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episode 1: StreamD spricht über Kultur in Düsseldorf [transcript]


Stefan Schmidt und Julian Meurer sprechen über Metzgerei Schnitzel Kunstverein e.V. / Brause die alte Wirkstätte die unzähligen Künstlerinnen, Künstler, Musikerinnen und Musiker wie es war und was kommen könnte.


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 2020-08-23  14m
 
 
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Wer heute durch die Oberbürgerleh fährt, der findet am Rand der Straße eine mehr oder weniger verfallene Ruine einer alten Tankstelle. Ich glaube, so aus den fünfziger Jahren oder so. Und wer ein bisschen länger in der Stadt lebt, der weiß auch ein bisschen, was sich dort einmal
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verborgen hat. Das war nämlich das Kulturzentrum Brause. Und ich spreche deshalb heute mit dem Vorstandsmit
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Julian Meurer, der uns ein bisschen über die Geschichte der Brause und vor allem auch über das tragische Ende erzählen will. Hallo Julian. Ja. Hallo Stefan
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tragisches Ende, kommen wir später zu, fangen wir auch erstmal mit dem glücklichen Anfang an. Seit wann hat sie Brause gegeben?
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Gegründet, wurde der äh Metzger Schnitzel Kunstverein äh soweit ich darf's im Hinterkopf jetzt habe, zweitausendeins. Ist hervorgangen aus einer Gruppe nahm Cellulite Zuckers, die also im Raum Neues
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glaube ich äh Punkkonzerte gemacht haben und dann irgendwelche Underground Filmnächte veranstalten wollten.
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Das kann man ganz genau nochmal auf unserer Homepage nachlesen, da ich damals noch nicht in feiner.
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Bin, äh, habe ich da jetzt natürlich nicht so ganz den Bezug zu und deswegen natürlich auch nicht so super viel dazu sagen. Das ist aber schon die Metzgerei Schnitzel genannt. Das ist der Träger. Was macht die Metzgerei Schnitzel sonst?
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Der äh Metzgerei Schnitzel Kunstverein, es sind neuerer Zeit jetzt natürlich gewachsene durch die Mitglieder und das Konzept ist natürlich äh so ein bisschen auch
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Kunst und Kultur zum Mitmachen, ne? Das heißt also, wenn du Bock auf eine Veranstaltung hast und du bist Vereins
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und du möchtest was machen, dann musst du nur ein anderes Vereinsmitglied noch von deiner Idee überzeugen, wenn bei uns gilt, grundsätzlich der Grundsatz wenn irgendwie Vereinsmitglieder 'ne
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Veranstaltung durchführen wollen und da sprechen keine.
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Sonstigen Gründe, wie äh Terminüberschneidung oder sonst was dagegen, dann versuchen mal grundsätzlich alles, um das zu ermög
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chen, ne? Also man kann da auch mal zwischenzeitlich äh verrückte Ideen umsetzen. Das müssen nicht immer nur Konzerte äh äh
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Kunstausstellungen oder sonstiges sein, ne? Wir hatten da schon
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Bastelworkshops, Spielerabende, Brettspiel Brunch, in Anführungszeichen, Sportveranstaltung, auf unserem äh Sommerfest hatten wir äh die Brause-Jugendspiele irgendwie so ähnlich ähm.
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Rennen und Eier laufen, ne? Und unter anderem haben wir auch den Weltrekord für die längste vegetarische Bratwurst aufgestellt. Da kann man, glaube ich,
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bei YouTube immer noch Videos zu finden, wieder auf der gesamten Zimmerstraße Einweggrills gestanden haben. Äh die Brause war ja nicht alles, was ihr macht
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eigentlich war die Branche eben unser Vereinsheim. Aber der Verein dahinter heißt eben netzgerechnet für Kunstverein e. V. Und ist auch ein gemeinnütziger Verein und eingetragen und alles Pipapo, was dazu gehört
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wie es zu dem äh Namen Bronze gekommen ist, da ranken sich auch in München und Legenden drum. Ich glaube, die flausibelste war, dass eben diese Buchstaben, die lange Zeit bei uns im Fenster hingen
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auf dem Sperrmüll von den damaligen Vereinsmitgliedern gefunden wurden und man gesagt hat, aber die sind noch so toll, da muss man irgendwas mitmachen und das einzige, was sich daraus sinnvoll äh.
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Basteln, wie es war, wohl Browser
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Das heißt, in der Ruinen gibt es noch einiges zu finden, für spätere Archäologen, viele Fragen sind noch offen. Ähm, aber die Metzgerei Schnitzel als Institution besteht.
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Und was sind eure Ziele, was was habt ihr als Hauptinhalte des Vereins? Ja, wir sind ein äh Verein zur Förderung, junger Kunst und Kultur und das mit dem Jugend kann man jetzt so ein bisschen, zweischneidig natürlich sehen, es geht jetzt äh da äh hauptsächlich bei uns äh nicht
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unbedingt ums Alter, sondern drum, dass eben gerade quasi noch sich im entstehen befindende Kunst gefördert wird. Die ihr in der Vergangenheit in der Brause zum Beispiel auch gezeig.
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Also die Brause war ja nicht nur einfach euer äh Vereinstreff, wo ihr eure Sitzung abgehalten habt, sondern ein sehr öffentlicher Ort, der natürlich auch viel in Düsseldorfern in Änderung geblieben ist, nicht zuletzt wegen vieler Konzerte und andere Veranstaltungen, hast du ein paar Höhe
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te im Kopf. In der Konzertreihe ist natürlich sicherlich Stefan Honig äh besonders erwähnenswert, auf den ja auch
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äh diese hm brause Akustik ähm Konzertreihe zurückzuführen ist, der ja nun auch gerade auch wegen der Branchen über die Branche natürlich dann auch den We
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äh auf die großen Bühnen geschafft hat, ne? Also da waren im Laufe der Zeit, denke ich, viele Künstler äh Musiker
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sowohl Nachwuchstalente, die die ersten Schritte gemacht haben, als auch doch durchaus schon auf internationaler Bühne. Erfolg.
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Künstler, die immer wieder gerne in der Branche musiziert haben. Damit war es dann allerdings vor ungefähr einem Jahr vorbei und es kam dann relativ auch schnell zum Abriss des äh Hauptgebäudes, also vor allem des Bereiches, in dem hier vorne
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die Veranstaltung gemacht habt, wie ist es dazu gekommen? Kannst du ja was zu erzählen.
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Ja, das ist natürlich ein relativ langer Prozess gewesen. Ich glaube, das erste Mal ist das irgendwie Anfang zweitausendachtzehn an uns herangetragen worden durch unseren Vermieter, den Niko von der äh Automobilfaktor, der eben der
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äh des gesamten Tankstellen äh Geländes war. Und der ja auch seine Werkstatt auf dem Gelände hat. Ganz genau. Das eben ähm das Gebäude.
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Oder das Gelände verkauft worden ist und äh der Käufer ihm gegenüber signalisiert hat, dass der Pacht.
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Nicht verlängert werden soll, der wäre bis Oktober zweitausendzwanzig regulär gelaufen, das ist uns so mitgeteilt worden und ja, dann äh haben wir natürlich intern ein bisschen rumdisk.
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Ob man da nicht was machen kann und so weiter und so fort. Wir haben aber natürlich gesag.
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Äh äh irgendwie jetzt Horst besetzen und so, das sind für uns jetzt nicht so die Optionen und äh waren ja jetzt auch kein Krieg mit den Behörden äh losbrechen oder was auch immer. Und daraufhin haben wir
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hat gesagt, gut, dann müssen wir uns jetzt eben bis Ende zweiter oder müssen wir uns bis dahin umgesehen haben, nach einem neuen Objekt, wo hatten dann intern, das natürlich direkt besprochen, äh.
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Uns ähm drauf geeinigt.
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Dass man dann irgendwie relativ frühzeitig mindestens ein Jahr vorher mit der Suche anfangen wollen, nach einem geeigneten Ausweichobjekt.
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Und davor eben versuchen wollen, etliche Veranstaltungen, die wir äh ganz gerne in der Zukunft oder in der näheren Zeit noch geplant
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hatten durchzuführen, damit äh jeder, äh, der jetzt nur noch irgendwelche längerfristigen Pläne mit dem Raum, also mit der Branche vorhatte, die Möglichkeit hat, das auch äh zu realisieren. Dann ging's aber doch alles sehr schnell, wenn ich.
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Das Recht der innere. Ja, ja, das ging dann eben äh weiter. Also das war erstmal der ursprüngliche Plan.
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Und dann ähm muss es aber wohl so gewesen sein, dass der ähm neue Eigentümer dann eben dem Pächter von der Automobilfaktor in dem Niko äh ein Angebot gemacht hat. Wenn er eben früher aus seinem Pachtvertrag aussteigt.
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Dass für den äh, denke ich mal, so lukraktiv gewesen sein muss, dass das äh nicht abschlagen konnte. Ich kenne da keine genauen Zahlen. Das ist jetzt keine Spekulation von mir.
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Aber auf jeden Fall ist es dann eben so gekommen, dass wir dann kurz vor Weihnachten, ich weiß es nicht mehr genau, ich hatte auf jeden Fall schon Urlaub, das weiß ich noch.
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Erreichte mich ein Anruf von unserem damaligen Vermieter Nico, dass er eben uns jetzt äh zum einunddreißigsten fünften kündigen müsste und dass wir dann bis zum dreißigsten sechsten.
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Zeit hätten,
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äh leerzuräumen und zu übergeben, äh weil er sich jetzt eben mit dem neuen Besitzer geeinigt hätte. Der neue Besitzer ist ja die Projektimmobilien GmbH, die da ja auch was bauen wollen. Also, das Hauptinteresse ist, der wirklich an dem Standort auch ein Gebäude zu errichten.
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Dem ist wohl Soja. Jetzt äh ist das allerdings bei so einem historischen Gebäude, das ist ja auch ein äh optischen Reiz hat nicht unbedingt immer eine Entscheidung zwischen Käufer und Verkäufer, sondern äh das spricht ja auch die Denkmalschutzbehörde noch ein bisschen mit. Und es gab dann ja auch äh einige Diskussionen
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weil dann der Bagger ja auch sehr schnell anrückte und es wurde noch versucht über die.
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Denkmalschutzbehörde, äh, das ganze Vorhaben zu stoppen. Das ist dann aber gescheitert? Ja, nun, also ähm, nachdem das eben bekannt wurde, sich da von mehreren äh Seiten die Gemüter und man befand es eben als Schade dieses ähm.
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Mittlerweile sehr einmalige Bauwerk, äh diese ehemalige Tankstelle eben erhalten zu wollen.
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Und sind dann äh glaube ich unabhängig voneinander diverse Anträge auf Denkmalschutz bei der äh entsprechenden Denkmalschutzbehörde eingegangen
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Ähm, ich glaube, einer ist seitens einiger Vereinsmitglieder gestellt worden.
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Da bin ich jetzt aber nicht genau informiert, äh wer das war, weil das eben keine, kein Antrag
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vom Verein war, sondern eben eine private Initiative von den Mitgliedern oder von einigen Mitgliedern. Das war eine private Initiative. Unabhängig davon äh haben wohl auch
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die Grünen, soweit ich das mitbekommen habe und auch.
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Die SPD-Fraktion über den Stadtteilbürgermeister, Marko Siegesmund, wenn ich das jetzt richtig im Hintergrund habe, auch jeweils Denkmalschutzanträge gestellt, in denen es halt, äh, darauf ging, dass dieses ähm
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Gebäude eben wegen seiner architektonischen Einzigartigkeit äh.
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Erhalten bleiben sollte. Was denn aber alles nichts mehr geholfen hat und der Banger dann auch äh im Grunde zumindest den wichtigen Teil jetzt inzwischen schon lange eingerissen hat.
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Was aber nach meiner Information dann auch äh nicht weiterverfolgt wurde.
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Ja, das äh war, glaube ich, insgesamt eine sehr unglückliche Situation, weil es da wohl, äh, wie ich aus der Presse entnommen habe, zwischenzeitlich Gesetzesänderungen gab
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die bei ähm Bauwerken von der Größe.
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Der Bronze eben keine Abrissgenehmigung mehr erfordern, sondern ist da ausreicht, wenn man das äh der Stadt anzeigt, was der Eigentümer.
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Immobilien wohl auch gemacht hat. Ähm allerdings ähm wusste er da schon, äh, dass die Denkmalschutzbehörde eben äh bestrebt war
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das ganze Objekt unter Denkmalschutz zu stellen und da eine nur noch eine Anhörung dem ganzen.
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Im Wege stand quasi, wo der
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Bauherr oder äh Eigentümer, Projektimmobilien eben wohl eine Fristverlängerung beantragt hat und dann in dieser Fristverlängerung einfach angefangen hat, abzureißen
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dass ähm fanden wir natürlich moralisch äh höchst verwerflich, aber äh.
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Offensichtlich, so wie ich es äh in der Presse entnomme habe, gibt's da eben keine rechtliche Handhabe gegen.
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So schade, der Verlust des Gebäudes für euch und die ganze Stadt und die Kultur in Düsseldorf natürlich ist, hat es vielleicht den Asp
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des Kleintrostpflasters, dass sie im im Gegensatz zu vielen Veranstaltern im Moment keine Mietkosten am Bein hab
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die ja nicht durch äh Veranstaltungen wieder ausgleichen könnt. Was schon zynisch? Irgendwann wird es nach dieser Krise weitergehen und der Kulturbedarf wird auch wieder steigen. Was macht ihr dann? Ihr sucht wahrscheinlich.
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Und einer formenden Nachfolge, neue Räume für die Metzgerei Schnitzel. Ja, äh natürlich, wir suchen momentan neue Räume, das gestaltet sich natürlich nicht ganz einfach. Sag mal, wir haben jetzt zwei mehreren Objekt
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angefragt. Im näheren Umfeld der Bronze haben wir halt von potenziellen Vermietern gehört, ja, ihr seid ja grundsätzlich ganz cool, aber ihr seid uns zu laut und ihr seid uns zu dreckig oder was auch immer.
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Das wollen wir hier nicht. Äh das gehört nur die Nachbarn und ringt Umfrieden, ne? Also im Endeffekt fanden alle die Bronze cool und möchten ja auch um die Ecke haben, aber nicht vor der eigenen Haustür. Wie es auch so ist, ja.
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Wenn der Nachfolger, dass das äh Immobilienunternehmen euch in den neu zu schaffenden Räumen was anbieten würde, würdet ihr auf darauf zurückkommen? Also, es ist jetzt noch eine hypothetische Frage oder ist da das Handtuch für dich zerschnitten
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Wir haben das lange und breit äh diskutiert, weil da ja äh zwischenzeitlich mal.
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Äh so ein ominöses Angebot angeblich im Raumstand, die über diverse Kanäle wie Facebook et cetera äh und Pressereihe Post, WZ wie auch immer zu lesen war.
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Es ist eine ganz schwierige Situation, ne? Also ich war in äh unseren Augen, hätte man da im Vorfeld durchaus ein Gespräch mit uns suchen können, ja.
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Wenn das im Vorfeld so gewesen wäre, dass der Bauträger oder Bauherr äh.
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Da eben auf uns zugekommen wäre und hätte gesagt, äh wir planen hier äh.
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Was zu bauen und wir finden das eigentlich ganz cool, was ihr macht und wir wollen, dass das dem Stadtteil irgendwie erhalten bleib.
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Wir würden da ganz gerne mit euch ins Gespräch kommen, dann hätte man sich da sicherlich auch was einigen können. Jetzt ist es natürlich für uns so, ähm ja, da ist man uns also äh kalt in den Rücken gefallen hat, sage ich mal, dass ähm schöne Gebäude, an dem wir alle ein bisschen
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gehangen haben, wo wir sehr viele schöne Erinnerungen mit verbunden haben, äh einfach, ich sage mal in unseren Augen, äh, völlig unmoralisch, einfach abgerissen.
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Masse eben nicht äh so einfach wieder weg, indem du sagst, jetzt kriegste hier ein schickes, neues Räumchen und jetzt halt die Klappe.
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Also eher was anderes. Wenn ihr was anderes findet, wird das wieder Browser heißen. Ähm auch das ähm haben wir lange diskutiert. Ähm für uns ist das Kapitel Bronze, denk.
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Geschlossen, also irgendwas neues muss daher, ob's jetzt Brause zwei Punkt null oder äh irgendwie anders heißen wird, das wird sich dann zeigen.
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Gut, dann lassen wir uns überraschen, welche Buchstaben ihr da vor Ort findet.
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Irgendwas mit Brause, sollte es schon ähm bleiben, sonst müssen wir uns ja alle unsere T-Shirts und Turnbeutel neu drucken lassen, aber ja. Ja, sehr praktisch gedacht.
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Julian, äh vielen Dank soweit. Ich gucke euch die Daumen, dass ihr was Neues findet, auch möglichst dort in Nähe und wenn das ganze Leben wieder losgeht, finden wir uns alle wieder in der Bause zwei null ein
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Das war Julian Morrer, aus dem Vorstand der Metzgerei Schnitzel, die das Tragisch zu Ende gekommene Kulturobjektbrause betrieben haben, dass viele noch aus der Bilk Allee im Stadtteil Billk in Düsseldorf kennen. Vielen Dank Julian.
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Ja, bitte gerne, lieber Stefan. Herzlichen Musikwunsch. Mein Alltime Favorit von Iron Maiden, for the G.