Staatsbürgerkunde

Ein Podcast über das Leben in der DDR. Im Gespräch mit Zeitzeug:innen und Expert:innen schaut Martin Fischer in jeder Folge zurück auf die Lebensaspekte in der Deutschen Demokratischen Republik. Ohne Ostalgie und verbunden mit der Frage, was sich aus der Geschichte lernen lässt.

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episode 94: Neuland [transcript]


Von neuen Chancen, neuen Aufgaben und neuen Einblicken Veröffentlicht am 03.01.2021
Laufzeit: 1 Stunde und 27 Minuten


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 2021-01-03  1h27m
 
 
00:04  Cornelia Unteutsch
Wir waren in einer Gesellschaft gelandet, äh neunzehnhundertneunundachtzig, neunzehnhundertneunzig, in der ich selber mehr denn je entscheiden konnte, was ich mit meinem Leben anfangen will.
00:19
Das, was letzten Endes dort dann auf mich zurollte, ähm das habe ich vielleicht auch zum Glück vorher nicht in dem Ausmaße auf mich zukommen sehen.
00:32
Wir können nicht die große Politik beeinflussen. Das haben wir nicht in der Hand, wir müssen das in die Hand nehmen, was wir können und das sind die Dinge vor Ort.
00:45  Martin Fischer
Staatsbürgerkunde. Ein Podcast über das Leben in der DDR. Von Martin Fischer.
00:56
Folge vierundneunzig, Neuland.
01:23
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Staatsbürgerkunde. Der ersten Folge im neuen Jahr zweitausendeinundzwanzig.
01:30
Und so ein neues Jahr ist natürlich auch um ein guter Moment, um etwas Neues zu beginnen. Und darum geht es auch in dieser Folge.
01:37
Neben Zeitzeuginnen, die über das Leben in der DDR sprechen, möchte ich hier im Podcast auch immer wieder mal Menschen zu Wort kommen lassen, die von ihrem Leben nach der DDR berichten.
01:46
Wie ist das Leben heute im Osten? Was von der DDR wirkt noch nach? Wo gab es Brüche in vermeintlich sicheren Biografieentwürfen und wo tat sich vielleicht sogar etwas ganz Neues auf.
01:57
Meine erste Gästin in dieser Reihe ist jemand, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls achtzehn Jahre alt war und der sich plötzlich ganz neue Möglichkeiten für ihr Leben boten.
02:05
Welche sie davon warum ergriffen hat und welche sie sich sogar neu geschaffen hat, das berichtet sie jetzt.
02:11
Bei mir zu Gast am Telefon ist heute Cornelia Unteutsch aus meiner Geburtsstadt Weida. Hallo Frau Unteutsch.
02:19  Cornelia Unteutsch
Ja, hallo, guten Morgen, Herr Fischer.
02:21  Martin Fischer
Wir sprechen miteinander am einundzwanzigsten Dezember, also kurz vor Weihnachten und das Thema, zu dem ich sie eingeladen habe, ist Teilhabe
02:29
vor und nach der Maueröffnung, nach der nach der Wende, wie es ja auch heißt und
02:35
Mit dem besonderen Fokus auf den lokalen oder auf den regionalen Raum. Ähm denn weider ist eine Kleinstadt in Thüringen, da können wir vielleicht gleich auch noch ein bisschen was drüber erzählen. Sie leben und arbeiten in weiter und berichten ein bisschen aus,
02:49
Ihrem Leben und Tun darin unter anderem sitzen sie im Stadtrat von Weider und sind aber auch Unternehmerinnen in Weider mit einem klein.
02:57  Cornelia Unteutsch
Ja genau.
02:58  Martin Fischer
Und das werden alles Aspekte sein, die wir heute mal so ein bisschen streifen. Herzlich willkommen.
03:03  Cornelia Unteutsch
Ja, danke schön.
03:05  Martin Fischer
Vielleicht stellen sie sich selber nochmal ganz kurz mit mit eigenen Worten vor, wie lange leben sie schon weiter, leben sie schon immer in weiter, sind sie dahin gezogen, wie sind sie und weiter zusammengekommen.
03:14  Cornelia Unteutsch
Ja, ich sage jetzt einfach mal so, also ich bin ein ein echtes, weiter Urgestein, wenn man es so nennen kann, als ich wurde weiter geboren.
03:22
Anfang der siebziger Jahre neunzehnhunderteinundsiebzig.
03:25
Bin dann weiter aufgewachsen zur Schule gegangen, habe mein ähm soziales Umfeld hier im Ort, ähm bin auch nie weggezogen, hatte
03:35
zwar schon ab und zu mal äh wie das wahrscheinlich jedem von uns so geht. Schon Fernweh, aber irgendwie bin ich dann doch immer hier geblieben. Durch die Ausbildung begründet, hab
03:44
dann ähm war zu Wende achtzehn Jahre ähm war dann erstmal ganz kurz zu Hause. Ich war in unserem Be,
03:52
damals, indem ich gelernt habe, die die Jüngste war dann die erste, die auf Kurzarbeit war.
03:58
Und habe mich dann also ein Jahr, ja, vor einem Jahr nach der Wende beruflich neu orientiert, ähm habe dann bei einer großen Krankenkasse hier angefangen zu arbeiten.
04:08
Und bin dadurch dann einfach hier in der Gegend äh geblieben.
04:13  Martin Fischer
Was verbinden sie denn damit weiter? Also jetzt auch als als Jugendliche ähm heranwachsend Richtung achtzehn Jahre und die Wende vielleicht auch noch nicht so ganz äh in Sichtweite. Wie wie haben sie denn weiter erlebt.
04:25  Cornelia Unteutsch
Wenn ich zurückdenke war weiter eine, eine doch recht äh belebte pulsierende Kleinstadt. Also wenn ich an meine.
04:34
Kindheit an meine Jugend.
04:36
Denke ähm hat man immer Menschen auf der Straße gesehen. Es war, es war immer Leben in der Stadt und wenn ich das dann dreißig Jahre nach der Wende, um gleich mal den Bogen zu schlagen, dreißig Jahre nach der Wende betrachte.
04:50
Hier baulich im Umfeld von Weider sehr viel passiert, was aber, was aber die Stadt selbst betrifft, die Innenstadt, den Stadtkern.
05:02
Teilt weiter das Schicksal denke ich vieler kleiner Städte, dass es ich weiß nicht ob man sagen kann, ausstirbt, aber der ländliche Bereich überaltert und wird leblos.
05:13  Martin Fischer
Es ist auch wenig Industrie mittlerweile da. Ich weiß halt auch noch ähm mein, mein Vater hat früher auch in einem Elektrobetrieb gearbeitet oder Kombinat, wie es damals ja hieß.
05:22
Gab's mehrere große Unternehmen wirklich in weiter von den Lederwerken angefangen, also wirklich da hat meine Mutter gearbeitet, also Lederverarbeiter Betrieb war das. Dann gab's die ähm älteren, glaube ich, war wo mein Papa gearbeitet hat, also war wirklich.
05:34  Cornelia Unteutsch
Genau, das war ein großer Elektrobetrieb, genau.
05:36  Martin Fischer
Und das waren halt wirklich große Betriebe, die halt auch vielen Menschen ein Arbeitsplatz gegeben haben. Also es war wirklich so eine kleine Industriestadt auch weiter.
05:45  Cornelia Unteutsch
Hatte ganz viel Industrie, also Weider hatte die Lederindustrie, Weider hatte also eine Schuhfabrik.
05:51
Zielindustrie ähm weiter aber in der Frage sehr, sehr gut aufgestellt. Da.
05:55
Viel nach der Wende, wie das äh in vielen Städten war, ist wirklich abgewickelt worden. Manches unmittelbar nach der Wende, manches auch erst einige Jahre später
06:05
Ähm es ist nicht sehr viel nachgekommen. Wir können sehr, sehr dankbar sein, dass wir hier in der Region einen sehr großen
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Matratzenhersteller haben, der viele Arbeitskräfte.
06:16
Bindet. Ich glaube, ansonsten würde es noch ein ganz kleines Stück weit trauriger aussehen.
06:22
Aber Industriebetriebe in dem Sinne gibt es in Weider eigentlich gar nicht mehr und das zieht natürlich auch nach.
06:32
Es sind Leute weggezogen, es sind sehr, sehr viele Leute äh arbeitsbedingt weggezogen oder auch aus familiären Gründen und.
06:40
Wegziehen sind halt leider oft auch die jungen Menschen, die gehen, die für eine Region unbedingt was bewegen könnten und das sind die Menschen, die sich halt anderswo ein, eine neue Zukunft, ein Umfeld, äh, ein Leben aufbauen.
06:55  Martin Fischer
Sie haben jetzt gerade schon gesagt, sie waren dann auch um die Wände rum in in Kurzarbeit. War das dann schon so der die Ankündigung dessen, was danach passiert ist? War das war das in einem von diesen Unternehmen, die dann nach der Wende nicht mehr existierten.
07:07  Cornelia Unteutsch
Nein, nein, nein, das war, das war ein kleinerer äh Baubetrieb gewesen und äh ich hatte dor
07:13
damals dann nach der Lehre äh die Materialwirtschaf
07:17
bearbeitet und das war ja einer der, eine, eines der Felder, was sofort weggebrochen ist, weil es war nicht mehr so, dass man irgendwo ähm äh Betteln und Hausieren gehen musste, um vielleicht irgendwo Fließen Parkett oder ähnliches,
07:31
kommen, es war dann einfach so die Vertreter rannten ja dann und liefen dann den Firmen ähm quasi die Tür ein und.
07:39
Und also das waren waren Arbeitsgebiet, das ist einfach äh weggefallen,
07:45
war nicht mehr relevant und damit war ich Gott sei Dank im Nachhinein sehr, sehr zeitig schon zu Hause, das war, glaube ich, schon ähm.
07:54
Sommer oder Herbst neunzehnhundertneunzig gewesen und damals hatten sie ja die ganzen großen öffentlichen ähm Ämter und In.
08:02
Dann hier niedergelassen und das war ein wahnsinnig günst.
08:06
Um sich neu zu orientieren und ich war auch gerade im richtigen Alter dafür. Also es hätte dahingehend für mich äh damals gar nicht besser kommen können.
08:14  Martin Fischer
Das wollte ich jetzt gerade tatsächlich als nächstes fragen, wie sieht denn dann,
08:17
diese Situation bewertet haben, ob sie's als als Chance gesehen haben oder ob sie dann schon gesehen haben äh mit achtzehn oh jetzt muss ich mich ganz neu orientieren und meinen Plan, den ich vielleicht hatte fürs zukünftige Leben, der geht jetzt gar nicht mehr so auf oder
08:28
Gott sei Dank ging er nicht auf und ich kann jetzt endlich was anderes machen, wie wie war's denn da bei ihnen? Ich habe schon rausgehört, wahrscheinlich eher letzteres.
08:35  Cornelia Unteutsch
Ja, ich glaube eher Letzteres. Ich weiß nicht genau, ob ich äh ob ich äh mit dem, was ich gemacht habe ähm so sehr glücklich geworden wäre es
08:45
ging damals dann immer darum, ich wollte dann eventuell noch ein Fachschulstudium in den Betrieb mit ranhängen, äh hatte damals drüber nachgedacht, Ökonomie zu studieren, ähm auf Fachschulbasis, weil ich ja kein Abitur hatte
08:57
war mir nicht ermöglicht äh zu DDR-Zeiten. Äh wir waren evangelisch, waren in der Kirche und äh da war es mit.
09:05
Dem Abitur etwas schwieriger aus unseren drei Klassen, die es damals gab, ähm von sechzig Schülern durften.
09:13
Abitur machen und da war ich nicht dabei, kam dann noch mehrere andere Sachen.
09:18
Und deswegen stand dann halt ein Fachschulstudium zur Debatte. Für mich wäre die Ökonomie denkbar gewesen, hatte mich interessiert äh der Betrieb war eher der Meinung, dass ich vielleicht an der damals Finanz
09:29
äh Fachschule in Gotha Finanzen studieren sollte, äh die Diskussion ging noch eine kleine Weile hin und her und dann kam Gott sei Dank die Wende dazwischen, weil
09:38
Finanzen wollte ich nicht studieren und Ökonomie wäre zu der Zeit ja noch sozialistische äh.
09:44
Gewesen. Das wäre dann im Nachhinein auch äh eher kontraproduktiv gewesen, also da spielten manchmal einfach Dinge mit in die Korpen, die man überhaupt nicht in der Hand hatte. Die die,
09:56
lässt einfach zur rechten Zeit geschahen.
09:59  Martin Fischer
Haben sie es dann weiterverfolgt mit der Ökonomie?
10:01  Cornelia Unteutsch
Nein, nein, gar nicht. Ich habe dann überlegt, was ich mache. Ähm es ließ sich hier der Rententräger nieder, verschiedene Krankenversicherungen.
10:09
Und so weiter und so fort und ich habe mich dann an verschiedene Stellen beworben und habe letzten Endes im März neunzehnhunderteinundneunzig genau kurz vor dem vor meinem.
10:19
Ein Geburts
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sage, also wirklich noch recht jung. Ähm wer da bei einer großen, großen deutschen Krankenversicherung, bei einer gesetzlichen Krankenversicherung angefangen zu arbeiten. Im Nachgang habe ich's manchmal ein bisschen, ich will nicht sagen, bereut, aber es gibt
10:32
so viele unterschiedliche Lebenskonzepte und Lebenswege, die man hätte gehen können. Im Nachgang habe ich manchmal noch gedacht, ich war auch noch jung genug dazu, um um das Abitur hätte nachholen zu können
10:43
aber der Gedanke kam dann ab viele Jahre später und ob es nun ein Abitur und vielleicht ein Studium dann gewesen wären oder ob der Lebensweg bis hierhin doch
10:54
völlig in Ordnung war. Äh da mag man immer zweigeteilter Meinung sein und ich glaube, da ändert man auch immer mal die Ansicht darüber.
11:01  Martin Fischer
Hat man denn da für sich überhaupt alle Optionen so auf dem Tisch liegen, um die vergleichen zu können oder ist es dann erst nur im Rückblick so, wie wenn dann viele sagen, ah du hattest ja alle Chancen und aber eigentlich hatten wir in dem Moment vielleicht auch gar nicht alle Chancen so im Blick.
11:14  Cornelia Unteutsch
Eindeutig im Rück.
11:16
Eindeutig im Rückblick, in dem Alter, in dem Alter hatte man oder hatte ich, man kann das ja nicht pauschalieren, also andere mögen da vielleicht auch reitblickiger.
11:25
Gewesen sein, ähm in dem Augenblick hatte ich die die äh Bandbreite der Möglichkeiten, die sich da geboten hat, äh einfach nicht äh im im Blick.
11:36
Zu war, es klingt komisch, aber dazu war man vielleicht auch trotz unserer Jugend im Denken, äh im DDR geprägten Denken einfach zu eng
11:46
und vielleicht war's das auch ähm wo ich wieder auf die Kleinstadt zurückkomme und hier nochmal den Bogen schlage
11:52
Kleinstadt zu sehr gefangen. Ich denke, wenn man da vielleicht weltoffener, schon in einer größeren Stadt aufgewachsen wäre, äh Leipzig, Berlin
12:01
äh
12:02
wäre das vielleicht auch anders gewesen oder das Elternhaus einfach nochmal ein ein weltoffeneres Elternhaus, was einen da in dieser Hinsicht mehr geprägt hätte, das
12:13
dass da mehr mehr Mut oder mehr ähm wie soll ich sagen ähm vielleicht doch noch mehr Weltoffenheit da,
12:22
wäre aber DDR und Weltoffenheit, das war ja doch so ein
12:25
Widerspruch in sich und daher war meine Denkweise damals auch ähm du musst dir jetzt einen anderen Job suchen, bewirbst dich und es war ganz naheliegend erstmal mit der Unsicherheit, die mit der Wende doch ein Herz zog, gerade was ja so die Elterngeneration betraf.
12:40
Damals zur Wende zwischen Mitte vierzig und fünfzig waren, wo teilweise die Arbeits.
12:44
Äh wegbrachen, da hatte man schon vielleicht auch ein gewisses, hm ich sage mal, schon Sicherheit,
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und da war die Wahl mit dem öffentlichen Dienst.
12:55
Für damalige Zeiten auf alle Fälle eine gute Wahl. Das ist Stimmen, dann später den Rücken gekehrt, habe da liegen dann noch ein paar Jahre dazwischen und Erfahrungen äh und das Erleben der Sicherheit im Leben.
13:07
Nicht alles ist.
13:09  Martin Fischer
Da kommen wir, da kommen wir später noch drauf, was was dann der Schritt war, haben sie denn bei ihren Mitschülerinnen, Mitschülern ähnliches erlebt, gab's da welche, die dann gesagt haben, ich gehe jetzt tatsächlich in die Welt oder war dieses Sicherheitsbedenken.
13:23
Sicherheitsdenken doch sehr verbreitet auch in der Klasse oder im Freundeskreis.
13:27  Cornelia Unteutsch
Ähm da ist eigentlich die ganze Bandbreite bedient worden, wenn ich da so zurückschaue. Also es gibt Menschen, die durchaus auch hier geblieben sind.
13:34
Und es sind aber recht viele gegangen. Es sind recht viele gegangen, haben teilweise noch studiert, im Fernstudium studiert, haben bei großen Firmen angefangen, äh haben sich selbstständig gemacht. Also da ist die komplette äh komplette.
13:49
Komplette Spektrum der Möglichkeiten ausgeschöpft worden und ähm die sich weiterentwickelt haben, die sind, die sind
13:58
zum Großteil auch nicht mehr hier in der unmittelbaren Gegend, die hier geblieben sind aus der eigenen Klasse. Das sind doch einige davon selbstständig mit kleinen Geschäften, die auch teilweise würde ich sagen, schon recht gut laufen, aber,
14:10
die ein dir noch ein Studium absolviert haben, also die sind.
14:15
Alle irgendwo ähm in der Bundesrepublik Kreuz und quer verstreut. Also im Ausland ist.
14:21
Niemand zumindest nicht aus der eigenen Klasse. Es waren teilweise Auslandsauslandsaufenthalte dabei über die über die späteren Arbeitgeber.
14:30
Aber dass jetzt jemand äh irgendwo direkt in die Welt gegangen ist, war nicht der Fall. Also es war auch damals, wenn ich es so.
14:38
Denke neunzehnhundertneunzig, neunzehnhunderteinundneunzig, niemand dabei, also jedenfalls nicht aus unserem, aus unserem,
14:46
Kreis, der dann so als Weltenbummler für ein paar Jahre losgezogen wäre, um um erstmal um erstmal das Ganze die ganze Freiheit ähm zu genießen oder um erstmal
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zu entdecken. Also.
15:01
Menschen, die das gemacht haben, die die dann zu Travel und Rock unterwegs waren oder oder ähnlichen Projekten. Die habe ich englisch als vier Splitter in meinem Leben dann kennengelernt.
15:13
Also damals muss ich ehrlich sagen, war ich glaube ich auch noch da. Ich weiß nicht, ob das Wort engstündiger trifft, aber vielleicht ein Stück weit schon. Doch.
15:23  Martin Fischer
Oder noch in den ja in den Denkstrukturen, wie sie es gerade gesagt haben, auch von den Eltern vielleicht schafft, dass man halt sagt, okay, jetzt wird ist alles so unsicher, eine sichere Stelle ist äh auf jeden Fall was wert.
15:32  Cornelia Unteutsch
Schon in den Zwängen irgendwo noch gefangen, also dieses Freischwimmen, das kam dann, das kam dann erst Jahre später und viele Sachen sieht man wirklich erst im Rückblick und wenn ich wenn ich das heute äh heute so betrachte, ähm
15:45
dann dann war man zu diesem, zu diesem Zeitpunkt mit Anfang zwanzig auch noch ähm wie soll ich sagen
15:55
ängstlicher, also man hat man hatte Berührungsängste
16:00
die man aber damals bei weitem nicht so wahrgenommen hat. Man hat gedacht, das ist jetzt einfach der Weg, den du jetzt gehst, das bringt die neue Gesellschaft mit sich äh.
16:10
Dass man da selber ganz viel in der Hand gehabt hätte. Das hat sich einem erst oder hat sich Mia erst später erschlossen.
16:16  Martin Fischer
Würden Sie sagen, dass das spezifisch war für diese Generation oder sieht man das heute teilweise auch noch, dass dass dieser Mut zum Abenteuer erst später kommt und die und mal in jungen Jahren vielleicht jetzt eher auch noch ein Sicherheitspfad unterwegs ist.
16:30  Cornelia Unteutsch
Ich denke, das ist typischer für diese Generation der Zeit, diese diese Wendegeneration, die damals in meinem Alter war, gerade mit der Schule fertig oder oder gerade noch im Abitur
16:41
also die die irgendwo noch sehr DDR geprägt waren durch die durch die schulische Laufbahn durch die Elternhäuser, durch die Organisationen, die es damals vor der Wende gab. Ähm ich glaube
16:54
das äh ist heute nicht mehr so. Wenn du in die äh Generation meiner meiner Tochter schaue
17:00
Die sind heute schon wesentlich äh jünger, also in jüngeren Jahren selbstbewusster ähm und trauen sich absolut mehr zu.
17:10
Dass in jedem Falle positiv zu werten ist oder ob da vielleicht manchmal dann auch schon äh so ein klein wenig ähm Selbstüberschätzung mit hineinspielt. Das mag mal ganz dahingestellt sein, aber ich glaube, wir waren einfach.
17:22
Zögerlicher ähm verunsichert vielleicht auch. Das trifft, denke ich.
17:28  Martin Fischer
Ich kann es auch selber nachvollziehen, also wir sind ja dann ähm wir sind dann ausgereist, also ich war ja dann erst zehn, aber als es dann wirklich auch drum ging, äh später dann Studien oder Berufswahl zu treffen.
17:39
Waren eigentlich auch schon so die Ratschläge, die ich von meinen Eltern bekommen habe, auch immer so in die Richtung, also dass man sich was sucht, was halt ein sicherer, ein sicherer Job ist, was bei Eltern wahrscheinlich einem immer raten.
17:49
Ähm ja, aber so dieses dieses Gefühl, okay, wir wir haben jetzt hier gute Stellen im im Westen jetzt bekommen und ähm da an Arbeit gehört dazu, also das ist schon was, was wirklich sehr tief sitzt, glaube ich, auch in
18:03
in Menschen, die so eine große Veränderung dann auch mitgemacht haben, dass halt die Arbeit dann auch immer noch so ein, so ein Faktor ist, der Stabilität äh garantiert.
18:11  Cornelia Unteutsch
Ja, ja, da ist ein unheimliches, äh, unheimliches Sicherheitsbedürfnis da gewesen. Also das ist gerade das, was ich auch bei meiner Eltern generell oder bei meinen Eltern beobachtet habe, diese Sicherheit ähm.
18:23
Die wurde auch auf die nachfolgende Generation ähm übertragen, wurde mitgegeben und,
18:31
ich merke das auch teilweise oder habe das viele Jahre später noch gemerk,
18:34
so dieses Verständnis, ähm dass die nächste Generation vielleicht ganz andere Prioritäten setzt und die Welt aus aus ganz anderen Augen betrachtet.
18:43
Dass das so ein Lernprozess ist und dass man das immer wieder gegenseitig kommuniziert und das auch äh.
18:50
Für jemanden, der es anders empfindet, manchmal sehr schwer nachzuvollziehen ist, dass man dass man dann sagt, ja okay, ich habe
18:59
aber die Sicherheit kann auch etwas sein, was einem letztlich
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Kreativität raubt, man muss sich unglaublich in Hierarchien einfügen
19:16
man kann sich nicht unbedingt mit seinen eigenen Gedanken und dem Vorstellungen mit einbringen. Es ist halt ein großer Operat, der irgendwie wie ein Räderwerk ineinander klickt und funktionieren muss. Und wenn man ein äh kreativer und doch relativ
19:32
eigenwilliger Mensch ist, ist Sicherheit manchmal so das allerletzte, worauf man Wert legt, ähm da stehen andere Sachen vor und dran.
19:40  Martin Fischer
Es klingt jetzt tatsächlich so und ähm so wird's auch sein, dass sie diese ähm Erkenntnis dann irgendwann bekommen haben, also wie, wie lange hat es denn gedauert, bis sie gesagt haben, okay, jetzt äh merke ich, da ist noch mehr, was ich, was ich gerne machen möchte mit meinem Leben. Also.
19:52
Die die sichere Stelle war ja sicher ähm und irgendwann muss ja dann der Gedanke gekommen sein, okay, da da ist vielleicht jetzt noch mehr möglich.
20:00  Cornelia Unteutsch
War im Prinzip dann als, also innerst
20:03
Veränderungen dann auch in dieser in dieser gesetzlichen Krankenversicherung vonstatten ging, ähm, wo ich ganz viel hinterfragt habe, ich bin immer so ein Mensch, ich hinterfrage sehr viel, das ist nicht unbedingt immer ein Wegen. Ich sage, da liegen immer so Fluch und Segen doch recht äh dicht
20:19
beieinander, wenn man wenn man versucht, viele Sachen äh zu hinterleuchten oder oder auf auch
20:25
Prozesse oder auf deren Fortgang Antworten zu finden und vielleicht auch nicht mit mit allem konform geht, was dort passiert. Und für mich war's dann immer so, ähm wenn ich mich mit einer Sache nicht zu hundert Prozent
20:39
Identifizierung kann.
20:41
Dann fällt mir das sehr schwer das zu vertreten zu verkaufen dort zu arbeiten und letzten Endes war's dann auch so gewesen.
20:51
Man hat gut verdient im öffentlichen Dienst, aber das ist genauso, da kommt die Sicherheit auch wieder mit ran. Geld und Sicherheit sind nicht alles im Leben und
21:01
und ich fand das dann auch immer so schade, gerade wenn Kollegen dann sich.
21:06
Drauf gefreut haben, dass sie irgendwann ins Rentenalter gehen, um um das Ganze nicht mehr miterleben zu müssen, äh das fand ich immer so bedauerlich, dass ich dann gedacht habe, es kann auch keine Option sein ähm zu sagen, hoffentlich bist du bald
21:19
kann man jetzt sagen, alt, ähm um hier rauszukommen. Man hat es ja, man hat es ja selber in der Hand und wir waren in einer Gesellschaft
21:27
gelandet äh neunzehnhundertneunundachtzig, neunzehnhundertneunzig, in der ich selber ähm mehr denn je entscheiden konnte, was ich mit meinem Leben anfangen will. Ich war in keine keine Strukturen mehr gepresst, es gehört zu allem zu jedem Schritt
21:41
nur halt Mut. Es gehört unheimlich viel Mut dazu zu sagen. Ich lasse auch mal ganz bewusst Dinge hinter mir
21:48
Die mich vielleicht äh in ihrer Sicherheit auffangen würden, aber die mir andererseits ähm die Luft
21:55
um die Luft zum Atmen nehmen und ich ich entscheide mich dafür ein Risiko einzugehen um den Preis.
22:04
Zu verlieren oder auch zu gewinnen. Also das war das war so meine meine Denkweise.
22:11  Martin Fischer
Die dieser Schritt dahin, der also weiter dann verbunden mit okay, jetzt hat habe ich ein paar Jahre gearbeitet, jetzt habe ich jetzt verstehe ich vielleicht auch so, das Umfeld ein bisschen besser und jetzt kann ich von da aus neu aufbrechen.
22:23
Hängt das damit zusammen? Also dass man so dieses neue, dieses neue System auch erstmal verstehen muss, bevor man diesen Schritt macht oder kam's dann wirklich aus der Organisation selber raus.
22:31  Cornelia Unteutsch
Nein, ich glaube, das ist eine Kombination aus. Eine Mischung aus vielen verschiedenen Dingen, die da die einen da in den in dem Alltag begleitet haben,
22:40
Das war sicherlich einerseits, dass man älter geworden ist, damit ähm viele, viele Erlebnisse doch wieder sammeln durfte. Es war das aber die Erfahrung aus diesem ähm neunzehnhunderteinundneunzig ähm
22:53
zwölf Jahre, doch zwölf Jahre waren's am Ende, zwölf Jahre wäre ein Job im öffentlichen Dienst, ähm
22:59
aus der Sicht, die man vielleicht derzeit auf die, auf die Gesellschaft gewonnen hatte und wenn sich das Ganze miteinander dann.
23:09
Zahntat ähm kamen dann so gewisse gewisse Erkenntnisse durch und und die haben mich dann irgendwann daz.
23:17
Dass ich ähm gesagt habe, ich kann mich hier mit dem, was ich jetzt tue, ähm die den Job, den ich mache, nicht mehr,
23:26
mehr identifizieren, das bin ich nicht und ich bin einfach auch zu jung dafür, ich war dann damals, als der Gedanke dann reifte.
23:34
Zu gehen, war ich Ende zwanzig und ich habe für mich gedacht, ich bin einfach zu jung
23:40
damit zu arrangieren und um irgendwann vielleicht meine Ideen zu verlieren, um um.
23:48  Martin Fischer
Und die Kraft auch da irgendwie noch ähm weil nicht die Kraft, aber jetzt so den den Impuls aus sich selber raus dann zu unterdrücken oder so.
23:55  Cornelia Unteutsch
Ja, genau so. Genau so kann man das schön sagen. Also das, was man selber noch vorhatte, das was in einem da äh loderte, sage ich
24:05
mal, das hätte man damit vielleicht ausgelöscht und hätte gesagt, um den Preis eines sicheren Einkommen,
24:10
bleibst du einfach hier und machst vielleicht gewisse Dinge in deiner Freizeit, aber das war's einfach nicht und Freizeit kompensiert auch nicht unbedingt ähm
24:20
das Unzufriedensein mit dem eigenen Job oder das hinter hinter Fragen von von gewissen Dingen. Viele können das vielleicht auf ihre eigene Art und Weise, dass sie sagen, okay, Job ist für mich ähm Mittel zum Zweck, ich verdiene hier mein Geld
24:35
und das was ich dort nicht vertrete oder das was.
24:39
Womit ich dort nicht konform gehe, das blende ich aus, weil ich bekomme es ja gut bezahlt und ich äh schaffe mir dann einen Ersatz in meiner Freizeit, in dem ich dann dort äh Dinge tue, die ich ähm
24:53
die ich gerne mag, die das Ganze ausgleichen ähm
24:58
aber das war nicht mein Weg. Also ich habe immer gesagt, ich bin ein Mensch und ich kann mein kann mein Wesen auch nicht unterteilen in in äh verschiedene, in verschiedene Teilmenschen oder in verschiedene Abschnitte. Und ich möchte
25:10
das, was ich in meinem Beruf tue, äh aus mir heraus tun und ich muss da drinnen Sinn sehen und Beruf kommt auch noch ein Stück weit äh.
25:19
Von Berufung und das war für mich dann nach dem Erleben der letzten Jahre dort äh ging das für mich nicht zusammen und ich habe gesagt, ich muss mich
25:28
verbiegen, äh um das weiter zu machen und das ist etwas, was am Ende auch ähm krank macht
25:36
und ich denke auch immer im Nachgang, wenn ich das so betrachte, nicht für umsonst sind, sind viele äh gerade hier in Deutschland, wenn man das liest, in Studien, äh die an Burnout leiden oder die die mit.
25:50
Psychischen Erkrankungen letzten Endes zu kämpfen haben, äh wo ich denke, da ist bestimmt auch ganz, ganz viel begründet in diesem Zwiespalt, dass Menschen etwas tun oder teilweise halt auch tun müssen, was ihnen.
26:04
Überhaupt nicht entspricht und das ist das ist auch so die Grupperin in meinen Augen. Ist aber nur meine ganz subjektive Betrachtungsweise.
26:11  Martin Fischer
Das klingt, das klingt sehr sehr richtig und ich glaube, da steckt, da steckt viel, wenn nicht sogar alles richtige drin. Ähm ich habe jetzt auch gerade beim beim Zuhören auch nochmal gedacht, dass dass irgendwie auch nochmal so ein ganz radikal anderer
26:22
Erkenntnis war oder eine radikal andere Erkenntnis war, als jetzt das, was in der DDR vorgelebt wurde, dass man halt A sagt, ich habe,
26:30
eine Stelle, die ist sicher und äh wenn ich wenn ich mich nicht ganz doof anstelle, mache ich die bis zur Rente eben und dass ich mich tatsächlich dann aber ins Private zurückziehe, als das.
26:40
Das das hört man von vielen, okay, die Arbeit war jetzt nicht so, da ist man halt hingegangen, aber so richtig aufgeblüht ist man eigentlich erst im privaten und das, was ich jetzt gerade berichtet habe, ist.
26:49
Von beiden Geschichten ja die die komplette Umkehr eigentlich, dass man dann erkennt, das muss nicht im Privaten sein und ich muss auch nicht auf Ewigkeiten beim äh ja, bei meinem Arbeitgeber bleiben.
27:00  Cornelia Unteutsch
Ja und wir haben, wir haben leider ähm ich glaube verlernt oder viele haben verlernt, dass unsere Geschicke doch zu großen Teilen in unseren Händen liegen. Wir können
27:12
immer selber entscheiden, äh dass wir dabei gewisse Risiken eingehen müssen,
27:17
steht absolut ohne Frage, aber wir haben die Entscheidung ganz, ganz, ganz
27:22
unseren eigenen Händen. Das ist selbst wenn Freunde äh sagen, die meinetwegen äh in einem Beamtenverhältnis stehen, ja aber ich kann das nicht, weil ich muss mich ja den Hierarchien dort unterordnen und die sind vielleicht dort tot und glücklich, da sage ich.
27:34
Das schon. Es spricht überhaupt nichts dagegen zu sagen, ich gebe das Ganze auf, weil sie mich krank macht. Ähm du musst,
27:43
Dir nur vorher gut überlegen, du musst mit den Konsequenzen leben und.
27:48
Das muss man mit sich selber ausmachen. Ich habe letztens zu jemandem gesagt, wir müssen in unserem Leben sehr, sehr wenig. Es liegt immer an uns.
27:57
Wir aus unserem Leben machen und ob wir uns äh diktieren lassen, ob wir uns in eine gewisse äh Form oder Richtung pressen lassen oder ob wir sagen, wir nehmen es.
28:08
In die Hand, auch mit dem Risiko vielleicht mal auf die Nase zu fliegen. Kann durchaus passieren, aber.
28:15
Aber gerade aus den Sachen lernen wir ja auch. Ich sage mal aus den positiven Erlebnissen, da wohnen wir uns irgendwann sehr schön und gemütlich drin ein, weil es ist ja ganz furchtbar bequem. Also lernen tun wir meist.
28:26
Krisen und da kommen wir dann auch ganz schön zu diesem Jahr, äh was ja nun ein ganz, ganz besonders prägendes Jahr war.
28:31  Martin Fischer
Oh ja.
28:32  Cornelia Unteutsch
Oh ja, oh ja, für uns alle in irgendeiner Form, deswegen habe ich ja auch gerade so viel Zeit zum zum zum Podcasten.
28:40
Äh es ist es ist so, wir gehen.
28:46
Wenn uns die Krisen nicht kleinkriegen, gehen wir aus diesen gestärkt hervor und das ist der Punkt und wenn wir uns aufs Glatteis bewegen, dann dann lernen wir vielleicht auch dort zu stehen oder zu laufen und.
28:59
Wenn ich immer nur in meiner Sicherheits und Komfortzone bleibe, irgendwann ist die Angst.
29:03
Groß und ich habe mich dadrin so eingelebt, dass ich mit dem Elterwerden mir überhaupt nicht mehr getraue irgendeinen irgendeinen Schritt
29:12
über meinen gewohnten Radius hinauszugehen, weil die Furcht vor Veränderung oder gerade vor Risiko.
29:20
Mit den Jahren glaube ich immer größer, ich merke, dass auch so in meinem Beruf, wenn Menschen sagen, als du diesen Schritt gegangen bist, warst du noch jünger, du kamst zwar aus dem öffentlichen Dienst, aber es fällt,
29:30
dann noch leichter, je länger ich dort bin, je größer meine vermeintliche Sicherheit ist oder ich habe mir vielleicht noch gewisse Abhängigkeiten geschaffen, die ich zu bedienen habe.
29:40
Umso weniger gehe ich den Schrit.
29:43  Martin Fischer
Dann lassen sie uns nochmal auf diesen Schritt kommen. Was was war das denn für einen Schritt, den sie nach zwölf Jahren in ähm in der in der Krankenkasse gemacht haben, wo sie dann gemerkt haben, jetzt geht's hier nicht mehr weiter, aber was war denn dann der Schritt.
29:54  Cornelia Unteutsch
Also ich hatte schon in meiner, in meiner Jugend immer so den Gedanken ähm ein damals habe ich es noch Galeriecafé genannt, äh ein Café zu machen, war auch so ein bisschen zu eröffnen, wo so ein bisschen ähm Kunst mit zu Hause ist und.
30:09
Wo man vielleicht eine kleine Galerie mit dran hat und das war so der Ursprung.
30:14
Gedanke gewesen. Das war in dem Rahmen, sage ich mal, in der Kleinstadt hier wäre das wahrscheinlich nicht umsetzbar gewesen. Dazu muss man dann in einer größeren Stadt leben, wenn man wenn man so ein Konzept umsetzen will und da braucht man, glaube ich, auch,
30:26
andere ganz andere Rahmenbedingungen, aber von dem Galeriecafé blieb erstmal der Gedanke,
30:31
übrig und am Ende wurde es, äh, wurde es Kaffee und Einzelhandel, also die schönen Dinge kamen dann trotzdem irgendwie zum Tragen und es wurde dann halt eine, eine kleine Gastronomie mit eine,
30:44
mit einem Laden wo man äh ausgesprochen schöne handvoll lesene Bücher, äh Keramik, also.
30:53
So Dinge, die man sich vielleicht nicht unbedingt jeden Tag kaufen muss, aber die durchaus so ein wenig die Seele streicheln und äh das war dann dort mit ähm im Konzept gewesen und so hatte ich das dann auch umgesetzt
31:06
war mit meinem damaligen Mann hatten wir dann im Innenstadtbereich nach einem, nach einem Haus
31:12
gesucht, was für unser Konzept passen würde. Sind dann noch irgendwann findig geworden. Das war im Jahr neunzehnhundertneunundneunzig, also da habe ich immer noch bei der Krankenkasse
31:20
gearbeitet, haben dann in drei Jahren schrittweise dieses Haus saniert, umgebaut, es war vorher ein Wohnhaus gewesen, wo auch noch keine Gastronomie zu dem Zeitpunkt irgendwie mal ansässig gewesen wäre und.
31:35
Ähm haben dann im Jahr zweitausenddrei habe ich dann meinen Job soweit ähm noch nicht beendet, aber
31:45
mal erstmal von den Stunden gekürzt und habe.
31:49
Im September zweitausenddrei eröffnet, bin damals noch parallel ähm halbe Tage arbeiten gegangen.
31:56
Um erstmal noch eine eine gewisse Sicherheit für den Anfang schon zu haben. Was mich ähm in den
32:03
Monaten nicht unter unter den Zwang gestellt hat, dass es sofort anlaufen muss. Also das hat mich die Sache sehr sehr ruhig angehen lassen.
32:13  Martin Fischer
Aber auch sehr viel sehr viel Energie dann auch reingesteckt, nur wenn das immer noch neben der Arbeit dann war.
32:18  Cornelia Unteutsch
Ja ja, das äh fragt man sich, frag, habe ich.
32:20
Auch wieder rückblickend äh habe ich mich das dann gefragt, wie das, wie das überhaupt durchzuhalten war, aber wenn man etwas unbedingt will, dann äh kennt man da keine Zeit, also.
32:35
Dann dann war das so ein Stück weit wie Scheuklappen anlegen und Augen zu und durch und das war für mich dann auch so, das muss ich mir hinterher eingestehen. Ich habe die Gastronomie so ein bisschen aus dieser rosaroten Brille betrachtet, wie man das als wie man das als.
32:49
So macht. Man kommt dorthin und das ist alles sehr schön und und ähm man sieht aber nicht unbedingt den Umfang der Arbeit, der dahinter steckt. Also ich wusste schon, dass da für mich ein ein größerer Auf.
33:01
Kommt, also in Vor-und Nachbereitung und dass ich da auf jeden Fall wesentlich mehr Zeit ranhängen werde, als es in meinem Angestelltenverhältnis war, aber.
33:11
Was letzten Endes dort dann auf mich zurollte, ähm dass.
33:16
Habe ich vielleicht auch zum Glück vorher nicht in dem Ausmaße auf mich zukommen sehen, weil ähm es ist etwas anderes zu Hause, vielleicht mal ein bisschen was vorzubereiten oder dann halt für eine.
33:29
Doch recht große Gott sei Dank, recht große Gäste schau, dass Tage ein Tag auszumachen. Am Anfang war es auch so, da waren noch sechs Tage geöffnet von Dienst.
33:38
Sonntag, es war ein freier Tag gewesen, auf den sich dann alles alles bündelte, was an den anderen Tagen liegen blieb und da.
33:46
Braucht man schon einen relativ eisernen Willen, um dann am Anfang nicht schlecht zu sagen, um Gottes Willen, so habe ich mir das nicht vorgestellt und werfe gleich wieder das Handtuch. Also während der Gast
33:55
noch nie gelernt hat, geht da glaube ich viel blickiger ran und und weiß da schon was auf ihn zukommt. Also ich.
34:02
Musste dann später hin manchmal lachen, wenn wenn äh Gäste dann so Äußerungen gemacht haben, äh die mir so aus meinem eigenen Wortschatz, aus der, aus der Gründungszeit oder vor der Gründungszeit sehr vertraut haben
34:14
vertraut waren, ja, weil man blickt das dahinter nicht. Das das ist einfach so.
34:20  Martin Fischer
Weil sie mich gerade frage, wie wie läuft denn das ab? Äh Gründen äh im äh in Invider, also gab's da eine Unterstützung äh oder haben, haben sie Unterstützung gesucht, haben sie haben sich ein Buch gekauft und äh nachgelesen äh so gründe ich ein Café. Äh wie wie geht man denn, wie geht man denn da ran.
34:34  Cornelia Unteutsch
Blauäugig.
34:35  Martin Fischer
Ohne also gucken was jetzt der nächste Schritt ist und den machen. Also erster Schritt war irgendwie, ich brauche ein Haus, äh also ich brauche ja irgendwie einen Raum für das Café und äh jetzt gucken wir erstmal nach dem Haus.
34:43  Cornelia Unteutsch
Wir haben nach Maus geguckt, was was uns von von den Räumlichkeiten her und auch von der Lage her für das Konzept schon irgendwo äh geeignet erschien und dann hat eine eine ältere Dame, hatte dann das Haus ähm verkauft
34:57
weil sie es einfach alleine nicht mehr halten konnte. Es ist ziemlich im Stadtzentrum gelegen und
35:03
und es war vom Haus her damals nicht meine erste Wahl, aber von der Lage her war es einfach wundervoll und ähm.
35:12
Wie soll ich sagen, wenn ich einen Plan hatte oder ein Konzept hatte, ähm hatte ich auch den Glauben daran, dass ich ihn umsetzen konnte. Und hab.
35:20
Habe das auch so gegen gegen ähm das Reden oder gegen die Argumentation von damals schon guten Freunden und auch von von Familie ähm durchgesetzt, weil ich sage, ich weiß was ich will, ich weiß wie das.
35:34
Aussehen soll und haben drei Jahre in aller Ruhe umgebaut, werden während des Umbaus ist, sage ich mal, das Konzept auch nochmal ein Stück weit.
35:41
Es heißt ja Laden und Kaffee, das ist im Prinzip wahr,
35:45
sprünglich mein Schwerpunkt auf einen ladenden äh gerichtet. Also Laden mit schönen Dingen. Ich wollte ganz viel Bücher haben, als das schon fast wie eine Buchhandlung war, aber natürlich kennengelernte Buchhändlerin, habe mich dann mit einer.
35:58
Freundin welche Buchhändlerin ist irgendwann zusammengesetzt im Vorfeld und sie sagte dann zu mir, lass es sein, lass es sein, mach nichts
36:06
mit Buchhandel, es war damals gerade so auch
36:09
dass dieser Internethandel so langsam, so ganz langsam zum Tragen kam und sie riet mir ganz ernsthaft davon ab und sagte, mach,
36:18
das nicht und macht das schon gar nicht in so einer kleinen Stadt.
36:23  Martin Fischer
Da gab's ja noch ein Buch, hat da Gas noch einen Buchladen zu der Zeit.
36:25  Cornelia Unteutsch
Da gab's genau, da gab's auch noch einen Buchladen,
36:28
Der war zwar nicht so dolle sortiert, aber ob äh sage ich mal, ob so eine Sortierung, wie ich sie mir vorgestellt hätte, dann unbedingt unbedingt die notwendige Kundschaft hier in Weida auch äh ähm auf der anderen Seite gegenüber gehabt hätte, dass es.
36:42
Steht auch wieder auf einem anderen Blatt, also so gesehen war das schon gut und daraufhin äh holten wir dann die Gastronomie als Schwerpunkt heraus,
36:51
der Laden war dann mehr,
36:54
war dann mehr das Beiwerk, wo man, wo man einfach mal noch ein bisschen stöbern und schmökern konnte, gerade wenn das Café voll war, haben die oder ist, haben die, haben die Menschen das halt wahnsinnig gerne genutz
37:05
um dann äh zu sagen, ach lassen sie sich einfach Zeit, wenn das noch ein bisschen dauert, das ist gar nicht schlimm. Wir gehen in der Zeit mal noch schöne Postkarten und Bücher und und halt noch so ein bisschen Schnickschnack
37:14
und das hat mir dann auch oft oft an vollen Tagen mal noch den Rücken freigeschoben, weil all die Leute waren irgendwie auch noch beschäftigt und haben noch ein bisschen geschaut und sich umge,
37:24
und das ist auch sehr sehr schön und das soll auch auf jeden Fall so so bleiben mal über diese Zeit hinaus, die uns gerade dieses Jahr extrem extrem begleitet.
37:34  Martin Fischer
Ich hab jetzt grad schon rausgehört, also sie hatten da
37:36
äh schon so bisschen Beratung noch zur Seite, also die die Buchhändlerin zum Beispiel und äh gab's denn noch mehr Freunde, Bekannte, äh Experten, die sie noch zu Rate gezogen haben, wie man jetzt.
37:47
Tatsächlich als als äh jemand, der es auch vielleicht auch in der in der Schule ja nie irgendwie, dass es ein Thema war, dass man sich selbstständig machen kann und gründen kann. Gab's denn noch Leute an ihrer Seite, die das äh mitbegleitet haben.
37:58  Cornelia Unteutsch
Eher weniger
37:59
eher weniger. Also die meisten haben die meisten haben aufgrund der Standortfrage äh Kleinstaat äh Bevölkerungsrückgang äh.
38:08
Es ist eine Seitengasse vom Markt, also es ist schon sehr zentral gelegen, aber ein bisschen versteckt in der verwinkelten Gasse, man muss es,
38:16
man muss es finden wollen. Also die meisten schlugen eher die Hände übern Kopf zusammen, haben gesagt, um Gottes Willen, das Haus wäre in der Bauphase. Ähm, da konnten wir stellenweise vorm, vom Keller dann zum Dach rausgucken, also wir haben das wirklich innen auch komplett entkernt und,
38:31
Und das Konzept für Weider wurde doch von vielen meiner meiner Freunde und meines damaligen Umfeldes
38:39
in Frage gestellt und haben gesagt, du bist, du bist wahnwitzig, deinen Job zu verlassen und und also den Weg zu gehen und das auch noch in dieser kleinen ähm.
38:50
Kleinen Stadt, wo man nicht weiß, ähm ob es überhaupt, ob es überhaupt Zukunftschancen hat, ob's
38:56
Kundschaft gibt, ja, wo sollen die Leute herkommen und und es war dann zum Schluss, dass ich aufgemacht habe, als ich dann letzten Endes geöffnet habe, nach drei Jahren Umbau, war es dann ganz witzig gewesen oder ganz schön gewesen, auf einmal kam es
39:09
kamen Leute, die so auch, die sich auch mit dem.
39:12
Äh identifiziert haben, also man sieht ja mit einer mit einem gewissen Konzept auch ein gewisses Publikum, also ein gewisses Klientel, was man, was man damit greift, da kann man ja ganz viel äh durch das Konzept schon irgendwo ähm passiert da ganz viel, das ist ein gewisser Personenkreis halt angesprochen fühlt. Und da kamen
39:31
kamen Menschen ähm mit denen schon eine Wellenlänge da war und ein Rad da war
39:36
kurioserweise auch in Weidar oder im im Umfeld wohnten, die ist aber hier im Ort noch nie gesehen hatte
39:44
Das ist also nicht im Stadtbild, die äh die teilweise halt wirklich auch äh auswärts arbeiteten und die man dann in der Stadt selber nie gesehen hat, also dass das Publikum war schon da und das Publikum, was kommt, ist
39:59
zwar noch nicht unbedingt so äh zum großen Teil direkt in Weida angesiedelt, aber die kommen halt auch aus einem Umkreis. Die kamen erst so aus dem näheren Umfeld
40:08
ähm und zwischenzeitlich über die vielen Jahre hat sich's dann wirklich so etabliert. Wir haben, wir haben einen Großteil ähm Kundschaft, die von auswärts kommen und
40:18
und.
40:19
Weiterhält ein Held einen kleineren Prozentsatz. Was natürlich sicherlich auch dem geschuldet ist, muss ich auch sagen und da können wir gleich wieder den Bogen schlagen. Ähm
40:30
Ein Teil meiner Kundschaft, die äh die zu Beginn kamen. Das klingt, klingt schlimm, aber die sind über die Jahre auch weggestorben. Das ist ganz einfach so. Es gi.
40:40
Viele oder gar viele ältere Ehepaare, die am Anfang kamen und du hast eine nicht mehr da war, wo dann, wo dann.
40:49
Der der verbleibende Teil nicht mehr wegging, nicht mehr weggehen wollte, nicht mehr weggehen konnte. Und irgendwann war es dann so, dass ich so so überlegt habe und gedacht habe, es ist nicht nur,
41:00
Ein paar, es sind es sind zwischenzeitlich sehr viele, wo sich auf diese Art und Weise
41:04
halt ähm entwickelt hat und und was ich dabei jetzt feststelle, dass,
41:14
Ort selbst ähm weniger Menschen nachkommen. Also die, die nachkommen, sind, sind wirklich oft aus dem Umfeld, aus dem Umkreis, aus dem weiteren Umkreis. Das ist der Punkt, ähm, wenn man auf die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur hier in dieser kleinen Stadt schaut
41:29
Ähm die ist extrem rückläufig und und.
41:34
Verschiebt sich halt auch in der Altersstruktur. Also wenn ich die die.
41:40
Alterspyramiden anschaue, jetzt mal auf einer auf einem auf einem Diagramm anschauen würde, ist es so, dass im Moment noch die, die arbeiten zwar.
41:49
Überwiegen und die Älteren sind noch ein bisschen drunter, aber das wird in den nächsten Jahren kippen und das merkt man natürlich auch unbedingt mit dem Geschäft. Ja, klar.
41:57  Martin Fischer
Hier, jetzt würde ich gerne nochmal davon auch nochmal einen Bogen schlagen, also die sie sind jetzt auch ein Bacher Beobachter der Kleinstadt oder Beobachterin der Kleinstadt, ähm nicht nur Akteurin
42:07
ähm war das tatsächlich auch schon immer so, also immer so mal einen Schritt ganz weit zurück zu machen, also ähm gerade zu Schulzeiten oder so, waren sie da auch schon,
42:16
interessiert an, sagen wir mal, kommunal.
42:18
Vorgängen oder großen politischen Veränderungen oder ähm also gerade neunundachtzig war's ja dann unausweichlich, aber gab's davor auch schon so ein Interesse, was
42:28
Was passiert in meiner Stadt, wie kann ich vielleicht auch Einfluss nehmen, auch wenn das vielleicht eine DDR schwieriger war.
42:34  Cornelia Unteutsch
Gar nicht.
42:35
Also das kann ich glatt verneinen, das war gar nicht, das kannte ich äh kannte ich aus meiner Familie nicht und es war, ich weiß nicht, ob das zu DDR-Zeiten ähm
42:45
üblich war, dass man das Bedürfnis hatte, sich einzubringen oder ob es.
42:50
Zu dem Zeitpunkt oder in dieser in dieser Gesellschaftsordnung eher so war, dass jeder sich nach dem Job dann eher auf seine eigene Scholle zurückgezogen hat und dort
42:59
mehr sein Privates im Vordergrund stand. Ich habe, habe dazu zu dieser Zeit keinen Zugang.
43:07
Wie wie es mit kommunalpolitischem Engagement. Ich meine, das Wort gab's ja wahrscheinlich an sich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht oder es hat.
43:16  Martin Fischer
Glaube ich auch, dass das war wahrscheinlich viel kombiniert auch mit halt äh ähm staatlichen Aktivitäten, sei es jetzt in der Schule oder im Betrieb, dass man weder die Zeit noch irgendwie den Raum hatte, irgendwie was neben diesen ganzen Aktivitäten noch zu machen.
43:30  Cornelia Unteutsch
Also diese Aktivitäten für die DDR-Zeiten, die waren ja schon da, die waren ja in verschiedenen Organisationen, ich sage mal, äh gepresst oder auch oder auch darin strukturiert und aber
43:41
das da unbedingt kommunalpolitische Aspekte irgendwo zum Tragen kamen, vielleicht war ich auch zu jung,
43:47
um das damals einschätzen zu können oder um da einen Blick dafür zu haben, aber ich habe keine Erinnerung daran auch aus meinem Umfeld nicht, aus meinem weiteren äh familiären Umfeld,
43:58
da von irgendeiner Seite ähm ein Engagement äh hinsichtlich kommunalpolitischer Dinge gab oder ich kann mich nicht mehr dran erinnern, dass darüber gesprochen wurde.
44:09
Also nicht mal das äh ist irgendwo in meiner Erinnerung äh verhaftet geblieben. Gar nichts davon.
44:15  Martin Fischer
Dann können wir vielleicht tatsächlich auch wieder den Schritt nach vorne machen, ähm weil das das äh,
44:19
Wer vielleicht so ein Studantenfunksfunktion zu sagen, okay, jetzt wo sieht das das Café eröffnet haben und am Laufen haben und anscheinend wird's ja dann auch angenommen, können sie vielleicht gleich noch wissen, was dazu sagen, wie ist denn dann angenommen wurde? Nimmt man dann auch so,
44:31
die die Stadt als ganzes mit seinen Einwohnern und den ähm ökonomischen und ja sozialen.
44:39
Gegebenheiten auch nochmal ganz anders war. Also sie haben es gerade schon gesagt, hier Einwohnerstruktur und wer ist denn überhaupt meine Zielgruppe und aha, was leben denn überhaupt für Leute in weiter und haben die überhaupt Interesse an meinem Angebot? Ist das.
44:50
Kam das dann so mit einher.
44:52  Cornelia Unteutsch
Ja, ja, unbedingt. Man verändert den Blickwinkel absolut. Also zu der Zeit, als ich noch äh im Angestelltenverhältnis war
45:00
ähm da hat man ganz andere Betrachtungsweisen oder oder ich muss es für mich auch so sagen, da ist einfach ganz, ganz viel an mir vorübergegangen. Muss ich heute
45:09
reflektieren zu sagen, dass ich meine Betrachtungsweise und meine Wahrnehmung der Stadt mit dem Eröffnen des eigenen Geschäf.
45:19
Ähm doch sehr, sehr stark verändert hat. Man war auf einmal mit mittendrin
45:24
Äh ich habe die Seiten gewechselt vom Angestelltenverhältnis ähm in einer doch erstmal schon ungewisse äh Zeit ähm
45:34
in der Selbstständigkeit
45:36
und damit verändert man die Sichtweise auf viele Dinge schon sehr, sehr, sehr stark. Dann war ich ähm natürlich jeden Tag.
45:47
In der Stadt äh,
45:49
zugegen, was vorher nicht der Fall war. Ich habe vorher auswärts gearbeitet, also in Gera, in der, in der benachbarten Stadt, bin dann auch oft wirklich so, wie es, wie es halt dann ist, mit dem Auto nur durch die Stadt durchgefahren, bin nach Hause gefahren.
46:03
Habe oft auch dort eingekauft, wo ich äh gearbeitet habe und und das verändert sich natürlich, wenn man, wenn man mit diesem Geschäft zu einem.
46:14
Zu einem kleinen Teilchen in diesem, in diesem Gefüge wird. Also damit betrachtet man es ganz anders. Man hat man hat aus dieser Position heraus, sage ich mal, auf
46:25
nicht mehr den Blick von außen. Man guckt ähm
46:28
man guckt von innen, man man äh nimmt die Dinge ganz anders wahr und man nimmt auch, man nimmt auch das Zusammenspiel ähm und zwischen den
46:39
Läden zwischen den zwischen den
46:42
ähm Handwerksbetrieben zwischen den äh Einwohnern der Stadt zwischen den Gästen, also das, was dort im Prinzip diese Symbiose, die da entsteht, das nimmt man ganz, ganz anders wahr
46:54
Weil man ein Teil davon ist, man guckt, man guckt nicht mehr als Fremder so von von oben drauf.
46:59  Martin Fischer
Ich würde jetzt gerne mal noch auf einen Punkt kommen, ähm der davon ausgeht, ähm ihre Tätigkeit im im Stadtrat, also irgendwann haben sie dann nicht nur gesagt, sie würden, sie möchten da gerne.
47:08
Also sie, sie verstehen die Stadt jetzt besser, sondern sie haben jetzt vielleicht auch das Gefühl, sie können noch mehr dazu beitragen, als jetzt äh ein Angebot in ähm ja als als Unternehmerin machen.
47:19  Cornelia Unteutsch
Es war dann, es war dann der der Fall meine Tochter, die ging dann hier weg, die ging zum Studium ähm kam auch nicht wieder. Ich hatte, ich hatte auf einmal.
47:33
Zeit,
47:34
Ich hatte auf einmal mehr Zeit und hatte dann den Gedanken, ähm es ist gesehen, ist abgeschlossen. Du hast deine, du hast deine Tochter groß, du bist jetzt,
47:44
alleine hier, also ich lebe alleine. Ähm du hast dein Café, welches welches.
47:51
Zehn Jahre damals oder fünfzehn Jahre, fünfzehn, sechzehn Jahre gut lief als der Gedanke, als der Gedanke dann.
47:57  Martin Fischer
Enormer Erfolg, ein enormer Erfolg, also wirklich sechzehn Jahre und am Anfang macht man sich so Sorgen, ne?
48:01  Cornelia Unteutsch
Ja und ne, es ist aber vielleicht ist es auch ganz.
48:04  Martin Fischer
Oder keine Sorgen, sondern.
48:09  Cornelia Unteutsch
Im Hinterkopf zwar schon immer mit dem Gedanken, dass man, dass man schon damit rechnen muss, dass es vielleicht auch nicht so aufgeht, aber aber wenn man dann rückblickend guckt und denkt, du hast es soweit geschafft und irgendwo kam dann halt eine gewisse Routine auch in
48:22
Alltag und und ich hatte so auch für mich das Gefühl ähm.
48:26
Nicht mehr so fordert wie am Anfang. Also es sind dann viele Abläufe, die einfach, die einfach äh routiniert ablaufen, wo man wo man ähm.
48:41
Auf einmal wieder merkt man man gewinnt einen gewissen Freiraum, zumindestens im Kopf. Also es war dann oft so, dass ich so in meiner Küche stand gebacken habe vorbereitet habe, getan habe und die die Abläufe so flüssig sind, dass im Prinzip der Kopf frei war und,
48:54
man Zeit hat äh Gedanken äh hin und her zu wälzen und und da betrachtet meine Tür ist die Lage, betrachtet das.
49:02
Unmittelbare Umfeld und und irgendwann kam dann so der Punkt heraus. Ich habe ganz am Anfang, als ich aufgemacht habe, äh ich mache nochmal einen Bogen zu zweitausenddrei zurück.
49:11
Habe ich damals gesagt, ähm, ich mache das Café einerseits für mich und ich mache es andererseits auch damit in der Stadt ein Platz entsteht, ähm
49:21
WF.
49:22
Wo Leben ist, ähm wo man sagt, es ist ein Trio-und Angelpunkt, es ist es ist ein ein sozialer Treffpunkt und und,
49:31
Ich wollte, es ist gerade in kleinen Städten ja oft so, wenn man irgendwo hingefahren ist und sagt, oh, kann man hier irgendwo einen Kaffee trinken, gibt's hier irgendwas? Ah nein, wir haben nichts.
49:39
Nichts oder gehen sie mal zum Bäcker, da kriegen sie einen Kaffee äh.
49:43  Martin Fischer
Plundert Stückchen.
49:44  Cornelia Unteutsch
Ja, ja, ja, genau so und und ich wollte, ich wollte so einen, einen, einen, einen,
49:50
Anführungspunkt so, ich nenn's auch mal magischen Ort, so etwas etwas Besonderes schaffen. Und warum nicht in der Kleinstadt? Warum nicht? Was spricht dagegen? Und.
50:01
Irgendwann war ich aber an dem Punkt, es war so eingeschliffen und es lief so
50:06
ich will nicht sagen, nebenher, aber ich musste nicht mehr so viel äh kreative Energie da reinsetzen. Es war, es hatte, es hatte einen gewissen Stand erreicht und es war an mir den
50:18
zu halten und ich hatte meinen Kopf für für andere Dinge einfach wieder frei und da kam dann.
50:25
Ich denk mal durch durch verschiedene auch Gespräche mit Menschen und durch durch Erlebnisse im Umfeld kam dann kam dann der Gedanke du hast jetzt Zeit also
50:37
Bist auch in einem Alter, wenn es unsere Generation da nicht macht, ähm sich politisch zu engagieren und vielleicht ein bisschen auch den oder ein wenig den Ort davon
50:48
Profitieren zu lassen von dem von deinen Erfahrungen, die du auch gemacht hast, mit dem Geschäf
50:53
wie schaffe ich es Fremde nach Weida zu locken, weil weil Weida war mal eine Industriestadt, so wie wie wir das am Anfang schon mal hatten
51:01
das ist ein Punkt, da werden wir, da werden wir nie mehr hinkommen, das ist dann auch die Frage, will man das als Stadt, man muss sich ja auch auf 'ne, auf 'ne gewisse Konzeption irgendwann mal festlegen und muss sagen, okay, mein Ziel ist es, eine Indust.
51:15
Zu sein, mein Ziel ist.
51:17
Ähm am Tourismus mit anzudocken und vielleicht zu sagen, äh wir machen unsere, wir stellen unsere Ausrichtung auf auf die touristische Linie, vielleicht in Verbindung mit einer,
51:29
Jena ist nicht weit weg, es ist eine halbe Stunde von hier entfernt.
51:34
Kann man auch sagen, genau wahnsinnig teurer vom Wohnraum her, vom vom ähm Bauland her, warum nicht.
51:43
Versuchen äh Menschen, die dort äh arbeiten, auch hierher in den ländlichen Raum äh zum Wohnen zu bewegen. Man wird damit sicherlich nicht jeden greifen, aber es gibt
51:54
sicherlich Menschen, die dann sagen, okay, dann habe ich die halbe Stunde Fahrtzeit am Tag ähm oder in der Summe dann mit Hin und Rückfahrt eine Stunde Fahrzeit und nehme, nehme das in Kauf, um hier vielleicht in
52:08
in einer Stadt, die wesentlich ruhiger ist, die wesentlich preiswerter ist, um hier mein, mein Zuhause zu gründen und und
52:16
Da dachte ich ähm bring dich mit deinen Gedanken einfach mit ein.
52:21  Martin Fischer
Und wie sind sie da vorgegangen? Also wie wie haben sie dann äh damit gestartet zu sagen, okay, jetzt ähm jetzt will ich das machen, wie wie machen sie's dann? Wie haben sie's gemacht.
52:29  Cornelia Unteutsch
Also es hat sich dann im Prinzip vor zwei Jahren ähm so der Gedanke herauskristallisiert ähm.
52:37
Bei der bei der äh Stadtratswahl im Jahr zweitausendneunzehn war's gewesen, genau. Zweitausendneunzehn
52:45
ist ja im Mai. Äh es fühlt sich schon viel weiter weg an, also zweitausendachtzehn haben wir dann so das erste Mal drüber geredet bei der St.
52:51
Mit anzutreten. Äh damals war dann noch so die Frage, lasse ich mich denn als Einzelkandidat aufstellen oder oder schließe ich mich irgendeiner Wählervereinigung an? Also ich war in der Frage damals auch noch nicht.
53:04
Ähm fixiert, zu sagen, ich muss jetzt,
53:08
äh bei irgendeiner Partei mit Zugehörig sein. Letzten Endes hat sich's dann ergeben über über Bekannte, die dann sagen, Mensch, willst du dir nicht bei uns.
53:19
Bitte nicht bei uns mit äh dich auf die Liste setzen lassen. Wir hätten dich gerne mit dabei, das waren dann letzten Endes die Grünen.
53:25
Ich bin selber kein Parteimitglied, habe aber ähm durchaus schon eine äh grüne Lebensweise, sage ich mal oder kann da viele viele ähm Punkte auch, die in den Grünen Prog
53:37
äh beinhaltet sind durchaus teilen, deswegen war das für mich eine Dame ist absolut denkbare Möglichkeit und.
53:43
Endes bin ich über die grüne Liste im Mai zweitausendneunzehn war's genau in den in den Weidauer Stadtrat gelang.
53:51  Martin Fischer
Wie war das denn? Wie war es denn? Bekannt war das Ergebnis und man ist jetzt auf einmal äh Politikerin.
53:56  Cornelia Unteutsch
Schon sehr sehr ungewohnt, muss ich sagen, weil es ist ja doch irgendwo ein Sprung ins kalte Wasser. Also ich habe keine politischen Vorerfahrung. Ja, wieder mal.
54:07
Ja, genau, wieder mal äh ich habe keinerlei politische Vorerfahrung, bin in der Frage vielleicht auch ähm.
54:17
Wieder mal ein bisschen Blauäugig herangegangen und.
54:23
Und ähm wusste dort natürlich auch ähm gar nicht was auf mich zukommt und.
54:29
Sehr, dass heute auch immer noch so, ich sehe mich immer noch als äh nach den anderthalb Jahren immer noch als Neuling und würde würde da ähm niemals sagen, ich bin jetzt hier schon ähm
54:42
mir angekommen bin ich schon. Das kann man jetzt so nicht sagen, aber.
54:46  Martin Fischer
Die Routine beim die Routine beim Kuchenbacken ist noch nicht in der Politik.
54:50  Cornelia Unteutsch
Nein, nein, nein, die Routine beim Kuchenbacken ist noch nie in der Politik angekommen und ich bin auch jemand, ich bin an die Sache so rangegangen, dass ich sage, äh, ich bin hier an der
54:59
Kommunalpolitik und Kommunalpolitik ist für mich etwas, äh was halt auf ganz ganz kleiner Ebene stattfindet, gerade in so einer kleinen Stadt und ich bin hier der Meinung,
55:08
dass man hier auch nicht unbedingt das Ganze immer gerade im Stadtrat sind wir äh zwanzig Personen, dass man zwanzig Stadträte
55:17
dass man das Ganze auch nicht unbedingt immer in in Parteien, Fraktionen verhacken sollte. Wir sind hier angetreten. Das ist ja im Prinzip eine Sache ein Ehrenamt, was man dort
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begleitet. Also eine eine Position, die man äh wahrscheinlich in den wenigsten Fällen macht, um irgendwo
55:34
eine politische Karriere zu starten, die meisten der Stadträte, denke ich mal, sitzen dort aus den gleichen Beweggründen wie ich, dass sie für ihre Stadt etwas bewegen wollen. Und deswegen finde ich es ganz ganz wichtig, dass man gerade auf kommunalpolitischer Ebene zusammenarbeitet und nicht gegeneinander arbeitet und das ist so meine Hauptintention zu sagen,
55:52
man muss hier als allererstes ähm Bender knüpfen. Man muss versuchen ähm auf die Menschen zuzugehen, die Menschen zu verstehen
56:01
zu hören, was will wer? Egal, ob der jetzt beim linken Sitz, ob der bei den Grünen sitzt, ob der in der CDU sitzt, das hat für mich auf kommunalpolitischer Ebene. Gebe ich ehrlich zu überhaupt keine Relevanz,
56:12
Also wenn man mal von der rechten Ecke absehen, die ist aber bei uns Gott sei Dank im Stadtrat nicht vertreten. Äh.
56:18  Martin Fischer
'ne gute Nachricht auf jeden Fall.
56:19  Cornelia Unteutsch
Ja, ob das so bleibt, mag dahingestellt sein. Im Moment ist es aber Gott sei Dank der Fall und so gesehen bin ich der Meinung,
56:26
muss ich versuchen mit den anderen zusammenzuarbeiten und ich denke, wenn es ein guter, ein guter Gedanke, ein guter Impuls ist
56:33
ist es auch völlig egal, aus welcher der Richtung er kommt. Wenn es meiner Kommune, wenn es meiner Stadt dient und das ist mein Herangehensweise an die Sache.
56:43
Die es nun unbedingt immer konform ist mit den großen äh mit den großen Parteien und deren Gedanken, dass die Ideen ja nun immer aus.
56:51
Deren Richtung dann egal äh welchen Namen die Partei trägt, kommen muss, das sehe ich aber in der Kommunalpolitik Anders.
57:00  Martin Fischer
Ja und ich ich wie Sie schon sagen, also
57:03
Gott sei Dank sind eben rechte Parteien nicht in der Kommunalpolitik drin, sondern wenn wirklich mal mit Parteien zusammenarbeiten kann, die also in in Weiler jetzt zumindest wenn wirklich Parteien im Stadtrat sitzen, die
57:13
Auf einer demokratischen äh Grundordnung agieren.
57:17
Dann ist dann fällt die Zusammenarbeit vielleicht auch nicht so schwer, als wenn man jetzt noch gegen ja, eben eben rechte Repräsentantinnen äh angehen muss, die von der Ideologie halt schon eine ganz andere äh Verständnis von Demokratie und und den Menschen haben.
57:31  Cornelia Unteutsch
Ja und da man das hier im Moment ausschließen kann äh ist das für die Zusammenarbeit erstmal eine sehr, sehr gute Basis. Und dann denke ich, braucht es einfach eine gewisse Zeit.
57:41
Braucht.
57:42
Braucht ein ein gewisses Vertrauen natürlich auch und ich bin kein Freund davon äh Dinge dann übers Knie zu brechen, sondern ich,
57:53
Dinge lieber langsamern, also ein ein recht guter Bekannter hat mal zu mir gesagt, du darfst eines nicht vergessen, wenn du dich für den Stadtrat aufstellen lässt. Du darfst keine Wunder erwarten, die du dort bewirken kannst,
58:04
eine kleine Stadt wird immer eine kleine Stadt bleiben und die wird immer in ihrer Denkweise irgendwo weitest.
58:10
Verhaftet bleiben. Also es wird ein Weg, der ganz, ganz kleinen Schritte und du musst auch damit leben, wenn du einen Schritt vorwärts gehst, dass du wieder einen Schritt zurück äh zurückgehen wirst.
58:20
Und wenn du dir das verinnerlicht hast, ähm dann wirst du auch damit umgehen können. Wenn du erwartest äh vielleicht ähnlich, wie du das mit deinem Geschäft gemacht hast ähm,
58:32
etwas umkrempeln zu können und völlig frischen Wind hineinzubringen, wirst du sehr, sehr, sehr schnell desillusioniert aus der Sache herausgehen. Und das war, glaube ich, auch eine ganz große Hilfe, diesen dieser dieser Satz
58:45
den ihr mir noch ähm.
58:48
Gleich zu Beginn mit auf den Weg gegeben hat, weil weil das hat mich, glaube ich, die Sache ähm relativ realistisch von Anfang an betrachten lassen
58:58
dass ich äh wusste, äh ich werde, werde weiter nicht innerhalb von einem Jahr, zwei Jahren, drei Jahren irgendwo ändern können und ich wär's auch schon gar nicht. Ich wär's auch schon gar nicht alleine tun können, weil ich si
59:11
mit einer Stimme für die Grünen im Stadtrat und es ist wichtig, wenn ich, wenn ich ein, ein bestimmtes Projekt im Auge habe,
59:20
Das ist äh mit den anderen zusammenarbeite.
59:24
Ich äh die vielleicht für gewisse Sachen, dass ich Menschen, für gewisse Sachen begeistern kann, manchmal sehe ich es auch nur so.
59:32
Vielleicht muss man manchmal auch nur Impulse und Denkanstöße geben und und schon das kann eine ganze Menge mehr bewirken als vielleicht zu einem zu einem
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Zeitpunkt X oder zu einem Zeitpunkt jetzt.
59:46
Mit etwas zu kommen, äh wofür vielleicht auch so eine Stadt noch gar nicht noch gar nicht bereit oder oder reif ist und ähm,
59:56
Da muss man vielleicht um gewisses gewisses
59:59
Feingefühl dafür haben oder oder muss es vielleicht auch mal, ich bin, ich bin eher ein Mensch der leisen Töne, also ich bin
1:00:07
gehöre nicht unbedingt zu denen, die die im Vordergrund stehen müssen und ich bin auch jemand, der der zuhört ähm
1:00:17
und der der schon schaut, wo hat er Möglichkeiten, an welchen Stellen mit mit einzuwirken. Also.
1:00:24  Martin Fischer
Was war denn vielleicht so ein interessantes Thema ähm oder womit beschäftigt sich der Stadtrat jetzt gerade oder hat sich zweitausendneunzehn beschäftigt, bevor dann zweitausendzwanzig Korona kam, ähm was sind denn so,
1:00:34
Typische Sachen, mit denen sich so ein Stadtrat beschäftigt, ähm in der aufm Land in Thüringen.
1:00:40  Cornelia Unteutsch
Also was jetzt sage ich mal, das über über allem stehende oder über allem stehende ist jetzt vielleicht auch falsch ausge,
1:00:47
was uns sehr beschäftigt hat gerade im vergangenen Jahr war äh ein Projekt, das heißt integriertes Stadtentwicklungskonzept.
1:00:56
Zusammen mit einem mit einem Planungsbüro äh aus Weimar erstellt, wo im Prin.
1:01:01
Die die Ausrichtung der Stadt in welche Richtung sie sich weiterentwickeln will ähm konzipiert wird. Und da sitzen dann im Prinz.
1:01:12
Der Verwaltung Vertreter des Stadtrates, äh, berufene Bürger und eben dieses Planungsbüro an einem Tisch in einem in, ich sag mal in 'ner Arbeit.
1:01:23
Und dort werden dann halt äh Ist-Zustand, was ist jetzt, wird eine eine Auffassung ähm gemacht, wie ist jetzt der.
1:01:33
Zum Beispiel der Leerstand an Gebäuden, wie ist die Beschaffenheit an Gebäuden, wie ist die Bevölkerungsstruktur? Also so ganz
1:01:40
äh verschiedene Datensäulen im Prinzip aufgenommen, werden miteinander verglichen, ins Verhältnis gesetzt. Wie ist es jetzt.
1:01:48
Wie ist die prognostizierte Entwicklung in den nächsten hier, in dem Falle waren's fünfzehn Jahren.
1:01:53
Bis zweitausendfünfunddreißig, weil damit habe ich erstmal eine gewisse Arbeitsgrundlage, um zu wissen, äh,
1:01:59
wie geht die, geht die städtische Entwicklung weiter äh und wie kann ich darauf im Prinzip
1:02:05
einwirken, wo kann ich anknüpfen, wo kann ich aufbauen und das ist im Prinzip so ein Arbeitsmittel. Das findet jetzt gerade seinen Abschluss und damit damit sollte die Stadt die Verwaltung und der Stadtrat in den nächsten Jahren dann natürlich im besten Falle unbedingt arbeiten, weil das ist.
1:02:18
Das ist, sage ich mal, ein Werkzeug, was man in der Hand hat, wo man auch Zahlen hat, wo man äh wo man ähm
1:02:25
Nachschlagewerk hat, wo man wo man ähm Entwicklungs äh Richtungen der Stadt ausrichten kann.
1:02:32  Martin Fischer
Das ist so ein bisschen das, was wir grad ähm besprochen haben, also bohrten wir jetzt nach Erdöl oder äh gucken wir jetzt nach dem Tourismus oder lockt man jetzt vielleicht Pendler an aus Jena? Also ist das so die Diskussion, die da geführt wird in dem Rahmen.
1:02:46  Cornelia Unteutsch
Genau, genau, das ist die, das ist die Ausrichtung, das sind die Diskussionen, die dort geführt werden. Und ich denke, das ist halt auch, das ist einer der Hauptpunkte, auf die man sich, auf die man sich schon fest
1:02:56
legen sollte, weil das bestimmt ja die Zukunft und die Geschicke einer Stadt irgendwo. Ihre Einwohner, ihre
1:03:02
Tour ähm ähm verfällt die Innenstadt ähm und ich habe keine Einwohner mehr, fällt am Ende auch der Tourismus hinten runter, weil ähm nur vielleicht um irgendein schönes Bauwerk an,
1:03:14
ähm fährt man fährt man nicht an einen Ort, man man will die Gesamtheit erleben und,
1:03:23
das sind, das sind so diese Dinge, die man dabei immer ähm im Zusammenhang mit dem miteinander betrachten muss.
1:03:30  Martin Fischer
Das ist wahrscheinlich jetzt nochmal ein neuer Blick auf die Stadt, also den sie als Unternehmerin bekommen haben, war wahrscheinlich so auch der erste Perspektivwechsel und jetzt nochmal ein Neuer, gibt's jetzt,
1:03:40
da draus schon wieder neue Erkenntnisse, wo sie für sich sagen, okay, jetzt habe ich noch mal ein ganz anderes Blick, äh, einen ganz anderen Blick auf meine Heimatstadt bekommen.
1:03:47  Cornelia Unteutsch
Na ja, es ist vielleicht auch so, dass man dann sagt, äh wenn man einmal in so einem öffentlichen Gremium.
1:03:56
Anteil hat ähm sieht man vielleicht auch ähm nochmal mit anderen Augen ähm.
1:04:06
Umsetzungsmöglichkeit der eigenen Gedanken da sind natürlich immer gewisse Hürden gesetz
1:04:13
äh also man man merkt ähm dass die das vielleicht die guten und die kreativen Gedanken
1:04:22
Der eine Punkt Sinn und das dann oder der eine Punkt ist und und das
1:04:29
Endes, aber die Ausführung und die Grenzen, die einem dabei gesetzt sind, äh
1:04:35
mal so mittelbar ähm manchmal sehr dicht beieinander liegen und dass man, dass man vielleicht äh äh lernen muss, verschiedene Möglichkeiten in Betracht,
1:04:46
ziehen oder auch mal zu sagen was gäbe es denn vielleicht für Alternativlösungen oder wo kann ich mir ähm
1:04:55
im Umfeld oder auch im in der in der Region vielleicht Verbündete suchen, wo kann ich, wo kann ich vielleicht für gewisse Konzep
1:05:04
Projekte Umsetzung ähm Partnerschaften, gründen mit anderen Gemeinden, wo kann ich wo kann ich.
1:05:13
Wie man sich miteinander verzahnen kann. Wo kann man die die Arbeit vielleicht auch auf mehrere Schultern aufteilen, wo profitiert vielleicht,
1:05:21
nur die die Gemeinde davon, wo kann man letzten Endes sagen, äh wir versuchen uns als als Region besser zu vermarkten.
1:05:30  Martin Fischer
Und das sind das sind jetzt auch nochmal ja Erkenntnisse, die man ja, die man als Bürger vielleicht oder Bürgerinnen vielleicht erstmal gar nicht so hat, aber
1:05:40
ähm ist es natürlich trotzdem spannend, wenn man sagt, ich engagiere mich jetzt in meiner Stadt und äh fühle mich auch als Teil der Stadt. Sehen sie das auch an anderen, an anderen Stellen? Ist ähm.
1:05:52
Gibt's da gibt's dann eine stärkere Bewegung jetzt in weiter vielleicht auch, dass dass die Leute sich um ihre Stadt kümmern.
1:05:59  Cornelia Unteutsch
Leider nein. Leider nein. Also.
1:06:04
Glaube ich kann nicht so, kann ich so ohne großartig drüber nachzudenken, sagen, also wer sich, wer sich miteinander verbindet, sind teilweise die Einzelhändler
1:06:15
dass die wirklich dafür kämpfen, wahrgenommen zu werden, dass sie, dass sie in der Stadt weiterhin da sind, auch wenn meinetwegen,
1:06:24
Baumaßnahmen stattfinden, die vielleicht gerade mal eine Straßensperrung hervorrufen oder jetzt gerade auch zu dem Zeitpunkt in diesem Jahr, wo nun Corona irgendwo wie so ein Schatten über uns allen lag.
1:06:36
Einzelhandel geschlossen war, Einzelhandel wieder auf war, Einzelhandel jetzt wieder geschlossen ist. Also da merkt man schon auch eine eine Solidarität untereinander. Ich verwende mal das Wort
1:06:46
dass man da enger zusammenrutscht, aber ich glaube, das Ganze muss um so eine Stadt zu halten. Ähm das mus
1:06:55
das muss übergreifend passieren. Also
1:06:58
Das reicht glaube ich nicht, wenn wenn da nur die die zehn verbliebenen Einzelhändler sagen, wir versuchen ja noch an einem Strang zu ziehen, indem wir vielleicht mal eine gemeinsame, größere Werbeaktion machen. Äh wir sind weiterhin für sie da und
1:07:12
Das mus
1:07:13
das muss glaube ich ähm aus allen Bereichen kommen. Das muss von der Verwaltung kommen, von der Verwaltung kommen. Das muss vielleicht auch durch den Stadtrat noch mit ähm befeuert werden. In welcher Art und Weise jetzt auch immer, da muss man drüber nachdenken. Es muss aus dem Handel und aus dem Handwerk kommen. Und es muss natürlich auch nicht
1:07:31
zu allerletzt die Bereitschaft der Bevölkerung dazu da sein, es anzunehmen. Das ist auch ein Punkt
1:07:37
den Mann, den man niemals außer Acht lassen darf. Die Bevölkerung muss natürlich auch sagen, ich kaufe vor Ort ein, ich gehe in meine Stadt, ich
1:07:46
ich tue vielleicht auch kleine Dinge, die in meiner Hand liegen, um diese Stadt ein klein wenig lebenswerter zu machen und das sind oft ganz, ganz ähm nur Akzente, die man damit setzen kann, aber die schon, die schon ganz, ganz viel bewirken können.
1:08:01  Martin Fischer
Glauben sie, dass es auch viel verloren gegangen so in den Wendejahren? Ich habe jetzt vor kurzem Artikel gelesen über über Leipzig, dass
1:08:08
ja das immer noch so ein bisschen kämpft seine Identität jetzt zu finden, nachdem es ganz kurz mal ja Industriestadt war und Solarstadt irgendwie da in der Nähe auch noch war und jetzt wieder nicht und.
1:08:21
Weiter jetzt auch mit der Industrie, die es verloren hat, jetzt sich auch nicht mehr als Industriekleinstadt definieren kann, sondern einfach auch eine neue Rolle jetzt erstmal sucht und
1:08:29
Bürger da Schulter zucken daneben stehen und sagen ja Hauptsache ich hab noch Arbeit und alles andere ist mir erstmal egal.
1:08:34  Cornelia Unteutsch
Ja
1:08:35
Ich glaube, so ist es. Ich glaube, dieser dieser Ort muss sich wie viele andere Orte einfach neu definieren. Und das ist ein Findungsprozess. Und man muss wissen, wo will man hingehen und und welchen Weg will man da äh dabei beschreiten und und äh,
1:08:50
wen nimmt man dabei alles mit? Und es ist, denke ich, ganz wichtig, die Bevölkerung dabei dabei auch unbedingt mit ins Boot zu holen und ähm jedem auch irgendwo
1:09:00
klar zu machen, dass er ein kleiner, ein kleiner äh Teil, ein Puzzlestein doch in dem großen Gefüge ist.
1:09:07
Dass wir, dass wir in einer Gemeinschaft ähm doch wesentlich mehr erreichen kann, als wenn da vielleicht zwanzig Stadträte sich abstrampeln und vielleicht noch eine Verwaltung dazu und ein paar einzelne
1:09:19
dass das aber das Leben einer Stadt nur zu einem einem Teil ausmacht, dass jeder irgendwo ein Teil der Stadt ist und jeder
1:09:28
jeder vielleicht einen einen Anteil dazu auf seine eigene Art und Weise mitleist
1:09:33
kann, egal wie, ob er sich irgendwo gemeinnützig einbringt, ob er sein Haus saniert, ob er sein Grundstück, was vielleicht an irgendeiner Straße gelegen ist, einfach attraktiv und ansprechend gestaltet, sodass es ein,
1:09:47
ein Stückchen ist, wo man sagt, äh wenn hier ein Tourist vorbeigeht, äh er holt sich einen Eindruck, es ist schön, er er behält das in guter Erinnerung, er kommt durchaus auch ein zweites Mal wieder oder erzählt's weiter, es sind of
1:09:59
kleinen Dinge am Wegefrand. Wir können nicht die große Politik beeinflussen. Das haben wir nicht in der Hand, wir müssen das in die Hand nehmen, was wir können und das sind die Dinge vor Ort.
1:10:08  Martin Fischer
Das finde ich auch eine spannende Erkenntnis dieses Jahr in diesem Koroner Jahr, dass man dass man erstmal sieht, wie wie viele Sachen eigentlich unabhängig von einer politischen Vorgabe.
1:10:21
Als gegeben hingenommen worden sind.
1:10:24
Persönliches Engagement, ehrenamtliches Engagement, Vereinsengagement und wie viel von unserem öffentlichen Leben eigentlich.
1:10:32
Ja, von von Sachen abhängt, die für die es kein Gesetz gibt quasi, also im besten Sinne jetzt, also.
1:10:38
Vereinsfeste oder oder Nachbarschaftshilfe oder ja also grad diese Dinge die halt so miteinander definieren sind dieses Jahr sehr ins Fokus gekommen.
1:10:49  Cornelia Unteutsch
Ja unbedingt.
1:10:52  Martin Fischer
Auch ja auch ein bisschen, also mache ich mir auch ein bisschen Sorgen drum, dass dass die dass die halt überleben können und dass diese dieser Anspruch überlebt, dass man eben nicht nur Sachen für sich macht, sondern auch für andere.
1:11:04  Cornelia Unteutsch
Das ist, das ist in diesem Jahr eine sehr zweischneidige Geschichte. Also im ersten Teil, im ersten Loktor und des Jahres habe ich so für mich gedacht, die Menschen rücken, die rücken aufgrund dieser dieser Erlebnisse enger zusammen, ähm die Gemeinschaft
1:11:18
ähm wird stärker. Ich,
1:11:21
Bin mir am zweiten Lokdown dieser, dieser Sache nicht mehr ganz so sicher. Also ich habe manchmal ähm zwischenzeitlich die Befürchtung, dass da.
1:11:33
Da die Ellenbogengesellschaft ähm jetzt mehr zum zum Tragen kommt. Aber das ist.
1:11:40
Jetzt auch wieder nur mein subjektiver Eindruck, ich kann ja immer nur das das beurteilen, was ich mit meinen Augen beobachte und ich habe das Gefühl, dass diese, dass diese Solidarität untereinander, dieses
1:11:51
dieses Zusammenrutschen in den Monaten von von Mitte März bis.
1:11:56
Äh zu Sommerbeginn, dass das da zu diesem Zeitpunkt wesentlich mehr ausgeprägt war, als es das jetzt.
1:12:03
Also jetzt ist eine steigende Unsicherheit ähm äh Unsicherheit ähm führt natürlich auch zu völlig anderen ähm Reak
1:12:13
menschlichen Reaktionen und da ist es bereits das zweite Mal in diesem Jahr ist und viele vielleicht auch Angst haben um ihren Arbeit
1:12:22
um ihre Gesundheit, um ja vielleicht auch ihr ihr Zuhause, wenn noch Kredite hinten dranhängen,
1:12:31
vielleicht Wohneigentum oder oder was auch immer in jedes persönliche Umfeld damit hineinspielen kann. Also ich.
1:12:41
Ich habe bei diesem, bei diesem zweiten Logdown manchmal schon ein ein sehr ungutes Gefühl, was das ähm was das zwischenmenschliche Verhalten untereinander betrifft. Also.
1:12:54
Menschen werden dünnhäutiger, äh dünnhäutiger und und das drückt sich absolut auch in dem aus
1:13:00
wie sie sich, wie sie sich verhalten, wie sie sich mit im Miteinander verhalten.
1:13:04  Martin Fischer
Ich wollte jetzt nicht in so eine ähm düstere Stimmung äh verfallen, aber das diese Beobachtung mache ich auch. Ich ähm ja, teile das auch, dass halt das erste Halbjahr,
1:13:14
wesentlich besser lief, gefühlt als das zweite. Wolltest aber tatsächlich zum Ende hin auch nochmal vielleicht was Positives,
1:13:21
Was Positives sagen, also weniger über zwanzig zwanzig, als jetzt über unser Gespräch. Ähm ich ich will jetzt nicht den Begriff vom vom vom Wendegewinner oder Wendegewinnerin benutzen, weil das für mich immer sowas hat wie da hat man jetzt äh ein Los gezogen und ähm hat entweder.
1:13:36  Cornelia Unteutsch
Na ja, Gewinn oder Nita.
1:13:38  Martin Fischer
Genau, aber.
1:13:39
Was mir in diesem Gespräch halt sehr bewusst geworden ist, dass äh beziehungsweise was ich mir gefragt habe, ist, was hätten sie denn gemacht, wenn jetzt die Wende nicht gekommen wäre, also.
1:13:48
Die die Möglichkeiten, die die sie hatten, haben sie ja wirklich.
1:13:51
Fantastisch genutzt und es ist wirklich eine eine sehr, sehr positive Erzählung, die man ähm die sie erzählen können, bei was hätten sie denn gemacht, wenn die Wände nicht gekommen wäre, was glauben sie, wäre ihr Leben denn dann verlaufen.
1:14:02  Cornelia Unteutsch
Ich habe die Befürchtung, dass ich dann so ein ein Mensch das hätte wäre, könnte Würde geworden wäre, also so das das Konjunktives äh.
1:14:12
Ich hätte vielleicht, wenn, wenn es möglich gewesen wäre, äh ich denke, mein Leben wäre in dem Büro verlaufen, vermute ich, befürchte ich
1:14:22
Mein Leben wäre in dem Büro mit einem mit einem äh dieses Baubetriebes, mit einem höchstwahrscheinlich ungeliebten Studium verlaufen.
1:14:30
Ich hätte mich vielleicht mehr in meiner, in meiner Freizeit dann ähm auf auf andere Dinge besonnen und,
1:14:39
und hätte glaube ich nie so diese Verzahnung, diese Verzahnung von äh Berufsleben und ähm privaten Bereich als als Eink,
1:14:49
Ganzes betrachtet, aber das ist alles Hypothese, das kann man, das kann man, das kann man
1:14:54
kann man auch schwer beurteilen, wie wie der Werdegang äh unter einem anderen Regime und unter anderem ganz anderen Rahmenbedingungen verlaufen wäre. Ich habe für mich immer gesagt, die Wende kam für meine Generation oder für unsere Generation kam die einfach zur richtigen Zeit. Wir haben noch
1:15:12
Wir haben noch so viel äh Sozialismus miterlebt, um ein realistisches
1:15:17
Bild darauf zu haben, weil mit achtzehn Jahren hat man doch, war man doch schon sehr plickisch und hat sehr viel mitbekommen, was um einen herum passiert ist.
1:15:24
Aber man war oder wir waren vom Alter her.
1:15:28
Absolut im richtigen Alter um um äh unser Leben noch in die Hand zu nehmen und um das daraus zu machen, was wir daraus machen wollen und was wir, was vielleicht auch nach unseren.
1:15:40
Ähm,
1:15:41
machbar war und und das muss ich für mich immer sagen, äh das Rückblicken betrachtet, würde ich, würde ich viele Dinge ähm glaube ich nochmal äh ganz genauso oder ähnlich tun und äh es gi
1:15:55
da an meinem Leben keinen Punkt, den ich
1:16:00
den ich jemals bereut habe. Mal von diesem Jahr abgesehen, was einen so aus äh schon aus der Bahn geworfen hat ähm.
1:16:09  Martin Fischer
Aber das war ja auch keine persönliche Entscheidung, dass jetzt.
1:16:11  Cornelia Unteutsch
Aber das war keine persönliche Entscheidung. An der Stelle ist es dann schon manchmal so, dass man sagt, äh dass man dann auch rückblickend mal seine persönlichen Entscheidungen in Frage stellt und sagt, ah, bist du da wirklich richtig abgebogen, aber das ist dann dieses Jahr einfach aus dieser doch sehr, sehr, sehr speziellen.
1:16:25
Heraus entstanden, wäre ich ganz normal weiter an meinem Alltag geblieben. Aus dem es mich ja nun dieses Jahr in meinem beruflichen Feld, also in der Gastronomie,
1:16:34
zweimal wirklich Vehement herausgekickt hat, ähm wäre ich dort ganz normal weiterhin im Alltag geblieben, hätte ich das, was ich,
1:16:43
tue und was ich seit siebzehn Jahren jetzt tue, kein Stück in Frage gestellt, dieses in Frage stellen kam im Prinzip dann ähm aufgrund dieses
1:16:52
dieses von hundert auf null. Das war wirklich gerade im März war so äh als ob man gegen eine Mauer gefahren wäre und auf einmal rum anhält.
1:17:01
Und das war das war so ein Punkt, wo man dann schon äh das Lebenskonzept mal kurz hinterfragt und sagt, hast du das wirklich alles richtig gemacht? Andererseits zu dem Zeitpunkt, wo ich mich dafür entschieden habe
1:17:11
war's richtig und man konnte nicht in die Zukunft gucken, was passiert und Gott sei Dank können wir es auch nicht, was in den nächsten zehn Jahren passiert.
1:17:17  Martin Fischer
Sechzehn Jahre, wenn jemand einem gesagt hätte, sechzehn Jahren wird aber das Land erstmal lahmgelebt durch eine durch eine Krankheit, also das, das wird einem A keiner gesagt haben und zweitens,
1:17:27
ist sechzehn Jahre auch einfach eine unglaublich lange Zeit, wo man sagt, okay, das das ähm das ist ja schön, dass es überhaupt so lang funktioniert. Also das ist, dass wir ein Konzept aufgegangen ist, das ist eigentlich die, die positivere Botschaft da drin.
1:17:41  Cornelia Unteutsch
Ja, es ist, es ist sechzehn Jahre gut gegangen und und so gesehen war die Entscheidung zum damaligen Zeitpunkt, die war sowas von richtig und und es haben mir Stefkammer vielleicht noch so ganz zum Schluss sagen, ähm es haben mich.
1:17:56
Es haben mich ähm Menschen auch Gäste aus äh meines Geschäfts aus dem Café dann gef
1:18:01
äh bereust du jetzt ähm mit dem was dieses Jahr passiert ist, äh, den Schritt, den du gegangen bist, äh ähm dass du, dass du im Prinzip die Sicherheit verlassen hast und dass du ja jetzt gerade absolut in eine unsichere
1:18:16
da konnte immer noch sagen, nein, ich bereue diesen Schritt nicht, weil ich hatte dazwischen so viele gute Jahre mit mit
1:18:26
guten Begegnungen, mit fantastischen Menschen, die ich kennengelernt habe. Ich habe meinen Blickwinkel in so viele verschiedene
1:18:32
Richtung ausschweifen lassen können und ich bin auch immer ganz froh, dass ich dass ich den Blick einerseits aus dem öffentlichen Dienst heraus habe, also dass ich.
1:18:41
Kenne, äh weil ich habe die ja nun lange einige Jahre doch selber erlebt und dass ich auf der anderen Seite aber dann den Blickwinkel aus den Augen der Selbstständigkeit heraus äh erfahren durfte und
1:18:52
Das ist unglaublich bereichernd, dass man so aus beiden, aus beiden äh verschiedenen, aus diesen beiden verschiedenen Positionen in die Welt
1:18:59
betrachten kann und diese diese Jahre der Selbstständigkeit.
1:19:05
Mit diesem Jahr der Krise, was gerade so über uns liegt, möchte ich mir um keinen Preis nehmen lassen, weil da ist so viel,
1:19:13
Geballte Lebenserfahrung, so viel wunderbare Momente und so viel tolle Begegnungen drin. Also mein Leben wäre um vieles, vieles ärmer.
1:19:22
Nicht gehabt hätte.
1:19:24  Martin Fischer
Das ist eine schöne Erkenntnis und überhaupt ihre positive Grundstimmung ist glaube ich in diesem Podcast sehr deutlich geworden und ihre ihre Energie Sachen ranzugehen und Sachen neu zu machen und.
1:19:36
Ich fand das ein sehr schönes Gespräch einfach, weil's, weil's ja noch so mal was,
1:19:40
Was zeigt, was in dieser ganzen Erzählung von der DDR oder von kleinen Orten in der DDR viel zu selten vorkommt und was ich mir auch vorgenommen habe, deutlicher zu machen, vielleicht auch in diesem Format, dass man einfach zeigt, dass es hängt.
1:19:53
Das hängt eigentlich weniger am Ort, das hängt eigentlich mehr so an den Leuten und.
1:19:58  Cornelia Unteutsch
Menschen an den Menschen, die Menschen prägen einen Ort.
1:20:02  Martin Fischer
Genau und das, das fand ich ganz wichtig zu zeigen und auch mit mit ihm in ihrem Beispiel nochmal zu hören, dass das tatsächlich so ist.
1:20:10  Cornelia Unteutsch
Und es sollte da auch keine Angst davor haben, dass er nichts ausrichten kann. Es ist nichts schlimmer als zu verharren.
1:20:16
Man kann durchaus auch mal einen Fehler machen und es kann durchaus auch mal was schiefgehen, aber man sollte irgendwo immer in Bewegung bleiben und man sollte durchaus immer bereit sein, bereit sein, ähm etwas von sich prei
1:20:28
geben auch um den Preis mal auf die Nase dabei zu fliegen. Ähm.
1:20:34
Ähm immer besser etwas zu tun, als nicht.
1:20:40  Martin Fischer
Ein schönes Schlusswort von Cornelia Unter für unser kleines Gespräch über.
1:20:47
Die Kleinstadt, das Unternehmertum und die Lokalpolitik in unserer Heimatstadt oder mal Geburtstag mal zumindest weiter.
1:20:54
Ähm wir ich verlinke auf jeden Fall noch das das Kaffee, also wir können auch gerne den Namen mal nennen. Ähm der ist noch gar nicht gefallen, dass das äh Café sieben in Weider.
1:21:03  Cornelia Unteutsch
Ja, genau. Wollt ihr jetzt auch keine Werbung für das Kaffee machen? Das war eigentlich gar nicht, ja. Gar nicht der Grund.
1:21:11  Martin Fischer
Deswegen machen wir's, mache ich's jetzt auch am Schluss, deswegen mache ich das jetzt am Schluss, weil äh ich das tatsächlich auch kenne, also natürlich auch schon öfter dort war und äh kann auch bestätigen, also dieser dieser Laufweg ist ähm also ist ein bisschen versteckt, aber ich glaube.
1:21:23
Ich glaube, sie haben's mir mal erzählt oder meine Mutter hat sie mir mal erzählt, dass halt für die zum Beispiel für die Schulkinder das eigentlich gar nicht so ein ungeschickter Laufweg ist, weil das so der der kürzeste Weg übern Markt ist, wenn man dann in anderen Stadtteilen will.
1:21:34  Cornelia Unteutsch
Ja, es ist so, es ist so eine kleine, eine kleine, schmale Gasse, genau die
1:21:39
im Prinzip den Markt dann mit der Fahrstraße dahinter verbindet. Das war früher so eine ganz alte, verfallene äh kaputte Straße, wo man kaum durchgegangen ist. Das war so, auch als wir es übernommen haben. Da war die Straße gerade kur
1:21:51
vorher gepflastert worden, ansonsten sah es dort noch aus wie wie ich sag mal ausklingen des neunzehntes Jahrhundert, also das war war wirklich äh alles sehr kaputt und verfallen und.
1:22:01
Und ähm ganz, ganz alte, kaputte Bausupp
1:22:04
Substanz, also das war eine eine gruselige Gasse und die ist auch wirklich äh wieder sehr äh sehr zu leben erwacht und das ist ein ist ein schon ein schöner, ein schöner
1:22:16
Teil von Weira geworden, da oben die diese ganze Ecke oberhalb des Marktes, die ist.
1:22:21
Äh von den Eigentümern auch der anderen Häusern mit mit durchaus sehr viel Liebe und äh Geschmack ähm saniert worden und da würde ich mir auch immer so ein ganzes Stück wünschen, dass ich das äh im Stadtgebiet dann einfach so ein bisschen, ich sage mal aus
1:22:34
breitet und um sich greift und vielleicht auch so dieser dieser Nachahmungseffekt, dass man, dass man sich auch so mit den Augen den ein oder anderen Gedanken vielleicht stielt und das bei sich dann umsetzt und dass dadurch, dass
1:22:46
große, große, ganze halt immer ein ein Stückchen weit ähm vollständiger wird und ja im Sinne im Sinne der Stadt.
1:22:55  Martin Fischer
Genau, also bei ihnen kann man sich, glaube ich, eine Menge abgucken, also es ist wirklich mit sehr viel Liebe eingerichtetes Kaffee und vielen Kleinigkeiten, viele Details, viele schöne Sachen an den Wänden auf den Tischen in der Auslage. Ähm und äh ja, also mittlerweile muss man, glaube ich,
1:23:08
Also mittlerweile kennt glaube ich jeder in, weil er das das Café und wenn man.
1:23:12  Cornelia Unteutsch
Ja, ja, ja.
1:23:13  Martin Fischer
Kann den Weg dahin weisen, also das ist und wenn's wieder aufmacht, dann ähm ja, sollten das auch alle hören und hören tun, wenn sie weiter besuchen.
1:23:22
Ja, also das verlinken wir gerne, da sind auch ähm ich habe auch dieses Jahr was entdeckt sie, sie führen auch ein kleines Blog, wo sie dann auch so ein paar Erinnerungen Gedanken.
1:23:29  Cornelia Unteutsch
Ja, genau.
1:23:31  Martin Fischer
Schreiben, das ist auch sehr lesenswert, also habe ich auch drin geschmökert, jetzt in Formfeld diese Sendung nochmal. Also da kann man auch nochmal viele von den Gedanken, die wir jetzt hier in der Sendung gestrichen haben, ähm auch nochmal aus einer anderen Richtung oder mit ein bisschen mehr Text nachlesen
1:23:44
Also es kann ich auch empfehlen.
1:23:46  Cornelia Unteutsch
Ja, das ist eines der Ergebnisse dieses dieses äh erst
1:23:49
in diesem Jahr, dass ich einfach mal so, das ist so ein bisschen so eine stille Leidenschaft von mir, gerne schon Dinge, Dinge niederzuschreiben und äh und der Alltag lässt immer sehr wenig Raum dafür und und dieses auf einmal aus dem Alltag geschmissen zu sein im im
1:24:05
zweiten Quartal
1:24:07
mir auf einmal dadurch ungeahnten Freiraum dafür entstehen und dann nach der ersten Schockstarre äh hatte ich mich dann entschieden, dass vielleicht in etwas äh äh,
1:24:17
positives umzusetzen und habe dann halt angefangen, die Texte, die ich teilweise zu Hause für mich geschrieben habe, schon relativ lange eigentlich dann einfach mal online zu stellen, über diesen, über diesen Blog,
1:24:27
in der, in der Homepage, auf der Homepage.
1:24:30
Gerade wieder dabei ein bisschen was zu schreiben, weil das ist so ah das ist für mich eine sehr äh gekonnte Abwechslung und Ablenkung und ich mag das einfach sehr, sehr gerne. Nee, ein bisschen den Wortspieler.
1:24:41  Martin Fischer
Freue mich auf jeden Fall schon auf den nächsten Text, der dann vielleicht nochmal die Perspektive jetzt im Dez.
1:24:46  Cornelia Unteutsch
Ja, einfach mal dranbleiben und mal gucken.
1:24:49  Martin Fischer
Ich bedanke mich auf jeden Fall recht herzlich für unser Gespräch und wünsche ihnen alles Gute und ähm on Air und auch nochmal schöne Weihnachten.
1:24:58  Cornelia Unteutsch
Ja, ich gebe das einfach mal mit den gleichen Worten so zurück und wünsche auch ein ganz, ganz frohes Weihnachtsfest und äh einen gelungenen Start in ein hoffentlich viel, viel besseres Jahr zweitausendeinundzwanzig.
1:25:11  Martin Fischer
Dankeschön. Äh und ja nochmal vielen Dank und eine gute Zeit.
1:25:15  Cornelia Unteutsch
Na, danke, auch so, tschüss.
1:25:21  Martin Fischer
Und das war die vierundneunzigste Folge von Staatsbürgerkunde. Die nächste ist schon im Kasten und kommt bald. Damit diese und keine weiteren Folgen verpasst, abonniert den Podcast am besten.
1:25:30
Die Links und den großen Abonnierenknopf findet ihr auf der Website WWW Punkt Staatsbürgerkunde Minus Podcast Punkt DE.
1:25:38
Ich bedanke mich für eure Zeit und bei Cornelia Unträusch für ihren Besuch. Links zu ihrem Café und was sie sonst noch weiter zu entdecken gibt, findet ihr in den Shownotes.
1:25:46
Danke auch wieder mein Wolfgang Wöhrle für Ampiant One, den Titeltrack für den Podcast und ein großes Dankeschön an Ulrike Kretzmann für das Coverbild zu dieser Episode.
1:25:54
Ebenfalls geht mein Dank an das TDR-Museum für seine Unterstützung des Formats. Zum Zeitpunkt der Aufnahme für diese Folge ist es, wie viele Kultureinrichtungen im Zuge der Korona Maßnahmen geschlossen.
1:26:04
Es gibt aber auf Google Arts and Culture ein kostenlose digitale Ausstellung mit dem Namen, die gemalte Utopie, das Lob des Kommunismus.
1:26:11
Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem gleichnamigen Fresko des Künstlers Ronald Pares. Das Bild hing einst im Haus der Statistik in Ostberlin und wird seit zweitausendzehn im DDR-Museum gezeigt.
1:26:21
Diesen neunzehnhundertsiebzig vollendeten Werk setzte sich Paris mit der Utopie des Kommunismus auseinander und gibt gleichzeitig Kritik am Real existierenden System.
1:26:29
Schaut also gerne mal ins digitale Museum rein.
1:26:33
Und natürlich an der Stelle auch wie immer ein großes Dankeschön an alle Unterstützerinnen und Unterstützer von euch Hörerinnen und Hörern da draußen. Seit der Aufnahme zur letzten Folge haben Anne und Mirko, Manuel, Christoph, Matthias, Robert, Charlotte.
1:26:46
Jens, Thomas und Daniela etwas in den digitalen Hut geworfen. Vielen Dank an euch.
1:26:52
Wenn auch ihr das Format unterstützen möchtet, unter WWW Staatsbürgerkunde Minus Podcast Punkt DE findet ihr alle Möglichkeiten und Infos unter dem Link unterstützen.
1:27:01
Und falls euer Podcaster diese Funktion hat, könnt ihr auch direkt über den entsprechenden Button bei dieser Folge einen Betrag eurer Wahl, via PayPal beisteuern. Wie immer sind wir gespannt auf eure Kommentare zu dieser und anderen Episoden auf der Website.
1:27:12
Ein Kommentar bei Apple Podcast hilft uns auch, sichtbar für neue Hörerinnen und Hörer zu werten.
1:27:16
Daher unsere Bitte, wenn ihr uns unterstützen wollt, muss das nicht immer finanziell sein, empfehlt uns gerne weiter, kommentiert, teilt diese Folge, das hilft ebenso. Ein großes Dankeschön von uns, fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge. Tschüss, euer Martin.