Frisch an die Arbeit

In "Frisch an die Arbeit" stellen Leonie Seifert und Daniel Erk spannenden Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Fragen über ihr persönliches Verhältnis zu ihrer Arbeit.

https://www.zeit.de/serie/frisch-an-die-arbeit

subscribe
share





episode 73: Wie spricht man mit Menschen über ihre tiefsten Abgründe, Jürgen Domian?


"Auch nach fast 23.000 Interviews gibt es Anrufer und Themen, bei denen mein Team und ich sagen: Das ist ja unfassbar!", sagt der Talkshow-Moderator Jürgen Domian im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Bekannt wurde der heute 62-Jährige mit seinem nächtlichen Radio-TalkDomian, der seit Mitte der Neunzigerjahre mit Unterbrechung im Radio und neuerdings auch im WDR-Fernsehen ausgestrahlt wird. Die Sendung bekam er nach einem Volontariat beim WDR. Damals schlug er dem Intendanten des Senders, Fritz Pleitgen, eine sogenannte Call-in-Sendung vor, in Anlehnung an die aufkommenden Talk-Formate in den USA. "Pleitgen sagte zu mir: Versuchen Sie, mit den Menschen privat zu reden. Sprechen Sie, als säßen Sie beim Kaffee oder Bier zusammen." Der spätnächtliche Programmplatz, eigentlich eine Notlösung, stellte sich bald als großer Vorteil heraus – weil die Anrufer in der Ruhe der Nacht offenbar ein größeres Zutrauen entwickelten, erzählt Domian im Arbeitspodcast. Drei Monate nach Sendestart meldete sich ein junger Mann namens Hubert, der Leukämie im Endstadium hatte und zum Sterben in seine Wohnung zurückgekehrt war, erinnert sich der Moderator. Domian kam mit ihm ins Gespräch: "Da habe ich gemerkt: das ist nicht einfach nur Talk! Das ist vielleicht sowas wie Seelsorge."


share







 2020-06-09  34m