Staatsbürgerkunde

Ein Podcast über das Leben in der DDR. Im Gespräch mit Zeitzeug:innen und Expert:innen schaut Martin Fischer in jeder Folge zurück auf die Lebensaspekte in der Deutschen Demokratischen Republik. Ohne Ostalgie und verbunden mit der Frage, was sich aus der Geschichte lernen lässt.

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episode 96: Über Tage [transcript]


Vom Aufbau, Abbau und Umbau Veröffentlicht am 10.04.2021
Laufzeit: 2 Stunden und 16 Minuten


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 2021-04-10  2h16m
 
 
00:00
Musik
00:04  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Das Wort Oran ist nie gefallen, sondern da hieß es dann Metall. Man wusste also, wenn das Wort Metall auftaucht, aha, es.
00:15  Gudrun Zöbisch
War immer so schon die Rede von der EDV. Ende der sechziger Jahre war ja da unheimlich viel zu hören. Und da habe ich mich dann äh beworben im Betrieb für Bergbauausrüstung al.
00:30
Die Wissmut am Anfang stark im Stadion war. Das hatte ich zwar gehört, aber habe ich gedacht, ne, da wird so drüber geredet. Nein, das war wirklich so. Und auch in der.
00:42
Rolle.
00:45  Martin
Staatsbürgerkunde. Ein Podcast über das Leben in der DDR. Von Martin Fischer.
00:56
Folge sechsundneunzig, über Tage.
01:29
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Staatsbürgerkunde. Über die Wismut, das Oranbergaunternehmen in der DDR wollte ich schon lange mal eine Folge machen.
01:37
Erinnert wurde ich daran in diesem Jahr aus zwei Richtungen. Zum einen durch einen sehr lesenswerten Artikel in der Ausgabe der Gerbergasse achtzehn über die gesundheitlichen Nachwirkungen des Uranbergbaus.
01:47
Und zum anderen durch den Hinweis auf ein projekt der sächsischen Akademie der Wissenschaften zusammen mit der Humboldt Universität Berlin. Daran geht es um die Aufarbeitung und Dokumentation der Wismutvergangenheit.
01:58
Also wenn eine Folge zu diesem Thema dann jetzt.
02:01
Wir starten dieses Mal mit dem Expertinnengespräch für einen ersten Überblick über den Komplex Wismut und hören danach von einer Zeitzeugin, für was die elektronische Datenverarbeitung bei der Wismut eingesetzt wurde.
02:11
Wie immer viel Freude beim Hören und viel Erkenntnis gewinnen.
02:17
Doktor Astrid Minion Kirchhoff ist heute bei mir zu Gast. Sie ist Leiterin des Forschungsprojektes Wismut Erbe Zeitzeugen. Sie betreibt dieses Forschungsprojekt an der Humboldt Universität zu Berlin,
02:29
Am Lehrstuhl für neueste und Zeitgeschichte. Herzlich willkommen.
02:33  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Herzlich willkommen Herr Fischer.
02:35  Martin
Hat das alles schon mal soweit gestimmt, was ich gerade erzählt habe.
02:38  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ja, das hat gestimmt.
02:40  Martin
Dann lassen sie uns vielleicht
02:42
Ganz kurz das Thema einführen über das wir sprechen wollen. Äh ich hab schon gesagt ihr Forschungsprojekt ist Wismut, Erbe, Zeitzeugen. Äh Zeitzeugen und Zeitzeugen ist für mich natürlich immer ein sehr spannendes Thema, das äh das so sind wir auch in Kontakt gekommen
02:55
Und zu Beginn wollen wir jetzt einfach mal so ein bisschen das Themenfeld abstecken,
02:59
Und vielleicht stellen sie sich auch nochmal ganz kurz vor, wie sie denn zu diesem Forschungsprojekt gekommen sind, bevor man dann auch klären, was denn die Wismut war und was sie mit diesem Projekt
03:09
mit der Wismut vorhaben. Also wie, wie sind sie denn zu dem Thema gekommen.
03:13  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ich hab mich in den letzten zehn Jahren ungefähr in meiner Postock-Phase,
03:20
Naturschutz und Umweltschutz ähm beschäftigt und mich zunehmend an auch auf die DDR verlegt. Ähm,
03:30
Naturschutz,
03:31
Also seit neunzehnhundertfünfundvierzig und darüber schreibe ich auch mein zweites Buch, meine Habilitation, die jetzt beendet ist und habe mir aber immer auch äh mich auch immer interessiert.
03:44
Für die bundesdeutsche Geschichte, also nicht nur die DDR-Geschichte.
03:48
Im Naturschutz natürlich auch sehr viel Bezüge, es heißt die Bundesrepublik war irgendwie immer mit dem Boot und es hat sich dann mit der Zeit zu ergeben, wahrscheinlich weil die Forschung auch gerade so die Forschungslage auch gerade so ist.
04:01
Dass ich sehr viel Atomkraftgeschichte aber eben in Bezug auf die Bundesrepublik gemacht habe. Das heißt, in Bezug auf die DDR habe ich Naturschutz bearbeitet.
04:11
Und im Bezug auf die Bundesrepublik.
04:15
Atomkraft, also Atomkraftbewegung gehört zum Umweltschutz. Ähm wenn sie wollen, kann ich das auch nochmal klären, was da der Unterschied ist.
04:22  Martin
Sehr gern. Also, wir können gern die Grundlagen nochmal bisschen ausführen.
04:26  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ähm also Naturschützer sind äh gibt es länger
04:31
Nämlich seit dem neunzehnten Jahrhundert und das sind die Menschen, ähm die,
04:36
Den Baum oder die Heide oder die Wiese schützen wollen, denen geht es konkret nur um die Natur,
04:44
Sie wollen also eine alte Eiche erhalten zum Beispiel,
04:48
das hängt damit zusammen, dass das Bürgertum äh im Zuge der Urbanisierung und der Industrialisierung ähm quasi,
04:58
Zivilisationskritische Strömungen sich da entwickelt haben im Bürgertum äh.
05:04
Also aufs Land hinausziehen und natürlich war im Vergleich zur Stadt der Verstetterung, der die Natur, die natürlich nie wilde Natur war, sondern immer Kulturlandschaften, also von Menschen geprägt.
05:19
Ähm
05:19
äh das war dann das der Sehnsuchtsort. Das hat sich im neunzehnten Jahrhundert ähm aus so Zivilisations- und Kulturkritischen Strömungen heraus ergeben
05:29
und das ist auch eine sehr männliche Bewegung gewesen, schlicht aus dem Grund, äh weil das Berufs äh
05:36
Verbindungen waren, das heißt, da haben sich äh nicht nur, aber auch viele ähm sage ich mal, äh Biologen, Geologen dafür interessiert, aber eben auch ähm Lehrer.
05:48
Zum Beispiel oder äh ja Lehrer waren sehr viele dabei, aber immer Männer, die auch
05:53
in ihrem Beruf irgendwie auf Naturschutz aufmerksam geworden sind und sich dann dafür auch eingesetzt haben. Und das ist dann sehr schnell zur Heimatbewegung geworden. Während der Umweltschutz
06:05
Der stellt nicht die Natur, sondern den Menschen in den Mittelpunkt seines Strebens. Das sind die Leute, die dann ab den siebziger Jahren aktiv werden, das ist sind
06:14
Ganz andere Leute, also ein anderes
06:17
menschliche, also äh Schichten und Gruppen aus der Gesellschaft werden da aktiv auch mit einem anderen Anspruch, aber nicht also da geht's um, sage ich mal, äh die Luft
06:29
Verunreinigung, äh Geräusche, Lärmbelästigungen, ähm oder das Wasser, Wasserverschmutzung, aber immer für,
06:37
Die will man schützen für die Gesundheit des Menschen
06:41
und ähm dann entstehen also seine bewegen sich Umwelt und Naturschutz eine Weile nebeneinander, wobei der Naturschutz unheimlich viel Angst hat, abgehängt zu werden
06:53
und ähm solchen großen Organisationen wie zum Beispiel dem NABO oder dem BOND, dem gelingt es dann im Laufe der Jahrzehnte sich breit aufzustellen, auch bestimmte Strömungen des Umweltschutzes einfach zu inkoperieren
07:07
und dadurch sich zu verstetigen zu können und zu bleiben. Also sich zu modernisieren oder an moderne Entwicklungen sich anzuschließen sozusagen.
07:14  Martin
Jetzt sind ja der BOND und der NABU auch eher westdeutsche Institutionen zumindest ähm ja bis zur bis zur Wende neunzehnhundertneunzig. Äh was was gibt's denn da Vergleichbares dann auf der anderen
07:27
Seite, weil wenn sie sagen, sie haben sich damit sehr, sehr intensiv beschäftigt. Da findet man ja wahrscheinlich, dass das nicht so vor.
07:32  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Genau da gibt's nicht so viele da gibt's im Grunde nur die grüne Liga
07:37
Und äh die grüne Liga ist anders entstanden als der B und D, der B und D ähm hat zentralisierte
07:46
Strukturen, die
07:48
äh auf ein, auf eine Struktur, auf eine, auf ein Zentrum zulaufen, während die grüne Liga ist neunundachtzig neunzig entstanden aus Basisgruppen, also nicht nur auch aus Kulturbundgr
07:59
im Kulturbund haben sich in der DDR ja sehr viele Natur und Umweltschützer später dann Gesellschaft für Natur und Umwelt ab neunzehnhundertachtzig ähm äh Ak
08:07
äh aktiviert und waren da bewegt, also die einen unter dem Dach der Kirche, die anderen staatlich in der Gesellschaft für Natur und Umwelt
08:15
Und aus diesen beiden, sage ich mal, Gruppen äh Sparten haben sich dann hat sich dann die grüne Liga
08:22
gebildet und hat es also auch die ist halt so ein Nischendasein dadurch, also Nischendasein im Sinne von sie haben nicht so viele Mitglieder wie diese großen Organisationen, aber sie konnten sich bis heute, also über dreißig Jahre jetzt hal,
08:38
weil sie gerade nicht diese zentralisierte Struktur haben, sondern sehr dezentral arbeiten und dadurch ihren immer noch, sage ich mal, kommunalen Basisgruppen ganz viel Freiheit.
08:49
Auch in dem wofür sie sich einsetzen und auch selbst ähm äh ob sie, also welche politische Richtung sie ver,
08:56
die sind durchaus nicht vertreten, die alle kommunalen Gruppen da, die können schon mal ganz konträr sein, zum Beispiel beim Kohleabbau. Sind sie dafür oder
09:06
also da kann jeder jede, sage ich mal, Kommunalgruppe in Sachsen hat vielleicht was anderes am Schirm als die auf in Berlin und es geht mit dieser dezentralen Struktur und ich denke, das ist der Grund, warum die sich so gut halten konnten.
09:20  Martin
Wie sind sie denn dann auf die, auf die Wismut gestoßen, beziehungsweise was hat sie denn daran fasziniert, die die Wismut zu untersuchen? Vielleicht auch mit dem mit dem Hintergrund, den sie gerade geschildert haben.
09:30  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ja und zwar folgendes, dass ich finde, dass meine zwei, ich nenne es jetzt mal wissenschaftlichen Standbeine
09:38
die DDR-Naturschutzbewegung oder Natur und Umweltschutz und die westdeutsche Anti-Atomkraftbewegung, das kommt
09:44
in der Wismut Congenial zusammen, weil ich quasi mich jetzt äh das ist ja Atomkraftgeschichte, aber eben auf DDR-Seite. Natürlich kann man sagen, dass Uran steht am Anfang äh der Energie äh Kette
09:59
Ja und am Schluss steht die nukleare Entsorgung,
10:03
Klar, aber ähm also es ist mehr Orangeschicht, aber es gehört ja im weitesten zur Atomkraftgeschichte und
10:10
bin jetzt quasi geswitcht rüber in die DDR, wo ich mich ja auch schon äh seit Jahren bewege und das bringt es einfach sehr gut zusammen.
10:20
Der Punkt ist auch DDR Geschichte war in der Bundes oder nein nach,
10:25
nicht in der Bundesrepublik nach neunzehnhundertneunzig unheimlich stark und wurde sehr viel bearbeitet
10:30
Inzwischen ist es ziemlich stark abgeflout, das ist in anderen Ländern nicht so, also England und Amerika
10:36
das ganz starke nach wie vor DDR-Forschung und auch viel Interesse, auch überhaupt Ostblock
10:42
Aber gerade was die DDR angeht, ist es in Deutschland äh nicht so sup
10:46
toll aufgestellt, momentan, deswegen hat die Bundesregierung auch zum Beispiel ein Programm aufgelegt, wo sie ähm Ausschreibungen gemacht haben, wo sich sehr viele Lehrstühle beworben haben von Ost nach West und Nord nach Süd in Deutschland,
11:00
DDR-Forschung zu stärken. Und ich fand, wenn man das jetzt macht, also sich um Wismut kümmert, gibt es dem auch nochmal so einen Kick und ähm man sollte sich dem widmen, weil's auch ins heute hinein ja,
11:12
ganz wichtig ist und da schließt sich die Geschichtswissenschaft äh finde ich an an heutige
11:18
Entwicklungen und ähm das finde ich immer ganz wichtig zu sehen oder auch zeigen zu können, warum es vielleicht die Geschichtswissenschaft für das heute wichtig. Also es sind so glaube ich so verschiedene strenge, die mich daran interessiert haben.
11:32  Martin
Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um auch mal so ein bisschen zu erklären, was denn die Wismut eigentlich war und warum der Uranbergbau, für den die Wismut ja auch versteht, ähm so eine große Bedeutung hatte. Vielleicht können sie da mal einen kleinen kleinen Einblick geben.
11:46  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ja, gern.
11:48
Also gleich nach dem zweiten Weltkrieg hat die äh äh USA ja die Bomben aufs äh Abwürfe gemacht, auf ähm Heroshima und Nagasaki
12:03
Und da ist der Sowertunion relativ bald klar geworden. Äh die sind aber schon ganz schön äh
12:10
damit und wollte natürlich auch äh nicht ins Hintertreffen geraten, auch wegen dem Machtgleichgewicht, das ähm.
12:19
Der Sowjetunion wichtig war und folglich haben sie angefangen, nicht nur äh in Ostdeutschland, sondern aber auch nach Uran zu suchen. Und zwar.
12:28
Schon gleich fünfundvierzig. Die haben auch in Tschechien zum Beispiel gesucht, aber eben auch in der in der in der SBZ. Und ähm das gebraucht Teil der Reparationsleistungen.
12:40
Es heißt es gab gar keine Wahl als das natürlich zu machen,
12:44
dann waren sie sehr erstaunt, ähm dass da so viel gefunden wurde. Ähm.
12:52
Wurde im Mai siebenundvierzig vom Ministerrat der UDSSR.
12:58
Eine Verordnung zur Bildung, einer Zweigstelle der staatlichen sowjetischen Aktiengesellschaft, der Bund Metallindustrie, Wismut.
13:08
In Sachsen gegründet, das ist abgekürzt SABM, sie hören schon und das Wort Uran kommt da nicht drin vor, bis äh Wissmut ist quasi ein.
13:19
Tarnbegriff und ich hab jetzt mit einer Geologin und Laborantin letzte Woche ein Zeitzeugeninterview gemacht
13:28
die gesagt hat, das Wort Uran ist nie gefallen, es wurde immer von Metall gesprochen. Alle anderen Gesteine und wurden benannt,
13:37
Ja, bei ihr im Labor, die sie untersucht hat, aber das Wort Oran ist nie gefallen, sondern da hieß es dann Metall. Man wusste also, wenn das Wort Metall auftaucht, aha, es handelt sich um Uran.
13:50
Und ähm also das war bis zum Schluss der DDR so, weil die UDSR wollte nicht, dass man mit
13:57
kommt. Also es war alles sowieso sehr geheim gehalten. Das haben wir also Zeitzeugen auch immer wieder erzählt. Du durftest da drin nicht äh fotografieren. Sivo haben es nicht gerne gehabt oder eigentlich.
14:07
Ganz verboten, dass man Westverwandtschaft hat. Man durfte darüber nicht reden. Und äh also es war höchste Geheimhaltungsstufe und deswegen
14:17
hieß das Wismut und das, dass es sich um Oranbergau hat, äh handelt, wurde,
14:23
verheimlicht. Und es gab dann in Aue in Sachsen also die erste Zweig.
14:29
Niederlassung. Und dann hat sich innerhalb kürzester Zeit ähm die Wismut zum größten Reparationsbetrieb in der SBZ.
14:39
Entwickelt. Also man hat zum Beispiel auch nicht direkt von Schächten, also schon, man hat von Schächten gesprochen, aber die Betriebe nannte man, ich betriebe, sondern Objekte,
14:48
Und äh die wurden durchnummeriert, also Objekt eins, Objekt zwei, Objekt drei, auch aus Geheimhaltungsgründen,
14:55
Und Anfang der neunzehnhundertfünfziger Jahre haben dann hier schon zweihunderttausend Leute gearbeitet davon, da waren ganz viele Kriegsheimkehrer, Vertriebene, aber auch Frauen,
15:06
Und das ist also auch ein wichtiges Thema für unser Projekt. Es gibt immer wieder diesen Mütters, Frauen hätte es im Bergbau oder in der Wismut nicht gegeben. Das stimmt also
15:17
das stimmt also in verschiedener Hinsicht nicht, weil Frauen hat's auf jeden Fall.
15:25
Bis die in die siebziger Jahre unter Tag auf jeden Fall gegeben, dann wurde es per Gesetz verboten. Es gab immer einzelne, die sogar dann noch unter Tage gearbeitet haben. Aber dann wurde das unter Tage, Arbeiten für Frauen in der DDR,
15:38
Boten. Aber es gab also massenhaft Frauen, die über Tage gearbeitet haben. Auch wie viele, viele Männer und äh die Frauen, die über Tage gearbeitet haben in den verschiedenen Berufen werden bei uns auch mit,
15:50
Interviewt. Also darauf haben wir von Anfang an auf so eine Art.
15:54
Ja holistisches Bild geachtet, dass es eben eine Ganzheit wird und man wenn man Wismut denkt nicht nur an Hower,
16:01
zum Beispiel denkt, es kam uns ein bisschen zu eingeschränkt vor.
16:05  Martin
Hower also der Begriff für Leute, die oder für Männer, die unter Tage ja das Metall des Uran aus dem Berg hauen.
16:11  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ganz genau, genau. Also dreiundfünfzig bestanden dann schon zweiundzwanzig Objekte,
16:18
und zwar in den Bezirken Karl-Marx-Stadt, Gera, Dresden, so Leipzig, Halle und Erfurt.
16:24
Ähm dann gab's also nicht nur den Bergbau und Aufbereitungsbetriebe, sondern auch Maschinenbau und Standhaltungs- und Versorgungsbetriebe. Es ich habe zum Beispiel aber auch
16:35
mit jemand gesprochen, der war schreiner. Also die haben alles, was irgendwie Holzkonstruktionen waren gebaut. Vielleicht sollte ich auch nochmal sagen, also.
16:44
Die wir Fragen in unseren Interviews auch immer danach, ob die die Wissmut, ein Staat im Staate ihrer Meinung nach war, das hört man immer wieder und das wird
16:53
eigentlich immer bejaht.
16:55
Weil ähm die Wismut hatte alles. Also wir interviewen auch Ärzte, weil die haben Krankenhäuser gehabt, wir interviewen jetzt demnächst eine Kindergärtnerin, weil die haben Kindergärt.
17:06
Gehabt. Ähm, es gab Wäscherinnen, es gab eine Frau, die ich letzte Woche interviewt, die hat in der Kantine gearbeitet. Ähm es gab Künstler.
17:16
Gibt ein sehr großes Wissmut Archiv mit unheimlich schönen und wertvollen, also ich fand's wertvoll ähm riesigen Bildern, Ölbildern für das war zum Teil natürlich auch Auftragskunst. Da ist noch gar nicht klar, was jetzt
17:30
passieren soll. Also damit. Also ich will damit sagen, es gab ganz viele Berufe, äh weil die Wismut so ein Staat starte war und man hat eine besondere
17:39
Läden gehabt, in dem man einkaufen konnte. Man hat Anspruch gehabt, in Urlaub zu fahren. Es gab also Ohren der Ostsee, Urlaubs.
17:46
Wo man leicht dahin kam. Man hat schneller ein Auto bekommen. Manche haben oder viele haben uns auch immer wieder erzählt, ja, ich bin natürlich zu Wissmut gegangen, weil die Bezahlung war exorbitant
17:56
also war wirklich hoch, manche haben ähm manchem Jahr oder Monaten siebentausend Mark verdient. Das ist ja Wahnsinn.
18:04
Also das sind natürlich nur Hauer gewesen, aber die Arbeit war eben auch so körperlich so schwer, dass sie eben sehr gut entlohnt wurden
18:11
und äh aber auch so hat man eben zum Beispiel gute Vorteile gehabt, wie ähm was ich gerade gesagt habe. Man hat sehr schnell eine Wohnung gekriegt oder ähm ein Auto und das war also auch für Frauen. Äh manchmal das.
18:23
Eine Frau hat mir erzählt, dass.
18:25
Ihr wurdet von der Wismut ein Job angeboten und dann hat die Familie gesagt, da gehst du auf jeden Fall hin. Da haben wir dann schnell deine Wohnung. Also man wusste das auch.
18:35  Martin
Wenn sie grade gesagt haben, äh das war so ein Start im Staat
18:40
hinkt das jetzt eher mit der Größe zusammen des ganzen Unternehmens oder war das tatsächlich auch diese Geheimhaltung geschuldet, dass man gesagt hat, das soll eigentlich auch gar nicht so viel nach draußen dringen, was bei der Wismut passiert.
18:52  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Also ähm genau, ich würde sagen, die haben aus Geheimhaltungsgründen eben eine Struktur aufgebaut, die so ein Stück weit autonom war,
19:02
Also natürlich nicht komplett autonom, aber sie durften so eine eigene Struktur aufbauen
19:07
Genau aus den Gründen oder würde ich auch sagen, aus Geheimhaltungsgründen und die hat sich dann eben auch so in die Breite bewegt, aber nicht nur also ich denke mal, dass die Kindergärten äh oder Krankenhäuser oder Urlaubsorte hat
19:19
das war auch um Leute zu rekrutieren, die dort arbeiten wollen und auch zu halten. Also die haben zum Beispiel auch, hat mir die Frau in der Kantine erzählt
19:29
Du hast immer deine Milch bekommen, ja? Also oder dein Besonderes, das musste man auch nicht zahlen oder immer Brotzeittüte, die man mit nach unten, also äh Untertage nahm. Das heißt, die.
19:41
Das ist auch viel Geld, ja? Wenn man was man da spart, wenn man jetzt für seine Brotzeit äh rund um die Uhr nicht aufkommen muss und eine Frau, die im Kindergarten, die wir noch
19:51
interviewen werden, hat erzählt, man konnte das Kind äh.
19:57
Holen und warten sie mal, wie war das? Das war frisch gewickelt.
20:01
Man hat also 'ne Flasche mit der Milch schon mitgekriegt, dass man es nur noch geben musste und das Kind hinlegen musste. Also das wurde jegliche Unterstützung offenbar, Frauen auch zu Teil,
20:12
äh gebracht, damit sie halt äh zur Verfügung stehen für die Arbeit in der Wismut. Also die Wismut äh hat ja auch die Kindergärten hatten zum Beispiel,
20:21
ähm zwölf Stunden am Tag offen. Das sind ja Traumzeiten, wenn man das möchte. Also meine Kinder sind von neun bis drei in Kindergarten gegangen und das ist Berlin. Also in München sieht's noch mal ganz anders aus. Da schließen manche Kindergarten um zwölf. Und ähm,
20:35
ich will jetzt nicht sagen, dass mal toll ist, das Kind immer dort zu lassen, ich will glaube ich damit sagen, wenn der Staat es möchte und das bezieht sich auch auf heute, dann gibt es diese Plätze, die für die Kinderbetreuung und wenn das halt nicht unbedingt möchte, dann gibt es das eben auch nicht so
20:50
also die wurden auch hingebracht zum Beispiel mit speziellen Bussen, wenn sie weiter weg wohnten, wurden sie abgeholt zu dem Kindergarten gebracht und von dort aus dann in die jeweilige Objekt, also es gab auch so einen Service sozusagen. Ähm
21:05
Das ist schon ganz schön komfortabel und das macht diese ganze Infrastruktur. Macht die Wismut auch natürlich aus Geheimhaltungsgründen, aber auch um Menschen
21:14
halten zu können.
21:16  Martin
Wartest denn
21:17
Also, das war jetzt natürlich ein großer Arbeitgeber, haben wir jetzt schon gehört, ähm der auch gute Einkommen geliefert hat und auch für eine für eine breite Menge an Unternehmen rundrum oder integrierte Unternehmen in die Wismut, also von diesem Gerüstbauer über eben diese Kindergärten. War das denn
21:31
eigentlich,
21:33
Ähm tatsächlich für die Reparationszahlung war das der größte Punkt oder hat man damit eigentlich auch eine Förderung der der Kernkraft in der DDR beabsichtigt? Also war das dann auch zum Wohle der der DDR Bevölkerung angelegt oder,
21:45
ging's wirklich drum, möglichst viel Metall Uran in die Sowjetunion zu schaffen.
21:51  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Es ging darum äh so viel wie möglich in die Sowjetunion zu schaffen. Also die Reparationen waren neunzehnhundertdreiundfünfzig zwar beendet, aber bis zum Schluss ähm hat dann die DDR an die Sowjetunion geliefert.
22:06
Und ähm,
22:08
wurde auch dafür natürlich bezahlt, später dann war es auch eine Einnahmequelle, die wichtig war, aber das war nicht, also die DDR hatte, glaube ich, nur ein oder zwei Atomkraftwerke sowieso und die gingen auch später erst an den,
22:21
aber dafür war das wurde das Uran nicht abgebaut. Oder nicht vordringlich.
22:27  Martin
Das heißt ähm ja, das war wirklich eine große Maschinerie, um halt wirklich ähm die Sowjetunion zu beliefern.
22:36
Ja, was, was kann man denn noch über die, was kann man denn noch über die Wismut erzählen? Wie hat die sich vielleicht auch verändert im Lauf der Jahre? Also wir waren jetzt glaube ich dreiundfünfzig, haben sie gerade gesagt.
22:44  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Es gab dann also äh ein Regierungsabkommen zwischen der UDSSR und äh DDR vom zweiundzwanzigsten August neunzehnhundertdreiundfünfzig,
22:55
Äh das sollte die SABM, also sowertische, staatliche, sowertische Aktiengesellschaften Bundmetallindustrie liquidieren,
23:04
Also sollte die SABM Liquid,
23:06
und in eine sowjetisch deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt werden, die dann ab neunzehnhundertvierundfünfzig unter dem Namen sowertisch-deutsche Aktiengesellschaft finfemierte
23:19
SDAG. Und ihre produktivste Zeit hatte die SDRG.
23:24
Bis in die siebziger Jahre und danach also nimmt das Oran ab. Die Oranvorkommen nehmen langsam ab, aber
23:33
auch die Maschinen sind verschlüssen und es gibt Wissenseher oder das weiß man ja, es,
23:38
zunehmend wirtschaftliche Probleme in der DDR. Man konnte auch zum Beispiel viele Betriebe ja nicht nur die Wismut, die ähm äh Maschinen nicht so warten. Man hat verlor auch so ein bisschen den Anschluss an andere ähm man
23:52
natürlich ähm also an das technische Fortkommen in anderen Ländern, man hat zu den Anschluss verloren und dann ist der Uranertrag
24:01
äh insgesamt stark zurückgegangen.
24:04
Und dann hat siebenundachtzig die DDR-Regierung entschieden, also dass das ähm der Bergbaubetrieb unrentabel ist und also man wollte ihn also sowieso schließen und einen Strukturwandel ein
24:17
Leuten, was zum Beispiel war mir nicht so klar, ähm ein Zeitzeuger hat erzählt, das heißt aber nicht, dass man unbedingt ganz aus dem Bergbau ausscheiden wollte, sondern dann eben nach anderen Metallen suchen, wie zum Beispiel Silber.
24:30
Oder so, also es war klar, dass Uran nicht weiter gefördert werden sollte oder wahrscheinlich nicht weiter gefördert werden sollte, aber eben andere Metalle
24:40
Durchaus und ähm
24:43
Ja, dann Ende neunzehnhundertneunzig wurde dann, also nach dem Mauerfall ähm die Erzgewinnung eingestellt und dann gab's nochmal ein Regierungsabkommen, jetzt aber nicht natürlich nicht mehr mit.
24:58
DDR gab's ja nicht mehr, sondern mit der BAD. Und zwar neunzehnhunderteinundneunzig hat
25:04
dieses Regierungsabkommen beschlossen, dass die SDAG aufgelöst wird
25:09
Sowjetunion, äh der war das natürlich klar, dass jetzt da wahrscheinlich nur Kosten auf sie zukommen
25:17
und die hat ihre Anteile an dem Betrieb der Bundesrepublik übertragen und die ist damit allein Eigentümerin geworden und das ist ja
25:25
Erbe auch so, wenn man ein Erbe antritt, dann ist man auch für die Schulden zuständig
25:30
das heißt ähm also es gab tausendfünfhundert Kilometer offene Gruben baue, drei
25:38
hundertelf Kubikmeter halten mit Material und hundertsechzig Millionen Kubikmeter. Radioaktive Schlemme
25:46
die hat seither also die Wismut GBH existiert ja noch, die heißt jetzt Wismut GmbH,
25:53
ein Unternehmen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und die hal,
25:58
Verwahrung, Sanierung und wieder Nutzbarmachung. Der Abbaugebiete übernommen und die Bundesrepublik hat es bis jetzt mit sechs Milliarden Euro
26:08
bezahlt.
26:10  Martin
Das heißt, was ich jetzt so rausgehört habe, diese diese Hochzeit war tatsächlich so zwischen den fünfziger und siebziger Jahren und danach ging's jetzt eigentlich,
26:18
nach und nach bergab, also auch durch Verschwinden der Vorkommen, hat denn diese, hat denn diese steigende Umweltbewegung da,
26:25
Einfluss daran gehabt oder war das jetzt tatsächlich eher wirtschaftliche Gründe, dass dann, dass man da jetzt auch vorsichtiger wurde äh oder eigentlich ja da bisschen raus wollte, auch von DDR und zur Wettunionsseite.
26:37  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Also laut.
26:38
Dem, was ich gelesen habe und auch, was ich erfragt habe in den Interviews ging's nur um äh die Wirtschaft. Also ähm ich hatte,
26:49
diese Frage eine meiner letzten Zeitzeuginnen gestellt und darauf war die Frau aus dem Labor die Zeitzeugin, die dann gesagt hat, ähm.
26:58
Wir hatten keine Umweltpolitik, die DDR wir hatten nur eine Wirtschaftspolitik und das fand ich irgendwie
27:04
ganz gut auf den Punkt gebracht. Äh auch wenn ich sie zu, ich würde das so jetzt nicht unterschreiben, weil ich habe ja erzählt, ich habe Natur und Umweltpolitik der DDR seit fünfundvierzig,
27:16
Aufgearbeitet, natürlich gab's das, aber es war eben nicht so effektiv.
27:21
Und ähm insofern sind es tatsächlich nur wirtschaftliche Gründe. Also die ähm die Umweltbewegung,
27:29
das ja seit Anfang der achtziger Jahre, aber von meinen Zeitzeugen zum Beispiel her, die nehmen das erst war.
27:37
Wirklich war ähm achtundachtzig neunundachtzig und keiner wirklich von den oder die wenigsten sind daran beteiligt. Viele ähm beobachten das wohlwollend.
27:49
Aber ähm also die ganze Frage auch nach Umwelt überhaupt von meinen Zeitzeugen, das ist sehr ambivalent. Also,
27:59
Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, aber äh für diese Leute, die dort gearbeitet haben, ist die Wissmut ja auch positiv besetzt
28:08
Und das ist ein Teil bei manchen Leuten über Jahrzehnte, bei manchen sind's nur ein paar Jahre, ein Teil ihrer Identität und ihres Lebens und sie haben dadurch gut leben können auch, hatten viele Vorteile
28:21
und das wollen will sie natürlich niemand so ganz gerne wegnehmen lassen. Das heißt ähm Umweltproblematiken.
28:30
Ähm werden gar nicht. Manche sagen schon, ja, das hat's gegeben ähm,
28:37
Manche sind auch kritischer und sagen, wir wollen uns immer bewusst darüber, dass es das gab
28:43
und ähm äh es war gefährlich und wir sind Schlitten gefahren auf irgendwelchen Halden, da möchte ich gar nicht wissen, was da alles auf uns eingestrahlt hat. Das gibt es. Aber das sind die wenigeren Stimmen, die
28:55
häufigeren sind, zum Beispiel eine naturwissenschaftlerin hat mir erzählt ähm nee, also da was da auf Halde lag, hat nicht mehr gestrahlt
29:05
war das eher andere Stoffe, die nach oben als andere Chemikalien oder andere Gesteine, die nach oben gefördert wurden, die gefährlich waren, aber das Oran war eigentlich kein Problem, das heißt,
29:16
es also eine große Mich, ich beziehe mich jetzt da ganz mit ein großes Nichtwissen
29:22
wie gefährlich das offensichtlich wirklich war und viele ähm Wissmutter selber sehen die Gefahren nicht so groß.
29:32
Wenn man sie jetzt fragt zum Beispiel ja wie warn's, also man kann ja außerhalb der Umwelt
29:38
Kritik, auch andere Kritik an der DDR gehabt haben, ja. Dann sagen schon viele, dass sie das alles auch gesehen haben und,
29:46
manche waren auch richtig froh, dass es jetzt ein Umschwung kommt, aber viele sagen eben auch, ja, mich hat's ja nicht so betroffen, weil uns ging's ja eigentlich ganz gut
29:56
dieses, das ist die DDR in vielerlei Hinsicht so vieles nicht zu kaufen gab und so. Das hat mich ja gar nicht so betroffen. Das heißt, ich hatte nicht so viel Kritik.
30:05  Martin
Weil halt diese Wismut für so viel gesorgt hat, also ich habe auch in der Vorbereitung mich auch noch ein bisschen eingelesen und auch,
30:12
ja gelesen, deshalb wie bei vielen großen Betrieben halt auch so eine so ein soziales Leben organisiert wurde von der Wismut, also mit Kulturveranstaltungen, Kunstveranstaltungen und man eigentlich dann ja ganz gut aufgehoben war, wenn man bei der Wismut gearbeitet hat.
30:25  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Genau, das äh eine Zeitzeugin hat auch erzählt, es hat sich auch so vieles auf Arbeit abgespielt. Sie hat mir wirklich erzählt ähm.
30:36
Alles, das ganze Privatleben äh
30:40
wurde besprochen auf der Arbeit. Also man hat seine Sorgen geteilt und seine Nöte und wenn man was gebraucht hat, hat man sich unter der Hand ausgeholfen,
30:49
Oh, aber man hat auch zusammen Veranstaltungen besucht. Ähm also irgendwie hätte sich sehr viel auf der Arbeit abgespielt und heute meint sie, es ist auch ein nettes Verhältnis zu Kollegen, aber es ist nicht mehr, dass man sich so,
31:02
viel erzählt und es hätte vielleicht auch mit einem Art Konkurrenz,
31:07
Eher zu tun. Also äh wenn wenn du nicht genau weißt, ob dein Arbeitsplatz vielleicht.
31:12
Ob Kippeln ist, dann wirst du von dir selber nicht so viel preisgeben, aber diese Sorge gab's eben so nicht und sie hat gesagt, dass man eben alles auch, dass die Wissmut so ein eigener Kosmos war. Da hat man eben sehr vieles geteilt.
31:27  Martin
Wenn ich jetzt, wenn ich jetzt an die Wismut denke, dann fällt mir natürlich als erstes ein, was sie jetzt gerade auch angesprochen haben,
31:33
mit den gesundheitlichen Spätfolgen durch den Uranabbau. Es klang jetzt aber so, wenn sie erzählt haben, dass das,
31:39
Viele zwar betroffen, hat aber vielleicht, dass man das auch nicht so an sich ranlassen wollte, um halt ähm ja, weil man, weil man eben gesagt hat, dass dass man trotzdem dann noch ein gutes Leben gutes Auskommen hatte, wenn man für die Wismut gearbeitet hat oder kommt das jetzt,
31:53
Erst später so, wenn man dann wirklich dann auch älter wird, irgendwie vielleicht auch gesundheitliche Probleme merkt.
31:59  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Also ich habe im Grunde niemanden getroffen von meinen Zeitzeugen, der gesagt hat, er oder sie waren krank, aufgrund von der Wismut. Die Leute.
32:09
Hatte natürlich Menschen, die im Lauf ihres Lebens bei oder nach der Wismut Krebs bekommen haben und Zeitzeugen von uns waren, die ähm.
32:19
Stellen keine Verbindung zu Wismut her. Und äh sagen eben ja mein Gott, also auch andere, die Krebs kriegen, wenn man viel raucht äh
32:28
So nach dem Motto oder manche beschuldigen sich auch selbst und sagen, habe ja auch viel getrunken, also gerade Hauer, da ging's ja manchmal habe ich so das Verständnis bekommen, ganz
32:39
Lustig zur Sache. Also den Kumpeltod war ja ein Schnaps, den man nicht nur gerne, man durfte den eigentlich unter Tage nicht trinken. Aber er wurde, weiß ich jetzt nicht, ob er so viel unter Tage getrunken wurde, aber es gab immer wieder genug
32:53
Anlässe ihn zu trinken und man hat ihn auch zum Tausch eingesetzt. Es war so ein schönes Tauschmittel und ähm da sagen dann eben viele.
33:02
Klar, also ich hab's ja auch krachen lassen. Man muss sich ja nicht wundern, dass man dann vielleicht auch mal krank wird. Aber das ist auch eine, ich will das gar nicht auf die Wismut beschränken. Die Frage danach
33:15
wie gefährlich Atomkraft ist, begleitet uns ähm seit also auch im Westen ja schon und auch in anderen Ländern
33:23
in wirklich allen anderen Ländern auf jeden Fall der westlichen Hemisphäre, aber im Grunde gab's das auch im Ostblock, also vielleicht nicht so deutlich und ein bisschen zeitlich versetzt. Ähm die Frage danach, wie gefährlich ist Atomkraft?
33:37
Gibt es bis heute,
33:39
Die klaren Verfechter, die sagen, dass es überhaupt nicht bewiesen und das Problem ist auch bei zum Beispiel so Organisationen wie die World Health Organisation
33:50
die sagen ja in Tschernobyl gab's ganz wenige Tote, weil sie weil quasi ähm
33:58
Die direkte Verbindung von dem Unfall, dem Supergau zu einem Tod dann herzustellen
34:06
oder zu beweisen, es eben nur bei wirklich ganz nah Betroffenen kann man das machen. Und das kann man vielleicht nicht mehr machen, wenn Krebs erst zehn, zwanzig Jahre später ausbricht. Deswegen ähm
34:19
werden Wissmutter auch entschädigt
34:22
Aber es gibt auch viele Fälle, wo ihre äh Entschädigungsforderungen nicht angenommen worden sind. Weil sie nicht nachweisen konnten.
34:31
Die Silikose, ja, bei der Silikose schon eher, aber das bestimmte Krebsformen werden sowieso nicht äh entschädigt, also nur Lungenkrebs, so viel ich weiß, äh andere Krebsarten sowieso nicht
34:43
und äh selbst bei Lungenkrebs gibt es eben die äh Fälle, wo die ähm,
34:50
Ich weiß gar nicht, also die Krankenversicherung heutzutage dann eben oder auch die Wissmut sagt nee, das zahlen wir nicht, weil kann man nicht sagen, dass das wirklich daher kommt.
34:58  Martin
Ich hab ja, wir haben ja auch über einen Artikel gesprochen beziehungsweise mit einem Mitarbeiter von Ihnen hab ich über ein Artikel gesprochen.
35:05
In der Gerpergasse achtzehn erschienen ist, wo es eben auch um zwei Einzelfälle geht, wo dann auch nochmal rauskommt, wie schwierig das ist, tatsächlich diesen Bezug herzustellen und ähm jetzt auch noch Jahrzehnte später nachzuweisen.
35:17  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ich weiß, ähm, äh, ohne dass wir jetzt da Namen nennen, ich weiß, welchen Einfall zumindestens, sie
35:24
ansprechen, die hinterbliebene Witwe ist also mit unserem Projekt in Kontak
35:29
getreten und äh versucht seit Jahren darauf hinzuweisen, ähm mir war nicht so klar, was die alles noch als ihr Mann noch lebte, versucht haben, um quasi seinen Krebs zu besiegen. Äh also die haben ganz viel unternommen und
35:44
war auch noch zeitnah sozusagen ist der ausgebrochen
35:49
und äh das habe ich erst durch diesen Artikel nochmal on Detail lesen können. Äh die sind ja auch in andere Länder gefahren und haben versucht Unterstützung zu finden. Und die haben also die Witwe versucht
36:02
äh über Medien oder auch über uns ähm.
36:06
Äh uns bewusst darüber zu machen, was für eine schwieriges Problem das ist und ähm bis heute ist sie eben nicht erfolgreich und der Krebs ihres Mannes nicht anerkannt als Nachfolgewirkung der Wissenmut,
36:19
Ich muss auch dazu sagen, dass es äh so schön ich das eigentlich finde mit meinen, ich nenne sie ja schon meine Zeitzeugen, so es gehörten sie mir
36:29
ähm
36:30
sind unheimlich nette Gespräche und die sind alle sehr wirklich freundlich offen und flexibel und stellen sich auf diese Pandemiebedingungen ein. Aber wir haben eben meiner Meinung nach nur eine bestimmte Klientel und das sind Leute,
36:44
keine wirklich negativ Geschichten zu erzählen haben. Das also mit Negativgeschichten meine ich. Das heißt nicht, dass sie keine Brüche im Leben hatten oder nicht auch schwierige Zeiten in der Wismut zu überstehen. Das ja, aber,
36:57
Das unterm Strich quasi der Rückblick auf die dreißig Jahre Bundesrepublik und die Jahre davor.
37:04
Ist in beiden Systemen, also bei denen, die ich bis jetzt untersuch äh und interviewter immer positiv.
37:11
Und ich vermute, dass jemand, der eben nicht positiv auf entweder die eine oder die andere Zeit blickt.
37:20
Dass die sich melden sich nicht, weil man darüber vielleicht auch nicht unbedingt berichten will.
37:25  Martin
Das hatte ich jetzt auch gerade schon versucht, so ein bisschen für mich zu beantworten, die Frage, nachdem sie gesagt haben, viele interessiert so das Erbe der Wismut gar nicht oder auch ihr eigenes Erbe, dass sie mit der Wismut haben,
37:37
und ähm habe es versucht für mich so ein bisschen rauszufinden, rauszuhören, ob das jetzt
37:42
auch was ist, was man gar nicht so nah an sich ranlassen will oder weil's einen tatsächlich nicht betrifft. Da wird man wahrscheinlich nie so eine ganz hundertprozentige Aussage jeweils jeweils kriegen. Die eine oder andere Richtung. Aber ja, wie sie schon sagen,
37:54
Leute, die vielleicht gerade ja noch mit diesen mit diesen ganzen Nachwirkungen kämpfen, die,
37:58
haben jetzt vielleicht auch nicht die, die Zeit sich in diesem Projekt dann noch zu äußern. Ähm das ist wahrscheinlich,
38:05
das Problem, dass man immer hat, wenn man wenn man ähm ja so ein Zeitzeugenprojekt macht. Ähm ja, können sie vielleicht auch nochmal was dazu sagen, wie wie ihre Einschätzung da ist?
38:14  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ähm also genau ich denke zum einen, wenn man zurückblickt und zwar jeder Mensch, dann romantisiert sich das ja sowieso
38:22
Also das war immer schöner als es wahrscheinlich in dem jeweiligen Moment war und ich glaube, was auch jeden Menschen betrifft, man hat eine bestimmte,
38:31
lebensnarration. Also.
38:34
Wenn ich sie jetzt nach ihrem Leben frage oder sie mich nach meinem privaten und beruflichen Leben, dann habe ich einen bestimmten Blick auf mein Leben, wie es war, das heißt nicht
38:43
Das ist wirklich so gewesen ist oder jemand anderes, das vielleicht nicht anders sieht und erzählen würde. So erzähle ich mein Leben. Und äh
38:53
so ist es bei den äh Wismutern und Wissmutterinnen auch. Die wollen natürlich aber nicht nur, weil sie es von mir nicht so darstellen wollen, sondern auch vor sich selber
39:03
will man ja nicht sagen,
39:05
Das war alles nur furchtbar. Also damit kann man überhaupt nicht leben, sondern man möchte zurückblicken auf seinen auf die siebzig, achtzig Jahre, die man im Leben hat und sagen, es war eine gute Zeit. Aber wenn man,
39:16
dann auch seinen Frieden macht.
39:18
Geht jedem so. Und genau deswegen melden sie sich auch bei uns, Leute nicht. Also einmal natürlich, wenn jemand jetzt schlimm krank ist, meldet er sich schon, deswegen nicht. Aber es gi,
39:27
auch sowas. Ich glaube, manche haben auch Angst, dass das, was sie erzählen, ihnen vielleicht auch noch nachgetragen werden könnte. Also auch da, obwohl er,
39:37
einige sind schon noch in der Wissmut. Ich meine, die werden schon gar nicht irgendwas Negatives erzählen, weil sie noch im Sanierungsbetrieb arbeiten, aber auch die zum Beispiel, die ähm.
39:47
Die äh jetzt schon in Rente sind, sind durch so ein Wismut Traditionsverein verbunden,
39:53
Darüber wurde auch unser Aufruf gestreut und äh die treffen auch noch den einen oder anderen Kumpel oder Wismut. Äh da müsste man sich ja auch anhören, was hast denn du da erzählt,
40:05
überhaupt nicht so oder wieso machst du denn das jetzt hier schlecht oder so? Also ich könnte mir sowas auch vorstellen, dass man das nicht möchte,
40:13
Und ich glaube, ich kann's nicht so richtig fasten, aber wenn man, sagen wir mal, wirklich negativ, also es gab ja auch Leute, die sind richtig weggezogen, weil ihr ganzes Dorf weg,
40:22
rationalisiert. Also weg.
40:24  Martin
Gebaggert wurde.
40:25  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ja, genau. Ähm ich meine, diese Leute gibt's doch, die dann wegziehen mussten. Ich meine,
40:31
wer macht uns, also wer möchte denn gerne aus seiner Heimat weg und ähm die melden sich aber bei uns nicht, obwohl wir jetzt auch schon in der ähm im Fernsehen ja mehrere Aufrufe hatten und im Deutschlandfunk, also auch mit begleitenden.
40:45
Filmmaterial, sage ich mal. Und ich denke ich man hat auch dann darüber keine Lust mehr zu reden. Also.
40:53  Martin
Wenn man dann abgeschlossen hat mit dem Thema und auch abgeschlossen sein will mit dem Thema.
40:57  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Glaube ich, ja. Und äh apropos Reden, dazu fällt mir ein, dass es also sehr schwierig war am Anfang, überhaupt Frauen zu finden, weil die alle nicht reden wollten.
41:07
Also das hat natürlich viel ähm mit der weiblichen und männlichen wie soll ich sagen.
41:15  Martin
Sozialisation in der DDR zu tun?
41:16  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ja, auch nicht nur in der DDR, ich glaube, dass auch Bauen, also ich meine auch in Westdeutschland wird das auch nicht.
41:24
Vermutlich gewesen. Ja genau, also ich ähm ich habe zum Beispiel mal ein Interview geführt mit meinem Master mit Jüdinnen in Sydney
41:32
In Australien, die geflüchtet sind. Da hat eine auch gesagt, sie brauchen, also es war ein Projekt, wo es nur um Frauen ging.
41:40
Sie brauchen mich dann nicht interviewen, ich gebe ihnen mal das Buch von meinem Mann. Da steht ja auch alles drin, was mich betrifft. Das heißt, viele Frauen denken auch, sie haben nichts zu erzählen
41:52
Also man muss sie sehr viel mehr überreden. Ähm dann das kann ich auch gut nachvollziehen. Sie sind ja nicht mehr so jung, also Frauen haben auch möchten nicht so gefilmt werden, weil sie denken, sie sind.
42:03
Älter und hässlicher, also diese diese Selbstkritiker, Männer, viel weniger
42:10
und ähm genau und sie müssen viel, viel stärker überredet werden, dass also ich will jetzt nicht sagen, ich überrede da jemanden, so mache ich es jetzt nicht, aber ich ermutige
42:20
und sage, wir sind interessiert an ihrer Sichtweise und das kann mir niemand anderes erzählen, außer sie und sie müssen keine Angst haben, dass ich ihnen Fragen stelle äh zu sage ich mal politischen Daten, die sie gar nicht mehr wissen, es geht wirklich um ihr Leben
42:36
Und dann wenn wir angefangen haben, sind sie auch ganz happy und es geht super und die erzählen schön, aber am Anfang ist es äh
42:45
immer schwieriger. Also wie zum Beispiel als ein guter Fall ist, eine Frau äh die doch ja die ist achtzig ähm.
42:54
Der hat nur ihre Tochter gesagt, sie würde uns was erzählen, obwohl es eigentlich von der Generation her ging's um die Mutter. Und die Tochter hat dann gesagt,
43:04
anscheinend zu ihrer Mutter, das war am Interviewtag, die brachte dann die Mutter mit.
43:09
Also es war gar nicht abgesprochen, aber ich fand's schön. Und dann war die Mutter also da.
43:15
Und selbst von mir noch hat sie gesagt, ja aber ich sage nichts. Also das soll dann meine Tochter machen. Und dann habe ich gesagt,
43:22
ähm aber es geht ja eigentlich jetzt auch um ihre Zeit, die fünfziger, sechziger Jahre und so ihre Tochter war da ja noch gar nicht geboren. Ja, hm, okay und dann hat sie sich also dazugesetzt und dann habe ich gesagt, naja, wir können ja,
43:35
wir gucken mal. Also ich frage sie nichts, was was wenn sie irgendwas nicht sagen können oder wollen, dann sagen sie uns das und dann machen wir da, schneiden wir das raus
43:45
also sie müssen keine Sorge haben. Und dann hat die da äh also erzählt und gerade schön war's und als gäb's kein Morgen mehr und die konnte also auch ganz toll sich ausdrücken. Ich will damit nur sagen, ähm.
43:59
Also da gibt es äh diese Problematik gibt's mit Männern nicht.
44:02  Martin
Da sind wir eigentlich auch schon mitten bei ihrem Projekt. Ähm jetzt haben wir ganz viel schon gehört, mit wem sie da alles gesprochen haben. Ähm
44:10
und wie wie einfühlt sie haben sich auch manchmal vorgehen müssen, um die Leute zum Erzählen zu bringen? Das ähm das finde ich auch mal beeindruckend, wie man dann tatsächlich auch so, also es gibt einen einen Blog, vielleicht fangen wir mal so an. Ähm der, der das Projekt begleitet.
44:23
Äh ich hab's jetzt hier gerade nochmal aufgerufen, Wismut Punkt Hypothesis Punkt org. Ähm das ist ein Blog da, da wird das Projekt vorgestellt und auch äh Ausschnitte aus den Zeitzeugengesprächen, die sie führen
44:34
Vielleicht können sie nochmal was dazu sagen, was das Ziel dieses Projektes ist und ja, wie sie, wie sie da vorgehen aktuell, was was sie da gerade tagtäglich tun.
44:43  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Also ähm wir sind ja in dem Wismut Erbe Projekt,
44:47
Das läuft ja das Projekt selber, läuft zwar erst, läuft zwar nur zwei Jahre, aber es hatte einen sehr langen Vorlauf, wo wir jetzt gar nicht äh,
44:56
mit drin waren, sondern da waren also Wissenschaftsmanager, äh Professoren oder ich denke auch Wissenschaftler dabei und auch auf Ministeriumsbeamte,
45:06
ähm die sich entschlossen haben, also das muss jetzt hier aufgearbeitet werden und dann gab's also ein großes Wissmut Erbe.
45:15
Wie soll ich sagen, Bericht äh der so ein Konzept vorgelegt hat, wie's äh was denn jetzt umgesetzt werden soll. Und dann kam, kommen also Vialenspiel. Es gibt nämlich zwei,
45:26
äh Teilgruppen in dem Wismut Erbe Projekt Projekt A. Das sind die, die eine Datenbank, also die schauen in Archiven zuerst mal, was ist denn so an geschriebenem
45:37
Material da. Die schauen aber auch äh ich denke, dass es hauptsächlich äh gedruckte Quellen
45:44
die schauen auch nach anderen nach Fotografien und ich glaube auch nach Bildern, aber
45:49
die gehen auch nicht ohne Detail in die Archive, weil das viel viel zu viel wäre, die schauen quasi in die Fünfbücher in Archiven und schauen, was gibt es denn da so für für ähm für Material zur zur Wismut und das speichern sie und,
46:03
bauen das in die Datenbank ein. Und äh in dieser Datenbank ähm werden dann auch unsere Zeitzeugen, also wir sind das Projekt
46:11
B und führen die Zeitzeugeninterviews durch und diese äh Interviews werden dann auch in der Datenbank hochgeladen. Und am Ende
46:20
Also jetzt im Juni ist das Projekt Juni zwanzig einundzwanzig das Projekt zu Ende soll es eine Pilotwebseite geben, Pilot deswegen, weil ähm,
46:31
sage ich mal, um das wirklich anwenderfreundlich und zu machen und müsste das nochmal anders aufbereitet werden, dafür bräuchte.
46:40
Wir oder jemand anderes noch mehr Geld, um das besser zu machen und sicher auch nochmal gut zwei Jahre Zeit? Aber jetzt äh für den Anfang gibt es dann eben eine Pilotwebseite und da kann man dann, also sage ich mal,
46:53
interessierte Öffentlichkeit, Schulen, Schüler, Wissenschaftler, Medien gehen einfach ins Internet.
47:00
Rufen dann, wir haben Interesse an Wismut, rufen die Webseite auf und dann kann man über Schlagwörter und Verlinkungen kann man gucken.
47:09
Bücher, was für Filme ähm das das machen wir machen das mit, also welche
47:15
Was gibt es schon an Material, also an Filmen oder was gab's schon an? Sage ich mal äh ähm.
47:22
Sowas wie Round Tables, also so ähm,
47:26
Fernsehen, Gesprächsrunden zum Beispiel, ähm, wenn man sowas im Fernsehen gesehen oder im Internet runterladen kann, dann geben wir das auch mit auf die Datenbank, wir haben dort alle unsere Zeitzeugen aufgenommen mit so 'ner Art,
47:38
Kurzbiographie,
47:43
Also die Stationen des Lebens dieser Person und äh einige Besonderheiten und dann werden, wir haben leider nicht,
47:50
Zeit und Geld alle Interviews zu verschriftig verschriftlichen, also zu transkrebieren, es sind ja fünfzig Interviews. Dafür bräuchte es mehr.
47:58
Geld, das nicht da ist, aber einige werden also auf jeden Fall verschriftlicht. Man kann also ähm.
48:06
Auch wenn sie nicht verschriftlicht sind, später also bestimmte Schlagworte googeln äh was weiß ich ähm Aue,
48:15
und Krankheit.
48:20
Und dann würde das verlinkt werden zu bestimmten Archivalien, aber auch zu bestimmten Interviews äh.
48:28
Die also mal wenn ich's Interview führe, sitzt immer ein Mitarbeiter neben mir, der hört das ganze Interview mit an und äh schreibt dann.
48:38
Alles was an, sage ich mal, Schlagworten oder Schlagwort tauglich wäre mit,
48:42
Und äh das nehmen wir dann die Datenbank auf, damit es so breit wie möglich ist und so viel wie möglich Schlagworte da sind, dass man dann auch als interessierter Mensch,
48:52
Zur richtigen Archivale oder zurecht zum richtigen äh äh Interview kommt.
48:57  Martin
Das heißt, sie schaffen erstmal ganz viele Quellen und ganz viel Material, dass dann in späteren Jahren auch noch weiter erforscht bearbeitet, ausgewertet und Zusammenhang gesetzt werden kann.
49:08  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ja, so ist es geplant, ähm dass äh wir haben das jetzt erhoben und erstmal
49:14
eben die Möglichkeiten dafür, die Infrastruktur zur Verfügung gestellt und jetzt Ende April am neunundzwanzigsten April gibt es eine.
49:24
Sogenannte Themenfindungskonferenz, langes Wort äh wo ähm da gibt es jetzt auch dann gleich noch einen Call for contribution, da können sich Leute
49:36
auf Workshops bewerben
49:38
mit einem aus ihrer Disziplin, also sagen wir mal, ist Kunsthistoriker oder Kunsthistorikerin und weiß, dass es dieses
49:46
wahnsinnige Konvolut oder diese wahnsinnig vielen Bilder gibt und hat Lust da was zu erarbeiten
49:53
das muss jetzt kein Folgeprojekt sein, das kann auch eine Veröffentlichung sein oder eine Konferenz oder eine Ausstellung,
50:01
und dann könnte man sich bewerben ähm bei uns für einen Workshop
50:06
Und dann ist dieser Workshop dafür da, dass man quasi Gleichgesinnte oder mindestens Interessierte findet
50:12
den man sich austauscht und versucht den Faden vielleicht auch jenseits der Konferenz weiter zu spinnen. Oder eine andere Sache ist ähm in unserem wir haben ja,
50:23
für unsere Projekte ein beratendes Gremium aus Professoren, die sind alle in der sächsischen Akademie ähm
50:31
aufgenommene Wissenschaftler, die stellen, dass die Kommission und die beraten uns, da haben wir immer regelmäßige Sitzungen und alles, was wir erarbeitet haben, stellen wir dort zur Diskussion und.
50:43
Man ja auch nachfragen, wie würden sie das machen und so und ähm da gibt es eben auch ähm.
50:50
Ein Professor, der darauf hingewiesen hat, dass er,
50:53
Kontakte zur deutschen Krebshilfe hat und die äh würden oder viel Geld oder geben Geld wenn es jemanden gibt, vielleicht innerhalb einer Doktorarbeit zum Beispiel, der Interesse hat
51:06
eben das was wir auch gerade besprochen hat
51:09
die Krankheitsfälle in der Wismut mal ein bisschen historisch aufzuarbeiten. Sowas würde sich in so einer Qualifikationsarbeit sehr gut anbieten, die dann für drei Jahre wahrscheinlich gefördert werden würde
51:21
Also da gibt es quasi so Netzwerke von Geldgebern, über Professoren und das erreicht uns das
51:28
uns dann und wir stellen dann am neunundzwanzigsten April so eine Art Forum zur Verfügung, ähm wo interessierte Leute auf uns an der Tagung teilnehmen können und versuchen können zu Netzwerken und Ideen zu entwickeln.
51:43  Martin
Wir bemühen uns natürlich, dass diese Folge noch rauskommt, bevor dieser Themenabend ist, den habe ich ja auch schon verlinkt ähm auf Facebook und Twitter
51:51
wissen sie, ob's dann im Nachgang auch,
51:54
eine Aufzeichnung gibt oder Dokumentationen beziehungsweise wo wendet man sich denn hin, wenn man das jetzt zum Beispiel im Jahr zweitausendzweiundzwanzig hört und trotzdem gerne mehr über die Wismut oder den aktuellen Stand dieses Projektes oder dieser Projekte erfahren möchte?
52:08  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Also ich würde sagen ähm dass die beste Anlaufstelle ist der eigentliche Arbeitgeber des Projekts. Das ist die sächsische Akademie der Wissenschaften in Leipzig,
52:19
Und ähm die da wird man auf jeden Fall auf jemanden treffen, der weiß wo ähm vielleicht noch Informationen dafür zu finden sind oder ob's Folgeprojekte gibt. Das wissen
52:32
die dann zumindestens auch ähm und ansonsten gibt es an diesem neunundzwanzigsten Abend, aber das meinten sie jetzt vielleicht gar nicht,
52:43
auch so 'ne Art Podiumsdiskussion an der ich auch teilnehme aber auch andere also ein Vertreter der Wismut selber GmbH eine Zeitzeugin und Rainer Karlsch, Doktor Rainer Karlsch, der ist eigentlich der.
52:57
Perte auch ähm oder war es lange und ähm weil da so viel schon dazu gearbeitet hat.
53:04  Martin
Ganz viele Bücher gibt's von dem.
53:06  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Genau, der hat ganz viel dazu gearbeitet. Ähm wir sind auch mit dem in Verbindung und ich habe mich auch schon oft mit oder öfter mit ihm getroffen
53:13
dann diese diese Podiumsdiskussion wird aufgezeichnet vom MDR. Es wird auch
53:19
moderiert vom MDR und die bringen das zwar nicht an dem Abend, aber es wird sozusagen zwei Monate später dann gesendet.
53:27  Martin
Okay, dann würde ich ähm gegebenenfalls auch in der nächsten Folge nochmal rückwirkend darauf hinweisen, was denn jetzt alles dokumentiert wurde und wo das zu finden ist, gibt's dann doch einige Anlaufpunkte, wo man dann hoffentlich das Material dann noch findet und ja, die Wissenschaft sich dann auch vorhält für spätere.
53:42
Spätere Generation.
53:44  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Also wir machen auch eine Langzeitarchivierung, das kann die sächsische Akademie nicht stemmen.
53:51
Man braucht normalerweise dafür sehr, sehr viel Geld. Wir haben uns da auch nicht gewusst und schlau gemacht, also wenn man etwas über zehn Jahre oder länger archivieren möchte, damit es immer auf dem neuesten technischen Stand bleibt
54:03
Ähm ist es sehr teuer. Das Geld hatten wir nicht, aber ähm,
54:09
in unserem Projekt ist ja auch ähm sage ich mal mit involviert äh Martin Sabro. Das ist ähm der Leiter des Zentrums für zeithistorische Forschung, also und an seinem Lehrstuhl hier in der Humboldt-Universität
54:22
bin ich also schon seit Jahren angebunden ähm und.
54:26
Das Zentrum für zeithistorische Forschungen Potsdam hat sich bereit erklärt ähm unsere ganzen Daten,
54:34
quasi zur Langzeit zu archivieren oder zumindest so lange, also auch über Jahre bis ich vielleicht doch nochmal eine Möglichkeit gibt, das woanders anzubinden,
54:44
Das war so ein grobgroßer Glücksfall.
54:47  Martin
Sie haben ja eh ganz viel auch technisch improvisieren müssen während dieses Projekts durch die Corona, durch die Corona Zeit und Zeitzeuginnen äh auf die Ferne, auf die Ferne interviewen und verkabeln und mikrofonieren. Ähm, das war bestimmt auch nochmal spannend.
55:00  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Genau, also ich hatte als das dann wirklich so, also es hat sich ja schon verzögert die ganze Zeit durch die erste Pandemiewelle. Und wir haben's also dann in den Herbst geschoben und es sollen ja fünfzig Interviews sein und irgendwann.
55:13
Also habe ich dann schon kalte Füße gekriegt, weil ich dachte jetzt, was wir anfangen. Und dann haben wir also im Sommer, Herbst angefangen und sind also hingefahren und dann kam die zweite Welle im November, wo,
55:24
Der harte Lokdown kam und ich hatte also wirklich Sorgen, dass ich dachte, Mensch, so ältere Menschen
55:30
Die setzen sich doch nicht einfach mal so an Computer und sagen hier mach mal und äh es geht schon alles und äh wie überhaupt, wie kriegen wir das hin, ja? Also da hat sich viel gesträubt in unserem Projekt, ob es.
55:43
War einfach so, wir mussten es machen, wir mussten weitermachen und es hat sich dann wirklich gut herausgestellt. Ich will nicht sagen, dass
55:50
Interview vor Ort ist sicherlich nochmal was anderes, man kommt auch,
55:54
auch länger ins Gespräch. Also ich wir haben immer längere Interviews gemacht, wenn wir vor Ort waren. Aber wir haben jetzt auch immer mindestens zwei Stunden.
56:03
Und äh die Leute sind unheimlich technikaffin, also das sind Achtzigjährige, das ist einfach noch anders als in anderen Generationen, die heute,
56:12
Generation von älteren Leuten, die sind echt fit
56:17
Und wenn sie es selber nicht machen, dann wissen sie, an wen man sich wenden kann und die sind sehr, sehr flexibel und eben auch Frauen. Also es ist nicht nur, dass da nur jetzt die Männer da sitzen und die Technik machen, es machen auch viele Frauen, die sagen, nee, nee, das kann ich schon und das kriege ich schon hin oder irgendwie so.
56:33
Und wenn's mal nicht geht, dann äh meine Projektmitarbeiterinnen, die äh machen das ganz toll
56:40
muss ich echt sagen, ich sitze ja da manchmal daneben und höre zu, die geleiten dann die Interviewpartner am Telefon und am teilweise am Bildschirm
56:48
durch und sagen dann gucken sie mal unten rechts und da ist,
56:52
und gucken sie mal unten links und da können sie noch hindrücken. Und also auch die schwierigsten Fälle muss ich wirklich sagen an was weiß ich was es für technische Probleme manchmal schon gab, haben die mit den Zeitzeugen
57:05
gelöst und darauf haben sich die Zeitzeugen auch eingelassen. Sie hätten ja auch sagen können, oh nee, also das ist mir echt, da wäre ich ganz wuschig und nervös. Ähm haben die aber alle nicht gesagt, sondern ja, das kriegen wir schon hin und das war dann auch so.
57:17  Martin
Eins dieser Gespräche folgt jetzt gleich auch noch, äh denn über den Kontakt zwischen uns beiden oder ihrem Team
57:23
ist jetzt auch noch der Kontakt zu einer Zeitzerin entstanden, die die jetzt gleich im Podcast als Gesprächspartnerin zu hören sein wird, auch über die Ferne. Ähm wenn die Zuhörerinsör das gleich hören, können sie auch beurteilen, wie gut das dann geklappt hat, aber da bin ich auch schon sehr gespannt
57:37
Und äh auch wir beide waren jetzt ja verbunden über das Netz und äh ja ist schon erstaunlich, was man jetzt anders hingekriegt hat in diesem Jahr und ähm wie gut das dann doch im Einzelfall dann manchmal klappt.
57:47  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Also ich kann ihnen da nur zustimmen. Ich ähm organisiere schon seit.
57:53
Acht Jahren mit einem Kollegen einen Umweltkologium an unserer Universität an der Humboldt Uni
58:00
und ähm in Berlin muss man ja immer mit vielen Veranstaltungen konkurrieren. Das heißt, wenn wir mal zehn Leute im Koloquium waren, im Laufe der Jahre immer, ne? Es geht immer Silvesterweise
58:12
war das schon viel. Jetzt durch die Pandemie, also schalten, wir machen das Kolock. Wir haben auch oft in Englisch, nicht nur, aber Englisch und Deutsch. Äh das schaltet sich die also ich
58:22
So will ich's jetzt nicht sagen, aber da letzten.
58:23  Martin
Die ganze Welt.
58:24  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Ja, fünfundzwanzig Leute oder was? Und die waren aus Australien, aus Amerika und hast du nicht gesehen oder auch äh weiß ich nicht, die einen war aus Bulgarien zugeschalten. Also,
58:35
Das sind dann auch ganz positive Entwicklungen, da habe ich mich unheimlich gefreut.
58:39  Martin
Toll, also ich ähm ich wünsche ihnen auch äh dass das weiterhin so bleibt mit anderen Projekten, die dann vielleicht auch nach dem Juni starten und ähm bis dahin auf jeden Fall erstmal noch viel Erfolg mit diesem Projekt,
58:51
Schön, dass sie die Zeit gefunden haben, uns davon zu erzählen und auch so einen kleinen Einblick zu geben in die Welt der Wismut, bevor man dann jetzt gleich von der Zeit zurück noch eine persönliche Sicht hören.
59:01  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Vielen Dank Herr Fischer, ich freue mich, dass sie ähm Interesse hatten an dem Thema und dass wir uns beide unterhalten können und auch sie natürlich sich die Zeit genommen haben.
59:11  Martin
Dankeschön Frau Doktor Kirchhoff, haben sie doch eine schöne Woche, eine gute Zeit.
59:13  
Musik
59:15  Dr. Astrid Mignon Kirchhof
Sie auch, machen sie's gut. Tschüs.
59:29  Martin
Alle erwähnten Links zum Projekt und dem Themenabend findet ihr in den Shownotes. Und wie angekündigt, kommt jetzt im zweiten Teil eine Zeitzeugin zu Wort, die bei der Wismut gearbeitet hat.
59:39
Herzlich willkommen sage ich in meinem zweiten Gespräch zu Gudrun Zöbisch. Hallo Frau Zöbisch.
59:45  Gudrun Zöbisch
Schönen guten Tag, Herr Fischer.
59:46  Martin
Schön, dass Sie zu Gast sind bei mir in Staatsbürgerkunde,
59:51
Wir haben jetzt gerade schon, also sie noch nicht, aber die Hörerinnen und Hörer haben jetzt gerade schon ein Gespräch gehört mit Astrid Kirchhoff, die uns auch schon so ein bisschen erzählt hat,
1:00:00
Was sind die Wismut war, wie die zustande gekommen ist? Und ich freue mich sehr, dass sie uns jetzt als jemand ähm Auskunft geben können.
1:00:08
Die bei der Wismut gearbeitet hat. Bevor wir dazu kommen können, ähm, schauen wir uns erstmal so ein bisschen an, wer Sie sind, wo Sie herkommen und, ähm, ja,
1:00:18
Würde ich vorschlagen, stellen sie sich doch einfach mal vor und sagen sie, wo sie vielleicht geboren und aufgewachsen sind, das ist dann immer ganz interessant.
1:00:24  Gudrun Zöbisch
Ich hatte eben schon von Anfang an sozusagen mit der Wismut zu tun, denn mein Name ist Gudrun Zügig, ich wurde geboren am neunten zwölften neunzehnhundertvierundfünfzig in Aue.
1:00:35
Und Aue ist unmittelbar die Kreisstadt gewesen von Schlema und damit auch meinem.
1:00:43
Ja, bis ich schlimmer verlassen habe, meinem Wohnort für die nächsten sechzehn, siebzehn Jahre.
1:00:51
Das heißt ähm mein Vater hatte in Schlema eine Gärtnerei.
1:00:58
Bis neunzehnhundertsiebenundfünfzig, das muss man auch so verstehen, er war mit Herz und Seele ein Gärtner, aber zu dieser Zeit war das nicht so wie in den äh Jahren nach der Wende, dass,
1:01:11
Er machen hätte können, was er will, also anbauen, was auch Ertrag bringt und er musste ja schließlich mit mich jetzt auch mit versorgen und das hat dann nicht so geklappt,
1:01:20
Also, was hat er gemacht? Er hat sich beworben im Betrieb für Bergbauausrüstung bei der Wismut, im BBR Aue und seine Tätigkeit im Werk fünfhundertzwölf. Das war die Außenstelle in Schlema. Dort hat er als Dreher,
1:01:34
gearbeitet von neunzehnhundertsiebenundfünfzig bis er im Jahr neunzehnhundert.
1:01:41
Dreiundneunzig in Vorrente gegangen ist. Also er hat praktisch sein Arbeitsleben dann auch dort hinter sich gebracht, sagen wir es mal so.
1:01:50  Martin
Sein ganzes Arbeitsleben bei der Wismut quasi.
1:01:52  Gudrun Zöbisch
Die ganze Arbeitsleben bei der Wismut. Genau, mit allen Höhen und Tiefen
1:01:56
der wo auch zwischendurch mal krank, aber nicht jetzt die Wissenmutkrankheit, sondern ganz normal mal einen Herzinfarkt gehabt, aber er hat dann weitergemacht, ne? Und wir hatten immer einen Garten in Schlema
1:02:08
dort in der Nähe, wo wir gewohnt haben und das war dann seine Gärtnerei, in der wir auch mitarbeiten durften. Das heißt, es gab ein Gewächshaus und es gab.
1:02:17
Im Frühjahr den ersten Salat und im Sommer die Äpfel, die Kirschen und vor allem die Stachelbeeren, die äh Bäumchen waren nämlich so schön niedrig, dass man sich einen Stuhl drunter setzen konnte und konnte von da pflücken. Also das war alles durch Start,
1:02:31
So, wir zogen dann neunzehnhundertsiebenundfünfzig auch in Schlema um aus der Gärtnereiwohnung heraus, die nicht sehr komfortabel war, in eine Wohnung mit Bad,
1:02:45
und gemütlichen Kachelofen im Wohnzimmer, sage ich immer, weil das war so ein richtiger schöner Kachelofen, wie man's äh aus vielen Bildern äh kennt von von früher, wo die Omas mit den Enkeln auf der Bank saßen und vorgelesen haben, eine Katze vielleicht noch mit dazu. Die hat man zwar nie
1:03:02
aber wir hatten so einen schönen Kachelofen. Die Wismut war damals schon immer präsent, weil in unbindelbarer Nähe,
1:03:11
Meines Wohnhauses oder unseres Wohnhauses war der sogenannte Gummibahnhof.
1:03:18
Gummibahnhof wurde er deshalb genannt, weil die Busse mit,
1:03:23
mit den Männern und Frauen in alle Himmelsrichtungen der Wismut, die äh.
1:03:29
Leuten nach Hause gebracht haben oder wieder zu ihrer Arbeitsstelle. Also der Gummibahnhof in Schlema war sowas wie ein umschlagbaren Hof für Busse.
1:03:39
Wir hatten natürlich ein Schema auf dem richtigen Bahnhof und auf dem Bahnhof hat so,
1:03:45
Jugendzeiten, meine Mutti gelernt. Also wir sind damit mit Schrema schon immer verbunden gewesen.
1:03:53  Martin
Das heißt, sie sie waren richtig ähm also alle richtig fest verwurzelt im Ort.
1:03:57  Gudrun Zöbisch
Ja, von meinem Vati, die.
1:04:00
Eltern haben auch schon immer in Schlema gewohnt und äh Schlema war ja vor der Wismutszeit auch schon eine Kurstadt und da wurde mir gesagt, dass meine.
1:04:12
Großmutter damals, wenn sie noch gelebt hätte, äh die war Schneiderin und hat für die Herrschaften, die in Oberschlema, so nannte sich das damals gekurt haben, äh Kleider genäht.
1:04:25
Also auch da war schon immer irgendwie die Verbindung. Das ging natürlich dann alles mit Beginn der Wismut in schlimmer,
1:04:33
das heißt, das Radioboard existierte dann nicht mehr und äh die Wismut hat erstmal alles versucht und,
1:04:41
Das werden sie ja auch von der Frau Doktor Althoff gehört haben. Sich Kirschhoff sich dort.
1:04:47
Zu etablieren beziehungsweise die haben nach ähm Uranerz oder Uranhaltischen Ärzten besucht und wurden auch in Schlema, Umschlema und so weiter fündig. Und damit ging der Bergbau los,
1:05:02
Den wir ja alle als.
1:05:05
Kinder, ja, da kamen große Maschinen und da wurden Berge von von Gesteinen aufgeschüttet, das war schon erstmal auch was für uns, sowas kannte man ja gar nicht
1:05:15
Das ist natürlich auch nicht so der Gesundheit dienlich war, das haben bestimmt damals die.
1:05:21
Eigentlichen Macher auch nicht hundertprozentig gewusst, das hat sich dann erst im Laufe der Zeit herausgebildet und deshalb war,
1:05:29
Schlämer dann nicht unbedingt mehr meine Wahlheimat, sondern ich hatte immer schon das Bedürfnis, hier wirst du nie alt.
1:05:36  Martin
Das ist aber interessant, was sie sagen, dass das erst als Kurstadt quasi bekannt wurde, bevor es dann zur Bergbaustadt wurde.
1:05:43  Gudrun Zöbisch
Genau und jetzt ist es ja wieder Kurstad,
1:05:46
oder jetzt heißt's ja äh Aue Bad Schlema oder so, also das hat Aue, das habe ich mir dann mal aufgeschrieben, das können wir dann mal nochmal mit äh sagen, wie oft schlimmer den Namen geändert hat.
1:05:59
Ich habe immer im selben Haus gewohnt, ne. Also das ist das äh hat damit auch nichts zu tun. Ja, das ist jetzt wieder schön, Radio Bart, hat einen wunderschönen Kurpark und auch ein
1:06:10
ein so ein Schwimmhalle, wo man das ganze Jahr über äh na ja.
1:06:19
Sich berieseln lassen kann, also auch ein Außenbecken, ein Innenbecken schön mit warmem Wasser und hat dann eben auch zwei Radiumbäder, die ja auch Heilbäder sind.
1:06:29
Das habe ich auch nach der Wende oder nehme ich auch seit der Wende sehr in Anspruch, weil das ist was wunderschönes
1:06:37
eine riesengroße Saunalandschaft noch mit dran mit Außenbereich und innen. Also
1:06:41
das ist jetzt wieder wunderschön und von den Halten sieht man ja auch nicht mehr viel. Die wurden ja dann im äh im Nachhinein, also auch wieder nach der Wende abgetragen und verfüllt oder,
1:06:53
Also auf alle Fälle, die sind die Berge jetzt wieder die Richtigen, die es vorher auch schon gegeben hat.
1:06:59  Martin
Wie sind sie denn selber, denn zur Wismut gekommen? Also war das schon Anfang an klar, weil eben ihre ganze Familie da ein schlimmer,
1:07:05
ja ähm ja schon lange war und ihr Vater jetzt auch im Speziellen schon im Bergbau gearbeitet hat oder zumindest in dem ähm in dem Betrieb für Bergbauausrüstungen.
1:07:15  Gudrun Zöbisch
Nein, das war nicht von Anfang an klar, es ging ja erstmal haben wir ja auch die Schule besucht
1:07:21
wie es dann und wie es dann so nach der zehnten Klasse war, ging es ja auch um oder schon in der neunten Klasse äh ging's da darum, was will ich mal werden? Und äh da hatte ich so verschiedene Ideen.
1:07:35
Und ja ich hätte gern KFZ-Mechaniker gemacht oder auch Goldschmied, aber da
1:07:43
hat's bei der Einsache, beim KFZ-Mechaniker mit meiner Gesundheit nicht richtig getaugt und Goldschmied, da hatte ich leider keine Beziehung, dass ich da hätte irgendwo eine Leerstelle kriegen können und dann
1:07:54
War immer so schon die Rede von der EDV
1:07:57
Was ist denn das und ich Ende der sechziger Jahre war ja da unheimlich viel zu hören und da habe ich mich dann äh beworben im Betrieb für Bergbauausrüstung als Facharbeiter für Datenverarbeitung.
1:08:09  Martin
Wussten sie da schon, was, was sie da erwartet? Also was, was eh die Frau ähm alles machen kann oder was man da alles machen muss.
1:08:17  Gudrun Zöbisch
Nein, das nicht. Äh was am als erstes so ziemlich klar war, das ist EDV, ne?
1:08:25
Elektronische Datenverarbeitung. Später hieß es dann Ende der Vernunft. Weil es war so viel, also ich ich,
1:08:34
hatte mit Computern bis dahin ja überhaupt nichts zu tun. Ich hatte ja noch keiner da einen Computer bis dahin, aber ich hatte mir damals schon überlegt.
1:08:43
Das ist was Neues, das wächst und wenn man das hört und wenn man das sieht, was da alles kommt, dann muss man bestimmt viel lernen.
1:08:51
Aber im Nachhinein muss ich sagen, dass ich so viel lernen musste und auch wollte.
1:08:58
Das war schon enorm. Aber nichtsdestotrotz, ich habe dann meinen Facharbeiter äh oder meinen mein.
1:09:07
Meine Lehrer als Facharbeiter für Datenverarbeitung begonnen und musste aber, das war damals schon so äh eingetaktet in die gewerbliche Berufsschule zwei nach.
1:09:20
Graumarktstadt. Damals hieß es ja Karl-Marx-Stadt.
1:09:22  Martin
Jetzt wieder Chemnitz.
1:09:23  Gudrun Zöbisch
Jetzt heißt's wieder Chemnitz und ähm
1:09:27
Die gewerbliche Berufsschule zwei war ja richtig im Stadtzentrum und die Busse von der Wismut, von dem Gummibahnhof bin ich da gefahren eben bis nach Sigmar. Dann ist von Sigmar.
1:09:40
Also Sigma wie der Busbahnhof bis runter in die Stadt, wo die Linie eins fuhr, auch wieder ein Bus gefahren, dann sind wir eine Linie eins gestiegen, bis rein in die Stadt gefahren, die gibt's ja auch nicht mehr so, die Linie eins, die ist bis hinter zum.
1:09:55
Ähm jetzigen.
1:10:00
Zentralhaltestelle gefahren und von da weg hat man's dann bloß noch ein paar Meter in die Schule. Und nachmittags ging der ganze Weg wieder zurück und der Bus fuhr dann äh sechzehn Uhr.
1:10:11
Zwanzig oder fünfundzwanzig fuhr der Bus dann wieder nach Schlema, sodass man dann zu kurz nach fünf wieder zu Hause gewesen ist. Also so war der Tag als Lehrling und ähm.
1:10:25
Wie gesagt.
1:10:28
Ich hatte dann den Facharbeiter in der Tasche und der hieß Facharbeiter für Datenverarbeitung in der Spezialisierung operativer Rechenbetrieb.
1:10:38  Martin
Jetzt muss ich mal ganz kurz fragen, weil was lernt man denn da so während dieser Facharbeiterausbildung? Also was was dann so so Fachgebiete, die man dann so beigebracht bekommt.
1:10:46  Gudrun Zöbisch
Also Mathematik, Technologie, Maschinenkunde, Projekterarbeitung, Grundlagen.
1:10:55
Ökonomie theoretische Lehrstoffe, praktische Lehrstoffe und dann war bei mir noch drin die praktische Arbeit am R dreihundert. Das war damals ein sogenannter Grußrechner,
1:11:07
Das muss man sich so vorstellen wie ein Zimmer. Ich sage jetzt mal so von dreißig Quadratmetern.
1:11:14
Da drin standen, so habe ich das noch in Erinnerung, in Erinnerung, alles wie solche.
1:11:20
Normalen, kleinen Kühlschränke, also die die Achtzigerhöhe und das die standen in dem ganzen Raum ringsrum. Alles das war dieser Großrechner ab dreihundert, da gehörten diese ganzen Gerätschaften dazu.
1:11:34
Dazu gab's dann noch auch schon damals ähm Plattenstapel für die Datensicherung oder auch Daten wurden da drauf gespeichert und ein.
1:11:43
Oder oder zu dem Programm dazu geschoben. Also das war alles drinnen und es gab damals viele Lochkartenleser.
1:11:53
Entschuldigung, Lochband leser und Lochband,
1:11:56
zum Ausspulen, die waren ja ziemlich groß, die Rollen. Das hatte ich mir auch mal mit aufgeschrieben, weil die äh Rollen und auch das andere Material, wo man dann bestimmt auch noch zum zu sprechen kommt. Also so ein Achtkanalloch, weil
1:12:10
ist zwei Komma fünf Zentimeter groß gewesen und die fünf Kanal Lochbänder. Dort waren die Programme drauf gespeichert. Die waren.
1:12:19
Na ja, ich würde sagen, ein Zentimeter kleiner, so vielleicht eins Komma fünf, die waren ja.
1:12:24
Kleiner und das war damals ein Programm. Ein Programm müssen sich vorstellen, zumindestens dann, als ich bei der Wismut im geologischen Betrieb gearbeitet habe, die waren so.
1:12:36
Zehn Meter lang.
1:12:38
Eine riesen Schleife und damit die Schleife immer schön in den Rechner zu den Lesern kam, waren da so Ständer mit Rollen und da wurden die so drüber gefädelt. Und deswegen konnte ich mich auch jetzt mal als Vorgriff vielleicht
1:12:51
nie vorstellen.
1:12:53
Einen Speicher mit einem MB jemals vollkriegen würde. Da kommen wir dann bestimmt nochmal drauf zu speichern, äh zu sprechen, weil das war für mich unbegreiflich.
1:13:03  Martin
Aber war dann so ein Lochband, war das quasi so eine so eine lange Lochkarte, kann man sich das vorstellen als als Band quasi.
1:13:09  Gudrun Zöbisch
Ja, das heißt, ja, dort wurden die die Daten sequenziell hintereinander, wurden die ähm einge,
1:13:16
Stands, das waren ja alles kleine Rundlöscher und äh eine Transportspur war da mit drauf, weil sonst wäre ja das Band vielleicht.
1:13:24
Schief irgendwo ein äh eingelesen, also nach der dritten Spur war ein,
1:13:29
so 'ne ganz mit ganz kleinen Löchern, die immer da eingestanzt waren, damit das Band dann gelaufen ist. Und,
1:13:37
es wurde genauso mit mit null und eins wurde halt jede Ziffer oder jeder Buchstabe verschlüsselt
1:13:42
Und am Ende gab's kaum ja drauf an, was es für Daten waren, gab's immer auch nochmal Prüf zu hören, damit das auch Hand und Fuß hatte, dass dass die Zahlen richtig eingegeben waren.
1:13:53  Martin
Okay, dann haben sie diese ganze Technik, haben sie quasi da kennengelernt und äh ja auch in Theorie und Praxis schon mal so ein bisschen verprobt,
1:14:02
ähm und da konnten's dann tatsächlich auch äh war dann auch die Anforderung da, dass es dann eben in diesem geologischen Betrieb eingesetzt werden kann.
1:14:10  Gudrun Zöbisch
Genau. Das war dann nach Abschluss von meinem Facharbeiter. Den habe ich im im.
1:14:19
Juni neunzehnhundertdreiundsiebzig abgeschlossen, den Facharbeiter für Daten,
1:14:23
Verarbeitung mit der Spezialisierung über operative Rechenbetrieb. Und das hat mich eigentlich schon immer interessiert, diese Daten, die dann äh hergestellt wurden, sagen wir mal zu verarbeiten. Und
1:14:36
die natürlich auch so nutzen zu können, dass das Ergebnis nicht erst wieder.
1:14:43
Geschrieben werden musste, wie man das manchmal noch.
1:14:47
Heute hört, sondern wir haben die Listen geliefert, die dann in die Finanzbuchhaltung oder äh zum Betriebsdirektor oder wo auch immer in die Lohnbuchhaltung äh gegangen sind, um dort die Daten direkt zu verarbeiten.
1:15:02
Das war schön.
1:15:03  Martin
Das heißt, was haben sie denn, also wie sah denn so ein Tag aus bei ihnen? Was was haben sie gemacht? Also wie haben sie dann diese diese Bänder erstellt oder haben sie mit diesen Bändern dann was errechnet.
1:15:13  Gudrun Zöbisch
Beides. Fangen wir mal so an, nachdem ich in den geologischen Betrieb gekommen bin, war es so, dass man nicht einfach.
1:15:23
Jetzt auch wenn ich jetzt die Befähigung hatte zum zum Rechen, also zum operativen Rechenbetrieb, sondern dort war es so, wie es heutzutage auch oft ist, man fängt mal unten an.
1:15:34
Mal ganz unten an, dass ich finde das auch nicht verkehrt, weil also außer Kaffee kochen, ne? Sondern das Anfangen in der untersten Struktur, damit man weiß.
1:15:45
Wie das Ergebnis entsteht, damit man weiß, wie's verarbeitet wird und Wusten auch nach der Verarbeitung weitergegeben wird.
1:15:54
Das ist für mich immer wichtig gewesen, dass man
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was gemacht hat, was auch angewandt wurde und nicht einfach die Daten erstellen, dass man vielleicht jemanden beschäftigt hätte. Also das gab's bei uns nicht. Ich habe deshalb als Datenerfasserin erstmal angefangen,
1:16:12
neunzehnhundertdreiundsiebzig und war dann neunzehnhundertfünfundsiebzig schon Prüferin. Das heißt, die Daten, die wir erfasst haben, mussten ja auch
1:16:21
prüft werden, ob sie in Ordnung sind und wenn nicht, mussten sie korrigiert werden, das hatte ich ja vorhin schon mal kurz gesagt mit Prüfsummen
1:16:27
aber wir haben auf der einen Seite Lochbänder erstellt
1:16:32
also die Daten auf Lochbändern, aber wir hatten dann in unserer Datenverarbeitung Datenerfassung auch schon Maschinen, die die sogenannten ähm,
1:16:42
als Wadenträger hatten und zwar eben diese acht Zoll Disketten.
1:16:49
Ich habe das mir mal aufgeschrieben, weil das kann man sich ja auch nicht immer alles merken. Die waren zwanzig Komma drei Mal zwanzig Komma drei Zentimeter, also doch schon ganz schön groß. Und das muss man sich vorstellen, wie so ein
1:17:02
wenn man später jetzt mal so eine feste äh dreieinhalb Zoll Diskette. Wenn man die mal aufgemacht hat, ist doch innen drin so ein
1:17:10
Ja, mal, ich würde sagen aus Plaste, dünner, wie eine dünne, wie eine ganz dünne Schallplatte
1:17:15
Und die hatte ja die Daten drauf. Auf diesen acht Zoll Disketten sind damals hundertachtzig Kilo weit.
1:17:24
War das Bespeichern von hundertachtzig Kilo bei Daten möglich.
1:17:28
Kann man sich ja heute ja gar nicht mehr vorstellen, weil wir reden heute von äh Gigabyte und Terrabyte und ich weiß nicht, ob der eine oder andere auch weiß, wie viel das eigentlich ist.
1:17:41
Ne? Weil ähm man musste ja auch damals haushalten mit den ganzen Daten und man hatte dient die ganzen
1:17:50
Maschinen ja auch erst erfunden bei Robotron war ja hauptsächlich in Chemnitz dafür zuständig oder das Buchungsmaschinenwerk, die diese Maschinen entwickelt hatten und wir waren beim geologischen Betrieb in Grünau.
1:18:02
Äh Tester. Also das heißt, wir haben die immer die neuen Maschinen bekommen und haben die dann getestet auf
1:18:11
Lauffähigkeit, wie konnte man damit gut umgehen? Waren sie stabil oder haben sie äh die Daten nicht gut gespeichert und so weiter. Und da ging das los, eben mit den acht Zoll Disketten und die wurden dann immer kleiner, dann gab's noch die fünfundviertel,
1:18:25
und dann die sogenannten Flobby Disc oder die dreieinhalb Zoll.
1:18:29
Und nebenbei aber hatten wir trotzdem immer auch Daten noch auf Lochbändern. Das war kam jetzt wieder drauf an, was man für Daten verarbeiten sollte oder musste.
1:18:41
Ganz am Anfang, wo ich ganz neu war und auch in der Lehre hatten wir uns noch um Lochkappen gekümmert. Lochkarten, da gab's die neunzigfaltige mit runden Löchern und die achtzig Baldige.
1:18:54
Eckigen Löchern.
1:18:56
Die Größe war die Gleiche, die waren achtzehn Komma sieben mal acht Komma drei Zentimeter groß und da drauf konnten auch nach bestimmten Codes die.
1:19:06
Daten gespeichert werden. Die neunzig spaltische Lochkarte, die haben ich kennengelernt im Buchungsmaschinenwerk in,
1:19:14
Gera, dort sind wir auch als Lehrlinge mal vier Wochen hingefahren, um das mal kennenzulernen. Das sind unheimlich riesige Maschinen,
1:19:23
dass da drinnen überhaupt was passieren konnte, das war mir nicht so ganz klar, da kam auf der einen Seite der riesen Kartenstapel rein und auf der anderen Seite kam er wieder raus und zwischendurch wurden die Daten gelesen,
1:19:33
Was da am Ergebnis war, muss ich ganz ehrlich sagen, kann ich mich
1:19:39
nicht mehr so genau erinnern. Auf alle Fälle waren's riesige Maschinen. Ich würde sagen, wenn sie sich mal heutzutage so einen großen Webstuhl vorstellen, so in etwa war das auf der einen Seite ging was rein, auf der anderen Seite kamen die Karten wieder raus und zwischendrin waren sie gelesen.
1:19:52  Martin
Und wurden die dann auch verändert, die Karten, während sie da drin waren oder wurden.
1:19:56  Gudrun Zöbisch
Nein, nein.
1:19:57
Die Ohren praktisch, die waren gelocht, also die Daten waren auf diese Karten drauf aufgebracht über ein, über auch so eine Maschine, die praktisch, wenn sie ein A angeschlagen haben auf der Tastatur, hat sich dort der Code als A.
1:20:11
Manifestiert. Und so ging das weiter. Und diese Karten wurden dann in Stapeln eingelegt und diese Stapel, die mussten genauso stimmen, die Karten hintereinander gab's auch wieder Prüfsummen und die wurden dann verarbeitet. Die Daten, die auf diesen Karten waren.
1:20:25  Martin
Und wo kam das dann? Und wo kommt das Ergebnis dann hin? Äh wurde das dann im Rechner erstmal.
1:20:31  Gudrun Zöbisch
An dem Rechner und und wurde dort verarbeitet, aber wie gesagt, das, wie die Lochkarten verarbeitet waren, also was da das Ergebnis war, das kann ich mich wirklich nicht m.
1:20:40
Also das lange her, aber das hat mich wahrscheinlich auch nicht so interessiert, weil die Technik mit diesen Lochkarten und äh die Verarbeitung, ah das war.
1:20:49
Sensationell, muss ich so sagen.
1:20:50  Martin
Das heißt, ihre Hauptaufgabe war in dem Moment quasi diese diese Lochkarten zu erstellen oder diese Lochbänder und reinzufüttern in die in den Rechner. Mhm.
1:21:01  Gudrun Zöbisch
Das war das. Aber wie gesagt, das war ja auch bloß zur Lehrzeit.
1:21:04  Martin
Zum Einstieg, genau.
1:21:05  Gudrun Zöbisch
Das war mal zum Einstieg, dass man das alles mal hat kennengelernt, aber das war trotzdem muss ich schon sagen äh,
1:21:12
ganz schön imposant, wenn man das mal gesehen hat. Und wie gesagt, dann habe ich dort angefangen in der Datenverarbeitung als ähm.
1:21:21
Dann Prüferin, dann war ich sechsund.
1:21:25
Siebzig, neunzehnhundertsechsundsiebzig als Bediener zwei an unserem KRS viertausendzweihundert. Das klingt auch mächtig gewaltig.
1:21:33  Martin
Ist denn das?
1:21:34  Gudrun Zöbisch
Der KS viertausendzweihundert, das war unsere Rechner im geologischen Betrieb.
1:21:39
Damals war das ja alles Verschlusssache. Heute kann man da sicher offen drüber reden, das wird wohl keinen mehr interessieren und die Daten sind verarbeitet. Das war auch wieder so ein Gerät wie so ein wie so ein Kühlschrank.
1:21:52
Nur mit dem Unterschied, äh dass da Ferritkernspeicher drin waren. Also das war so eine Matrix. Da waren alles äh so ein Verrücktkern, der konnte auch wieder bloß darstellen.
1:22:04
Eins oder null? Wie die EDV heute noch ist, immer eins oder null und dann wurde das bloß durch die ganzen Verschlüsselungen ähm.
1:22:13
Für den Rechner zur Verarbeitung dargestellt. Man konnte sogar aufpassen, wie die Ferienkerne durch das Programm, was reingelaufen ist, umgefallen sind, also mal auf null oder mal auf eins. Die hatten so ein,
1:22:26
wie so eine wie eine Mortrix, also drehte nach unten, drehte.
1:22:32
Quer und dann noch einen Schrägen dran. Und da drauf sind dann die Verrücktkerne immer umgefallen. Es war wie so ein ein Hohler.
1:22:40
Magnet würde ich fast sagen. So so könnte man sich das vorstellen.
1:22:44
Da drinnen umgefallen, das konnte man sehen und dort raus sind mit dem Programm und dem Umfallen der Kerne und unseren Daten, die man eingelaufen sind, sind am Ende auf großen Druckern,
1:22:56
mehr lagisches Papier erstellt wurden, wo dann die Ergebnisse gedruckt wurden.
1:23:01  Martin
Und das war dann quasi das das Ergebni.
1:23:04  Gudrun Zöbisch
Genau. Und die Ergebnisse sind aber wirklich.
1:23:09
Wie gesagt, in die Egonomie gegangen in der Finanzbuchhaltung in die Lohnbuchhaltung. Also die sind verarbeitet worden. Das war nicht so, dass die nochmal auf Klarschrift oder abgeschrieben wurden und so. Also das war damals schon sehr.
1:23:25
Fortschrittlich muss ich wirklich so sagen.
1:23:28  Martin
Waren das dann tatsächlich so so Stundenzettel oder was weiß die Lohnbuchhaltung dann gebraucht hat oder auch was, was tatsächlich jetzt mit dem Betrieb der Wismut, also ich sage mal, im geologischen auch noch zu tun hatte.
1:23:39  Gudrun Zöbisch
Ja, das war, das waren,
1:23:41
wir hatten ja praktisch geologischer Betrieb heißt ja, dass wir die ganzen Geologen hatten und äh die Biologen haben ja die Erkundungen gemacht und wie hat man die Urkundung gemacht mit geologischen Bohrungen,
1:23:52
Und äh diese geologischen Bohrungen wurden ja über Tage gemacht in der Regel.
1:23:59
Auch Untertage und das ist wieder die Verbindung zu meinem Vati, der ja Trier war und was hat er gedreht
1:24:05
Bohrstangen. Das heißt, so ein Bohrloch, da wurden ja diese Bohrstangen übereinander gesteckt, die sind ja nicht bloß zwei oder drei Meter tief gegangen, heutzutage.
1:24:15
Bohrt man ja auch noch äh überall um diese Kerne aus der Erde zu holen, aber mehr jetzt um äh Nachhaltigkeit nachzuweisen und auch für uns überleben und weiteres Überleben zu arbeiten. Und damals wurden eben diese,
1:24:30
Stangen in die Erde gedreht und mit so einem großen Gestänge, also das war so ein Dreieck, das waren vielleicht.
1:24:37
Sechs, sieben Meter, ach vielleicht zehn Meter hoch und dann wurde dies mit Motor, wurden diese Stangen in die Erde gedreht und diese.
1:24:44
Rückstände, die sich dann im Innern dieser Bohrstange gesammelt haben, die ging dann auch in die Labore.
1:24:51
Wurden dann dort ausgewertet, damit man wusste, was hat man denn hier gefunden? Und diese Mitarbeiter, die diese Bohrungen.
1:25:00
Gemacht haben. Das waren unsere äh Bohrer im geologischen Betrieb.
1:25:05
Deren Stundenzettel, die die ja auch ausfüllen mussten, die haben ja auch ähm.
1:25:10
Ich glaube, die haben sogar dreischüchtig gearbeitet und waren ja auch übelst Dresden oder hinter Dresden waren die ja verstreut. Die kamen dann zu uns und die wurden erfasst über unsere Geräte und dann verarbeitet und dann kam auch Zusammenfassungen für die,
1:25:25
Lohnbuchhaltung raus. Damals ging ja die Lohnbuchhaltung wirklich noch. Meiner Ansicht nach wurde das dann doch mit Hand gerechnet
1:25:32
dass die eigentliche der Lohnrechnung, weil jeder hatte ja einen besonderen Zuschlag oder auch schwer erschwerendes Zuschlag oder irgendwas, dann gab's ja für die äh für die äh
1:25:43
Geologen gab's ja äh auch Schokolade als Lehrling.
1:25:49  Martin
Ach was.
1:25:50  Gudrun Zöbisch
Zuschlag, ja, ja. Ja, ja und wenn sie dann ähm älter waren und ähm.
1:25:57
Bestimmte Sachen auch mit machen mussten, gab's ja dann als Zuschlag auch solche Marken für den damaligen Wismutschnaps.
1:26:06  Martin
Was ist denn der Wismutschn.
1:26:07  Gudrun Zöbisch
Eigentlich da da kam eine Mark.
1:26:11
Sechzehn Mark, DDR Mark, sechzehn kap so eine ganze Flasche sieben Komma fünf Liter Schnaps. Weißer Schnaps, also.
1:26:20
Wie sagt man da, wie Wodka sowas in der Art, ne? Und dann sollten ja eigentlich die Burgarbeiter damals nehmen zum Gurgeln, aber die haben ihn auch getrunken, das hat auch geholfen, ne? Offensichtlich. Und.
1:26:30
Gab's als wie sagt man da? Ne, als Zuschlag, wenn man halt gut war, hat man eben da so ach so solche Morgen gekriegt und konnte sich so eine Flasche Schnaps kaufen.
1:26:40  Martin
Ich hab schon von der Frau äh Kirchhoff gehört, dass diese, als dass bei der Wismut auch ganz viel Infrastruktur mit dran gehangen hat, also bis hin zu eigenen Läden für die Beschäftigten bei der Wismut gab's das, gab's das bei ihnen auch.
1:26:51  Gudrun Zöbisch
Ja, ja. Ja, ja. Das war überall, das heißt, ich selbst bin ja auch noch als Kind äh mir hatten's nicht weit zur zu unserem,
1:27:00
Laden, da gab's ja morgen, also ich habe eine Buttermork gehabt, damit kann konnte ich mich noch drauf erinnern. Man kann auch, hat auch Fleisch auf morgen bekommen und ähm durch die Wissenmut war auch das Angebot, weil,
1:27:14
wie auch anders neben dem Gummibahnhof war dieser schöne große Laden damals schon und
1:27:20
da wurden auch viele Sachen hingebracht, weil manche hatten ja auch bissel Aufenthalt, bis ihr Bus gefahren ist, dann sind die dorthin einkaufen gegangen. Also es war auch für die Region sage ich jetzt mal eine eine gute Einnahmequelle, dass dort mehr,
1:27:33
verkauft werden konnte und es war eben auch da durch die Wismut.
1:27:37  Martin
Waren denn viele in dem Ort, dann bei der Wismut tatsächlich. Ähm also viele haben gerade gesagt, kommen auch von außerhalb, aber es klingt ja so, als wäre das wirklich der Arbeitgeber für die gesamte Region gewesen.
1:27:46  Gudrun Zöbisch
Mit der Wismut haben sehr viele sehr viele gelebt. Also das sind ja nicht alle bloß Untertage gewesen, sondern wie gesagt einem auch
1:27:54
äh in Geschäften oder wie mein Vadi im die die Bohrstangen gedreht haben oder auch äh andere geologische Erkundungen gemacht werden mussten und dann war ja auch die ähm
1:28:06
Generaldirektion, die war ja dann in.
1:28:09
Chemnitz, also damals auch wieder Karl Marx statt und äh das Gebäude existiert ja auch heute noch. Dort ist jetzt die Knappschaft untergebracht.
1:28:20
Und.
1:28:21
Bearbeitet dort unsere oder meine inzwischen stattfindende Rente und das ist ja auch ganz angenehm, dass man da auch solche.
1:28:31
Institutionen draus gemacht hat, weil die Gebäude waren meiner Ansicht nach schon immer sehr imposant.
1:28:37  Martin
Wie ging's denn mit ihm dann weiter? Also sie haben jetzt ähm erzählt so ein bisschen vom Stadt und wie sie dann Bediengraf zwei hieß es glaube ich, ne? Waren? Ähm war das dann schon das Ende ihrer äh Karriere oder ging's dann noch weiter?
1:28:51  Gudrun Zöbisch
Das ging noch ein ganzes.
1:28:52  Martin
Okay, dann erzählen sie mal, wie.
1:28:55  Gudrun Zöbisch
Also ich hatte mir das mal äh auch ein bisschen nochmal ins Gedächtnis gerufen. Es gab ja auch, wenn man gut war.
1:29:04
So habe ich das immer so verstanden, hat man auch mal eine Auszeichnung bekommen und so wurde ich äh aus Anlass des siebenten Oktober neunzehnhundertsechsundsiebzig als Aktivist der sozialistischen Arbeit ausgezeichnet
1:29:16
Auch in unserem Kollektiv waren wir vierundsiebzig, fünfundsiebzig, sechsundsiebzig und achtundsiebzig.
1:29:24
Kollektiv der sozialistischen Arbeit.
1:29:27
War nicht so selbstverständlich, also da mussten wir, wir waren ins wirklich ein sehr gutes Team und das gehört dann natürlich auch bissel ehrenamtliche Arbeit mit dabei, aber dadurch, dass ich ja
1:29:37
erst jung pionierbar mit einem blauen Halstuch, dann Tillmann Pionier, mit einem roten Halstuch. Dann war ich in der FDJ mit der FDJ Bluse.
1:29:46
Wahrscheinlich war das.
1:29:49
Für alle überall äh Deutsch-Sowjetische Freundschaft als DSF und der FDGB, den hatte ich auch neunzehnhunderteinundsiebzig schon mit meinen Morgen immer beglückt.
1:30:01
Da hat man auch viel davon gehabt, komme ich auch nochmal drauf zu sprechen und äh ich bin auch neunzehnhundertneunundsiebzig in die SED eingetreten. Auch dazu möchte ich dann nochmal kurz was dazu sagen.
1:30:17
Ich war dann.
1:30:19
Neunzehnhundertachtzig habe ich eine Belobigung bekommen und wenn ich das richtig gelesen habe, war das auch nicht einfach mal so ein Händeschlag und da hast du was, sondern so eine Belobigung, vor allem, das muss, was,
1:30:32
Besonderes gewesen sein und neunzehnhunderteinundachtzig habe ich dann noch die Medaille für ausgezeichnete Leistungen im sozialistischen Wettbewerb erhalten.
1:30:43
Und äh neunzehnhundertsiebenundachtzig war ich Meister der Arbeit in Bronze. Und diese Auszeichnung gab's zum achten März.
1:30:52
Der achte März ist ja schon immer, also zumindestens seit über hundert Jahren internationaler Frauentag und der wurde in der Wismut.
1:31:03
Sehr gepflegt. Das heißt, zum achten März kommen immer morgens.
1:31:10
Über den über die die ganze.
1:31:14
Also unser Betrieb war nicht bloß ein Gebäude, sondern viele Gebäude. Da kam der Gewerkschaftsfunktionär und hat jeder Frau entweder ein Blümchen oder einen kleinen Blumenstrauß gebracht.
1:31:25
Das Wort zu DDR-Zeiten wirklich was ganz besonderes, weil so Blumen einfach mal kaufen, wie man wollte, wie man's jetzt hat, das gab's ja nicht. Dann gab's meist Nachmittag noch eine im im Kollektiv,
1:31:38
ein Stück Kuchen und 'ne Tasse Kaffee haben wir uns zusammengefunden und dann gab es immer noch eine große zentrale Veranstaltung wo die Frauen eingeladen worden, wo dann eben,
1:31:49
die Frauen, die für dieses Jahr.
1:31:52
Mehr gemacht haben oder dran waren. Jetzt kann man nur sagen, wie man will. Äh die Auszeichnung in Empfang nehmen. Konnten.
1:31:59
Und das war immer eine schöne Veranstaltung, war auch was Kulturelles immer mit dabei. Also das waren so Höhepunkte im Jahr, außer dem äh.
1:32:09
Geburtstag der Republik, das war auch nochmal so eine Veranstaltung, das war immer eine schöne Sache, die da stattgefunden hat. Dann habe ich, weil ich ja.
1:32:22
Nicht wie sage ich mal so aus lauter Lieber Lust nur die zehnte Klasse gemacht hab sondern das hat die persönliche Gründe und da hatte ich immer zu meiner Mutti gesagt
1:32:31
Das macht nichts. Ich muss nicht auf die Oberschule gehen, ich kann auch ein Frauensonderstudium oder ein Abendstudio machen, während ich arbeite
1:32:39
Und das bin ich dann angegangen, habe mich dann beworben und habe neunzehnhundertachtzig,
1:32:44
ein Frauensonderstudium, Fernstudium an der Fachschule für Ökonomie Ernst Hellmann in Rodewig begonnen begonnen. Allerdings in der Außenstelle
1:32:54
K Marktstadt. Das heißt, es war auch wieder.
1:32:59
Fachrichtung, Organisation und Datenverarbeitung in der Ökonomie. Und nach der Prüfung.
1:33:07
Konnte ich die Berufspolizeibezeichnung ökonom tragen. Das Studium ging von neunzehnhundertachtzig und fünfundachtzig und dabei war ich einmal in der Woche einen ganzen Tag in der Schule.
1:33:21
In Chemnitz und dann ging der Rest der Woche drauf für das Studium selbst, das heißt, wir hatten ja jede Menge Hausaufgaben bekommen und so Sachen, zu Hausarbeiten, zum Durcharbeiten, dass der Stoff für die bis zur nächsten Woche.
1:33:36
Ähm drauf waren.
1:33:38  Martin
Und das haben sie dann immer und das haben sie dann immer abends gemacht oder wann, wann wartet dann noch Zeit dafür.
1:33:41  Gudrun Zöbisch
Das genau, ich hatte zu dieser Zeit meinen Sohn, der war dort drei Jahre alt und nach dem Sandmann.
1:33:49
Für mich die Studienarbeit. Fünf Uhr sind wir aufgestanden, sechs Uhr waren wir im Kindergarten, sieben Uhr Arbeitsbeginn
1:33:56
sechzehn Uhr fünfundvierzig wieder im Kindergarten zurück, dann sind wir jeden Tag nochmal in die Kaufhalle. Wir hatten ja damals hier schon solche wirklich Kaufhallen, wie sie,
1:34:06
Auch jetzt noch gibt, nur ein bisschen kleiner. Äh weil's ja.
1:34:11
Jeden Tag gab's was anderes. Das ist ja nicht wie wie heute, da geht man einmal in der Woche einkaufen, da kann man alles kaufen. Damals gab's jeden Tag irgendwas. Und da sind wir immer noch mal durch die Kaufhalle. Dann sind wir nach Hause, haben zusammen Abendbrot gemacht,
1:34:24
Ankommen aus Sandmann und um sieben war mein Sohn im Bett. Dann gab's noch eine Geschichte.
1:34:32
Und dann hat er geschlafen. Und dann habe ich mich hingesetzt und habe meine meine Studienarbeiten gemacht.
1:34:39
Warum jetzt immer die Zeit oder oder warum ich jetzt nichts gesagt habe von meinem Mann ähm den habe ich nämlich auch schon neunzehnhundertzweiundsiebzig kennengelernt in im Jugendlager in Zinnewitz, das war auch
1:34:51
über die Wismut so ein Jugendlager, wo wir uns in Großen an der Ostsee, wo man in großen Zelten gewohnt hat. Männlein und Weiblein getrennt und ähm.
1:35:01
Dort habe ich den kennengelernt und dann wo man wieder in Schlema waren, der hat nämlich einen Schlema gelernt, das wusste ich aber zu der Zeit noch nicht. Ähm.
1:35:11
Ist er dann auch zu mir gekommen, hat sich bei meinen Eltern vorgestellt, was ich ganz toll gefunden habe zu dieser Zeit und äh wie gesagt, seit neunzehnhundertfünfundsiebzig sind wir beide verheiratet.
1:35:25
Und was anders als im Sommer habe ich geheiratet, denn ich, wie gesagt, ich bin ja im Dezember geboren, da gab's ja nie Blumen und da habe ich gesagt, wenigstens zu meiner Hochzeit will ich schon immer ein paar Blumen haben.
1:35:37
Und das war dann auch so. Das war in im Sommer möglich. Und deshalb mein Mann war eben auch viel unterwegs.
1:35:45
Interesse der Familie muss ich sagen, also der hat auch.
1:35:48
Dort gearbeitet mal in der Berlin-Initiative oder die Initiative mal, wo der viele Waldbruchanfang der achtziger Jahre war. Also immer mal dort mitgemacht, auch wo
1:35:58
mal was mehr rauskam als unsere vierhundertsechzig, vierhundertsiebzig Euro, die wir verdient haben,
1:36:04
nicht Euro Gotteswillen, Mark, Mark, DDR Mark und äh das war ja nun auch nicht so viel, dass man hätte können sagen, da konnte man große Sprünge machen.
1:36:14  Martin
Da konnte man sich da konnte man sich dann, da konnte man sich dann freiwillig melden für mehr arbei.
1:36:17  Gudrun Zöbisch
Konnte man sich freiwillig merken, wurde dann meistens von seinem Betrieb delegiert, also die FDJ-Initiative, da haben sehr viele Bauwerke in Berlin gemacht, da war auch mehrere Jahre und das hat uns schon auch immer mal geholfen, dass wir da mal
1:36:31
mehr hatten, denn wir mussten ja unser Auto zusammensparen. Das konnten wir aber auch, weil wir ja mindestens zehn Jahre gewartet haben, bis wir unseren Trabant.
1:36:40
Kriegen konnten und ähm ja und da wurde halt jeder Pfennig weggelegt, weil das Auto musste ja in Bar bezahlt werden.
1:36:51
Da gab's nix mit Kredit oder zumindest hat sich das mir nie erschlossen.
1:36:57  Martin
Jetzt muss ich mal ganz kurz fragen, ihr ihr Mann, der war dann äh auch bei der Wismut angestellt oder der hat der hat was ganz anderes gemacht.
1:37:03  Gudrun Zöbisch
Nö, der war eben im im in der Germania, die haben ja so Germania hier in Chemnitz, das war ja äh Behälterbau, da hat er angefangen,
1:37:12
er war dann auch mal zwei oder drei Jahre in der geologischen Bohrung äh
1:37:18
bis er dann endlich das gefunden hat, was eine bis zuletzt beglückt hat, der ist Berufskraftfahrer geworden, hat dann hier im WBK auch gearbeitet und später im Fernverkehr auch hier,
1:37:29
Also ganz buntes Deutschland, bis er dann.
1:37:32
Im Dezember zweitausendsechzehn auch seinen zweiten Geburtstag hatte und von der Eck war er dann krank und äh dann kam auch die Rente noch dazu, so dass er.
1:37:46
Seit neunzehnhundert, seit zweitausendsiebzehn Rentner ist.
1:37:51  Martin
Okay. Ähm und sie haben aber das Studium dann beendet quasi.
1:37:57  Gudrun Zöbisch
Ich habe das Studium beendet und äh das, wie gesagt, das war dann der Ökonom. Und nach der Wende war es möglich, diesen dieses.
1:38:09
Dieses Studium gleich stellen zu lassen. Das heißt, da gab's eine Stelle, die ist Gleichstellung für äh beim sächsischen Staatsministerium, für Wirtschaft
1:38:19
Kunst und dort habe ich dann im Februar neunzehnhundertvierundzwanzig den Grad Diplombetriebswirt FH.
1:38:30
Behalten und durfte mich damals oder ab da, Diplombetriebswirt erfahr.
1:38:36
Äh nennen, also den den Titel führen, ne? Und das war auch fand ich eine sehr schöne Sache, dass die dass das Studium, was wir gemacht haben, dann auch wirklich dort anerkannt wurde.
1:38:50
Ich hab dann nach der ja oder wollen wir jetzt nicht mehr sind noch nicht ganz fertig mit der Wismut, ne.
1:38:58  Martin
Nee, genau, ich wollte mal noch so ein bisschen fragen, ähm sie ähm wir sind ja vorhin äh stehengeblieben, da wo sie die Bedienkraft zwei waren und haben dann ja aber noch andere Stationen gehabt, innerhalb der Wismut, also parallel wahrscheinlich zu ihrem Studium.
1:39:12  Gudrun Zöbisch
Ja, das, das, deswegen, ja, da sind wir da abgekommen. Das war während des des Studiums bin ich eben auch aufgestiegen und man musste ja auch erstmal ein paar Jahre gearbeitet haben, wie man überhaupt zu so einem Frauensonderstudium zugelassen wur.
1:39:25
Und äh da habe ich dann die ähm also ich war.
1:39:31
Prüferin bedient Graf zwei, dann war ich Leiterin Rechenstation, dann hieß es leider,
1:39:37
Maschinensysteme und von achtundachtzig bis einundneunzig war ich dann Projektens Projekt Hans zwei. Und mit Beendigung meines Studiums fünfundachtzig. Da war ja dann auch die
1:39:49
Möglichkeit, da gehörte ich ja da zum ITB, also zum Ingenieur technischen Personal und äh das war natürlich auch dann verbunden mit einer.
1:40:00
Für meine Begriffe unheimlichen Lohnerhöhung.
1:40:05
Und da habe ich dann immer gesagt, wenn man so verdienen würde in der DDR immer, da könnte es einem richtig gut gehen.
1:40:12
Das heißt äh Urlaub war auch nicht immer das Problem für uns in der Wismut gab's ja viele, die oder die Wissmut hatte im Ganzen.
1:40:22
Gebiet der DDR schöne Ferienheime gebaut oder ältere.
1:40:28
Ausgebaute äh ja Heimat so ausgebaut und da waren wir auch oft an der Ostsee, also in Zinnowitz bis jetzt heißt das ja baldig in Zinnewitz, aber das gab's schon damals, den roten Oktober.
1:40:41
War ein unheimlich schickes äh Ferienheim mit Rosen, innenliegenden.
1:40:49
Wasser, Welten, sage ich mal, nicht bloß ein Schwimmbad, da gab's auch Rutschbahn und alles Mögliche und äh die Ostsee war ja vor der Tür, also das war schon Urlaub in.
1:40:59
Ja, in Reihenkultur muss man dann schon sagen.
1:41:01  Martin
Wasser in allen Formen.
1:41:02  Gudrun Zöbisch
Das war Wasser in allen Formen, das kann man so sagen. Und das haben wir auch oft nutzen können.
1:41:10
Und wir waren sogar mal an der Ostsee im Februar zweiundachtzig, da war sie zugefroren. Das war auch ein Schauspiel, was man ja wahrscheinlich auch nicht jedes Jahr sieht. Dieses Jahr soll's wohl wieder gewesen sein, dass er zugefroren war.
1:41:23
Und ähm ja, wir hatten auch von der Wismut in Waren einen Campingplatz.
1:41:29
Oder wir waren in Krottendorf. Das ist.
1:41:33
Hier im Erzgebirge, da hatten, hatte unsere Firma wie so ein eigenes kleines Betriebsferienheim, also das gehörte direkt zum geologischen Betrieb, da wurde auch mit anderen Betrieben dann ausgetauscht,
1:41:45
aber dort, das war auch wunderschön an dem Kalkwerk gelegen oder aus dem stillgelegten Kalkwerk und von dort aus konnte man auf dem Fichtelberg wandern oder im Wald gehen oder in Rottendorf, also die Möglichkeiten waren viele,
1:41:59
und die Kinder sind ja auch damals gerne gewandert, weil gut, wir hatten dann unseren Trabant, aber wir sind viel gewandert.
1:42:09
Vorrat vorhin war's da noch nicht so wie jetzt, aber mein Sohn hatte er Fahrrad. Der hat auch mal die Friedenswort gewonnen.
1:42:16
Die Friedensfort mit zehn Jahren hier in unserem Neubaugebiet. Da waren ganz stolz drauf in seiner Altersklasse, dritte Klasse. Also da war er ganz stolz, dass er die Friedensfurt mit seinem kleinen Fahrrad gewonnen hat.
1:42:30  Martin
Haben sich denn ihre Aufgaben dann auch geändert? Also haben sich denn dann auch ähm oder haben sie dann neue Sachen äh berechnen müssen oder.
1:42:38  Gudrun Zöbisch
Nö, nee, das nicht, es ist war bloß, ich war ja dann für andere Mitarbeiter verantwortlich mit. Also ich war nicht bloß mich ja fürs Team, ich war ja nicht bloß für mich, sondern.
1:42:49
Collective. Deswegen kollektiv der sozialistischen Arbei.
1:42:51  Martin
Genau, genau.
1:42:52  Gudrun Zöbisch
Irgendwie so hat das dann, also dass die Verantwortung war dann eine größere, das habe ich auch immer gerne gemacht, weil ähm ich habe eigentlich schon immer.
1:43:03
Menschen oder Mitarbeitern gerne geholfen, die.
1:43:07
Irgendwo nicht weiter kam und ich habe mir auch gerne mal helfen lassen, wo ich nicht weiterkomme. Also ich habe auch gerne mal gefragt, war neugierig, wie das funktioniert oder wie das sein kann und ich denke mal, diese Neugier habe ich mir bis heute.
1:43:22
Ist, ist beibehalten, weil ich, wie gesagt, auch mit meinen Hobbys heute immer noch neugierig bin auf irgendwas Neues zu stoßen oder was Neues zu basteln, zu bauen oder wie auch immer.
1:43:33  Martin
Wie war denn die Zusammenarbeit mit mit den anderen Kolleginnen und Kollegen? Wir haben im Vorgespräch ja schon bisschen gesagt, wo sie gesagt haben, sie waren da viele viele junge Frauen, die da eben als Berufseinsteigerin gestartet sind. Ähm wie, wie warten denn so die die Zusammenarbeit im Kollektiv.
1:43:47  Gudrun Zöbisch
Also die Zusammenarbeit war sehr gut und gerade in der Datenauffassung, es gab halt welche, die wollten nur Daten auf Fassade bleiben.
1:43:57
Waren Menschen.
1:43:59
Die waren damit zufrieden. Also die haben von früh bis abends Daten eingegeben und die haben ja meistens auf die Tastatur gar nicht mehr schauen brauchen, weil sie das auswendig gebracht haben. Die hatten die den linken Finger auf den Daten und auf die rechte Hand auf der Tastatur und dann haben die den ganzen Tag abgetipp
1:44:14
Wir haben uns auch manchmal dabei unterhalten
1:44:16
das das ging das ging alles, weil wir wirklich da schnell waren, weil wir gut waren und es gab eben ein paar und darunter zählte ich dann mit
1:44:24
das nicht für immer machen wollten, die halt auch noch mehr erwartet haben, auch höhere Aufgaben
1:44:31
also höherwertige Aufgaben, damit will ich um Gottes Willen, die Datenerfassung nicht äh äh diskreditieren, aber das war stumpfsinniges Erfassen.
1:44:40
Und das Tag ein Tagaus, das wäre nix für mich gewesen. Genauso wie ich mich auch mal in der Programmierung ausprobiert habe oder ausprobieren durfte in unserem Betrieb.
1:44:50
Das war auch nix für mich. Ich habe das gebracht, ich habe das auch gemacht, aber so ein Programmablaufplan.
1:44:57
Malen oder zeichnen mit so einem da war die Lochkarte, da war der Rechner und so weiter.
1:45:03
Und das zu programmieren war für mich nicht das Problem. Das Problem war, ich saß dort von früh bis abends an dem Schreibtisch.
1:45:12
Bin nach Hause gegangen und hab nicht gesehen, was rausgekommen ist. Und zu was gefällt mir nicht. Ich muss irgendwo ein Ergebnis
1:45:20
messbar für mich sehen. Und das war, wenn wir die Lochbänderabend alle wieder aufgerollt haben, die wir verarbeitet haben oder die Listen austeilen konnten und so. Das war was für mich Fassbares, das war was das Ergebnis konnte man,
1:45:34
äh
1:45:35
Verteilen und das war was Fassbares, aber nicht so was wo man, ja, eben beim Programmieren, das machen ja viele heute super gern. Ist für mich wäre das eben nichts.
1:45:45
Und so ist die EDV da ja auch ziemlich auseinander gegangen, ne? Was Hardware betrifft und was Software betrifft. Am Anfang konnten wir das alles noch.
1:45:53
Einzeln oder als einzelner Mensch verstehen, das geht ja heutzutage überhaupt nicht mehr.
1:45:58  Martin
Das heißt, sie waren dann tatsächlich ähm in diesem Rechenzentrum, wo sie dann wirklich diese diese Verarbeitung gesehen haben und dann am Abend eben das Ergebnis messen konnten, wie viel heute verarbeitet wurde.
1:46:08  Gudrun Zöbisch
So so könnte man das ausdrücken. Genau.
1:46:10  Martin
Jetzt haben sie grad schon gesagt ähm oder auch gesagt und bevor wir jetzt weitergehen, wollte ich dann mal drauf eingehen, weil sie gesagt haben, sie würden mal drauf zurückkommen, dass sie in die SED eingetreten waren, hat das irgendeinen Grund gehabt oder eine Auswirkung dann vielleicht auch später im Beruf.
1:46:23  Gudrun Zöbisch
Nee, also ich mich hatten sie immer schon geworben, äh dass ich da eintreten soll und ich habe gesagt, nein, ich bin noch nicht so weit. Und ich, wie gesagt, ich war ja in der,
1:46:34
FDJ tätig und auch da haben wir viele Projekte erarbeitet oder bearbeitet. Wir haben sofort nix durchgeführt. Das heißt, wir haben in in Ramstein
1:46:42
das große Bad sauber gemacht oder die Sportplätze im Frühjahr sauber gemacht und solche Sachen. Was ja auch sein musste und ähm,
1:46:51
SED bin ich erst, wie gesagt, neunundsiebzig eingetreten, weil mir ging das die ganze Entwicklung,
1:46:58
nicht so wie ich mir das vorgestellt hatte. Und da habe ich hatte ich so für mich überlegt.
1:47:04
Ja, du kannst jetzt hier viel lamentieren und du kannst dich aufregen drüber. Du machst ja nichts dafür. Also gehst du mal in die SED und dann siehst du mal, wie du mitarbeiten kannst und wie man dann.
1:47:18
Vorankommen.
1:47:19  Martin
Und hat das, hat es funktioniert, hat das geklappt? Konnten sie da jetzt Einfluss nehmen auf das? Nicht.
1:47:24  Gudrun Zöbisch
Also das war dann äh für mich eben der nächste Tiefschlag, dass das, was ich mir vorgestellt hatte, was man dort machen kann und darf äh in in keinster Weise so ist und dass.
1:47:36
Ich weiß es nicht, ich will auch darum Gottes Willen nichts sagen, aber wahrscheinlich ist es heute noch so
1:47:41
im Por haben was zu sagen, die anderen haben abzustimmen und du kannst vielleicht mal deine Meinung sagen, aber mehr auch nicht. Und deswegen habe ich dann äh gleich nach der Wende mein Parteibuch genommen und bin hier in die
1:47:53
SED Kreisleitung gegangen und hab's abgegeben und habe gesagt, Leute, mit mir nicht mehr, auch nicht nach der Wende,
1:48:00
ich werde nie wieder in eine Partei oder in eine irgendeine Organisation eintreten. Und das habe ich auch bis heute gemacht.
1:48:09  Martin
Das heißt aber auch, dass es quasi also die Möglichkeit gab's jetzt nicht Einfluss zu nehmen, aber auch sonst innerbetrieblich hat man wenig Möglichkeiten gehabt,
1:48:17
Ja, die den Lauf des Betriebes mitzugestalten. Was ich jetzt raushöre, ne? Also, wenn man's noch nicht mal dann in der SED die Möglichkeit hatte, gab's wahrscheinlich auch sonst nicht viel.
1:48:24  Gudrun Zöbisch
Nö, nee, also das wie gesagt, ich habe mitgearbeitet und ein möglichstes getan und ich sage mal so, ob man da in der Partei gewesen ist oder nicht.
1:48:33
Das war meine für meine Begriffe egal, wenn ich meine Arbeit ordentlich gemacht habe, habe ich auch meinem Land gedient. Aber äh die Einflussnahme, die ich mir einem erhofft hatte, also das das gibt's nicht.
1:48:45  Martin
War denn die Entschuldigung, ich wollte sie nicht unterbrechen? Ich wollte nur fragen, war denn die Wismut so ein so ein guter Arbeitgeber äh aus ihrer Sicht und vielleicht auch aus Sicht ihrer Kolleginnen und Kollegen.
1:48:56  Gudrun Zöbisch
Ja, das würde ich so sehen. Äh wie gesagt,
1:49:00
man hat ja auch erst oder ich habe erst nach der Wende da Bücher gelesen über die Wismut, wo ich dann gesagt habe, oh, zu dem Verein hast du gehört, das muss auch sehr harte Zeiten am Anfang gewesen sein für die ganzen äh Mitarbeiter, die da zu Dok
1:49:14
Gar teilweise rekrutiert wurden für die Untertagearbeit, das habe ich nicht gewusst, das habe ich
1:49:20
dann später erst erfahren, aber für die Arbeit, die wir gemacht haben, also war das ein.
1:49:25
Ein regelmäßiges Leben muss man so sagen mit.
1:49:31
Pünktliche Arbeit, also wir haben, ich habe auch teilweise im Rechenzentrum logischerweise zwei Schichten gemacht und äh in der Zeit hat mein Mann dann,
1:49:39
nicht auswärts arbeiten können, da musst du dann für ein Sohn da sein abends, aber ähm,
1:49:46
Das war alles geregelt. Der Kindergarten, die Arbeit, die die Freizeitarbeit, die man machen wollte oder konnte und der Urlaub,
1:49:56
und das Schönste, das schönste Erlebnis an der ganzen Sache war für mich der Hausarbeitstag. Oder Haushalt da.
1:50:05
Den haben ja wirklich alle Frauen bekommen, so viele, ich weiß, wenn sie verheiratet waren.
1:50:11
Kind war nicht unbedingt äh glaube ich da der Ausgangspunkt und diesen Hausarbeitstag, da haben wir jedes jeden Monat einen bekommen als Frau, das war wunderschön. Da.
1:50:23
Konnte man zu Hause bleiben, den konnte man mit planen, da konnte man mal einen Arzt besuchen, aber wie der Tag im Haus hieß
1:50:30
Haushaltstag. Wir hatten ja auch noch nicht die vielen Maschinen, die wir jetzt so haben im Haushalt. Also da war die Waschmaschine noch meistens eine Schwarzenberger oder dann mal so ein Halbautomat, aber äh mit der Schleuder und ähm fast draufsetzen, damit die irgendwo nicht.
1:50:47  Martin
Nicht durch die Wohnung wandert.
1:50:49  Gudrun Zöbisch
Genau das war ja wirklich äh ein Kunststück manchmal und das da habe ich meinen Sohn auch nicht in den Kindergarten geschickt. Also den Tag, den hat er auch mit freigekriegt. Da haben wir uns beide früh eine Schürze umgebunden. Das war halt damals noch so. Er ist in sein,
1:51:03
mit allen möglichen Hausarbeiten belustigt und was er dann gemacht hat im Kinderzimmer. Es ging ja ums Prinzip, ne
1:51:13
Mittag haben wir uns getroffen, da haben wir uns schön was gekocht und Nachmittag wurde die Schürze abgelegt und dann haben wir
1:51:18
was Schönes unternommen. Entweder wir waren mal im Tierpark oder wir waren mal in der Stadt oder wir waren mal auf einem besonders großen Spielplatz irgendwo. Also da gab's immer Möglichkeiten und,
1:51:29
Das wusste mein Sohn auch nach der Wende noch, dass wir zusammen den Haushalt da gemacht haben. Also das hat mir auch gefallen.
1:51:37  Martin
Ich höre so ein bisschen raus, also dieses dieses geregelte und dass man eigentlich sich auch sicher gefühlt hat mit seiner Arbeit in seiner Arbeit, das war schon ein großer.
1:51:45
Plus Punkt für die Zufriedenheit vielleicht auch.
1:51:48
Haben sie denn das noch Kontakt mit vielen ähm mit vielen Leuten von damals oder Kolleginnen und Kollegen, weil das ja doch, ja, wie wahrscheinlich fast alle waren, die im im Ort gelebt haben.
1:51:58  Gudrun Zöbisch
Nö, also durch die durch diese also im ihr geologischen Betrieb, durch die Busse, da kamen ja auch viele von.
1:52:04
Ne? Das also aber sie haben schon Recht, ich habe noch mit sehr vielen.
1:52:09
Männern und auch Frauen äh Kontakt aus dieser Zeit, also wir wir haben uns am Anfang haben wir uns mehr getroffen, jetzt haben wir durch das WhatsApp
1:52:18
den Kontakt auch so. Man muss ja nicht mehr sich jeden Tag treffen oder wohin gehen und so. Aber wir rufen uns auch an. Also der Kontakt ist zu einigen doch sehr eng und sehr nett,
1:52:30
Dass man da mal über Dinge spricht, die dann nach der Wende, da wurde das ja alles erstmal, musste sich ja jeder irgendwie wieder finden, irgendeine andere Arbeit finden und das war dann schon eine große Umstellung, weil man ist ja von.
1:52:44
Von hundert auf null gefallen.
1:52:46
Der geologische Betrieb war einer der ersten, der zugemacht hat, weil es brauchte ja nichts mehr erkundet werden, wenn's wenn's die Wismut dann nicht mehr gab,
1:52:54
und dann äh haben wir uns auch umorientieren müssen und aber ich muss sagen, ich bin der EDV von neunzehnhunderteinundsiebzig bis ähm.
1:53:08
Zweitausendneunzehn treu geblieben.
1:53:12  Martin
Was haben sie denn dann gemacht nach der Wende in dem Bereich.
1:53:15  Gudrun Zöbisch
Also wir haben erstmal eine GmbH gegründet, einige Mitarbeiter aus dem aus dem ehemaligen Betrieb und da war ich in der.
1:53:26
Softwarebetreuung und hab die Kunden vor Ort.
1:53:29
Betreut und hab auch telefonischen Support gemacht. Also das war auch eine schöne Zeit von neunzehnhunderteinundneunzig bis zweitausendsechs. Dann habe ich mich selbstständig gemacht.
1:53:41  Martin
Darf ich mal ganz kurz noch fragen, was das für eine Software war, die sie da vertrieben haben oder.
1:53:45  Gudrun Zöbisch
Bauhaupt und Baunebengewerbe,
1:53:51
das war ja bei uns logischerweise im Entstehen. Jeder Klempner, jeder Elektriker, jeder Fliesenleger oder so, der sich dann selbstständig gemacht hat, brauchte ja eine Software, man musste ja Rechnungen schreiben, man musste Angebote machen und die Software hatten wir,
1:54:06
Und dort hatten wir zusammengearbeitet mit einer Softwarefirma aus Rodenbrück an der Hümmel. Wie man da zu Dennen gekommen sind, das weiß ich nicht mehr. Auf alle Fälle waren wir dann.
1:54:16
Dich in Chemnitz die Chemnitz und Umgebung, es war ein ziemlich großes Einzugsgebiet, was wir hatten, für das wir zuständig waren, wo wir dann,
1:54:24
Kontakte zu den Firmen geknüpft haben, die Software verkauft haben, die Software dann eingearbeitet haben und das war wieder meins. Ich hatte mit der EDV zu tun. Ich hatte mit den Leuten zu tun
1:54:34
und bin oft abends zufrieden nach Hause gegangen, wenn denn die Technik funktioniert hat. Das gab's auch, dass die mal nicht funktioniert hat, ne.
1:54:41  Martin
Das war wohl wirklich ein guter, ein guter Riecher, den sie da alle hatten, dass sie dann direkt ähm ja, damit damit weitermachen können. Also das äh.
1:54:48  Gudrun Zöbisch
Das das war auch wirklich schön, wir hatten dann also die GmbH gegründet und sind auch doch am am Ende hatten wir dann achtzehn Mitarbeiter. Also wir waren nicht so eine ganz kleine Firma.
1:55:03  Martin
Okay. Toll.
1:55:05  Gudrun Zöbisch
So, dann ging das leider zu Ende. Unschön mit einer Insolvenz da,
1:55:14
möchte ich auch jetzt nicht drüber reden, weil das war sowas von unfaires, das würde uns heutzutage und würde überhaupt heutzutage niemanden passieren, was uns damals passiert ist. Aber das ist Geschichte
1:55:25
Insolvenz oder die Insolvenzabwicklung hat übrigens zehn Jahre, zehn Jahre gedauert für 'ne GmbH.
1:55:33  Martin
Bis zweitausendsechzehn dann quasi, ne.
1:55:34  Gudrun Zöbisch
Bis zweitausendsechzehn und der Insolvenzverwalter, der existiert heute noch und na ja, reden wir nicht drüber,
1:55:41
Ich habe mich dann selbstständig gemacht, weil die meisten unsere Kunden haben gesagt, Frau Züppi, das können sie nicht machen, sie können uns jetzt nicht hängen lassen und und und.
1:55:49
Bin ich in die Softwarefirma gefahren und hab gefragt, ob ich das auch auf selbstständiger Basis machen kann, ja, kann ich machen, kein Problem, habe ich gemacht. Aber,
1:55:58
Jetzt stellen sie sich mal vor, ich weiß nicht, wie viele Kunden das gewesen sind. Das waren bestimmt zweihundert, wenn das reicht. Und ich hatte.
1:56:08
Soll das den Software Support machen? Ich sollte vor Ort sein und ich sollte telefonische Hotline machen. Das ging nicht.
1:56:17  Martin
Alles in einer Person.
1:56:18  Gudrun Zöbisch
Das ging nicht, das ging nicht. Also ich da da war ich.
1:56:21
Viel, ich glaube, ich war immer so vierzehn, fünfzehn Stunden unterwegs und äh das geht nicht zu vereinbaren. Mal wusste ja gar nicht mehr, wo hinten und vorne war und dann hat äh eine Firma, muss ich jetzt sagen
1:56:35
hat mich abgewogen, die haben gesagt
1:56:38
Das schaffen sie nicht, kommen sie zu uns, machen sie das bei uns mit derselben Software und, und, und, aber nur für die eine Firma. Und da bin ich dann äh zweitausendsieben.
1:56:48
In die Firma gewechselt. Ich muss aber auch sagen, ich habe noch mit einigen Kunden von damals.
1:56:55
Die noch in den, in ihren Firmen arbeiten und die noch die Software haben. Wir haben noch immer Kontak.
1:57:01
Also auch da ist immer irgendwo was hängen geblieben, ist nie alles auseinander gelaufen. Ich meine, ich konnte mich nicht um alle kümmern, das war logisch, aber ein paar, die haben dann auch,
1:57:11
privat dann noch Kontakt gehalten und so, also das ist auch schön. Ja und in dem in dem.
1:57:18
War ich auch wieder als leider Rechnungswesen Controlling tätig, aber das war in Jena und jeden Tag von Chemnitz nach Jena, das sind hundert Kilometer. Das war auch damals schon nicht so schön. Ich hatte ja auch immer noch unseren Sohn.
1:57:33
Und da sollte man auch schon ein bissel Aufsicht noch walten lassen. Auch wenn er dann schon ähm.
1:57:42
Älter gewesen ist, aber ich habe dort auch keine Wohnung gefunden, also in Jena eine Wohnung zu finden, das war für mich, obwohl dort unheimlich viel in Industrie ist. Dort sind ja äh Universitäten, dort sind.
1:57:57
Wie viele Studenten, aber es gab keine Wohnung. Und da habe ich dann gesagt, nee, also das.
1:58:04
Ist mir zu aufregend und da habe ich dann äh im Juni zweitausendacht nochmal hier in Chemnitz eine Firma gefunden, bei der ich gewesen bin, bis ich in Rente gegangen bin und das muss ich sagen, war meine schönste Zeit von der Arbeit her auch.
1:58:19
Außer äh im geologischen Betrieb und auch in der anderen Softwarefirma, aber hier habe ich nochmal.
1:58:25
Elf Jahre oder zwölf Jahre gearbeitet und konnte mich dort nochmal so richtig.
1:58:32
Ausleben. Das heißt, ich konnte dort Projekte selber machen und konnte in der Software, die wir hatten, das war dann für.
1:58:41
Software konnte ich äh selber Einfluss nehmen auf die Programme. Wir konnten, ich konnte mit den Kunden reden, was wilden sie gerne, was
1:58:50
Bräuchten wir, wie wollen wir's aufbauen, Datenerfassung, Verarbeitung und so weiter, ist ja bis heute immer das Gleiche. Außer, dass die
1:58:58
Industrie oder die Maschinen dazu immer moderner geworden sind. Und da muss ich sagen, das war auch eine ganz tolle Truppe.
1:59:06
Programmiere sitzen alle in Chemnitz und unser Chef, der sitzt in Stuttgart, also nicht, dass das jetzt ein Problem gewesen ist
1:59:15
aber äh wir hatten äh der kam einmal im Jahr und ansonsten hatten wir hier einen Geschäftsstellenleiter, der auch mitprogrammiert hat, also eine ganz tolle Truppe und.
1:59:25
Bei denen bin ich auch jetzt noch so auf vierhundertfünfzig Euro Basis. Das heißt, wenn sie mich
1:59:30
brauchen, dass ich mal nochmal Hilfestellung geben soll bei dem ein oder anderen, dann werde ich angerufen oder wir machen's auch manchmal so, dass ich äh spezielle Tage komme, damit man sich,
1:59:40
gegenseitig bissel drauf einrichten kann und so und solange die mich noch haben wollen, mache ich das auch sehr gerne und äh habe dort in den zehn Jahren auch wieder.
1:59:51
Kundenkontakt gehabt, habe die die Software, also ich habe gemacht, die ähm.
1:59:57
Kosten und Leistungsrechnung und den Bauhof, also jeder, jede Kommune hat ja ein oder fast jeder hat's einen eigenen Bauhof,
2:00:05
und dort sind ja auch viele Mitarbeiter angestellt und dann musste ja auch immer jeder jeden früh gesagt werden, was müssen sie machen? Wo müssen sie was machen und so weiter und damit dann die Kommune auch mal eine Rückkopplung hatte, was machen denn meine
2:00:18
Mitarbeiter im Bauhof, wo sind denn die überall beschäftigt und wie ist denn das mit dem Geld dann, was die erwirtschaften auch, ne?
2:00:27
Das haben wir dann in ein Programm gepackt und auch über die Kosten und Leistungsrechnungen dann abgerechnet.
2:00:32
Da bin ich wirklich die ganzen Jahre drin aufgegangen und das Programm existiert auch noch.
2:00:37  Martin
Das klingt toll. Ähm waren sie, also war das oder ist es vielleicht jetzt auch immer noch,
2:00:44
eine Ausnahme des, dass sie als Frau in so einem Gewerbe
2:00:48
So bestehen konnten oder hat sich das im Laufe der Jahre verändert? Ich habe nämlich den Eindruck, dass so am Anfang, wo es mit der EV losging, dass da schon
2:00:55
ja viel mehr weibliche Beteiligung war und dass man heute dann eben so sagt, ah, die Frauen, die können da alle nicht programmieren oder die können sich mit der Technik nicht auskennen.
2:01:03
Haben sie das erlebt jemals in ihrem Leben.
2:01:06  Gudrun Zöbisch
Ja, das sind also das ist so die die nährt euch wahrscheinlich durch die Datenerfassung. Das wo es wo es losgeht, war ja die Masse erstmal Datenerfassung. Und das waren meistens Frauen,
2:01:17
Wir hatten auch in in unserem Leerbild, also wo ich gelernt habe, EDV, da waren wir, ich glaube, wir waren achtundzwanzig Schüler in der Klasse und Schülerin und davon waren fünf
2:01:28
männliche.
2:01:29
Also das war auch von der Seite her ein Beruf, wo wenig Männer mitgewirkt haben. Allerdings muss ich sagen, äh dort wurden auch.
2:01:39
Nur, wie es heute ja auch bei vielen Berufen sind, ähm Lehrlinge genommen mit einem sehr guten Abschluss.
2:01:47
Also da konnte man auch mit einer drei keinen Blumentopf gewinnen. Das waren alles so ein maximal zweier.
2:01:55
Abschlüsse in der zehnten Klasse, die dort in unserer Klasse waren. Und wir hatten auch Klassenlehrer, die das gewusst haben und die uns dann auch dementsprechend gelenkt und geführt haben. Also wir haben unheimlich viel in der Berufsschule dann auch.
2:02:07
Äh gelernt.
2:02:10
Und da hatten wir auch keinen der Schule geschwänzt hat oder nicht nicht gekommen ist oder der im Lehrbetrieb nichts gemacht hatte oder so. Wo ich dann im
2:02:19
im geologischen Betrieb war hat sich das natürlich vollkommen umgekehrt, weil ja in der Bohrung hauptsächlich männliche äh Arbeiter waren, aber in in der Verwaltung waren wir schon auch ein Crew,
2:02:31
Frauen und ähm im wo ich dann in der GmbH war waren wir.
2:02:40
Eins, zwei, drei, vier Frauen und zwei äh vier Männer, zwei Frauen und unsere Angestellten waren dann auch unterschiedliches. Also.
2:02:49
Männer beide Geschlechter, weil dann kam ja, wurde ja die Technik wirklich von der von dem Programm losgelöst. Das was am Anfang noch,
2:02:57
einer gemacht hat und konnte, das ging dann einfach nicht mehr. Das war dann viel zu kompliziert und da hat sich ja dann der Techniker als solcher entwickelt äh in der EDV und ähm,
2:03:09
waren oft männliche Kollegen.
2:03:13
Das ja, da haben sie Recht. Das ist auch jetzt in der Firma so. Währenddessen beim Programmieren auch der Trend zu Männern geht.
2:03:23
Wir hatten zwei Frauen, die das auch immer gemacht haben, die Programmierung, ihr in dem Betrieb, aber ansonsten sind das alles Männer und unser Chef hat auch immer drauf gesehen, dass da immer wieder junge,
2:03:35
Leute dazukommen, weil ähm wir haben's ja jetzt erlebt in der.
2:03:40
Kondomie, dass das Programmieren schnell und effizient gehen muss, dass solche Apps oder irgendwelche Programme fertig sind, die dann auch einen Nutzen bringen, wo auch mal der Programmierer nicht bloß das macht, was er vielleicht aufm
2:03:54
Vierzeiler geschrieben stehen hat, was er machen soll, sondern dass er sich dann auch mal umgeguckt hat und selber gesagt hat, na wenn ich das mache, dann muss ich an das denken und so weiter und so fort,
2:04:04
das zeichnet für mich ein Programmierer aus, der auch mal über seinen Tellerrand guckt. Und nicht bloß macht, mir wurde gesagt, ich soll das machen und das ist es dann. Nein, es muss ja am Ende auch funktionieren.
2:04:16  Martin
Das stimmt, das stimmt. Und ich find's beeindruckend, dass sie sich da quasi die ganzen Jahre ähm ja vielleicht auch behaupten konnten und da ist sie dann auch ja wirklich ähm.
2:04:26
Ja so viel so viel äh Erfüllung und und Spaß auch er hatten an dieser Tätigkeit ohne dass sie da ähm,
2:04:33
Ja, ähm! Von anderen von vielleicht auch männlichen Kollegen gesagt wurde, ne, dass das ist nichts für für sie oder für dich.
2:04:40  Gudrun Zöbisch
Nö, dass also das, aber die sind das, da haben sie Recht, diesen Stand muss man sich erarbeiten.
2:04:46
Also das ist nicht so, äh dass sie da einfach sich mal hinsetzen und irgendwas machen, sondern ich war ja in den ganzen Jahren mehr der zurück zurückhaltende Typ, also bis zur Lehre
2:05:00
sage ich mal so
2:05:01
Und dann habe ich gemerkt, nee, damit kommst du nicht weiter. Du musst schon auch mal deinen Mund aufmachen und musst deine Meinung kundtun und äh so oft war sie ja auch nicht schlecht, so wie ich das dann mitgekriegt habe, sonst würde er mir ja die Wertschätzung im Beruf nicht erhalten haben,
2:05:16
und hier in in meinem letzten Betrieb, da habe ich dann auch mal gesagt, ich sage das jetzt, ich bin rein in die Programmierung.
2:05:24
Da ist ja Ruhe, da die reden ja nicht, logisch, die müssen ja denken und da stelle ich mich immer vorne an die Tür und warte.
2:05:31
Ich weiß ja wie das ist, wenn man wenn man unterbrochen ist, wenn man gerade über einen Lauf ist, wie man so schön sagt. Das ist immer hässlich.
2:05:38
Und ich stand da und stand da und irgendwann hat dann mal jemand hochgeguckt.
2:05:42
Da habe ich gesagt, Jungs, jetzt hört man mal zu. Wenn die Mutti hier reinkommt und eine Frage stellt, dann will die Mutti eine ordentliche Antwort haben und ist die ganz schnell wieder weg.
2:05:54
Und von da weg hat's geklapp.
2:05:56  Martin
Einmal eine Ansage gemacht.
2:05:58  Gudrun Zöbisch
Ja das war ja nicht böse gemeint, aber das das kann ich nicht leiden, wenn wenn man was.
2:06:05
Beitragen will, wenn man eine Frage zum Programm hat, weil's an irgendeiner Stelle nicht klemmt. Und wenn man die Programmierung im Haus hat, äh ist es ja der günstigste Weg da auch mal vorbeizugehen.
2:06:15
Und äh das wird zwar jetzt auch nicht mehr so gemacht, da werden jetzt Tickets geschrieben und so weiter. Es ist alles,
2:06:20
Der Entwicklung geschuldet, da brauchen wir nicht drüber reden. Aber damals, wo ich da noch im äh jung und oder also neu in dem Unternehmen war und man wird gar nicht beachtet, das kann ich nicht leiden. Ich will, ich will keine vor äh,
2:06:34
Wie heißt das.
2:06:35  Martin
Vorzugsbehandlung.
2:06:36  Gudrun Zöbisch
Vorzugsbehandlung überhaupt nicht. Ich will meine Arbeit ordentlich machen und immer zum Wohle der Firma und der und vor allen Dingen der Nutzer der Programme,
2:06:46
und da könnte bestimmt mit allen reden, die mich kennengelernt haben, ich habe manches Mal gesagt,
2:06:51
Wir bleiben jetzt hier sitzen, wir machen das fertig, bis das bei ihnen läuft. Weil nichts ist doch schlimmer. Ich kriege eine neue Software und kann damit nicht arbeiten, weil mir niemand helfen kann.
2:07:03
Das ist doch, das ist doch aberwitzig und keiner hat Geld übrig, um dann zu sagen, ja, da warte ich mal, bis die vielleicht mal eine Woche Zeit haben und vorbeikommen. Wir mussten ja damals noch vorbei kamen,
2:07:14
die ersten Jahre, ich bin im Jahr vierzigtausend Kilometer durch die Bundesrepublik gefahren, um beim Kunden vorstellig zu sein und dann mit dem.
2:07:22
Programme einzuführen und zu bearbeiten. Erst nachdem wir jetzt mit dem Teamführer oder die anderen Möglichkeiten, die es jetzt hier so gibt, online, damit ist dann diese
2:07:31
Vortätigkeit bei mir auch in Hintergrund getreten, da konnte man ja an einem Tag viel mehr
2:07:37
äh viel mehr äh Kunden helfen, als wenn man immer vor Ort gefahren ist. Wenn ich bis nach.
2:07:43
Bad Säckingen gefahren bin, ja, da bin ich ein Tag hingefahren, habe den nächsten Tag dann gemacht und Abend bin ich wieder heimgefahren oder so. Also das sind ja Zeiten, die sind ja nicht effektiv,
2:07:52
oder konnte man nicht effektiv nutzen. Und ein anderer Kunde, der vielleicht
2:07:56
an der Strecke lag, hatte dort zu dem Zeit halt mal gerade keine Frage. Konnte ja auch nicht hinfahren und sagen, ich komme gerade mal hier vorbei, haben sie eine Frage. Das das sind alles so Sachen, die die Entwicklung,
2:08:06
immer rasanter machen und deswegen bin ich ja auch so daran interessiert, was es da alles an in der EDV gibt und das ist wie gesagt.
2:08:14
Ich glaube nicht, dass es heute einen gibt, der alles noch versteht.
2:08:18  Martin
Nee, das, das stimmt, das ist also früher konnte man wirklich noch den Rechner aufmachen und gucken ähm ja quasi wie die einzelnen Scheidungen gefühlt äh laufen.
2:08:26  Gudrun Zöbisch
Ja das, ja, aber auch dann später, aber die Technik und und die ganzen Anschlüsse und was da immer gemacht wird, also das ist doch absoluter Wahnsinn und ich find's toll.
2:08:36  Martin
Dann vielleicht noch als letzte Frage, ähm.
2:08:40
Wie denken sie denn heute so an die Wismut zurück? Sie haben gesagt, sie haben sich danach jetzt vielleicht auch noch so ein bisschen eingelesen, haben vielleicht auch nochmal andere Informationen bekommen. Ähm die sollen das natürlich nicht überlagern, was sie persönlich äh erlebt haben. Wie denken sie denn heute über ihre Zeit bei der Wimut zurück oder die Wismut an sich.
2:08:55  Gudrun Zöbisch
Also ich wie gesagt, ich kann nicht schlecht von meiner Arbeit reden oder von dieser Zeit dort, äh was dann vielleicht das eine oder mal diese.
2:09:06
Verschlusssachen waren, mit denen man gearbeitet haben und die Geheimhaltung, die es halt bei der gegeben hat. Das hat mich auch persönlich manchmal in äh Konflikte gebracht, weil äh mein Mann hatte.
2:09:18
Zwei Onkel, die in der Bundesrepublik gewohnt haben und wenn die mal zu Besuch kamen, durfte ich ja nicht mit hin, weil ich ja vor Schlusssachen wusste und da drüber nicht reden durfte und äh auf der anderen Seite,
2:09:31
haben sie aber äh junge Persönlichkeiten erzogen.
2:09:35
So hieß es ja immer, wir wurden ja zu jungen Persönlichkeiten erzogen und dann war kein Vertrauen in die Persönlichkeiten da und das hat mir dann schon zu denken gegeben. Also das auf der einen Seite so und auf der anderen Seite.
2:09:47
Haben sie dann gedacht, mal verrät da irgendwas. Das war für mich klar, dass ich über meine Arbeit nicht reden darf und ohne wollte, das wollte gar keiner wissen.
2:09:56
Die haben gewusst, ich arbeite in der Wismut und da war's gut. Aber wie gesagt und auch in der Planwirtschaft spielte die Wismut nicht die Rolle. Also die die Wissmut oder die die der ganze Bergbau war nicht mit in der Planwirtschaft der DDR verankert.
2:10:10  Martin
Weil da auch viel viele Kontakte zur oder SSR wahrscheinlich existiert.
2:10:14  Gudrun Zöbisch
Ganz, ja, ja. Das war ja.
2:10:15  Martin
Alles direkt dahin ging, haben Hamburg gehört in dem Gespräch mit der Frau Kirchhoff, dass da halt viel viel halt exportiert wurde direkt.
2:10:21  Gudrun Zöbisch
Ja, ne, das Orangen, das war ja damals hm, die wussten eigentlich auch noch nicht so richtig, was sie damit machen sollten, außer Waffen.
2:10:28
Und äh ich habe eben gelesen, wir warten ja dann auch, dass das erste äh Kernkraftwerk.
2:10:34
Das war auch auf betreibender DDR aber entstanden und da braucht man ja dann selber Uran und äh also das war auch dann abenteuerlich an das Uran zu kommen, obwohl es in der,
2:10:46
also praktisch hier vor der Türe gefördert wurde aber.
2:10:51
Es waren auch noch mehrere Sachen geplant, auch Kernkraftwerke, die dann eben gebaut, aber nie ans Netz gegangen sind.
2:10:59
Das hat man praktisch, also es ist mir zumindest nicht aufgefallen, dass in der aktuellen Kamera äh da irgendwann mal einen Beitrag gekommen ist, der das belegt hätte, dass ich hätte damals schon aufhorchen können und hätte gesagt, oh, was wollen die eigentlich hier von mir.
2:11:12  Martin
Das wusste wahrscheinlich dir die wenigsten Dörpers da, die Wismut eigentlich macht und für zu welchem Zweck.
2:11:19  Gudrun Zöbisch
Aber vielleicht auch mal noch zum.
2:11:21
Zum Staatsbürger konnte ich Unterricht, also äh Karl Marxtadt heißt seit dem ersten sechsten neunzig wieder Chemnitz,
2:11:30
und hieß ja siebenunddreißig Jahre lang Karl Marktstadt und vorher war's ja auch schon Chemnitz. Aber dasselbe hatten wir in Schlema. Also erst hieß es Schlema,
2:11:40
gab's oberschlimmer und netterschlimmer. Dann gab's Schlema eins und Schlema zwei. Und zuletzt heißt's jetzt äh Auebord Schlemmer.
2:11:49  Martin
Wegen des bei wegen des Kurbades jetzt wieder.
2:11:51  Gudrun Zöbisch
Wahrscheinlich, weil äh das war auch so, wir hatten pra.
2:11:55
Wir hatten Schneeberg und dazwischen war Schlema. Und äh das hatte ich mich damals erkundigt, warum wir nicht Stadt sind. Wir waren von den Einwohnern her groß und alles, was wir hatten. Das gab's nicht, dass es drei Städte nebeneinander gab.
2:12:09  Martin
Ach so, deswegen mussten die aufgeteilt werden.
2:12:11  Gudrun Zöbisch
Und deswegen waren wir über Schlema und äh und jetzt hat hat praktisch Aue, Bart Schlema, das ist jetzt eins. Jetzt gibt's das Schlema sozusagen als solches, nicht mehr jetzt, heißt's Augebotschlemmer.
2:12:21
Und damit haben wir das auch,
2:12:23
wieder in die Reihe gekriegt, dass wir Schneeberg haben und Auebotschlema. Aber die Leute haben immer an der selben Stelle gewohnt, wenn sie nicht mal am Tisch umgezogen sind, ne. Also so ist das auch mit diesen ganzen äh Namen und na ja.
2:12:37
Straßennamen brauchen wir erst gar nicht reden. Da ist ja heute noch,
2:12:41
äh in in manchen Ortschaften oder auch in den alten Bundesländern, wo jetzt so viele Gemeinden zusammengefasst sind, da gab's die Straße auch in drei von diesen Ortschaften. Ich bin da auch schon ähm.
2:12:55
In Allendorf, Lümba oder wo das war, bin ich auch schon jedes Mal falsch gefahren, weil's die Straße in dem einen Ort gab und in dem anderen Ort. Und Navi hat man ja damals auch noch nicht, wo ich draußen rumgefahren bin. Also da ging's dann noch mit der.
2:13:08
Straßenatlas und zu Hause wurde oft geschrieben an welcher.
2:13:12
Dass du irgendwo dort ankommst und in dem Sinne hat sich das zu heute mit einem Navi vorn irgendwohin ist ja nur absolut.
2:13:20
Kein Problem mehr, ob man ein richtiges Navi hat oder das, was jetzt in den Autos ist oder ob man auf dem Handy eins hat, funktioniert doch jetzt alles.
2:13:28  Martin
Dann hoffen wir mal, dass sie zumindest ihre Straße noch wohnen bleiben können, ohne dass der Ort oder die Straße noch umbenannt werden.
2:13:34  Gudrun Zöbisch
Das hoffe ich doch. Ich wohne ja jetzt mittlerweile, ist zweiundvierzigste Jahr an dieser Wohnung.
2:13:39  Martin
Das ist wirklich, das ist wirklich, das ist wirklich toll. Das ist das hört man selten. Und sie fühlt sich auch wohl, haben sie erzählt und ähm.
2:13:45  Gudrun Zöbisch
Ja, ich fühle mich wohl hier, das Umfeld funktioniert und äh wie gesagt.
2:13:52
Es ist nicht mehr los, wie wahrscheinlich in einem Dorf, wenn überhaupt mal was. Und außerdem in so einem Haus äh ja, man hört ja auch nicht immer alles, ne. Also da ist schon ab und zu mal der Krankenwagen vorgefahren und man hat das gar nicht mitgekriegt, dass er da war oder.
2:14:07
Irgendwie heute haben sie wieder unseren Parkplatz, der ist jetzt wieder den haben sie.
2:14:13
Neue Kanäle gelegt und solche Scherze und ich hoffe, dass er heute Nachmittag, wenn wir,
2:14:18
fertig sind, dass er dann wieder geöffnet ist, weil so einen ganzen Parkplatz wegnehmen in so einem Neubaugebiet. Das ist dann schon.
2:14:25
Das ist dann schon schlimm, ne? Weil dann äh weiß man nicht so richtig hin, wo mit den Autos. Aber da sie ja auch nach der Wende viele Häuser.
2:14:34
Rausgerissen haben, also dass sie die Lücken größer gemacht haben zwischen den einzelnen Häusern.
2:14:39
Also das ist schon unheimlich viel grün, unheimlich viele Vögel auch am Morgen, die ja jetzt wieder sehr aktiv sind. Also, wenn man's nicht wüsste, könnte man denken, man wohnt im Wald.
2:14:50  Martin
Ich wünsche ihnen auf jeden Fall, dass sie noch eine ganz tolle, lange Zeit in dieser Wohnung haben und ähm ja, den den Lebensabend genießen können, wenn sie nicht gerade für Softwareprojekte engagiert werden.
2:14:59  Gudrun Zöbisch
Nein, da habe ich, wie gesagt, noch genug Hobbys, die lasse ich mir auch nicht nehmen.
2:15:01  Martin
Frau Zöbisch, vielen herzlichen Dank für ihre Geschichte und ihre Erinnerungen an die Arbeit bei der Wismut und ihren Werdegang im EDV-Bereich. Vielen herzlichen Dank.
2:15:09  
Musik
2:15:14  Martin
Und das war die sechsundneunzigste Folge von Staatsbürgerkunde. Vielen Dank für eure Zeit. Zu Gast waren heute Doktor Astrid Minio.
2:15:24
Der Soundtrack zu dieser Folge stammt wie immer von Wolfgang Börle.
2:15:31
Geo Martin und steht unter der Ceci bei SA drei null Lizenz. Danke auch wie immer an das DDR-Museum.
2:15:39
Shownots verlinke ich euch einige Gegenstände aus der Objektdatenbank zum Thema Wismut. Unter anderem den von Frau Zübisch erwähnten Trinkbrandwein für Bergarbeiter. Wie immer ein.
2:15:51
Zeitzeit der Aufnahme zur letzten Folge waren, dass Manuel Markus Christoph, Matthias Robert, Jens Anne, Mirko, Charlotte und Gerrit. Vielen Dank.
2:16:05
Diesem Jahr werde ich mich mit Auftragsarbeiten und Workshops mehr auf das Podcasten konzentrieren. Mein Herzensprojekt Staatsbürgerkunde soll ein Teil davon sein und ich freue mich, wenn Ihnen das Projekt per Dauerauf.
2:16:18
WWW Punkt Staatsbürgerkunde Minus Podcast Punkt DE findet ihr alle Infos zu den Möglichkeiten unter dem Link unterstützen. Ich möchte mich an dieser Stelle auch.
2:16:32
War auch ein Folgenwunsch zu einem für mich noch unbekannten Thema. Eine höhere oder eine Hörerin würden gern mehr erfahren über Kinder, die in den Achtzigerjahren.
2:16:42
Wenn ihr darüber berichten könnt oder jemanden kennt, der das kann, meldet euch sehr gerne bei mir. Für heute aber sage ich danke an euch fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge. Tschüss, euer Martin.