Lob des Gehens

In “Lob des Gehens” unterhalte ich (Nicola Wessinghage) mich mit verschiedenen Menschen über die vielen Facetten des Gehens. Dabei streife ich ganz unterschiedliche Themenfelder, von der Anatomie über Architektur, Neurologie, Kommunikation, Kunst, Kultur und Geschichte. In einigen Episoden wird es auch um kleine Experimente bzw. Erfahrungsberichte gehen. Denn Aufhänger für diesen Podcast waren vor allem meine eigene Lust am Gehen und die Neugier, besser zu verstehen, warum es auf so verschiedene Arten so gut tut, zu Fuß unterwegs zu sein.

https://lob-des-gehens.de

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episode 11: Mit Roland Stempel über das Image von Fußgänger*innen [transcript]


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Roland Stimpel ist einer der drei Ehrenamtlichen, die sich im Vorstand von Fuß e.V. engagieren, dem bundesweiten Fachverband für Fußverkehr in Deutschland. Fuß e.V. ist DER Lobbyverband, der sich für die Rechte von Fußgänger*innen im Verkehr einsetzt – und das bereits seit 1985. Roland Stimpel hat lange Zeit als Journalist gearbeitet, u.a. für Stern, Wochenpost und Wirtschaftswoche, und war bis 2017 Chefredakteur des Deutschen Architektenblatts. Schon während seines Studiums hat er sich politisch engagiert und hat in der Bürger*innenbewegung Westtangente dazu beigetragen, den Bau der Berliner Stadtautobahn zu verhindern.

Im Gespräch gehen wir der Frage nach, warum Fußgänger*innen so wenig Beachtung finden, wenn es um die Planung des Verkehrs geht, warum in der Verkehrspolitik bis heute der Geist der ersten Reichs-Straßenverkehrsordnung weht, in der festgelegt wurde: „Der Langsame hat auf den Schnelleren Rücksicht zu nehmen.“

Fuß e.V. kämpft für mehr Raum und mehr Rechte für Fußgänger*innen. Aktuell, so scheint es, hat die Pandemie der Arbeit des Vereins Vorschub geleistet. Roland Stimpel berichtet im Podcast, wie seine Vision aussieht und was für ihn erste Anzeichen dafür sind, dass Fußgänger*innen bei der Planung des Verkehrs bald mehr berücksichtigt werden als bislang. 

Roland Stimpel, Vorsitzender Fuß e.V. ; Foto: Silke Reents

Links und Buchtipps:

Website Roland Stimpel

Website Fuß e.V. 

Untersuchung zu Pressemeldungen der Polizei über Unfälle mit Fußgänger*innen, Berichterstattung im Tagesspiegel: Wie Polizeimeldungen Autounfälle verharmlosen; 20. Januar 2020 

Bertram Weisshaar: Einfach losgehen. Vom Spazieren, Streunen, Wandern und vom Denkengehen. Bastei-Lübbe, Köln, 2018.



Was sich aus dieser Folge mitnehmen lässt:

• Ein Einblick in die Arbeit von Fuß e.V.

• Eine Einschätzung des ersten Fußgänger*innengesetzes, das im Januar 2021 in Berlin verabschiedet wurde.

• Eine Erklärung, warum Fußgänger*innen bei der Verkehrsplanung so lange keine Rolle gespielt haben.

• Eine Vision, wie die Verkehrsplanung aussieht, die Fußgänger*innen als gleichberechtigte Teilnehmende am Verkehr ernst nimmt.

Weitere Informationen zum Podcast “Lob des Gehens” und Hinweise auf weitere Podcasts, Bücher und Links zum Thema Gehen auf der Website: www.lob-des-gehens.de

Der Podcast bei Instagram: @lob_des_gehens

Der Podcast bei Facebook

Musik: “Walking Dub” von Mastermind XS aus Saarbrücken von ihrem Album “Keep on moving”, erschienen unter der Creative-Commons-Lizenz 4.0 (CC BY-NC-ND 4.0).

Ich freue mich über Feedback an mail(@)lob-des-gehens.de oder in den Kommentaren auf der Website.


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 2021-03-25  54m
 
 
00:00
Musik
00:52  NIcola Wessinghage
Heute ist der Journalist und Aktivist Roland Stimpel zur Gast bei Lub des Gehens. Er ist im Vorstand von Fuß e. V. Dem bundesweiten Fachverband Fußverkehr Deutschland.
01:01
Der Lobbyverband also der sich für die Rechte von Fußgängerinnen in Verkehr einsetzt.
01:06
Das Engagement von Roland Stimpel bei Fuß e. V. Ist so etwas wie die konsequente Fortsetzung davon, was ihn teilweise beruflich und auch politisch schon lange bewegt.
01:15
Während er an der TU Berlin in den siebziger und achtziger Jahren Wirtschaftsingenieur.
01:19
Und Regionalplanung studierte, der engagierte sich Roland Stimpel in der Bürgerinnenbewegung Westtangente. Die ziemlich legendär ist und die wollten damals den Bau einer mehrspurigen Autobahn quer durch Schöneberg bis nach Tiergarten verhindern.
01:34
Das ist ihm und sein Mitstreiterinnen damals gelungen und ich hoffe, die Menschen in Berlin werden es ihm auch danken.
01:41
Nach seiner Ausbildung zum Journalisten war er als Korrespondent und Ressortleiter für Stern, Wochenpost und Wirtschaftswoche tätig. Er arbeitete dann als freier Fachjournalist und Buchautor und war bis zweitausendsiebzehn als Chefredakteur des deutschen Architektenblatts aktiv.
01:56
Seit vier Jahren arbeitet er als Non-Profit-Journalist und seit zweitausendachtzehn.
02:01
Ist er ehrenamtlich bei Fuß e. V. Im Einsatz. Seit zweitausendneunzehn dort Mitglied im Vorstand.
02:07
Fuß e. V. Gibt es in Deutschland bereits seit neunzehnhundertfünfundachtzig.
02:11
Der Verein macht Lobbyarbeit, er vertritt also die Interessen von Fußgängerinnen gegenüber Verwaltung, Politik und in der Öffentlichkeit. Fuß e. V. Das ist also so etwas wie der ADAC für Fußgängerinnen.
02:23
Aber dass dieser Vergleich mindestens an einer Stelle nicht ganz zutreffend ist, das berichtet Roland Stempel gleich im Gespräch.
02:30
Die Folge heute knüpfte in einigen Punkten an die Episode vier an, als ich mit den beiden Architektinnen Bettina Kunst und Bertold Eckebrecht über fußgängerfreundliche Städte gesprochen habe.
02:41
Heute haben wir den Schwerpunkt auf das Image der Fußgänger in den gesetzt. Das ist auf jeden Fall verbesserungswürdig, finden die Aktivistinnen von Fuß e. V.
02:49
Roland Stimpel erscheint mir genauso kämpferisch wie hoffnungsvoll.
02:53
Dafür guten Grund gibt, das erfahrt ihr jetzt im Gespräch, dass wir erneut Remote aufgenommen haben. Roland Stimpel in Berlin, ich in Hamburg. Viel Spaß dabei.
03:03  
Musik
03:10  NIcola Wessinghage
Lieber Roland, schön, dass wir uns heute sprechen können und herzlich willkommen im Podcast Lob des Gehens.
03:15  Roland Stimpel
Hat Nikola, ich freue mich auch, dass wir ein Redespaziergang machen können.
03:20  NIcola Wessinghage
Roland vor gut zwei Wochen wurde in Berlin das erste Fußgängerinnengesetz verabschiedet und ähm das sieht längere Grünphasen an den Ampeln vor.
03:29
Abgeflachte Bordsteinkanten und Sitzgelegenheiten ist das jetzt die große Revolution oder ist das eher etwas, was eine überfällige Verordnung war, die irgendwo in den Schubladen landet? Wie siehst du das und was bedeutet dieses Gesetz für
03:44
dich als Vorsitzenden von Fuß e. V.
03:46  Roland Stimpel
Es ist erstmal ganz toll, dass nach hundert Jahren Fußgängervernachlässigung, nach Buchstäblichen an den Rand drücken, zum ersten Mal wieder ein Gesetzwerk aufgestellt wurde
03:57
ähm bei dem die, wir sind ja schließlich die meisten auf den Straßen, auch mindestens verbal, erstmal ein angemessenes Gewicht bekommen.
04:05
Bisher waren wir ja buchstäblich nur eine Randgruppe, wenn auch eine sehr große und nun äh
04:10
ist quasi amtlich anerkannt, das, was in der Wirklichkeit schon immer bestanden hat. Zu Fuß gehen ist wichtig, es ist die Basis aller Mobilität und äh das dafür gibt's dann auch,
04:21
Vorgaben, paar hast du schon genannt, da stehen natürlich tausend technische Details drin, ähm, ob das Bierrevolution in der Praxis ist, die findet beim.
04:30
Gehen nicht in in einem Schritt statt, sondern an Pausenstellen zugleich.
04:35  NIcola Wessinghage
Mhm. Also ein hoffnungsvoller Anfang könnte man das nennen und ein durchaus auch eben ein Signal, was die Bedeutung des Fußgängers im Verkehr betrifft. Bevor wir jetzt weitermachen, ich habe das eben schon gesagt, du bist der Vorsitzende von Fuß e. V.
04:48
Wie kommst du eigentlich dazu, du ich hatte dich vorher schon vorgestellt, vor mit deinem Werdegang ist es nachvollziehbar, aber warum engagiert sich jemand, wie du in einem Verein der Fuß e. V. Heißt
04:57
und ähm was genau ist eigentlich Fuß e. V.
05:00  Roland Stimpel
Winzige Korrektur, wir sind drei gleichberechtigte Vorstände.
05:04
Möchte ich mich bei den vor den beiden anderen nicht vordrängen. Katalin in Darmstadt und Paul in München.
05:11
Äh ja machen, machen mit Konsens, aber ich bin der, der äh da am meisten nach außen tritt
05:17
wegen der Journalistenvergangenheit und dieser Dinge, was mich dahin getrieben hat. Ja, ich kannte das Thema, ich kannte die Leute, die das gegründet haben, wir hatten zu Studentenzeiten eine Bürgerinitiative.
05:29
Damals in Westberlin es sogar geschafft hat, eine Stadtautobahn zu verhindern, dann sind wir unterschiedliche Wege gegangen und der.
05:36
Einer der Gründer von Fuß e. V. Ist dann vor einigen Jahren plötzlich bei mir aufgeschlagen und unerwartet. Wollte was wissen. Ich war kurz davor aufzuhören als Journalist und wusste, ach, das ist jetzt das Ding für die nächsten Jahre. Es passt in jeder Hinsicht.
05:51
Läufst gerne, es hat was mit Planung und mit Politik und Verkehr und mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun, macht das,
05:59
Da ist ein großes, unbeackertes Feld, viel zu wenig Leute, die sich um ein viel zu wichtiges Thema kümmern.
06:05  NIcola Wessinghage
Das war zweitausendneunzehn bist du glaube ich bist du dann direkt in den Vorstand gekommen oder warst du vorher auch schon Mitglied im Verein.
06:11  Roland Stimpel
Eingetreten bin ich da zweitausendsiebzehn und die nächste Wahl war dann zweitausendundneunzehn ja. Vorher hab ich Pressearbeit für die gemacht, das lag natürlich nah.
06:20  NIcola Wessinghage
Ja und das ist alles ehrenamtlich, wenn ich das richtig sehe. Ja, ist alles Ehre. Also alle, die bei Fuß e. V. Engagiert sind, arbeiten ehrenamtlich für die Sache der Fußgängerinnen.
06:29  Roland Stimpel
Die meisten, es gibt zwei in der Geschäftsstelle und jetzt kommt erfreulicherweise noch jemand drittes dazu, das wächst die die Mitgliederzahl wächst überhaupt, wir haben neulich stolz gesagt, wir sind jetzt die tausend Füßler.
06:42
Winzig verglichen mit den zwanzigtausend Leuten im ADAC und
06:46
äh ich glaube, um sechsstellige Zahl im ADFC, eigentlich absurd, dass die größte Gruppe die kleinste Vertretung hat, aber das wollen wir jetzt ein bisschen ändern.
06:56  NIcola Wessinghage
Ja, das wäre euer Anliegen, das wäre genau meine Frage, wie kommt das, weil wir sind ja alle Fußgängerinnen.
07:02
Teilweise Radfahrerinnen und ähm ein noch.
07:06
Kleinerer Töne, das weiß ich gar nicht, wie ob das, wie das Verhältnis zwischen Radfahrer, Innen und Autobesitzer innen ist, aber insgesamt muss man sagen, der ADAC
07:15
scheint gute Arbeit zu machen, denn einer von drei Führerscheininhaberinnen ist dort
07:20
organisiert, was man von den Fußgängern, du hast es gerade eben gesagt, noch nicht so sagen kann, wie kommt das? Du hast selber, glaube ich, mal gesagt, Fußgängerinnen haben fast keine Lobby, also sie es gibt ja immerhin Fuß e. V. Wie kommt das.
07:32  Roland Stimpel
Das ist eigentlich paradox, die die,
07:35
Stärke des Gehens im Alltag, das die ist gleichzeitig die politische Schwäche. Die Stärke ist, es ist so unglaublich unkompliziert.
07:42
Man sieht sich gerade mal seine Schuhe an und spaziert los
07:45
brauchst kein Fahrschein und kein Führerschein und brauchst kein kein Gerät weiter und dann gehst du irgendwohin, ähm, ärgerst dich unterwegs vielleicht über vieles, erfreust dich natürlich an an noch mehr Dingen.
07:59
Schaffst es
08:00
fast immer irgendwie und ähm hast dabei aber auch nicht das Gefühl, du hast, das hast ja mit keinem Gerät gemacht, mit dem du dich identifizierst, mit einem schicken Auto oder mit einem modernen Fahrrad oder so
08:11
und ähm die Schwelle von dem äh von den Latenten Ärger, den ganz viel mit sich rumtragen zum Engagement
08:18
die ist immer noch ziemlich hoch, dafür ist der Ärger nicht groß genug und dafür ist die
08:22
Identifikation mit der natürlichsten aller Fortbewegungsarten auch nicht groß genug, ausgerechnet deshalb, weil sie so natürlich ist.
08:30  NIcola Wessinghage
Das hat ja auch eine Auswirkung, kann man sagen, denn wenn man sich mal anguckt, was jetzt in der Verkehrspolitik passiert, dann würde ich sagen, das ist so
08:38
tendiert gegen null. Ich fand das eine wirklich überraschende Zahl, dass genau ein Cent pro Jahr und Einwohner das Bundesverkehrsministerium für uns Fußgängerinnen ausgibt und das dann noch für Imagekampagnen, um vor
08:51
den Gefahren für ältere Menschen im Fußverkehr zu warnen und es gibt keinen einzigen, ich weiß nicht, ob das noch aktuell ist, aber ich habe das gefunden.
08:59
Von tausend Mitarbeiterinnen in dieser im Bundesverkehrsministerium gibt es keinen einzigen zuständigen für das Thema Fußverkehr
09:07
und auch das Umweltbundesamt sagt eigentlich, dass es eine Lehrstelle ist und wie kommt das, weil letztendlich
09:14
gibt es ja ganz, ganz viele Fußgängerinnen. Warum ist das auch politisch so irrelevant.
09:18  Roland Stimpel
Also es kommt daher, weil natürlich Verkehrsplanungen mit denen angefangen hat, die die heftigsten und man kann auch sagen, unverschämtesten Ansprüche stellen und die meisten Probleme gemacht haben und noch.
09:29
Wenn man ein großes, dickes, schweres Gerät hat und sich schnell damit bewegen will, dann hat das ganz große Implikationen für alle anderen und für den Raum und für die Welt, in der man sich bewegt. Da braucht man viel Infrastruk
09:41
Uhr, dann erzeugt man ein Sicherheitsproblem, dann gibt's Staus. Dann würden wir Fußgänger ähm immer einen Schuh, unseren Schuhschrank dabei haben müssen und den Ans.
09:51
Auch sagen, es ist leider technisch nötig, dass wir den Schuhschlag irgendwo unten auf der Straße abstellen und dass wir mit dem quer gehaltenen Schuhschrank auch immer irgendwo durch müssen, dann wären wir eine problematische und deshalb politisch auch viel gewichtigere Gruppe.
10:05
Recht natürlich, wenn jeder Schuhschrank zwanzigtausend Euro kosten würde und man damit noch irgendjemand damit noch richtig Geld verdienen könnte und es die entsprechenden Arbeitsplätze gäbe.
10:15  NIcola Wessinghage
Okay, also Fußgängerinnen sind kein Wirtschaftsfaktor und sie benötigen zu wenig Platz und letztendlich sind sie vielleicht auch zu bescheiden. Das hatten wir auch schon mal in der Folge über die Walkable Cities festgestellt. Man hat
10:27
sich oder wir haben uns als Fußgängerinnen eigentlich schon an ziemlich viel gewöhnt, was da an Zumutungen passiert und deshalb gibt es vielleicht,
10:34
gar nicht den Aufschrei oder das Gefühl, man müsste sich dagegen engagieren. Insgesamt ist ja der Raum in der Stadt knapp und was die anderen,
10:43
einen bekommen, also Autofahrer und Autofahrerin, Radfahrerin wird den anderen genommen. Ist es denn eigentlich so, dass man sagen kann.
10:51
Wir haben für die Fußgängerin wirklich definitiv zu wenig Platz und wie könnte dann eine Lösung ausgehen, dass es zu einer gerechteren Verteilung kommt.
10:59  Roland Stimpel
Mir zu wenig Platz gibt es. Es war ja bis zum ersten Weltkrieg und bis in die zwanziger Jahre so, dass man zu Fuß auf dem, was jetzt inzwischen Fahrbahn heißt, frei spazieren konnte.
11:12
Kann man ja in historischen, vielen historischen Dokumenten sehen auf Fotos oder in diesem berühmten Berlin Film von neunzehnhundertsiebenundzwanzig wo.
11:22
Symphonie der Großstadt, wo es Szenen gibt, wo die Leute frei überall rumlaufen, eine Szene am Potsdamer Platz, wo das Kind nur noch mit Hilfe des Schuhbrustes an die Hand nimmt und die Autos anhellen über über den Damm kommt. Äh.
11:34
Da geht's los. Seitdem äh wurde eine Straße von der Mitte ausgesehen, von der Geschwindigkeit aus gesehen, dass.
11:41
Haben dann einen ganz ganz tiefen Schub in der Nazizeit mit dem Dikto zur Reichsstraßenverkehrsordnung, der langsamer hat auf den schnelleren Rücksicht zu nehmen
11:50
der Fußgänger, das ist dem Fußgänger zuzumuten, sich bei Annäherung eines Kraftfahrzeugs durch Rasches beiseitespringen in Sicherheit zu bringen. Ähm und.
12:00
Äh von von diesem Geist, diesem Geist haben wir noch heute und auch dieser Raumverteilung haben wir heute. Das das äh.
12:08
Die Fahrbahn, man plant eine vielleicht eine Busspur oder eine Straßenbahntrasse, man plant heutzutage auch einen Radweg. Ja und dann gucken wir,
12:15
da noch diese vielen lästigen, die man auch noch irgendwo unterbringen muss, das ist die traditionelle Haltung. Äh, die aber jetzt aufbricht selbst im Bundesverkehrsministerium, selbst unter Andreas Scheuer, der sich aber wohl kaum persönlich drum gekümmert hat,
12:29
das jetzt ist das Referat Radverkehr jetzt immerhin in Rat und Fußverkehr umbenannt worden und es gi.
12:35
Eines ist ja eine besetzte Stelle von jemand, der sich damit auch tatsächlich beschäftigt.
12:40  NIcola Wessinghage
Dann hat es da Bewegung gegeben, das ist doch sehr schön zu hören.
12:44
Eine Stelle von tausend Mitarbeiterinnen, aber alle Anfänger sind positiv zu sehen. Und das heißt.
12:51
Habe das nochmal im Kopf, wenn das Anfang des vergangenen Jahrhunderts so war, dass alle die Straße gemeinsam benutzt haben, dann hatten wir damals schon das, was man heute ja modern wieder als Scherzpace versucht in einzelnen Städten, ist das so.
13:03  Roland Stimpel
Das zum Glück nicht ähm äh die die Trennung von Verkehrspartnern, also der Schutz für Fußgänger, das fing ab im achtzehnten Jahrhundert.
13:10
In Paris als es ein selbstbewussteres Bürgertum gab, dass sich vorher buchstäblich vor dem reitenden und unverschämten Adel zum Pferd in der Straße retten und bewahren wollte. Da wurde das Porto erfunden.
13:25
Wurde es gab war zugleich eine eine sicherheitstechnische Erfindung und gleichzeitig eine soziale, weil man auf dem Trott war auch das freie Flanieren zelebrierte, das sich unterscheiden sollte vom steifen, höflichen Schrei.
13:38
Und man hat das dann im im neunzehnten Jahrhundert überall gebaut in ab achtzehn dreiundzwanzig der erste.
13:44
Übrigens privat gebauten Fußweg in Berlin vor einem großen Lokal. Ähm, und.
13:50
Gibt, hat man auf so auf diese Weise einen Schutzraum geschaffen, aber der andere Raum war noch nicht weg.
13:56
Den Schutzraum gerade für die besonders empfindsamen und mit schnellerem Verkehr nicht auseinandersetzungsfähigen Kinder alte Leute, Menschen mit Behinderungen oder auch so, die nur einfach ver,
14:08
sein wollen oder spontan den Raum muss es nach wie vor weitergeben,
14:13
Sherts Base ist was für für kurze kleine Dorfzentren oder Willen oder so einzelne.
14:23
Eigenheim und Reihenhausgebiete und sowas. Aber nichts für die Usel der Großstadt, man muss immer Verkehr, nicht von den Stärksten, sondern von den Schwächsten her sehen.
14:33
Eigenes.
14:33  NIcola Wessinghage
Ja, also es braucht diesen Schutzraum. Nun, wenn man sich den Schutzraum in den äh Städten anguckt, dann ist der aber auch ganz schön besetzt von anderen Interessens
14:42
also wenn ich auf dem Fußgängerweg gehe dann begegnen mir dort abgestellte Roller, dann gibt es dort Cafés, die ihre Plätze dort ausstellen und es gib
14:53
immer wieder auch Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer. Und da gibt es ja so wie ich das beobachte auch schon durchaus Konflikte auch zwischen diesen beiden Gruppen, die ja eigentlich beide zu den Schwächeren zählen. Ähm wäre es nicht besser, wenn sich.
15:05
Zum Beispiel Fußgängerinnen und Radfahrerinnen mehr zusammenschließen statt dann um diesen einen Geschützen doch immer noch reduzierten Raum zu kämpfen.
15:15  Roland Stimpel
Unbedingt, also wir wir sind uns mit allen Radfahrorganisationen, mit denen wir viel zusammen machen, völlig einig. Das Fahrrad braucht eigenen besseren Raum, wir, wenn wir zu Fuß gehen
15:26
Wir freuen uns über jeden, der daher gefahren kommt, nicht in einem dicken, lautenden.
15:31
Lauten und stinkenden Fahrzeugen und schnellen, sondern in einem langsamen, leisen, abgasfreien ähm.
15:38
Und schlanken, der damit viel weniger Raum braucht. Ähm, dieser Raum muss auf Erfahrungen sein, selbstverständlich. Da ist ja.
15:45
Meistens auch genug, da wird in zwei Reihen gefahren und in zwei Reihen geparkt. Da kann man also immer noch was machen. Ähm das Fahrrad als täglich sagst, sind als technisches Gerät hat eine ist für uns sehr unglückliche Eigenschaft.
15:59
Es kann leicht in Räume, die das Auto nicht kann, die das Auto wegen seiner Dickheit, seiner Korpulenz verschont hat, also Gehwege und Parks und so weiter.
16:09
Massenhaft auftritt mit anderer Geschwindigkeit, dann ist das ein Problem, eben gerade für die Schwächeren, für die Spontanen und so weiter und deswegen sagen wir, Fahrrad braucht Zucker,
16:20
Peitsche, die das Zuckerbrot der guten Wege und die Peitsche der
16:26
härteren Sanktionen gegen Verstöße. Wir gucken da immer ein bisschen neidisch nach Frankreich, wo das Bußgeld für vieles, für Handy, Farben, Faul und aufs Handy gucken, ähm quer auf dem Gehweg parken, aber auch.
16:38
Guter oder Fahrrad auf dem Gehweg fahren, hundertfünfunddreißig Euro beträgt. Das zahlt jeder nur einmal.
16:44  NIcola Wessinghage
Gut, also ich bin ähm selber ja auch äh neben der Fußgängerin bin ich auch Radfahrerin und ich kann also in der augenblicklichen Situation, denke ich, kann man das auch
16:54
nachvollziehen, dass einige Radfahrer innen an bestimmten Stellen eben nicht auf der Straße fahren wollen, weil ja die Straße zum Teil mit Radfahrerinnen einfach auch
17:05
überhaupt nicht so ausgebaut ist. Also die Radfahrwege werden dann wiederum von den Autos mitgenutzt
17:10
und man muss schon sehr sehr aufpassen und gerade wenn man mit kleineren Kindern fährt
17:15
ist es manchmal wirklich ein Höllenhöhlenpfad, wenn man auf der Straße fährt oder auch jetzt gutes Beispiel, wenn man über die verschneiten Straßen fährt, dann fährt man in den Schneebergen, die dort abgelegt sind und auch die Radfahrwege sind leider nicht,
17:29
freigeräumt, sondern das einzige, was vielleicht nochmal eine kleine Spur wäre, ist, ist der Fußgängerweg und das heißt, wenn ich wirklich mich aufs Rad fahren.
17:37
Fokussiert habe, wenn ich umgestiegen bin vom Autofahren aufs Radfahren, dann habe ich in diesen Zeiten gar keinen Raum und manchmal eben nur einen sehr gefährlichen Raum. Also,
17:45
ist das auch etwas, was von von euch, von Fuß e. V. Gesehen wird, dass es da quasi einfach auch an der aktuellen Situation liegt, dass die Radfahrer da ausweichen.
17:55  Roland Stimpel
Klar, das ist ein Grund, es ist längst nicht der einzige Grund. Also man sieht ja auch Menschen, die die neben allen möglichen, die geben neben neuen Berliner drei Meter Fahrradwegen
18:06
bestens gesichert sind auf dem Gehweg fahren, neben neben der Fahrradstraße in allen möglichen Situationen, wo es nun wirklich nicht nötig wäre. Die, die es tun, weil sie sagen, auf der Fahrbahn kann ich nicht. Ähm auch wenn man individuell dafür Verständnis hat
18:20
ist es insgesamt für die Weiterentwicklung, für die Verkehrswende geradezu gefährlich. Ähm, denn es führt dazu, wenn wenn
18:28
Menschen auf dem Fahrrad, ihren Raum auf dem Gehweg sehen, weil sie sagen, ich kann ja nirgendwo anders. Erstens, ähm.
18:35
Versuchen sie dann ihr Problem, dass sie selber mit Stärkeren haben zu Lasten von noch Schwächeren zu lösen.
18:42
Hat erstmal mit Gerechtigkeit und einer Verkehrswende auch im sozialen Sinn überhaupt nichts zu tun. Zweitens, sind sie dann ja, wenn sie das machen, wenn man das tolerieren würde von der Fahrbahn weg.
18:53
Und äh suggerieren der Welt, ha, unser Sicherheitsproblem, unser Infrastruktur ist gelöst, das machen wir auf Gehweg. Ähm, bei großes Beifall,
19:02
von Autofahrern, die sagen, endlich sind die blöden Fahrradfahrer nicht mehr da. Erleichterung bei Politikern und Planern, die sagen, wieso, was wollt ihr denn? Es gibt doch gar kein Fahrradproblem, die brauchen doch gar keinen Raum aufm aufm,
19:14
äh auf der Fahrbahn, die organisieren sich das doch irgendwie selbst. Das ist in sozialer Hinsicht wie in politischer Hinsicht konträr zur Verkehrswende.
19:24
Darum sind wir so sehr dagegen. Nicht nur weil es das reine Fußgängerinteresse be.
19:28  NIcola Wessinghage
Gut, das heißt Räume für alle unterschiedlichen Verkehrsarten.
19:32
Das bedeutet dann, weil das habe ich eben gesagt, der Raum ist knapp, man kann nicht einfach was dran packen, das heißt, das gehört eine Reduzierung einfach des Raums für die Autofahrerinnen bedeuten,
19:43
und du hattest eben auch gesagt, der Verkehr wird immer danach orientiert, wer der Schnellste ist. Das ist ja auch eine bestimmte Vorstellung von Mobilität, die dahinter steht. Also schnell ist gut und schnell hat Vorrang. Wenn ich hier in Hamburg manchmal morgens mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit
19:57
gehe, fahre, dann sehe ich unendliche Schlangen von sich eigentlich nicht mehr bewegenden Autos und ich frage mich
20:03
ob die wirklich viel schneller sind als ich, also bestimmt in bestimmten Strecken auf keinen Fall. Ist dieses
20:09
Dicktum, diese Priorisierung. Schnell ist mobil ist das eigentlich noch zeitgemäß.
20:14  Roland Stimpel
Nein, das ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Das hatte eben auch seinen Höhepunkt in den beschriebenen dreißiger Jahren, hat sich bis heute erhalten. Der Punkt, in dem wir uns mit mit allen äh.
20:26
Fahrrad engagierten, am einigsten sind, ist der, dass die.
20:31
Wichtigste einzelne Schlüsselmaßnahme ist zu sagen in Ortschaften ist nicht mehr fünfzig das normale Tempo und dreißig die Ausnahme, sondern umgekehrt.
20:39
Dreißig ist die Regel und an Straßen wo es nicht gefährlich ist für andere, die nicht groß gequert werden und nicht längst groß, die Fahrbahnfahr von Radfahrern benutzt wird, da kann man dann auch mal fünfzig machen.
20:52
Es gibt tausend Gründe dafür, man kommt leichter rüber, man wird auch Braten nicht so aggressiv überholt und viele Untersuchungen, die es so mit Dummies gibt, sagen, dass eine, wenn man mit fünfzig gerammt wird, die Todeswahrscheinlichkeit.
21:06
Wenn man zu Fuß unterwegs war, viermal so hoch ist wie mit dreißig
21:09
also unglaublich lebensrettend davon abgesehen könnt, dann wenn mal jemand auf die Fahrbahn geht, die können ja auch viel eher anhalten mit dem Auto
21:17
viele Unfälle passieren gar nicht. Also all alles spricht für Tempo dreißig und diese lächerlichen achtundvierzig Sekunden, die ein Kilometer dann äh
21:26
länger braucht, wenn man dreißig statt fünfzig fährt die.
21:30
Ja in der Praxis tatsächlich auch nicht, was ja völlig recht. Ähm der der kommt dann oft nur eher, wenn er fünfzig gefahren ist, weil er eher an der roten Ampel an, muss heftiger in die Eisen treten und hat vorher heftiger beschleunigt, also.
21:43
Die äh das bisschen Zeit im Gänsefüßchen Verlust wird durch Zeitgewinn, durch vermiedene Unfälle, durch das leichter, quer über die Fahrbahn kommen, durch das bessere Radfahren mehrfach wieder aufgehoben.
21:55  NIcola Wessinghage
Ja. Du hast eben gesagt, die Autos rammen die Fußgängerinnen und ähm die Fußgängerinnen laufen auch mal auf die Straße. Da habt ihr eine ganz interessante. Ich glaube, das kam von Fuß e. V. Eine interessante Untersuchung der Polizeimeldungen gemacht. Wie nämlich in Polizeimeldungen, Unfälle dargestellt werden, in die Fußgängerinnen verwickelt sind. Und das geht dann
22:15
bis hin zu Absurditäten, dass ähm sozusagen ein Auto erfasste
22:20
ein Fußgänger, der einfach aus dem Laden auf den Bürgersteig rannte, ein kleines Kind, also so als sei das eine Unverschämtheit und es gibt da irgendwie noch weitere Absurditäten, ist das,
22:31
tatsächlich so das Bild, dass der dumme Fußgänger einfach im Fußgänger im Verkehr herumstolpert und dort stört, spiegelt sich das wirklich in den Nachrichten.
22:40  Roland Stimpel
Das ist so, es geht ja die heftigste Meldung, die wir kennen, lautet Vierjäger, Rante geben gegen die BMW und verletzte sich schwer.
22:47  NIcola Wessinghage
Ja. Also das ist ähm nicht nur lustig, das ist eigentlich auch schon sehr bitter. Äh ja.
22:51  Roland Stimpel
Ja ja, das, ja, das ist schon makaber, also ich sage, ich zitiere das hier jetzt nicht als, als.
22:56
Als gemeinden Scherz. Ja ja, diese Polizeimeldungen sind ein aus, die ja dann auch so inreflektiert oft in der Zeitung kommen. Äh die sind ein Ausdruck dafür. Man guckt die Welt durch die Windschutzscheibe an
23:06
und beurteilt das. Man sieht das ja schon da an der Formulierung, trat
23:11
äh das Kit trat plötzlich hinter sich, denn es davor auf der Fahrbahn. Ich möchte meine Polizeimeldung lesen, als das Kind die Straße überquerte, kam plötzlich hinter dem Sichthindernis ein Auto hervor.
23:22
Schon, das es das eine immer gibt und das andere gar nicht zeigt, äh, völlig fahrzentrierte Betrachtungsweise.
23:29
Nicht nur bei der Polizei, aber da merkt man's eben besonders deutlich. Und da ist es gerade zu gefährlich, weil diese Meldungen werden ja verbreitet und gelesen oder gehört, um das.
23:39
Wird wird immer Verkehr so dargestellt, als sei das für die, die schnell unterwegs im Schicksal hast.
23:44
Und dann tritt da halt noch jemand plötzlich hervor, aber der ganze Aspekt, Leute, ihr müsst angepasst fahren oder auch wenn es heißt, ähm, er war von der tiefstehenden Sonne geblendet.
23:54
Ist das heißt mit anderen Worten, der ist blindgefahr, der hat eine Geisterfahrt gemacht, ohne zu sehen, statt anzuhalten und dann hat er halt jemanden erwischt ähm und solches Verhalten zu verharmlosen.
24:07
Für legitim zu erklären, das ist das gefährliche und fiese an diesen Meldungen. Abgesehen vom Zynismus gegenüber den Opfern, der da immer drin steck.
24:15  NIcola Wessinghage
Ja. Ich denke mal, dass auch da vielleicht eine höhere Sensibilität ist, ja durch natürlich auch solche.
24:21
Studien, die ihr da gemacht habt oder auch Hinweise, die ihr da gebt habt, dass dann auch Journalistinnen und Journalisten zumindest, wenn sie dann solche Meldungen bekommen, vielleicht nochmal hinterfragen, ist diese Formulierung eigentlich gerechtfertigt und möchte ich die wirklich so übernehmen oder ähm
24:34
Manchmal ergibt es sich ja schon aus dem Sachverhalt, dass diese Formulierung nicht klar ist, ohne dass man nochmal nachfragen müsste. Von daher.
24:41  Roland Stimpel
Merkt man schon, also zum Beispiel beim beim norddeutschen Rundfunk, bei DBA ganz wichtig, als größte Presseagentur oder auch bei der größten Berliner Zeitung, dem Tagesspiegel, da liest sich das oft schon ganz anders.
24:54  NIcola Wessinghage
Ja, das heißt, da habt ihr schon gute Lobby-Arbeit gemacht, beziehungsweise
24:58
Ja, es gibt, es gibt vielleicht auch wirklich ein ein anderes Bewusstsein inzwischen und ähm bevor wir da nochmal hinkommen, würde ich nochmal zum
25:05
Mobilitätsbegriff. Wie ist das ganze Thema auf dem Land? Muss man da das Thema Mobilität nochmal anders begreifen? Ist es da vielleicht schwieriger
25:13
ähm zum Beispiel auf das Auto zu verzichten und sich nur aufs Fahrrad zu konzentrieren.
25:18  Roland Stimpel
Klar, also ich hänge mich jetzt mal weit raus.
25:23
Und sage ohne das Auto gäbe es vielleicht einige tausend Dollar für weniger in Deutschland.
25:29
Weil man auf Dorfmann, man möchte einen gewissen Versorgungsniveau in jeder Hinsicht, was.
25:36
Job erreichen können, Ausbildung, Einkauf, Frei zweitausend Sachen haben, ähm, die man mit den Ansprüchen auf dem Lande und der Infrastruktur, die da ist, nur mit dem Auto erreichen kann. Ähm,
25:49
heißt natürlich, dass auch da Nahmobilität vernachlässigt wird, man kennt das in den, gerade in den Dörfern, wo es Ecke ist, wo man dann die Durchfahrstraße bis dreißig Zentimeter vor die Häuser gebaut hat und an dieser Straße,
26:01
praktisch gar nicht mehr zu Fuß gehen kann.
26:04
Dass in der Situation, die man da oft hat, aufm Land, ist das alles schwieriger und in der Stadt ist es leichter und eindeutiger, heißt aber gar nicht,
26:12
man jetzt sagen würde, die müssen ja alle Autofahren, denn die Nahmobilität soll's und kann's ja auch geben, wenn die alle in ihrem Dorf, an dieser Straße entlanggehen könnten und eine Schule erreichen oder auch.
26:25
Erreichen können. Ja, vielleicht gäbe es denn ja diesen Laden überhaupt. Und sie müssten gar nicht in die Kreisstadt fahr.
26:30  NIcola Wessinghage
Also das ist so ein bisschen Hirne, Eiproblemen, also was ist da, was bedingt da was? Und ich habe mit meiner Mutter auch eine Diskussion gehabt, die sagt, sie hat sich sehr darüber geärgert, dass in der Innenstadt in einer mittelgroßen Stadt, in der sie wohnt
26:44
Plätze vor dem Rathaus abgeschafft wurden und dann sei da so ein Brunnen, den sowieso kein Mensch haben will, dafür dahin gestellt worden und ich habe gedacht, das ist doch schön, dann setzen sich da vielleicht auch mal Leute hin und dann wird das zu einem Begegnungsort, statt da Autos zu parken, das konnte sie überhaupt
26:57
teilen, weil sie sagt, ich komme halt gar nicht anders in die Stadt
27:00
Ich kann das zu Fuß nicht mehr bewältigen, das ist mir zu weit. Und eine Busverbindung gibt es gar nicht dahin. Wie soll ich dann dahin kommen und wie soll ich dann meine Geschäfte im Rathaus erledigen? Und
27:10
dann habe ich gesagt, naja, es gibt ja
27:12
die andere Option, dass man statt die Parkplätze, die man da vorhält, die ja auch nicht alle nutzen können, weil sich alle ein Auto haben. Also es gibt ja auch ältere Menschen, die dann eben gar nicht dahin kommen, den Busverkehr, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, das wäre ja sicherlich auch
27:25
eine Lösung auch für eben für Dörfer, für kleinere.
27:30
Orte, die nicht so sind. Und ich denke, dass es in den Großstädten so gut funktioniert oder dass viele dort sagen, ich brauche gar kein Auto, hat ja vor allem auch mit dem Angebot des öffentlichen Nahverkehrs zu tun.
27:40  Roland Stimpel
Damit aber auch ganz stark mit der Nähe. Ähm wenn man sich die die Musterstadt es zu Fußgehens ist Paris,
27:47
Paris, wo man immer denkt, alles die Metro, die ist immer überfüllt und damit fahren alle, aber es wird da tatsächlich Wände tatsächlich mit noch mehr Wege zu Fuß als mit der Metro zurückgelegt und mit beiden zusammen
27:58
über achtzig Prozent aller Wege. Ähm das das liegt daran, dass alles so nah ist.
28:03
Paris sehr kleinteilig organisiert ist, aber es auch bei all dem Lärm und dem Bestand, den man sich da immer ausgesetzt fühlt
28:10
der ja in zehn Jahren endet, zwei dreißig sind Benzinfahrzeuge da verboten. Gibt's aber doch eine ganz äh vernünftige Infrastruktur. Man wartet nie lange an der Ampel, sind viele Zebrastreifen da und so weiter
28:21
da da funktioniert's aber zurück zum deutschen Dorf, unsere deutschen Kleinstadt, ja, es gibt
28:27
es gibt viele Lösungen, es gibt ja mit moderner Informationstechnologie viel leichter Rufbusse und Ruftaxis, wo man nicht mehr.
28:34
Früher anrufen muss, um neun Uhr, wenn man sagt, ich will um zwölf Uhr siebzehn da an der Haltestelle sein. Ähm das das lässt sich technisch leichter bewältigen und man kann zum Beispiel auch sagen, vielleicht gibt's ja auch, wenn ihr vom Dorf kommt, ein Parkplätzchen am
28:48
Rand, der der Kleinstadt, der Innenstadt.
28:52
Wo man früher nicht wohnig bin, einen ganzen Tag, aber wo man mal für ein, zwei Stunden stehen kann und dann gibt's eine schöne Promenade zum Rathaus mit drei Bänken, wo auch ein älterer Mensch sich da mal ausruhen kann und so richtig schön die Stadt erlebt.
29:06
Aber zu sagen die die Erreichbarkeit des Rathauses mit dem Auto bedeutet immer eine schlechte Erreichbarkeit des Rathauses für andere
29:17
das Vollstellen des Rathaus vor Platzes mit Autos, bedeutet die Verlust an einem schnellen Raum für alle.
29:22  NIcola Wessinghage
Mhm. Ja
29:24
das muss man sich klar machen. Weil du gerade Paris gesagt hast. Paris ist ja wirklich jetzt auch in den letzten Jahren durch die Bürgermeisterin sehr ähm positiv.
29:34
Medien gekommen als neue Fußgängerinnenstadt, was man vor einigen Jahren überhaupt nicht hätte sich vorstellen können, als man die Plasteller Concord vor Augen hatte. Sind das gute Zeichen und sind das auch
29:44
Trends, wo du denkst, das wird sich nach und nach auch mehr ähm in Deutschland durchsetzen, weil es gi
29:50
der neben Paris auch Madrid, Kopenhagen, Wien, die da wirklich sehr sehr viel im Augenblick machen für Fußgängerinnen.
29:58  Roland Stimpel
Super, dass man die, die genannten Städte sind tatsächlich Avanga, andere in übrig zum Beispiel in der Schweiz auch. Ähm, da.
30:07
Bewegt sich wirklich eine ganze Menge. Kopenwagen fürs zu Fuß gehen weniger, weil die ganz viele Radwege von den Fußwege abgeschnitten haben
30:13
da leider nicht weniger Auto gefahren wird als früher, weil man da nicht rangegangen ist. Also Verkehrswende funktioniert definitiv nur, wenn man an den Autoraum rangeht, wenn man den weiterlässt
30:23
hat man das, was man äh auch statistisch in Holland hat, wo die Fahrleistung in Kilometern mit dem Auto in den in über zwanzig Jahren dreimal so stark angestiegen ist wie mit dem Fahrrad
30:33
trotz allem Radwegeausbaus, weil man halt dummerweise all die achtspurigen Autobahnen noch auf zehn Spuren erweitert, die es da gibt.
30:41
Hilft dann also nicht, aber Deutschland ist äh in in Verkehrsdingen ein berücksichtiges Land in Europa.
30:48
Ein, was was ein wirtschaftlichen Grund hat, aber starke Autoindustrie gibt's anderswo auch und ländliche
30:55
optimal, die man nicht so mal eben zu Fuß bewältigen kann oder mit dem Fahrrad, gibt's anderswo auch und sogar noch mehr. Ich glaube, es ist ganz stark eine mentale Frage. Ähm bei uns ist die.
31:06
In den fünfziger Jahren die Vorstellung von äh Reparatur des Zerstörten und.
31:12
Freiheit, Wirtschaftswachstum, Aufbau, aber auch eine ganz typische Versöhnung mit dem, was man für gut an der alten Vergangenheit hielt.
31:23
Also man hat ja damals nicht mal gesagt, ähm.
31:30
Ja, Hitler, vieles war schlecht, müssen wir zugeben, aber er hat auch die Autobahn gebaut und das Volkswagen darf gegründet und so weiter. Und inzwischen
31:39
das hat sich mental verfestigt und ins ist ins Unbewusste gegangen, so ähnlich wie in Amerika, der äh der Glaube vieler Leute daran, dass jeder das Recht auf Waffe haben.
31:50
Das ist mal dort in die Verfassung geschrieben für den Fall, dass die Engländer wieder kommen
31:55
Amerika als Kolonie zurückerobern wollen und der diese die Waffenideologie hat sich genauso davon losgelöst wie bei uns die,
32:04
Auto und Tempoideologie, aber das ist der Grund, warum wir immer noch kein Tempolimit auf Autobahnen haben, ein diffuses Gefühl, das sei ein.
32:11
Symbol, für Freiheit von nicht beschränktheit.
32:15  NIcola Wessinghage
Ja. Ich glaube, wenn man sich die Diskussion mit denen, die das Auto verteidigen bis aufs Letzte anschaut, dann weiß man, was du meinst, also die
32:24
Die Begriffe, die da fallen, sind wirklich Freiheit, Unabhängigkeit und alle, die quasi jetzt andere Ziele verfolgen oder auch anderen Gruppen mehr Recht geben wollen, die werden dann entsprechend auch
32:33
als Gängeler bezeichnet oder wirklich den wird vorgeworfen, man wolle ihnen die Freiheit nehmen und das Autofahren an sich wird ja auch
32:41
mystifiziert als ähm Freiheitserlebnis als unendliche ähm Weiten, die man dann erlebt, Möglichkeiten hohe hohes Maß an Flexibilität und das hatte ich ja eben schon gesagt, das ist ja doch auch
32:53
durchaus zu hinterfragen angesichts der Verkehrslage, wenn man sich dann eben diese Autos in diesen Wust von ähm Staus und so weiter, die Staumeldungen zu bestimmten Zeiten anguckt. Aber gute Nachricht ist doch eigentlich, du hast es eben auch schon angedeutet
33:07
dass man das Gefühl hat, da weht jetzt schon gerade ein bisschen anderer Wind. Also ein Zeichen könnte sein, es gibt in ersten Städten, also in Leipzig war ja die erste Stadt Fußgängerinnenbeauftragte. Was ähm was hältst du davon.
33:21  Roland Stimpel
Dass es ganz ganz wichtiger Schritt, Leipzig zuerst, übrigens nicht ganz zufällig ein Mitglied von uns
33:27
Mitte als Bezirk hat jetzt auch ein Fußgängerbeauftragter auch toll in den neuen Berliner Gesetz, über das wir am Anfang gesprochen haben
33:34
sogar, dass jeder, der zwölf Stadtbezirke zwei haben sollen und die Zentralverwaltung auch etliche. Es wird dauern, bis wir alle da sind, aber
33:43
das ist gerade wichtig, ganz ganz wichtig, dass in die Verwaltung einzubauen, dass jeder Plan auch.
33:50
Unter Fußaspekten gesehen wird, wenn irgendwo was umgebaut wird, wenn eine Ampel geschaltet wird, wenn das
33:57
Verordnung und Wirtschaft, einen Antrag hat, dass der Kneip jeder Stühle vor die Tür stellen will und nicht nur die Frage sich stellt, sondern dafür den Geraum einengen, sondern vielleicht auch die Gegenfrage, wie eng ist der Schuh und kann man dafür nicht vielleicht einen Parkplatz wegnehmen und die
34:11
Schankterrasse, wie das so schön heißt, dann an der Stelle bauen. Ähm also Norm, Norm, das normale Einbauen, was für andere völlig selbstverständlich ist, wird immer gef.
34:20
Äh die bei den Gaswerken habt ihr dann Ruhe drunter und beim Grünsprechen an, wie weit ihr in eurer Baumwurzeln und,
34:27
beim Busbetrieb kommt ihr da noch durch und da muss.
34:33
Verkehr mindestens gleiches Gericht haben, hat er bisher nicht. Das hat man so behandelt, die die Straßenplaner gesagt, das ist auch so ähnlich wie bei Sprache. Das ist auch von uns nicht bedacht, mitgemeint.
34:46  NIcola Wessinghage
Diese Fußgängerbeauftragten glaubst du, dass das mehr werden in Zukunft, dass auch andere Städte danach ziehen, weil du so wie man das hört, waren's sind's bisher Einzelne und vielleicht sind die auch gar nicht so gern gesehen.
34:58  Roland Stimpel
Naja gut, jeder der neues Interesse vertritt, macht natürlich macht's natürlich erstmal scheinbar komplizierter.
35:04
Da kommt jetzt noch einer, der mitreden will und der eigene Belange einbringt und mit dem man sich da irgendwie abstimmen muss, aber es ist ja so, die Städte werden immer enger, das heißt man muss mit dem Raum.
35:15
Effizienter umgehen, gar gar keine ideologische, sondern eine rein technische Frage. Man muss überlegen an den engen Stellen, wie viele Leute pro Stunde ähm rollen da durch und wie wie kriegt man sie dadurch.
35:28
Man kriegt rein technisch mehr durch, wenn sie da zu Fuß unterwegs sind. Darum sind ja alle die Kerne aller großen Städte vor allem zu Fuß erschlossen und.
35:37
Wichtig ist auch, dass ähm zwei Generationen besonders viel zu Fuß gegangen wird. Das sind Schulkinder.
35:45
Der einen Seite nach wie vor erfreulicherweise und die andere Gruppe sind die Älteren, so ab sechzig geht's wieder richtig los und erstaunlicherweise ist für Leute über fünfundsiebzig sagen die Statistiken das zu Fuß gehen als
35:58
Mobilitätsfond doppelt so wichtig wie für Mittelalter die berufstätig sind,
36:03
die auf andere Weise rumwuseln und natürlich auch mehr Geld haben. Diese ältere Generation wächst, stellt neue Ansprüche und es ist bei uns so, wir haben Leute aus allen Generationen
36:13
Es ist aber die Generation, in der ich auch bin, ich bin dreiundsechzig, man hört so, arbeitet.
36:21
Weniger beruflich geht mehr zu Fuß, sieht die ganzen Probleme, will was dafür tun, die wächst und die hat auch ein stärkeres politisches Gewicht.
36:31
Komm ja auch zum nicht geringen Teil zu uns, also Leute, die das auch professionell gemacht haben. Jetzt haben wir gerade, sind wir ganz stolz in der Stadt Essen, den früheren die Reperios pensionierten Direktor der Verkehrspolizei gewonnen.
36:43
Voll solche Leute zu haben.
36:44  NIcola Wessinghage
Ja. Ich glaube ja, meine These ist, dass euch Corona sehr reinspielt, weil wenn man mal schaut, wie viele Berichte jetzt über das Gehen veröffentlicht,
36:54
denke mal, dass du auch sehr viel angefragt wirst im Augenblick von Interviews. Also beobachte das ja auch, dass man dich oft hört, dann denke ich schon, dass es nicht nur.
37:04
Politischer Sicht eine Trendwende gibt, sondern dass es tatsächlich auch gerade einen Image-Wandel durchmacht, weil nämlich gerade das, was du beschreibst, dass eigentlich nur die.
37:11
Kinder und die Älteren gehen sich gerade wandelt und ganz viele aufgrund der jetzt eben gegebenen Umstände und auch der Einschränkung auch Menschen mittleren Alters, das gehen neu für sich ent.
37:23
Und selbst Jan Böhmermann hat neulich im ZDF-Magazin Neon Royal gesagt, gehen ist der Trend im Logdown und ich
37:32
glaube auch tatsächlich, wenn man sieht, wie schöne Berichte auch darüber entstehen, auch dieser Podcast ist es ja letztendlich, dass das Gehen vielleicht auch deshalb so ein bisschen aus der
37:42
erkennte er sozusagen Schwachen herauskommt, weil man sagt, es ist eben meine Stärke. Es ist ja sehr positiv zu gehen. Siehst du das auch so.
37:50  Roland Stimpel
Also klar, das ist die Art, wie man im, wir haben ja nun kommt zum Glück kein komplett Lok down, haben wir ja nie gehab.
37:57
Man durfte immer noch raus und mehr als zweihundert Meter bis zum Laden, wie das in Frankreich oder in Spanien oder auch in England zum Teil gewesen ist.
38:04
Die Art erlebt man die Welt. Ich sehe, ich wohne mitten in Berlin, in der sonst sehr touristischen Gegend, die ist um und Büro geht, die ist unter der Woche total leer jetzt.
38:13
Und am Wochenende sieht man aber ganz viele Leute, die da schlendern, die er sichtlich aus anderen Gegenden Berlins kommen, die sich sagen, ich ich komme mir jetzt bei die Mitte, ich gehe mal von der Museumsinsel zum Reichst
38:23
oder sowas. Ähm und die natürlich die Vorteile gehen aber die dann auch an der Stelle, die ich immer
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zeige, wo man gemütlich an der Spree spaziert und dann will man über die Fahrbahn, dann ist da plötzlich keine Ampel mehr
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die und dann muss man Umweg über drei andere gehen, die dann natürlich auch sich darüber ärgern. Wie weit das denn nach Corona bleibt, muss man sehen, das äh kann ja sein, dass
38:46
alle sich wieder sagen, wir wollen das machen, was wir nicht durften, wir wollen im Bett und wir wollen Party machen und,
38:52
dann bei diesen Gruppen das Gehirn wieder ein bisschen aus der Mode kommt aber ganz verschwindend wird das natürlich nicht.
38:58
So wie manche Videokonferenzen werden nicht werden nicht mehr sein, andere wird's geben, es wird sicher auch dann mehr gegangen werden und.
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Das Thema hat dadurch ist es mehr mehr ins Bewusstsein gekommen und.
39:10
Auch das Genussempfinden, das ist ja übrigens jetzt schon so, in einer großen Verkehrsstudie von zweitausendsiebzehn, vom Bundesverkehrsministerium hat man die Leute gefragt, wie zufrieden seid ihr mit eurer Fortbewegungsform
39:22
uns hat selber überrascht, die Leute zu Fuß waren die zufriedensten.
39:26
Im Auto haben über Staus geklagt, die auf dem Fahrrad, über Gefährdung, durch Autofahrer, die, die an der Bushaltestelle standen oder sich im Bus drängelt und hatten auch Grund zur Klage und die
39:37
die Einfachheit und die äh die Erlebnisträchtigkeit beim Gehen. Das äh außer irgendwo hinzukommen, irgendwo anzukommen, noch so viel anderes hast
39:47
Du siehst Wetter, Wind, siehst Leute, sie ist Architektur und sowas. Dein ähm weißt, dass du was für deine Gesundheit tust. Also die Reichhaltigkeit und Vielfalt der Bewegungsform, das spricht sich ja auch um.
39:58
Man darf's nur nicht zu progmatisch sehen und sagen, ihr dürft jetzt nur noch gehen oder jeden Hund, ähm, macht's euch äh charmanten Gepost, macht äh schafft euch die teuersten Schuhe an. Es reicht schon
40:08
Es ist spontan sagt, es ist jetzt gerade schön, ich steig mal zwei Stationen eher aus der Bahn und gehe den Rest zu Fuß nach Hause oder ich parke mal welchen Auto habe ich, parke meinen Kilometer weiter und platziere das dann und genieße.
40:22  NIcola Wessinghage
Ja, ich glaube, das ist ein wichtiges Wort und ich bin schon sehr
40:25
optimistisch, dass sich das ändert, weil was ja ganz wichtig ist auch für so eine Lobbyarbeit stelle ich mir vor, wenn man das mal vergleicht mit früher hieß
40:33
Dauerlauf fand niemand attraktiv, als das dann plötzlich joggen wurde, wurde es eine große Bewegung und da kann man ja mehrere Dinge auch mit nähen, das war auch früher war das Ende Bohr da total
40:45
spießig und ähm dann irgendwann hieß es do it yourself Bewegung und das war total hip oder ist es bis heute und genauso was Ähnliches beobachte ich gerade
40:54
mit dem Gehen, also dass eben Menschen das machen, die das vorher nicht gemacht haben, dass die darin auch Vorteile entdecken
41:00
und dass man tatsächlich sieht, dass es durchaus einen guten Bestandteil haben kann und dass es eben nicht nur etwas ist für die ähm in beigekleideten Wandervögel, die sich mit
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dem Thema Gehen beschäftigen, sondern dass das eine ganz neue, einen ganz neuen Anstrich auch bekommen kann und vielleicht
41:17
Was mir daran sehr gefällt, ist, dass es eher eine positive Haltung ist, also wir sehen etwas Positives statt immer gegen, also gegen die Autofahrer, gegen die Radfahrer, kann man jetzt sagen, es ist für mich, also für mich persönlich und das ist doch ein sehr starkes Argument für das Gehen.
41:31  Roland Stimpel
Ja, klar, ich tue keinem was Schlechtes. Ähm im im wichtigsten Großthema Klimaschutz gibt's ja das das Firmenverkehr leider falsche Wort ökologischer Fußabdruck.
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Abdruck heißen und auf alle Motorfahrzeuge bezogen sein, den ökologischen Fußabdruck angehen, gibt's fast nicht. Ähm da so ein bisschen gespalten, denn
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gibt's wieder eine Branche und ein Kult und dann macht man, dann erfindet man große Gehprogramme und schafft sich Ausrüstung an und bildet sich was an der Arm und misst seine Schrit
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und sein Blutdruck und sonst was. Äh, dabei ist noch die große Stärke, gerade die buchstäbliche Beiläufigkeit, das ist ja auch kein zufälliges Wort. Ähm man man will irgendwo hin und
42:13
geht dann mal los und erlebt dabei unterwegs tausend Dinge und genießt sie und gewinnt.
42:18
Und ähm eigentlich wünsche ich mir jetzt nicht, dass alle, dass es fünf, fünfzehn G Zeitschriften gibt
42:25
und man zum Geburtstag eine G-Ausrüstung für tausend Euro kriegt oder so, sondern dass man leichten Herzens und ohne großes Überlegen sich sagt
42:32
ach ich habe jetzt bis mein Termin irgendwo anfängt, ist ja noch eine halbe Stunde. Ähm ich gehe jetzt nicht erst in einer Viertelstunde zur Haltestelle oder zum Auto, sondern ich spaziere jetzt mal los und freue mich der Dinge, die da unterwegs sind.
42:44  NIcola Wessinghage
Ja. Ich glaube der Vorteil daran wäre, dass es ein bisschen lauter wird, wenn den Menschen das so gut gefällt, wenn es ein Trend wird, dass sie viel darüber sprechen, was sie auch
42:53
passiert. Also ähm wie ich das gesagt hat, es gibt ja sehr viele Berichte darüber von Menschen, die das Gehen jetzt von sich entdecken und das ist ja gut, wenn sie das darstellen, wenn sie darüber sprechen, wenn sie,
43:03
sozusagen ihre positiven Erfahrungen teilen und ich denke, das kann jetzt
43:09
letztendlich dem Interesse und was wir auch heute als Thema haben, dem Image der Fußgängerinnen nur gut tun, wenn ähm eine möglichst breites Spektrum an Menschen die Vorteile des Gehens erkennt,
43:20
dann darüber auch ein stärkeres Bewusstsein entwickelt, welche Rolle wir als Fußgängerinnen eigentlich spielen und dann kommen wir hier zurück
43:28
was wir zu Anfang gesagt haben, warum sind die Fußgänger denn so bescheiden, weil sie sich gar nicht als solche sehen? Weil ein Großteil der Menschen gar nicht begreift, dass
43:35
wir eine große Schnittmenge bilden, nämlich wir sind alle Fußgängerinnen.
43:38  Roland Stimpel
Ja, nee, es ist natürlich ganz wichtig, dass dass es geredet wird, dass auch über die Probleme diskut.
43:44
Wird. Ähm, es darf nur nicht die die Suggestion entstehen.
43:49
Um um richtig zu gehen, musste erstmal diese teure Ausrüstung haben und musste irgendwas gelernt haben oder so, es muss die die der Charme des Einfachen und des Beiläufigen, der sollte bleiben.
44:00  NIcola Wessinghage
Ich glaube, das lässt sich auch schwer verargumentieren, warum man eine besondere Ausrüstung fürs Gehen braucht. Nochmal in die Zukunft geblickt. Wie sieht denn der Verkehr aus, in der Fußgängerinnen die Rolle spielen, die Dudie oder der Verein Fuß e. V. Sich wünscht.
44:14  Roland Stimpel
Da gibt's eine auf die buchstäblich auf die Füße gestellte Hierarchie. Die Hierarchie von heute ist, schnell ist wichtiger als langsam, das hatten wir schon. Muss heißen, der langsamere ist wichtiger als der Schnelle, der mit dem kurzen Weg
44:28
wird ist wichtiger als der mit dem langen Weg einfach, weil er schonender ist, weil er den leichter mit weniger Aufwand zurücklegen kann. Ganz wichtig auch der Ort.
44:38
Der der Bedeutung einer Straße oder eines Platzes als Ort ist wichtiger als ihre Bedeutung zum Durchfahren.
44:45
Weiche und empfindsame ist wichtiger als der Harte. Wenn man all diese alten Prinzipien auf die Füße stellt.
44:53
Dann hat das nicht zufällig führt das nicht zufällig zu auch zu bevorzugen des Gehens, aber ich
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äh geht nicht darum, irgendetwas anderes völlig auszuschließen, sondern allen Verkehrsmenschen, die am Verkehr beteiligt sind in der Stadt. Ähm.
45:09
Zu einer integrierten Gesamtveranstaltung zu machen, in der nachher an Erreichbarkeit von Orten, an Unkompliziertheit, an Kosten an der Vermeidung von Schäden und an tausend an Sicherheit, an der Vermeidung von Unfällen das optimale rauskommt
45:24
und wenn man es mit drei Schritte zurück, aus der kleinen Distanz betrachtet
45:30
Dann wär's natürlich Quatsch zu sagen, so wie wir die autogerechte Stadt haben, sollen wir jetzt eine Stadt haben, in der man nur noch zu Fuß gehen kann.
45:37
Wir sind ja nicht mehr im Mittelalter und die Städte sind viel zu groß dafür, aber die die Rolle des zu Fußgehens, das Gewicht kann dann wieder wesentlich stärker sein.
45:44  NIcola Wessinghage
Mhm. Also eigentlich ein Paradigmenwechsel kann man sagen von der von den Wertigkeiten her gesehen und was muss jetzt geschehen? Was sind die nächsten Schritte, damit das passiert.
45:53  Roland Stimpel
Äh neben dem den großen Schritten, die in Deutschland auch nur auf Bundesebene gelöst werden können, sowie Tempo dreißig als Regel, mindestens als Option für die Städte, die dürfen ja noch nicht mal.
46:05
Dürfen auf größeren Straßen ja nur manche nur für dreihundert Meter Stücke vor der Schule oder vorm Altenheim, dann muss da.
46:11
Das Bundesgesetz schon wieder das Schild fünfzig kommen. Ähm hunderttausend kleine Dinge, es ist geht nicht darum, dass der äh die die nächste Bundesverkehrsministerin irgendwo ähm in der prächtigen Zeremonie ein Band durchschneidet.
46:26
Die Fußpromenade eröffnet und alles ist gut, sondern es geht darum, dass an zehntausend Ecken der Zebrastreifen hinkommen, die Bürger,
46:33
Bürgersteig kannte weiter in die Fahrbahnmitte gezogen wird, sodass der Weg drüber ist, dass es eine Mittelinsel gibt, über die man gut gehen kann.
46:42
Dass äh der der Gehweg so,
46:44
genommen wird, wie die Fahrbahn, wenn ich würde ich den Schuhschrank auf die Fahrbahn stellen, kommt gleich die Polizei und ich habe ein Verfahren wegen Verkehrsgefährdung am Hals. Das ist Straf.
46:55
Stelle ich alles Mögliche auf die auf den Gehweg an zwei Radfahrzeugen, auch an Vierradfahrzeugen, an Technik, an am äh Ampelmasten, an Parkautomaten, neuerdings die ganzen Elektroladesäulen.
47:09
Befinden sich ja merkwürdigerweise in Deutschland auch alle auf dem Gehweg wieder, obwohl es nun wahrlich keine keine Geinfrastruk
47:15
Tour ist. Also würde der Gehweg so wertgeschätzt und gesagt, alles was mit Fahren zu tun hat, kommt zuerst auf die Fahrbahn und nur im Notfall auf den Gehweg, dann wäre da schon ganz viel gewonnen.
47:25  NIcola Wessinghage
Ich finde das alles sehr eingängig und logisch, was du sagst, was kann denn jetzt jede einzelne und jede einzelne machen, damit das auch ankommt in der Politik und.
47:34
Quasi diese Vision einer der neuen Verkehrs eines neuen Verkehrsverständnisses und eines neuen Raumes für Fußgängerinnen, wenn damit das Wirklichkeit wird. Was was könnte ich jetzt machen.
47:44  Roland Stimpel
Ärger, den man, den man jeden Tag, den man irgendwo hat, nicht runterschlucken
47:50
sondern gucken wie man den Ärger, ob man den Ärger an den Stellen loswerden kann, die es betrifft. Das wollen wir demnächst erleichtern. Wir äh lassen jetzt eine App entwickeln, das wird erfreulicherweise vom Umweltbundesamt unterstützt, mit der man ganz schnell und ganz einfach an dem Ort, wo man ist, mit
48:05
drei, vier Klicks festhalten kann. Hier sind die Steine lose. Hier liegt immer der Dreck rum, hier ist die Ampel viel zu lange auf rot. Oder was aber auch was Positives, hier sind tolle Bäume
48:15
und äh eine Bank dazwischen, ja? Muss äh gehört auch dazu. Ähm ich mache, kann's mir natürlich einfach machen und sagen, äh geht zum Fuß e. V. Oder gründet eine lokale Initiative, die jetzt nicht gleich in, es muss muss nirgendwo in.
48:29
Groß, also Vereinsorganisation ist gut und wichtig, aber
48:33
tut was, schließt euch mit Gleichgesinnten zusammen, macht Lärm, tretet selbstbewusst auf, sagt euch immer, ihr seid die Wichtigsten im Verkehr, ihr vertretet die Basismobilität und ihr habt im Grunde
48:45
könnt daraus größer, weil ihr die
48:47
Einerseits die seit die am nettesten zu den anderen sind und die am einfachsten sind und die sozial die größten und meisten Gruppen umfasst, deswegen könnte auch mehr fordern als alle anderen,
48:57
seit selbstbewusst und sei seid ruhig laut, ihr habt's euch verdi.
49:00  NIcola Wessinghage
Gibt's ja auch auf eurer Website würde ich gerne mal hier verweisen, paar Tipps, was man machen kann, wenn man sich engagieren möchte
49:06
und ähm das ist das, was du gerade genannt hast, so in einzelnen Schritten. Was kann ich machen, wenn ich mich für bessere
49:13
Gegebenheiten für mich als Fußgängerin, als Fußgänger in meinem engeren Umfeld engagieren möchte. Man kann natürlich sicherlich auch Fuß e. V. Beitreten, nehme ich an, ihr seid ja ein Verein mit Mitgliedern
49:24
ähm das wäre ja auch eine Option. Und ganz am Ende äh der Tipps steht aber auch äh entspannt euch und geht spazieren. Machst du das auch?
49:31  Roland Stimpel
Ja klar, jetzt gleich, gerade scheint draußen die Sonne, es ist ein wunderschöner Wintertag und äh ich merke so im Hintergrund die Videokonferenz meiner Frau, die läuft jetzt auch langsam aus. Ja und dann ziehen wir uns warm an und genießen eine Stunde.
49:45  NIcola Wessinghage
Mhm. Und ihr geht dann wirklich auch mitten durch Berlin und fahrt nicht erst raus, um irgendwie in die Natur zu fahren, sondern macht das mitten in der Stadt. Gehen in der Stadt.
49:53  Roland Stimpel
Nee, es ist ja schön hier. Hier gibt's hier gibt's, man kann, hier gibt's die Spree und man kann so in der Gegend rund um unter den Linden äh ist es ja jetzt relativ ruhig.
50:03
Und hier gibt's überall schöne Wege, du musst nicht, die hat man. Hier braucht man ja immer mindestens eine halbe Stunde, um rauszukommen, aber für die Stunde mittags ist das überhaupt nicht nötig.
50:11  NIcola Wessinghage
Bevor ihr losgeht, hast du noch Tipps, die du mit den hörenden Zuhörenden hier auf den Weg geben möchtest. Also Buchtipps oder ein Buchtipp, ein Podcast-Tipp oder irgendetwas.
50:21  Roland Stimpel
Ja. Also für abends nach dem Gehen zum Lesen von Bertram Weißhaar ist äh zufällig.
50:29
Bei uns gelernter Landschaftsplaner. Ähm treibt heute die schöne Wissenschaft der Promenadologie, der Spaziergangswissenschaft, das klingt erstmal nach Scherz, hat aber äh durchaus einen ernsten Aspe
50:42
da geht's darum, wie man durchgehen und im.
50:45
Welt sieht durch ganz alltägliche Gehen und er hat ein wunderbares Buch geschrieben mit dem einfachen Titel einfach losgehen von Bertram Weißer. Das kann ich sehr empfehlen.
50:55
Und
50:55
Ansonsten, ja, der ist der wichtigste Tipp. Ähm, macht euch das Leben leichter, macht's euch schöner, habt nicht das Gefühl, wenn ihr geht, statt Fahrt, ihr verschwendet seid, sondern denkt immer dran
51:07
die unterwegs sein, ist dann auch gewonnene Zeit und es sagen ja sogar wissenschaftliche Studien, dass die
51:14
Gehzeit mehrfach in höherer Lebenserwartung wieder zurückkommt. Also wer vorwärts geht, macht sozusagen gleichzeitig immer einen Rückwärtsschritt weg vom Friedhof.
51:24  NIcola Wessinghage
Sehr schönes Schlusswort. Roland, vielen Dank, dass du da warst, dass du dir die Zeit genommen hast und ähm Einblicke in die Arbeit eines Fußlobbyisten gegeben hast und viel Erfolg weiterhin dabei.
51:36  Roland Stimpel
Ja, Nikolai, ich danke dir sehr für die schlauen Fragen und die vielen Anregungen und wünsche dir viele gute Gänge.
51:42  NIcola Wessinghage
Dankeschön.
51:43  
Musik
51:50  NIcola Wessinghage
Das Experiment, das an dieses Gespräch anschließt, ist eine Beitrittserklärung. Ich habe mich entschlossen, Mitglied bei Fuß e. V. zu werden, weil ich die Arbeit gut und wichtig finde und glaube, dass es notwendig ist, dass die Interessen von Fußgängerinnen eine Stimme haben.
52:05
Ich kann noch nicht viel davon berichten, außer, dass ich mit der Mitgliedschaft viermal im Jahr auch die Mitgliedszeitschrift mobilogisch erhalte.
52:13
Mal sehen, was sich noch daraus ergibt. Es war mir auf jeden Fall erst einmal ein Bedürfnis dabei zu sein.
52:20
Ihr habt es vielleicht schon bemerkt. Der Podcast lobt des Gehens erscheint nun nicht mehr vierzehntägig, sondern nur noch einmal monatlich.
52:27
Das hat nichts damit zu tun, dass mir die Gesprächspartner innen ausgingen. Ganz im Gegenteil. Ich bekomme von denen, die hier zuhören immer wieder neue Tipps und habe selbst noch einige auf dem Zettel.
52:38
Was mich besonders freut, dass ich bislang noch keine einzige Absage von Gesprächspartnerinnen erhalten habe, die ich angefragt habe. Das ist natürlich ein schönes Feedback.
52:47
Der Grund auf die monatliche Erscheinungsweise umzusteigen ist einfach ein Zeitproblem neben Beruf, Familie und dem, was mein Leben sonst noch so lebenswert macht, bleibt nämlich gar nicht mehr so viel freie Zeit.
52:58
Und den Aufwand, den ich mir für jede Folge gönne, den möchte ich gar nicht herunterschrauben. Das haben meine Gäste gar nicht anders verdient. So erscheint Lob des Gehens nun an jedem vierten Freitag im Monat. Das nächste Mal also am dreiundzwanzigsten April.
53:12
Danach dann Ende Mai. Ich freue mich, wenn ihr wieder dabei seid, wenn euch der Podcast gefällt, dann sagt es gerne weiter,
53:20
Genauso freue ich mich über Feedback von euch und danke allen, die mir schon so nette Rückmeldungen gegeben haben. Das motiviert mich sehr, weiterzumachen.
53:29
Ich gebe auch immer wieder alles gerne an meine Gäste weiter.
53:32
An den drei Freitagen im Monat, an denen lobt es gehens nicht erscheint, veröffentliche ich Podcastempfehlungen auf Instagram oder Facebook, wo ihr diesen Podcast ebenfalls unter Lob des Gehens findet. Dann seid ihr auch an den anderen Wochenenden gut versorgt.
53:47
Jetzt wünsche ich euch erstmal einen guten Start in den Frühling, hoffe, dass ihr dem Lopdown Frust und Nerv entkommen könnt und empfehle dafür weiterhin
53:56
schöne Wanderungen zu machen, in dem Rahmen, wie es nun gerade möglich ist. Was eine andere Taktik ist, verrät der Gast der nächsten Sendung
54:04
er hat einen besonderen Weg gefunden in Korona-Zeiten mit dem Fernweh klarzukommen. Ich freue mich schon sehr auf das Gespräch. Mehr wird hier aber jetzt noch nicht verraten.
54:13
Lasst es euch gut gehen. Bis dahin mit der Musik von Walking Dub aus Saarbrücken wünsche ich euch viele gute Frühlingsgefühle und freue mich, wenn wir uns.
54:17  
Musik