den Joker als Vortänzer aussucht. Am Ende steht ein Film, der handwerklich exzellent ist und schauspielerisch überragend. Nur weiß man als Zuschauer nicht, ob man sich da nicht Mitleid, vielleicht sogar Verständnis und Sympathie für einen Täter hat einreden lassen, der es genießt zu töten. Man weiß als Zuschauer nicht, ob Arthur Fleck auf seinem Weg zum Joker als Vorbild für Außenseiteramokläufer dienen wird. Im Podcast direkt nach dem Kino versuchen Johanna und Thomas einigermaßen vergeblich auf diesen Film klarzukommen.


share





 2019-12-10  18m