Bildung in Bewegung

Die IG Metall Bildung ist in Bewegung, weil sich die Gesellschaft und die Arbeitswelt in Bewegung befindet. Der Podcast gibt Einblicke, wohin die Reise geht, welche Zwischenstationen für Expeditionen eingelegt werden und welche Utopien sich am Horizont auftun könnten.

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episode 4: Webtalk #04 – Auswirkungen der Krise auf die Beschäftigten, Finanzmarktkrise reloaded? [transcript]


Es deutete sich jetzt schon an, dass wir in Folge der Corona-Pandemie eine globale Wirtschaftskrise erleben werden. Die Frage ist nur: Wie groß wird diese Krise sein? Und vor allem: Wer ist wie stark von ihr betroffen? Wir möchten ausgehend von den Erfahrungen der letzten großen Finanzkrise 2008 auf mögliche Folgen für die Beschäftigten blicken und über mögliche Antworten auf diese Krise diskutieren.

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 2020-07-04  1h44m
 
 
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Heute haben wir drei hochkarätige Gäste, von denen zwei jetzt schon eingeschaltet sind. Zum einen haben wir den Achim Truger, er ist Professor für Sozioökonomie an der Universität Duisburg-Essen
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und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der
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gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, kurz gesagt, die Wirtschaftsweisen, wie es immer so schön heißt. Der Kollege Carsten Bätzold ist auch schon hier, er ist Betriebsratsvorsitzender von
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dem VW-Werk in Kassel und in der Leitung noch am Rumprobieren ist Klaus Dörre. Er ist Professor für
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Soziologie An der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Wir vier wollen das jetzt gemeinsam gestalten.
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Und auch die Anja ist langsam zu sehen.
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Bevor wir uns aber unseren Gästen zuwenden, wollten wir erstmal euch sagen, wie ihr euch an diesem Format beteiligen könnt und die Frage ist, Anja, kannst du was sagen?
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Ich schaue gerade mal hin. Nein,
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scheint nicht drin zu sein, heute ist so ein bisschen Pleiten, Pech und Pannen angesagt.
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Es gibt zwei Möglichkeiten, wie ihr euch beteiligen könnt als Zuschauerinnen und Zuschauer. Wir haben zum einen die Chat-Funktion. Da kann man reinschreiben, um mit den anderen zu diskutieren
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und wir haben die Frage-und-Antwort-Funktion. Das ist eine Funktion, wo ihr Fragen stellen könnt zu den Inhalten und wo mehrere Kolleginnen und Kollegen im Hintergrund
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versuchen, diese Fragen zu beantworten. Wir werden immer wieder auch
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Spots einlegen von zehn Minuten, wo wir Fragen, die im Chat oder bei Fragen und Antworten gestellt werden, an unsere Gäste stellen werden. Das heißt, auch da könnt ihr Fragen einbringen.
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Es ist gerade ein bisschen mit Pleiten, Pech und Pannen, aber ich gucke mal, Klaus kannst du was sagen?
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00:02:30.295 --> 00:02:48.528 Wir probieren es einfach mal aus und starten jetzt ganz offiziell. Ich habe ja schon die drei Namen gesagt, von den Gästen, die hier vor Ort sind und die Idee wäre vielleicht, dass gleich jeder und jede von euch mal kurz
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unseren Zuschauerinnen und Zuschauern sagt, wer ihr so seid
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und was euch eigentlich bewogen hat, Ökonom, Soziologe oder Betriebsrat zu werden.
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Achim starte doch einfach mal und sage ein paar Worte zu dir und warum bist du eigentlich Ökonom geworden?
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Vielen Dank, liebe Sergio. Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, hier zu sein oder zu Hause zu sein und
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trotzdem irgendwie mit euch zusammen, du hast mich ja schon eingeleitet. Ich bin
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Professor für Ökonomie, insbesondere für Staatsfinanzen an der Uni Duisburg Essen
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und bin etwas länger als ein Jahr jetzt auf Vorschlag der Gewerkschaften im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, wo wir einmal im Jahr
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ein großes Jahresgutachten zur Konjunktur und zur wirtschaftlichen Entwicklung und Wirtschaftspolitik schreiben und wo wir allerdings jetzt in dem
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relativ kurzen Jahr schon gleich zwei Sondergutachten, eins zur Klima- und eins jetzt zur Coronakrise geschrieben haben, also recht viel zu tun.
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Ich habe ja relativ viel gemacht schon, also ich habe in Köln studiert, Volkswirtschaftslehre, dann mich auf öffentliche Finanzen spezialisiert,
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habe da nach dem Studium dann im Forschungsinstitut gearbeitet, noch am Lehrstuhl,
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habe dann promoviert. Danach bin ich nach Düsseldorf gegangen ans Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI)
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in der Hans Böckler Stiftung, dann ans Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) gewechselt. Dann war ich Professor für Makronökonomie und Wirtschaftspolitik in Berlin, an der Hochschule für Wirtschaft und Recht
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und jetzt seit ungefähr einem Jahr die beiden neuen Posten.
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Was mich bewogen hat, Ökonomie zu studieren? Da kann man jetzt versuchen, nachträglich irgendwie eine Stromlinienform zu finden. Die Wahrheit ist, ich wusste kurz vorm Abi und nachher nicht, was ich machen sollte.
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Durch Zufall war das so, dass ein Kindergartenfreund von mir, dessen Vater
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war Privatdozent für VWL in Köln und der hat mir ein bisschen was erzählt und dann habe ich mehr oder weniger
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aus Verlegenheit angefangen, das zu studieren und habe dann weitergemacht. Aber was mir wichtig war, ich wollte wissen, wie die Gesellschaft funktioniert.
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Tatsächlich ist es dafür ziemlich wichtig, glaube ich, dass man weiß
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oder zumindest glaubt zu wissen, wie die Wirtschaft funktioniert. Das hat sich ja in den letzten Jahrzehnten nochmal verstärkt,
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dass die Ökonomie auch immer wichtiger geworden ist. Das vielleicht so im im Schnelldurchlauf, was mich da bewogen hat.
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Vielen, vielen Dank Achim, dann würde ich sagen, ich gehe mal weiter zu Carsten, weil bei Klaus scheinen noch ein paar Unwägbarkeiten zu sein. Carsten auch die Frage an dich. Wer bist du
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und warum bist du eigentlich Betriebsrat geworden?
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Wer bin ich eigentlich, wenn ja, wie viele. Carsten Bätzold, ich bin Jahrgang 65, habe
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drei Kinder in sehr unterschiedlichen Altersstrukturen,
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habe 1982 bei Volkswagen in Kassel eine Lehre angefangen zum Universalfräser, habe dann 1984 zum ersten Mal
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für die Jugendauszubildendenvertretung kandidiert, weil ich in Kontakt mit Menschen gekommen bin, die politisch aktiv waren, Friedensbewegung, Jugendorganisationen, alles auf was man treffen kann in der betrieblichen Wirklichkeit.
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Das war eine sehr, sehr spannende Zeit und habe dann in dieser Zeit natürlich auch über die IG Metall und allerlei
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andere inhaltliche Bezugspunkte gemerkt, dass das was ist, was mir Spaß macht, ich hab ein gewisses Talent
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mit Menschen reden zu können, Dinge erklären zu können, auch komplizierte Sachen auf der anderen Seite aber auch
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Dinge zu durchschauen und Kolleginnen und Kollegen mitnehmen. Alles das passt ganz gut zusammen für so ein Wahlamt. Ich bin dann nach 1984
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in der Jugendvertretung, mehrere Jahre gewesen, bin dann 1990 zum ersten Mal in den Betriebsrat gewählt worden, als junger Mensch, logischerweise.
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Und habe dann seitdem nichts anderes mehr gemacht. Allerdings mit sehr anderen inhaltlichen Ausrichtungen. Ich habe von Bildungsarbeit
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über Ideenmanagement, über beteiligungsorientierte Teamarbeit, KVP-Prozesse und so weiter und so weiter gemacht. Es gibt so gut wie nichts, was ich nicht gemacht habe, im Betriebsrat über viele Jahre. Seit 2012 bin ich Vorsitzender dieses Gremiums.
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Wir haben 17.000 Beschäftigte in Kassel, 41 Betriebsräte, drei CGMler, der Rest sind IG Metaller.
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In der Kürze, das mache ich.
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Vielen, vielen Dank Carsten für die Vorstellung. Jetzt probieren wir mal aus, ob der Klaus auch zu hören und zu sehen ist. Hallo Klaus, schön, dass du da bist und auch vielleicht an dich die Frage:
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Wer bist du, sag mal ein paar Worte zu dir und und was dich bewogen, Soziologe zu werden?
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Mich hat bewogen Soziologe zu werden, weil ich von Technik keine Ahnung habe. Und das wird mir jetzt in Zeiten von Corona absolut zum Verhängnis, weil ich
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immer wieder neue Schwierigkeiten habe, mit meinem verdammten Laptop an Sitzungen und Ähnlichem teilzunehmen. Das hat jetzt dazu geführt, dass ich nicht mal mehr geduscht habe vor dieser Sitzung. Also ich bin Professor für Arbeitsindustrie und Wirtschaftssoziologie.
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Ich bin jetzt über Telefon zu hören, ich hoffe, einigermaßen einigermaßen vernünftig
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und kann auch der Diskussion jetzt per Telefon folgen, also das sollte einigermaßen möglich sein. Ja, ich bin - vielleicht ist das noch interessant - von der
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sogenannten Coronakrise tatsächlich selbst gebeutelt, in vielerlei Hinsicht. Ich habe zumal erstmal in meinem Leben auf Wunsch meiner Frau eine
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Pauschalreise gebucht gehabt, wurde nach 24 Stunden von La Gomera evakuiert in eine Bettenburg nach Teneriffa, mit mehreren hundert betrunkenen Briten, die so taten, als sei nichts.
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Nach Helikoptereinsatz und Polizei mit Schlagstöcken, die dafür gesorgt haben, dass die Briten auf ihre Zimmer gegangen sind, begann der Kampf um die Rückflüge. Ich hatte privat gebucht, aber über Madrid und Schipohl, das war höchstgefährlich. Es ist uns im letzten Moment gelungen,
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mit einer Airline, die Flugzeuge fliegt, die andere Airlines nicht mehr fliegen
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dann tatsächlich nach Hause zu kommen. Und seitdem glaube ich nicht, dass an dieser Coronakrise irgendwas gut ist.
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Vielen, vielen Dank euch dreien, für die kurze Vorstellungsrunde. Wir würden jetzt
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mit einem Blick zurück starten wollen, weil der
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Titel ist ja "Finanzmarktkrise reloaded?" Ich würde einfach mit Achim beginnen, also der Titel bezieht sich ja
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auf die Finanzkrise 2008 / 2009. Vielleicht kannst du mal kurz sagen,
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was verbindet die aktuelle Situationen im wirtschaftlichen Bereich mit der Finanzkrise 2008 / 2009, aber was ist elementar anders als in der Zeit, vor zehn, zwölf Jahren?
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Ja, kann ich gerne machen. Es gibt einige Ähnlichkeiten, aber ganz viele Dinge, die ganz anders sind. Und ähnlich ist einmal die Dramatik, also wie schnell das jetzt gekommen ist und
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wie stark die Wirkungen sind und die Stärke des Abschwungs ist sicherlich vergleichbar, wahrscheinlich sogar heute
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nochmal größer, das kann man schlecht sagen. Völlig anders ist die Ursache. wir hatten bei der Finanzkrise halt tatsächlich
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eine globale Finanzkrise indem das Finanzsystem komplett über die Stränge geschlagen war und
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im Bankensystem dann die Krise kam. Jetzt ist es so, dass wir eine Gesundheitskrise haben und das überall
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die Staaten und die Betriebe deswegen ja die Produktion eingestellt haben.
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Was die Effekte angeht: Als damals die Finanzkrise kam, wusste niemand, dass es glücklich ausgehen würde für Deutschland. Insofern ist die Dramatik vergleichbar, aber im Rückblick muss man sagen, dass
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die Krise damals insofern harmloser war, als der Dienstleistungsbereich relativ intakt blieb,
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und als das internationale Umfeld noch ganz gut war und insbesondere China und andere Staaten dann, wo die Produktion schnell wieder hoch ging,
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die sehr sich gegen die Krise gestellt haben, dann auch bei uns über die Exporte ganz schnell die Erholung wieder gebracht haben.
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Das ist heute anders. Heute ist wirklich überall tiefe Krise
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und gerade der Dienstleistungsbereich ist halt über die ja zum Teil staatlich beschlossenen oder verordneten Schließungen besonders betroffen,
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sowohl was die Breite angeht, als auch was das internationale Umfeld angeht, nochmal dramatischer.
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Man kann jetzt sehr viel sagen, also wenn man Konjunkturprognosen schon gemacht hat, dann ist es so, dass alle Konjunkturprognosen immer wahnsinnig schwierig sind.
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In dem Fall war das wirklich so, dass eigentlich wir wussten,
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da kommt jetzt was, aber es gab ja kaum Frühindikatoren. Wir wussten einfach, in China ist jetzt was passiert,
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das wird uns einholen, auf jeden Fall, über die Lieferketten und
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ansonsten wussten wir, die Einschränkung kommen.
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Aber man konnte das nirgendwo sehen in Frühindikatoren und man konnte deshalb auch nur ganz grobe Abschätzungen machen und kann auch jetzt nur grobe Abschätzungen machen. Also die ersten Arbeitsloseneffekte oder Beschäftigungszahlen haben wir ja auch seit kurzer Zeit,
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insofern war es ein ziemlicher Blindflug. Und da gab es natürlich auch sehr unterschiedliche
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Prognosen oder Prophezeiungen und die reichten von, etwas unter null,
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minus 0,1, minus 1,0 bis schlimmstenfalls minus 20 Prozent. Das war das ifo (Institut für Weltwirtschaftsforschung), das hat glaube ich 18 Szenarien gerechnet, und
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man hätte auch 36 rechnen können und minus 40 noch oder so, also das sagt dann nicht mehr so viel.
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Es ist schon schon recht dramatisch. Wir sehen jetzt ja auch die Effekte, eine Parallel ist auch, dass
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die Kurzarbeit massiv eingesetzt wird, aber da gibt es jetzt schon Rekordzahlen bei den Anmeldungen und das wird unglaubliche Dimensionen annehmen.
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Leider ist es auch so, obwohl die Kurzarbeit ja erstmal gut ist, weil sie Arbeitslosigkeit vermeidet,
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leider ist es aber so, dass auch die Arbeitslosenzahlen schon hochgehen und wir damit rechnen müssen, dass zum ersten Mal jetzt seit
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vor der Finanzkrise wir wieder einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit sehen werden.
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Gut soweit erstmal von mir, kann man dann gerne noch vertiefen.
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Vielen, vielen Dank Achim. Ich würde weitergeben zu Klaus, auch mit dem Rückblick und einem kleinen Ausblick.
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Du hast ja bei der letzten Krise auch zu Krisenbewusstsein von Beschäftigten geforscht, beziehungsweise dein Team auch.
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Vielleicht kannst du mal den Zuschauerinnen und Zuschauern sagen, was macht so eine Krise mit Beschäftigten? Was waren damals die Befunde, die ihr da hattet?
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Wir waren damals überrascht. Wir haben, glaube ich, die ersten Forschungen tituliert mit "Krise ohne Krisenbewusstsein" oder anders gesagt, in den größeren, und mittleren Unternehmen, in denen wir geforscht haben, war die Botschaft
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"die Krise war nie weg, weil irgendein Bereich ist immer in der Krise" und dann setzt es immer besondere Maßnahmen und
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da müssen wir dann sehen, wie wir überhaupt verfahren. Es war anfangs gar nicht so, dass ein an besonderes, ausgeprägtes Krisenbewusstsein da gewesen wäre, dass
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mag auch damit zusammenhängen, dass wenn man sich an die Botschaften noch erinnert, wir damals einen Finanzminister hatten, der ja erklärte, als
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der Crash in den USA schon begonnen hatte, dass das
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dem deutschen wohlfahrtsstaatlich organisierten Kapitalismus nicht erreichen kann und so weiter. Das hat sich dann alles in Luft aufgelöst. Was dann passiert ist,
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ist ein ganz schwieriges Kapitel gerade auch für die Gewerkschaften.
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Ich vermute, dass die Frage auch darauf ein bisschen zielt. Ich war ja vor der Krise 2007 / 2009 direkt involviert in eine große Kampagne
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gegen prekäre Arbeit, Leiharbeit und so weiter. Die IG Metall hat das zu einem zentralen Thema gemacht
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und eigentlich erstmals zu einem zentralen Thema gemacht und auch im hohen Maße Leiharbeiter aufgenommen. In der Krise passierte dann folgendes:
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Es gab fast überall
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einen Backlash dergestalt, dass die Betriebsrette zunächst mal gesagt haben, wie retten die Stammbelegschaften
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und sichern die Stammbelegschaften, als es dann darum geht, wer wird arbeitslos, wer geht in Kurzarbeit und so weiter.
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Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist es dann so gewesen, dass die flexibel Beschäftigten, die Leiharbeiter, die Befristeten, die Jungfacharbeiter und so weiter ausgeschieden sind, um die Stammbelegschaften zu halten.
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Letzteres hat gut funktioniert, aber Ersteres wurde von denen, die betroffen waren, als eine Art Endsolidarisierung erlebt, und das hat, glaube ich, dann doch die Vertretungsmacht der IG Metall zunächst mal
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erheblich behindert. Man kann sagen, dass direkt nach der Krise in erster Linie prekär und atypisch eingestellt wurde, gerade in der Metallwirtschaft.
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Die Arbeitgeber haben das zunächst mal als eine Einladung begriffen, so zu verfahren
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und die IG Metall hat dann glücklicherweise nachgelegt, auch andere Gewerkschaften mit diesem Tarifvertrag für Leiharbeiter,
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wo dann nochmal ein deutliches Signal gesetzt wurde, dass die nicht vergessen sind, aber dieser Grundmechanismus, den wir da erlebt haben, den haben wir ja auch sehr zum Unwillen von manchen manchen Gewerkschaftern als eine Tendenz zu
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exklusiver Solidarität bezeichnet. Das heißt, man ist solidarisch, aber vor allen Dingen in den Grenzen des eigenen Unternehmens und der Stammbelegschaften.
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Das ging bis dahin, dass gewerkschaftlich organisierte Betriebsräte, ich habe hier ein Unternehmen vor Augen gerade, in Jena, dass gewerkschaftlich organisierte Betriebsräte in Einzelfällen, Ausnahmefällen gesagt haben, wenn sie über Leiharbeiter sprachen, die gehören nicht zu uns.
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Das war so diese innen-außen-Dynamik. Die ist nicht naturwüchsig, da kann man gegensteuern, aber da müssen Betriebsräte und Gewerkschafter entsprechend arbeiten, dass sowas nicht entsteht.
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00:19:26.750 --> 00:19:38.132Vielen Dank Klaus. Mit der Technik müssen wir alle noch ein bisschen lernen umzugehen, egal wie alt und jung wir sind.
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ir würden dann später nochmal drauf hinausgehen, was auch Punkte sein werden,
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die wir als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter beachten müssen, damit solche Sachen nicht passieren, die du gerade beschrieben hast. Ich würde jetzt den dritten Mann in der Runde
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in die Diskussionen holen. Wir sind doch in der Vergangenheit, 2008. Vielleicht kannst du uns allen erzählen, wie war die Krise 2008 damals bei VW?
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as für Auswirkungen gab es damals und und vielleicht hast du auch noch ein paar Instrumente im Kopf, die ihr als Betriebsrat damals genutzt habt, um diese Auswirkungen zu begrenzen, damit umzugehen.
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Ja, auch bei uns ist genau das passiert, was Klaus eben beschrieben hat. Wir haben über Nacht 1.000 Kolleginnen und Kollegen aus der Leiharbeit
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nicht weiter verlängert. Die Verträge liefen damals aus. 14 Tage bevor das Enddatum angestanden hat,
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hat diese Krise zugeschlagen und die waren tatsächlich über Nacht nicht mehr da, 1.000 Kolleginnen und Kollegen auf einen Schlag. Das war ein sehr
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bleibender Eindruck. Wir haben daraus auch eine Menge gelernt und haben viel darüber diskutiert,
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wenn wir nach 2012, als es wieder angefangen hat bei uns, bei den über 3.500 Kolleginnen und Kollegen aus der Leiharbeit
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in die Stammbelegschaft reingeholt haben.
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00:21:18.298 --> 00:21:26.1231.000 Kolleginnen und Kollegen wurden über Nacht abgemeldet, mit 14 Tagen Vorlauf, die waren dann einfach nicht mehr da. Wir haben viel daraus gelernt,
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auch in der Zeit danach. Wir haben seit 2012 2.500, mittlerweile sogar fast 4.000 jetzt in den Stamm eingestellt,
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wo wir tatsächlich auch mit dem neuen Tarifvertrag zu dem Thema "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" geregelt haben. Das heißt, wir haben Auszahlungsregelungen, alles was dazu gehört. Und das funktioniert auch und das Allerbeste ist, wir sind seit
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vielen Jahren dabei, alle unsere Auseinandersetzungen (Genehmigung zu Mehrarbeit, Genehmigung zu Schichtmodellen, Genehmigungen zu
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Schichtveränderungen, alles was da dran gehört), immer mit der Frage zu verknüpfen, gefährdet das die Leiharbeitskolleginnen und -Kollegen oder sichert es sie?
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Wie können wir, wenn neue Produkte reinkommen, genau da ansetzen, um an der Stelle auch um Solidarität zu werben.
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Wir haben eine ziemlich gute Befragung damals gemacht, im Anschluss daran, da kann ich nachher nochmal was zu erzählen, was heute auch noch wirkt,
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weil wir keine Mehrarbeit mehr in Geld auszahlen. Bei uns gibt es Mehrarbeit nur noch in Freizeit.
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Was natürlich auch dazu führt, dass der Übernahmedruck steigt, weil natürlich jeder, der zu Hause bleibt, um seine Mehrheit abzubummeln, durch jemand ersetzt werden muss und das geht ganz gut mit Leiharbeit.
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Damals noch ein Thema, Kurzarbeit natürlich, aber nur für die Stammbelegschaft, auch klar.
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Und was dann natürlich auch noch ein Instrument in dieser Krise war, war die Abwrackprämie. Wie ich finde ein sehr
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nachdenkenswürdiges Instrument auch zum jetzigen Zeitpunkt, weil
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am Ende haben 27.000.000 Steuerzahler für 2.000.000 über 2.500 Euro ausgeschüttet.
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Es gab riesige Vorholeffekte. Wir sind direkt aus der Kurzarbeit in Sonderschichten rein, um dann im Jahr darauf, dass was vorgeholt worden ist als Mitnahmeeffekt wieder abzubummeln mit kollektiven Schließtagen.
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a darf man durchaus drüber nachdenken, ist das zum jetzigen Zeitpunkt auch, wenn man nach zehn Jahren weiß, was das gemacht hat, tatsächlich die richtige Forderung?
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Da schwanken ja auch so ein bisschen die Diskussion zur Zeit hin und her. Ich habe da keine festgelegte abschließende Meinung, aber ich glaube wir müssen viel mehr
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nochmal nachschauen, was hat es eigentlich tatsächlich gebracht vor zehn Jahren und kann dieses Instrument heute überhaupt noch helfen? Also macht das Sinn bei der Breite, wie es eingeschlagen hat, so wie Achim
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das eben auch beschrieben hat. Gibt es nicht Themen, die eigentlich viel viel wichtiger wären, um die #wieder anzubringen, neue Tarifierung, Gesundheit, et cetera. Aber da kommen wir nachher auch nochmal zu. Also, das waren unsere Instrumente,
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ie gesagt. blau# sind Leiharbeiter über Nacht abgemeldet, dann Kurzarbeit und danach wieder volle Pulle hoch.
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Und eine Menge draus gelernt, kommen wir aber in den nächsten Runden bestimmt nochmal dazu, was das auch für heute heißen kann, um adäquat zu reagieren als betriebliche Interessenvertretung.
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Vielen, vielen Dank Carsten, das war die erste Runde mit dem Blick nach hinten und wir haben ja schon am Anfang angekündigt, wir wollen auch immer wieder die Möglichkeit euch als Zuschauerinnen und Zuschauer geben, hier Fragen zu stellen, deswegen würde ich mal
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in die Runde fragen, Petra, Chaja, Anja,
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gibt es irgendwelche Debatten oder Fragen jetzt schon im Forum oder bei Fragen und Antworten, die wir stellen könnten?
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Die erste Frage überhaupt ging nochmal an Achim Truger im Chat und zwar wird nochmal nachgefragt: diese Dramatik der Entwicklung. die du beschrieben hast, die auch im Unterschied zu vorher
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zu sehen ist, sieht das die Regierung, sehen das die anderen Wirtschaftsweisen nicht so wie du, weil der Kollege teilt das sehr, was du sagst, dass es sich schon von der Dramatik ja sehr unterscheidet, die Situation.
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Und dann gab es nochmal, auch an Achim, eher nochmal die Frage: Diese kommende Rezession
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wird doch von den Experten sehr, sehr unterschiedlich eingeschätzt, ob sie kommen wird oder nicht. Und da wünscht man sich schon nochmal so ein paar mehr Bemerkungen dazu.
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Da haben wir, Achim, du hast das Wort, zwei konkrete Fragen an dich.
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Die Dinge sind ja verbunden. Also erstmal ist es so, dass wir jetzt ja nicht
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die Prognosen, da gibt es eben Szenario-Rechnungen.
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Richtige Prognose ist zum Teil nochmal was anderes. Also diese minus 20,8 oder was das da war, das war nur eine Szenario-Rechnung.
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Wo die sich hingesetzt haben, mal guckt dann, was ist, wenn in bestimmten, besonders betroffenen Bereichen Produktion, in dem und dem Umfang
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wegbricht und wie lange das dann dauert. Und dann haben sie das halt aufs Jahr hochgerechnet. Das ist aber keine wirkliche Prognose, sondern ist eben Pi mal Daumen. Die Prognosen, die jüngeren jetzt insbesondere,
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da gibt es eigentlich keine, die von etwas Besserem als minus vier ausgeht.
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Und eigentlich haben wir im Rat auch schon gesagt, unser Risikoszenario minus fünf Komma irgendetwas ist jetzt mittlerweile sicherlich das
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realistischere Szenario. Es gibt auch Prognosen minus sechs, minus sieben. Also in diese Richtung geht es definitiv. Das kann man schon sagen.
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Was jetzt die Regierung angeht, muss man sagen, das ist schon auch ein Unterschied zum letzten Mal. Beim letzten Mal war es eigentlich so, da ging 2007 schon mit Lehman Brothers was.
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Da platzte sozusagen da die Blase, dann dachte man noch, wir können uns abkoppeln, das betrifft uns gar nicht in Deutschland. Und dann war klar, da passiert was, aber da gab es dann noch die Politik der ruhigen Hand,
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dann kam dann irgendwann Ende 2008 ein winziges Konjunkturpaketchen,
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das war aber kosmetisch. Nachdem dann klar war, da kommt wirklich was, hat es doch noch ein zwei Monate gedauert, bis dann
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tatsächlich ein größeres Konjunkturpaket aufgelegt wurde. Wir sind mittlerweile aber soweit, dass die Regierung in dieser Krise sofort
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gehandelt hat und wirklich in Rekordzeit und auch mit Rekordvolumen
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Maßnahmen verabschiedet hat.
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Man beobachtet ja nicht passiv die Konjunktur, auch die Regierung tut das nicht, sondern sie können ja Einfluss ausüben und versuchen das.
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Und mein Eindruck ist tatsächlich, dass wir zumindest im Augenblick noch in der Situation sind,
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wo wirklich Schrittweise alle Problemfelder abgearbeitet werden
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und immer wieder noch zusätzliche Lücken identifiziert werden, wo noch was gemacht werden muss. Ich sage nur mal ein Beispiel, das ging erstmal los mit Liquiditätssicherung
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für, im Wesentlichen, große Unternehmen, dass die weiter Kredite bekommen,
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dass es Steuerstundungen gibt, all das war sehr schnell beschlossen. Die Kurzarbeit war sehr schnell in der Forderung massiv ausgeweitet und beschlossen, keine Frage. Und dann hat es ein bisschen gedauert, bis klar wurde für kleine
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Betriebe, insbesondere eben die, die jetzt schließen mussten, aufgrund der Maßnahmen, ist klar, wenn man den Kredite gibt
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und man hat jetzt den Buchladen um die Ecke, der geschlossen ist und der muss sich jetzt zwei, drei Monate über Kredite über Wasser halten und wie sollen die dann nachträglich das alles wieder reinholen und abbezahlen?
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Das funktioniert nicht, deshalb hat man dann Einkommenshilfen beschlossen.
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ann hat man festgestellt, bei der Kurzarbeit, das ist unrealistisch, da rutschen eine Menge Leute in die Mindestsicherung,
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in die Grundsicherung. Deshalb wurde jetzt da nochmal nachgelegt. Also es wird sehr sehr viel gemacht.
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Auch für die mittleren Unternehmen gab es nochmal besondere Maßnahmen, da wird sehr viel getan. Ich glaube, es gibt noch Lücken
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bei den Kommunen insbesondere, die werden sehr stark betroffen sein von der Krise. Und es ist so, dass auch vor Ort Krisenbekämpfung gemacht wird
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und wo vor Ort auch die öffentliche Daseinsvorsorge erlebbar wird, da werden sich riesige Lücken erstmal auftun in den Haushalten.
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Da ist meine Hoffnung, allerdings sieht man im Moment keine Signale bislang, dass dort tatsächlich auch massiv nachgelegt wird, also dass die Lücken bei den Kommunen gefüllt werden.
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Und auf europäischer Ebene ist eine riesige offene Flanke, wo tatsächlich
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die Grabenkämpfe nicht beendet sind und zwischen Nord- und Südländern und zwischen unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Auffassungen und wo im Moment
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viele in Deutschland, auch die Regierung noch, sich scheut, den besonders betroffenen Ländern in der Krise, also Italien, Spanien, auch Frankreich nochmal besonders unter die Arme zu greifen.
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Das hat natürlich viel eigentlich mit Solidarität zu tun, aus meiner Sicht auch mit
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historischer Verantwortung, die Deutschland da durchaus übernehmen könnte. Aber wenn man das alles nicht mag, dann
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sollte man eigentlich aus purem Eigeninteresse da aktiv werden, denn wir haben uns die Lieferketten sehr genau angeschaut. Italien
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ist ein für die deutsche Industrie und zwar mehrere Sparten, auch die Metallindustrie, aber für mehrere Sparten der wichtigste Vorleistungslieferant,
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noch weit vor China und vor Frankreich und Spanien. Also von daher allein
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um auch bei uns die Konjunktur wieder anspringen zu lassen, die Produktion wieder anständig hochfahren zu können, müssen wir in Europa mehr tun.
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Das wären jetzt so die Punkte, die mir noch wichtig sind, wo ich die Lücken sehe und dafür ist es dann der Ausblick, dann höre ich auch auf, aber ich habe vielleicht auch schon meinen zweiten Redebeitrag gerne damit dann übernommen.
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00:31:32.315 --> 00:31:41.915Die Befürchtung, die ich habe, ist, dass überraschend schnell überraschend stark gehandelt wurde und auch immer noch nachgesteuert wird,
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und das auch diejenigen, insbesondere die vorher, was solche Programme angeht, sehr skeptisch waren,
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auch durchaus im Sachverständigenrat, dass die dem allen auch zugestimmt haben und das erstmal gut fanden,
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auch weiter unterstützen, aber es mehren sich doch so langsam die Stimmen,
32:00
"oh, die hohe Staatsverschuldung" und "vielleicht können wir uns das nicht mehr leisten", "vielleicht müssen wir sehen, dass wir die
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Maßnahmen doch geringer dosieren". Da habe ich die Befürchtung, dass möglicherweise wir dann, wenn jetzt ein Konjunkturpaket noch notwendig ist,
32:19
dass da nicht die richtigen Maßnahmen mehr getroffen werden und dass wir dann
32:24
obwohl noch Unterstützung notwendig ist, möglicherweise zu früh aussteigen und dann
32:30
auf Tauchstation gehen. Das wären so die die Befürchtungen, die ich noch hätte. Und das sind, glaube ich, auch
32:37
die Grabenkämpfe, die es früher gab, auch zwischen den Ökonominnen und Ökonomen und in der Politik, die sich möglicherweise auch wieder auftun könnten.
32:47
Ich habe jetzt noch keine konkreten Indizien, aber das wäre eine Befürchtung, dass dann irgendwann in der Ausnahmesituation und unter dem Schock
32:58
schnell und einig gehandelt wurde, aber das jetzt je länger das dauert, man da nicht mehr zusammenfindet und dann
33:05
möglicherweise schwerwiegende Fehler begangen werden.
33:09
Das muss man jetzt beobachten und dagegen muss man sich stellen und da was gegen tun.
33:17
Vielen, vielen Dank Achim. Wir sind schon von der Vergangenheit ins Jetzt gerutscht, aber das war ja auch beabsichtigt, wir wollten kein historisches Seminar zur Krise 2008 hier machen und würden eigentlich jetzt
33:32
weiter zu Carsten. will ich nochmal spielen.
33:35
Ich habe vorhin gefragt, wie die Krise 2008 bei VW war, und was ihr gemacht habt und vielleicht kannst du gerade erzählen, wie die Situation aktuell bei VW
33:47
als Konzern, aber auch sagen in Kassel im Werk ist. Wie geht es gerade den Kolleginnen und Kollegen im Betrieb
33:54
und was für Auswirkungen hat die Krise jetzt schon, beziehungsweise seht ihr als Betriebsrat von VW?
34:03
Das ist eigentlich eine verrückte Situation. Auf der einen Seite kauft kein Mensch zurzeit ein Auto. Das heißt, die Kurzarbeit ist flächendeckend da.
34:11
Auf der anderen Seite sehen wir aber auch, dass mit dem Neuanlauf zum Beispiel von dem ID in Zwickau jetzt ein Personalbedarf entsteht,
34:18
weil gleichzeitig dann auch der Golf Variant gebaut wird
34:21
und wir im Grunde genommen gar nicht wissen, wie das miteinander gehen kann. Das war vorher klar, aber es fühlt sich natürlich völlig verrückt an, wenn Tausende in Kurzarbeit sind und gleichzeitig dort ein Personalbedarf ausgewiesen wird. Der aber vorher klar war durch den Qualifizierungsbedarf,
34:38
durch das Hochlaufen der Produktion und alles was dazu gehört. Also eine sehr unterschiedliche Situation. Bei uns haben wir ja die Situation als Komponentenwerk
34:47
mit 40 Prozent Getriebelieferungen in den gesamten Konzern, also in alle PKW-Marken,
34:54
haben wir die Situation, dass natürlich, wenn keine Autos verkauft werden, dann werden auch keine Getriebe verkauft. Das gilt auch für die Abgasanlagen und für die Blechteile und alles was wir da dran haben.
35:04
Im After Sales, wo wir 2.500 Menschen arbeiten haben, sehen wir, dass es ein sehr starkes Grundrauschen gibt,
35:11
nachdem der erste Schock vorüber war, steigt das jetzt an. Menschen reparieren also eher ihre Autos, als dass sie
35:17
sofort neue kaufen. Das merken wir bei den Zugriffen auf die Händlerorganisation, den Bestellungen und was dazu gehört, da steigt also das Volumen an.
35:26
Es ist, was die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf den Standorten #gehen, was bei den Kolleginnen und Kollegen
35:35
wirklich vorherrscht,
35:35
man kann, es ist verrückt, da mal so eine Gauß'sche Glocke nehmen.
35:42
Die Ränder sind sehr, sehr stark, die einen, die dringend sagen, ich will raus zu Hause, ich will wieder Struktur, ich will wieder arbeiten, das mit der Kitaschließung geht gar nicht, wir müssen,
35:53
irgendwas machen, können wir nicht wieder arbeiten. So, das ist der Teil. Und Kurzarbeit ist halt kein Urlaub, es fühlt sich halt anders an,
35:59
aber es gibt mindestens mal genauso einen großen Teil auf der anderen Seite der Glocke,
36:04
wo es große Ängste gibt, die ich anzustecken, sich dieses Virus zu fangen, weil trotz der relativ geringen Anzahl von Infizierten, natürlich kennt jeder jemanden,
36:15
da ist der einundsechzigjährige, der fitter Sportler war, trotzdem gestorben nach der Kreuzfahrt. Da ist der andere junge Kollege, der auch nicht zur Risikogruppe gehört,
36:25
zehn Tage auf der Intensivstation nicht und gerade nochmal so den den Tod von der Schippe rollt,
36:32
plus die Bilder am Anfang der Krise aus Italien. Es macht was mit den Menschen. Falte #ist natürlich auch dauernd Es gibt den mittleren, großen Block, der jetzt einfach abwartet, was passiert, was da kommt und wir sehen
36:43
jetzt auch Stück für Stück - auch das ist ein interessantes Detail vielleicht -
36:50
wir haben alle Arbeitsplätze ja jetzt markiert, auf Abstand getrimmt. Wir haben Plexiglasscheiben drinnen. Wir haben in die Arbeitsorganisation eingegriffen, um die Abstände sicherzustellen,
37:02
und es gibt sogar die die Aussage des Werkleiters und natürlich auch auf meinem Fall von mir.
37:10
"Sicherheit geht vor Stückzahl", also ein Phänomen bei den ganzen Produktivitätsjagden der letzten Jahre,
37:15
dass tatsächlich solche Aussagen kommen und dann auch proklamiert werden und die gesamte Arbeitsorganisation darauf ausgerichtet ist.
37:22
Das ist ein neuartiges Phänomen, aber auch sehr plausibel. Die Menschen glauben das auch, weil wenn du nicht erklären kannst, dass du dich sicher fühlst an der Arbeit, dann ist es
37:33
natürlich auch nicht möglich, guten Gewissens zu sagen, "kommt an die Arbeit, wird schon werden, wir kriegen das irgendwie hin".
37:38
Also diese Haltung, die wir dort versuchen auch nach außen abzubilden, unsere Betriebsratskollegen machen einen tollen Job, die Arbeitssicherheit, der Gesundheitsschutz. Also wir können jetzt alle Fakultäten durchzählen, Personalabteilung und so weiter.
37:51
Da hat sich wirklich was eingespielt, es gibt keinen Arbeitsplatz, der nicht begangen ist im direkten und auch im indirekten Bereich.
37:58
Und diese Debatten ziehen sich jetzt durch. Was wir merken ist, dass diese
38:03
Mund-Nasenschutzdinger sehr unbeliebt sind. Es gibt den einen oder anderen Arbeitsplatz, der als rot gekennzeichnet ist,
38:11
das heißt, da könnt wir die 1,5 Meter nicht konstant einhalten. Da gibt es die Maskenpflicht, den Mund-Nasenschutz.
38:18
Als Brillenträger bist du sofort dabei, wenn die Brille beschlägt, das macht überhaupt keinen Spaß. Du hast den erhöhten Atemwiderstand und
38:25
die wird nicht besonders gut getragen und sie wird auch nicht gerne genommen. Das merkt man jetzt schon nach den ersten Tagen und die Frage ist, kann man das nicht lassen, müssen wir noch nicht anders machen.
38:36
Es gab ja diesen merkwürdigen Vorfall da in Wolfsburg, als die Presse nichts anderes zu tun hatte, als sich sofort darauf zu stürzen, als die Kollegen den Abstand beim Verlassen des Werkes
38:46
nicht eingehalten haben. Da hat man ja so getan, als würden tumultartige Zustände entstehen, wenn die Kolleginnen und Kollegen nach Hause wollen.
38:53
Das muss jetzt alles geübt werden, überall sind die Markierungen, überall sind die Abstände,
38:58
wir haben auch den 1. Mai schön mit Abstand und Solidarität gefeiert. Also es geht. Es geht.
39:04
Es ist merkwürdig, man muss das üben. Wo wir noch nichts zu haben ist, die Frage, was macht das eigentlich mit der Psyche der Menschen,
39:12
wenn man in so einer krassen Situation, wo du Angst hast, um deine Liebsten, deine Oma, deinen Opa aus dem Lock down kommst, die Kitas sind zu, du gehst dann gleichzeitig arbeiten.
39:23
Das macht auch was mit den Leuten. Also die Kolleginnen und Kollegen haben da schon sehr den differenzierten Blick drauf. Wäre bestimmt auch mal ein spannendes Forschungsprojekt, zu schauen,
39:32
lief diese Abwägung zwischen zwischen Wirtschaft und Leben und Gesundheit und #Leuten hat sich ja fett dazu geäußert.
39:41
Kann man bestimmt auch mal gut untersuchen und mit Soziologen am Tisch macht das ja immer Spaß, solche Formate zu diskutieren. Aber das wäre jetzt bei uns so die aktuelle Situation.
39:52
Gerne auf Nachfragen mehr, aber man kann das natürlich nicht stundenlang auswalzen. Wird aber nicht helfen.
39:57
Vielen Dank Carsten. Ich würde jetzt dem Soziologen nochmal in der Runde eine Frage stellen, aber eigentlich was anderes. Ich wollte noch ein neues Thema auf das Tableau bringen, nämlich das ganze Thema
40:12
ökologische Wende und so weiter und so fort. Klaus, du hast im Vorfeld der Coronakrise von einer
40:18
sich anbahnenden ökonomisch-ökologischen Zangenkrise geredet, vielleicht kannst Du nochmal den Zuschauerinnen und Zuschauern sagen, was du damit meinst.
40:26
Und vielleicht auch nochmal ein paar Gedanken dazu sagen, was das unter Coronabedingungen bedeutet. Verschärft sich das
40:36
oder wird das leichter oder was wird mit dieser sich anbahnenden Krise. Klaus, was das Wort.
40:43
Vielleicht kann man das am besten erläutern, wenn man nochmal auf das Jahr 2009 schaut. Wenn ich jetzt könnte, dann würde ich die berühmten drei Kurven zeigen mit dem Highway to Hell.
40:55
Die würden abbilden das weltweite durchschnittliche GDP, also
40:59
Wirtschaftswachstum, Bruttosozialprodukt, die klimaschädlichen Emissionen und den Energieverbrauch. Ich beschränke mich mal auf die Emissionen und das Wirtschaftswachstum 2009, die tiefe Zäsur. Das wissen alle noch. Und gleichzeitig war es das einzige Jahr
41:16
in dem weltweit die klimaschädlichen Emissionen absolut zurückgegangen sind. Seit ziemlich langer Zeit und man kann sehen, als das Wirtschaftswachstum wieder angezogen hat,
41:24
waren die Emissionen sofort wieder auf Rekordniveau. Ich bin ziemlich sicher, dass wir in diesem Jahr was ähnliches erleben werden.
41:32
Wir werden sehen, dass die Wirtschaft einbricht und gleichzeitig werden die klimaschädlichen Emissionen zurückgehen, vielleicht geht auch der Ressourcenverbrauch zurück.
41:40
Das deutet sich ja schon an in den Ölpreisen und so weiter. Vielleicht geht sogar der Energieverbrauch zurück, was ich aber bezweifle wegen des Internets. Zehn Prozent des weltweiten Energieverbrauchs gehen schon aus Internet zurück.
41:52
Also das wird da eher zunehmen, aber die die klimaschädlichen Emissionen werden zurückgehen und möglicherweise werden wir die paradoxe Situation erleben, dass
42:02
die Bundesrepublik ihre Klimaziele doch noch erreicht,
42:06
wegen des wirtschaftlichen Einbruchs. Das ist natürlich alles andere als gut. Diese Konstellation hat der Peter Victor mal genannt, sehr treffend, "Degrowth by Disaster".
42:16
Das ist genau das, was wir erleben. Also das ökonomische und soziale Desaster wirkt auf den ersten Blick ökologiefreundlich. Wenn man das umkehrt, heißt das, dass die
42:27
ökonomisch-ökologische Zangenkrise besagt, dass wir 2010 überhaupt nicht aus der Krise raus waren,
42:33
übrigens auch ökonomisch nicht. Wenn man genau hinschaut, sind in den alten kapitalistischen Zentren die Wachstumsraten flach geblieben. Das war ein relativ schwaches Wachstum.
42:43
Das hat ja zu dieser Debatte über säkulare Stagnation geführt, da will ich jetzt aber nicht weiter drauf angehen. Der entscheidende Punkt ist aber,
42:52
dass es ein Wachstumstyp war, der stofflich nach wie vor basierte in hohem Maße auf fossilen Energieträgern mit hohem Ressourcenverbrauch und
43:04
Rekordniveau an klimaschädlichen Emissionen.
43:10
Daraus folgt, dieser Typ von Wirtschaftswachstum, wenn er denn eintritt,
43:15
ist nicht nur damit verbunden, dass die Früchte des Wachstums immer ungleicher verteilt werden, weltweit und auch in der Bundesrepublik, sondern er bedeutet, wenn er denn eintritt, Verschärfung der ökologischen
43:25
Krisenphänomene.
43:26
Wenn man das jetzt nochmal zuspitzen will, dann haben wir ja schon vor Corona gesehen, dass die Zeit gegenzusteuern immer knapper wird.
43:36
ie ökologische Krise ist im Wesentlichen eine des weiter so,
43:40
aber durch die Sustainable Development Goals, die verabschiedet sind, auch die Klimaziele der Europäischen Union, da hat sie endlich mal gut gearbeitet, in einer gewissen Weise, verbindliche Dekarbonisierungsziele
43:53
kann man sogar einen Zeitpunkt angeben, an dem die Krise in ökologischer Dimension behoben sein muss. 2050
44:03
vollständig dekarbonisierte Wirtschaften, netto null Emissionen. Das muss erreicht werden.
44:09
Diese Konstellation hat inzwischen das Zentrum des deutschen Wirtschaftsmodells, nicht nur des deutschen, des europäischen erreicht. Und da können wir natürlich folgendes sehen. Wir haben über Auto diskutiert, haben einen Automobilbetriebsrat mit am Tisch und der hat das ja schon angedeutet.
44:27
Der Verkehrssektor ist der, der zur Reduktion der Emissionen noch nichts beigetragen hat.
44:34
Das, was an Klimaeffizienz erreicht wird, wird durch bestimmte spritfressende Autotypen, Mehrverkehr und so weiter, wieder gefressen. Wir hatten vor Corona bereits die Situation,
44:46
dass man klar sagen musste, wir brauchen sowas wie einen Green New Deal,
44:52
der dazu führt, dass Produktion umgesteuert wird
44:57
hin zu neuen Produkten im Grunde zu neuen Mobilitätssystemen. E-Mobilität, wissen wir im Grunde alle,
45:04
wird nicht ausreichen. Vielleicht sind die in Zwickau vorübergehend mal die Sieger, aber im Moment ist es immer noch so, dass ein Auto
45:10
ein E-Mobil, wenn nicht eine Recyclingwirtschaft entsteht, also auch die Batterien recycled werden in der Kreislaufwirtschaft, dass der ökologische Fußabdruck noch höher ist als bei einem konventionellen Auto.
45:22
Diese Situation vor Augen: Wir müssen grundlegend umsteuern, wir brauchen neue Mobilitätssysteme,
45:32
tiefgreifender Umbruch bei Arbeit und Konsum und so weiter. Dies vor Augen, da schlägt jetzt noch Corona rein.
45:38
Um das nur mal anzudeuten in wenigen Konsequenzen:
45:43
Es besteht die große Gefahr, dass die Klimaziele in den Hintergrund geraten. die Industrieverbände haben sich schon entsprechend geäußert.
45:50
Vordergründig haben sie erstmal nur gegen die EU-Politik Stellung bezogen, die die Klimaziele möglicherweise nochmal verschärfen will, aber das geht natürlich indirekt
46:00
gegen Forderungen, die etwa Fridays for Future erheben. Rascherer Ausstieg aus der Braunkohle, aus der Kohle und so weiter und so weiter.
46:09
Das ist der eine Punkt, der zweite Punkt ist, dass natürlich die Einschränkung von Grundrechten
46:15
dazu führt, dass solche Bewegungen wie Fridays for Future erstmal von der Bildfläche verschwunden sind. Es gibt jetzt den digital organisierten Protest, aber die Stimme ist deutlich leiser geworden.
46:27
das sind
46:28
ziemlich bedenkliche Zeichen, weil es bedeuten kann, dass in dem berechtigten berechtigten Bestreben, die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen
46:39
des Shut- und Lock downes in Grenzen zu halten, Nachhaltigkeitsziele in den Hintergrund geraten können
46:48
oder ist fast schon sind. Und das ist außerordentlich problematisch, das wirft die Frage auf,
46:54
wenn investiert wird, in welche Richtung investiert wird und wir müssen uns dann halt auch die Arbeitsverhältnisse mal sehr konkret vor Augen führen. Wir sehen, das ist eigentlich die Hauptwirkung von Corona, dass die Bereiche,
47:08
Die in den letzten zehn Jahren und auch schon vor der Krise systematisch geschwächt worden sind, über Privatisierungspolitik, Prekarisierung, Niedriglohnsektor und so weiter, dass die jetzt eigentlich Gesellschaft zusammenhalten.
47:21
Wenn man sich anschaut, was jetzt alles für systemrelevant erklärt wird, vom Busfahrer, über die Verkäuferin, die Kollegin an der Supermarktkasse
47:31
bis zu denen, die in den Altenpflegeheimen ihren Dienst tun oder die Notgruppen in den Kitas machen. Das sind genau die Tätigkeiten, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden,
47:41
die abgewertet worden sind, über viele Jahre, die schlecht bezahlt sind, mit einem hohen Anteil an prekärer Beschäftigung. Und da muss dringend gegengesteuert werden. Letzte Bemerkung:
47:54
Die Realität ist gegenwärtig,
47:56
der Arbeitsminister Heil hat die Systemrelevanz dieser Tätigkeiten erkannt, zum Beispiel diese 1.500 Euro Prämie ausgelobt. Im Moment weiß noch keiner, wer die bezahlen soll
48:07
und die Träger der sozialen Einrichtungen diskutieren darüber, ob sie die Anteile, die sie selber einbringen sollen, 500 Euro pro Beschäftigten, ob sie die auf die Menschen umwälzen müssen,
48:21
die von diesen Tätigkeiten profitieren. Das ist die Realität, eine sehr gespaltene Realität und ich glaube, dass Politiker höllisch aufpassen müssen, dass sie nicht Versprechungen machen,
48:34
die, wenn sie nicht eingehalten werden, sondern zu einem dramatischen Legitimationsverlust von Politik führen werden.
48:41
Vielen, vielen, vielen Dank Klaus. Das ganze Thema haben wir nochmal aufgeblasen, um diese ökonomische und
48:48
ökologische Komponente. Ich glaube, das muss man immer beides zusammen diskutieren. Ich will jetzt nochmal an Petra und Chaja die Frage stellen, ob es Fragen aus dem Publikum gibt, wo wir jetzt hier passend in die Runde springen.
49:03
m Grunde genommen wurde auch hier diskutiert, so diese Frage,
49:08
statt Wirtschaft irgendwie anzukurbeln, sollte man nicht quasi jetzt die Chance nutzen in Richtung sozialökologischen Umbau,
49:15
im Grunde schon genau, was hier auch schon die Diskussion war und es kam nochmal der Hinweis, dass man schon auch mal klären müsste, wer soll diese Zeche bezahlen? Wenn wir sagen, Konjunkturmaßnahmen für einen sozialen ökologischen Umbau oder so, Konjunkturprogramme, wer soll das zahlen, weil<br>
49:35
der Hinweis war,
49:36
dass wir 2008 bereits auch die Beschäftigten hatten, die quasi die Zeche zahlten. Es geht in die Richtung Umverteilung, steuerpolitische Umverteilung
49:48
oder so, aber auch nochmal Richtung Carsten der Hinweis, statt
49:55
mit Druck auf die Beschäftigten zu reagieren, nach der Krise, müsste man nicht auch da diese positive Erfahrung von Entschleunigung und so weiter nutzen, um da ganz neue und andere Qualitätsansprüche an das Arbeiten und an das Zusammenarbeiten zu stellen.
50:11
Vielen Dank Petra, ich will die ersten beiden Fragen vielleicht erstmal an Achim spielen, wenn du das beantworten willst. Und Carsten kann sich ja schon mal auf seine Frage vorbereiten.
50:24
00:50:28.005 --> 00:50:37.560Ich kann es gerne versuchen. Also auch in Anknüpfung an das, was Klaus gesagt hat.
50:37
Ich teile erstmal die Einschätzung, dass jetzt ganz viel schiefgehen kann.
50:44
as ist keine Frage und ich könnte jetzt auch eine Menge Szenarien mir ausdenken und ich habe auch Befürchtungen. Es gibt aber trotzdem auch
50:56
positive Anzeichen oder vielleicht auch einen positiven Trend, den man vielleicht mal vorsichtig auch über diese Krise legen kann und mit dem man dann doch vielleicht
51:10
optimistischer wird und wenn ich mir anschaue, was wir für Debatten
51:17
gehabt haben und auch was die Politik gemacht hat, die letzten zwei, drei Jahre. Da kann man natürlich sagen, gut, das war vielleicht auch vor dem Hintergrund einer sehr guten Kassenlage,
51:26
dass man da mutiger wurde und bestimmte Dinge angegangen ist. Das hat sicherlich eine Rolle gespielt,
51:32
aber wir hatten ja trotz all der vergleichsweise großen Erfolge jetzt beim Beschäftigungsaufbau, auch bei der Lohnentwicklung, es war ja im Durchschnitt schon
51:42
recht gut, hatten wir ja trotzdem großen Protest und Unzufriedenheit. Also die ökologische Krise auf der einen Seite, aber auch regional große Krisen, wir hatten
51:56
politische Polarisierung, all das. Und mein Eindruck war
52:01
auch in der Ökonomie, es doch insofern ein Umdenken gegeben hat, als plötzlich Themen, wie
52:08
Strukturwandel, Strukturpolitik, Regionalpolitik auch Industriepolitik, wieder eine Rolle spielten.
52:18
Und das auch im Zusammenhang gerade mit der Klimapolitik und den Herausforderungen. Also wenn man sich jetzt beispielsweise das letzte Jahresgutachten
52:32
des Sachverständigenrats anschaut,
52:35
dann waren eben diese Themen, die ich jetzt genannt habe, zum ersten Mal seit langem und dann auch noch in dieser Konzentration innerhalb eines Gutachtens standen im Mittelpunkt. Und da wurden nicht die üblichen Antworten gegeben,
52:47
wie zurücklehnen, Markt machen lassen, deregulieren, privatisieren und dann wird das schon, sondern da wurde wirklich
52:59
ein Handlungsbedarf erkannt, wo der Staat wirklich auch wieder was tun soll und da
53:06
einschreiten soll. Also das finde ich ja bemerkenswert und wenn ich jetzt diesen Trend nehme,
53:14
dann die Fridays for Future und das Bewusstsein für den ökologischen Wandel nehme und mir jetzt anschaue, was in der Krise plötzlich vielen wieder bewusst geworden ist, wie wichtig das ist,
53:27
dass wir
53:29
einen handlungsfähigen Staat haben, dass es Reserven gibt, dass wir Sicherheit haben, all diese Dinge und dass gemeinschaftliches Handeln
53:38
funktioniert,
53:40
dann kann ich mir schon vorstellen, dass wir das auch nach der Krise hinkriegen. Und insofern ist ja auch bemerkenswert, als jetzt nicht einfach nur über Konjunkturpakete gesprochen wird,
53:54
sondern schon über ökologische
53:57
Konjunkturpakete. Carsten hat es eben angesprochen, dass er nicht ganz sicher ist, ob jetzt so eine Abwrackprämie das richtige Modell ist, aber mittlerweile sagen viele schon, dann muss es eben
54:10
in Richtung
54:12
Elektrifizierung gehen oder lokal emissionsfrei. Es muss auch Infrastruktur geschaffen werden. Ich ich glaube, dass
54:21
das Investitionsprogramm
54:25
oder die Investitionsnotwendigkeiten, die vor der Krise gesehen wurden, jetzt ja nicht weg sind und vielleicht auch nochmal verstärkt mit einem ökologischen Einschlag angegangen werden können. Und wenn man das dann so nimmt, dann glaube ich, gibt es die Chance,
54:39
dass wir sogar da gestärkt daraus hervorgehen und dass wir sogar dann einen Beitrag
54:45
auch zur Ökologisierung leisten und zum Klimaschutz, dass das einigermaßen funktioniert. Und auch wenn die Zeit drängt, ist es ja so,
54:54
dass die Dinge schrittweise passieren und damit auch die Umstellung erleichtert wird.
55:01
Und es nicht zu unzumutbaren Härten kommen muss. Das ist natürlich jetzt für eine Industriegewerkschaft und für den Automobilsektor insbesondere, auch die Zulieferindustrie
55:11
ein heikles Thema, aber mein Eindruck ist, dass diese Umsteuerungsnotwendigkeit
55:20
erkannt ist und das klar ist, jetzt müssen halt die Investitionen kommen. Es muss klar sein, wo es hingeht
55:26
und dann kann man das Schrittweise packen. Aber jetzt die Vorstellung, man macht lieber gar nichts, dann verschläft man ja völlig alles und steht am Ende
55:36
wirklich total auf dem Abstellgleis. Das funktioniert ja auch nicht. Und ganz kurz nochmal zu der Frage, wer zahlt die Zeche.
55:46
as ist ein bisschen eine schwierige Frage deshalb, weil ich ja eigentlich auch immer für
55:56
mehr Gleichheit, auch mehr Steuergerechtigkeit eingetreten bin. Aber ich ich glaube,
56:05
dass wir uns jetzt erstmal darum nicht so viele Sorgen machen müssen, das ist unabhängig von der Krise ohnehin ein Thema, immer. Aber jetzt ist wichtig, dass die richtigen Maßnahmen
56:18
getroffen werden, um diese Krise zu überbrücken
56:22
und den Start hinterher wieder hinzubekommen. Und was dann passieren wird oder passiert sein wird, ist, dass die Schulden, die öffentlichen Schulden massiv angestiegen sein werden.
56:34
Also wir haben ja jetzt ungefähr 60 Prozent Schuldenstandsquote an
56:38
öffentlichen Schulden, im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Dann werden wir wahrscheinlich bei 75 oder 80 Prozent liegen.
56:45
Das lagen wir aber nach der letzten Krise auch und da ist es gelungen, da tatsächlich rauszuwachsen, ohne dass es einschneidende
56:56
Maßnahmen gegeben hat und wir haben diesmal noch den Vorteil, dass die Zinsen so niedrig sind wie nie.
57:03
Das heißt, im Grunde genommen sind diese Schulden gar keine Last, sondern wir haben negative Realzinsen, also der Staat gewinnt noch dadurch, wenn er sich verschuldet. Also,
57:14
das ist nochmal ein zusätzliches Argument. Was uns einholen kann, das sind die eigenen Regelwerke, die wir geschaffen haben oder die eigene Besessenheit
57:24
was die Staatsverschuldung angeht. Wenn da einige tatsächlich zur schwarzen Null, zu ausgeglichenen Haushalten
57:31
jetzt schnell wieder zurückkehren wollen, dann ist das natürlich in der jetzigen Situation Wahnsinn. Das ist überhaupt gar kein Thema und ökonomisch ist es auch gar kein Thema, dass wir diese Schulden tragen können. Das ist überhaupt unproblematisch,
57:43
uns könnte die Schuldenbremse, wenn wir sie eng auslegen,
57:47
auf die Füße fallen, weil wir das Tilgungsverpflichtungen drin haben, weil wir möglicherweise dann schnell wieder in Richtung Konsolidierung gehen müssen. Da muss man halt gucken, dass man das kritisch entsprechend gestaltet und dann auch dagegen sich stellt,
58:02
dann kann man das im Griff kriegen, ökologisch. Also es ist nicht zwingend so, dass da eine riesen Last entsteht, die am Ende zu Sparpolitik und sonst was führte. Ich habe mich gewundert, dass,
58:10
ich sage jetzt mal keinen Namen, aber auch ein bekannter
58:12
Ökonom hat schon gesagt, ist ja klar, jetzt nach der Krise, da muss unheimlich gespart werden. Und da fällt mir zum Beispiel schon gleich mal die Rente ein, ne? Wo
58:23
privatisiert werden muss. Gut, ich meine, das das sind Stimmen, die laut werden, aber das war vorher halt nicht notwendig und das ist jetzt auch nachher nicht notwendig und genau dagegen muss man sich dann stellen. Und wenn man das macht,
58:35
dann gibt es
58:38
wirklich die die große Chance, dass da keine keine Last bleibt und dass man durch vernünftige Politik
58:45
auch eine gerechtere Gesellschaft hinbekommt, in der die die Lasten fair geteilt sind, in der wir bessere Entlohnung haben,
58:53
in der das Steuer- und Sozialsystem gerecht ist. Das können wir alles hinkriegen.
58:58
Es ist eine Frage, des Wollens und der politischen Durchsetzungskraft und auch zum Teil der Einsicht,
59:04
dass das möglich ist und dass man da nicht an irgendwelchen Mythen festhält, wie oh Gott, die Schulden sind ganz furchtbar und werden uns alle
59:12
erdrücken oder so. Das ist ist, glaube ich, das Zentrale. Und dann kann man viel hinkriegen. Und im Übrigen, wir sehen ja gerade,
59:22
dass unglaublich viel auf die Beine gestellt wird. Dinge,
59:27
die in der letzten Krise noch nicht möglich waren, also was der Staat jetzt alles mobilisiert und die ich vor, sagen wir mal, 15 Jahren
59:27
00:59:35.163 --> 00:59:42.125für Unmöglichkeiten habe. Da war das so, dass die Krisenreaktion war, oh, wir haben eine Krise, wir müssen den Gürtel enger schnallen.
59:42
Und dann ist ist der Staat auf Tauchstation gegangen und hat in der Krise
59:46
die Beschäftigung abgebaut, hat bei den, bei den Investitionen gespart und hat hat alle möglichen Leistungen eingeschränkt. Und wenn wir uns dann von diesen, von diesen Fehlern verabschieden endgültig,
1:00:02
können wir sehr viel hinkriegen. Also die Zukunft ist da offen.
1:00:05
Und ich ich sehe da große Chancen, ich sehe die Risiken, aber man muss jetzt halt dafür sich einsetzen, sozusagen, also meine Aufgabe, jetzt argumentativ.
1:00:16
Und die Aufgabe in der Politik ist halt, das entsprechend, dafür zu kämpfen, dass das gut geht. Und die Möglichkeit besteht.
1:00:26
Vielen vielen Dank Achim.
1:00:29
Du hast schon ganz viel vorweggenommen, wo wir gleich nochmal diskutieren wollen, aber das ist ja nicht schlimm, man kann ja Sachen, zwei, drei Mal auch nochmal hier diskutieren. Ich würde jetzt nochmal zu Carsten geben und ...
1:00:42
so, genau, es gab eine Frage an dich, vielleicht willst du die noch kurz beantworten. Du musst den Ton einschalten.
1:00:53
Wer jetzt? - Mache ich ja mit Absicht immer aus, damit ihr von meinem Gekruschtel nicht gestört werdet.
1:01:00
anke für den Hinweis. Also die Diskussion darum, kann man von den Arbeitsbedingungen etwas mitnehmen für die Zeit nach Corona.
1:01:09
Ich glaube, dass das ein ein beinharter Verteilungskampf wird, weil natürlich
1:01:12
ein Großteil der Profite daran hängen, wie der Ausbeutungsgrad zustande kommt, der wird über die Produktivität abgebildet
1:01:19
und damit ist natürlich klar, dass das größte Ziel aller ist, so schnell, also der Kapitaleigner,
1:01:25
so schnell wie möglich wieder auf Stückzahl zu kommen und das rauszuholen, was rauszuholen geht. Ich bin eher bei der Frage, wenn wir nach vorne schauen,
1:01:35
kann man den Kollegen tatsächlich erklären, deine Arbeitsplätze sind sicher auch in zehn Jahren, wenn es gelingt, weiterhin 14.000.000 Autos in den Weltmarkt zu brummen. - Hallo, schön, dass du da bist.
1:01:48
Wunderbar, darf ich kurz meinen Satz zu Ende machen und dann können wir nochmal.
1:01:54
Das kann keine Lösung sein und wenn wir solche Fragen
1:02:02
von der,
1:02:05
von nachhaltigen Verkehrskonzepten diskutieren, wenn wir die Frage stellen, wie können neue Mobilitätsnutzungskonzepte aussehen,
1:02:15
bin ich ganz sich bei dir Klaus. Natürlich ist das Thema Elektromobilität keine Lösung dafür, einfach 14.000.000 Millionen Verbrenner jedes Jahr mit
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14.000.000 Elektroautos zu ersetzen. Das ist
1:02:15
14.000.000
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Unfug,
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ganz ehrlich, nachhaltig auch. Auf der anderen Seite brauchen wir natürlich eine Antwort darauf, wie sieht eine gerechte Transformation aus? Und wir können nicht alle Wanderführer im Habichtswald werden hier in Kassel. Also das wird so auch nicht funktionieren, das heißt, dazwischen gibt es etwas
1:02:39
und dann müssen wir die Frage eben gucken, kann man Demographie nutzen, kann man
1:02:44
an die drankommen, die jahrelang mit dem Thema ein Riesengeld verdient haben, gibt es sowas wie Dekarbonisierungsfonds, gerechte Transformation ist ein großes Wort, aber im Kleinen, wenn du darauf keine Antworten hast,
1:02:55
werden dir die Menschen nicht folgen. Und wenn sie dir nicht folgen, dann endet das genauso, wie wir das bei der Flüchtlingskrise gesehen haben, wenn das nicht gelingt, inhaltlich argumentativ
1:03:04
das auch nach vorne zu bringen, das inhaltlich und auch finanziell gerecht zu verteilen, dann kriegen wir ein Problem. Und eins
1:03:11
merkt man ja auch gerade, ich meine, da hat mal eine SPD-Vorsitzende mal eine gute Idee. Und das Einzige, was uns allen einfällt, ist zu sagen, war nicht gut genug, war nicht viel genug, müssten wir eigentlich noch viel krasser diskutieren. Es ist schon bescheuert. Anstatt zu sagen,
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Vermögensabgabe ist natürlich ein wertvoller Hinweis, wobei ich da auch bei Achim bin, wir werden hinterher drüber diskutieren wie es geht. Dass werden wir jetzt nicht sofort machen müssen, aber
1:03:32
anstatt zu sagen, jawoll, geht in die richtige Richtung, lasst mal drüber nachdenken, wie das noch weitergeht, fällt uns untereinander als Linken erstmal nicht Besseres ein, wie uns zu erklären, ich habe noch drei bessere Vorschläge und meiner ist sowieso der Allerbeste. Also das ist
1:03:44
auch so ein alter Reflex, ich glaube, mit dem kommen wir auch nicht weiter, sondern da geht's tatsächlich darum zu schauen,
1:03:50
was ist wirksam? Wie ist es wirksam? Und wie macht man's am Ende auch? Du musst es ja irgendwie durchsetzen,
1:03:55
es fällt ja nicht vom Himmel, indem wir alle abstimmen, soll es eine Vermögensabgabe geben oder nicht, sondern sie muss in Gesetze gekleidet werden und sie muss politisch umgesetzt werden mit einer tragfähigen Mehrheit und allem was dazu gehört,
1:04:06
und das macht glaube ich schon ein paar
1:04:08
ernsthafte Antworten nötig. Und auch das gemeinsame sich darum streiten um die Frage, geht's zur schwarzen Null zurück oder nicht? Oder nutzt man das als Chance, um bestimmte Sachen zu finanzieren, das als eine Investition in die Zukunft zu verstehen?
1:04:21
Das wird ein Verteilungskampf, den wir gemeinsam inhaltlich austragen müssen. Arbeitszeitverkürzung wird auf dem Tablett liegen müssen, geht gar nicht anders,
1:04:30
dass die verbleibenden Industriearbeit, die natürlich auch tarifvertraglich gut geregelt ist, auf mehr Schultern verteilt wird,
1:04:37
ist eine Diskussion, um einfach aus der aus der Geschwindigkeit rauszukommen, mehr Menschen in Arbeit zu bringen. Alle diese Fragen werden wir hinterher auch zu diskutieren. Aber das geht jetzt auch schon ein Stück in die Zukunft.
1:04:48
Was haben wir da zu diskutieren? Also soweit zu der Frage, wie kann man's machen? Und ist es nicht auch möglich, Dinge mit rüberzunehmen, wenn die Zeit nach der Krise ist.
1:04:59
Vielen, vielen Dank Carsten. Wir würden jetzt gleich eine fünfminutige Pause machen, damit jeder nochmal kurz durchatmen kann und wir dann danach
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nach vorne diskutieren können, in die Zeit nach Corona, aber bevor wir in die Pause gehen, wäre der Kollege Sok-Yong Lee noch was sagen und du hast das Wort.
1:05:18
Ja, hallo liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben heute
1:05:22
nochmal ein spezielles Angebot für euch, weil wir wissen, dass diese Webtalks so gestaltet sind, dass viele Vortragsparts dabei sind, sehr interessante Vortragsparts,
1:05:31
aber die Form der Diskussion, des Austauschs so nicht möglich sind, wie ihr es vielleicht von unseren Seminaren kennt.
1:05:37
Ich habe jetzt in den Chat nochmal einen Link reingepackt und wir würden euch anbieten, ab 21 Uhr, also wenn ihr euch ein bisschen
1:05:44
gesetzt habt nach dieser Veranstaltung und dann vielleicht auch in der Stimmung seid, bei einem Bierchen oder einem anderen Kalkgetränk, nochmal zusammenzukommen, könntet ihr hier
1:05:54
in den Raum kommen und dann würden wir euch die Gelegenheit bieten nochmal zu dem, was hier vorgetragen wurde, zu diskutieren, Meinungen auszutauschen, bisschen rumzuspinnen, Sorgen loszuwerden,
1:06:06
es sind alle herzlich eingeladen, auch ihr vier, die hier dabei seid, aber es ist natürlich eine freiwillige Angelegenheit.
1:06:12
Und diesen Link würden wir am Ende nochmal einblenden, den müsstet ihr rauskopieren, der ist jetzt noch nicht auf, nach 21 Uhr würden wir beginnen
1:06:20
mit diesem nach-dem-Webtalk-Meeting.
1:06:25
Vielen Dank Sok-Yong, und wir würden fünf Minuten Pause machen und es gibt so ein schönes Bildchen, das der Sok-Yong gleich einblendet und dann geht's gleich wieder los.
1:06:36
Okay, herzlich willkommen zurück bei unserem Webtalk
1:06:41
und es wird es gleich weitergehen. In den letzten zwei Fragerunden ging's erst um die vergangene Krise,
1:06:52
2008/2009, dann ging so um aktuelle Auswirkungen von der Krise. Wir würden jetzt so langsam nach vorne
1:06:59
diskutieren wollen. Was heißt das alles für die Zeit nach der Krise? Klaus, Carsten ist schon wieder da. Achim wird bestimmt gleich kommen und ich würde sagen, dann fangen wir einfach mit Klaus an.
1:07:14
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1:07:14
Wir waren ja bei dem Thema sozialökologische Wende, Transformation und so weiter und so fort.
1:07:22
Meine Frage an dich wäre zum einen, was glaubst du, wird diese und diese Krisenerfahrung mit den Beschäftigten hier in Deutschland machen?
1:07:31
Und was wird aus dem sozialökologischen Umbau, also wird das Bewusstsein stärker werden, oder werden wir eher ein Bewusstsein haben, das sagt, scheißegal, Hauptsache irgendwie die Wirtschaft brummt.
1:07:44
Also ich glaube, was die Beschäftigten angeht, muss man ganz genau hinschauen,
1:07:50
weil glaube ich, in der Beschreibung der gegenwärtigen Krise, da noch viele unpräzise Sichtweisen gehandelt werden, also
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ich hab gerade in der ZEIT gelesen, einen großen Essy von von einem geschätzten
1:08:05
Kollegen, Hartmut Rosa, der so ungefähr argumentiert hat, einmalige Krise, die Welt steht still.
1:08:14
Das stimmt natürlich nicht. Ja, sie steht in manchen Bereichen still, also etwa im Kulturbereich und so weiter. Wir können, wir merken, dass wir ohne Fußballbundesliga sehr gut leben können,
1:08:27
selbst ich, ja, aber
1:08:30
wenn wir jetzt genauer hinschauen, ja. Also, wir haben etwa die Hälfte der Beschäftigten, die weiter arbeitet
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und das teilweise oder ganz im Homeoffice.
1:08:44
Das wird zum Teil als Befreiung erlebt, also als ein richtiger Gewinn,
1:08:49
gleichzeitig gibt's aber auch viele, die stellen fest, wenn man die zehnte Videokonferenz gemacht hat, dass es doch ein Unterschied ist, selbst wenn man keine technischen Probleme hat, dass es einen Unterschied ist, zu einer Situation, wo man Face to Face kommuniziert, wo man den Gegenüber
1:09:05
richtig einschätzen kann, wo Emotion mitschwingt und so weiter. Und das geht doch in der digitalen Kommunikation sehr stark verloren. Wir dürfen aber auch nicht übersehen, dass es
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eine ganze Reihe von Leuten gibt, die einfach normal weiterarbeiten. Also wir haben's ja gehört von VW. Carsten hat das ja berichtet, auch mit den Schwierigkeiten, da die Distanzregeln einzuhalten und so weiter.
1:09:29
Ich glaube, dass auch die Risiken sehr ungleich verteilt sind. Gegenwärtig in der Krise. Das muss man klar sehen. Und ich glaube, dass es die erste
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Aufgabe von Gewerkschaften eigentlich wäre
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dafür zu sorgen, dass diese Ungleichheiten thematisiert werden und dass sie gewissermaßen kompensiert werden. Sei es durch Zulagen, sei es durch besseren Schutz und so weiter und so weiter. Das ist mal das eine. Der zweite Punkt ist,
1:09:57
wenn wir das ernst nehmen, was jetzt sehr zu Recht auch von politischer Seite gesagt wird,
1:10:04
also Aufwertung der Tätigkeiten, die jetzt als systemrelevant gelten und Aufwertung heißt ja dann vieles. Größere Wertschätzung, bessere Bezahlung, das muss sich auch in Geld ausdrücken und so weiter, dann würde das nicht weniger bedeuten, als einen wirklichen Umbau
1:10:20
der Beschäftigungs- und auch der Einkommensstruktur. Das würde bedeuten, dass man den Niedriglohnsektor dramatisch schrumpfen muss.
1:10:28
Das würde bedeuten, dass die Beschäftigung in diesen sozialen Dienstleistungsbereichen, dass sie sehr viel besser bezahlt werden muss.
1:10:36
Und das muss man natürlich finanzieren, ja. Und ich will die Bedeutung für den Metallsektor vielleicht nochmal an einem Beispiel deutlich machen,
1:10:45
wir haben unsere Zuliefererstudie vor einigen Monaten in Eisenach vorgestellt. Wir haben festgestellt, noch vor Corona,
1:10:53
dass ein großer Teil der der Thüringer kleineren, mittleren Zulieferbetriebe auf Digitalisierung, Dekarbonisierung überhaupt nicht vorbereitet ist, also gar nicht strategiefähig ist, auch wegen des Platzes in der Wertschöpfungskette.
1:11:07
Da haben Opel-Betriebsräte teilgenommen, auch Betriebsräte aus anderen Unternehmen und mit Empörung wurde berichtet,
1:11:16
dass der wieder amtierende Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow ein Jahr zuvor gesagt habe, sei doch alles kein Problem, wenn im Autobereich Arbeitsplätze verloren gehen, solle man doch bitteschön in die Pflege gehen.
1:11:28
Ein Aufschrei der Empörung, ja.
1:11:31
Ich habe dann die Gegenfrage gestellt, in diesem Falle mal ausnahmsweise, nicht ausnahmsweise, aber in diesem Falle einig mit dem mit dem Ministerpräsidenten und habe gefragt,
1:11:43
wenn die Pflegearbeit ordentlich bezahlt wäre, wenn sie gesellschaftlich so anerkannt wäre,
1:11:49
dass sie nicht mit Statusverlust verbunden wäre. Wenn sie damit verbunden wäre, dass man flexibel wechseln kann in Weiterbildungssysteme, auch an Universitäten aus der beruflichen Praxis und so weiter, könnt ihr mir dann ernsthaft erzählen, dass es
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am Band bei Opel unbedingt sinnerfüllender ist
1:12:07
als jetzt Menschen zu betreuen und ihnen zu helfen, ihr Alter einigermaßen glücklich zu verleben, durchleben, was auch immer, ja. Da war relativ langes Schweigen dann
1:12:20
in der Runde. Es zeigt aber, wie groß die Aufgabe ist. Das ist nicht nur ein eine Frage der der Einkommen, sondern auch eine
1:12:27
gewissermaßen, der der Anerkennungsverhältnisse, die ja sehr tief verankert sind in den Mentalitäten der Leute und eine letzte Bemerkung zum, zum ökologischen Wandel: Also die ökologische Krise hat die die Eigenschaft, dass, wenn man die Probleme verdrängt, die Probleme umso heftiger
1:12:45
zurückschlagen. Das haben wir, das haben wir jetzt erlebt, im Grunde sind wir ja schon in so einer Rückschlagsituation.
1:12:54
Also ich glaube, wenn in der Krise überhaupt in der Coronakrise überhaupt eine Chance steckt, dann, dass jetzt die Prioritäten bei den Investitionen so gesetzt werden, dass man tatsächlich bei ökologischer Nachhaltigkeit einen großen Schritt vorankommt. Und damit,
1:13:07
dazu bedarf es aber Druck. Ja, das wird nicht gehen. Also ich bin, bin zutiefst beglückt, dass es Betriebsräte gibt wie den Carsten, nicht,
1:13:16
die die Problematik vor sich sehen und und klar nach, nach Lösungen suchen müssen, die auch praktikabel sind, ja.
1:13:24
Wenn das nicht gelingt, auch da bin ich bei Carsten, dann könnten wir eine Situation erleben, wie in den Braunkohlerevieren,
1:13:30
also auf der einen Seite Belegschaften, die mangels Alternative
1:13:36
darum kämpfen, den Ausstieg so lange wie möglich rauszuzögern. Und auf der anderen Seite ökologische Bewegungen, die das Gegenteil wollen und dazwischen drin geht gar nichts mehr und das schwächt beide Lager so, dass es nicht richtig vorangeht. Das wäre fatal, wenn das eintritt.
1:13:57
Vielen Dank Klaus für deine Einschätzung, ich würde es nochmal Achim nochmal ins Boot holen und
1:14:03
bei dem ansetzen, wo, wo du gerade eben aufgehört hast, Achim, bei dem ganzen Thema Staatsverschuldung, und, und wie gehen wir irgendwie, was nach Corona, sagen damit um. Es gab ja im Endeffekt
1:14:18
diese Mauer der schwarzen Null vor Corona, die so langsam aufgebrochen werden konnte, dass man sagt, okay, man muss mehr, mehr Investitionen machen, aber wenn wir das wir das alles diskutieren, was wir gerade hören, wenn wir nach Corona
1:14:33
noch diese riesengroßen Investitionsbedarfe haben,
1:14:37
plus die Umbaubedarfe, plus eine große Staatsverschuldung und was glaubst du, wie werden da die Fronten sein, nach Corona und was muss
1:14:49
unbedingt verhindert werden von uns als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter?
1:14:57
Eine Prognose, wie jetzt genau die Fronten sein werden, das traue ich mich nicht abzugeben, aber
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ich versuch's jetzt nochmal optimistisch, weil ich ja eben diesen Weg eingeschlagen habe.
1:15:11
wie gesagt, ich kann mir diese Szenarien ausdenken, aber das mache ich jetzt einfach nicht und ich meine, wir haben ja
1:15:20
bis kurz vor der Krise eigentlich einen unglaublichen Schulterschluss gehabt, was die öffentlichen Investitionen angingen
1:15:28
und zwar tatsächlich Sozialpartnerschaftlich, kann man das ja auch so mal nennen, das heißt, das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, mit Sebastian Dullien,
1:15:41
das gewerkschaftsnahe Institut und das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft mit Michael Hüther, haben gemeinsam sich ausgesprochen
1:15:50
für ein riesen, sagen wir mal, 500.000.000.000
1:15:55
Investitionspaket über die nächsten zehn Jahre und haben da auch, in dem Fall jetzt von Seiten
1:16:03
der Wirtschaft mit dem Tabu schwarze Null und ein bisschen höhere Staatsverschuldung wirklich gebrochen. Das heißt, da gab es ja diese, diese Einigkeit, diesen Schulterschluss. Der ist nicht
1:16:16
letzten Endes nicht in die Politik so hineingegangen, wie man bei so einem Schulterschluss sich eigentlich hätte erhoffen können, weil da in der Union, aber ich glaube auch noch innerhalb der SPD noch Widerstände waren und auch nicht der Mut.
1:16:29
Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass man insbesondere jetzt mit ökologischem Einschlag
1:16:35
die Konjunkturpakete jetzt zur Konjunkturerholung mit grünem Einschlag
1:16:45
und dann langfristig Verstetigung, Investitionsmaßnahmen, gerade in die ökologische Richtung, schrittweiser Umbau, das das kann schon funktionieren und das halte ich nicht
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für unmöglich. Und
1:17:01
umgekehrt jetzt doch das das Schlimme, was passieren kann: Schlimm wäre tatsächlich, dass wir jetzt
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aus Angst vor Staatsverschuldung oder vor, ich weiß nicht was, nicht mehr die richtigen Maßnahmen ergreifen, wir dann wirklich eine schwere Krise mit Massenarbeitslosigkeit bekommen
1:17:22
und dann auch wieder die öffentlichen Finanzen in schlechter Verfassung sind und dann wird angefangen wirklich in der Breite überall wieder zu kürzen.
1:17:32
Und dann kriegen wir gar nichts hin, dann sind wir hier wieder zurück in der in der düsteren Zeit 'Deutschland kranker Mann Europas',
1:17:41
also das das wäre das, was man verändern muss. Und wie gesagt, da sehe ich aber auch, dass die Fronten
1:17:52
nicht so schlimm sind, wie früher mal, dass es dadurch aus auch Verbündete gibt.
1:17:59
Und wenn da in der Politik noch eine größere Einigkeit herrschen würde, auch mehr Mut von mancher Seite, was man alles erreichen kann,
1:18:09
dann kann man, wie gesagt, viel hinbekommen. Und das wäre doch die Rolle, glaube ich, der Gewerkschaften sozusagen
1:18:19
arbeitsteilig, so wie Carsten das jetzt macht, auf der, auf der betrieblichen Ebene, aber natürlich mit mit dem Blick für fürs Ganze. Und umgekehrt
1:18:31
von oben, also von Seiten, der
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Gesamtperspektive, aber auch mit dem Blick für die betriebliche Realität. Und sozusagen, wenn die Gesellschaften diese diese Stärke, diesen, diese beiden Blickwinkel zusammenbringen
1:18:45
und das in die Politik tragen, glaube ich,
1:18:48
dass das eine große Wirkung hat. Und mein Eindruck ist überhaupt, dass gerade auch die die Gewerkschaften aber auch die IG Metall,
1:18:55
wo bei der letzten Krise, als auch bei der jetzigen Krise, ja durchaus gehört werden, auch in in den Ministerien, auch im Kanzleramt. Und dass das ganz wesentliche Punkte sind,
1:19:09
die dort eingebracht werden. Und
1:19:13
da bin ich mir sicher, werden die Gewerkschaften weiter so machen. und dann
1:19:20
wird das die Chance auch nochmal erhöhen, dass was Vernünftiges rauskommt.
1:19:26
Vielen Dank Achim. Dann eine andere Frage an dich, Carsten:
1:19:32
Was wird gerade bei euch im Betriebsrat diskutiert für die Zeit nach Corona? Also, was diskutiert ihr als VW-Betriebsrat für die Zeit nach Corona?
1:19:47
Wie man an verschiedenen Auswirkungen vorhin gemerkt hat, gibt es ja nicht den VW-Betriebsrat, sondern es gibt ja durchaus auch unterschiedliche Positionen bei uns.
1:19:56
Ich bin da eher in der Minderheitenposition,
1:20:00
womit ich aber auch kein Problem haben, weil am Ende werden sich, glaube ich, die richtigen Argumente durchsetzen. Ich streite viel mehr dafür, dass man die Positionen erst einmal alle ordentlich
1:20:08
beleuchten muss, um dann zu schauen, wie sie denn wirken. Zurzeit gibt es unendlich Debatten,
1:20:08
es gibt die meisten Debatten, das Management ist gerade dabei,
1:20:17
dieses Hochfahren zu managen, es gibt noch keine strategischen Debatten um die Frage, wie kann's denn jetzt weitergehen.
1:20:25
Und es ist einfach so, dass das Tagesgeschäft zur Zeit eigentlich auch keine Luft dafür lässt. Ich würde mir wünschen,
1:20:32
wir würden diese Diskussion, die wir vor der vor der Krise angefangen haben, mit dem Thema gerechte Transformation, wir waren ja in Berlin auf der Demo.
1:20:40
Das hat ja eine Menge, eine Menge Impulse auch ausgelöst. Es gibt diesen Zukunftsdialog da vom
1:20:45
DGB, mit den verschiedenen zusammenbringen, im Rahmen Digitalisierung und
1:20:51
die Frage Dekarbonisierung und so weiter, da gab's in unterschiedlichen Debattenbeiträgen 'ne Menge spannende, Menge spannende Erkenntnisse auch über die einzelnen Gewerkschaften hinaus im Zusammenschluss.
1:21:02
Und wenn ich glaube, dass das der richtige Weg ist, das genauso auszutauschen, Klaus hat ein paar Sachen dazu gesagt, die man auch noch machen kann.
1:21:11
Ein bisschen vermisse ich, das es kein geordneter Prozesses ist. Also es gibt zurzeit niemanden, der die Fäden in der Hand hat, um zu sagen, wie kriegen wir denn diese ganzen Diskussionsstränge zusammen, um dann daraus weiterzumachen, weil auch diese Fragen der Demokratie,
1:21:25
also was erleben wir denn zur Zeit? Wir leben ja zurzeit eine Menge besorgte Bürger, die am liebsten die Polizei umrennen würden, weil sie nicht ohne Maske irgendwo hindürfen. Das ist eine verrückte Erscheinungsform auch am Rand natürlich, aber
1:21:39
schon sehr merkwürdig, was da passiert, wenn sich dann alle Verrückten
1:21:42
zusammenschließen und glauben, dass das Retten des Grundgesetzes dadurch erreicht wird, dass man irgendwelche Polizeiketten durchbricht,
1:21:49
um dann sich möglichst schnell anzustecken oder eben auch nicht, weil das ist ja alles nur erfunden, gibt es ja gar nicht. Also das ist ja auch so eine verrückte, ein verrücktes Phänomen, was zurzeit durch die
1:21:59
sozialen Netzwerke da geistert. Aber nochmal zurück zur Frage, es gibt
1:22:03
noch keinen geordneten Prozess. Ich glaube, dass wir die Fragen neben der wirtschaftlichen Auseinandersetzung, die Fragen der Demokratie und der Beteiligung nach vorne bringen müssen
1:22:11
und das ganze kreist natürlich um die Frage, wie sieht Arbeit in der Zukunft aus? Wie lässt sich eine eine gerechte Transformation umsetzen? Und die Antwort wäre natürlich,
1:22:21
lass' uns mal den Status der Pflegeberufe ordentlich nach oben drücken, dass die auch ordentlich vergüten, ich meine, wir haben Entgelttabellen, die können wir gerne zur Verfügung stellen. Wir haben einen 93%-igen Organisationsgrad, wir bräuchten es nur zu übernehmen.
1:22:34
Und ich glaube, dass man das durchaus auch bei der Beschreibung der Tätigkeiten
1:22:38
sehr schnell ableiten könnte, wie viel Geld das Wert wäre, wie in der Industrie. Also so eine Debatte, die ver.di-Kollegen sind natürlich auch, und Kolleginnen
1:22:46
längst dabei solche Debatten zu führen, aber du musst es halt durchsetzen. Wie setzt man es durch? Und
1:22:53
an der Stelle glaube ich, werden wir noch hinkommen, sind wir aber zurzeit aktuell, wenn wir ehrlich sind, nicht.
1:22:59
Es wird aber eine Aufgabe sein, das jetzt zu machen und ich glaube, auch solche Formate hier sind durch als hilfreich, so etwas zu entwickeln.
1:23:07
Vielen, vielen Dank Carsten. Wir würden jetzt noch einmal, als letztes Mal, dann den Ball zum Publikum spielen und die Frage nochmal, Petra Chaja gibt's irgendwas, was diskutiert wird, was wir hier nochmal die Diskussion einbringen können?
1:23:22
Ja, hier spielt
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auch erstmal eine Rolle, immer noch die Frage, wer soll die Zeche zahlen oder wie sollen Konjunkturprogramme bezahlt werden? Und da wurde schon erinnert, einmal an die
1:23:33
sogenannten Krisengewinner,
1:23:35
die in der Krise richtig Geld verdienen, müsste man die nicht anders steuerlich veranlagen? Da wurde erinnert, zum Beispiel an Amazon und Co oder es wurde erinnert an Steuerflucht,
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Oasen, gäbe es da nicht Geld zu holen, im Grunde auch zur Finanzierung einer, einer Transformation einer sozialökologischen Transformation oder auch zum zur Schuldentilgung?
1:24:02
Es wurde aber auch nochmal erinnert an eine gewerkschaftliche Forderung, die wir ja immer auch hatten, nämlich an Arbeitszeitverkürzung. Das würde auch in Richtung Carsten nochmal gehen, könnten wir nicht auch als eine Erfahrung
1:24:15
so die Frage eher mit der Krise nutzen um weitere Schritte, radikale Arbeitszeitverkürzung wieder auf unser Tablett zu machen.
1:24:25
Dann gab es nochmal an Klaus direkt die Frage: Abwrack- oder jetzt Kaufprämie, ist das der richtige Weg, für die Teilnehmerin selber ist das ein No-Go
1:24:39
als Krisenintervention und sie wünscht sich da von Klaus nochmal eine deutlichere Aussage.
1:24:46
Ja, und dann wurde nochmal zuletzt erinnert, an Söder, wo Lufthansa gestützt, aber staatliche Beteiligung abgelehnt wird, auch
1:24:55
das so als Gedanke, könnten wir da nicht auch über neue Beteiligungsformen, sage ich mal, staatlicherseits, wenn man schon Stützungsaktionen macht,
1:25:05
Finanzierungsaktionen, könnte man da nicht auch drüber nachdenken? Soweit.
1:25:11
Okay, wer will, wer will was sagen, wer sieht sich berufen von euch?
1:25:19
Carsten? - Ging da was direkt an mich, oder? Carsten auch, ja.
1:25:24
Das Thema Arbeitszeitverkürzung, hatte ich ja eben schon gespielt, weil ich glaube, wir müssen dazu kommen, das geht gar nicht anders, aber da gilt natürlich das, was für alle anderen Fragen auch gilt, es sind Verteilungskämpfe, sind Kämpfe, die
1:25:34
durchgesetzt werden müssen und wenn wir uns gerade angucken, wie wir uns als IG Metall schwertun im Osten nach 30 Jahren mal auf das Thema 35 runterzukommen,
1:25:43
wenn wir ganz ehrlich sind, wissen wir auch alle, obwohl wir im Westen die 35 haben, also aktuell haben wir natürlich die Arbeitszeit, aber
1:25:51
in Wirklichkeit gibt es extrem viele Ausnahmen, wir haben extrem viele betriebliche Regelungen, wo wir bei der durchschnittlichen Arbeitszeit lang nicht mehr bei 35 sind und
1:26:00
das gehört dann eben auch dazu, sich ehrlich zu machen an der Stelle. Und es hilft nichts, einen guten Tarifvertrag zu haben, wenn du ihn nicht umsetzt. Also grundsätzlich richtig, aber halt kompliziert.
1:26:13
Ja, also Abwrackprämie in neuer Version auch für E-Autos, aus meiner Sicht auch ein No-Go,
1:26:22
also klares Nein. Die Argumente sind eigentlich schon vorgetragen worden, was das Strohfeuer angeht, ich
1:26:30
halte auch die Logik insgesamt für falsch. Also warum immer mit solchen Prämien in die Unternehmen investieren, aber nicht in die Beschäftigten investieren?
1:26:40
Die Linksdemokraten in den USA haben ja die Forderung aufgestellt, jetzt bei radikaler Dekarbonisierung Beschäftigungsgarantien auszusprechen für alle, die ihre Arbeitsplätze in den Karbonbranchen verlieren
1:26:53
und Beschäftigungsgarantien in der Weise zu geben, dass die neue Beschäftigung nicht mit Statusverlust verbunden ist.
1:27:01
Das finde ich einen Ansatz, der deutlich über die Kurzarbeit rausgeht, der aber eine Investition in die Beschäftigten
1:27:09
bedeutet, könnte ja mit Weiterqualifizierung et cetera verbunden sein, über den man zumindest nachdenken sollte. Das ist Punkt eins. Das berührt Punkt zwei, das hat Petra im Grunde mit der Frage aufgeworfen, neue Eigentumsformen.
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Also wir haben das ja in der Krise 2007 / 2009 erlebt, dass der Staat massiv interveniert hat,
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aber nicht jede Staatsintervention ist per se eine gute. Die waren notwendig, die Maßnahmen, auch die Übernahme von Banken, aber der Punkt ist ja gewesen, dass im Grunde
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privatwirtschaftliches Versagen in öffentliche Schulden umgewandelt worden ist.
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Und das ohne in irgendeiner Weise die Öffentlichkeit
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zu entschädigen für das, was da geleistet worden ist. Nehmen wir mal den Fall Lufthansa. Warum sollten nicht die Beschäftigten beteiligt werden
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am Unternehmen? Also, warum sollten sie nicht stärkeren Einfluss erlangen auf das Unternehmen? Und die Frage würde sich ja überall stellen.
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Also überall da, wo der Staat zuschießen muss, wo er subventionieren muss, sollte er das nicht mit Forderungen verbinden,
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die daraufhin auslaufen, die
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Beschäftigten selbst stärker an Entscheidungen über das Was und Wozu der Produktion zu beteiligen.
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Das ist der Gedanke, Mitbestimmung auf neue Felder auszuweiten, ganz alter Gedanke, Franz Steinkühler, hat den seinerzeit sehr vehement formuliert und hatte die Prognose, einer der eines Tages wird es dazu kommen.
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Eigentlich ist die ökonomisch-ökologische Zangenkrise genau der Stoff, der nach solchen Formen von Ausweitung von Mitbestimmung und
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Beschäftigtenpartizipation Beteiligung verlangt. Und das berührt auch die Frage,
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welche Art von Staatsinterventionen wir haben wollen. Es ist ja auch nicht auszuschließen, bei den Einschränkungen von Grundrechten, die hoffentlich in unseren Breitengraden zeitlich befristete sein werden, aber es gibt eben Staaten, siehe Ungarn, Polen, wo das
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nicht der Fall ist, ja, wo man die Krise, die Coronakrise gezielt benutzt, um Grundrechte abzubauen. Wenn man, wenn man diese Seite stärken will, also demokratische Intervention, dann wäre es, glaube ich, gut
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staatliche Intervention mit
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der Möglichkeit zu mehr demokratischer Partizipation zu verbinden. Und da müsste man, denke ich, mehr Gehirnschmalz reinverwenden, wie man das durchsetzen kann. Letzte Bemerkung in dem Zusammenhang, berührt auch die Eigentumsfrage: Wir müssen uns überlegen, was wir in Zukunft als öffentliche Güter haben wollen,
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nicht privat, sondern öffentlich. Es gibt französische Gewerkschaften, die haben vorgeschlagen nach der Krise so eine Liste zu machen, was wir nie wieder wollen.
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Ja. Das hätten wir schon 2009 gebraucht und so eine Liste gewissermaßen mit einem großen öffentlichen Kongress
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zu erarbeiten. Der nicht von oben handverlesen,
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die üblichen Verdächtigen zusammenholt, sondern der wirklich Basis mobilisiert. Der tatsächlich da geeignet wäre, Auftakt zu einem großen Prozess zu sein, wie Gesellschaft der Zukunft
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aussehen könnte. Das würde Gewerkschaften verdammt gut anstehen, da in vielem eine Rolle zu spielen. - Vielen Dank, Klaus.
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Achim willst du noch was dazu sagen, zu den Fragen oder Anmerkungen? - Vielleicht äußere ich mich doch nochmal, ich habe ja, meine Botschaft war ja, dass ich
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m Moment vor allen Dingen wichtig finde,
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dass die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, auch in der richtigen Dimension. Und das nicht über Ängste vor irgendwelchen Lasten, wir dann uns nicht trauen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
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ber wenn ich jetzt so häufig gefragt werde, das habe ich ja schon gesagt, ne, die die Verteilungssituation
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war mir mein Anliegen und das bleibt mir auch ein Anliegen. Und das ist völlig klar, glaube ich, mir werden auch wenige widersprechen, dass die Verteilungslage, also insbesondere am unteren Rand oder in der unteren Hälfte
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negativ betroffen sein wird durch die Krise, denn Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit
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und ja auch die Perspektive jetzt für erstmal nicht besonders gute Lohnabschlüsse, das ist ja klar, wo das wo das landet. Und auf der anderen Seite
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gibt es eben nach wie vor viele, die auch dann profitieren werden am oberen Ende. Bei der Vermögensverteilung wird es möglicherweise kurzfristig schon
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über die Kursrutsche an den Börsen, über viele Verluste und so, wird es vielleicht doch erstmal eine Nivellierung geben, aber da ist ja, hat sich in der letzten Krise gezeigt, dass das sehr schnell wieder aufgeholt wurde und
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die Vermögensverteilung dann nicht gleicher geworden ist. Also diese Trends haben wir ja und daran wird sich erstmal nicht ändern. Insofern gibt es ohnehin den Grund,
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über Maßnahmen zur Bekämpfung der Ungleichheit und für eine gleichmäßige gerechte Gesellschaft nachzudenken. Und wenn jetzt die Frage ist, nach Krisenprofiteuren, Amazon beispielsweise, weil wir haben ja ohnehin auch vorher schon die Diskussion gehabt und das Problem,
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dass die US-Konzerne, die gerade auch im Internet Geschäfte machen, dass die bei uns nicht zur Besteuerung richtig herangezogen werden. Das heißt, das stand ohnehin auf der Agenda und der Bedarf existiert und er wird weiterexistieren und
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immerhin war es ja so, dass nach der letzten Finanzkrise, es doch
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im internationalen Steuerwettlauf nach unten, für die Unternehmen und auch für für Reiche, es zumindest eine Pause gegeben, hat.
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Und bestimmte Dinge wie Steuerverlagerung, Steuervermeidung etwas mehr, etwas stärker angegangen worden sind. Und genau das muss man natürlich
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sowieso tun und man muss es nach der Krise
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nochmal besonders tun. Aber nochmal zurück, das hat aber aus meiner Sicht, wie gesagt, nichts zu tun damit,
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dass wir damit Lasten abtragen müssen, sondern das ist etwas, was ohnehin Aufgabe ist und diese Last, die durch die Staatsverschuldung, die ist ökonomisch leicht zu schultern und solange wir null Zinsen haben und damit
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unter Berücksichtigung der Inflation, de facto sogar noch was bekommen als Staat, wenn wir uns verschulden, ist das nicht die Last, ja.
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Aus der 'Last' der Staatsverschuldung kommt man raus, indem man hinauswächst. Man hat einen nominalen Schuldenstand
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und der wird halt im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung immer kleiner über die Zeit und am Ende ist er geschrumpft und ist harmlos.
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Das ist das Rezept, um da rauszukommen. Und davor muss man eigentlich keine Angst haben. Und all' die anderen Probleme existieren, man muss sie angehen und
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man muss sie verschärft dann angehen natürlich und dann muss man auch die Verteilungsdebatte führen und auch darauf vorbereitet sein, insbesondere dann wenn eben Fehler gemacht werden
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und wir dann plötzlich Kürzungsdiskurse bekommen, Kürzungsmaßnahmen, wo das was Klaus angesprochen hat, eine öffentliche Daseinsvorsorge, was man eigentlich möchte und was man nicht mehr möchte, was man möchte,
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wo all' diese Dinge dann komplett unter die Räder geraten.
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Dann muss man natürlich die Alternative haben, dann immer dann bei der, bei der öffentlichen Daseinsvorsorge wieder spart oder in der öffentlichen Investition,
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muss man eben sehen, dass man dann entsprechend die, die viel haben, die Reichen und Vermögenden stärker zur Steuer
1:34:47
heranzieht. Nochmal ein Punkt, was übrig ist ja auch wichtig ist, ist, wir diskutieren über Steuern,
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das ist ganz wichtig für die Verteilung, aber das ist ja sozusagen die Umverteilung, ne, von der gegebenen, ungleichen
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marktlichen Verteilung. Die Marktverteilung an sich ist ja schon
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mal ein Problem. Und Gewerkschaften spielen natürlich für die Marktverteilung eine wichtige Rolle.
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enn es gute Abschlüsse gibt, hilft das erstmal. Der Mindestlohn spielt da, wo Gewerkschaften
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mittlerweile eben viel an Einfluss und Macht verloren haben, eine wichtige Rolle. Und ansonsten ist die Tarifbindung,
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sind Tarifverträge das wichtigste Instrument, um die, die Markteinkommensverteilung
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möglichst gleichmäßig hinzubekommen. Also insofern haben Gewerkschaften da eine wichtige Rolle und auch natürlich der Staat, der dafür sorgen muss, dass die Rahmenbedingungen für Tarifverträge
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auch Rückenwind kriegen und nicht das Ganze noch weiter geschwächt wird. Also all das sind die Dinge, die da wichtig sind, die aber ohnehin auf der Agenda stehen. Die standen vorher auf der Agenda, die müssen natürlich dann nach der Krise auch
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auf der Agenda stehen.
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Vielen, vielen Dank Achim. Wir würden jetzt die allerletzte Runde drehen und das wäre so eine kurze Runde und die ist, dass jeder von euch drei vielleicht
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einmal sagt, also das ist ja eine Veranstaltung der IG Metall, was ihr der IG Metall rät für die Zeit nach Corona, aber so mit einem, mit einem, kurzen Statement, also irgendwie so
1:36:24
zwei Minuten oder sagt o.k., das wäre mein persönlicher Rat an die IG Metall oder mein Wunsch auch, je nachdem, was man da formulieren will
1:36:33
an die an die IG Metall. Willst du Carsten, als IG Metaller damit anfangen?
1:36:48
Ja, das kann ich gerne machen, aber ich bin natürlich weiter von davon entfernt, der IG Metall Ratschläge zu geben, ich bin ja auch so ein kleines Mitglied.
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Wünsche hast du vielleicht.
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Ich glaube, was wir dringend brauchen ist wieder das Gefühl gemeinsam Selbstwirksamkeit zu spüren und auch
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nach vorne zu bringen, weil wir, glaube ich, schon eine große Kraft entwickeln können,
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wenn wir uns einig sind bei den Punkten, die ich, wenn es darum geht, uns für die Kolleginnen und Kollegen einzusetzen, Schutz und Gestaltung wirksam werden zu lassen und die neuen Fragen, die tatsächlich stehen,
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dann auch einfach mal emotional und streitig nach vorne zu bringen und auszudiskutieren, weil es ist natürlich so, dass du auch mit einer
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paradoxen Intervention durchaus weiterkommst, als immer nur zu sagen, Deutsche kauft den deutschen Diesel und es wird schon irgendwie werden.
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Das rettet uns kein Stück und wir werden in den nächsten Jahren schneller unter die Räder kommen, wenn wir nicht aufpassen, als wir gucken können, weil das werden dann andere für uns regeln. Und wenn wir, wenn wir wirklich eine Antwort darauf haben wollen,
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wie können denn Arbeitsplätze im Industriebereich mit gut organisierten Kolleginnen und Kollegen auch tarifvertraglich abgesichert werden, dann wird das nur so gehen. Wir müssen diese Widersprüche aushalten. Wir müssen sie ausdiskutieren, um dann gemeinsam nach vorne zu gehen und sagen, ja, dafür streiten wir,
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dafür gehen wir nach vorne und wir versuchen in den
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komplexen Herrschaftsverhältnissen, wie wir sie nun mal haben, auch Dinge zu erreichen, dafür braucht es einfach die Auseinandersetzung und die Diskussion unter Beteiligung aller
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Fachkräfte, die wir dafür kriegen können, natürlich aber auch mit den Widersprüchen, die das einfach nur mit sich bringt.
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So und dabei die Kolleginnen und Kollegen ernst zu nehmen und nicht andauernd von, die Beschlusslage ist ja wie immer super, wir haben ja tolle Kongresse mit riesigen Aktenbergen, mittlerweile machen wir dass ja digital, aber die werden dadurch ja nicht kleiner,
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die großen Beschlüsse. Es braucht schon ein bisschen mehr, als diese Sachen einfach nur zu beschließen. Und ich glaube, wir müssen uns über ein neues
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Befähigungskonzept in unserer Organisation Gedanken machen, wie wir tatsächlich all' die Ressourcen, die wir haben, wir haben eine Menge Geld, wir haben eine Menge Kolleginnen und Kollegen, die dafür bezahlt werden, für diese Organisation zu arbeiten,
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wir haben eine Menge tolle ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen und auch Menschen, die uns inhaltlich nahestehen, aus allen Fakultäten.
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Wir wären doch bescheuert, wenn wir das nicht hinkriegen würden, das da vorne zu treiben und dann auch mitzukriegen. Vor dem Hintergrund, glaube ich, wäre das, was für die Zukunft in der Liste war, ist eine schöne Idee,
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was wollen wir eigentlich alles nicht mehr haben, da kann man, glaube ich, eine Menge draufschreiben um das in einem beteiligungsorientierten Prozess nach vorne zu kriegen,
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natürlich mit dem nötigen Abstand, ist ja klar in der heutigen Zeit. Aber das wäre, wo man tatsächlich dran arbeiten könnte. Und wie gesagt, zurzeit haben wir nichts, was diese Fäden verbindet und diese Debatten,
1:39:39
das wäre, glaube ich, etwas, daran zu arbeiten, darüber nachzudenken, was uns tatsächlich nach vorne bringt.
1:39:46
Vielen Dank Carsten. dann würde ich den Ball zu dir, Klaus, spielen. Also was wünscht oder rätst du der IG Metall für die Zeit nach Corona?
1:39:57
Also ich bin von einem wichtigen Gewerkschafter kritisiert worden, als selbsternannter Berater. Da bin ich jetzt mal ein bisschen vorsichtig mit mit Ratschlägen. Ich bespreche einen Punkt an, den den Carsten mit erwähnt hat und der weit unterhalb jetzt von Krisenanalyse und so weiter liegt. ich würde sagen, die Beziehungsweise muss sich ändern.
1:40:16
Das, was
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jetzt in der in der Coronakrise deutlich geworden ist, übrigens auch stark im Unterschied zu früheren Pandamien, ja, es gibt eine lange Geschichte der Seuchen und der Pandemien, das hat immer zur Endsolidarisierung geführt,
1:40:30
historisch, ja, und das ist gegenwärtig nicht der Fall.
1:40:35
Es gibt diese diese Tendenzen auch mit den Hamsterkäufen und so weiter, aber es gibt doch enorm viel an Alterssolidarität, also mein Vater, 89 Jahre, kann sich gar nicht retten vor Anfragen, wer alles für ihn einkaufen will und so weiter, ja.
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ch würde sagen,
1:40:52
diese Erfahrung, dass Solidarität, solidarische Beziehungen zu einem guten Leben gehören, dass das wichtig ist,
1:41:00
die sollte gestärkt werden und die sollte gerade von und innerhalb der Gewerkschaften wieder gestärkt werden. Das ist ja
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uraltes Standbein der Arbeiterbewegung, nicht, diese Hilfe zur Selbsthilfe, genossenschaftliche Solidarität. Und ich glaube, die müssen wir alle wiederentdecken.
1:41:16
Vielen Dank Klaus. Und Achim, an dich dieselbe Frage, was rätst oder wünschst du dir von der IG Metall?
1:41:24
Ja. Also raten finde ich auch falsch, von außen tolle Ratschläge zu geben, das liegt mir nicht so.
1:41:33
Was ich beobachte, ist halt ja seit vielen Jahren, welch wichtige Kraft die Gewerkschaften sind, auch gerade die IG Metall.
1:41:42
Ich sehe, dass gerade in den Betrieben sie auch wieder stärker geworden ist und ganz viel Macht
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hat und ganz viel erreicht und ich glaube von dieser Basis
1:41:54
und damit, mit dieser Kraft auch im Rücken, man sich auch den den wichtigen gesellschaftlichen Debatten zuwendet. Auch wie ihr es jetzt macht, Bildungsarbeit macht, auch in die Gesellschaft hineinwirkt und in die Politik auch in die Breite der Gesellschaft hinein wirkt,
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dann ist es etwas, was was nur gut gehen kann.
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Und das wünsche ich mir, dass das weiter betrieben wird und vielleicht auch noch gestärkt wird, denn solche Veränderungsprozesse
1:42:21
kann man ja nicht verordnen,
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sondern die müssen halt ausdiskutiert werden und da muss man halt zu belastbaren Kompromissen kommen. Und das kann man nur, wenn man möglichst viel nachdenkt und viel redet
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und viel sich austauschen, da können die Gesellschaften viel zu beitragen.
1:42:40
Vielen, vielen Dank Achim. Ja, ich würde jetzt so langsam zum Schluss der Veranstaltung kommen. Ich will mich hiermit recht herzlich bei allen unseren Gästen, also Achim, Klaus, Carsten,
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einmal bedanken, dass ihr hier mitgewirkt habt, aber auch allen Leuten, die im Hintergrund, die hier mitgewirkt haben, ich will mich auch nochmal entschuldigen bei allen Zuschauerinnen und Zuschauern, für die technischen Mängel am Anfang, es war ein bisschen holprig und so, aber ich glaube, das ist auch so ein
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Teil von dieser Coronaerfahrung, man sitzt
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viele Stunden vor dem Video, vor dem Netz und guckt, was die Technik so macht und und man hat vier Veranstaltungen gemacht, da ging alles super und bei der fünften klappt alles nicht, aber genau, Asche auf unser Haupt und wir
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versuchen besser zu werden. Ich hoffe, es hat euch allen gefallen und ihr schaltet weiter ein. Ich soll nochmal von Sok-Yong jedem und jeder sagen, dass ab 21 Uhr für die Leute, die noch nicht zu Ende diskutiert haben oder beziehungsweise einmal richtig losdiskutieren können, man sich hier nochmal treffen kann, den Link dazu findet ihr
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unten im
1:43:39
Chat. Den einfach kopieren, speichern und später über diesen Link sich einloggen. Und wir haben ja noch ganz, ganz
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viele weitere tolle Veranstaltungen. Nächste Woche werden wir zwei Veranstaltungen haben. Wir werden am Dienstag eine Veranstaltungen haben, was mit dem Titel
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das Geschlecht der Coronakrise, wo auch unsere zweite Vorsitzende, die Christiane Benner mitdiskutieren wird, mit Leuten aus der Politik, wer genau wirklich noch rausstellen, aber ihr bekommt eine Mail und am
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Donnerstag haben wir auch ein Forum zum Thema Zukunft der Arbeit.
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Da ist der Florian Butollo und die Nicole Mayer-Ahuja, die hier nochmal diskutieren werden, zum Thema Zukunft der Arbeit. Also es bleibt spannend, es bleibt schön. genau, Bleibt gesund und wir sehen uns alle hier an dieser Stelle,
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nächste Woche und vielen Dank.