Die Leichtigkeit der Kunst

Der Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” bringt dir regelmäßig unbefangene Kunstgespräche aus ganz Deutschland. Ich liebe es, die Kunst mit Achtsamkeit und Leichtigkeit zu betrachten und bin immer gespannt auf die Geschichte hinter den Werken. Im Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” schnappe ich mir Experten, die informativ & intim sowie augenzwinkernd & aufschlussreich erklären können. Und zwar genau dort, wo sie am leichtesten zu finden sind: in Museen, Ausstellungen, Galerien, Werkstätten und vielleicht auch mal hinter der Bühne. Dort spreche ich mit meinen Gästen über die Frage der Herkunft, Passion & Leidenschaft sowie über Biografien aller Art. Findet hier eure monatliche Inspiration für eine Begegnung mit Kunst und Kultur.

https://dieleichtigkeitderkunst.de/podcast/

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episode 1120: Ein Tag vor dem Winter [transcript]


Unsere – so gerade noch – „vorwinterliche“ Kunstpodcast – Reihe führt uns nach Ostwestfalen – in die Stadt des herrlich aromatischen Vanilledufts und der einst emsigen Leineweber. Wir sind in Bielefeld. Unterhalb der Burg Sparrenberg und fußläufig von der Bielefelder Kunsthalle gelegen, befindet sich die Galerie Samuelis Baumgarte. Wir treffen uns mit dem Inhaber und Geschäftsführer Alexander Baumgarte und unterhalten uns mit ihm über das Leben und Wirken der Künstlerin Ruth Baumgarte, die empathisch Menschen in ihrem fragilen Dasein darstellte, sich präzise und künstlerisch mit sozialen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen auseinandersetzte und ihre zahlreichen Reiseerlebnisse in Afrika eindrücklich auf die Leinwand brachte. Darüber hinaus zeigt er uns, welche wichtige Rolle Kunst für eine Unternehmenskultur mit Wohlfühlfaktor spielt. Natürlich nimmt er uns auch an die Hand und führt uns durch die von bedeutenden Expressionisten bespielte Ausstellung „Ein  Tag vor dem Winter“, dabei gewährt Alexander Baumgarte Einblicke in Werke von Emil Nolde und Gabriele Münter und schlägt eine spannende Brücke zu dem Wirken von Künstlerinnen in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts.

 


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 2020-12-20  1h11m
 
 
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Music.
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Unsere man kann ja noch gerade sagen, vorwinterliche Kunstpodcast-Reihe führt uns nach Ostwestfalen. In die Stadt des herrlich aromatischen Vanilleduft.
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Und der einst imsigen Leineweber. Wir sind in Bielefeld.
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Unterhalb der Burg Sparrenberg und fußläufig von der Bielefelder Kunsthalle gelegen, befindet sich die Galerie Samuels Baumgarte.
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Treffen uns mit Alexander Baumgarte und unterhalten uns mit ihm über die Künstlerin Ruth Baumgarte,
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empathisch Menschen in ihrem fragilen Dasein darstellte, sich präzise und künstlerisch mit sozialen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen auseinandersetzte und ihre zahlreichen Reiseerlebnisse in Afrika eindrücklich zu Papier brachte.
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Auch begleitet uns Alexander Baumgarte durch einen Tag vor dem Winter,
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wie treffend, denn heute am zwanzigsten Dezember zweitausendzwanzig veröffentlichen wir am Tag vor dem Winter den Tag, vor dem Winter, unseren zwanzigsten Podcast.
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Alexander, herzlich willkommen. Ja Claudia, schön, dass du nach Bielefeld gekommen bist.
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Ich möchte dich so gerne kennenlernen. Ja, das ist immer so ein Geheimnis mit dem Kennenlernen. Wie machen wir das.
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Ich könnte dich fragen, erzähl etwas über dich oder ich stelle dir gezielt Fragen.
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Es ist ja immer schwierig so ganz pauschal über sich zu berichten, man kennt sich ja oder auch auf der anderen Seite kennt man sich so gar nicht.
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Sind ja immer Entdeckungen, die man auch immer mit sich selbst und im Leben eigentlich macht, wo man steht, was mit einem passiert, gerade in allen möglichen Zeiten und.
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Vielleicht fragst du mich was, dann fällt mir vielleicht etwas ein, was dich interessiert oder was die Hörer ganz besonders interessieren könnte,
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Also ich sehe einen Mann mit einem aufgeschlossenen Blick mit einem auch fragenden Blick. Ich denke, dass du.
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Dich sehr, sehr gut mit Kunst auskennst. Ich denke, dass du dich auch sehr gut in der Wirtschaft auskennst,
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an dich würde gerne wissen, wo das herkommt. Hast du Wurzeln, die in der Kunst liegen und in der Wirtschaft?
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Also es ist ja so, dass letztendlich irgendwo man sagt, dass ja immer das steckt alles irgendwo in einem drin. Als wenn man als Kind heranwächst, hat man ja erstmal äh sein Bewusstsein eigentlich auf seinen Radius.
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Dessen, was um einen herum passiert mit den Eltern, mit den Geschwistern, mit den Freunden, mit der Lebenswelt eigentlich.
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Man entdeckt dann ja plötzlich irgendetwas, was einen ganz besonders interessiert und ich habe zum Beispiel dann in meinem kindlichen Bewusstsein damals entdeckt, dass meine Mutter Künstlerin,
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war und bin natürlich an dieser künstlerischen Seite groß geworden.
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Auf der anderen Seite war mein Vater, mein verstorbener Vater industrieller für Großkesselanlagen, Eisen und Stahl.
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Und das war irgendwie für mich immer wie so ein Abenteuerspielplatz, was der Manuel alles so machte.
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Und alles zusammen verbannt sich natürlich in unserem familiären Leben und es war.
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Immer sehr aufregend, sehr spannend, aber auch oft sehr gut behütet durch meine Mutter. Also ich.
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Würde schon sagen, dass ich ein äh eine glückliche Kindheit hatte. Zumindest weite Strecken,
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Jetzt ist es ja so, dass als Kind nimmt man das, was die Eltern machen, als normal war. Ja. Du bist zu einer Zeit aufgewachsen. Ich könnte mir vorstellen
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dass zu diesem Zeitpunkt noch eine klassische Rollenverteilung herrschte, der Vater geht arbeiten
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und die Mutter ist zu Hause. Wahrscheinlich hat deine Mutter nicht einfach nur den Pinsel ein bisschen über Papier ähm streifen lassen, sondern sie hat für ihre Kunst gelebt.
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Wie wie hast du das empfunden? Meine Mutter ist Künstlerin oder war das eine Selbstverständlichkeit?
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Das ist natürlich aus der Sicht des Kindes oder des Heranwachsenden ist das einfach gelebtes Selbstverständnis. Man wird ja mit dieser Situation
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die Künstlerin ist letztendlich an der Seite und es ist die Mutter und man beobachtet es ganz genau, was sie so tut,
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man stört auch oft bei der Arbeit, man darf das also nicht ganz unterschätzen, meine Mutter konnte das überhaupt.
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Sehr wenig tolerieren, wenn ich bei ihr ins Atelier ging und meine Kommentare zu irgendwelchen
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fertigen Bildern abgab und hat mich dann auch rausgeschmissen, hat gesagt, du, wir können über das Bild später diskutieren, wenn es fertig ist, aber jetzt male ich erstmal mein Bild und lasse mich hier in Ruhe. Das kann ich auch verstehen. Ich sage mal, sie war, ich sage mal, als Künstlerin
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bist du in allen Zeiten und insbesondere im zwanzigsten Jahrhundert ist eine Künstlerin, hat eine Künstlerin schon einen sehr schweren Stellengrad auch gehabt in der Gesellschaft,
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bin ja sehr sehr spät geboren worden, ich war eigentlich gar nicht mehr erwartet, meine Mutter sagte immer, ach, das hätte ich jederzeit ändern können
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ich wollte dich aber bekommen und das war letztendlich dann auch so, dass ich also relativ alte Eltern damals hatte, aber ich habe das nie so empfunden, weil meine Mutter war eine.
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Höchstattraktive Frau und man hat eigentlich sich nie vorgestellt, dass sie irgendwann mal sterben könnte, selbst noch in einem hohen Alter war ich also immer eher beeindruckt davon, dachte meine güte zur Frau mit dieser wahnsinnigen Kraft und was sie alles gemachte und.
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Wie sie eigentlich ein riesen Haushalt warf und ihrer Kunst noch nachkam und vielen anderen Ambitionen und ihren unendlichen Reisen,
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die sie immer wieder auch nach Afrika machte und plante und umwurf und immer wieder was Neues entdeckte.
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Das war schon irgendwie spannend und verrückt alles und äh so eine Frau in dieser in dieser Konstellation.
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Gut, die hat man natürlich verinnerlicht in dem eigenen Leben und meine Mutter hat dann ja auch noch eine Stiftung gegründet, die Kunststiftung Ruth Baumgarte.
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Äh jedes Jahr auch einen sehr hoch dotierten Preis heraus an einen wichtigen Nachwuchskünstler international.
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Hat es im vorletzten Jahr auch ein Goldin bekommen, die berühmte amerikanische Fotografin oder auch Marke Ahmed zum ersten Mal jetzt aus Afrika.
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In London groß geworden ist. Ja, das ist alles irgendwo eine wahnsinnige Verschmelzung von Aktivität her.
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Baumgarte, deiner Mutter, hm, wenn man sich ihre Bilder so anschaut, es wirkt, als hätten sie alle eine Botschaft, als wollten sie.
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Ausdrücken, setzt euch ein. Ich habe einen Titel gelesen, werde, der du bist. Ich habe ein Zitat gelesen.
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Auf ihrer Stiftungsseite, ich möchte das einmal ganz kurz wiedergeben. Mhm.
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Es ist von neunzehnhundertvierundachtzig mit meinen Bildern übergebe ich euch mein Leben, meine Ängste, meine Freuden, meine Sehnsüchte, Glück und Trauer.
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Mein Leben war ein bunter, verwirrender, aufregender und glaubt nicht etwa ein unglücklicher Film, der mich manchmal geängstigt, sehr oft amüsiert und niemals einsam gemacht hat,
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Ich habe gelernt, ohne Schmerzen zu verzichten, ich fühlte mich in mir geborgen. Ein Stückchen blauer Himmel, ein Vogelzwitschern, der Sternenhimmel, eine unverhoffte Freude,
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das war schon das Glück der Welt. Hast du sie so empfunden?
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Ja, absolut, weil ich sage mal, man muss immer berücksichtigen die Zeit, die ich mit ihr bewusst gelebt habe, war eine sehr intensive Zeit,
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zu ihrem Tod und,
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die Zeit die vor mir war und das ist der größere Teil des Lebens von Rotbaum Garte war natürlich von vielen vielen unterschiedlichen Eindrücken.
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Sage mal, beginnt mit der Zeit des Nationalsozialismus, des Krieges in Berlin, der Eroberung Berlins durch die russischen Truppen.
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Ihr Engagement für Roma, Roma und Sinti grundsätzlich für ausgesetzte oder auch außenstehende Menschen. All das sind auch viele Geheimnisse, die Roth Baumgarde gar nicht so preisgegeben hat. Und da sind Dinge, die ähm
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eigentlich in ihren Arbeiten sichtbar werden und durch die wissenschaftliche Forschung entdecken wir immer mehr und mehr. Aber sie gehörte letztendlich auch zu der Generation,
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die bestimmte Dinge vergessen wollte und die sie in ihren Arbeiten
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immer wieder aber hart aufleben lassen auf ihre ganz besondere, höchst eigene, subtile Art und.
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Sie hat das Leben in vollen Zügen auf der einen Seite auch genossen, sie war durchaus mit beiden Beinen stand sie im Leben, sie war eine sehr charakterstarke und sehr,
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unbestechliche Frau, eine völlig unmaterielle Persönlichkeit, das hat ihr durchaus auch Schwierigkeiten mal gemacht, aber sie war hat immer eigentlich so, wie man es eigentlich denkt, als Künstlerin gelebt, als Künstlerin gehandelt,
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vor allen Dingen als Humanistin und als Mensch. Das war das, was eigentlich mich mit ihr verbindet, ganz besonders und eine sehr intensive und auch.
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Starke Bindung, die wir zueinander hat.
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Du sagst, du bist recht spät geboren worden und ihr ganzes künstlerisches Schaffen spielte eigentlich schon vor deiner Geburt. Ja. Eine etwas größere Rolle. Ja,
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wollte sie von Anfang an Künstlerin werden? Ja, sie hat also mit drei Jahren ja bereits gezeichnet und ursp.
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Dann auch äh nach dem nach dem Krieg hat sie zum Beispiel ihre ganze,
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Ihre gehören zur Garderobe, das hat sie eigentlich immer bis zu ihrem Tod gemacht, selbst entworfen und die wurden immer für sie angefertigt, sie hatte ursprünglich auch mal die Idee.
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War ja ursprünglich hat sie ja beim beim Trickfilm auch im zweiten Weltkrieg gearbeitet, bei dem berühmten.
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Wolfgang Kaskeline, das war ein von den Nationalsozialisten geduldeter, jüdischer,
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Walt Disney in Berlin, also im Grunde genommen der, der Zeichenträgfilm Mann, den es im Nazireich gab und der war letztendlich
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durch viele Widrigkeiten in seiner Position geblieben und bei dem hat sie im Grunde genommen während ihres Studiums ihr Geld verdient und diese,
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wegweisenden, femographischen Aspekte hat sie dann für viele ihrer Illustrationen für Verlage und viele Zeitungen gearbeitet nach dem Krieg bis in die fünfziger Jahre hinein,
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umgesetzt und die Illustrationen sind eigentlich für ihr gesamtes Werk ganz entscheidend gewesen und daran arbeitet die Ruth Baumgartenstiftung grade sehr stark daran,
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auch diese wissenschaftlichen Aspekte aufzuarbeiten, um zu entdecken, wie ist das damals gekommen, was hat so ein Mensch erleb.
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Dass er im Grunde genommen bestimmte Arten und Stile auch in seinem künstlerischen Werk auch äh verändert hat und auch.
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Ja, so Botschaften gesetzt hat. Kannst du dazu schon etwas sagen? Ich kann dazu sagen, dass sie bestimmte Aspe.
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In der Darstellungsform, also dass sie zum Beispiel immer im Zentrum über große Figuren gesetzt hat, dass sie,
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Vordergrund und Hintergrund, also auf eine Art und Weise interpretiert hat, sowohl in der kleinen Illustration, aber auch später bei ihren großen Afrikabildern
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wo sie die Dramaturgie des Geschehens eingebracht hat und auch verschiedene Bildeben immer äh zumindest im afrikanischen Bereich und auch in ihren Aquarellen hat sie verschiedenste Bildebenen und und Tiefen dargestellt,
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wie man es manchmal im femografischen auch kennt. Aber auf ihre eigene Art. Und das hat sich durch ihren kompletten Werkzyklus durchgezogen
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wenn man es sich ganz genau anguckt in den ersten Illustrationen um neunzehnhundertsechsundvierzig bis zweiundfünfzig.
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Es immer wieder auch Anklänger an späterer Arbeiten, also sie hat ihre eigenen Illustrationen, die sie für für Bücher oder für große Zeitungsverlage eingesetzt hat, später selbst nochmal.
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Wenn nicht nur als Erinnerungsstütze aber auch für spätere Bildkompositionen verwandt? Ist das
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die Wut-Baumgarter-Stiftung, die wird jetzt durch dich geleitet. Ja und diese enge Zusammenarbeit mit der Forschung. Inwieweit ist das von Vorteil, dass du so nah an der zu erforschenden Frau dran bist, dass du sehr viel persönliches auch preisgeben kannst.
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Im Grunde genommen wird Rotbarm gerade dadurch unsterblich. Also für mich ist sie unsterblich, weil ich mich jeden Tag eigentlich permanent mit ihr,
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beschäftige oder auch durch die Stiftungsarbeit entdecke ich plötzlich Dinge, die ich vorher von Rotbaumgarten nicht kannte. Ich sage jetzt ganz bewusst, nicht von meiner Mutter, sondern von Rot-Baumgarten, weil
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Für mich öffnen sich auch Fenster im wahrsten Sinne des Wortes und Einblicke, die ich entweder vergessen habe, weil es mir als heranwachsender Mensch nicht wichtig erschien
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oder sie wurden auch bewusst nicht so kommentiert von meiner Mutter, ne
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Ich verstehe, du versuchst sie also nicht als Mutter zu sehen, sondern du versuchst die Künstlerin zu betrachten. Das muss ich in meiner Funktion als sie hat ja die ihr über tausendachthundert Werke letztendlich
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an die Stiftung übergeben und ich verwalte die auf Lebenszeit und es ist schon
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sagen wir mal ein Leben ist endlich, ein Leben geht schnell vorbei in einer kurzen Zeit muss man dann auch
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für so ein Nachlass die entscheidenden Weichen stellen, damit es auch nach einem weitergeht, ne? Jetzt verzeih wer nicht frage, aber also ich weiß, dass deine Mutter sich sehr mit.
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Sozialen Themen. Ja. Die sozialen Themen äh sozialen Ungerechtigkeiten auseinandergesetzt hat, hinterher
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sie das Unternehmertum das Arbeitertum sehr sehr spannend durchleuchtet, ich würde sogar sagen prägend,
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Und ähm dann ähm hat sie sich über einen sehr langen Zeitraum ihren Afrikareisen
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gewidmet oder ihren Eindrücken? Jetzt könnte ich mir vorstellen, wenn du die Stiftung betreust.
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Dass sehr sehr viele Werke vorhanden sind, sehr sehr viele Werke, aber jetzt in meinem ersten Gedankengang auch in Afrika noch verstreut sind in Anführungszeichen. Mhm.
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Mhm. Also man muss es anders sehen. Ich sage mal das Werk, das Frühwerk, was im Grunde genommen während der Akademiezeit von neunzehnhunderteinundvierzig bis sagen wir mal bis vierundvierzig, als die Akademie in Berlin geschlossen wurde,
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entstanden ist, ist nur ein Bruchteil, was sie überhaupt retten konnte. Meine Mutter hatte dann die Möglichkeit, neunzehnhundertfünfundvierzig als,
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am dreiundzwanzigsten April haben wir die sowjetischen Truppen Berlin und insbesondere den Ortsteil Karlshorst, wo für sie vor einigen Wochen auch eine Gedenkstäle errichtet wurde.
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Erobert.
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Und ihr das Haus in dem sie lebte, wurde mit vielen anderen zum Sperrgebiet der der Sowjetroppen ernannt und sie hatte dann die Möglichkeit, weil sie die erste Pressezeichnerin an der deutsch-russischen Zeitung war.
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Nochmal mit einer Sondergenehmigung einiger Arbeiten innerhalb von zwei Stunden aus ihrer Wohnung zu holen. Und ich glaube, sie hat die wichtigsten Arbeiten gegriffen, die ihr überhaupt wichtig waren,
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und viele hat sie auch zurücklassen müssen.
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Dann kam sie letztendlich ist sie nach Bielefeld gegangen, war ihr erster Ehemann, den sie neunzehnhundertdreiundvierzig geheiratet hat, stammte hier aus Bielefeld,
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kannte die Stadt nicht, es war Bielefeld war für sie nur mit Otto und Pudding verbunden etwas anderes kannte sie nicht. Und sie hat immer gesagt, ich kam aus dem völlig zerstörten Berlin in das völlig zerstörte Bielefeld,
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die Vorstellung war natürlich die Städte waren ja fast alle bis auf ganz ganz wenige Ausnahmen, die größeren Industriestädte so aus und.
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Dann hat sie ja viele Jahre zumindest sieben Jahre intensiv für ihre Mutter und auch ihre,
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Tante und Verwandte den Lebensunterhalt verdienen durch diese Illustration. Sie musste also zeitgenau bis zu zehn Illustrationen pro Tag für die unterschiedlichsten Medien zeichnen und das war,
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glaube ich, ein Marathon und das hat sie wunderbar auch bewerkstelligt, aber sie wurde dann auch in der Zeit sehr krank, also sie war schwer animisch, wahrscheinlich auch durch die,
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Hungerphasen, die hat fürchterlich gehungert, mein Bruder aus der ersten Ehe kam dann zur Welt und sie hat sich aber dann noch während der Schwangerschaft von ihrem ersten Mann getrennt, weil sie sich eigentlich hier in Bielefeld ganz unwohl fühlte.
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Und das war ähm die haben sie auch sehr schlecht behandelt. Sie war halt.
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Sie kam von außen und die Leute sind ja hier im Westen nicht unbedingt glücklich gewesen, als die Flüchtlinge alle kamen. Dazu hat sich nicht geändert bis in die heutige Zeit. Alles was von außen kommt, ist erstmal nicht gewünscht
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Ja und dann nach einigen Jahren lernte sie auf einer Portraitausstellung mit Kinderportraits.
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Hans Baumgarten kennen, für den sie, ich will das kurz erläutern, um auf diesen Punkt zurückzukommen mit den mit dem Industriezyklus, für den sie dann später letztendlich illustrativ tätig war, um natürlich auch wahrscheinlich Geld für sich zu verdienen.
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Und hat sich mit diesen Darstellungen von der industriellen Produktion und den Menschen in dieser industriellen Produktion als einzige Frau überhaupt in der Zeit.
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Beschäftigt. Aber man muss auch sagen, Hans Baumgarter hat ihr Berufsverbot erteilt. Sie durfte offiziell nicht mehr für die Magazine und Zeitungen insbesondere für die linksgerichtete freie Presse in Bielefeld tätig sein,
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weil er das für gesellschaftlich nicht opportun hielt und in der damaligen Zeit hatte eine Frau das zu tun, was ihr Mann wollte.
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Und es war ja auch so, dass der Mann noch bis weit in die sechziger Jahre hinein das Vermögen der Frau verwalten musste und konnte,
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eine wohlhabende Frau war ihrem Mann letztendlich ausgeliefert. Die Gedanken, die du vorher über deine Mutter geäußert hast, lassen vermuten, dass sie eine sehr freiheitsliebende Friede. Ja, sehr,
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Was hat das mit ihr gemacht und auch mit der Ehe, dass ihr Mann ihr verboten hat für etwas einzustehen, wovon sie überzeugt ist.
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Ich als Frau im Jahr zwanzig zwanzig finde das ein bisschen schwierig nachzuvollziehen. Das ist auch schwierig.
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Man muss sich das einfach vorstellen, also wir sind ja in einer Patchworkfamilie groß geworden, auch in einer sehr schönen, großen Villa, also wir haben,
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eigentlich alles aus der damaligen Sicht, was man sich vorstellen könnte, hatten wir letztendlich. Aber diese Ehe war,
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Ich glaube, meine Mutter hat immer gesagt, die ersten zehn Jahre waren schön und dann fing es an zu bröckeln. Es bröckelte aber aufgrund von verschiedensten
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in der Familie, Konflikte und ähm Situationen, über die man schwerlich jetzt sprechen könnte. Und ähm man muss einfach nur verstehen, es war eine Patchworkfamilie. Mein Vater hatte zwei Söhne aus seiner ersten Ehe, meine Mutter, hatte den.
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Äh Sohn auch aus ihrer geschiedenen Ehe und dann kam meine Schwester und ich noch hinzu.
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Und das war alles ein großes, verrücktes Haus, was zwischen Kunst und Industrie bewegte, also meine Mutter hat hier starke Verbindungen auch zum Theater,
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mein Großvater war ja Chef der Ufer und um Produktionschef der Ufer und sind,
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alles auch mit rein, aber auch seine etwas zwiespältige Zeit auch historisch gesehen muss man auch berücksichtigen und viele Frauen und viele Liebschaften, viele Situationen,
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und ich glaube, meine Mutter hat sich ganz gut,
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trotz dieser ganzen Widrigkeiten mit ihrem Leben und auch mit den Verrücktheiten, die sie selbst begangen hat durch dieses Leben manövriert.
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Also so muss man das einfach sehen und sie war Freiheitsdienst und die Freiheit, die sie brauchte, hat sie sich genommen,
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Als du mich eben fragtest, ganz schön. Ich hätte es ja, ich hätte es auch nicht verstanden, wenn sie das nicht getan hätte. Das ist schön, wenn ein Sohn das von seiner Mutter sagt, wenn ein Kind generell das über seine Mutter hat. Ja.
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Anfang sagtest du, gib mir eine Einstiegsfrage, um mich zu beschreiben und ich sage das jetzt ein Mann vor mir mit einem sehr aufgeschlossenen, neugierigen Blick
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Wenn du mir jetzt ein bisschen über die Historie deiner Familie erzählst, dann wundert mich das nicht, so viele Einflüsse, die lassen einen natürlich auch,
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nachhaltig neugierig auf das Leben und was da kommt, ähm, wirken.
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Du bist zum einen Sohn der Künstlerin Ruth Baumgarter und du bist aber auch Inhaber der Galerie Samuels Baumgarte. Mhm.
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Ich habe mich ein bisschen gewundert, warum sie nicht der Alexander Baumgarten heißt? Ja, das klingt nicht, weil mein damaliger Geschäftspartner mit dem wir die Galerie gegründet hatten, hieß Samuels und wir haben das Unternehmen dann einfach so stehen lassen
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So viele Jahre habe ich mich doch schon gefragt. Ja ja. Okay, du sitzt hier als Inhaber von Samuels Baumgarten. Mhm,
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eine Galerie, die zur Zeit die Ausstellung einen Tag vor dem Winter mit vielen Künstlern ist und Künstlerin Espressionismus.
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Präsentiert und auch, ich weiß gar nicht, wie ich das richtig formulieren soll, Inhaber der Art Consulting. Ja.
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Was ist denn die Art Consulting?
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Also es gibt zwei Unternehmen beziehungsweise es gibt drei beziehungsweise vier Unternehmen, die sich dahinter letztendlich vernetzen. Die Samuels Baumgartengalerie ist ja noch von meiner Mutter mitgegründet worden.
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Und wir haben seinerzeit, sie hat sich dann aber sehr schnell zurückgezogen, sie hatte ja die Vorläufergalerie neunzehnhundertfünfundsiebzig gegründet. Das äh.
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Hier in Bielefeld eine kleine Produzentengalerie. Das Fenster hieß das und da hat sie sich sehr engagiert für junge Künstler und auch für,
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Künstler einer vergessenen Generation eingesetzt. Aber sie hat sehr schnell begriffen, dass man also hier in Bielefeld mit einem normalen Konzept.
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Wenig Geld verdienen konnte. Also sie hat das sehr stark bezuschusst und sie hat.
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Viele Dinge so bewegt, aber es war für sie auch ein harter Kampf, also sich zu etablieren,
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weil sie eine Frau ist oder weil Bielefeld nicht so also wahrgenommen,
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Es war schwierig damals. Also sie hat das ja in den siebziger Jahren, sechs Jahren, vorher wurde ja gerade die Bielefelder Kunsthalle eröffnet, damals noch unter,
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Doktor Weißner äh geführt auf der große Pigasso-Ausstellung nach Bielefeld brachte. Da war das eine bedeutende Kunsthalle auch in der damaligen Zeit. Aber es war schon schwierig, hier Bielefeld war.
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Paperipherie,
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Kunstmarkt, ich sage mal, der Kölner Kunstmarkt wurde neunzehnhundert äh achtundsechzig glaube ich achtundsiebenundsechzig achtundsechzig gegründet. Das war der Vorläufer der Art Cologne. Ich sage immer, im Rheinland spielte letztendlich die Musik Westberlin hatte
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einen ganz anderen Status, das war besonders eigentlich auch, dass einige Galerien natürlich in Westberlin auch subventioniert waren und München spielte eine ganz große Rolle, ne?
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Also so in den sechziger, siebziger Jahren, so mit mit Schwabing und und all diese Dinge und,
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ähm das war auch der Grund, als meine Mutter hatte ja mal die Absicht sich auch von ihrem Mann zu trennen und wollte Ende der
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sechziger Jahre dann auch äh nach nach München umziehen, weil sie das irgendwo inspirierte da. Aber so ändern sich dann auch die Zeiten
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als ich damit anfing, ich habe ja als als Kind schon angefangen eigentlich Briefmarken zu kleben, auf den Einladungskarten oder Plakate auszutragen für die Galerie. Ich bin damit im Grunde genommen groß geworden. Ich habe da manchmal in der Galerie meine Schularbeiten gemacht und so weiter, also
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so wie man sich das klassisch vorstellen könnt. Berufstätige Mutter mit mit Kind und.
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Ja und dann eigentlich war das für mich klar, schon während meines Studiums Jura und dann später auch Kurzgeschichte noch studiert und.
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Dass ich eigentlich diese Galerie irgendwas mit der Galerie machen wollte und das war eigentlich traf überhaupt nicht den Geschmack meiner Eltern. Also da waren sie sich auch irgendwie komischerweise dann wieder einig,
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der Uneinigkeit des Alexander das also möglichst nicht machen sollte, weil das waren ja botlose Künstler und mein Vater hatte zwar eine Künstlerin geheiratet, das fand er auch ganz toll, attraktive Frau, begabte Frau, aber ja aber,
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beruflich sich dann auch noch mit den Kindern damit auseinanderzusetzen, das wollte man, glaube ich, nicht. Da hatte für seine Söhne aus erster Ehe ganz klar vorgegeben, was sie zu tun hatten,
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ob die das wollten oder nicht, das spielt ja auch gar keine Rolle.
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Da habe ich mich eigentlich ziemlich schnell abgekoppelt und habe dann gesagt, nee, also ich muss was anderes machen und will das auch und habe eigentlich mich in diesen Galeriebetrieb reingeschlichen, so muss man das einfach sagen. Meine Mutter wollte das eigentlich einstellen und ich habe,
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eigentlich genau die Räder in die andere Richtung gedreht und habe dann aber festgestellt und dass das eben die Situation gewesen.
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Passt mich eigentlich das Einzige, was mich mit der Industrie zum damaligen Zeitpunkt verbannt.
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Dass wenn ich mal die Gelegenheit hab meinen Vater auf Geschäftsreisen sozusagen zu begleiten.
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Und er bei irgendwelchen großen Firmen in Frankfurt oder damals noch,
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in Westberlin sozusagen Großkesselanlagen an an Schuldhals oder sonst was vermittelte und ich denn als der kleine Alexander in den Räumen da saß und rumlief,
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dass die Räume immer ungemütlich waren. Ich fand es immer irgendwie komisch. Ich dachte mir, sie arbeiten hier die Leute, ist immer sehr ungemütlich.
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Und das war eigentlich meine Idee, dass ich als ich die Galerie dann sozusagen in Bielefeld aufbaute.
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Internationalisierte, was zu Anfang sehr, sehr schwer war,
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die Kunstberatungsgesellschaft, die Art Consulting aufgebaut haben und da ist die Frage, die du hast zu sozusagen die Art Consulting ist aus der strukturarmen Situation damals aus Bielefeld entstanden.
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Dass wir versucht haben große Firmen und Investoren,
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an ganz unterschiedlichen Stellen deutschlandweit aber auch international anzusprechen und zu sagen ihr müsst etwas für eure Unternehmenskultur tun, dass Unternehmenskultur durch zeitgenössische Kunst aber auch.
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Konzeptorientiert gespiegelt wird. Also es hat immer etwas mit der Corporate Adentity zu tun, dass man überlegt.
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Welche Künstler können an welchem Ort, für welchen Unternehmenszweck, für welche Valies zum Beispiel stehen. Und das ist etwas, was wir dann parallel aufgebaut haben und.
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Was aber dazu geführt hat, dass beide Gesellschaften, sowohl die Galerie.
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Als Einzelfirma fungiert und die Kommanditgesellschaft der Art Consulting beide eigene völlig eigene und unterschiedliche Ausrichtungen haben. Die Galerie arbeitet ja mit.
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Festen Künstlern zusammen, die wir aufbauen und an Museen weitervermitteln, große Ausstellungen mit Publikationen machen und.
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Ist eben sehr spezifisch Architekturbezogen orientiert und,
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berät hat Investoren und Unternehmen bei dem Sammlungsaufbau, der bei der Ausstattung ihrer Firmenzentralen. Kannst du mir da zum Beispiel nennen, dass ich
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so ein bisschen mehr Bildschirme. Also beschreiben wir das Beispiel zum Beispiel. Die nennen das sich die Firma Müllermilch seinerzeit zur Kunst wach geküsst habe, die ihnen Aritzried sitzt und sich da das erste Mal hinfuhrt, da dachte ich erst, na ja ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die wirklich.
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Sie wirklich sich mit zeitgenössischer Kunst und moderner Kunst auseinandersetzen wollten, da wurde ich damals empfangen.
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Von einer jungen Frau, die saß am Empfang geben. Müllermilch hatte ja damals immer so ein bisschen so.
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Leicht fribole Werbung immer mit den Damen, mit den Leggings und High Heels und es war immer so ein bisschen.
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Müller, Milch und so weiter und ich kann mich nur das kleine Männchen. Ja, ja, ja, ja, ja, ja. Und das war schon sehr, sehr ambitioniert und die haben heute eine sehr, sehr große Kunstsammlung und letztendlich,
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kann ich durchaus stolz darauf sein, dass ich diese Bedarfssituation und auch diesen Wunsch sich mit
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Kunst für sein Unternehmen und gerade Theo Müller ist da definitiv ein ein Pionier gewesen.
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Also das ist ein Beispiel jetzt mal. Mit welchem Finger es an? Erinnerst du dich noch an das Premierenkunstwerk? Ja. Das Premierenkunstwerk war eine Gestaltung für die,
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Für die deutsche Telekom in Frankfurt Eschborn. Das Haus wurde komplett mit zeitgenössischer Kunstgestaltung, auch mit einer großen Außenraum zurü.
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Und warum hast du gedacht, die Außenraumskulptur passt perfekt zu dem Kunden.
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Diese Außenraumskulptur entwickelt wurde über ein Modell für diesen Kunden, also das ist etwas, was wir heute ja immer noch machen, dass wir also Entwürfe und Modelle,
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letztendlich, dass es häufig Künstler gibt, die sich mit der Unternehmenskultur einer einer Skeneusloky auseinandersetzen und das sind,
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häufig Kunstwerke, die für den Ort entstehen. Ah okay und du siehst dann also das Unternehmen, du wirst Kontakt haben zu Geschäftsführern und dann denkst du, woah, ich habe den und den Künstler in der Idee, das könnte gut familiär,
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vielleicht auch aus charakterlichen Gründen. Ja. Absolut. Und dann macht ihr euch bekannt und entwickelt gemeinsam ein.
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Ja, Strategieplan. Ja, also ich glaube, ich sage immer, wenn ich in ein Unternehmen oder in eine Architektur gehe.
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Der Funke sprengt mich in wenigen Minuten über, dann ist es ein Projekt, was mir keinen Spaß macht. Es muss mir auch Freude machen.
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Wenn ich nicht das Gefühl habe, dass es mich irgendwo reizt und dass es mich bindet und fasziniert und auch reibt.
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Oder wenn die Leute von Anfang an nur über Geld sprechen, was sie nicht ausgeben möchten, das ist auch so ein Thema, was ich nicht äh lohnenswert finde. Also man muss wissen, wenn man sich,
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Kunst umgibt, dass man auch ein bisschen dafür bezahlen muss und investieren muss, weil man investiert genauso in teures Bürodesign oder in eine Werbestrategie,
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und all das gehört mit dazu. Die Kunst ist Unternehmenskultur und sie bietet einen unermesslichen Stoff an an Kommunikationsebenen,
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und Kreativität auch für die Mitarbeiter. Das wird überwiegend auch für die Mitarbeiter in Unternehmen gerade gemacht,
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nicht nur für Repräsentationszwecke für Kunden und Besucher, sondern wir haben viele Konzepte auch äh realisiert, die sehr stark Mitarbeiter bezogen sind.
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Das bedeutet, dass die Mitarbeiter tatsächlich Ideen einbringen können. Wir stellen uns eine gewisse Farbe vor oder wir sehen das Unternehmen in.
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In einer gewissen Farbe, in einer gewissen Form oder ähm vielleicht nicht so, aber die Mitarbeiter haben schon Mitspracherecht über die Dinge, die,
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eventuell umgesetzt werden. Also es gibt ja bei uns Workshops, wo wir also ganz genau auch,
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mit dem Betriebsrat oder mit Vorsitzenden von Mitarbeitervereinigungen sprechen
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welche Richtung wollen sie gehen, wie wollen sie sich identifizieren mit der mit dem Unternehmen über die Kunst? Was wollen sie letztendlich sehen? Und häufig gibt's Mitarbeiter, erinnere mich auch an ein Unternehmen in Dresden, was wir beraten haben.
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Wo die eine Mitarbeiter war ganz, ganz schwierige Persönlichkeit erst und,
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die war so aufgebracht und konnte es gar nicht verstehen, dass das gemacht wurde und dann habe ich mit ihr lange gesprochen, habe ihr das er.
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War sie so glücklich und hat es so verstanden und das war ihre erste Begegnung eigentlich mit Kunzi.
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Dresden ist natürlich eine große Stadt der Kunst, aber man kann trotzdem nicht davon ausgehen, dass jeder Mensch gleichermaßen sich mit Kunst auskennt und man kann auch nicht.
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Ja diesen Anspruch als Kunstberater an die Gesellschaft stellen, dass man sagt.
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Das ist Voraussetzung, dass das jeder weiß. Ich sage mal, ich weiß ja auch nicht, äh wie programmiersprachen funktionieren und warum,
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wie Filme genau geschnitten werden und warum eine Produktion, die und die Dinge macht,
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sind einfach auch branchenspezifische Dinge und der eine interessiert sich für für bildende Kunst, der andere mehr für Darstellende Kunst und.
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Es ist zum Beispiel ganz oft so, dass wenn man mit Schauspielern oder Intendanten oder Sängern zusammenkommt, dass die gar nicht so eine enge Verbindung gerade äh wiederum zur bildenden Kunst haben
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Also hier meine Freundin Hannelore Robert zum Beispiel, die verbindet beides, sie malt ja auch selbst, ich habe auch mal eine kleine Ausstellung von ihr gezeigt und,
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wollte sie erst gar nicht und ist das einzige Bild, was mal gestohlen wurde aus bei einem Transport von Hannelore Hora. Es war schon äh beachtlich, ja.
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Und es ist nie wieder gefunden worden. Ich habe da meine eigene Theorie zu, aber äh magst du die verraten? Äh äh weiß ich nicht. Das ist muss irgendjemand gestohlen haben, der,
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unbedingt so etwas haben wollte,
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weil ähm es hat ja kein in dem Sinne nicht so einen hohen materiellen Wert, aber es ist ein ideeller Wert eben, dass man ein Bild von Hannelore Hoga um sich hat,
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das ist so ein wie so ein Kunsträuber, der sagt, ich möchte unbedingt dieses Bild in diesem Museum haben, weil ich es um mich haben möchte, ne? Gibt ja so verrückte Kriminelle Kunsträuber, die das,
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rein subjektiv sehen. Wie hat Hannelore Hoger darauf reagiert? Wie war Tod unglücklich? Und ich hatte auch das Gefühl irgendwie, dass ich.
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So eine kleine Mitschuld hatte, weil ich wollte unbedingt, dass sie dieses kleine Bild nämlich auch noch mit in die Ausstellung gab, weil sie hat ja immer gesagt, das ist mein Lieblingsbild und das ist etwas, was mich da habe ich dann dran geknackst und da dachte ich immer, meine Güte um,
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ein Foto geschickt eines neuen Bildes und.
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Wir kommunizieren manchmal das Bild und ich, weil es hat dann so einen besonderen Namen. Beschreib doch mal kurz. Cookie heißt das,
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und sie hat ein neues Bild gemalt, das, sie hat eine sehr schöne, eigentlich ganz eigenwenige Art der Bildsprache, die auf der einen Seite mit dem Expressionismus zu tun hat, aber auch durchaus,
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südamerikanische Einflüsse hat, also jetzt nicht unbedingt, wenn ich an Frieda Carlo denke an die berühmte südamerikanische Malerin, aber es hat so,
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bestimmte Ausdrucksweisen, wie man sie von zeitgenössischen oder Künstlern des zwanzigsten Jahrhunderts aus Südamerika.
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Wird Cookie irgendwann hier in deiner Galerie. Das glaube ich nicht. Äh Cookie ist unsere unsere Brieffreundschaft jetzt gerade mal. Aber ich werde Cookie mehr natürlich ansehen, wenn ich sie besuch.
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Jetzt waren wir eigentlich bei der Art Consulting Unterricht. Entschuldigung, kleinen Experten. Ja. Spannendes. Ja. Ich liebe diese Art. Ja, ja, das, das geht dann immer so rein, das Kretsche rein, aber die Art Consulting ist dann letz.
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Also wir haben sehr, sehr viele große Unternehmen, dann Bertelsmann und Axelspringer und die Helmoltzentren und andere Institutionen immer wieder beraten,
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für künstlerische Gestaltungen an ganz unterschiedlichen Stellen oder in Frankfurt den Platz der Einheit mit der großen sich schneidenden Lichtskultur.
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Gegenüber des ehemaligen Hotels hessischer Hof. Ich glaube, das ist geschlossen worden, was ich sehr mich sehr betroffen hat eigentlich.
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Das ist irgendwo so 'ne Landmarke im Zentrum von Frankfurt gewesen und wir haben so viele Projekte gemacht, ich weiß es eigentlich alles gar nicht mehr, es die Reihen sich so im Leben aneinander und.
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Jedes wird von einem anderen und manchmal mehrere Projekte auch parallel natürlich bewegt, ne? Und wenn du dir überlegst, du bist damals als du hast dich selber als der kleine Alexander geschrieben, der in diesen ungemütlichen Räumen unterwegs war und man bleibt hier irgendwo auch noch.
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Sein eigenes Kind, das das kann man ja nie ganz. Der ist immer noch da, der kleine Alex
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und wenn du dir jetzt vorstellst, wie das deine Alexander ist vor zwanzig Jahren Augenzwinker. Ja. Ja, ja. Durch die ungemütlichen Räume gegangen. Mittlerweile hast du es geschafft. Charmant, ja. Ja,
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Ja, ja. Ähm bundesweit hast du es geschafft, so viele Unternehmen und auch Plätze zu prägen. Ja.
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Da kann man diesem kleinen Jungen sehr, sehr dankbar sein.
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Aber der kleine Junge hatte nie Angst, der ist einfach immer gelaufen und hat geguckt, was kann er jetzt machen? Und wenn eine Tür vor dem kleinen Alexander zufällt, das ist heute noch so, dann weiß Alexander, wie er die Tür irgendwo an einer anderen Stelle wieder aufsäg
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Weißt du, dass das mein Lieblingsmotto ist? Ja, das das kann sein, das ist so ein Lebensmotto, ne? Ja, genau. Wenn sich eine schließlich nicht unterkriegen lassen, also äh,
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Das ist immer, wenn die die Leute mich unterschätzen, das dürfen sie nicht. Also das ist,
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manche denken das können's dann erstmal versuchen mit einem oder einen Versuchen hinters Licht zu führen oder zu übervorteilen. Aber das erkenne ich schon sehr, sehr früh und sehr schnell und.
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Die anderen, die das versuchen mit mir, die bemerken das gar nicht, dass ich's längst durchschaut habe. Ja, ja, das ist so,
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So und du hast Consulting gegründet. Aufgrund der eines. Ja, im Grunde genommen, ja, das ist so ein so ein Lebenstraum gewesen und heute berät die Art Consulting auf viele private Investoren, also gerade wenn du jetzt zum Beispiel ein ein großes.
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Der durchaus. Jetzt werden wir in München bleiben am Starnberger See, wunderbare Häuser oder wir haben gerade einen Anwesen auch äh bei Frankfurt und am Tegernsee gestaltet.
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Leute ähm.
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Eine neue Lebenswelt bauen lassen oder ein großes historisches Gebäude, vielleicht ein schloss ähnliches Haus umbauen lassen und sagen, wir brauchen unbedingt dafür auch Kunst und wir brauchen Beratung. Wir.
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In diesem Geflecht des Kunstmarktes nicht so zu Hause, weil.
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Man muss nicht unbedingt davon ausgehen, nur weil Menschen vermögend sind, dass sie gleichzeitig auch immer.
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Mit dem Kunstmarkt diese Verbindung habe, die brauchen auch eine Beratung. Das ist genauso, wenn ich jetzt zum Beispiel Antiquitäten,
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heute noch sammeln würde, was ich also höchst selten noch machen würde, weil ich nicht, damit bin ich groß geworden und man weiß, was man hat letztendlich und aber Antiquitäten sind heute auch durchaus gut fäschbar und,
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oder auch andere Dinge, da muss man einfach extreme Expertise haben und da würde ich mich auch beraten lassen.
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Oder Oldtimer zum Beispiel, ist auch ein faszinierendes Thema, was manche Menschen berührt.
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Ich guck mir die zwar gern an, aber ich möchte keinen haben. Na, der Geruch ist so schön, ich bin auch mit welchen schon gefahren, aber dann bleibt man unter Umständen irgendwo liegen und ich bin technisch nicht sehr begabt und dann weiß ich, man muss eigentlich ein Schrauber sein oder man muss jemanden bei sich haben, der schrauben kann.
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Diese Autos dann auch immer wieder in Ordnung bringt. Und ansonsten stehen die ja nur in der Garage, wenn bei schönem Wetter rausgefallen. Ich finde die faszinierend anzugucken, also aber.
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Weil ich habe du. Was? Ja. Ich habe mal einen restauriert.
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Unglaublich, ja. Hier bei dir zu Hause oder in meiner Heimat. Ein warte, ich hoffe, ich sage jetzt richtig,
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eine Alpha, Romeo, Julia, Super Nova, sechzehnhundert. Schön. Neunzehnhundertvierundsiebzig in Alpha Roth.
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Ich hatte mein Alpha Romeo, der war aber schwarz. Ah, okay. Das ist ein kleiner Panzer. Mit Holzlenkrad,
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Ja, aber nein, ähm nee, nee, bin ich also ich bin dem äh Charme der der Oldtimer noch nicht da liegen.
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Ja, es war bei mir auch eine einmalige Aktion.
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Ja. Und dann gehst du hin, ich könnte jetzt als Privatperson, also ich hab jetzt grad nicht ein Schlösschen zur Verfügung, aber wenn ich jetzt an mein Zuhause denke, dann könnte ich mir vorstellen, Mensch, ich möchte mich gerne mit Kunst geben, ich habe so eine gewisse Vorstellung, ich mag zeitgenössisch ganz gerne, ich mag so auch,
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Pressionismus mag ich ganz gerne. Habt nicht so viel Ahnung und dann komme ich zu dir, schäme mich vielleicht im ersten Moment. Ich denke, oh Go
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Alexander weiß extrem viel, ich weiß nichts, unternimmst du mich an die Hand und sagst komm wir gehen einfach mal durch deine Räume und schauen was passt und dann entwickeln wir gerade.
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Man muss das ganz so viel machen, weil weil man darf nicht das Gegenüber überfordern. Man muss erstmal gucken, wo wo hole ich den Menschen ab, der sich für das Thema schon, dass der Mensch sich dafür interessiert für Kunst und
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ist ja schon eine Bereicherung. Ich sage mal der Ansatz, es machen zu wollen, ist schon
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den Berater oder für den Kunstliebhaber ja eine Bereicherung und da muss man schauen
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Wie kann ich den Menschen letztendlich da abholen, da weiterarbeiten und das Passende für ihn finden, aber er muss auch das Gefühl haben, dass er es selbst entdeckt und,
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da versuchen wir natürlich mit unserer Expertise und auch mit den Kunsthistorikern, mit denen wir hier im Haus zusammenarbeiten, das so herbeizuführen, dass der,
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Sammler, Kunde, Kunstkäufer, so nenn ich ihn mal.
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Das eine bedingt nicht unbedingt das andere langfristig Freude daran hat und auch sich geborgen fühlt mit der Kunst. Es geht immer nur über das Gefallen und.
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Gefallen und der Wert müssen sich dann miteinander verbinden. Es darf nur nicht wertlos sein und es muss Qualität sein, aber es geht.
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Um Emotionen, Kunst ist Emotion. Ich finde das einen schönen Vergleich, Kunst muss geborgen sein
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Ja. Natürlich, du bist ja in deinen eigenen Räumen, also jetzt immer noch von einem Privatmenschen aus. Mhm. Wirst du in deinen eigenen Räumen und du möchtest da ja nicht eiskalt berührt werden oder in dem Fall dann eben nicht berührt werden, sondern du möchtest es behaglich machen. Ja. Und.
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Kunst ist da sehr unterstützend tätig. Absolut.
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Es gibt immer Räume, wo wo du musst dich ja erstmal da für dich selbst wohlfühlen und.
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Es gibt Menschen, entweder sie richten sich selbst ein.
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Oder sie haben Berater das zu tun, aber oft haben die Interior-Designer gar nicht und das ist ähnlich wie beim Theater im im Blick auf die auf die bildende Kunst.
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Haben die Intereor Designer gar nicht so die Expertise zur Zeitgenössischen Kunst und wissen auch gar nicht, was man da genau machen kann. Letztendlich ist denen dann eine stoffbespannte Wand, die sie verkaufen können, lieber als ein originales Kunstwerk.
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Also da muss man dann auch Aufklärungsarbeit leisten und man muss auch den.
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Kunstkäufer letztendlich die Augen öffnen darüber, wo man also schöne Wände und Möglichkeiten hat.
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Sich vielleicht langfristig dann doch anders positioniert, als nur ein Sideboard oder ein.
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Einen großen teuren Spiegel hinzuhängen. Ist das ein Bereich, wo ihr auch zusammenarbeitet mit den Interessen? Ja. Interior. Ja, Interior Designern ja. Also wenn es hochwertige, beziehungsweise es müssen so Tele-Interior-Designer sein, es muss,
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Stimmung zwischen dem Interior Designer und uns muss wirklich sehr, sehr stimmig sein, es muss eine eine Synergie da sein, es muss auch ein Selbstverständnis sein,
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Qualität und auch vom Sehen und vom Gefühl auf den Kunden und,
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Das ist das Entscheidende, weil wenn das nicht gegeben ist, läuft es aneinander vorbei. Also, wenn ich jetzt davon ausgehe, ich habe vielleicht schon ein Zuhause, vielleicht auch kein Eigenheim, ein eine sehr, sehr schöne Wohnung.
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Und ich habe nicht die Möglichkeit mit einem gibt es ein ein anderes Wort für Interior Designer oder spreche ich's richtig? In Architekt. Innenarchitekt, genau. Sonst.
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Stolpere ich sofort. Freiraumplaner wäre dann das Synonym für Gartenarchitekt.
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Okay, ich probier's nochmal mit Interior Design. Nein, sag wo ich in Arch in versteht jeder. Ich hab da jetzt nicht die Möglichkeit ich hab auch nicht so das Budget um den den kompletten Raum zu bespielen, sondern ich möchte erstmal,
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anfangen, ja. Was man oft tut. Genau. Jeder fängt mal an. Wie ist dann der erste Schritt,
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dann überlegt man erst einmal, was kann man optimal für den Sammler, Kunstkäufer in seinem Raum ermöglichen und man muss anhand des Budgets gerade wenn jemand vielleicht noch nicht ganz so viel investieren möchte.
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Man einen jüngeren oder auch noch nicht ganz so bekannten Künstler mit aber mit einer interessanten Biografie versucht zu vermitteln, wo man nach heutigem Stand voraussehen kann, dass er sich auf der Stufenleiter des wachsenden Erfolges.
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Und würdest du hingehen und sagen, man muss immer mit dem Wohnraum beginnen oder ist das
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siehst du durchaus auch mal andere Räume? Es hängt immer da vorne ab, wo wo der Auftraggeber letztendlich die Schwerpunkte setzen möchte, aber natürlich ist das ist der Eingangsbereich oder der Wohnraum immer das Entscheidende,
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wobei ich auch Schlafzimmer sehr wichtig finde, aber ich kenne auch äh Kunden, die sehr teure Kunstwerke in ihren Baderäumen haben, auch das gibt es.
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Also es gibt nichts, was es nicht gib.
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Wie spannend, wenn ich ihr hast schon so viel erzählt von so vielen Kontakten, die du hast. Ja. Mit Privatpersonen, mit Unternehmern, mit Mitarbeitern. Genau. Ja. Ist es das auch, was deine Arbeit so faszinierend macht?
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Nur in Anführungszeichen
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Kunst und die Kunst zu vermitteln, sondern auch diese unterschiedlichen Menschen. Ja, die die der Kontakt zu den zu den Sammlern und Kunstkäufern ist
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für mich ganz entscheidend. Also es gibt da auch private Beziehungen, wo man sich einfach nur unterhält oder.
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Visionenaustausch, manchmal ist mir auch das Gespräch auf einer anderen Ebene. Also es gibt bestimmte Sammler, das sind so meine meine Lieblingspersönlichkeiten und,
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würde ich natürlich jetzt in keinster Weise hier charakterisieren oder darstellen, aber es gibt also eine Handvoll, die sind mir sehr nah.
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Ja. Würdest du deine Leidenschaft eher in der Zeitgenössischen Kunst sehen.
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Sowohl als auch. Also ich möchte mich da eigentlich gar nicht so festlegen, also finde das ist auch schwierig. Man, wenn man die zeitgenössische Kunst liebt
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dann liebt man letztendlich auch die Kunst der vorhergehenden Jahrhunderte, weil die zeitgenössische Kunst baut darauf auf.
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Und letztendlich ist das ein ganz entscheidendes äh äh Kriterium und wenn man.
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Viel Reiz und ich bin immer sehr, sehr gerne, wir sind viel unterwegs, auch sowohl privat als auch geschäftlich und,
44:55
Man entdeckt immer wieder neue Dinge, ob wenn ich in Italien bin zum Beispiel oder ich bin in Spanien oder in Amerika oder wo auch immer, gibt es immer wieder neue Anregungen von Künstlern oder selbst bei Instagram habe ich kürzlich ein,
45:09
jungen Fotografen entdeckt, der äh in der Nähe vom Bodensee leb,
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Also der, wo ich die Arbeit auch hochinteressant und spannend finde und da gibt's immer wieder man muss immer neugierig sein
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ist dein Zuhause so bunt wie ich es, ich meine das jetzt gar nicht im Sinne von farbenfroh, sondern eher abwechslungsreich
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Stücke von Reisen, Stücke vielleicht hier in dem Haus, die du auf einmal gedacht hast. Ich lebe ja so mehr oder weniger in einem Generationenübergreifenden Umfeld. Also ich.
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Sowohl moderner als auch wunderbare Antiquitäten und ich habe auch äh ich sage mal ganz modernes Porzlan, aber ich habe auch alte alte Stücke. Also es ist so, dass man eigentlich alles miteinander verbindet und jetzt grad so in der Weihnachtszeit.
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Sage mal, wenn man alles geschmückt hat, also ich bin schon ähm.
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Eigentlich liebe ich das so ein bisschen romantisch auch zu haben. Also es ist alles sehr schön geschmückt und auch sehr gemütlich und auch anheilend und,
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ich vergehe mich auch gerne im Blick dann, dass ich mich dann einfach mal in Sessel setze und dann mir dann das angucke, was man dann tagelang vorher geschmückt hat.
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Hängst du Bilder schon mal um bei dir zu Hause? Ja, aber weniger eigentlich. Es kommt drauf an, in welchen Räumen in manchen Jahr, in manchen auch gar nicht,
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und,
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Es gibt ja in der Architektur sagt man Fluchten. Ich weiß nicht, ob das jetzt schon zehn Jahre alt ist, aber auf jeden Fall, wenn du in Architekturzeitschriften schaust, ne, man sieht ja immer, Fluchten, vier Grade und so weiter, es werden immer Empfehlungen gegeben. Ne, mache ich nicht. Und ich auch nicht.
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Also ich finde das schon ganz schön, wenn man mal irgendwo eine gerade Linie hat. Aber ich habe auch Bilder, die hängen über eine russische Hängung, ganz viele durcheinander Malerei zwischen Nebenfotografie und ein Objekt ist dazwischen und dann liegt da irgendwie.
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Alter Zylinder noch auf einer Trube und so. Also das sind alles Dinge, die irgendwo zusammenlaufen müssen. Genau, darauf wollte ich hinaus, gibt es eine Empfehlung für eine Hängung oder ist die Empfehlung eher
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schau, was es dir gibt, wie genau, wie wie ist dein Empfinden ist? Ja, man muss sich das einfach erstmal hinlegen. Man muss sich das überlegen,
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gehe mal zum Beispiel den Wand gestalten will, dem könnte ich zum Beispiel dem Tipp geben, wenn er viele kleine Bilder hat.
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Legt ihr auf den Fußboden und guckt dir die arrangiert das am Fuß auf dem Fußboden erstmal und dann kannst du in der Aufsicht aus der aus der Vogelperspektive sehen, wie sieht es aus und so hängst du es dann.
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Mhm.
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Das kann gehen, das ist wie so ein Schachtbrett, man muss es einfach. Man muss Stimmungen in den in den Kunstwerken miteinander verbinden. Es findet sich letztendlich alles,
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wie ist das für dich, wenn du auf einmal merkst, du hast eben von der Mitarbeiterin gesprochen in einem großen Unternehmen
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und die erst irgendwie ja da vielleicht etwas weniger aufgeschlossen reagierte und auf einmal öffnet Testo ihr die Augen. Und diesen Moment, den wirst du ja sehr, sehr oft spüren.
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Ja, bei ihr habe ich's ganz besonders gespürt, weil sie einem so authentisch war. Sie war so so sperrig und und rau und äh.
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Die Dresdner können ja manchmal sehr nah sein, aber sie können auch sehr abgeschlossen sein und.
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Kunst von außen in Dresden zu vermitteln ist ganz schwierig. Die Dresdner empfinden ihre Künstler als das Wichtigste und es gibt eigentlich gar nichts anderes außerhalb.
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Wir haben einige wirklich herausragende Künstler und auch ich sage mal man darf nicht vergessen, Kokoscarter an der Akademie und Otto Dix und und.
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Also das sind schon wichtige Leute gewesen, aber nichtsdestotrotz, in anderen Gegenden gibt es auch viele gute Künstler und,
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finde es auch nicht wichtig, dass ein Künstler unbedingt jetzt nur in Berlin leben muss oder nur in Paris, sondern es kommt immer drauf an, was macht der Künstler, ne.
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Ja, vielleicht ist es sogar auch limitierend, wenn man sagt, er ist nur an einem, an einer Stelle.
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Mich meine Reisen prägt, unterschiedliche Orte prägen. Du hast es ja in deiner eigenen Biografie auch so erlebt.
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Ja, ich denke schon, dass man nicht jemanden auf einen Ort fixieren muss. Nein, aber ich sage mal, ich denke jetzt gerade an ein,
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Berliner Maler auch, den wir nächstes Jahr im Frühjahr ausstellen werden, ähm ist das und.
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Hat an eine Fabrik gelebt in einer so einem Fabrikatelier in einem Stadtteil von Berlin und da fahren wir also ausgesprochen immer gerne hin,
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ist also krimireif die ganze Kulisse dort und ich könnte mir immer vorstellen, da kann ich mir auch irgendwie,
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und spannenden ähm Thriller vorstellen auf dem Gelände und,
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Das sind so Begegnungen mit Menschen, die einen immer wieder irgendwo weiterbewegen und die dann auch immer auch mit dem eigenen Leben zu tun. Man haben manchmal, manchmal entdeckt man ja in den Bildern auch.
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Persönliche Bezüge wieder, ne.
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Persönlicher Bezug. Ich habe das eben schon gesagt. Wir sind heute, zwanzigster Dezember, na ja, wenn wir ganz ehrlich sind, wir sind ein bisschen vorher. Ja, aber wir wir sind jetzt einfach mal in der Zeit. Genau, genau, zwanzigster Dezember, ein Tag vor dem Winter. Ja.
49:58
Das ist jetzt grad die aktuelle Ausstellung in der Samuels Baumgartengalerie.
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Wenn wir jetzt die Situation, dass wir seit einigen Tagen jetzt durch den erneuten Lokdown die Ausstellungsräume zum ersten Mal wieder schließen müssen.
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Das heißt, die Ausstellung steht auch und wir legen also größten Wert im Moment, das Team darauf, die Ausstellung auch nach außen immer wieder sichtbar zu machen, auch,
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den durch Instagram und Facebook und durch die anderen Medien und natürlich auch durch unsere heutige Sendung und das, was du uns, was du mich fragst und was wir den,
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und Lesern sozusagen weitergeben können. Für mich an die Hand nehmen, gedanklich natürlich jetzt sehr gerne an die Hand nehmen und wir gehen da praktisch jetzt sozusagen.
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Also wenn wir uns jetzt vorstellen, dass wir jetzt ja gerade hier in unserer großen Galerieküche sitzen und wo.
50:48
Die Mitarbeiter sonst immer eigentlich sitzen und ihre Mittagspause machen, wo wir aber jetzt vielleicht bei Kerzen, Licht und Keksen sozusagen sitzen.
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Können wir natürlich da durchgehen, das ist eine hochkarätige Ausstellung von Klassikern der Moderne, also sowohl von äh.
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Auf der einen Seite von Brückenkünstlern wie Ernst Ludwig Kirchner Heckel, Schmidt-Rottlow.
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Aber auch blauer Reiter wie Gabriele Münter bis hin zu Max Liebermann und das sind wichtige Gegenüberstellungen
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haben eigentlich diesen Tag einen Tag vor dem Winter, ist eigentlich ein imaginärer Titel, ne? Man muss sich überlegen, die diese Künstler, das sind auch alles Werke, die eigentlich nur bis neunzehnhundertfünfzig entstanden sind, also schon absolute Kostbarkeiten, wie auch Nolde
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im Moment extrem im Wert wieder gestiegen ist über die großen Auktionen auch in New York, der,
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für Noll äh hat fast acht Millionen gebracht, gerade ein ein kleines Gemälde von neunzehnhundertdreizehn.
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Also um neunzehnhundertdreizehn. Ich will mich jetzt nicht festlegen, aber und solche Werke sind natürlich hier zu sehen und das sind schon Topstücke und.
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Diese Künstler haben in der damaligen Zeit, ich sage mal durch.
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Pression, Nationalsozialismus, zweiter Weltkrieg, äh die haben eigentlich in ihrer Zeit alles gegeben, um auch die Kunst.
52:13
In mit und durch die Kunst alles auszudrucken, was überhaupt ging für sie und.
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Es wird immer davon gesprochen, wir haben die schwerste Krise nach neunzehnhundertfünfundvierzig im Moment. Und vielleicht war das auch der Anlass, zu sagen, ja.
52:30
Die Situation ist die, dass man letztendlich die heutige Zeit auch als Herausforderung für das Kreative wieder seht.
52:39
Was diese Zeit, die uns jetzt aktuell bewegt, künstlerisch bieten wird. Das werden wir sehen, ob das nachhaltig sein wird oder ob Menschen, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.
52:51
Aber der Enthusiasmus, der bei den Künstlern war, gerade zu der damaligen Zeit und auch der Kampf des Überlebens und auch der der die Freude zur Darstellung auch in kritischen Zeiten und am Abgrund letztendlich.
53:06
Sollte das auch zeigen letztendlich und dass die Menschen sehen, dass man auch in der jetzigen Zeit gerade so eine hochkarätige Ausstellung zeigt.
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Weil es ist nicht so gerade mal,
53:17
dass man gerade in ein Lager geht und diese Kostbarkeiten, die aus aus der ganzen Welt kommen, hier nach Bielefeld gekommen sind, dass man die so ohne weiteres jederzeit zeigen kann. Das sind schon.
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Hochkarätige museale Werke. Und sie sind alle zum Verkauf. Die sind alle zum Verkauf ja.
53:34
Darf ich mal was fragen, aber ich weiß nicht, ob ich in ein Wespennest steche? Hm, Emil Nolde. Ja, ist ein Hochkaräter. Ja.
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Wenn man jetzt mal so ein bisschen einen Blick auf sein ja.
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Sein Leben und vor allem auch seine Einstellung. Ja. Wirft, dann ist er ja würde ich sagen hätte ich da glaube ich meine Probleme mich mit ihm zu unterhalten.
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Warum ist er trotz seines Hintergrundes so stark bewertet.
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Also einmal ist das eine herausragende Maler überhaupt. Ich sage mal, seine Aquarelle und auch seine wenigen Ölbilder, die er geschaffen hat,
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sind für die Zeit einzigartig.
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Ich finde es sehr sehr schwierig. Wir haben sehr viel Wissen über die Zeit des Nationalsozialismus heute.
54:34
Wir haben aber auch nicht alle Informationen, darüber müssen wir uns auch im Klaren sein, wir sind letztendlich.
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In der Zeit und über der Zeit durch die Alliierten letztendlich auch informiert. Das ist so.
54:52
Ich weiß nicht, wie ein Künstler, wie wir selber, wie man selbst sich in dieser Zeit verhalten hätte.
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Ob man gegangen wäre und ich sage mal, da ist das Beispiel, da komme ich auf gut Baumgarten jetzt zurück.
55:06
Hat im Verborgenen letztendlich eine Zeichnung angefertigt, eine große, sehr aufwendig gestaltete Zeichnung, die Zigeuner im Regen.
55:15
Wo sie ganz genau den Deportationsbahnhof zeigt, wo sie die Flucht über die Gleise darstellt von den rennenden Zigeunern.
55:25
Die.
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Auf einen Zaun zulaufen, hinter den Dämonen und und Gedärme letztendlich lauern. Der Zaun wird aufgelöst durch diese Figuren.
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Diese Zeichnung, das ist eine der wenigen, die sie ja gerettet hat,
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Die hat sie neunzehnhundertzweiundvierzig dargestellt und ich sage mal in der Region von Berlin Karlshorst lebten einige Roma und Sinti, es gab in Marzahn in Berlin ein sogenanntes Zigeunerlager.
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Gut, sie hat auf ihre Art und Weise.
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Sich gegen das System gestellt. Sie war auch mit Juden befreundet und hat auch Leute wahrscheinlich vor dem ein oder anderen bewahrt, auf ihre Art und Weise.
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Nur ich finde es ganz schwierig.
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Ein Künstler wie Nolde, der ja Berufsverbot erst hatte und auch hatte die ganze Zeit. Der hat natürlich an Gobbels geschrieben, mit allem, was ihm zur Verfügung stand,
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Aber hätte man das selbst nicht, wenn man dort gelebt hätte, vielleicht auch getan? Ich weiß es nicht. Ja, eine durchaus sehr berechtigte Frage. Ich finde das ganz, ganz, ganz schwierig,
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Sag mal, ich habe meine Mutter immer gefragt, wie war dein Empfinden, als du die Juden gesehen ha,
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den Sternen auf der Straße. Wie war das? Und sie sagte, ja ganz grauenhaft.
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Nur viele Künstler sind ja auch in Nazi Deutschland geblieben und sind bis zum bitteren Ende geblieben und.
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Wollen wir mal das größte schauspielerische Genie des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland einfach sehen Gustav Grundkens. Ich sage mal, der Mephisto, der sich für das System.
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Hitler Regimes extrem eingesetz.
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Durch seine Kunst letztendlich, aber auch verfolgter war, weil sie haben ihn ja aufgrund seiner Homosexualität auch erpresst und alles.
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Aber er ist bei Göring ein und ausgegangenen Karin Hall und war mit Görings Frau wie er eine Kollegin von Grundkind zwei bei ihr Schauspielerin.
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Ganz nah.
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Hat auch für sie vor der Entnazifizierungskammer später ausgesagt und danach wurde er Intendant in Hamburg nach dem zweiten Weltkrieg. Es wird auch viel mit Tweiler Marz gemessen und ich finde.
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Politik und Kunst darf sich nicht miteinander vermischen. Und das ist das, was das Werk von Emil Nolde ausmacht, er hat keine.
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Politischen, vordergründigen Dinge in keinster Weise,
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gestellt, ich sag mal Franz Ratziwill zum Beispiel, dem wird nachgesagt, dass er Arbeiten eigentlich posthum, regimefeindlich gestaltet hat.
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Dieser Makel haftet ihn bis heute an, obwohl er ein herausragender Maler ist. Aber ich finde es immer sehr, sehr schwierig.
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Ja. Das gilt ja auch für die Kunst in der DDR, in der ehemaligen DDR. Wie viele große Maler, DD, der ehemaligen DDR sind im Westen bis heute nicht richtig bekannt und haben trotzdem ihren hohen Stellenwert.
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Mhm. Da habe ich eine Ausstellung gesehen Anfang des Jahres, Utopie und Untergang im Kunstpalast. Ja. Und ja, ich habe auch immer irgendwie gedacht, na ja, Kapitalismus, Kommunismus ähm ja. Ich bin im Westen aufgewachsen. Klar,
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und natürlich auch mit dieser Prägung und als ich die ähm Künstler betrachtet habe, was reinfließt, erstmal erstmal bewusst geworden. Man muss auch handeln.
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Um seine Existenz zu schützen.
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Ja natürlich. Und ich glaube wenn man nicht wirklich in dieser Situation ist, ist es sehr sehr schwer darüber zu urteilen. Ja.
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Zurück in die Ausstellung. Du hast eben schon den ein oder anderen Künstler beschrieben, den wir sehen. Mhm. Wir haben auch eine Künstlerin, Gabriele Münter. Ja, wir haben wunderbare Arbeit von ihr. Also das ist,
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sagte immer, es gibt so exemplarische Bilderbuchwerke von bestimmten Künstlern und das ist so ein Spaziergang auf ein sehr schönes Dorf und genau das, was man eigentlich von Münter,
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Staffelsee kennt und die ganze Situation eigentlich sucht.
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Warum hat Münter eigentlich so eine extra Rolle? Warum ist sie? Die einzige Frau
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Ja, da kommen wir wieder auf den Punkt zurück, auch wenn man jetzt zum Beispiel einen Rot-Baumgarten denkt oder an andere Kunst, an Hannover, Höch oder Keto Kolwitz, es gab einfach wenige Künstlerinnen, die sich durchgesetzt haben, die einfach versucht haben, einfach unbeirrt
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ihre ihr Ding zu machen und wenn man an bei altagropius denkt,
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hat ja auch teilweise die Frauen auch eher ein bisschen gedüppt und mehr oder weniger sie in die Klassen zur Weberei, zur handwerklichen Umsetzung gesehen. Da ist immer noch dieser Kontrast, Mann und Frau und,
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Die Frau ist einfach, Entschuldigung, dass ich das sage, in der zumindest bis vor dreißig Jahren benachteiligt gewesen in der Gesellschaft,
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Spürst du in der Kunstszene eine eine Änderung? Also eine massive Änderung. Bedingt.
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Es hängt einfach davon ab, es gibt natürlich heute durchaus viel mehr Malerinnen und Künstlerinnen als.
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Zwanzig, dreißig Jahren, aber es gibt generell auch sowieso viel zu viel Künstler, das muss man auch einfach sagen, es ist einfach,
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viele Menschen glauben sich, dass darin auch das Heil gefunden wird und halten sich für das Neun-Plus-Ultra und manchmal muss man einfach sagen, na ja, das ist alles schon mal da gewesen und so eine große neue Botschaft hast du gar nicht zu verkünden. Also.
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Aber für den Künstler ist es natürlich für sich das Entscheidende oder für den Menschen überhaupt kreativ zu sein,
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Aber generell haben wir zu viel Kunst. Wenn jemand auf dich zukommt und sagt, ich bin Künstler, du hast eine Galerie, stell mich bitte aus. Ja. Das muss er erfüllen.
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Also erstmal muss mich das Werk begeistern. Also es muss mich irgendwo, es muss was mit mir tun, dass ich sage, das habe ich noch nicht gesehen oder zumindest, wenn ich's gesehen habe in dieser Form, muss es mich begeistern. Und ich muss natürlich auch als kommerziell orientierte Galerie daran denken,
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kann ich das verkaufen und hatte Chancen letztendlich das zu bewegen. Also wir bauen ja Künstlerkarrieren auch auf, so ähnlich wie Astrid Lowak zum Beispiel, Fotografin.
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Die.
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Teilweise auch in den Niederlanden lebt und die aktuell eine kleine Museumsreihe Ausstellung hat, Ausstellung, die leider nicht besucht werden können aufgrund von Corona,
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ähnlich wie die Ausstellung von Ruth Baumgarte im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund aktuell. Da sind hohe Investitionen, sechsstellige Bereiche, wo Geld versenkt.
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Und so eine Frau wie Astrid Lohwerk zum Beispiel sehr begabte Fotografin, die hat,
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ihre erste große Museumsausstellung Museum für moderne Kunstpassau Wörlen.
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Und es ist eine tolle Ausstellung. Nur die müssen die Türen aufmachen können, ne? Betreust du sie.
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Umfassend? Ja, wir vermitteln eher diese Ausstellung und Projekte und äh Vermittlungen an Sammler, also das ist schon ein primärer Kontak.
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Hast du noch mehrere Künstler, mit denen du so eng zusammenarbeitest? Ja, mit Heinz Mack zum Beispiel arbeiten wir auf ähnlich intensive Art und Weise, sehr bedeutender deutscher Sero-Künstler
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Also der Urvater der Serobewährung zusammen mit Orthopäd und dann später auch mit Günther Öker, dem Nagelkünstler. Ja, es gibt immer wieder Künstler, mit denen wir intensiv arbeiten, ja
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betreut ja auch Nachlässe.
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Nicht jetzt direkt, also gut, die Kunststiftung gut Baumgarten betreut den Nachlass von Roth Baumgarten, aber Nachlässe ähm das ist ja immer gefährlich eigentlich, da da schlagen zwei Herzen in meiner Brust, wenn man.
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Als Galerist einen Nachlass betreut.
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Ich weiß, dass ein renommiertes Kölner Auktionshaus ja darauf spezialisiert ist, Nachlässe zu betreuen.
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Dann gehen diese Werke aber auch weg und ich bin ja als Stiftungsvorsitzender der Ruth Baumgart Stiftung darauf.
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Er bicht eben zurückzukaufen und nicht wegzugeben. Und wenn ich als Händler denke und mir wird jetzt ein Nachlass natürlich eines berühmten Künstlers angeboten
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den ich kaufen würde, dann muss man damit sehr verantwortungsvoll umgehen, weil alles was du verkaufst ist weg.
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Ich finde das irgendwie total schön. Jetzt möchte ich die Brücke schlagen, nämlich zu deinen Eltern. Du hast auf der einen Seite den industriellen und auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Künstlerin und diese Herzen scheinen ja in dir auch bei wahrscheinlich der das Herz von meinem Großvater auch noch mit.
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Filmwelt irgendwo die Theaterwelt ist auch irgendwo noch mit drin. Also das ist manchmal schwierig. Man muss einfach eine,
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eine Abwägung der Interessen auch haben und man muss letztendlich immer in den jeweiligen Moment das Richtige versuchen zu tun,
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Also eine Aushöhlung von Nachlässen würde ich definitiv nicht betreiben. Also das könnte ich glaube ich nicht, weil ich einfach wüsste, was was damit angerichte.
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Dir ist es total schön durch diese Ausstellung zu gehen und du hast so ein facettenreiches Wissen, dass wir so schön immer in die Richtung Leid. In vielen Zeiten gerade gewesen. Ja. Ich möchte noch ein bisschen mit
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den Tag vor dem Winter genießen. Ja. Also wir haben gesagt, wir sehen Münter.
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Ein Spaziergang in Murnau am Staffelsee. Genau. Wir sehen.
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Wir sehen eine. Ja. Wir sehen Emil Nolde, wunderbare äh Blumen Aquarelle und.
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Sehen von Lasa Uri eine wunderbare nächtliche Szene an einem See, eine Kaffeehaus oder Barszene zur damaligen Zeit.
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Wir sehen ein ein fantastisches Stilleben von Ernst Ludwig Kirchner, ein kapitales Gemälde oder von Erich Heckel eine wunderbare.
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Berglandschaft bis hin zu Schmidt-Rottlauf, einen Spaziergang am Lago Majore in Ascona. Also.
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Wunderbare Arbeiten, die letztendlich dieses Gefühl vermitteln, dass der Sommer letztendlich oder der frühe Herbst oder Herbst dahin geht,
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Und jetzt eigentlich nochmal konserviert wird, wie praktisch wie in einer Parfümflasche, deren Duft man dann ausholt und.
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Über sich ja strömen lässt und diese Erinnerung letztendlich holen möchte. Manchmal möchte man Dinge ja konservieren und.
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Diese Erinnerung bleibt ja in einem und,
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je stärker man sich in diese Welt hineinflüchtet oder in diese Welt hinein denkt, je stärker ist man dann plötzlich da drin? Wie lange kannst du diesen Moment hier in deiner Galerie konservieren?
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Jetzt speziell an diesen Kunstwerken, das hängt immer von meinen von meiner jeweiligen Emotion ab.
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Es ist aber mit vielen Dingen so. Ich habe manchmal, wenn ich zu aus dem Fenster gucke und irgendetwas sehe, dann erinnere ich mich an irgendetwas oder irgendetwas.
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Bindet mich an irgendetwas oder das ist wie mit Liebe und Emotionen und manchmal äh.
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Kommt einen das, ne? Aber ich lebe eigentlich immer sehr intensiv im Moment,
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Und die Ausstellung, wie lange wird sie hier bleiben? Also wir haben die jetzt erstmal verlängert, äh definitiv bis in den März hinein. Wir müssen erstmal schauen jetzt, was die Vorgaben sind. Ich rechne damit, dass der.
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Und die Galerie als Einzelfirma gehört zum Einzelhandel, das ist der Einzelhandel ja definitiv weit über den zehnten ersten hinausgeschlossen sein muss.
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Und dann werden wir schauen, was wir machen. Also deswegen werden wir durch Filme und durch virtuelle Beiträge versuchen.
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Die Kunstinteressierten weiterhin mit dieser wunderschönen Ausstellung ein Tag vor dem Winter und dann vielleicht rückblickend.
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Aus dem Blick des Winters zurück auf den Winter letztendlich wieder Einblicke zu gewährleisten. Was verbindest du mit dem Winter?
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Ich bin eigentlich nicht so der Winterfreund. Also ich gehe, ich mag's ganz gerne, wenn's mal kalt ist und weil man draußen spazieren gehen kann und ich mag eigentlich diese Kerzen und auch diese äh weihnachtliche Romantik, äh die wir ja,
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die ich im Moment eigentlich nur in meinem eigenen Haus spüre, außerhalb empfinde ich die nicht
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Und das ist eigentlich etwas, wo ich das Bewusstsein auf diesen Blick äh Heimat und Zuhause irgendwo hatte, irgendwo dieses
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wohlfühlen in der eigenen Welt. Eigentlich ist es ja so eine so eine Einkehr bei sich selbst und das empfinde ich eigentlich als,
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etwas sehr wohltuendes. Ansonsten bin ich, ich bin ja im Hochsommer geboren, bin eher ein Mensch der Sonne.
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Und die fehlt mir im Moment auch und auch der Wärme und ich mag zum Beispiel auch keine dicken Pullover anziehen, das ist für mich immer für mich da immer eingesperrt in Pullovern, obwohl ich habe viele schöne Pullover, aber ich ziehe die nie an.
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Nur ganz selten. Also es ist ganz ganz kurios. Ich freue mich auf jeden Fall, dass du mir in diesem,
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einen Tag vor dem Winter, nicht so der Haglich abgeholt hast, mich durch deine Räume geführt hast,
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du mich an deinen Einsichten und Ansichten teilhaben ließest und natürlich auch unsere Zuhörer und Zuhörerinnen. Ja. Dass wir mit diesem Podcast,
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ja, viele Menschen durch den Winter begleiten können.
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Und mit deinem sonnigen Gemüt und jetzt schlage ich mal hier die Brücke. Ja, so weiß ich, ja. Also ich sage mal, das ist immer so in der im Gefühl gerade, nicht, wenn ich jetzt so in den grauen Himmel schaue, dann denke ich dann in die Augen, die ja und ich äh äh
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meine charmante Gesprächspartnerin vor mir habe, da habe ich natürlich das Gefühl nach Sommer und Freude und
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möchte eigentlich jetzt lieber an einem See sitzen und vielleicht wie Lasa Ori es gemalt hat,
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einen schönen Cocktail abends trinken, aber ich bin zuversichtlich, dass wir diese Zeit bald wieder haben werden auf einer es wird anders sein, aber wir werden es wieder erleben und.
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Erinnern und.
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Ich kann einfach nur sagen, dass die Hörer uns verfolgen unter der Samuels Baumgartengalerie bei Instagram oder auch die Kunststiftung Rothbaumgarte postet viel und.
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Glaub schon, dass wir viel versuchen dazu beizutragen diese etwas düstere Zeit und auch vielleicht die einsame Zeit man muss einfach.
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Den Menschen, die alleine sind, zubilligen, dass sie im Moment in einer anderen Situation sind, sie können nicht rausgehen so, wie sie es normalerweise wollen, sie können es nicht genießen, sie können auch nicht mal irgendwo was auf der Straße trinken oder essen,
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weil das alles verboten ist und dass man diesen Menschen eben auch gerade durch diesen Einblick in die Kunstwelt vielleicht auch das Gefühl.
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Gibt, dass sie eine Reise antreten können in ihre eigene Welt und über die Kunst sich selbst entdecken und neue Hoffnung für schöne Dinge auch schöpfen und dazu soll die Kunst eigentlich auch anregen, sie soll etwas geben,
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dass es weitergeht und dass der der Blick nach vorne gerichte.
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Vielen, vielen Dank Alexander. Ja, gerne Claudia, war schön. Hab ein gutes Weihnachtsheft. Du auch. Deine Familie natürlich auch.
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Music.