Lob des Gehens

In “Lob des Gehens” unterhalte ich (Nicola Wessinghage) mich mit verschiedenen Menschen über die vielen Facetten des Gehens. Dabei streife ich ganz unterschiedliche Themenfelder, von der Anatomie über Architektur, Neurologie, Kommunikation, Kunst, Kultur und Geschichte. In einigen Episoden wird es auch um kleine Experimente bzw. Erfahrungsberichte gehen. Denn Aufhänger für diesen Podcast waren vor allem meine eigene Lust am Gehen und die Neugier, besser zu verstehen, warum es auf so verschiedene Arten so gut tut, zu Fuß unterwegs zu sein.

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episode 13: Episode 13: Mit Tilo Timmermann über Fernwanderungen und Fernweh [transcript]


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In dieser Folge spreche ich mit dem Kommunikationsberater und Outdoor-Fan Tilo Timmermann über Wanderungen in der Ferne – und wie man mit dem Fernweh umgeht, wenn aktuell wegen Lockdown und Pandemie alle Planungen mit einem großen Fragezeichen zu versehen sind. Tilo hat sich eine besondere, produktive Methode überlegt, mit seinem Fernweh umzugehen. Er berichtet darüber in dieser Episode genauso wie über das, was die Wanderungen ihm in seinem Leben bedeuten, wie sie ihn verändert haben und wie sie ihn mit Vor- und Nacherleben das ganze Jahr begleiten.

Tilo Timmermann, Wallis, 2019 (Fotos Tilo Timmermann)

Zu der Episode ist bereits in der Woche zuvor eine Bonusfolge erschienen. Darin liest Loubna Bouharrour einen Text aus dem Blog von Tilo Timmermann: Diese Unfassbarkeit des In-der-Welt-Seins, veröffentlicht am 5. Januar 2021.

Links:

Der Outdooractive-Account von Tilo mit den Routen seiner Wanderungen, darunter auch ein paar Planungen für die Zukunft

Tourberichte Norwegen 2020: Drei Wochen durch Ryfylkeheiane und Hardangervidda

Walker’s Haute Route, Frankreich & Schweiz 2019: Eine zweiwöchige Wanderung durch die Gipfel- und Gletscherwelt der Schweiz, Anfang Juli 2019, die „Walker‘s Haute Route“ – auf Panoramawegen entlang von Montblanc, Grand Combin, Dent Blanche und Weisshorn bis zum Matterhorn.

GTA, Piemont, 2018: Unterwegs auf der südlichen GTA; Erfahrungen von meiner dreieinhalbwöchigen Wanderung von Susa nach Menton — 10 Tipps für Fernwanderer

Gedankenwandern: Bericht im Vorfeld der Fernwanderung in Norwegen

Werner Bätzing: Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft. WBG Theiss-Verlag, Darmstadt, 2018. Ein üppiger Bildband über Kultur und Landschaft in den Alpen – ein Plädoyer gegen den Skizirkus und Zersiedelung, für einen „sanften“ Tourismus. Man sieht die Berge nach der Lektüre mit ganz anderen Augen. (So die Empfehlung von Tilo Timmermann)

Was sich aus dieser Folge mitnehmen lässt:

• Wie eine Fernwanderung sich gut vorbereiten lässt

• Wie das Fernwandern das Leben grundsätzlich verändern kann

• Wie produktives Schweifen in die Ferne ein hilfreiches Mittel gegen Fernweh sein kann

• Welche positiven Effekte das Wandern in der Ferne auf das gesamte Leben hat

• Wo sich im Internet gute Anregungen zum Wandern finden lassen

Nachweis Porträtfoto Tilo Timmermann: Thomas Timmermann

Weitere Informationen zu diesem Podcast und Hinweise auf weitere Podcasts, Bücher und Links zum Thema Gehen auf der Website: www.lob-des-gehens.de

Der Podcast bei Instagram: @lob_des_gehens

Der Podcast bei Twitter: @Lob_des_Gehens

Der Podcast bei Facebook: Lob des Gehens

Musik: Walking Dub von Mastermind XS aus Saarbrücken von ihrem Album “Keep on moving”, erschienen unter der Creative-Commons-Lizenz 4.0 (CC BY-NC-ND 4.0).

Ich freue mich über Feedback an mail(@)lob-des-gehens.de oder hier in den Kommentaren.


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 2021-04-22  1h8m
 
 
00:00  Musik
00:28  Nicola Wessinghage
Herzlich willkommen beim Podcast, in dem ich mit Menschen spreche, die sich auf jeweils ganz unterschiedliche Art mit dem Gehen beschäftigen. Mein Name ist Nicola Wessinghage,
00:38
Ich gehe selbst sehr gern zu Fuß und ich spreche hier nicht nur mit verschiedenen Menschen, sondern ich werde das, worüber ich mich mit meinen Gästen unterhalte, in kleinen Experimenten gleich auch wieder ausprobieren.
00:49
Dann auch über meine Erfahrungen berichten.
00:52
Heute habe ich einen Gast im Podcast, mit dem ich zum ersten Mal explizit über das Wandern spreche und über die Sehnsucht danach, das Fernweh. Ich habe mir öfter schon mal Gedanken darüber gemacht, wo nun eigentlich genau der Unterschied liegt zwischen Wandern und Spazierengehen.
01:07
Ich denke, es hat was mit der Dauer zu tun oder auch mit dem Tempo. Man ähm geht vielleicht ein bisschen langsamer spazieren als man wandert. Und spazieren gehen hat auch eher etwas Beiläufiges.
01:19
Wege zum Wandern, wie sucht man sich aber vorher ganz gezielt aus? Wandern ist eng mit der Natur verbunden. Und meistens zieht man dann auch los, um sich zu erholen oder abzuschalten. Einfach mal eine Pause zu machen vom normalen Alltag,
01:33
Abstand zu finden.
01:36
Einer, der all das seit einigen Jahren besonders intensiv und mit Hingabe praktiziert, das ist der Gast meiner heutigen Folge. Thilo Timmermann,
01:44
Der ist schon immer gerne und oft gewandert und seit einigen Jahren macht er das im Sommer,
01:50
auf mehrwöchigen Fernwanderungen. Da ist er dann ganz alleine unterwegs, wandert jeden Tag mehrere Stunden mit Zelt und Ausrüstung auf dem Rücken durch die Gegend und wandert über die Alpen, durch Norwegen, immer auf jeden Fall in der Natur.
02:05
Beruflich arbeitet Thilo Timmermann als Gründer, Geschäftsführer und Berater der Agentur.
02:13
Wir haben also den gleichen Job, haben uns kennengelernt über Twitter, denn dort hat Tilo den schönen Account Ad aus der U-Bahn und twittert dort zu Themen rund um Mobilität und Verkehr,
02:25
Als er nach einer Folge Lob des Genes mal geschrieben hatte, dass er eigentlich gar keine Podcasts hört, da habe ich mir sein Profil genauer angesehen und bin dabei auf ein tolles Blog gestoßen.
02:36
Text daraus habt ihr letzte Woche schon als Bonusfolge hören können, gelesen von.
02:43
Mich an seinem Blog darüber hinaus noch besonders fasziniert hat.
02:46
Und was dann dazu geführt hat, dass sich Thilo zu dieser heutigen Folge über Fernweh und Fernwandern eingeladen habe, das erfahrt ihr jetzt gleich im Gespräch.
02:56
Erneut haben wir Remote aufgenommen und diesmal von einem Starter, zum anderen beide in Hamburg kommuniziert.
03:02
Ich hoffe, euch gefällt das Gespräch so sehr, wie es mir Spaß gemacht hat, mich mit Thilo zu unterhalten.
03:08  Musik
03:15  Nicola Wessinghage
Hallo Thilo, schön, dass du dir heute Zeit genommen hast, im Podcast lobt das Gehens zu Gast zu sein. Herzlich willkommen.
03:23  Tilo Timmermann
Hallo Nikola und vielen Dank, dass ich dabei sein darf.
03:26  Nicola Wessinghage
Ja, wir nehmen kurz vor Ostern auf, also am Wochenende vor Ostern und der Ruhetag ist grade wieder,
03:33
genommen worden, was aber bleibt, ist, dass wir nicht in die Ferne schweifen dürfen, ähm also schweifen schon, aber fahren und reisen nicht. Es sei denn, wir sind so verrückt und würden uns jetzt eine Reise nach Mallorca gönnen, wenn du deinen Akt
03:48
Stand, ähm grad des Fernwehs beurteilen soll. Fernweh, wo würdest du dich da aktuell verorten?
03:55  Tilo Timmermann
Ah das kommt bei mir immer in so Wellen. Im Moment bin ich, glaube ich, bei einer Sieben, das heißt, ich träume schon so vor mich hin und plane so ein bisschen, aber es ist noch nicht so, dass ich gar nichts anderes mehr mache.
04:10  Nicola Wessinghage
Okay. Zu Fernwehr hast ist ja noch nicht das, was dich jetzt hier auszeichnen würde im Podcast, dabei zu sein. Ich würde mal ganz gerne nochmal nachzeichnen. Wir kennen oder kannten uns vorher ja eigentlich nicht so richtig und ähm
04:23
Ich kannte allerdings deinen Twitter-Account, der heißt aus der U-Bahn. Dings aus der U-Bahn. Und du hattest zu der Folge.
04:32
Sieben war das mit Wibke über ähm Kreativität gesagt. Eigentlich höre ich ja nicht gerne Podcasts, aber die Folge
04:41
ähm habe ich mir doch angehört oder ich weiß gar nicht mehr genau, wie's wörtlich war. Und da habe ich ja gleich eingehakt, weil mich tatsächlich mal Menschen interessieren, die von sich behaupten, dass sie nicht gerne Podcasts hören und ich kann es
04:52
Schwer nachvollziehen, deshalb bin ich immer interessiert, wenn Menschen das sagen, warum hörst du denn nicht gerne Podcast.
04:57  Tilo Timmermann
Ähm.
04:59
Hat mal irgendwann gedacht, mir fehlt vielleicht die Geduld dazu. Also ich wenn ich was lese, dann kann ich das in meinem eigenen Tempo machen, aber ich bilde mir immer ein, wenn ich was Gesprochenes höre, dass ich schon weiß, wo der drauf raus möchte und dass man
05:12
dass man das ja irgendwie schneller haben könnte. Also und dann äh eine ganze Dreiviertelstunde lang oder noch länger zuzuhören
05:20
das macht mich immer irgendwie nervös.
05:23  Nicola Wessinghage
Ja, ist interessant, weil ähm
05:25
du hörst ja nicht nur nicht so gerne Podcasts und hast Fairway, sondern du machst eben auch Fernwanderungen. Und das ist ja etwas, was natürlich das eigentliche Thema heute verbunden mit dem Thema Fernweh sein soll und da läufst du ja den ganzen Tag.
05:40
Quasi Stunden lang durch Gegenden und da braucht man ja eigentlich auch Geduld, oder?
05:46  Tilo Timmermann
Ja, das ähm.
05:50
Stimmt, wobei natürlich auf so einer Wanderung, wenn ich alleine wandere, ähm brauche ich ja eigentlich gar nicht zu reden.
05:58
Und das ist ein bisschen wie beim Podcast, äh ich habe einfach völlige Ruhe, wenn ich keinen Podcast höre oder wenn ich wandere. Äh ich muss nicht reden, denn ich rede im Beruf den ganzen Tag und deswegen,
06:09
mache ich gerne dann was anderes.
06:12  Nicola Wessinghage
Ja
06:12
genau, es ging mir auch nicht drum, dich jetzt sozusagen zu missionieren, zum Podcast hören zu werden, vor allen Dingen nicht beim Wandern, weil das hatte ich hier schon öfter im Podcast, das ist natürlich eine wunderbare Gelegenheit, ist tatsächlich gerade für uns, kann ich ja, wir sind ja Kolleginnen
06:27
die im Beruf sehr viel und oft und mit vielen Menschen reden müssen, ist es, glaube ich, sehr oft ein Bedürfnis, einfach mal Stille
06:34
zu genießen und das machst du ja regelmäßig und ähm dann tatsächlich zieht es sich in die Ferne, in andere Länder, so das möglich ist, wie bist du denn eigentlich dazu gekommen, weil du reist auch alleine, ne? Das hattest du mir im Vorgesprä,
06:48
berichtet, also du nimmst dir einfach einmal im Jahr so eine Auszeit und bist dann alleine unterwegs. Erzähl doch mal, was dich dazu gebracht hat.
06:56  Tilo Timmermann
Ja, es ist eine eine lange Geschichte, weil ich ja schon
07:01
seit meiner Kindheit regelmäßig spazieren gehe und wandere und ich bin in Franken aufgewachsen und von da aus war auch der Weg in die Berge nicht so weit
07:09
ähm so dass wir da öfter mal über ein Wochenende hingefahren sind und ich hab's immer total genossen.
07:17
Habe das aber nie im größeren Maßstab gemacht, weil ich äh gleichzeitig durch den Beruf und durch meine zwei Jungs äh irgendwie gezwungen war, meine Zeit anders zu nutzen.
07:30  Nicola Wessinghage
Hm, ja.
07:31  Tilo Timmermann
Und als jetzt die Kinder groß genug waren, ähm sind wir einmal mit ihnen und meinem Bruder.
07:37
Wir sind zu viert ins Piemont gefahren zum Wandern mit Übernachtung im Zelt draußen.
07:43
Und nach zwei Tagen sagten die dann so, ja, aber jetzt wollen wir auch mal,
07:47
chillen und an diesem Bergbach einfach nur die Seele baumeln lassen und ich habe in mir so den Drang gespürt. Nein, ich will weiter. Hier ist doch so tolle Landschaft. Ich will da durchlaufen,
07:57
Und das war eigentlich der Moment, wo ich entschieden habe, na ja, die sind jetzt groß genug, die können ihre eigene Geschichte machen.
08:05
Und ich kann eigentlich mal das tun, wonach es mich eigentlich gelüstet, nämlich immer weiter zu gehen und,
08:13
den ganzen Tag nichts anderes zu machen als zu gehen. Das ist so wunderschön.
08:20  Nicola Wessinghage
Und das hast du dann auch gemacht. Wann bist du dann das erste Mal alleine losgezogen?
08:24  Tilo Timmermann
Das ist noch gar nicht, ich bin ja eigentlich ein Spätstarter, ich bin ja über mit über fünfzig dann zum ersten Mal gelaufen, das war auch so ein bisschen die Torschlusspanik, dass ich gedacht habe,
08:32
Wenn nicht jetzt, wann dann?
08:34
Ähm da bin ich im Piemont dann die GTA gelaufen. Das ist eine sehr lange Fernwanderung durch den Westbogen der Alpen bis zum Mittelmeer.
08:45
Und da bin ich über drei Wochen am Stück,
08:48
ähm gewandert mit dem Zelt, also ich war auch mal auf der Berghütte oder in so einer Wanderunterkunft, aber im Großen und Ganzen,
08:58
war ich da alleine abgesehen von den von den Wanderern, die man so trifft, das gehört natürlich auch dazu, so ein bisschen Gesellschaft dann.
09:07
Aber das war die erste große Tour und dann habe ich beschlossen,
09:14
Das mache ich jetzt jedes Jahr einmal im Sommer, drei Wochen, etwa.
09:18
Und dann war ich im äh in der Schweiz, im Walis, bin die große, berühmte Walkers Otru Routh gegangen, äh wo man so an dem Bergpanorama von Montblanc und Matterhorn vorbeiläuft.
09:33
Und letztes Jahr war ich in Skandinavien, da bin ich in Norwegen eine selbst gestaltete Route äh im Süden durchs Gebirge gegangen.
09:42  Nicola Wessinghage
Mhm. Also drei Jahre jetzt quasi in Folge
09:47
und wir haben kurz vorher darüber gesprochen, ich darf dich das fragen, das ist nicht indiskret. Deine Frau, die bleibt dann zu Hause und die akzeptiert das, dass sie im Sommer alleine Urlaub machen muss oder hat was anderes gefunden, hoffe ich, eine andere Möglichkeit.
10:00  Tilo Timmermann
Genau, also sie macht jetzt hin und wieder was alleine. Ähm und wahrscheinlich genießt sie das auch, wenn ich mal ausm Haus bin, kann ich mir vorstellen, äh denn ich finde jetzt gerade in in Coronazeiten, man sitzt ja.
10:14
Den ganzen Tag zusammen und es ist eigentlich.
10:18
Für jeden gut mal auch mal rauszukommen und was eigenes zu haben. Und das hatte ich eben die ganze Zeit als als berufstätiger Vater nicht. Ich finde die Ansprüche sind da schon sehr hoch oder waren sie zumindest die ich mir selber gestellt habe? Ähm.
10:33
Dass ich damals eben nicht einfach abgehauen bin und weg war, sondern ähm das ging bis bis die Jungs etwa volljährig waren, das sind jetzt achtzehn und zwanzig. Ähm.
10:46
Und dann habe ich mir gedacht, so, jetzt mache ich das aber auch mal.
10:49  Nicola Wessinghage
Ja. Ich glaube, das ist eine Erfahrung, die viele machen, wenn die Kinder tatsächlich groß oder aus dem Hause sind, dass man plötzlich wieder Freiräume entdeckt, die man da mit Dingen fühlen
10:58
füllen kann, die den man schon lange vielleicht auch hinterher gesehen hat und wo man sich vorgestellt hat, wenn die Kinder mal groß sind, dann mache ich das und du hast es jetzt eben gemacht. Und bist dann, das hast du auch gesagt, tatsächlich sehr
11:12
alleine unterwegs und gehst auch den ganzen Tag. Du hast dann dein Gepäck immer bei dir, wie viel Kilo hast du ungefähr auf dem Rücken, wenn du dein Zelt und alles mit hast?
11:20  Tilo Timmermann
Also ich bin keiner von diesen ultralight-Junkies, die an jedem Gramm sparen, so ein bisschen Luxus möchte ich schon haben. Ich nehme zum Beispiel immer ein Fernglas mit. Das wiegt siebenhundertfünfzig Gramm, aber ich gucke so gerne dann in die Gegend,
11:34
Äh ich habe so, ich glaube elf bis zwölf Kilo Basisgewicht nennt man das ohne Essen
11:41
und Verbrauchsgegenstände und in der Praxis dann so fünfzehn Kilo.
11:46  Nicola Wessinghage
Oh, das ist so schon eine ganze Menge, ne? Also fünfzehn Kilo zusätzlich.
11:48  Tilo Timmermann
Ja, es ist es ist so, dass man froh ist, wenn man einen Rucksack absetzen kann, aber es ist noch keine Qual, ihn wieder aufzusetzen.
11:56  Nicola Wessinghage
Ja
11:57
Okay, ich habe ja öfter hier im Podcast schon Christine Thümmer äh zitiert, die, glaube ich, immer den ähm Ehrgeiz hat, nicht mehr als fünf Kilo zu haben und ich glaube, wenn die hören würde, Fernglas siebenhundertfünfzig Gramm.
12:11
Würde sie schon mit dem Kopf schütteln und sagen, das geht überhaupt nicht, aber ähm das ist ja auch eine Frage vielleicht des Trainings oder der
12:21
ansonsten körperlichen Gegebenheiten, wenn ich kenne dich nicht, aber du siehst ja jetzt auch nicht so aus, als hättest du so schon so viele Kilos zu schleppen, das macht ja tatsächlich auch nochmal was aus, ne? Also wie ähm.
12:30
Man dann da ist,
12:32
ähm wenn du dann den ganzen Tag, wann das bist du wirklich quasi, du sprichst mit niemandem und hast auch, wie du gesagt hast, keine Musik oder ähnliches, sondern gehst dann am Stück oder wie machst du Pausen oder wie können wir uns das vorstellen.
12:45  Tilo Timmermann
Na ja, ich wache im Zelt auf, äh koche mir einen Kaffee und es hm Porridge oder so was, äh packe meine Sachen und dann geht's los. Und das dauert dann, also man.
12:59
Man bekommt so eine gewisse Disziplin, Frühlos gehen, ein, zwei Stunden gehen, dann eine schöne Pause machen, mittags ausruhen,
13:07
Aber im Grunde ist man ja, wenn man sechs Stunden gewandert ist, schon sehr weit gekommen,
13:14
So und dann reicht es auch eigentlich, dann hat man so wie nach Gebirge fünfzehn Kilometer oder zwanzig geschafft und dann kann man sich am frühen Nachmittag eigentlich irgendwo das Zelt aufstellen und entspannen und.
13:28
Das ist eigentlich der schönste Teil, dass man dann auch nochmal das genießen kann von irgendeinem schönen Punkt aus, wo das Zelt steht an einem Bergsee,
13:37
zurückgucken, äh die Strecke nochmal im Geiste nachgehen und sich freuen, dass man jetzt einfach nur äh entspannen kann und sich erholen.
13:47  Nicola Wessinghage
Hm, du hast ja auch einen sehr schönen Text über das Gen geschrieben und da hast du ähm auch so was geschrieben, wie dass man beim Gehen so
13:56
tatsächlich wieder auf die eigene Existenz zurückgeworfen wird. Geht dir das nur beim Ferngehen so? Also wenn du wirklich so eine längere Zeit
14:04
dich darauf einlassen kannst oder geht es auch, wenn du, du wanderst ja auch, wenn du nicht jetzt gerade im Urlaub bist, sondern auch mal ein paar Tage oder so, wie ich das gesehen habe.
14:13  Tilo Timmermann
Ach so.
14:15
Eigentlich bin ich ein Typ, der ganz gut abschalten kann, wenn ich spazieren gehe, dann äh genieße ich auch hier den Duschenstädter Brook, wenn ich da durchgehe oder die nächste Straßenecke, wenn ich da entlang marschiere, ähm,
14:28
Das ist auch schön, aber was ich eigentlich faszinierend finde, ist so zu wissen.
14:33
Am Morgen. Ich habe jetzt den ganzen Tag vor mir und muss mir über nichts Gedanken machen. Ich weiß, ich muss gehen
14:41
ich werde mich, ich werde furchtbar schwitzen oder ich stolpere vielleicht mal aber ich habe keine Anforderungen von außen an mich und
14:52
ich bin völlig frei mit meinen Gedanken, also ich kann alles einfach zulassen, wie es so kommt und wenn ich dann da gehe äh beobachte mich
15:01
beobachte ich mich selber, was so passiert und es ist alles wunderschön eigentlich.
15:08  Nicola Wessinghage
Mhm. Und wie wichtig ist es dann, also welcher Faktor spielt da rein, dass du in der Ferne gehst? Ist das auch nochmal was anderes, als wenn du im Dufenstädter Brook zum Beispiel wanderst.
15:20  Tilo Timmermann
Ja, die Ferne ist auch, dass ich so lange gehe am Stück äh äh das ist schon so ein bisschen Ehrgeiz von mir, dass ich ähm also ich finde das Gefühl wunderbar.
15:31
Nach der Wanderung auf der auf der Landkarte, auf der Europakarte einen Strich ziehen zu können und zu wissen, Mensch, das bin ich jetzt alles mit meiner eigenen Kraft gegangen,
15:41
Und.
15:44
Dass es woanders ist, ist natürlich auch ganz schön, weil man ganz andere Natureindrücke dann in sich aufnehmen kann. Ne, es ist,
15:52
fremde Sachen, man man weiß mal nicht weiter
15:56
man hat 'n tollen Ausblick, man sieht 'n tolle Felsformation, also diese Sachen spielen schon auch 'ne große Rolle.
16:05  Nicola Wessinghage
Hm, also das heißt, das, was da im Kopf passiert oder dieses zurückgeworfen sein, das hat schon auch was mit der Landschaft, die das irgendwie auslöst oder da bestimmte.
16:16
Wahrscheinlich, Gefühle, Gedanken anspornt, anwirft, weil diese Landschaft eben so ist, wie sie ist.
16:23  Tilo Timmermann
Ja und sie ist ja für mich auch neu, ich war da noch nie und ich kann nicht an irgendwas Altes anknüpfen, wenn ich
16:29
Wenn ich jetzt hier zur U-Bahn spazieren würde, dann bin ich die Strecke schon fünfhundert Mal gegangen und weiß, ja, ach, es hat alles.
16:39
Ja, ganz banal langweilig eigentlich, ne? Und das passiert mir nie, wenn ich wenn ich eine neue Strecke gehe oder irgendwo anders unterwegs bin.
16:47  Nicola Wessinghage
Das heißt, dann ist es eben auch ein tatsächlich immer ein Ereignis acht Stunden oder sechs Stunden zu gehen und sich dann
16:56
in Bezug zu setzen zu den Landschaften, in der man unterwegs ist. Bist du denn auch schon mal längere Strecken wiederholt gegangen oder suchst du dir immer wieder neue Ziele aus, wenn du weitergehst?
17:06  Tilo Timmermann
Also eigentlich ist meine Neugier so groß, dass ich immer wieder was Neues machen möchte. Ähm ich bin im
17:15
Im Piemont, die GTA ist zweigeteilt, ich bin in den südlichen Teil gegangen bis zum Mittelmeer
17:20
und ich könnte mir jetzt vorstellen, den nördlichen Teil auch nochmal zu machen. Das ist zwar von der Landschaft teilweise ähnlich, aber es ist dann einfach nochmal was Neues und ich habe auch dann das Gefühl,
17:30
Oh, ich habe alles, alles insgesamt auch geschafft.
17:34  Nicola Wessinghage
Also so ein bisschen ähm was abgehen, da da steckt da schon auch hinter, ne? Also ich finde das auch ganz interessant mit diesen.
17:42
Strich, den du auf der Karte siehst zu sehen, was ich geschafft habe. Also, es ist ja auch ein tatsächlich faszinierend, was der menschliche Körper dann an Strecken, wo wir immer denken
17:53
könnten eigentlich nur einen Kilometer gehen und dann brauchen wir schon ein mobiles Fahrgerät
17:58
wie auch immer das aussieht und dann plötzlich zu erleben, welche Strecken man mit eigener Kraft, mit eigenen Füßen zurück
18:03
das kann ich gut nachvollziehen. Du hast aber in dem Text auch geschrieben, für manche ist das Gen sogar peinlich und das habe dich noch bestärkt.
18:12
Das zu machen. Wieso für wen ist denn gehen peinlich?
18:15  Tilo Timmermann
Also äh ich definiere mich vielleicht
18:20
Vielleicht hat das was damit mit dem Altern zu tun. Ich begreife mich jetzt auch nicht mehr als ganz jung und äh sehe aber, wenn ich in die sozialen Medien gucke, immer ganz oft äh
18:31
junge Leute, die irgendwas Fantastisches machen, diese Instagramerinnen, die ähm in einer tollen Bergkulisse stehen.
18:40
Ich orientiere mich dann daran, dass ich genau da nicht hin möchte, wo die sind, gerade weil ich weiß, da kommt man schnell mit dem Auto hin, äh da gibt es ein Luxushotel in der Ecke und
18:50
da werden ganz viele von diesen Menschen sein und deswegen suche ich mir eher abgelegene Ecken raus ähm.
18:59
Ja, weil.
19:01  Nicola Wessinghage
Aber was ist denn den Menschen peinlich am Gehen? Meinst du, weil das mit dem Alter verknüpft ist? Also das ist eher so ein ähm alten Sport ist, wenn man eben nicht mehr die äh Risikosportarten wählen kann oder was ist das peinliche daran?
19:15  Tilo Timmermann
Genau, die ich sehe halt, was cool ist, so Red Bull Videos, die gibt's von
19:22
Wingsuite, Divern oder von Mountainbikern, die irgendwie einen heißen Berg runter jagen. Das ist alles nichts für mich. Also ich habe beim, wenn ich den Begriff wandern benutze, immer
19:36
einen älteren Herrn mit
19:38
Lederhose und einem rot karierten Hemd und einem Gamsbart im Kopf. Also so wandere ich auch nicht und das gefällt, würde mir auch nicht gefallen, aber ein bisschen finde ich das finde ich das nett, damit zu kokettieren, zu sagen
19:50
Nee, ich, ich mache keinen, auch nicht unbedingt Hiking, wo ich nicht genau weiß, was das für ein Begriff ist, sondern ich gehe halt einfach durch die Landschaft. Ich wandere und wenn dann jemand sagt, boah, das klingt aber langweilig
20:04
dann soll das so sein, dann treffe ich den zumindest da auf der Strecke auch nicht.
20:09  Nicola Wessinghage
Ja, das ist ganz interessant, weil ich habe ja heute die Folge veröffentlicht, wo es um das Image der Fußgängerinnen geht und da habe ich das
20:17
genau das auch gesagt, so das gehen ist so ein bisschen verknüpft mit den Beigefarbenen Wandervögeln und
20:23
das hat noch so dieses Image, ähm dass das eben tatsächlich eher die älteren Leute sind oder die dann auch noch ihre Kinder mitnehmen und wenn man dann selber erwachsen ist, macht
20:33
man alles, aber bloß nicht wandern. Ich glaube aber, dass das tatsächlich sich grade stark ändert, nicht nur durch Corona, dass
20:40
das vielleicht nochmal, aber dass auch jüngere Menschen, also so erlebe ich es zumindest, ähm ganz viel daran
20:49
zu Fuß unterwegs zu sein und zu wandern und wirklich dann einfach auch wie du so extremere Stücke sich auch mal vorzunehmen, extremere Zeiten und eben
20:59
ungewöhnlichere Orte, die man.
21:01
Kennen lernen kann, wenn man zu Fuß unterwegs ist, weil man mit dem Fahrrad oder mit dem Auto oder mit der Bahn, mit dem Flugzeug, immer nur zu bestimmten Punkten kommt,
21:11
Ja, das führt mich auch schon zum nächsten Punkt, weil was bei dir ja auch noch besonders ist, was eben auch mit dem Thema Fanway zu tun hat
21:18
du fährst nicht einfach los und hast vorher in äh auf Komoot oder Outdoor-Active dir eine Route von jemandem ausgesucht, sondern du planst die selbst und ähm
21:30
Was ich besonders faszinierend fand, dass du auch Routen planst ähm schreibst, die du selbst noch gar nicht gegangen bist
21:37
kam mir so ein bisschen vor wie jemand der Rezepte aufschreibt vom Kuchen, die er noch gar nicht gebacken hat. Und geht das denn auf.
21:46
Passt das. Kann man ähm Wege beschreiben, die du hast da ja so Fernweh äh Wanderrouten nennst du das, glaube ich.
21:55
Und beschreibst dort eben Wege, die du,
21:58
dir entweder ausgedacht hast oder auch vielleicht nachvollzogen hast von anderen, beschreibst die, also beschreibst die Strecke ohne natürlich visuelle Eindrücke zu haben
22:08
und ähm stellst die ins Netz und sagst, die würde ich gerne mal wandern, so verstehe ich das zumindest.
22:14  Tilo Timmermann
Ja genau,
22:16
Naja das ist auch eigentlich ein ein Auswuchs dieses Fernwehs, dass ich sehr gerne drüber nachdenke und plane und mir schon überlege, wie ist es denn da,
22:27
und letztes Jahr ähm war ich in Norwegen in dieser Ecke, ähm wo generell ziemlich selten,
22:35
Welche hinkommen? Rühfilke heißt die Gegend und dann die Haaranger wieder. Und.
22:43  Nicola Wessinghage
Wo ist das ungefähr Norwegen?
22:44  Tilo Timmermann
Das ist im Zentrum des Südens, also zwischen Bergen und Oslo halbe Strecke. Und man kann
22:53
Das ist das Faszinierende, man kann mit Bahn und Schiff direkt
22:58
bis ins Innere des südlichsten Fjords da fahren, den Lüsefjord und von da aus losgehen. Und wenn man dann durch die Haare wiedergekommen ist, kommt man an einem anderen Fjord runter und kann von da mit dem Schiff wieder wegfahren.
23:11
Das war recht faszinierend. Aber.
23:16
Es war dann, ich glaube letztes Jahr im Frühjahr, als man nicht genau wusste, wird das was. Norwegen hatte die Grenzen geschlossen. Und ich wollte aber, ich hatte schon so viel gelesen und geplant, dass ich gedacht habe,
23:31
Ich schreibe jetzt mal auf, äh wie das wäre, wenn ich da gehe. Ich äh Gedanken wandern, habe ich das genannt. Ähm.
23:41
Und erfindet Tag für Tag die die Sachen die mir da begegnen.
23:46
Ich habe dann jeden Tag so ein bisschen einfließen lassen von dem, was ich recherchiert hatte. Den einen Tag habe ich über die das Gestein geschrieben, durch das ich da gehe oder äh.
23:57
Über den Nachthimmel, den ich erwarte oder.
24:02
Wie es ist, die Berge hochzugehen und dabei so stark irgendwie sich anstrengen zu müssen.
24:08
Und das habe ich Tag für Tag, habe ich so einen kleinen Artikel dann eben in meinem Blog geschrieben und ich muss sagen, dass ich dann
24:15
als es tatsächlich geklappt hat im Sommer äh schon mir
24:20
vorher ganz gut überlegen äh rausfinden konnte und das war relativ nah an der Wirklichkeit. Obwohl's natürlich,
24:27
dann ein ganz anderes Erlebnis ist, ne? Das kann ja nicht das Wandern selber nicht ersetzen, aber äh die diese Recherche und die Vorstellungskraft, die waren schon relativ nah an dem, was ich dann auch da tatsächlich erlebt habe.
24:40  Nicola Wessinghage
Hm. Und das heißt, du hast dich wirklich Tag für Tag auch hingesetzt, also so lange, wie die Reise gedauert hat, hast du dann quasi eine
24:48
ähm Reise im Kopf gemacht und abends immer schön aufgeschrieben, wie wäre es, wenn ich heute dieses Stück gegangen wäre? Und hast es dann eben hinterher mit der Realität abgleichen können.
25:00  Tilo Timmermann
Genau, also das waren achtzehn längere Blogartikel, die natürlich kein Mensch liest, weil ich da nicht so vernetzt bin, sondern es ist eher so eine Art Tagebuch, aber ähm also ein.
25:13
Was ich unterschätzt habe, war die,
25:16
Die Anstrengung in diesem in dieser Gegend, das war doch ein bisschen alpiner. Es war teilweise schlechtes Wetter. Äh es gab am Anfang eine Strecke und da habe ich geplant, so und so viele Kilometer an jedem Tag zu schaffen,
25:30
war einfach nicht drin, weil es äh langsamer ging,
25:34
und dann habe ich für die gleiche Strecke neun Tage gebraucht, was aber kein Problem war, weil ich halt ein paar Puffertage eingeplant hatte und sowas. Aber.
25:43
So lernt man dann eben dazu, dass beim wirklichen Wandern immer was dazwischen kommt.
25:50
Und das ist auch gut so. Also ich bereite mich darauf vor, dass auch was passieren kann,
25:55
Ich bin auch jetzt in einer Phase, wo ich noch nicht so richtig mich freue auf die nächste Wanderung, weil ich auch weiß, möglicherweise wird es nichts im Sommer, aber man kann da schon mal drüber nachdenken.
26:07  Nicola Wessinghage
Mhm. Jetzt muss ich, da ich habe fünf Fragen im Kopf, aber die Frage muss ich jetzt stellen, worüber denkst du denn gerade nach? Wo soll's denn, wenn alles gehen würde im Sommer hingehen.
26:16  Tilo Timmermann
Ähm ich habe eine Wanderung gefunden in Graubunden, Graubunden, also im.
26:23
Östlichen Teil der Schweiz, äh wo man, ich glaube, siebzehn, achtzehn Tage lang ähm
26:32
Oberhalb der Baumgrenze unterwegs ist, also das nennt sich dann O-Trut, weil's eben sehr weit oben ist. Wenn man dann nach ein paar Tagen mal was einkaufen muss, dann muss man schon extra von dieser Route abweichen und mal ins Dorf runtergehen, wo ein Laden ist
26:44
aber an sich muss das eine wunderschöne Gegend sein.
26:49
Mit, da sind diese ganzen berühmten alpinen Pässe, Flühr, und San Bernadino, äh und,
26:58
zu wandern muss ganz großartig sein, dass äh da bin ich gerade
27:03
fast täglich bei Outdoor-Active und trage mir Punkte auf der Karte ein, wo man vielleicht sein Zelt abends aufstellen könnte, weil es ein schön hochgelegener See ist, äh solche Geschichten.
27:15  Nicola Wessinghage
Ja, das autoactive ist das Stichwort zu der anderen Frage, die ich äh oder einen oder Bemerkung, die ich dazu einwirfe, weil du eben sagst, das liest keiner. Eigentlich ist es doch total hilfreich auch für Leute, die Ähnliches planen, wenn da jemand ist. Also vielleicht haben ja alle nicht so viel
27:29
Elan dabei das Voraus zu planen, sondern denken, och ist doch toll, der hat sich das alles schon überlegt und ähm da von diesem Wissen kann ich ja profitieren, von daher denke ich ähm ist es schon wahrscheinlich ganz hilfreich, dass
27:40
sich mal durchzulesen, wenn man in ähnlicher Richtung unterwegs ist oder also ich hab's mir angeguckt, ich fand's einfach auch ganz interessant, also worauf man alles achten muss und ich bin ja keine Fernwanderin, also habe noch nie solche Touren gemacht und,
27:53
grade dann ist es wahrscheinlich sehr gut
27:55
sich mal damit auseinanderzusetzen wie jemand, der schon ein bisschen Erfahrung hat, solche Touren plant, also von daher kann man davon ja profitieren und diese Outdoor-Active ist ja so ein
28:05
kann man das, glaube ich, nennen, wie Komode auch, wo Menschen, die wandern ihre Touren planen und dann beschreiben, wie's aber meistens dann doch eher beschreiben, wie es war, ne? Also die,
28:15
jemand das im Vorfeld schon sagt, ich will da und da hergehen, ist mir zumindest nicht so oft begegnet. Es ist schon so eine Spezialität von dir.
28:23  Tilo Timmermann
Ja, äh das ist daraus entstanden äh ich trage natürlich auch vor allen Dingen die Routen ein, die ich gegangen bin und veröffentliche die dann da ähm.
28:35
Aber es gibt eben andere Routen, die ich dann da nicht gefunden habe. Es gibt zum Beispiel in Norwegen einen,
28:41
so eine Community mit mit einer Karte heißt das, ich weiß gar nicht, ob ich's richtig ausspreche, aber da sind Wandervorschläge drin und da gibt es eine eine Wanderung zum Beispiel rund um so einen Fjord herum.
28:56
Aber die gibt es einfach sonst noch nicht. Also da kann man sich die GPS-Daten herunterladen
29:01
und kann die dann bei autoactive wieder hochladen und das habe ich eigentlich für mich gemacht für so eine Merkliste oder will ich gerne mal hin, habe mir diese Wanderung angelegt,
29:12
und als ich jetzt diese Idee hatte, so Traumrouten zu veröffentlichen, dann habe ich die eben auf öffentlich gestellt.
29:18
Eigentlich ist das nur so eine eine Merkliste von mir.
29:21  Nicola Wessinghage
Das stimmt, das habe ich in der Tat auch schon gemacht. Im letzten Jahr fällt mir gerade ein, also nicht für Schweiz, Norwegen oder Italien, sondern für Hamburg und Umgebung. Im ersten Lockdown, als wir jedes Wochenende eine Wanderung mit den Kindern gemacht haben und dann habe ich,
29:36
gedacht, weil man ja das schon auch ein bisschen überlegen muss, wenn man immer wieder los
29:40
wo will man hin? Und sobald dich irgendwas Interessantes gesehen hat, wie so eine Lesezeichen quasi ähm sich dann da dran zu machen. Und,
29:48
du hast eben gesagt, dass die Touren nicht immer ganz so verlaufen, wie du dir das vorher, die Reise in Gedanken ausgemalt hast, weil ja auch was dazwischen kommen kann, wenn du ganz alleine unterwegs bist.
30:00
Passiert, denn wenn du plötzlich noch stolperst und dein,
30:04
Knöchel verstauchst und gar nicht mehr weiterwandern kannst, wenn du da doch sehr einsam unterwegs bist, wie man ja sieht an den Bildern, die du da veröffentlicht hast.
30:12  Tilo Timmermann
Ja. Ja im Notfall ähm.
30:18
Muss man einfach warten, bis jemand vorbeikommt. Das geht in der.
30:22  Nicola Wessinghage
Kann da aber auch schon mal ganz lange dauern oder? Wie das da aussieht.
30:26  Tilo Timmermann
In den Alpen ähm ist man ja selten so ganz weg, da hat man meistens auch Netz. Also ein Smartphone habe ich dabei ähm und letztes Jahr habe ich zum ersten Mal in in der Mitte Norwegens hast du.
30:39
Mal über eine Woche lang gar kein Netz und da habe ich mir einen Satellitenkommunikationsgerät, die kann man sich auch ausleihen, kaufen, die sind ganz schön teuer. Ähm,
30:50
und dann kann ich sogar von unterwegs äh via Satellit E-Mails schicken.
30:56
Aber ich kann natürlich auch in einem Fall, wenn ich wenn ich mich nicht mehr bewegen kann, wenn es ein Notfall ist, dann kann ich einen Notfall Notruf absetzen und dann kommt die Bergwacht und holt mich da raus,
31:07
Also solche Sicherungsmechanismen sind mir dann schon sehr wichtig, weil ähm ich will äh das ja noch öfter machen.
31:16  Nicola Wessinghage
Ja. Genau und das ist ja auch beruhigender, wenn man weiß, im Zweifelsfall, wenn irgendetwas passiert, weil ich würde sonst schon ein bisschen angespannt losgehen, wenn ich denken würde,
31:26
darf aber bitte auf keinen Fall irgendwas passieren. Und ansonsten, wenn du ganz alleine unterwegs bist, dann zählt er aufschlägst, also.
31:34
Angst vor Tieren, sonstigen gibt's bei dir nicht oder ähm hat hast du da auch manchmal ein mulmiges Gefühl so wirklich in der totalen Pampa unterwegs zu sein?
31:44  Tilo Timmermann
Also als ich jetzt in der Schweiz gewandert bin,
31:49
Da musste ich so ein kurzes Stück mit dem Bus überbrücken und dann habe ich lustigerweise in diesem Informationsfernsehen, dass in dem Bus da lief. Die sind alle sehr modern in der Schweiz, die Busse. Da lief gerade die Nachricht, dass,
32:02
auf der Almwiese, auf der ich mein Zelt aufstellen wollte, in der Nacht vorher äh Schafe vom Wolf gerissen worden sind.
32:12
Ja, das habe ich mir auch.
32:14  Nicola Wessinghage
Sehr beruhigend.
32:15  Tilo Timmermann
Und dann habe ich eben an diesem Tag, ich bin da zwar lang gegangen, aber ich bin da noch abgestiegen und habe einen kleinen Zeltplan,
32:22
gefunden mit Restaurant, das war auch ganz nett. Also da hätte ich tatsächlich nachts mich mulmig gefühlt. Ansonsten ist es eigentlich eine Gewohnheitssache, weil.
32:32
Du lernst, dass du da der Einzige bist. Da ist halt sonst auch keiner und keiner hat ein Interesse dran, nachts über dein Zelt her zu fallen.
32:42
Nur so Situationen in in den französischen Alpen äh gibt es so Hütehunde, wenn da eine eine Schafherde ist
32:51
dann sind die speziell da drauf trainiert jeden, der in die Nähe kommt zu verbellen. Und ich bin da tagsüber dran vorbeigewandert
32:58
habe mich brav den Regeln entsprechend dem Hund genähert, habe ihn nicht in die Augen geguckt, bin weitergegangen und dann hat er mich auch in Ruhe gelassen. Aber da habe ich nicht allzu weit entfernt, mein Zelt aufgestellt.
33:09
Und der kam dann in der Nacht und hat von außen quasi mich verbellt, wie ich in meinem Zelt schlafend lag. Und da habe ich auch gedacht, oh Gott, was mache ich jetzt? Gehe ich jetzt ausm Zelt raus oder bleibe ich hier bis zum, bis an mein Lebensende?
33:25
Aber das sind so einmalige Sachen, aber so richtig.
33:30
Schlimm war es noch nicht, natürlich stürzt man auch mal, äh aber wenn man dann zehn Minuten wieder zur Ruhe kommt und sich ein bisschen verarztet, mitm Pflaster oder so, dann merkt man auch, ne, das geht ja alles.
33:43  Nicola Wessinghage
Hm. Du planst ja deine Reisen nicht nur im Vorfeld sehr genau, ähm,
33:51
Ah, was ich noch vergessen habe, du planst sie und du hast sogar eine Kategorie oder ein Fernwehfaktor entwickelt. Was sind da deine Kriterien? Genau, du hast äh würdest jetzt nicht jede Route gehen
34:04
weit weg, sondern du hast das schon bestimmte Ansprüche an deine Routen. Kannst du das nochmal ein bisschen beschreiben?
34:09  Tilo Timmermann
Ja, ähm Fernwehfaktor habe ich das.
34:12  Nicola Wessinghage
Fernwehfaktor, genau.
34:14  Tilo Timmermann
Ähm also ich.
34:19
Mag es einfach nicht, wenn zu viele Menschen da sind. Ich gehe gerne einsam. Allein schon, äh weil man sonst,
34:26
abends auf der Hütte so ein Trubel hat und dann im Lager liegt man mit zehn Leuten von den fünf Schnarchen und ich selber habe dann auch Angst zu schnarchen und die anderen zu stören. Und deswegen bin ich eigentlich nachts sehr, sehr gerne für mich
34:39
und auch tagsüber will ich nicht irgendwo an einem steilen Hang dann in der Schlange stehen müssen, weil vor mir Leute sind.
34:46
Also das ist schon relativ wichtig, deswegen fällt für mich diese berühmte Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran, die würde bei mir schon rausfallen. Die kriegt dann nur vier Punkte von zehn, weil es ist eben zu viel Trubel da.
35:00
Aber dann kommen so Sachen dabei äh dazu. Für mich persönlich ist es auch wichtig, wie kann man anreisen, ich habe kein Auto und ich möchte nicht fliegen. Also wenn ich äh,
35:12
Arktis-Trail in Grönland mir vorstelle, dann ist das zwar ganz toll, aber ich werde da nie hinfahren, weil ich nicht fliegen möchte.
35:20  Nicola Wessinghage
Das ist auch wirklich absolut oder könntest du sagen einmal in meinem ganzen Leben möchte ich doch nochmal den so und so und dafür würde ich dann doch mir mal einmal den Flug gönnen.
35:32  Tilo Timmermann
Ja, also versprechen möchte ich das nicht, hoffe ich, öffentlich.
35:36  Nicola Wessinghage
Ich wollte gerade sagen, dass hier gesagt wird, ist ewig im Netz und ewig hörbar. Wenn man dich dann im Flugzeug sieht, könnte man sagen,
35:44
man darf ja auch seine Meinung ändern, also zum oder seine Ansichten oder seine selbst gesetzten Prioritäten darf man natürlich auch ändern. Aber so grundsätzlich bist du erstmal ähm quasi europaweit dann wahrscheinlich unterwegs.
35:56  Tilo Timmermann
Ja, genau und in Europa gibt es so viele schöne Gegenden,
36:01
Wenn man an die Rocky Mountains denkt, da gibt's diesen John Mirtrail, wo die Amerikaner alle für ein paar Wochen gehen, ähm.
36:09
Schwärmen dann davon und sagen, es ist fast so schön wie in der Schweiz.
36:13
Dann kann ich auch direkt in die Schweiz fahren oder nach Norwegen, da ist es einsamer, da hat man ein bisschen mehr Weite
36:20
äh und dann oben im in Nordschweden, wo ich noch nicht war, ähm da muss es auch noch viel weiter sein. Und das,
36:28
fasziniert mich eigentlich und ich finde es gehört dazu, wenn man so eine große Reise tut
36:35
dass man auch zwei Tage Anreise einkalkuliert, dann sitze ich halt mal im Zug oder fahre mit dem Schiff und langweile mich, aber das wird eigentlich nicht passieren, weil ich freue mich dann eher die ganze Zeit und bin.
36:47  Nicola Wessinghage
Naja, das ist ja auch das, was man immer sagt, ne, wenn man mit dem Flugzeug dann kommt der Kopf eigentlich gar nicht so schnell hinterher, wie der Körper sich schon von einem Ort zum nächsten bewegt hat und
36:58
dem entgeht man ja, wenn man sich dem Ziel angemessen ernährt, wobei vor hunderten von Jahren hätte man gesagt, auch der Zug ist viel zu schnell, weil
37:05
der Körper nicht hinterher kommt, sind ja immer relativ mit dem Entwicklungen unserer Mobilität ähm gibt's noch weitere Faktoren, die den Fernweh
37:15
Fernwehfaktor einer Route für dich bestimmen.
37:19  Tilo Timmermann
Also ich hab's gern
37:22
bergig. Also ich mag dann die Aussichten, ich mag auch zum Teil die Qual, mich erstmal äh drei Stunden einen Hang hinauf kämpfen zu müssen,
37:32
ähm deswegen, wenn's die ganze Zeit nur flach wäre und
37:37
zwischen Dörfern hindurch gehen würde, fände ich's auch nicht. Also ich möchte dieses Wildnisgefühl haben, das das finde ich schön. Man muss was einkaufen können unterwegs, weil ich äh ja alles dabei habe, was ich an Essen brauche.
37:52
Und ja das sind,
37:55
und dann noch so ein paar weitere Sachen, also äh das ist tatsächlich sehr subjektiv. Andere freuen sich natürlich auf eine ganz andere Strecke.
38:03  Nicola Wessinghage
Wie viele hast du denn jetzt noch so in Petto, in in Gedanken, wie viel Ruten.
38:08  Tilo Timmermann
Also ich habe mir äh ich glaube so acht oder neun Routen ähm genauer angeguckt,
38:17
von denen vielleicht vier, fünf mich wirklich, wirklich reizen würden. Also äh die nördliche GTA oder man kann auch auf der französischen Seite,
38:28
die GRÜV ist es glaube ich Gehen kommt man auch am Mittelmeer raus, das muss eine ganz herrliche Gegend sein,
38:35
und in ja Nordschweden wie gesagt oder diese großen Wanderwege die es da gibt die sind schon auch toll.
38:44  Nicola Wessinghage
Also es gibt noch genug zu wandern in den nächsten Jahren und das, da wollte ich eben ansetzen, du
38:51
planst das eben nicht nur im Vorfeld, sondern du hast das dann ja auch im Nachhinein nochmal dokumentiert, also von der letzten Reise gibt's ein sehr schönes Video, wo du eben so bestimmte Teile deiner Strecke aufgenommen hast, dich selber auch
39:03
gefilmt hast, wie hast du das gemacht? Hast du dann dein Handy irgendwo hingestellt, ähm auf Selbstauslöser gedrückt und bist dann schnell,
39:10
gerannt oder hattest du da mal jemanden getroffen, der dich aufgenommen hat?
39:14  Tilo Timmermann
Nee, das ist alles selbst gemacht. Also man muss sich immer dazu denken, dass ich dann auch wieder zurücklaufen musste, um die Kamera wieder zu holen.
39:20  Nicola Wessinghage
Ja, das habe ich mir genauso vorgestellt, aber ich dachte, vielleicht war auch mal kurzfristig jemand dabei. Aber es wirkt eben so einsam. Also es ist wirklich so, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass jemand anderes
39:30
dabei war, deshalb denkt man sofort, das muss eben Kamera hingestellt, weglaufen und hinterher
39:36
gut geschnitten. Wie wichtig ist das denn für dich, dass quasi dann auch nochmal nachzuerleben? Also du hast durch die Planung erlebst du es vor und durch die
39:44
ähm durch das Schneiden, durch die Auseinandersetzung, du hast wahrscheinlich viel mehr Filmmaterial als das, was du da im Netz dann veröffentlicht hast, ist es ja auch nochmal nacherleben, ist das gehört das mit dazu?
39:54  Tilo Timmermann
Ich habe das letztes Jahr zum ersten Mal gemacht, äh gar nicht mit hohen Ansprüchen, sondern ich habe gedacht, na ja, ich gucke mal, ich filme hier und da ein bisschen, wie sich's ergibt,
40:04
und dann kann ich danach vielleicht mal einen Film draus schneiden, deswegen ähm ist das jetzt nichts.
40:12
Wo ich ganz lange über die Kameraeinstellung nachgedacht habe oder es ist tatsächlich ähm ich hatte
40:19
ich habe dann gemerkt, ich habe sechshundert kleine Clips gefilmt. Das war.
40:24
Selber auch überrascht, aber im Endeffekt war das halt am Tag was weiß ich, fünf, sechs, achtmal irgendwo stehen bleiben, äh das Smartphone draufhalten,
40:35
ähm ich habe gemerkt mit einem Stativ geht's doch ein bisschen besser. Ich habe so einen mini Gorillapott dabei,
40:43
aber das geht alles ganz fix, weil ich auch gar keine Angst keine Lust habe stundenlang jetzt wieder auf irgendeinen Bildschirm zu gucken, sondern das passiert so nebenbei und wenn ich danach dann,
40:55
möglichst viel draus rausholen kann und einen schönen Film machen, umso schöner. Aber das ist jetzt nicht der Hauptzweck meiner Wanderung.
41:03  Nicola Wessinghage
Aber du machst das schon dann für dich, um es nochmal nacherleben zu können und ist das auch so, wenn du dann die Filme siehst, ähm kannst du dich dann wieder hineinversetzen in die Reise, also stillt das dann vielleicht auch das Fernweh ein bisschen.
41:16  Tilo Timmermann
Auf jeden Fall. Also wenn ich nach Hause komme, äh dann wirkt das ja eh noch
41:21
paar Wochen nach und dann mache ich mir ein Fotoalbum äh mit meinen Bildern und dann schreibe ich die Berichte für die verschiedenen Plattformen
41:32
äh das ist alles so eine Art äh Nachverarbeitung, ja.
41:37  Nicola Wessinghage
Wo das dann wieder aktiviert wird, was du da auf der Reise erlebt hast, kann ich mir vorstellen. Zeigst du das dann auch deiner Familie ja wahrscheinlich auch, ne? Also oder Freunden oder Ähnlichen.
41:46  Tilo Timmermann
In dem Rahmen, wie sie interessiert, ich dräng's niemandem auf, aber.
41:51  Nicola Wessinghage
Das hat ja auch die äh Annette erzählt, die hundert Kilometer gegangen ist und die hatte zu mir gesagt, als ich mit ihr gesprochen habe,
42:00
sie einen Podcast auftritt, sagt sie, ja, total gerne, dann kann ich's endlich mal wieder jemandem erzählen, in meinem Umfeld mag's schon niemand mehr hören, weil man eben, aber das ist ja in der Tat so, wenn man so eine eine Reise nacherzählt, ist man in Gedanken einfach nochmal da,
42:14
so ähm und das kennt, glaube ich, jeder, der meine Reise gemacht hat, dass das dann einfach sehr schön ist. Für einen selber wahrscheinlich tatsächlich mit am schönsten. Und,
42:23
trägt den so eine Reise im Sommer wirklich das Fernweh oder ist das ein bisschen, weil es,
42:29
hat ja auch vielleicht so einen Suchtstoff. Also so stelle ich mir das vor. Und bei der Sucht ist es ja so, dass man irgendwann immer mehr von dem Stoff braucht und mit der einen Portion, die einen erst sehr äh befriedigt hat, dann irgendwann nicht mehr weiterkommt. Merkst du sowas auch?
42:43  Tilo Timmermann
Ach ja, es äh äh ist schon ein Traum, auch mal für für einen Monat oder für zwei Monate am Stück was zu machen, aber.
42:55
Ich will das, auch nicht. Ich will's auch nicht so ins Extrem treiben, sondern ich finde das eigentlich schön, einmal im Jahr so was,
43:02
zu machen. Und es ist auch gut, wenn ich dann unterm Jahr.
43:08
Auch mal an was anderes denken kann. Deswegen sage ich, das sind mit dem Fernweh auch so Phasen. Dann äh wenn ich
43:15
wenn Weihnachtsferien sind und ich habe mehr Zeit, dann gucke ich nochmal rein und dann habe ich so diese, so eine Idee, ich mache mal die die Wandervorschläge für andere
43:25
dann arbeite ich da eine Weile dran und dann mache ich aber auch wieder was anderes. Das ist glaube ich gesund auch mal das nicht so zentral werden zu lassen.
43:36  Nicola Wessinghage
Und wo informierst du dich dann? Also wenn, weil du sagst, dann gucke ich mal rein, also du guckst in die bei Outdoor Active, äh gibt's da noch bestimmte Quellen, wo du dann deine Wege planst.
43:48  Tilo Timmermann
Ähm.
43:51
Ich bestelle mir teilweise sogar Wanderführer von Wanderwegen, äh die ich noch nie gegangen bin und die ich vielleicht auch demnächst nicht gehen kann
44:01
einfach nur, um drin blättern zu können. Aber wenn es um die Information geht, da ist tatsächlich outdoor active das Interessanteste oder Komode
44:09
natürlich auch die Berichte von Bloggern oder YouTube-Videos, die man so sieht, das ist auch sehr inspirierend, da gibt's ja Leute,
44:18
ähm vielleicht dieser Crake Adams, den kennt vielleicht der eine oder andere, das ist ein Amerikaner, der
44:25
sehr ruhige, fast meditative Filme macht. Und der ist so erfolgreich, dass er jetzt seinen seinen Beruf über Bord geschmissen hat und nur noch herumreist, Filme macht, bei YouTube einstellt und dann wieder loszieht,
44:40
aber es klingt immer so scheußlich YouTube-Filme, aber das, was der macht, ist wirklich, wirklich toll anzuschauen.
44:48  Nicola Wessinghage
Hm, also er macht schöne Filme und stellt sie bei YouTube ein.
44:52  Tilo Timmermann
Genau.
44:53  Nicola Wessinghage
Man's dann auch sagen, genau, ja.
44:55
Könntest du dir das denn auch vorstellen? Also jetzt mal unabhängig von Familie und ähnlichen, daraus wirklich so das Leben zu gestalten oder gehört das schon als also diese dieses Fernweh im Jahr mit dazu eben.
45:10
Um dann wirklich einmal im Jahr diesen Höhepunkt zu erleben und dann aber auch wieder ein anderes Leben zu führen.
45:15  Tilo Timmermann
Nee, das ist einfach nicht.
45:18
Leben wär's nicht nur herumzuziehen. Also ich habe schon ganz ein geregeltes Büroleben und ein ein Familienleben und äh bin damit auch glücklich,
45:31
so, aber ähm diese gewisse.
45:34
Dieses etwas Besondere, das gibt mir die Wanderung, die ich einmal im Jahr mache, ne. Andere, ich spüre da schon so einen Druck als als Mann jetzt speziell, ist es vielleicht auch was anderes
45:44
man hat immer so Vorbilder, man kriegt in der Werbung irgendwelche Extremsportler gezeigt oder Typen, die an ihrem,
45:53
Auto den ganzen Tag rumbasteln. Ich habe so ein Hobby nicht. So, deswegen habe ich halt und ich will das eigentlich auch nicht.
46:02
Aber deswegen habe ich vielleicht auch besonders viel Zeit und auch den Wunsch, äh dass vielleicht dann.
46:09
Also diese Wanderungen auch besonders gut vorzubereiten oder mich vielleicht mal ein bisschen mehr damit zu befassen, gedanklich als andere das tun.
46:17  Nicola Wessinghage
Es ist so dein Steckenpferd, dein Hobby, dein Haus, dein Baum.
46:22  Tilo Timmermann
Meine Wanderung.
46:23  Nicola Wessinghage
Deine Wanderung, genau. Was du im Netz ähm hinterlassen kannst als Marke. Und ist denn jetzt durch Corona, weil man ja schon also mir geht es manchmal tatsächlich so, weil ich jetzt auch wirklich, ich glaube, über zwei Jahre nicht mehr
46:36
das Land richtig verlassen habe und,
46:39
schon das Gefühl, dass es eben nicht mehr möglich ist, ähm ein Gefühl von Enge macht, ist dann das Fernweh noch größer in diesen Zeiten.
46:48  Tilo Timmermann
Ja, auf jeden Fall. Also äh.
46:53
Ich glaube, das wird bei mir auch noch verstärkt durch dieses Gefühl, dass man ja heutzutage bekommt, wenn man verreist, macht man schon was, fast was Verbotenes. Ne, also ich glaube,
47:06
Es gibt eben verschiedene Arten. Wenn ich mich jetzt in den Flieger setze nach Mallorca fliege und ins.
47:12
Großhotel gehe, wo ich dann im am Buffet mich anstelle, zwischen all den anderen. Das ist tatsächlich im Moment nicht angebracht. Aber ähm es gibt eben auch einen Urlaub, wo man,
47:25
Zelt völlig allein für sich, ne? Letztes Jahr, als ich in Norwegen war, äh das war.
47:32
Also angewandte Quarantäne quasi, weil ich ja wirklich fast nur, also ich habe mal einen Wanderer getroffen, klar oder ich war mal irgendwo äh im im Berggasthof einkehren, aber.
47:46
Da war ja keine Gefahr. In Norwegen war es ja völlig die haben ja ihre Grenze bewusst geöffnet für Reisende. Man durfte wieder einreisen. Als ich weg war, haben sie die Grenze dann wieder geschlossen.
47:57  Nicola Wessinghage
Also genau die richtige Zeit quasi erwischt, um das dann zu machen. Ja.
48:01  Tilo Timmermann
Ich glaube, man muss hierzu abwägen, ist es in Ordnung auf eine Reise zu gehen für sich selber vor allen Dingen äh oder mache ich da jetzt eher Blödsinn?
48:14  Nicola Wessinghage
Es ist sozusagen die eigene Verantwortung und wenn du quasi drei Wochen unterwegs bist und nicht die Hamburger Supermärkte
48:21
noch voller machst, als sie schon sind, dann ist es ja eigentlich vielleicht sogar ganz gut, wenn ähm du weg bist. Das einzige ist eben die Fahrt dahin wahrscheinlich, ne? Also wie,
48:31
wie ähm welche Verkehrsmittel man da nutzt, wie voll die jeweils sind und das kann man zum Teil ja einfach gar nicht absehen im Augenblick, weil ähm ja auch zum Beispiel die Deutsche Bahn noch immer nicht,
48:44
bereit ist, zu sagen, nur über Reservierungen
48:47
fahren. Also ich hatte, musste neulich eine Fahrt machen und hatte mich da ein bisschen drauf verlassen, dass da stand sehr geringe Auslastung und das war aber leider nicht so, weil ähm in diesen Zeiten nämlich niemand mehr Fahrkarten reserviert,
48:59
im Gegensatz zu früher, also diese Anzeige der Reservierungen überhaupt gar kein Merkmal mehr ist,
49:05
von daher ist das wahrscheinlich der Punkt der Verantwortung, den man sich vorher überlegen muss.
49:11  Tilo Timmermann
Ja, also die ÖBB zum Beispiel betreibt einen Nachzug von Hamburg nach Zürich und Basel. Ähm,
49:19
Da kann man, glaube ich, jetzt in Coronazeiten auch ein äh Liegewagenabteil für sich alleine.
49:26  Nicola Wessinghage
Ah ja, ÖBB ist die österreichische.
49:28  Tilo Timmermann
Österreichische.
49:29  Nicola Wessinghage
Mhm, ja, ja.
49:30  Tilo Timmermann
Betreiben so ein Nachzugnetz in in Europa, damit befasst man sich dann auch, wenn man gerne verreist.
49:38
Und das wäre zum Beispiel eine super Möglichkeit. Da steige ich abends hier um um sieben in Hamburg in den Zug, komme morgens um,
49:46
sechs in
49:48
Basel an und fahre dann noch ein bisschen mit mit schweizer Zügen weiter. So und dann wäre ich schon da, wo ich loswandern kann. Das ist, glaube ich, relativ risikolos zu machen, auch in Pandemiezeiten.
50:01  Nicola Wessinghage
Ja
50:02
Und ähm wie ist es denn, wenn jetzt aus irgendwelchen Gründen sich im, ich weiß nicht genau, wann wird deine nächste Reise geplant hast, sagen wir im Juli, da sind ja hier auch glaube ich Ferien. Ähm.
50:13
Dann würde es plötzlich heißen, ja Schweiz geht jetzt gerade nicht. Wärest du dann so flexibel noch auf eine andere Fernwehroute
50:22
zurückzugreifen oder würdest du sagen, um Gottes Willen, es geht überhaupt nicht. Ich habe mich jetzt drei Monate lang innerlich auf die Schweiz eingestellt und kann jetzt so schnell nicht umswitchen.
50:30  Tilo Timmermann
Nee, ich noch wage ich gar nicht, mich wirklich zu freuen auf auf die Zeit, weil ich einfach.
50:37
Gefahr genauso sehe, dass die Grenzen dicht sind und man nicht hinkommt, ne? Ich plane jetzt andere Sachen, also man könnte zum Beispiel in äh.
50:49
In den Westalpen, in auf französischem Grund könnte man gehen äh von Grenobel quasi bis ans Mittelmeer. Da fährt man dann mit dem Zug bei Straßburg über die Grenze,
51:02
muss nur einmal Deutschland, Frankreich machen, das wäre ja auch.
51:05
Wenn die Franzosen die Grenze offen haben, dann könnte das funktionieren. Wenn die dicht haben, muss ich überlegen, ob ich irgendwie in die Schweiz oder nach Italien komme oder vielleicht doch nach Norwegen fahre. Aber ähm da.
51:19
Muss man einfach abwarten, wie sich das entwickelt. Da bin ich jetzt ganz ganz gelassen eigentlich.
51:25  Nicola Wessinghage
Hm. Ein Punkt würde mich noch mal interessieren, wenn du so tatsächlich da unterwegs bist
51:31
Und du sagst ja, dass ähm diese stundenlangen Wanderungen da auch, also du hörst nichts, du sprichst mit
51:39
niemanden, du telefonierst auch nicht und bist dann ja sehr auf dich
51:42
geworfen, verändert sich dann während der Reise etwas, also am ersten Tag ist das anders zu gehen als am zweiten Tag kommst du dann irgendwann in so was wie in meditativeren Zustand und ähm
51:55
also könntest du das mal beschreiben, ob das sich so auf der Reise verändert?
51:59  Tilo Timmermann
Ja, es ist schon ein bisschen so, am ersten Tag ist man natürlich aufgeregt und.
52:03
Nach dieser langen Zeit der Vorfreude auch richtig, richtig glücklich. Das ist einfach so.
52:08  Nicola Wessinghage
Dass es endlich losgeht.
52:12  Tilo Timmermann
Genau und und dann, je länger man geht, ähm wird es immer natürlicher, sich sofort zu bewegen. Und ich,
52:21
wundere mich dann oft über mich selber. Vorher macht man sich Gedanken, ach ich könnte mal nachdenken über meine Vergangenheit und irgendwas Philosophisches. Meistens ist es dann halt doch nur,
52:34
Oh jetzt zwickt mich der Schuh oder äh guck mal da hinten ist ein Rentier oder so was. Ne, es sind ganz praktische Sachen, die man den ganzen Tag vor sich hindenkt und,
52:46
trotzdem hat man abends ein ganz anderes Gefühl. Also man ist ich bin sehr.
52:54
Entspannt in der Zeit und äh und auch wirklich einfach glücklicher. So das ändert sich da wirklich.
53:04  Nicola Wessinghage
Und wie lange hält sowas an, wenn du dann wieder in Hamburg zurück bist, wie lange kannst du davon zehren?
53:12  Tilo Timmermann
Das bleibt. Also ich finde tatsächlich, dass ich mich auch zu.
53:20
Verändert habe dadurch, dass ich ein bisschen gelassener Wort geworden bin im Alltag, dass ich vielleicht ein bisschen mehr Selbstvertrauen habe, weil sie, weil ich weiß, ich schaffe sowas.
53:30
Auch wenn ich irgendwie fünfzehn Kilo aufn Rücken habe. Also dieses Gefühl, ich habe alles dabei, was ich im Leben brauche. Das ist auf der Wanderung ganz konkret im Rucksack drin,
53:42
und danach ist es vielleicht wie eine Metapher immer noch da.
53:47  Nicola Wessinghage
Ja das ist ja wie es auf sich selbst zurückgeworfen sein, was auch glaube ich die Philosophen ja immer so sehr an diesem ähm Gen.
53:57
Längeren gehen, glaube ich, faszinierend gefunden haben, weshalb da so gute Gedanken kommen. Wobei das, was du sagst
54:03
ich auch schon von vielen gehört habe, die so lange wandern, dass man diesen Anspruch oder diese Vorstellung hat, wirklich so grundsätzliche
54:11
Gedanken zu bewegen und dann denkt man doch nur, wie wie lange gehe ich jetzt schon oder äh ist es eigentlich sehr im Moment, aber,
54:19
Vielleicht ist das dann eher auf einer Meterebene so, dass man,
54:23
wieso du das beschreibst, dann genau dadurch durch dieses durch diese absolute Präsenz eigentlich darüber wieder eine,
54:32
fast meterphysische Erfahrung macht.
54:33  Tilo Timmermann
Ich glaube gerade, dass man nur im Moment lebt, dadurch wandelt man sich ja auch.
54:40
Das ist eigentlich das das Tolle dabei. Ich muss keinen es wird nicht durch irgendein technisches Gerät gefehlt, in dem ich irgendwas
54:50
nachschlage oder weitergebe. Ich habe keine keine Anforderungen, sondern ich bin nur ich tue nur das, wofür mein Körper grade gemacht ist, nämlich gehen.
55:01
So und das kann ich und mehr muss jetzt nicht sein und dieses das ist immer auch so ein Zurückfahren und.
55:11
Begreifen, mit wie wie wenig man eigentlich zufrieden sein kann. Ich habe ja nichts gemacht, als zu gehen und abends liege ich dann vor meinem Zelt, bin total k. O. Aber ich weiß, am nächsten Morgen.
55:23
Kann ich das Gleiche wieder machen, weil dann bin ich ausgeruht,
55:26
Diese ganz einfachen Sachen Pause machen, essen, sich mal um seinen Körper kümmern, indem man sich ein bisschen die Füße massiert.
55:35
Dass das alles so gut funktioniert, das gibt einem ganz viel Vertrauen, dass man vielleicht den ganzen anderen Kram gar nicht unbedingt braucht.
55:44  Nicola Wessinghage
Mhm. Ja. Ist ein schönes Gefühl. Ja, ähm wir kommen schon langsam zum Ende. Ähm
55:54
gibt's denn vielleicht noch Tipps oder Hinweise für Menschen mit Fernweh oder Ambitionen zum fernen Wandern, die du denen mit auf den Weg geben möchtest?
56:06  Tilo Timmermann
Also ich bin ja so ein bisschen vernetzt zum Beispiel auf Instagram
56:12
äh und unterhalten mich mit mit Leuten, die mich da auch auf Ideen bringen oder ich
56:19
weil es gibt ja verschiedene da wenn man die richtige findet dann kann man da sich austauschen und.
56:27  Nicola Wessinghage
Was ist denn die Richtige?
56:32  Tilo Timmermann
Schwer zu sagen. Manchmal kann man's nichtmals an den Motiven festmachen. Ähm ich zum Beispiel mache nur sehr selten und ungern Selfies.
56:43
Äh und ich glaube, ich werde auch nicht warm mit Leuten, die in irgendwo immer nur sich selber in der Landschaft abbilden, weil mich interessiert die Landschaft und nicht der Mensch in der Landschaft. So, das.
56:57
Und dann sieht man schon, dass es da eben Leute gibt, die die tolle Wanderung machen, die so etwa das gleiche Niveau haben von dem, was ich mache und dann schreibt man sich mal und dann teilt
57:08
Jetzt habe ich einen, der hat mir eben diese Graubünden-Tour dann freigeschaltet bei seinem Auto Active Account
57:15
so dass ich die dann für mich auch erschließen kann. Und wenn man sich so damit befasst,
57:22
und vielleicht nochmal ein paar Videos guckt oder Bücher liest dann kann man sich schon dieses Feuer warmhalten der Freude und der Fernweh auf auf die nächste Tour.
57:34  Nicola Wessinghage
Also über Instagram, du bist bei Instagram ähm Ad aus der U-Bahn mit Unterstrich, richtig?
57:43
Verlinke ich auch in den Shownotes und ähm der Dings ist deine Hände, ähm vielleicht musst du das nochmal erklären, weil ich denke mal, Wanderer kommen nicht als erstes
57:52
aus der U-Bahn darauf sind, da einen begeisterten Fernwanderer zu finden. Wie kommt's zu dem Händel?
57:58  Tilo Timmermann
Das stimmt, das ist, weil weil dieser Account viel älter ist, weil ich damals äh relativ früh bei Instagram angefangen habe, äh da als es als man noch ins Büro gependelt ist.
58:08  Nicola Wessinghage
Damals.
58:09  Tilo Timmermann
Ja, da hatte ich viel Zeit äh unterwegs. Das war eigentlich die einzige Zeit, wo ich getwittert habe, so.
58:16
Und daraus ist dann eben aus der U-Bahn geworden und deswegen habe ich auch sehr viele Themen wie öffentlichen Nahverkehr oder Fahrrad fahren oder so was. Äh in in dieser Blase bin ich da unterwegs
58:29
und irgendwann habe ich überlegt, ich will auch übers Wandern, was schreiben,
58:36
und wollte aber nicht meinen echten Namen nehmen, weil.
58:40
Weiß ich nicht. Ich hatte bei aus der U-Bahn dann einfach schon eine viel größere Reichweite und ich habe gedacht, das ist vielleicht interessant auch für die Leute und deswegen ist das jetzt so ein komisches Zwischending, teilweise bin ich aus der U-Bahn bei Autoactive bin ich eben.
58:53
Ich.
58:54  Nicola Wessinghage
Tilo Timmermann.
58:57  Tilo Timmermann
Und äh eigentlich ist mir das egal. Also ob die Leute das jetzt erwarten oder nicht. Die, die mich kennen, die wissen dann schon, ach das ist der wieder mit seinem Spleen.
59:06  Nicola Wessinghage
Man kommt dann drauf, wenn man dir folgt, aber es ist vielleicht ganz interessant für diejenigen, die jetzt ähm Interesse haben, sich da auch vielleicht ähnlich zu vernetzen, einfach mal zu gucken, wem du so folgst. Ähm da wird man dann sicherlich ein paar finden, die du jetzt so beschrieben hast, mit denen du dich gerne austauscht oder einen
59:21
Netz gerne bildest und also ich kannte ja nur den Twitter, also es gibt den Twitter-Account Ad aus der U-Bahn und den Instagram-Account,
59:30
aus der U-Bahn und Händel ist jeweils der Dings und finde es schon auch sehr lustig, also sehr amüsant, macht's ja auch gerne ein bisschen Spaß auf den Kanälen und so kam's ja auch. Also wir kannten uns ja
59:40
also persönlich eben vorher gar nicht und von daher ist das bestimmt ein guter Tipp, dir da zu folgen und dann auch gleich ein paar Mobilitätsthemen mitzunehmen, kann ja auch nicht schaden.
59:49
So Fahrrad und ähm du bist ja wie du auch gesagt hast, eher auf der Fraktion autofrei unterwegs, nehme ich mal.
59:57  Tilo Timmermann
Vorsichtig.
59:58  Nicola Wessinghage
Mhm. Ja, gibt's sonst noch weitere Hinweise oder irgendwas, was du noch mitgeben möchtest oder vielleicht auch irgendwas, was ich dich gar nicht gefragt habe, was du gerne noch erzählen würdest?
1:00:07  Tilo Timmermann
Ja, ich habe ja äh gesehen, dass oder gehört, dass manche auch so ein Literaturtipp bei ihr abgeben. Ähm.
1:00:18
Ich finde ja, es ist ja, es ist ja Teil des Themas Tourismus, worüber wir jetzt gesprochen haben.
1:00:23
Und ich setze mich schon stark damit auseinander in welche Landschaft will ich eigentlich gehen und
1:00:29
Und deswegen würde ich gerne ein Buch von dem Werner Betzingen empfehlen. Das ist ein Geografieprofessor, der die GTA damals mitentwickelt hat irgendwann in den
1:00:41
achtziger Jahren, also ein.
1:00:42  Nicola Wessinghage
GTA ist für Nichtwanderer ein Wanderweg, ne? Oder.
1:00:45  Tilo Timmermann
Genau die Grande Traversatelle Alpi,
1:00:48
von der schweizer Grenze durch Italien bis ans Mittelmeer. Und das ist ein so Wanderwege, die werden ja auch wirklich geplant und dann werden sie vermarktet und der hat das hier in Deutschland gemacht, aber eben,
1:01:01
unter dem Ansatz.
1:01:03
Im Piemont gibt es sehr viele verfallene Gegenden, da ziehen sind die Leute weggezogen und es ist eigentlich nichts mehr da. Und der hat diese Wanderroute sich dann ausgedacht oder seine Mitstreiter,
1:01:16
ähm damit da so eine Art.
1:01:19
Ähm wie nennt man sanfter Tourismus entstehen kann. Also die Wanderer können dann abends immer einkehren in einem Postappar, so nennen sich diese Unterkünfte, da kriegt man leckere piamontesische Küche,
1:01:31
kann am nächsten Tag wieder loswandern über nächsten Grad ins nächste Tal und da geht's dann so weiter. Und das ist einfach eine Art.
1:01:41
Äh Landschaft und mein Verständnis von den Alpen sollte so sein, es gibt kleine Dörfer und dazwischen ist nichts, also ich mag keine,
1:01:51
Hängebrücken und Attraktionen und Hotels und erst recht kein Skizirkus, also ich fahre im Winter nicht in die Berge.
1:02:01
Weil ich eben die die Kehrseite im Sommer kenne, das sind quasi Wüsten, was da übrig bleibt
1:02:07
Und in diesem Bildband von dem Werner Betzingen,
1:02:11
Alpen, das Verschwinden einer Kulturlandschaft äh sieht man sehr genau, welche Wunden der Tourismus auch in den Alpen hinterlässt und ähm er entwirft eben so eine Art Gegenbild dazu,
1:02:24
wie man so ein traditionellen, sanften Tourismus machen könnte. Da gibt's dann in einem Dorf äh eine Osteria und eine Unterkunft und eine
1:02:34
traditionelle Bergwirtschaft mit Almen und äh Viehzucht und das sorgt auch dafür, dass eben die Berge nicht
1:02:41
zuwachsen. Heutzutage hat man sehr viel Wald in den Alpen, weil das einfach äh verlassene Kulturgegenden sind. Da wächst dann Wald. Früher war
1:02:51
viel mehr Almwirtschaft und das äh ist ein interessantes Thema, mit dem man sich mal auseinandersetzen kann.
1:02:59  Nicola Wessinghage
Ja, schön. Wenn ich dich so höre, nehme ich mal an, dass du den Jakobsweg eher nicht auf deiner Fernwehskala-Route hättest, oder?
1:03:04  Tilo Timmermann
Ich glaube, wir haben hier zu viel los, aber schön ist es bestimmt schon.
1:03:08  Nicola Wessinghage
Ja. Genau, aber das war ja ein Faktor, ne? Sollten dir nicht so viele Menschen begegnen, dass wir da ja leider nicht funktionieren.
1:03:17  Tilo Timmermann
Es gibt ja noch ganz viele andere Jakobswege, die äh weniger begangen sind als diesen, als diesen klassischen da in Nordspanien.
1:03:24  Nicola Wessinghage
Hm, ah ja, da kann man ja ausweichen.
1:03:28
Ja, Thilo, vielen Dank, dass du uns ähm in dieser Episode ein paar Hinweise gegeben hast, wie wir mit Fernweh umgehen können, wie du mit Fernweh umgehst und ähm schöne Einblicke in deine Fernwanderung auch gegeben hast. Und ich,
1:03:43
dir auf jeden Fall ganz fest die Daumen, dass das klappt mit der Schweiz im Sommer,
1:03:48
dass noch viele weitere schöne Wege folgen wollen und ich hoffe, dass du das weiter teilst, weil ich fand's auf jeden Fall sehr spannend,
1:03:55
mal anzusehen und ein bisschen dabei zu sein. Also mein Fernseher hat es tatsächlich auch nochmal ein bisschen angereizt angefacht und
1:04:05
ich weiß nicht, ob ich so alleine unterwegs sein möchte. Das ist auch vielleicht nochmal als Frau ein anderes Thema. Also ich hätte da noch andere Sorgen und ich glaube auch manchmal, dass die.
1:04:14
Ähm selbst wenn es nicht real ist, dass schon die Fantasie hast du ja auch erzählt durch die Berichterstattung da manchmal reicht, aber es gibt ja auch andere Varianten und ich fand's sehr schön, mit dir darüber gesprochen haben und,
1:04:26
zu haben und danke dir einfach und ja, hoffe, dass wir alle bald wieder Fernwanderung machen können.
1:04:34  Tilo Timmermann
Dir auch, vielen Dank. Ich finde das toll, dass ich dabei sein durfte. Ich finde auch ähm wie gesagt, ne, dein dein Podcast ist der Einzige, den ich jemals wirklich gehört habe.
1:04:44  Nicola Wessinghage
Wahnsinn. Jetzt werde ich aber fühle ich mich sehr geehrt.
1:04:48  Tilo Timmermann
Weil es einfach auch mein Thema ist, also das finde ich echt ein richtig spannendes und cooles Projekt.
1:04:53  Nicola Wessinghage
Ja, toll. Dankeschön. Jetzt gehe ich ganz beseelt ins Wochenende. Tschüss Tilo. Danke. Ciao.
1:05:02  Musik
1:05:10  Nicola Wessinghage
Ich selbst finde es ja sehr faszinierend, was Thilo über seinen Fernwand dann erzählt.
1:05:14
Auch mir geht es so, dass ich Pläne mache, wo ich gerne mal wandern möchte, wenn es denn wieder mal geht. Ohne Corona und ohne weitere Hürden,
1:05:23
Mich würde aktuell sogar mehr eine Wanderung einmal ganz durch Deutschland interessieren.
1:05:28
Sowie Marion Wild das gemacht hat. Sie ist Hörerin dieses Podcasts und hat mir geschrieben, dass sie vor einigen Jahren von Ahlbeck auf Usedom bis nach Nonnenhorn am Bodensee gewandert ist.
1:05:40
Lesen könnt ihr darüber in ihrem Blog. Fußreise heißt der und ich habe den verlinkt in den Shownotes. Vielleicht habt ihr ja auch Pläne und vielleicht motiviert es auch euch, sich damit in Gedanken zu beschäftigen.
1:05:53
Falls das Fernweh euch in Richtung Italien zieht, habe ich noch einen Buchtipp für euch.
1:05:59
Journalist Marko Maurer hat einen wunderbaren Band über seine Reise durch Italien herausgebracht. Er war mit einem uralten unterwegs und von daher passt der eigentlich nicht ganz in diesem Podcast. Aber.
1:06:13
Mein Fernweh hat das Buch schon sehr getriggert,
1:06:16
Und es war wirklich schön mit dem Buch, zumindest mal in Gedanken dahin zu reisen, wo ich jetzt gerne wäre, den spannenden Menschen zu begegnen, über die berichtet
1:06:26
die wunderschönen Bilder des Fotografen Daniel Etter zu sehen, der ihnen begleitet hat.
1:06:32
In der nächsten Folge geht es hier wieder in die Stadt. Ich habe mit Lea sauer und Özlem Özgül Dünder über ihr tolles Buch flexen, flanösen, schreiben Städte gesprochen.
1:06:44
Lea und Özlem sind zwei der insgesamt vier Herausgeberinnen der Anthologie. Und sie haben zugesagt, ihre beiden Texte aus dem Buch für diesen Podcast vorzulesen.
1:06:54
So wird es schon in drei Wochen wieder die nächste Folge geben, wieder eine Bonusfolge mit zwei Texten der beiden Autorinnen.
1:07:02
Das Gespräch mit den beiden erscheint dann eine Woche später. Also am einundzwanzigsten Mai.
1:07:08
Bis dahin, bleibt bitte alle gesund, geduldig, reist weiter in Gedanken und lasst es euch gut gehen, wo immer es geht,
1:07:16
Schaut mal vorbei bei Instagram, Twitter oder Facebook.
1:07:20
Es weitere Infos und Fotos zum Thema dieses Podcasts. Überall unter Lob des Gehens. Wenn er euch gefällt, dann empfehlt ihn doch gerne weiter.
1:07:29
Besonders freue ich mich wirklich über jede Form von.
1:07:34
Mit der Musik aus diesem Podcast, wie immer von Mastermind XS aus Saarbrücken sage ich tschüss, bis zum nächsten Mal.
1:07:37  Musik