Übergabe

Entspannt lauschen, was in der Pflegelandschaft vor sich geht. Wir diskutieren wichtige und aktuelle Themen, analysieren sie und sprechen darüber. Wir bringen Pflege auf den Punkt. Damit Du einen guten Überblick bekommst und Zusammenhänge verstehst. Wir laden regelmäßig Expert*innen ein, mit denen wir tief ein Thema beleuchten. Dieser Podcast behandelt Themen aus den Bereichen Pflegewissenschaft, Pflegepolitik, Pflegepädagogik und Pflegemanagement. Wir berichten über Versorgungsstrukturen und wie die Pflege unserer Gesellschaft besser gelingen kann. Wir bieten jede Menge Fachinformationen, die auch in der Weiterbildung, der Ausbildung und der Praxis gut genutzt werden können.

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episode 54: Soziale Teilhabe in Altenpflegeheimen unter Covid-19 in S1-Leitlinie und Survey-Studie (Prof. Dr. Margareta Halek) [transcript]


Shownotes zur Folge

  • S1-Leitlinie: Soziale Teilhabe und Lebensqualität in der stationären Altenhilfe unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie (awmf.org)
  • Prävention und Management von COVID-19 in Alten- und Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen (rki.de)
  • Dehi Aroogh M, Mohammadi Shahboulaghi F.: Social Participation of Older Adults: A Concept Analysis. Int J Community Based Nurs Midwifery. 2020;8(1):55-72. doi:10.30476/IJCBNM.2019.82222.1055
  • Allowing Visitors Back in the Nursing Home During the COVID-19 Crisis: A Dutch National Study Into First Experiences and Impact on Well-Being (science direct.com)
  • Website zum Survey-Projekt (Gemeinschaft-gestalten.de)
Weitere Shownotes
  • Stimmen der Pflege (uebergabe.de)
  • Gedenkseite für verstorbene Beschäftigte im Gesundheitswesen (uebergabe.de)
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Der Beitrag ÜG054 – Soziale Teilhabe in Altenpflegeheimen unter Covid-19 in S1-Leitlinie und Survey-Studie (Prof. Dr. Margareta Halek) erschien zuerst auf Übergabe Podcasts.


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 2020-10-03  1h19m
 
 
00:08  Mike
Diese Folge wurde im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen der Förderung "Wissenschaftskommunikation für die Gesellschaft, Corona und darüber" hinaus produziert.
00:27  Christian
Ja, hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Übergabe-Podcasts. Das ist Folge, ich weiß gar nicht, welche Folge es ist, 53 oder 54 , nee.
00:36  Mike
ach Entschuldigung, Man, da wollte ich jetzt mal...
00:41  Franziska
Mike wollte einmal auch.
00:42  Christian
Ist nicht 51, Mike. Wir sind aber in den 50ern. Ist aber gar nicht so wichtig, welche welche Nummer diese Folge hat,
00:50
sondern viel wichtiger ist, wie es im Intro gerade schon angeklungen ist, dass diese Folge wieder im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung aufgenommen ist.
00:58
Und deswegen haben wir heute auch wieder ein Thema, was im Rahmen der Versorgungsforschung und der Corona-Pandemie in Verbindung steht.
01:08
Und Franziska hat das alles eingefädelt.
01:12  Franziska
Es ist auf meinem Mist gewachsen.
01:13  Christian
Heute sitzen wir hier nämlich mal mit Frau Prof. Dr. Margareta Halek aus der Universität Witten/Herdecke. Hallo und herzlich willkommen.
01:23  Margareta Halek
Hallo an alle.
01:25  Christian
Wir sind p
01:27
er Du. Das haben wir so festgelegt, weil wir uns aus Witten einfach kennen, weil das so ein ganz kleiner Kosmos ist. Also für alle Hörenden: bitte nicht wundern. Genau, heute soll es ja um die S1-Leitlinie gehen, denn Sie haben in den vergangenen Monaten e
01:42
ine eine Leitlinie veröffentlicht oder beziehungsweise erarbeitet und dann veröffentlicht, die jetzt auch kürzlich erschienen ist. Und genau zu diesem Thema wollen wir uns heute nochmal tiefergehend unterhalten.
01:54
Genau, bevor es soweit ist, Margareta, erzähl doch mal ein bisschen was über dich, weil du bist ja jetzt g
02:02
ar nicht so lang in dieser tollen Position in Witten. Erzähl mal ein bisschen was über dich und wie es dazu gekommen ist.
02:08  Margareta Halek
Oh je, wo soll ich denn ausholen? Also ich bin wieder hier im Revier, kann man so bisschen sagen. Mein Studium habe ich aber an der Uni Witten/Herdecke auch begonnen. D
02:20
amals im Institut für Pflegewissenschaft. Heute heißt es Department für Pflegewissenschaft.
02:25
Und ich bin im Bachelor und Master Pflegewissenschaft gewesen und im Anschluss habe ich bei Frau
02:34
Prof. Sabine Bartholomeyczik fast zehn Jahre gearbeitet am Lehrstuhl für Epidemiologie.
02:41
Und sie ist dann auch bis heute meine Mentorin geblieben.
02:45
Im Anschluss, nach den zehn Jahren, bin ich mit Sabine Bartholomeyczik an das Dezertenee gegangen, das Forschungsinstitut, welches damals neu entstand
02:55
und die Idee hatte, beziehungsweise ein Teil davon, dass man
03:00
Pflege sehr stark in der Demenzforschung vorantreiben kann mit diesem Institut. Das haben wir mit größeren Themen aufgebaut und ich habe dort eine Arbeitsgruppe geleitet.
03:12
Und das Ziel dieser Arbeitsgruppe war Interventionsforschung zu betreiben für Menschen mit Demenz. Das war eine ganz tolle Zeit. Zehn Jahre lang nur forschen,
03:22
wo gibt's das denn tatsächlich?
03:24
Und ja, aber nach zehn Jahren war die Herausforderung wieder da, etwas Neues zu machen und dann bin ich eine Etage höher gezogen. Kann man das sagen? Wir sind nämlich im gleichen Gebäude hier an der Stockumer Straße in Witten
03:37
ich habe die Leitung des Departments für Pflegewissenschaft übernommen und gleichzeitig die Professur oder den Lehrstuhl für Pflegewissenschaft. U
03:45
nd seit September letzten Jahres habe ich diese Position und eine sehr aufregende Zeit,
03:52
nicht nur durch Corona, aber auch mit Corona erleben dürfen.
03:56  Christian
Ja, hat ja dann tatsächlich auch kurz danach angefangen, nachdem Sie dann ja in Witten da die Leitung übernommen haben.
04:05
Du, Du - ich muss mich noch ein bisschen dran gewöhnen.
04:10
Genau, Franziska, willst du das Thema mal so ein Stück weit vorstellen? Weil soweit ich weiß, ist dir das nicht fremd.
04:18  Franziska
Genau, es geht um soziale Teilhabe in Altenpflegeheimen unter
04:23
eben COVID-19 und es ist so, dass ich - das ist ja jetzt ein kleiner Disclaimer, damit die Leute sich nicht wundern - zwar nicht an der S1-Leitlinie mitgearbeitet habe, aber eben in der, ja,
04:34
daran andockenden Serveystudie, die wir durchgeführt haben. Also ich bin quasi auch Mitarbeiterin in dem kleinen Projekt gewesen, was wir da noch anschließend gemacht haben.
04:45  Christian
Genau. In dieser S1-Leitlinie geht es nun um die soziale Teilhabe in Altenpflegeheimen unter COVID-19.
04:55
Und vielleicht, damit wir uns dem Thema so ein bisschen annähern können erstmal, was ist eigentlich soziale Teilhabe? Und was hat das eigentlich mit Lebensqualität zu tun, Margareta?
05:06  Margareta Halek
Ja, das sind so zwei fantastische Begriffe,
05:11
die so groß sind wie alles, was wir so gerne irgendwie umfassen mit dem Begriff oder was er repräsentieren sollte.
05:20
Das gute, aktive, integrierte, indkludierte Leben. Soziale Teilhabe: der Begriff kommt
05:28
aus der Behindertenkonvention und da geht es darum, etwas aktiv mitgestalten zu können und Teil des
05:37
politischen, sozialen, kulturellen Lebens zu sein. Also sehr breit, wenn man so will.
05:43
Ja und Lebensqualität ist hier ein Begriff, der seit den 50er Jahren immer wieder diskutiert wird und der Versuch unternommen wird, etwas zu tun. Aber d
05:54
ie Frage ist, was haben wir denn daraus gemacht in der S1-Leitlinie? Wir haben
05:59
zu dem Zeitpunkt, und das war April, die Stimmungen wahrgenommen und die große Angst, v
06:04
or allem der Einrichtungen und der Menschen, die dort leben: was passiert, wenn alles geschlossen wird und wir keinen Kontakt haben? Wie können wir dieses Leben noch wahrnehmen? Und das soll diese
06:16
r Begriff der sozialen Teilhabe repräsentieren? Also es soll auch für die Einrichtungen und für die Bewohner beschreiben
06:26
einen aktiven Teil des Lebens, an
06:29
Aktivitäten teilnehmen zu können, an der Versorgung tatsächlich auch teilnehmen zu können, mitbestimmen zu können, was mit ihnen passiert, s
06:38
oweit es möglich ist. Das hat sehr, sehr viel mit Interaktion zu tun. Das hat sehr viel auch mit dem s
06:45
ich selbst auszudrücken zu tun, Rollen zu übernehmen. Also das, was wir das Leben nennen, dieses Leben auch leben zu können.
06:55
Und das mit der Lebensqualität zusammen, natürlich mit diesem großen Begriff dessen, dass es ein gutes Leben sein soll. Also ein Leben, was nicht irgendwie sich an bestimmten minimalen Anforderungen orientiert, sondern dass die Menschen sich wohlfühlen. D
07:09
ass sie ihre Aufgaben und Ziele noch erreichen können, erledigen können. Dass sie das tun können, was sie wollen.
07:18
Und das stand eine gewisse Zeit l
07:21
ang so im Widerspruch zu den Schutzmaßnamen, die damals drastisch eingeführt worden sind. Also eben Verbote. Viele, viele Verbote und insbesondere für eine Gruppe, die a
07:34
n sich schon vulnerabel ist und an sich schon nicht mehr so stark ist, um sich in diesem Leben zu finden und auch sich selbst zu verteidigen. U
07:44
nd, ich glaube, das war ein Impuls zu sagen "Moment mal: wir alle noch, die Gesunden da draußen, wir können noch unsere Ausnahmen und Wege finden. Was machen die Menschen im Altenheim, die so sehr
07:57
auf die Hilfe anderer angewiesen sind?"
07:59
Und das Ganze war tatsächlich Anlass darüber nachzudenken, was können wir tun? Wie können wir da Hilfestellung auch anbieten für alle Beteiligten?
08:10  Franziska
Wir befinden uns jetzt ja hier im Setting der Altenpflege und Mike hat eben noch mal kurz eine schnelle Nachricht geschrieben, weil er wollte gerne noch was sagen zu dieser Folge.
08:18  Mike
Ja, es ist natürlich so ein großer Bruch drin, aber das macht mich ein bisschen stolz, dass auf einmal - und das hat manziemlich selten eigentlich, wenn man sich so ein bisschen im akademischen Rahmen
08:27
oder Milieu bewegt - aber dass Margareta, Christian und ich eine Altenpflegeausbildung gemacht haben und das ist ei
08:34
gentlich sehr, sehr selten, dass man mal irgendwie auf jemanden trifft, der auch eine Altenpflegeausbildung gemacht hat und nicht irgendwie aus dem Krankenhaus kommt und irgendwie auf der Intensiv gearbeitet hat. D
08:44
as wollte ich eigentlich nur nochmal anführen. Das ist eigentlich ganz schön. Und dass wir diesmal auch über ein Altenpflegethema sprechen und dass das auch wirklich mal Altenpflegende sind.
08:53
Nur kurz als Zwischenton.
08:55  Franziska
Ich finde, wenn du so beschreibst, was soziale Teilhabe eigentlich ist und auch in Bezug auf die Lebensqualität: Ich glaube, wir haben auch in der Folge zum Expertenstandard Demenz schon mal drüber gesprochen,
09:07
dann geht man eigentlich davon aus, dass das Dinge sind,
09:10
die ja eigentlich normal sind in Anführungszeichen, die eigentlich alltäglich sind, die für jeden
09:17
greifbar sind tagtäglich. Dass ich meine eigenen Entscheidungen treffe, dass ich mit anderen Leuten interagiere. Wie schätzt du, also wie war denn die Situation vor COVID-19? Also wie sah da die Situation im Altenpflegeheim eigentlich
09:32
aus?
09:33  Margareta Halek
Ja, das ist eine schwere Frage und wenn wir - wie viele Einrichtungen haben wir in Deutschland? 14.000, 15.000? Also man kann das nicht für alle Einrichtungen sicherlich beantworten.
09:47
Aber, ich glaube, ich sage nichts Falsches, wenn ich feststellen darf, dass das Thema e
09:53
in immerwährendes Thema ist nämlich:
09:57
Was können Menschen noch entscheiden? Wie können sie das entscheiden? Wie weit können sie Mitbestimmung leben?
10:06
All diese ganzen Geschichten, auch soziale Teilhabe betreffend, auch Teil an dem Leben draußen zu sein,
10:13
ist immer sehr unterschiedlich ausgeprägt und auch von Einrichtung zur Einrichtung sicherlich unterschiedlich.
10:21
Dass das ein Dauerthema ist, sieht man natürlich auch an der Forschung. Das Thema soziale Aktivitäten o
10:28
der der Begriff etwas zu tun zu haben, auch das schon als ein Ziel ist nicht einfach umzusetzen und durchzusetzen.
10:37
Und dazu wird auch einiges an Forschung gemacht und immer neue Konzepte werden entwickelt, damit genau das
10:44
in den Altenhilfeeinrichtungen, nicht nur dort, aber vor allem dort, weil das natürlich so ein schönes Forschungsfeld ist, vorangetrieben werden kann.
10:53
Also wie war die Situation vorher? Ich denke wir hatten schon vorher Stärken und Schwächen in den Einrichtungen, was das angeht. Und es gab ja auch Entwicklungen
11:04
in den gesetzlichen Vorgaben, wo die BetreuungsassistentInnen genau deshalb auch installiert worden sind, um das Thema der, n
11:16
icht nur Beschäftigung, aber das aktiv sein, etwas machen zu können, sich mit jemandem individuell beschäftigen zu können und das auch noch zu erfüllen und das Personal zu unterstützen.
11:28
Also ja, sicherlich gemischte Situationen mit viel Kenntnis, aber auch mit mit viel Luft nach oben, denke ich.
11:37  Mike
Was mir dabei nur einfällt, ist, also nicht mit sozialer Teilhabe, aber Teilhabe generell, und ich glaube, das hat
11:43
gut dieses Abriegeln der Altenpflegeeinrichtungen gezeigt, dass da kein Einbezug war einfach von den Menschen mit Pflegebedarf aus den Einrichtungen. Dass die mal gefragt wurden, was die gerne hätten. So wie ich es mitbekommen habe. Ob die
11:56
gerne noch irgendwie Besuch bekommen hätten oder wie auch immer. Schlussendlich hat diese Abriegelung ja auch nicht vor Infektion bewahrt.
12:03  Margareta Halek
Na jetzt sagen wir mal so: dazu haben wir auch nicht so eine gute Datenlage, um das jetzt, also natürlich neigt man dazu zu sagen: " ja, ach, es gab auch dort Kranke."
12:15
Ja, das stimmt. Absolut. Natürlich im Vergleich zu anderen Ländern sind wir noch super glimpflich davongekommen und ich würde mal sagen, das hat was mit der Prävention zu tun. Also da bin ich überzeugt.
12:29
Was für ein Ausmaß das natürlich gebracht hat, das lässt sich wahrscheinlich so nicht beziffern rückwirkend. Zu diesem Zeitpunkt des Lockdowns, d
12:39
er Abschottung, waren wir alle in der Gesellschaft betroffen. Und ich glaube die ersten Momente waren auch tatsächlich, ich kann mir das vorstellen, ein b
12:48
isschen erleichternd im Sinne von "oh Gott, lass uns die Alten und Pflegebedürftigen schützen und ein bisschen Luft schnappen und überlegen, was wir machen können". Also so, das war, ich würde auch rückwickelnd sagen, der Moment erstmal a
13:01
lles zuzumachen, war der Richtige. Man hätte aber wahrscheinlich viel schneller dann darauf reagieren müssen, was das für Konsequenzen haben kann.
13:09
Und das Mitbestimmen natürlich, auch wir das Volk konnten nicht mitbestimmen, sondern es es gab ja Regelungen einfach, die wir einfach einnehmen mussten.
13:21
Aber im Verlauf danach, das wäre in der Tat wichtig gewesen, diese Mitbestimmung aufnehmen zu können. Nur e
13:31
s ist ja so: wie läuft die Mitbestimmung in den Pflegeeinrichtungen? Auch vor der Pandemie?
13:39
Wie viel an Strukturen, Prozessen können Bewohner tatsächlich mitbestimmen? Außerhalb ihrer ganz individuellen Situation?
13:50
So, wie sind die Prozesse sonst gestaltet? Wie ist die Partizipation tatsächlich zu Zeiten ohne Krise gestaltet? Natürlich haben wir Heimbeiräte, a
14:00
ber wie viel Gewicht haben die? Wie nehmen sie die Stimmen der anderen, der viel pflegebedürftigeren, auch vielleicht Menschen, die bettlägerig sind, auf?
14:09
In der Krise nochmal neue Prozesse zu entwickeln, ist natürlich noch schwieriger, wenn man sie vorher nicht so wirklich klar hatte, ja.
14:19
14:20  Christian
Was mir dazu auch
14:22
einfällt ist, und das gar nicht so bezogen auf Altenhilfeeinrichtungen, sondern so grundsätzlich auf die ältere Bevölkerung, denn von Anfang an war klar, dass
14:37
14:39
Ältere Menschen eher daran erkranken und dann entsprechend natürlich auch versterben können. Das heißt, die waren sowieso schon mal im Fokus und <br>
14:39
<br>
14:50
jetzt ist die Frage, inwieweit vielleicht auch ältere Personen grundsätzlich gar nicht mehr rausgegangen sind oder auch gar nicht mehr
14:57
bewusst an solchen Entscheidungsprozessen auch teilgenommen haben, weil sie sich vielleicht auch schützen wollten? Kann ja auch sein, sodass sie sich vielleicht auch zurückgezogen haben, vielleicht
15:05
grundsätzlich einfach auch lieber drinnen geblieben sind. Was aber aufgekommen ist in dieser Debatte war, dass
15:12
es auf jeden Fall ein Punkt ist oder eine eine Bevölkerungsgruppe, wo wir genau hingucken müssen und dann ist ja sozusagen erst aufgeploppt,
15:21
dass die ja eventuell trotz dieses hohen Risikos eventuell ja auch darüber bestimmen möchten, ob sie denn jetzt rausgehen, sich der Gefahr aussetzen wollen können oder eben nicht.
15:32
Das ist ja bis zu einem bestimmten Zeitpunkt überhaupt gar nicht thematisiert worden
15:37
so, sondern es hieß irgendwie Multimorbide, Alte sind besonders gefährdet. Okay, so die müssen wir jetzt schützen. Aber dass die vielleicht gar nicht geschützt werden wollen und vielleicht auch mal einfach rausgehen wollen u
15:47
nd die letzten fünf Jahre vielleicht oder, weiß ich nicht, die letzten Lebensjahre ihnen auch egal sind,
15:54
das wurde ja nie in Betracht gezogen und wenn ich dann so eine Altenpflegeeinrichtung mir vorstelle,
16:04
das ist halt so ein geschützter Bereich, wo viele, also wo man auch daran denkt, da leben halt viele alte hilfsbedürftige Menschen so und die sind Schutzbefohlene und die müssen wir schützen.
16:16
So, a
16:17
lso ich ich glaube, da sind so viele Faktoren zusammengekommen, die wirklich Druck auf diese Institution einerseits aufgebaut haben, aber gleichzeitig auch mit Blick auf d
16:28
as Gesundheitssystem, sprich die Pflegenden, haben hier eine besondere Rolle und dann auch noch die ältere Bevölkerung. Also ich glaube, dass aus verschiedenen Strömungen p
16:37
lötzlich so dieser Fokus darauf gekommen ist, was ist eigentlich mit diesen Leuten? Und dann, w
16:43
eil sie ja nicht mehr rausgegangen sind, so hat sich das dann natürlich da drin vermehrt. Ja und dann haben wir die Nachrichten ja gelesen, was passiert ist. Also ich glaube, das hatte total viele verschiedene
16:53
Impulse letztlich weshalb das so brisant auch irgendwie gewesen ist.
17:01  Margareta Halek
Ja und das kommt vielleicht auch mit dieser Mitbestimmung, Mike, auch hinzu,
17:08
denn im Altenheim du bist nicht alleine. Und wenn der eine entscheidet, er geht nach draußen, weil er sagt,
17:15
lieber drei Monate gut zu leben, anstatt irgendwie fünf geschlossen, stellt er sofort ein Risiko für alle anderen dar, die möglicherweise ängstlicher sind, die möglicherweise mehr am Leben hängen oder überhaupt diese Entscheidung nicht bewusst nehmen können. Und das war auch das Dilemma z
17:32
u sagen: wie weit kann da überhaupt jemand noch mitbestimmen, wenn man i
17:37
n so einer gemeinsamen Community lebt und so sehr voneinander eigentlich abhängt? Natürlich und das war ja auch
17:46
in der Tat der Anlass diese auf der einen Seite gut zu verstehen. Also ich
17:51
ill sagen, ich kann das gut verstehen. Die erste Reaktion des Beschützens. Die Bilder aus Italien waren so gruselig und so grausig und vor allem auch, wenn man hörte, dass wirklich die Schwächsten getroffen werden. Also für mich war das eine furchtbare Vorstellung. Ich war also leicht panikartig, insofern habe ich selbst das als
18:10
zunächst beruhigend gefunden, dass man sich entschlossen hat, nun endlich entschlossen hat, erstmal einen Schutz aufzubauen
18:19
und dann drüber nachzudenken: was können wir damit machen? Und ich weiß noch ganz genau, relativ am Anfang,
18:26
wo es sich einfach kein Mensch vorstellen könnte, wie sich das Ganze entwickelt. Am Anfang hatte ich auch eine Anfrage für ein Interview einer Tageszeitung: "Frau Harlek, sagen Sie mal was dazu. Die Panik macht sich breit, die Menschen mit Demenz vergessen ihre Angehörigen".
18:41
Und ich weiß, dass ich da total Optimismus versprüht habe, gesagt habe: "
18:47
beruhigen Sie sich, es ist alles gut. Da sind Profis am Werk, die wissen im Altenheim, was zu tun ist. Das wird nichts panikartiges, wir kriegen das hin. Wir wissen, was zu tun ist, w
19:02
ir überbrücken das." Aber keiner hat daran gedacht, dass das so eine lange Zeit ist. Und als man es gemerkt hat,
19:09
dann war's klar: so geht das eigentlich nicht. Also das ist keine Lösung und da wurde eben auch darüber diskutiert: können die Menschen nicht bestimmen? Ja, a
19:19
ber wie? Wie bestimmen und für wen und wer kann dann noch beschützt werden? Wer darf raus? Wer nicht?
19:26  Christian
Und wer darf vor allem wieder rein? Mike, das hast du doch auch gepostet.
19:30  Mike
Ja, wir haben das auch schon mit Herrn Zimmermann da diskutiert von der HSG und so. Ich ich finde das schwierig. Also j
19:39
a, ich kann das verstehen, dass man natürlich die Kontakte reduziert. Das Pflegepersonal geht noch rein und raus. Das hat natürlich aber auch Kontakt zu anderen Menschen.
19:47
Das lebt ja auch nicht irgendwie auf einer Insel. Ja, es ist halt einfach schwierig da eine Entscheidung zu treffen.
19:55  Christian
Ich meinte mit rein, dass Pflegende nicht mal mehr einkaufen gehen durften, weil der
20:00  Mike
Ach so, ja, ja, weil...
20:01  Christian
Rewe gesagt hat: "nee, also Pflegende wollen wir in unserem Laden nicht haben." Also da wurde plötzlich so ein Feindbild
20:06
aufgebaut, weil plötzlich durch die Medien ging: "oh Gott, die ganzen Altenpflegeheime sind hier irgendwie die Keimschleudern und so weiter und wir dürfen da keine Leute mehr raus lassen und, weiß ich nicht, also das ist eine Gefahr für
20:19
die Gesellschaft", also so hat sich's ja dann plötzlich auch noch gewandelt.
20:22  Mike
Und zusätzlich sind ja Pflegende manchmal noch mit in die Einrichtung reingezogen und haben dann ganz aufopfernd dann alles versucht, irgendwie Kontakte zu reduzieren und sich nur noch um die Leute zu kümmern.
20:32  Christian
Das ist auch richtig.
20:33  Margareta Halek
Tatsächlich, weil ich hab jetzt n
20:35
ebenbei bei Recherchen einen Bericht, einen Artikel, gefunden, wo dieses Konzept in Frankreich, nämlich dass Pflegende sieben Tage, vierundzwanzig Stunden, in die Einrichtung eingezogen sind zu der Zeit der Pandemie. Und man hat es epidemiologisch
20:54
retrospektiv begleitet und hat festgestellt, dass in diesen Einrichtungen tatsächlich
20:58
null Infektionsrate war im Vergleich zu einer riesen Infektionsrate in Altenhilfeeinrichtungen in Frankreich in der Zeit. Also ich glaube, genau am
21:10
Ende das, was Christian gesagt hat und Mike: uns allen macht bis heute auch das Problem dieser,
21:20
wie soll ich das denn sagen, Indifferenz in den Entscheidungen - die einen dürfen raus, die anderen dürfen nicht rein, Pflegende sind doch aber auch, die mussten ja, aber die anderen nicht, wo ist die Gefahr größer? Was bedeutet das eigentlich? Also es zeigt, dass wir dafür e
21:36
igentlich bis heute nicht wirklich eine sinnhafte Lösung haben, wenn wir wieder in der Situation wären. Ich weiß nicht, ob es einen
21:46
Plan B gibt, der anders aussieht.
21:48  Mike
Und ich weiß noch nicht, gab's irgendwie mal Begleitprojekte oder -studien oder so, die so eine Abriegelung begleitet haben von Häusern? Wahrscheinlich nicht oder so, oder? Außer das, was du jetzt aus Frankreich erzählt hast, aber...
22:01  Margareta Halek
In Deutschland ist mir das nicht bekannt, das finde ich wirklich schade jetzt.
22:06
Aber ich glaube, ich weiß nicht, ob ihr in die letzte Ausgabe der Pflege, der wissenschaftlichen Zeitschrift,
22:14
gucken konntet. Die ist ja gewidmet, also da kann man ja sehen, dass sehr, sehr viele Aktivitäten stattgefunden haben, um die Situation zu beschreiben. Ja, aber für mehr waren irgendwie nicht, k
22:28
eine Ahnung, nicht die Ressourcen, nicht die Zeit, aber das haben mal wieder die Holländer gemacht. Die Niederländer haben, a
22:38
lso das machen die wirklich, da bin ich immer voller Bewunderung, wie schnell die Sachen u
22:44
msetzen können. Die haben ja eine Anzahl von Modelleinrichtungen relativ schnell begleitet, wo sich angebahnt hat, dass die Regelungen etwas gelockert werden sollen.
22:55
Und dann natürlich auch grobe Zahlen, Infektionszahlen, und die Umsetzung von bestimmten Guidelines angeschaut. Sie konnten
23:03
dann aufgrund dessen sagen, dass diese Lockerung der Besuchsregelungen eben zu keinem erhöhten Anstieg der Zahlen führt und daraufhin hat man sich entschieden, das für sich auch umzusetzen. Das ist natürlich toll.
23:16
Mir ist so eine Studie nicht bekannt aus Deutschland.
23:19  Christian
Genau, jetzt sind schon die Infektionsschutzmaßnahmen so ein Stück weit beschrieben. Jetzt sind die ja i
23:26
rgendwie auch - also es gibt ja 16 verschiedene in Deutschland - ich glaube also du hast jetzt so dein Steckenpferd in in Nordrhein-Westfalen,
23:35
wie sehen denn da die Infektionsschutzmaßnahmen so eigentlich erstmal so aus?
23:42  Margareta Halek
Du meinst die Coronaschutzverordnung? Also die ist tatsächlich jetzt Ende August auch lockerer geworden.
23:52
Ich habe versucht so ein bisschen, es gibt auf der bifa-Seite
23:55
einen guten Überblick aller Schutzverordnungen. Also es sieht so aus, dass überall gelockert ist. Dass jetzt eher gesagt wird, das ist ein Recht der Bewohner Besuch zu erhalten.
24:09
Natürlich gibt es dazu sämtliche Hygienemaßnahmen, die wir sonst so kennen.
24:15
Das Ganze muss gut reguliert werden und dokumentiert werden. Das ist ja im Grunde genommen so ein bisschen die Grundlage aller Kontakte. Man darf, also es gibt zeitliche Angaben:
24:27
jeden Tag darf ein Bewohner Besuch erhalten für mindestens eine Stunde.
24:34
Aber nach Möglichkeit ist auch so ein bisschen die Anzahl der Besucher zu begrenzen pro Besuch. So ist so ein bisschen die Neigung
24:41
maximal zwei Personen oder mehr dann eher im Außenbereich. Also man versteht so ein bisschen jetzt den Hintergrund. Es geht darum, dass man vielleicht die Intensität der
24:51
Viren potenziell so ein bisschen verkleinern möchte.
24:55
Und dass die Angehörigen eben gesund sein müssen und das alles auch auch gescreent werden muss, ob Fieber besteht und Symptome und natürlich Mundschutz und so weiter. Also das ist tatsächlich gelockert.
25:10
Und ich würde mal sagen, wenn man das so leben darf, es wird auch ausdrücklich über individuelle Situationen gesprochen.
25:19
Dann kann man erstmal damit, glaube ich, gut arbeiten und beobachten, was so drum herum passiert. Wie geht man in der Gesellschaft eigentlich mit den mit den Viren um?
25:30
Noch nicht zulässig ist in Nordrhein-Westfalen tatsächlich die Öffentlichkeit. Also m
25:36
an kann nicht wieder Konzerte in der Einrichtung machen oder eben die nicht-v
25:43
ersorgungsrelevante Öffentlichkeit reinlassen, aber alle anderen Therapeuten, Ärzte. Das war ja auch eine Zeit lang ein Problem. Das ist alles wieder drin.
25:54
Und das ist sicherlich auch in in der Verbindung damit dann, dass das jetzt schneller, also dass wir jetzt endlich - und das haben wir auch vergessen zu sagen - am Anfang gab es gar keine Schussausrüstung, ja?
26:05
Also es gab keine Alternative zwischen irgendwie "
26:09
Alles oder gar nix". Und jetzt haben wir die Schutzausrüstung. Jetzt haben wir Möglichkeiten auch zum Testen, auch wenn es vielleicht noch nicht so klar ist, was Testergebnisse manchmal sagen.
26:20
Also es sind noch zusätzliche Maßnahmen, die das Ganze locker machen.
26:26  Christian
Diese Coronaschutzmaßnahmen: sind die damals rechtzeitig gekommen? Und wäre man heute in der Lage, die von heute auf morgen sozusagen so wieder zu ändern, dass Einrichtungen auch in der Lage wären, das von heute auf morgen umzusetzen?
26:38
Weil es ist ja abzusehen, dass im Herbst eventuell die Zahlen wieder ansteigen.
26:44  Margareta Halek
Ja, es wäre auch sicherlich interessant, einen Blick zu werfen auf die Entwicklung dieser Coronaschutzverordnung. Von wo ist man hergekommen und wo sind die Änderungen? Und, w
26:56
ie gesagt, die Erfahrung wird uns jetzt schlauer machen hoffentlich. G
27:00
anz am Anfang war es relativ schwierig, weil wir nur die Robert-Koch-Sachen hatten, die so allgemein waren und so absolut eigentlich auch in der Aussage, dass es für die Einrichtung sehr schwer war, daraus etwas zu machen. Ich erinnere nur, a
27:14
lso zu Beginn der Leitlinie war das Thema dieser Kohortierung und Isolierung und sowas und alle müssen umziehen und so. Was sich dann natürlich relativ mit der Zeit
27:25
geklärt hat oder Alternativen. Na ja, ob wir jetzt schneller, besser werden, d
27:32
as hängt davon ab, welche Hausaufgaben die Einrichtung und die Träger gemacht haben.
27:37
Ob sie Pandemie-Pläne für die Einrichtung auf solche Füße gestellt haben, dass sie sie wieder aus der Schublade ziehen können und ihre Prozesse besser aufrichten können.
27:49
Das wäre die Aufgabe jetzt gewesen, tatsächlich rückwirkend zu sagen: was hat gut funktioniert? Was nicht? Wie müssen wir nachholen?
27:56
Das wäre die Hausaufgabe und das werden wir sehen, ob die Hausaufgabe gemacht worden ist.
28:01
Da würde ich nicht so sehr die Politik eigentlich nach vorne bringen, sondern hier jetzt können die Einrichtungen selbst die Richtung bestimmen.
28:11  Mike
Was mir da noch durch den Kopf gegangen ist - und was wahrscheinlich auch ein großer Bonus im Herbst sein wird - hatte ich heute Morgen noch im Radio gehört, dass der Schnelltest einfach schon so weit entwickelt ist, dass das eventuell dann schon vor dem Eingang in allen Pflegeeinrichtungen einfach ein Schnelltest gemacht wird auf Corona und dann Zugang gewährt wird. D
28:30
as wäre natürlich eine gute Option dann.
28:33  Christian
Ja, wenn er sicher ist und nicht irgendwie...
28:36  Mike
Ja, das ist die generelle Frage immer.
28:38  Christian
Ja. Ich glaube, wir können direkt
28:40
jetzt in das Thema einsteigen, nachdem wir so ein bisschen geklärt haben, worum geht es eigentlich und was auch so ein Stück weit die Historie und mit welchem Problem tatsächlich auch die Institution zu kämpfen gehabt haben. Jetzt hast du, wie gesagt, die S1-Leitlinie koordiniert - Soziale Teilhabe und Lebensqualität in der stationären Altenhilfe
28:58
unter den Bedingungen der COVID-19 Pandemie.
29:01
Und das hast du zusammen auch mit Daniela Holle gemacht und Erika Sirsch, die wir auch schon beide in im Podcast hatten zur Leitlinienarbeit der deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft.
29:14
Ist das richtig? Oder habe ich was vergessen?
29:16  Margareta Halek
Oh, da waren wahnsinnig viele andere Personen auch dabei. Aber wenn man das so bisschen funktional korrekt beschreiben soll, dann hatte Daniela Holle die Koordination was die organisatorischen Fragen angeht und ich hatte die inhaltliche
29:33
Koordination der Leitlinie. So haben wir uns die Aufgaben aufgeteilt. D
29:37
ann gab es noch viele andere Personen, die in sogenannten Steuerungsgruppen inkludiert waren, die dann immer
29:47
Delegierte einer Fachgesellschaft waren.
29:50
Das ist ja bei den Leitlinien so sehr formal. Auch wenn am Anfang ein Haufen interessierter Menschen da war und hat gesagt "wow, wir müssen was tun".
29:59
Als die Entscheidung tatsächlich gefallen ist, wir machen eine AWMF Leitlinie, da gibt es ganz klare formalisierte Prozesse und die Beteiligten in dieser Steuerungsgruppe waren
30:11
unter anderem Prof. Sascha Köpke, auch als Deligierter der DGP,
30:15
Gabriele Meyer, die so ein bisschen die internationale Nursing Science IANS Perspektive vertreten hat, Erika Sirsch, die war auch natürlich da auch aus der Leitlinienkommission. Dann hatten wir die Frau Prof. Balzer,
30:29
die das deutsche Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin vertreten hat, wir hatten Dr. Anja Bieber
30:35
aus der Uni Halle da war, Martin Dichter, der den DBfK vertreten hat.
30:43
Und dann hatten wir auch den lieben Kollegen Sven Reuter, als sozusagen den Vertreter der Träger, also der Praxis. Die w
30:53
aren so der enge Kern der Steuerungsgruppe.
30:57
Und dann haben wir eben während dieser Arbeit auch viele andere Menschen konsultiert für einzelne Fragen.
31:04  Franziska
Vielleicht können wir ganz kurz noch einmal klären, was einer S1-Leitlinie ist. Wir schmeißen ja immer mit S1, S3 und sowas um uns. Vielleicht kannst du uns nochmal kurz erklären, was das bedeutet.
31:13  Margareta Halek
Jetzt könnte man auf den anderen Podcast verweisen, ne? Wo sie...
31:18  Franziska
Auch. Das sowieso immer, aber das haben wir eben schon gemacht.
31:20  Margareta Halek
Ja, die S1-Leitlinie, die Leitlinien werden so in bestimmte Level eingeteilt, die S3-Leitlinie hat den höchsten
31:31
wissenschaftlichen Grad, ist sehr evidenzbasiert, sorgfältig anhand sehr strenger Kriterien in der Literatursuche, Auswertung, Bewertung, aber auch in dem Expertenk
31:44
onsensus dann am Ende, wenn man bestimmte Empfehlungen formuliert hat und die
31:51
S1-Leitlinie ist dann im Gegensatz relativ low Level, kann man sagen. Also die macht man dann, wenn etwas tatsächlich sehr schnell stattfinden soll oder wo man von vornherein weiß, dass da nicht so viel Wissen vorhanden ist, dass
32:06
eben so eine
32:08
Literaturanalyse nicht so wahnsinnig viel hergeben würde. Und da sind auch die Konsensusprozesse etwas pragmatischer dargestellt. Also das ist ein bisschen so ein, ich sage mal,
32:19
Starting-Point für weitere Entwicklungen, indem man schaut: was ist jetzt gerade da? Und das war ja der Anlass. Wir wollten in
32:27
unserer ambitionierte Planung damals innerhalb von,
32:31
ich weiß gar nicht, drei Wochen, die S1-Leitlinien entwickeln. So dachten wir: "ach, das kriegen wir schon hin", was natürlich sich da so ein bisschen länger gezogen hat.
32:40  Christian
Genau, also umgangssprachlich kann man sagen, eine S1-Leitlinie ist eigentlich - o
32:45
der grundsätzlich sind Leitlinien Ansammlungen von wissenschaftlichen Erkenntnissen, die zu einem bestimmten Thema halt zusammengetragen sind. Umso höher
32:55
die Zahl, also sprich S3, desto verbindlicher ist es und desto genauer sind auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu einem bestimmten Thema. Und bei einer S1-Leitlinie,
33:06
ich weiß gar nicht, ob ich das als Low-Level benennen würde, weil man sowas eben auch nicht in drei Wochen hinbekommt,
33:12
ist es dann eben eher so im Sinne einer Empfehlung zu verstehen.
33:20
Ist das so umgangssprachlich okay erklärt?
33:24  Margareta Halek
Ja, sie formulieren beide eigentlich Empfehlungen, die dann durchaus verbindlich sind. Nur dieser Grad der wissenschaftlichen Fundierung ist sehr unterschied
33:34
lich. Bei den einen spielen die Experten eine ganz große Rolle bei S1, also das ist so ein bisschen, was man früher gesagt hat, das
33:43
viele ältere Herren an einem Tisch sich zusammensetzen, wenn sie Entscheidungen treffen, das ist ein bisschen so. Das haben wir so nicht gemacht, weil es waren auch viele Frauen dabei und gar nicht so viel älter.
33:54
Das ist aber schon fundiert auf jeden Fall, weil man guckt sich immer die Literatur an und es hat einen Empfehlungscharakter. Auch das ist etwas. Wenn es keine Alternative gibt, dann gilt
34:05
diese Leitlinie.
34:08
Und bei S1 ist es einfach alles differenzierter, begründeter, solider. Da gibt es auch Daten und Fakten, die da sind.
34:16
Und da sind auch die Entscheidungsprozesse, das ist ganz wichtig, wirklich in langen Delphi-Runden, bis man strittige Geschichten dann tatsächlich ausgebügelt hat und Kompromisse geschlossen hat.
34:27  Mike
Wie hat man sich das jetzt praktisch vorzustellen? Also man sucht nach Literatur und guckt, was es so gibt und dann berät man darüber und schätzt das ein, wie das zu bewerten ist? Oder wie seid ihr da vorgegangen?
34:39  Margareta Halek
Genau, also wir haben eine sehr fundierte, das war auch eben unsere Kollegen Katrin Balzer von dem Netzwerk Evidenzbasierte Medizin, die die Suche gemacht hat
34:51
zu den Begriffen, die uns so eingefallen sind zu dem Thema soziale Teilhabe und auch Folgen und COVID.
34:58
Und da haben wir uns die Literatur durchgelesen, was steht da drin? Und es war relativ schnell klar, dass vor allem
35:06
Editorials oder so Letter To oder irgendjemand hat einfach
35:12
die Meinung geäußert und total wenig Forschung war, so dass es überhaupt gar keine - also
35:19
die Frage von Bewertung von den Texten stellte sich gar nicht, sondern man sammelte eher einen
35:25
Eindruck, was wird im Moment diskutiert? I
35:29
n der zweiten Geschichte haben wir natürlich auch sehr viel uns Plattformen angeschaut, wo die ersten Richtlinien oder Ideen, o
35:39
b das EU war oder US oder einzelne Länder, die etwas angeboten haben. Also davon gibt es auch eine große Menge. Und wir haben d
35:48
eren Guidelines uns angeschaut, die für uns passend waren.
35:52
Ja, also sehr viel gelesen und dann auch immer wieder in vielen Sitzungen abends und am Wochenende diskutiert: Was ist das, was wir für Deutschland nehmen können?
36:02  Christian
An wen richtet sich jetzt diese Leitlinie? Beziehungsweise das, was ihr zusammengetragen habt? Also welche Zielgruppe ist da jetzt quasi in den Fokus geraten?
36:15  Margareta Halek
Also es geht tatsächlich um die Stationen der Altenhilfeeinrichtung und die leitenden Mitarbeiter vor allem in diesen Altenhilfeeinrichtungen. Das sind a
36:25
uch, zum einen Pflegefachpersonen, die für die Pflegeprozesse zuständig sind, aber auch Mitarbeiter der Hauswirtschaft oder der Technik -
36:34
oder Haustechnik nennt sich das. Also alle, die irgendwie an der Pflege und Versorgung von Menschen mit Demenz beteiligt sind und die Prozesse w
36:44
ährend so eine Krise steuern müssen.
36:48
Also alle AWMF Leitlinien sind grundsätzlich multiprofessionell ausgerichtet.
36:54  Christian
Und mit welchem Ziel habt ihr jetzt quasi diese Leitlinie erstellt? Also du hast eingangs gesagt, die Problematik mit der sozialen Teilhabe und das
37:05
habt ihr als gefährdet erkannt. S
37:11
oll die, also hat die Leitlinie jetzt zum Ziel zu schauen: okay, wie kann man ältere Menschen in diesen Einrichtungen sozial teilhaben lassen?
37:20  Margareta Halek
Genau, also es ging eher darum Wissen zusammenzutragen, welches eben den Verantwortlichen d
37:28
abei hilft, die soziale Teilhabe und die Lebensqualität z
37:34
u sichern, zu ermöglichen, zu fördern - unter diesen Bedingungen, unter diesen Einschränkungen. Es ist ja so, d
37:42
ass wir auch mit dieser Leitlinie keine Sicherheit
37:45
herstellen können in Handlungen. Ja, also man wir könnten auch nicht sagen: "mach nur A und mach nur B und zwar so". Das ginge ja gar nicht.
37:55
Aber unser Anliegen war mit dieser Leitlinie ein Hilfsmittel in die Hand zu geben, wo so die Unsicherheiten
38:04
bleiben am Ende, weil es ist sehr viel Individuelles, was hier gefordert wird, aber dass man handlungsfähig bleibt, dass man Ideen bekommt und die auch gut begründen kann, warum bestimmte Sachen Sinn machen oder nicht.
38:17  Franziska
Das heißt Inhalt der Leitlinie sind, wie du gesagt hast, Ideen, Handlungsempfehlungen,
38:23
die ich mir dann eben anschauen kann und schauen kann, wie ich das umsetze in der Einrichtung, in der ich zum Beispiel arbeite. Wenn ich das richtig verstanden habe, ne? Wie genau sehen diese Handlungsempfehlungen in der Leitlinie jetzt aus? Also w
38:37
elche welche Themen werden da abgehandelt?
38:42  Margareta Halek
Wir haben, auch das war eine bisschen längere Geschichte,
38:48
Themen zu identifizieren, und bei der Methode der AWMF muss man sogenannte Schlüsselfragen formulieren. Was sind eigentlich die Schlüsselfragen? Wir haben fünf Schlüsselfragen formuliert,
38:59
die sich um das Thema gedreht haben, wie kann man Bewohner vor dieser COVID-Infektion schützen?
39:07
In der Einrichtung immer unter der Gewährleistung oder Ermöglichung der sozialen Teilhabe und Förderung der Lebensqualität, also immer diese Matrix vor Augen. Wie kann ich aber trotzdem dafür Sorge tragen, dass jemand eben
39:18
sich nicht infiziert? Wie gehe ich mit Bewohnern um, die als Verdachtsfall gelten?
39:25
Und wie gehe ich dann mit Bewohnern um, die infiziert sind und trotzdem all diese Aspekte sicherstellen kann? Das war ein Themengebiet, kann man sagen, das wir uns angeschaut haben. Dann haben wir aber natürlich auch gesehen, dass das Thema der Kommunikation,
39:41
und zwar auch im Sinne der Informationsweiterleitung, das Miteinander die Situation klären und sie transportieren, transparent zu machen, in der Einrichtung und außerhalb der Einrichtung ein wichtiges Thema war,
39:53
was uns auch begegnet ist in der Literatur und was einfach auch aus der Öffentlichkeit deutlich wurde.
40:00
Und das Dritte war: wie kann man die Mitarbeiter dabei unterstützen, dass sie in der Lage sind, die soziale Teilhabe und die Lebensqualität
40:09
der Menschen, der Bewohner, unter diesen Bedingungen, die auch für die Mitarbeiter schwierig sind, auch sicherzustellen?
40:15
So das kann man sagen, sind so drei große Themen, die wir in unterschiedlichen wieder dann Kleingruppen bearbeitet haben.
40:23  Christian
Gibt es bei diesen drei Themen einen
40:27
Komplex, der überwiegt? Also wo man sagt: "okay, der tangiert irgendwie alles?" Oder kann man die quasi strikt trennen? Also stehen die alle für sich oder stehen die auch alle in Einklang miteinander? Also gibt es da auch Wechselwirkungen?
40:41  Margareta Halek
Nein, die sind alle miteinander verwoben. Natürlich fängt man, das ist auch in der Leitlinie so, man damit an: was kann man für die Bewohner direkt tun?
40:51
Also wie gesagt, vor dem Hintergrund der damaligen Zeit, wir hatten Robert-Koch-Richtlinien,
40:57
die noch sehr grob waren, scharf waren und beängstigend waren - Isolierung, Kohortierung und Abstand -
41:05
Insofern haben wir damit auch tatsächlich begonnen zu überlegen was bedeutet das für soziale Teilhabe und Lebensqualität?
41:12
Vieles davon ragt auch in das Thema Kommunikation. Nämlich auch wie kommuniziere ich die neuen Maßnahmen? Wie mache ich den Leuten klar, dass es vielleicht doch sinnhafter ist f
41:23
ür diese Person ein Umzug in
41:26
einen gesonderten Bereich? Wie mache ich das transparent? Wie kriege ich jetzt die Angehörigen, die vielleicht panisch vor der Tür stehen und rein wollen, eingefahren? Wie mache ich das? W
41:36
ie mache ich das personenzentriert, damit es eben nicht dieses schlechte Gefühl ist, damit sie nicht irgendwie Angst haben, was eigentlich in dieser Einrichtung passiert, in die ich nicht mehr rein kann.
41:48
Man darf nicht vergessen, dass Angehörige sich auch häufig auch so ein bisschen als so eine Kontrollinstanz fühlen und gucken: läuft denn eigentlich alles richtig im Altenheim, so wie meine Mutter, mein Vater, sich das vorgestellt hat? A
42:00
lso die Kommunikation ist immer ein Teil dessen, was ich tue u
42:05
nd natürlich war es uns auch klar, das haben wir alle gehört, dass es zur Überforderung kommt. Und wie balancierst du das, wenn du auf der einen Seite sagst: "ihr müsst euch jetzt eigentlich viel mehr um die Bewohner kümmern,
42:18
ihr müsst das, was die Angehörigen nicht mehr leisten können, eigentlich ersetzen können und gleichzeitig seid ihr selber betroffen, seid ihr selber ängstlich, seid ihr vielleicht sogar krank?" Es gibt Ausfälle.
42:31
Wie kriegt man diese Balance? Also ist auch dieser dritte Themenbereich: Was kann dann die Einrichtung, die Leitung dafür beitragen, dass die
42:40
Menschen gesund bleiben,
42:44
auch vor Stress und Folgen geschützt werden, also die Mitarbeiter, und gleichzeitig auch fähig sind, auch die Maßnahmen, die wir da auch gefordert haben, umzusetzen. Sowas Simples, wer hat sich im Altenheim mit dem Thema - also i
42:59
ch unterstelle, dass nicht viele sich mit dem Thema Schutzausrüstung auseinandergesetzt haben die letzten Jahre, bis auf vielleicht paar Fälle von multiresistenten Keimen - aber ansonsten
43:11
diese Prozesse gibt es nicht. Ja, klar, Mundschutz und Handschuhe, klar.
43:17
Und das ist glaube ich das kleinste Problem gewesen, auch die Hygiene, ja? Es geht dann darum g
43:23
anze Konzepte zu überdenken und sagen: wie kriege ich das jetzt hin, wenn jemand isoliert ist, aber trotzdem vielleicht ein Teil irgendwie t
43:31
rotzdem soziale Aktivitäten erleben soll? Wie mache ich das? Wie informiere ich Menschen mit Demenz, dass sie jetzt nicht aus dem Zimmer raus können oder nicht aus dem Wohnbereich?
43:42
Und das muss unterstützt werden, definitiv.
43:45  Mike
Hast du vielleicht einen Tipp, wie man am besten mit der Leitlinie umgehen sollte? Also wenn jetzt hier die Hörenden auf unsere Seite gehen oder auf die Seite vom AWMF und die Leitlinie runterladen, eine Pflegedienstleitung zum Beispiel,
44:00
was macht man mit dem Dokument dann? Außer es zu lesen vielleicht?
44:07  Margareta Halek
44:10
Also wenn ich das jetzt und heute betrachte, dann denke ich, dass die Verantwortlichen so ein Dokument lesen und das, was bei ihnen passiert ist die letzten Wochen und Monate, i
44:24
n Verhältnis setzen und prüfen können: "H
44:28
aben wir so genau gemacht, ja? Das waren unsere Schwerpunkte, ja? Das haben wir so entschieden. Ach nein, da ist noch eine gute Idee oder daran haben wir gar nicht gedacht." M
44:37
an darf sich auch jetzt nicht irgendwie in die Tasche lügen. Die Leitlinie ist im August erschienen. Da war das Schlimmste vorbei. A
44:47
lso das heißt, wir wir haben es nicht geschafft, direkt akut Hilfe anzubieten, sondern tatsächlich bieten wir jetzt Empfehlungen, die so ein bisschen
44:57
fünf Minuten nach zwölf gekommen sind. Trotzdem glaube ich, dass das
45:04
total wichtig ist, um das zu reflektieren, was man gemacht hat, wie man es gemacht hat und was man eventuell noch installieren muss.
45:13
Also auch für die Bewertung rückwärts zu schauen und was bedeutet das wirklich? Und deshalb sage ich konkret für jetzt und heute, wenn wir davon ausgehen, wir haben das Problem in paar Wochen:
45:24
Was würde ich machen? Wie sieht mein Pandemieplan aus in Wirklichkeit? Wie sieht mein Team aus? Welche Werkzeuge muss ich noch mal installieren, um das besser zu machen, um die Problematiken besser aufzufangen?
45:39
Was man dann nicht findet, und das war immer so ein bisschen meine Sorge, man findet da eben nicht klare, g
45:45
anz klare, deutliche Vorschläge. Nehmen sie A,
45:49
dann machen sie B und dann das C - das ist natürlich das das Schönste. Was mache ich, wenn ein Bewohner nicht die Isolation akzeptiert? Was mache ich, wenn der Angehörige Rabatz macht? Was mache ich, wenn so und so.
46:03
Das findet man dort nicht, man findet klare Anweisungen zum Thema individuelle Lösungen, ja? Also wi
46:10
r bestärken eigentlich die Verantwortlichen dabei mit Verstand u
46:16
nd in Kooperation mit anderen individuelle Lösungen zu entwickeln.
46:23
Vor dem Hintergrund, das was möglich ist, auch gesetzlich möglich ist.
46:26  Franziska
Gab es zu dieser Leitlinie Rückmeldung aus der Praxis? Also weil wenn ich das jetzt so höre, würde ich eigentlich denken,
46:32
dass man ja auch ein bisschen froh sein kann, dass jemand versucht hat, dass das Wissen, was halt da ist, zu bündeln und ich mir nicht wieder die Arbeit machen muss, selber halt alles nachzulesen zum Beispiel. Gab es da irgendwelche Rückmeldungen dazu? O
46:45
der vielleicht auch ganz gegenteilige Rückmeldungen? Kann ja auch sein.
46:48  Margareta Halek
Also wir haben, worüber ich was sagen kann, wir haben ja diese ganze Leitlinie auch mit der Praxis reflektiert in dem Entwicklungsprozess und es gab am Ende auch Praxisvertreter.
47:03
Die Heimvertretung hat Heimmitwirkung, so heißt das, und wie bifa-Pflegeschutzbund als Vertreter aller Angehörigen zum Beispiel, die sich das angeschaut haben, aber auch Praktiker,
47:16
die uns unterstützt haben. Und die haben eher das positiv bewertet, ja? Es gab a
47:24
n einigen Punkten oder an einigen wenigen Punkten zum Beispiel tatsächlich die Frage der Verantwortung, also wir
47:32
wir fordern schon die Einrichtungsleitung sehr zur
47:37
Gestaltung der Einrichtung, also zu Verantwortung für das, was da passiert.
47:43
Da gab es so ein bisschen Sorge, dass natürlich eine Heimleitung
47:49
auch begrenzte Möglichkeiten hat, wenn das halbe Personal krank wird oder sowas. Was soll sie machen? Aber dann
48:00
haben wir in der Diskussion geklärt, dass dann natürlich die Einrichtungsleitung eben auch ihrer Verantwortung annehmen muss, und sich a
48:07
n andere Stellen wenden muss, um zu sagen: "so, jetzt ist hier auch eine Grenze erreicht. Ich hätte gerne, lieber Pflegeträger, hier Unterstützung."
48:15
Also sozusagen nach oben explodieren und nicht nach unten sagen: "na gut, hier geht es gar nicht, da müssen wir eher bei einem Bewohner oder Angehörigen oder Mitarbeitern greifen".
48:25
Welche Reaktion aus der Pflegepraxis zur Veröffentlichung der Leitlinie gab,
48:34
ganz ehrlich Franzi, kann ich dir nicht sagen. Weiß ich nicht.
48:39
Ich bin nicht bei Facebook, ich bin nicht in sozialen Netzwerken. Ich, also ich wurde noch nicht persönlich angeschrieben und weder gratuliert, noch irgendwie kritisiert.
48:52  Franziska
Kann manchmal vielleicht auch ganz hilfreich sein, wenn man nicht irgendwie in den sozialen Medien unterwegs ist. Ja.
48:55  Margareta Halek
Vielleicht kommt's jetzt nach der Folge, Ja.
49:00  Franziska
Okay.
49:02  Christian
Was man grundsätzlich aber mal festhalten muss, ist, auch du hast gesagt, das ist jetzt fünf nach zwölf, ist ein bisschen zu spät gekommen.
49:10
Ich glaube nicht, dass es zu spät gekommen ist, weil es bisher einfach noch gar nichts Vergleichbares gab.
49:15
Also, dass mal jemand sowas auch mal zusammengefasst hat und, ich sage mal, mit Hinblick auf zukünftige Entwicklungen könnte es eben auch gleichzeitig nochmal sehr wichtig werden. Was sich daran aber auch interessant finde, ist, und d
49:29
as hast du vorhin auch nochmal so beschrieben: d
49:32
ie richtig hohe Evidenzklasse gab es dann irgendwie auch so nicht wirklich. Und das hat doch eigentlich gezeigt, dass es notwendig ist, dass es
49:41
eine Forschungslücke ist. Also ihr habt jetzt eine S1-Leitlinie anhand von Material gemacht,
49:50
was quasi nicht der höchsten Evidenzklasse angehört und
49:56
dann finde ich, gehört es dazu zu sagen "okay wir haben gesehen, hier sind Lücken. Leute, hier sind sind Lücken. Also müssen wir jetzt die Zeit nutzen. Wir haben jetzt diese Empfehlung, wir haben jetzt die Zeit unter diesen Bedingungen beispielsweise in g
50:09
esicherten Situationen, sage ich mal,
50:12
Daten zu erheben und die Forschung weiter voranzutreiben, sodass es beim nächsten Mal entsprechend mehr Möglichkeiten gibt, auf wissenschaftliche Daten zurückzugreifen, denn die gab's nicht". Also von daher glaube ich, dass
50:25
was den Zeitpunkt betrifft, wenn man das bezieht auf "es bringt den Heimen jetzt vielleicht
50:31
für die erste Welle in Anführungsstrichen erstmal so nichts". Das mag sein. Gleichzeitig haben sie aber auch die Möglichkeit, sich mal eine S1-Leitlinie d
50:38
urchzulesen. Also ich meine, das ist ja auch
50:42
nicht besonders einfach, sowas zu lesen. Also da begibt man sich ja eben auch in das Wissenschaftsfeld. Aber jetzt hat man ja vielleicht die Möglichkeit, sich das mal a
50:51
us guten Gründen durchzulesen und vielleicht auch umzusetzen. Und dann bekommst du vielleicht auch m
50:56
ehr Anfragen, wenn sich mehr Leute jetzt damit auseinandersetzen. Also ich finde es total total wichtig und total gut, dass es endlich mal
51:06
was gibt, was so den Start gegeben hat, sich damit grundsätzlich mal auseinanderzusetzen.
51:13
Vielleicht muss man auch sagen, dass S1-Leitlinien auch so auch frei einsehbar sind. Das wissen vielleicht auch nicht viele, aber sowas muss man ja nicht kaufen. Ist auch nochmal wichtig zu sagen einfach, ja.
51:22  Mike
Ich glaube auch, dass Leitlinien einfach auch nicht groß
51:29
in der Praxis, und gerade im Setting der Altenpflege, bekannt sind oder genutzt werden. Also was ich immer noch so mitkriege, ist irgendwie aus der klinische Intensivpflege, dass man sich dann noch irgendwie mit Leitlinien beschäftigt. Aber
51:45
stationäre Langzeitversorgung, da wird es schon ganz dunkel. Aber auch bei Ärzten, davon ab.
51:52  Margareta Halek
Aber, wenn ich nochmal ergänzen darf, weil das mit der Praxis etwas ganz, ganz Wichtiges ist. Und wir brauchen Resonanz, ja? Wir brauchen Resonanz auf das, was wir tun und
52:05
ich kann sie nur einladen, auch tatsächlich
52:07
etwas dazu zu sagen, weil auch diese Leitlinie als sogenannte Leaving-Guideline konzipiert ist. Das bedeutet, dass sie -
52:15
die ist ja nicht abgeschlossen. Die stellt ja wirklich nur einen Abschnitt der letzten, also der letzten drei, vier Monate und sie muss eigentlich aktualisiert werden. Natürlich werden wir, wie das so
52:27
in der Wissenschaft üblich ist, uns wieder die Literatur angucken
52:30
und ich vermute, dass wir natürlich noch einiges finden werden, was so beschreibenden Charakter hat, aber nicht gerade
52:37
die phänomenalen Studien zur Lösung unserer Probleme. Also insofern wäre das auch hier an der Stelle gut zu hören:
52:46
was sind da noch für Themen, die wir gar nicht angetickt haben? Oder die sich herausgestellt haben als p
52:52
roblematischer, als wir es dargestellt haben? Oder eben, die schon eigentlich gar kein Thema mehr sind? Damit man sich auch damit beschäftigen kann. Also ich
53:02
wäre für mehr Dialog, auch sinnhaften Dialog, sehr dankbar.
53:07  Christian
Du hast ein Interview in "die Schwester der Pfleger" gegeben, soweit ich weiß. Vielleicht gibt es ja da demnächst Resonanz. Also das erreicht ja dort doch immer nochmal ein paar Menschen. Vielleicht haben die Interesse sich nochmal auszutauschen. Wer weiß.
53:21  Margareta Halek
Wäre schön. Ja.
53:23  Christian
Wir haben für diese Folge auch noch einen zweiten Teil vorbereitet, wo wir uns abseits der S1-Leitlinie nochmal mit dem gleichen Thema beschäftigen, aber mit einem anderen Schwerpunkt.
53:36  Franziska
Na jetzt kommt so ein bisschen das Thema apropos Resonanz wahrscheinlich hoffentlich. Also irgendwann mal. Das Projekt trägt oder trug den Titel "Möglichkeiten der sozialen Teilhabe in Pflegeeinrichtungen trotz COVID-19 und ich habe ja ganz am Anfang schon mal kurz
53:53
gesagt, dass auch ich an dem Projekt gearbeitet habe, aber ich bin jetzt halt eben nicht diejenige, die hier Rede und Antwort stehen muss oder darf. Ich würde Margareta einfach fragen, was eigentlich das Ziel des Projekts war. A
54:05
uch im Bezug in dem Zusammenhang mit der S1-Leitlinie.
54:08  Margareta Halek
Das ist tatsächlich
54:12
auch zum Zeitpunkt entstanden, die Idee, als wir relativ wild in der Krise - wir, das heißt einige Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler so aus den üblichen Netzwerken - gedacht haben: Was können wir tun? Was können wir tun? Was müssen wir tun? Was wird v
54:27
on uns erwartet? Ich dachte auch daran, dass ja eben die Einrichtungen d
54:34
en Regelungen, die es damals gegeben hat, ganz am Anfang, also April, so Osternzeit, sowieso schon arbeiten mussten. Also,
54:42
was kann man tun, wenn man keine Kontakte hat? Das konnte die Wissenschaft noch nicht beantworten. Es gab keine Leitlinie, aber die Frage war: die tun was,
54:50
was tun die denn eigentlich? Und die werden keine keine blöden Sachen tun m
54:54
eistens, sondern die werden auch gute Ideen haben. Also wie kriegen wir diese guten Ideen, diese Best Practice Ideen,
55:01
eingesammelt, dann vielleicht bewertet und dann wieder zurück in die Praxis rückgespiegelt, damit man in dieser schwierigen Zeit überhaupt eine Idee hat von
55:12
was ist richtig? Also so eine simple Geschichte: Praxis etwas gefiltert durch die Wissenschaft zurück in die in die Praxis, Wenn man so will. Und
55:23
am Ende kann man sagen, das war so eine schöne Zeit, wo man plötzlich eine Idee hatte und dann griff man zum Telefon und hat gesagt: "ich habe hier so eine Idee, könnten
55:30
Sie sich das vorstellen als Förderer und können Sie uns ein bisschen unterstützen?" Wir leisten auch einiges, aber brauchen etwas. Und da war das Land NRW sehr
55:40
kooperativ und hat uns eine Förderung für drei Monate gewährleistet, um genau das zu tun: nämlich Praxiserfahrung zu sammeln,
55:49
sie zu bewerten und auf eine Plattform zu setzen, damit die Menschen
55:55
eine Idee haben und gleichzeitig auch nochmal was drauflegen können und sagen können: "ja, ich habe damit gute Erfahrungen gemacht oder ich habe damit schlechte Erfahrungen gemacht. Nee, ich mach das lieber so oder anders." Genau das, was die Leitlinie a
56:06
uf Meterebene anbietet sozusagen dann zu ergänzen mit Praxisbeispielen. Das war wirklich der erste Impuls und das haben wir dann auch relativ mit viel Elan
56:17
leicht naiv und voller Energie gemacht für drei Monate.
56:23
Haben eine Homepage gestartet in Zusammenarbeit mit Frauenhofer in Dortmund, mit dem Kollegen
56:32
Sven Meister und seinem Team.
56:34
So und der Bestandteil war auch nochmal tatsächlich zu dem damaligen Zeitpunkt in die Literatur zu gucken, was gibt es für Maßnahmen ganz konkret dazu
56:43
, was sind für Guidelines? Aber Kern des Projektes war ein Servey, ein Online-Servey und wir haben an
56:53
fast alle Einrichtungen oder eine große Menge an Einrichtungen, 14.000 Einrichtungen in Deutschland, ist ein Servey mit Fragen verschickt.
57:02
Die Fragen, da ging es eher darum, was machen sie im im Zusammenhang mit sozialer Teilhabe und Lebensqualität? Was tun sie denn überhaupt? Was ist davon gut, was ist davon schlecht? Welche Erfahrungen machen sie mit Bewohnern, b
57:16
ei denen es zum Beispiel schwierig ist, bestimmte Maßnahmen durchzuführen, ne? Also diese typischen, die weigern sich, die bleiben nicht im Zimmer, die gehen durch die Gegend, also diese ganzen Schwierigkeiten.
57:26
Aber auch gleichzeitig zu fragen, was gab es Positives an der Pandemie? Was haben sie gewonnen? Und diese Erfahrung t
57:34
atsächlich einzusammeln, relativ offen. Was soll ich denn sagen?
57:38
Ich gelte ein bisschen so als diejenige, die das Ganze nie so positiv darstellen kann, aber die Rücklaufquote war relativ gering.
57:46
Wir haben am Ende glaube ich um die 400 Klicks auf unseren Servey gehabt, wovon aber circa 140
57:56
Datensätze auszuwerten waren. Wenn man sagt 14.000 Mails, auch wenn davon sagen wir mal eine große Menge auch Irrläufer waren, dann ist das echt mager.
58:07
Gut, jetzt können wir darüber nachdenken, interpretieren, was es bedeutet, aber wir haben mit diesen Antworten gearbeitet. Immerhin 140 Antworten, die haben wir auch schon z
58:16
um Teil analysiert und da einfach eine Liste erstellt: was wären denn die Empfehlungen für die Praxis? Worüber sprechen die Pflegenden? Und das Ganze eben auf der Homepage verankert.
58:31
Was noch ein Anliegen von uns ist, dass die Pflegenden, wenn sie das lesen, die Chance haben, das zu kommentieren. Genau in diesen Dialog zu treten.
58:40
Zu sagen "nee, das Thema ist nicht gut,
58:44
lieber so oder andersrum, damit hatten wir gute oder schlechte Erfahrungen oder ich schlage was anderes vor". Das war auch eine Funktion, die für uns total wichtig war, die wir auf der Homepage gestellt haben.
58:55
Und die S1-Leitlinie war natürlich
58:57
total passend, weil wir das in der Zeit als als Handlungsempfehlung einbinden konnten. Also wir konnten immer die Erfahrung vor dem Hintergrund der Leitlinie bewerten
59:07
und sie dann auf die Homepage setzen und formulieren. Ergänzen noch mit mit paar Experteninterviews zu sehr bestimmten Themen, die da aufgetaucht sind.
59:15
So also eine ein bisschen praxisnähere, würde ich mal sagen,
59:22
Version von einem Teil der Empfehlungen aus der Leitlinie.
59:26  Christian
Das finde ich total interessant. Also es tut mir mega leid, dass ihr nur so einen
59:30
Rücklauf hattet. Also das ist echt deprimierend, glaube ich. Gerade bei 14.000.
59:36
Aber Mike sagt immer: "es muss praxistauglich sein. Du musst die Praxis mit einbeziehen und so weiter". Also ich wage jetzt gar nicht zu spekulieren, warum die Rücklaufquote so gering gewesen ist, a
59:49
ber irgendwie zeigt es doch, dass die Praxis dann vielleicht doch nicht immer
59:53
auch einbezogen werden möchte. Also ist natürlich auch irgendwie spekulativ, aber also das ist eher so so meine, also mein Standpunkt, wo ich sage: "ja, Praxis ist immer ganz schön, aber
1:00:05
mehr als jammern wollen die denn ja häufig auch nicht. Also wenn es um Konstruktivität geht, dann wird das Eis sehr dünn."
1:00:14  Franziska
Na ja, ich glaube also man geht da - w
1:00:18
ir gehen da jetzt dann irgendwie auch sehr in die Ergebnisse rein, aber wenn man sich anschaut, also wie das abgelaufen ist, wir haben die E-Mails eben an die Einrichtung gesendet und schon in der Beantwortung, also an den Personen, die geantwortet haben, sieht man, dass viele
1:00:33
E-Mails meistens natürlich bei einer Einrichtungsleitung landen, was so auch vorher auf jeden Fall erstmal gewollt war. Die Frage ist dann eben:
1:00:45
Wer beantwortet das dann und geht es halt in die große Gruppe der Einrichtung rein? Also
1:00:49
bekommen die Pflegenden, die halt dort arbeiten, eben die Möglichkeit diesen Servey zu beantworten oder eben nicht? Und ich glaube
1:00:55
ich kann mir vorstellen, dass da uns eben ein großer Teil auch eben verloren gegangen ist, weil die Pflegenden eben gar nicht die Möglichkeit bekommen haben, zu antworten. Ich glaube schon, dass viele, ich habe die Gruppe der Pflegenden schon so kennengelernt, auch also wenn man sich
1:01:08
die Resonanz auf den Podcast anschaut, schon so kennengelernt, als dass sie auch gerne ihre Meinung zu den Dingen p
1:01:16
reisgeben und auch gerne kommentieren. Von daher habe ich vorher eigentlich auch mit einem höheren Rücklauf gerechnet,
1:01:24
aber ich glaube, dass das möglicherweise ein Problem gewesen ist und vielleicht auch, i
1:01:29
ch mag es ja nicht sagen, aber vielleicht auch in der Situation einfach der zeitliche Faktor.
1:01:36
Wir haben uns auch bei den Fragen eben sehr, also wir haben uns, es waren wenige Fragen. Trotzdem waren es immer offene Fragen, d
1:01:43
ie halt offen beantwortet werden mussten, weil wir natürlich nichts vorgeben konnten oder auch wollten, um eben diese individuellen Maßnahmen einfangen zu können und das,
1:01:53
das kann man glaube ich so sagen, ist auch öfter mal ein Hinderungsgrund, um Serveys auszufüllen.
1:01:58  Christian
Also verstehe ich das richtig? Ich habe zwar die Institution angeschrieben, aber letztlich hätte jede einzelne Person, die in der Institution arbeitet, an dem Servey teilnehmen können.
1:02:11  Franziska
Genau, ja.
1:02:15
Der Fokus des Serveys lag ja darin eben unterschiedliche Maßnahmen zu bekommen. Es ging jetzt gar nicht darum, okay, jede Einrichtung in Deutschland hat mitgemacht, also dass wir das gewährleisten konnten oder so, sondern oder es konnten mehrere Leute aus Einrichtungen teilnehmen, was dann ja bei vielen w
1:02:30
issenschaftlichen Projekten ja dann eben
1:02:32
Ausschlusskriterium oder irgendwie sowas ist. Darum ging es ja gar nicht, im Vordergrund stand eben eine Bandbreite an Maßnahmen oder kleineren Dingen, die halt eben gemacht werden, einfach z
1:02:43
u bekommen.
1:02:47
Vielleicht war das auch dann irgendwie auch nicht deutlich genug dargestellt. Man weiß das dann ja auch mal nicht hinterher leider.
1:02:55  Christian
Ja, das ist schade.
1:02:56  Margareta Halek
Was man vielleicht auch noch sagen muss: es war ja zu einem Zeitpunkt, w
1:03:01
ir waren ja nicht die ersten, die auf die Idee gekommen sind, Online-Serveys durchzuführen und es gab in der Zeit tatsächlich unkoordiniert viele, viele Anfragen an die Einrichtungen. U
1:03:14
nterschiedlich, ob es über Telefoninterviews, Fragebögen oder eben auch Online-Serveys -
1:03:19
Wie geht's euch? Was macht ihr da? Wie? So und ich kann mir gut vorstellen, wenn ich dann die dritte Anfrage bekomme in meinem Alltag, da denke ich mir: "ey Leute, was soll das?" Das ist das eine - z
1:03:31
um Beispiel davor vor kurzem wurde der Bericht der Bremer Kolleginnen und Kollegen um die Frau Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann veröffentlicht. Eben auch so ein Online-Servey, ähnlich nur breiter
1:03:44
gemacht hat und die auch alle Einrichtungen eingeschrieben hat. Da war der Fragebogen sehr strukturiert.
1:03:50
Da brauchte man vor allem was Anklicken, da ging es eher so ein bisschen um die Rahmenbedingungen, die herrschten und sie haben zehn Prozent Rücklaufquote geschafft.
1:03:59
Sie waren aber schneller als wir. Sie waren vor uns da.
1:04:02
Und das ist vielleicht für viele einfach nicht erkennbar, dass diese Befragung andere Ziele haben oder sich unterscheiden, ja? Dass es bei uns wirklich um den Alltag gegangen ist, was haben sie gemacht? Wie haben sie's gemacht.
1:04:16
Ja, es ist schade. Ich, also die Enttäuschung sitzt tief immer noch, aber...
1:04:22  Franziska
Aber die Website ist ja immer noch da und wir freuen uns immer noch über Rückmeldung unter den Beiträgen.
1:04:30  Christian
Ja, wie ist denn die Adresse? Wie ist denn die Adresse?
1:04:32  Margareta Halek
gemeinschaft-gestalten.de - Das ist die Adresse. Und da laden wir ganz herzlich ein, auch wirklich zu sagen, was ist nicht gut? Also vielleicht können wir das auch noch ein bisschen verbessern.
1:04:46
Aber auch gerne die Antworten darauf.
1:04:49  Mike
Nachdem ich den Christian ein bisschen geschüttelt habe wegen seinen
1:04:52
komischen Bemerkungen zum Praxiseinbezug hab ich noch eine Frage. Ihr hattet gesagt ihr habt schon ein bisschen ausgewertet. Was gab es denn so für Ideen oder was macht die Praxis? Gibt es da schon erste Einblicke?
1:05:05  Margareta Halek
Ja
1:05:06
also die Liste der Intervention, die auf der Homepage stehen, das sind tatsächlich die häufigsten Nennungen, die wir eingesammelt haben in Verbindung eben mit auch so ein bisschen
1:05:21
Literatur und das ist zum Beispiel was zum Thema Besuche natürlich. Wie wird das geregelt? Oder das Thema Berührung.
1:05:31
Körperkontakt war ja auch ein Thema. Kann man sich überhaupt anfassen? Wie soll man sich überhaupt anfassen? D
1:05:36
ann gibt es das Thema Bewegungsfähigkeit erhalten oder Einzelbetreuung.
1:05:45
Also es sind unterschiedliche Themen quer, die genannt worden sind. Jetzt
1:05:49
die neusten Themen beschäftigen sich so ein bisschen mit dem Thema der basalen und gestischen Kommunikation, also eine Möglichkeit tatsächlich irgendwie soziale Aktivitäten zu gewährleisten oder zu fördern.
1:06:02
Und wenn ich das so erzähle oder ich selber mich natürlich diese Dinge anschaue, dann denke ich mir, na ja, <br>
1:06:02
<br>
1:06:10
das müsste jeder wissen. So, ja, das sind ja keine Themen, die außergewöhnlich sind, die anders sind unter COVID, sondern die vielleicht unter bestimmten Rahmenbedingungen stattzufinden haben.
1:06:21
Also man findet da die üblichen Verdächtigen, die man sonst zum Thema soziale Aktivität oder Interaktion hat. Bis auf eine Ausnahme, d
1:06:30
as ist die Videotelefonie. Das ist tatsächlich ein ganz COVID-
1:06:34
spezifisches Thema, nämlich: wie kriege ich die Kontakte? Und dazu gab es, also das war die Maßnahme, die war mit den häufigsten Nennungen versehen und das
1:06:45
Mittel der Wahl war für die Zeit der Kontaktsperre.
1:06:50  Christian
Es wäre eigentlich total schön, wenn sich daraus so eine Art Netzwerk
1:06:54
etablieren könnte. Im Sinne so von Best Practice Sachen. Also auf dieser Homepage gemeinschaft-geschalten.de,
1:07:01
da kann man ja jetzt sich
1:07:04
melden und sagen: "ja hier so und so, wir machen das so und so, wir haben hier Probleme und wir haben das für uns gut rausgefunden" und dann würde das ja hier stehen und jeder andere kann sich ja dann
1:07:13
darüber auch informieren, wie andere das jetzt gemacht haben. Also ihr scheint das ja dann auch so ein Stück weit zusammenzufassen, sehe ich das so, oder? Genau.
1:07:22  Margareta Halek
Also, genau, also man kann dann an den Kommentaren - wir bieten erstmal so eine Art von
1:07:28
Themenabriss an, also so ein Häppchen an Informationen, die sich eben so ein bisschen aus der Literatur speisen: was wird denn so gerade empfohlen?
1:07:37
Es kommen die Einschätzungen aus unserem Servey, ein
1:07:39
paar Zitate, die das ein bisschen vielleicht verdeutlichen und dann würden wir gerne diese Themen mit Beispielen ergänzen.
1:07:49
Und das ist aber der Part, auf den wir jetzt angewiesen sind, dass das Publikum das tatsächlich tut und sagt,
1:07:56
damit wir diese Beispiele aufnehmen können. Natürlich würden wir gucken, dass jetzt nicht irgendwie ganz was crazy ist, was vielleicht komplett verquer läuft,
1:08:04
aber das würden wir gerne aufnehmen und dann wieder auf der Homepage platzieren.
1:08:09  Christian
Ja, interessant. Ich hoffe, dass da auf jeden Fall sich noch mehr ergibt, weil es ist ja, wie wir es vorhin schon gesagt haben eingangs, a
1:08:18
uf jeden Fall irgendwie auch ein brisantes Thema. Also es ist ja jetzt nicht so, dass es ein Thema ist, was keinen interessiert, sondern es haben sich ja viele Teile der Gesellschaft damit auseinandergesetzt. Wie ist das denn jetzt mit der mit der alten Bevölkerung so? Also
1:08:30
die können jetzt nicht weggeschlossen werden, das funktioniert ja auch nicht. So, also wie funktioniert das denn jetzt in einem sicheren Rahmen? Also es scheint ja auch ein Interesse da zu sein.
1:08:39  Margareta Halek
Aber vielleicht, ich weiß es nicht, vielleicht ist das ja so, insofern wäre auch gut so oder so eine Rückmeldung zu bekommen. Vielleicht ist das ja auch schon, wie ich gesagt habe,
1:08:48
zehn nach zwölf. Vielleicht ist das alles schon Usus, vielleicht wird das in den Altenhilfeeinrichtungen so genommen und hier keine neuen Informationen gefunden werden. Das wäre auch toll die Rückmeldung zu bekommen. Nach dem Motto "ja, jetzt müsst ihr ein bisschen mal nachlegen oder was noch differenziertes machen." Ist das so?
1:09:04
Oder wird das nicht beachtet, weil wir vielleicht bei Google nicht die besten Treffer haben? Oder...
1:09:13  Mike
Ich finde die Seite ganz toll.
1:09:14
Möchte ich nochmal kurz sagen. Ich gucke mir die gerade an mit den Zitaten und wie die aufgebaut ist, lädt auf jeden Fall ein, um da so ein bisschen rumzustöbern und sich das mal so durchzulesen, was da so steht und zusammengetragen wurde.
1:09:29
Also so vielleicht als Aufforderung an alle Hörenden, sich das mal näher anzuschauen.
1:09:35  Christian
Sehe ich genauso. Also es ist einfach auch eine wichtige Sache, weil man einfach mit einer relativ niedrigschwelligen Info
1:09:43
helfen kann wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren oder zumindest hilft Erkenntnisse zu generieren, die in einem Wiederholungsfalle, wie es jetzt gewesen ist, vielen Menschen einfach
1:09:57
zu helfen. Also mit einer einfachen Information, einfacher kann es ja fast nicht sein. Also.
1:10:04  Margareta Halek
Vielleicht ist das so eine Frage der Zeit. Vielleicht spricht sich das noch rum.
1:10:10  Christian
Ja, wir werden uns auf jeden Fall die Shownotes aufnehmen und da sollte auf jeden Fall jeder mal reinklicken und sich zehn Minuten Zeit nehmen. Gibt es noch offene Fragen, Mike?
1:10:19  Mike
Ja, wir haben jetzt schon viel gehört eigentlich von der Leitlinie und von der Internetseite. Wie wie soll es denn eigentlich weitergehen? Gibt es noch mehr zu Corona und Pflegewissenschaft? Ist da noch mehr geplant? Oder
1:10:31
geht es jetzt erstmal um Fortführung der Internetseite und dort noch weitere Informationen zu generieren?
1:10:36  Margareta Halek
Für das Projekt ist ja praktisch die Finanzierung ausgelaufen, sodass auch unsere Möglichkeiten da jetzt sehr aktiv und kreativ z
1:10:45
u wirken im Moment noch begrenzt sind. Wir hätten viele Ideen, also man könnte auch tatsächlich auf der Homepage
1:10:53
auch so kleine Videosequenzen einbringen, um vielleicht bestimmte Inhalte besser zu transportieren. Vielleicht ist das Lesen eben von Texten, wir wissen d
1:11:04
a sind die Pflegekräfte so ein bisschen müde des Lesens, vielleicht etwas visualisieren. Das wäre noch eine Weiterentwicklung. Wir überlegen auch, ob das in der nahen Zukunft möglich ist, die Homepage vielleicht
1:11:19
in eine andere Umgebung zu setzen, wo sie vielleicht mehr Traffic hat und davon profitieren kann.
1:11:26
So, also auf jeden Fall arbeiten wir weiter an der Auswertung nochmal der Serveys und wir versuchen diese Liste an Maßnahmen zu erweitern. Das ist ja auch zum Beispiel, falls jemand Ideen hat, welche Themen wir da gar nicht drauf haben und die
1:11:37
total wichtig sind und sogar bereit ist, etwas dazu zu schreiben da,
1:11:41
also gerne laden wir die Menschen ein. Also das ist die Idee mit der Homepage. Die S1-Leitlinie wird
1:11:49
irgendwann eine Revision erhalten.
1:11:51
Eigentlich müsste es schon spätestens Ende dieses Jahres sein, da sich die Steuerungsgruppe treffen und darüber nachdenken, wie geht's weiter? Sind wir in der Lage jetzt, sie zum Beispiel auf das S2-Niveau zu schicken?
1:12:05
Und außerdem passiert ja, wie gesagt, jetzt auch in Deutschland werden viele Sachen publiziert. W
1:12:09
ir haben selbst auch noch ein anderes Projekt zu, wo es auch Erfahrungen von Angehörigen und eben auch vertretende Bewohner ausgewertet und aus Telefoninterviews. Vielleicht ist da etwas, was wir
1:12:22
beides zufüttern können. Mir gefällt im Moment gut,
1:12:25
dass wir Projekte haben, die so ineinandergreifen, die sich gegenseitig unterstützen können und dieses Wissen zur
1:12:32
Pandemie tatsächlich erweitern können. Und das ist so, man hat das Gefühl von einem Ganzen, was dann am Ende
1:12:41
da ist.
1:12:42  Mike
Als du das von der anderen Plattform hiefen gesprochen hast, glaubst du es ist für die Wissenschaft
1:12:51
förderlich, wenn man sich mit Influencern irgendwie verknüpft, die, das ist s
1:12:57
o ein bisschen Neuspreche, aber die so ein bisschen auch die Werbetrommel rühren können? Also wenn man diese Seite zum Beispiel auf Instagram transferieren würde
1:13:07
und dort einfach einen anderen Kanal hätte und Leute hätte, die sowas bewerben und einen Zugang einfach zur Praxis haben oder einen anderen Zugang, dass da mehr bei rumkommt?
1:13:16  Margareta Halek
Das haben wir tatsächlich diskutiert. Wann gehen wir in die sozialen Netzwerke weiter? Wie können wir die nutzen? Was müssen wir dafür machen? Wer ist denn da eigentlich gut? D
1:13:29
as haben wir andiskutiert und wenn man, ich auch, dazu würde ich gerne mal h
1:13:35
ören, ob das ein Medium ist tatsächlich für Pflegende. Ich meine eher: ihr seid da besser dran. Ich ich bin wirklich total oldschool, ja?
1:13:45
Ich persönlich habe kein Feeling dafür. Ich fühle mich auch von diesen Medien sehr schnell überfordert. Und ich habe sie lieber auf einer Homepage, wo man alles drauf hat. So, aber das ist vielleicht nicht die Generation. Insofern auch dies als eine Rückmeldung zu sagen: "Nein, Leute,
1:14:01
sowas ist nix. Ihr müsst ganz, ganz flexibel sein,
1:14:05
dann wäre das vielleicht eine Möglichkeit, auch das zu überführen oder eine andere Art von vielleicht Projekt, studentisches Projekt, vielleicht auch zu machen" Keine Ahnung. Morgen
1:14:15
habe ich einen Vortrag auf einer Tagung auch vom Ministerium für Gesundheit in NRW, wo ich mir auch erhoffe, dass das Publikum sagt:
1:14:23
"Nee, das ist alles doch zu statisch. Ihr müsst irgendwie anders sein" und dass man da auch Impulse aufnehmen kann: wo müssen wir unterwegs sein? Aber ob das Influencer,
1:14:33
da bin ich also insgesamt ein bisschen kritisch.
1:14:36  Mike
Ja, das ist so also..
1:14:39  Margareta Halek
Ich weiß es nicht.
1:14:42  Mike
Ist so aufgeploppt bei mir. Wenn ich da sehe, da folgen 200.000 Leute irgendeiner Person und tweeten oder schreiben irgendwelche Posts. Und o
1:14:52
b die jetzt kurz mal schreiben, wie die das bei sich im Altenheim regeln oder schreiben, was weiß ich. Also das sind ja niederschwellige Informationen, es geht ja nicht um irgendwas Komplexes. Das sind ja
1:15:03
kurze Sequenzen, na ja okay.
1:15:05  Christian
Es war aber auch mein erster Gedanke, Mike. Ich habe mich nur nicht getraut, dass hier zur Sprache zu bringen, weil ich da auch irgendwie ein gespaltenes Verhältnis zu habe.
1:15:17
Also ich weiß auch nicht, wie ich damit umgehen soll. Weil auf der einen Seite verteilt es sich dann natürlich so.
1:15:24
Das funktioniert super. Die Frage ist nur, welche Leute erreichst du und was für eine Qualität bekommst du dann auch zurück? Also ich will damit gar nicht sagen, dass das schlechte Qualität ist, aber geht es um Masse?
1:15:35
Also weißt du wie ich das meine? Die erreichen viele Menschen, aber du hast keine Kontrolle mehr darüber, wer jetzt antwortet. Und das finde ich manchmal ein bisschen schwierig.
1:15:44
Aber wenn es nur darum geht, natürlich Informationen aus der Praxis zu bekommen, aus der eigenen Erfahrung zu erzählen, denn es ist vielleicht g
1:15:50
rundsätzlich gar nicht so wichtig zu wissen, welche Person das jetzt erreicht hat. Aber du hast dann keine Kontrolle mehr darüber, wie weit die Information im Nirwana verschwindet quasi.
1:16:04
Aber das ist vielleicht ein anderes Thema.
1:16:07  Margareta Halek
Ja
1:16:08  Christian
Aber nichtsdestotrotz können wir die Informationen gerne mal in den sozialen Medien weiterreichen. Also egal ob es jetzt irgendwie Facebook ist oder von mir aus Instagram. Auf Instagram spielt sich echt viel ab. Das hätte ich nicht für möglich gehalten.
1:16:24
Ich habe keine Fragen mehr. Franziska, hast du noch eine Frage?
1:16:27  Franziska
Ich habe auch keine Frage mehr.
1:16:28  Christian
Hast du noch etwas, eine Information aus dem Projekt, die noch wichtig ist, die wir noch erläutern müssen oder so?
1:16:37  Franziska
Ich glaube erstmal nicht.
1:16:38  Christian
Und Margareta, haben wir was vergessen?
1:16:40  Margareta Halek
Nee. Ich fühle mich also hier gut platziert mit allen Informationen. Ich fühle mich so ein bisschen leer jetzt. Leer gesaugt.
1:16:53  Christian
Das ist gut tatsächlich, weil dann wissen wir, dass wir alles
1:16:57
haben. Und das es auch erstmal so keine weiteren Infos gibt. Genau, wir werden den weiteren Verlauf natürlich genau beobachten, ob es da jetzt am Ende des Jahres nochmal Bestrebungen gibt, das Ganze weiterzuführen.
1:17:09
Ich hoffe es und ich hoffe auch gleichzeitig, dass es g
1:17:14
ar nicht so kommt, wie es schon mal gewesen ist, also dass so eine Brisanz da wieder reinkommt, dass man sagt "oh, wir müssen jetzt aber unbedingt, weil das kostet wieder Menschenleben und so".
1:17:26
ch hoffe, dass wir die Situation nicht mehr haben, aber gut, da steckt man nicht drin.
1:17:30
Zu guter Letzt haben wir noch eine persönliche Mitteilung, also die Übergabe. Und zwar haben wir vor einigen Tagen wieder eine Spende erhalten und dafür möchten wir uns ganz besonders
1:17:44
bedanken für die Spende, aber viel mehr noch eigentlich für die Mail, die es danach gab. Und zwar hat uns Stephanie geschrieben.
1:17:54
Und das war tatsächlich sehr rührend. Ich will es gar nicht vorlesen, aber sie hat
1:18:00
geschrieben, dass sie es quasi ganz toll findet was wir machen und dass sie es schön findet, dass wir die Information immer so gut aufbereiten und dass sie ganz gespannt hinhört und deswegen auch schon irgendwie mit dem Auto a
1:18:14
n Autobahnausfahrten vorbeigefahren ist. Also das freut uns sehr, sowas zu hören. Ich finde, es motiviert auch ungemein und dafür wollen wir uns ganz herzlich bei dir bedanken, Stephanie.
1:18:29
Dann war es das für diese zwei Wochen. Margarita, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast über die Leitlinie zu sprechen und über das Projekt zu sprechen.
1:18:39
Es hat Spaß gemacht.
1:18:40  Margareta Halek
Es war auch sehr, sehr angenehm. Das Gespräch war wirklich auch anregend.
1:18:47  Christian
Vielen Dank dafür und dann bis bald und auf Wiederhören. Tschüss.