SchönerDenken

Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte Klassiker.

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Folge 1099: ORDET: Wehe, ihr Kleingläubigen! feat. Lucas Barwenczik


ORDET von Carl Theodor Dreyer ist ein Film, der seine Mittel sparsam einsetzt, um eine Geschichte zu erzählen vom richtigen und falschen Glauben, von der Güte des Herzens und der Macht des Glaubens. Die Familie Borgen hat einen großen Hof auf Jütland. Der älteste Sohn Johannes hat soviel Kierkegaard gelesen, bis er den Verstand verloren hat und sich jetzt für Jesus hält. Der mittlere Sohn Mikkel ist zu glücklich verheiratet um an Gott zu glauben und der jüngste Sohn Anders ist zu verliebt, um an Gott zu denken. Aber der Vater der Braut stammt aus einer anderen evangelischen Tradition als die Familie Borgen und ist gegen die Verbindung. Mikkels Frau Inger (großartig: Birgitte Federspiel) ist hochschwanger – lebensgefährliche Komplikationen drohen bei der Geburt des Kindes. Kommt es jetzt auf die Fähigkeiten des Arztes an oder doch auf Gottes Willen? Als der nach außen schlicht und nüchtern wirkende Film einen großen religiösen Twist präsentiert, fliegt Thomas der Film um die Ohren. Lucas bleibt gefasst und weiß mit Marx, Heidegger und Adorno einen Weg heraus aus der cineastisch-religiösen Irritation. Es dauert etwas, bis sich die meisterhafte Kraft des Filmes entfaltet (Das Einwickeln mit Garn!) im letzten Drittel schließlich geht der Film dahin, wo noch nie ein Agnostiker zuvor gegangen ist und verursacht eine leidenschaftlich geführte Diskussion um die Macht des Kinos und des Glaubens. Extrem sehenswerter Film und – zumindest für geduldige Hörer und weihwasserfeste Fans – eine spannende Episode.


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 2021-03-03  1h20m