Spur der Verbrechen

Kaltblütige Mörder, ungeklärte Fälle und Ermittler, die nicht ruhen, bis die Täter entlarvt sind. Life Radio Reporterin Martina Schobesberger spricht mit Polizisten, Richtern, Anwälten und Journalistenkollegen über die spektakulärsten Kriminalfälle in Oberösterreich - von der Bestie von Sierning bis zur kopflosen Leiche von Sarmingstein. Du hast Feedback zum Podcast? Schreib uns an podcast@liferadio.at!

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episode 3: Der Mord an Sportreporter Günther Schädel [transcript]


27. Februar 1988: In der Linzer Altstadt liegt ein Mann mit einer blutenden Kopfwunde im Schnee. Es ist Sportjournalist Günther Schädel. Ermordet. Mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe. War Günther Schädel zur falschen Zeit am falschen Ort? Oder hat er seinen Mörder gekannt? Und welche Rolle spielt ein angebliches Sex-Video?

Foto-Credit: Bundesministerium für Justiz


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 2021-06-13  25m
 
 
00:00
Spur der Verbrechen. Oberösterreichs spektakulärste Kriminalfälle. Immer sonntags, alle zwei Wochen ab siebzehn Uhr. Siebenundzwanzigster Februar neunzehnhundertachtundachtzig.
00:13
In der Linzer Altstadt liegt ein Mann mit einer blutenden Kopfwunde im Schnee. Es ist Sportjournalist Günther Schädel, ermordet mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe. Paar Günter Schädel zur falschen Zeit am falschen Ort,
00:26
hatte seinen Mörder, seine Mörderin gekannt und welche Rolle spielt ein angebliches Sex-Video?
00:35
Es ist wieder Prime Time in der Live-Radio-Podcast-Lounge. Ich bin Martina Schobelsberger und ich begrüße heute bei mir die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Linz, Ulrike Breite nieder. Hallo. Hallo.
00:45
Und den langjährigen Chefredakteur und Stellvertreter der oberösterreichischen Nachrichtenjournalistos, guten Tag. Guten Tag. Herr Bozers, sie waren Journalist und Lokalchef bei den oberösterreichischen Nachrichten. Sie waren da sicher
00:57
blutige Kriminalgeschichten äh gewohnt, von der Polizei zu hören, aber über den Fall, über den wir heute reden, der hat vermutlich eine ganz andere Dimension, weil es geht um den Mord an einem Kollegen, einen Sportreporter Günter Schädel,
01:10
Ja, das war natürlich ein ganz spezieller Fall. Es war ein ganz großer Schock, nicht nur für mich, sondern für die ganze Redaktion, das zu erfahren.
01:18
Dieser Mord liegt jetzt dreiunddreißig Jahre zurück verbreitet. Sie haben sich den Akt extra für diesen Podcast heute für uns geholt, um nochmal reinzuschauen.
01:27
J der Akt, der ist bei uns verwahrt und ich habe jetzt anhand des Aktenmaterials versucht, die Geschehnisse von damals,
01:35
für den Podcast zu rekonstruieren. Genau und das schauen wir uns jetzt an
01:38
zumindest was man weiß, was damals passiert ist. Und da schauen wir zurück. Dreiunddreißig Jahre, es ist Freitagabend, sechsundzwanzigster Februar ähm neunzehnachtundachtzig, Herr Putzer, sie sind olympische Spiele in äh Calderin, Kanada und ähm sie haben ähm an diesem Tag, bevor dieser furchtbare Tragödie passiert ist, äh noch
01:55
gemeinsam gearbeitet mit dem Günther Schädel.
01:58
Ich habe nicht gemeinsam gearbeitet, aber ich habe ihn getroffen am Gang und wir haben äh gesprochen über die Schwierigkeiten der Berichterstattung äh aus Calgary wegen der Zeitverschiebung. Das war das letzte, was ich äh von ihm gesehen habe.
02:11
Die letzten Worte, die sie mit ihm gesprochen haben. Ja. Was hat er da für einen Eindruck auf sie gemacht? Einen ganz normalen, aber,
02:17
übrig leicht angespannt, weil's darum gegangen ist, eine Deadline der Berichterstattung einzuhalten.
02:23
Aber ansonsten war er wie immer. Ganz ein normales Gespräch. Ganz normales Gespräch. Mhm. Ähm man weiß ja hat äh relativ lange gearbeitet an diesem Abend bis äh viertel nach elf und dann ist er soweit man weiß.
02:36
In die Stadt gezogen. Mhm, ein Lokaltour in Berlin zur Altstadt, äh gemeinsam mit einer Frau, die er äh gekannt hat, ähm Herr sie haben gesagt, die Altstadt, die war neunzehnhundertachtundachtzig damals auch noch äh anders als sie heute ist.
02:49
Etwas äh gefährlicher. Ich will nicht sagen krimineller, aber äh es haben sich dort äh doch einige Leute getroffen und heimisch gefühlt, die.
03:02
Gerade sehr bürgerlich waren, um das einmal vorsichtig auszudrücken. Mhm. Äh was man weiß, verbreitet jeder korrigieren sie mich bitte, wenn irgendwas nicht stimmt. Er ist dann im Jahre in Lokalen äh gewesen
03:12
ist Vanille, Antiquitätenstuhl, sansibar äh hat da ein
03:18
Papier getrunken, ähm ist auch gesehen worden von Zeugen, wo er anscheinend,
03:23
gut aufgeregt. Ja, man hat natürlich im äh Bereich der Ermittlungsarbeit auch versucht, die letzten Stunden vor dem Tod zu rekonstruieren
03:32
und das ist durch Befragungen in den bekannten Altstadt lokalen ganz gut gelungen. Also man hat dann wirklich auch nachvollziehen können, was es konsumiert worden. Da sei eine Dame eingeladen hat,
03:43
und auch teilweise sogar konstruiert worden, was hat als Wechselgeld bekommen, um dann auch zu sagen, was hat er dann tatsächlich auch allenfalls noch an Geld in der Tasche gehabt?
03:53
Wissen sie was, was da getrunken worden ist?
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Es dürfte, soweit's ich noch äh in Erinnerung habe aus dem Akt äh von ihm Bier getrunken worden sein und die weibliche Begleitung hat Wein oder gespritzte getrunken.
04:08
Weiß man, wer diese bekannte war, mit der unterwegs war? Die weibliche Begleitung ist von der Polizei ausgeforscht worden und hat das auch bestätigt, dass sie mit ihm da in einem Lokal war und dass man sich dann getrennt hat und verabschiedet hat.
04:22
Aber war das eine Freundin oder die Freundin,
04:25
Ich habe sie nicht gekannt, ich konnte dazu nichts sagen. Mhm, okay. Was man weiß, ist ähm dass sie sich dann getrennt haben, dass die Frau dann zwischendurch einmal nach Hause gegangen ist oder zumindest weggegangen ist,
04:37
dürft äh soweit bekannt zum Zeitpunkt, wo er dann auf seinen Mörder getroffen ist, alleine gewesen sein. Soweit ist das bekannt.
04:46
Inwieweit er sich Deutsch schon länger von der Dame verabschiedet gehabt hat oder nicht, äh kann ich jetzt nicht sagen, aber es jedenfalls so, dass er alleine dann auf den Täter getroffen ist. Mhm.
04:59
Was man weiß, ist, dass er, also er hat sich um halb vier in dem letzten Lokal, wo man weiß, dass er war, im Lokalklausur hat er sich offenbar verabschiedet und wollte dann,
05:09
ist über den Tummelplatz äh gegangen und ab da weiß man eben nicht genau, was dann passiert ist. Ähm
05:16
es ist dann so, dass ein Taxifahrer quasi das Ganze dann in Gang gebracht hat, was was weiß man denn, was da dann passiert ist.
05:22
Bei uns hat die Ermittlungsarbeit eigentlich in den frühen Morgenstunden des siebenundzwanzigsten Februars angefangen,
05:29
noch dem ein Taxifahrer einen leblosen Körper im Bereich des Tunnelplatzes,
05:34
festgestellt hat, der Taxifahrer hat damals seine zentrale verständigt, Handys waren ja damals noch nicht das Thema. Mhm. Und die Taxizentrale hat dann den Rettungsdienst gerufen.
05:46
Ja einen äh wer da minder Toten.
05:50
Günther Scheel dort vorgefunden hat, wobei man zunächst davon ausgegangen ist, dass der Verstorbene unglücklich äh gestürzt ist und sie da eine Kopfverletzung zugezogen hat
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Hm, was ist so bei der von der Polizei gelesen habe, war ja auch äh ähm das, was der Taxifahrer ja gar nicht jetzt äh großer Lärm geschlagen hat, sondern nur gesagt hat, der da liegt der Besoffener am Gehsteg
06:08
Genau, also es war net damals äh ganz tief winterliche Zustände. Es wäre jetzt auch nicht abwegig gewesen, dass da Person vielleicht schon ein bissel betrunken ausgerutscht wäre. Und äh der erste Gedanke dürft sicher net äh in Richtung Verbrechen gewesen sein.
06:23
Man hat aber dann den Verletzten oder eigentlich schon klinisch toten im Krankenhaus ins Röntgen geschoben und da ist jetzt dann erstmal sichtbar gewesen,
06:32
dass ein Projektil in seinem Kopf steckt und da ist die Ermittlungsmaschinerie dann in Gang gekommen. Mhm. Und das war dann auch der Zeitpunkt, wo sie,
06:42
von dieser Tragödie hervor haben, Herr Butters. Ich habe ähm Festnetz.
06:47
So für mich noch Nachtschlaf in der Zeit so gegen den Morgen hin einen Anruf vom Chef der Kriminalpolizei in Linz bekommen.
06:55
Mich davon informiert hat, dass mein Kollege Günther Schädel ermordet worden ist. Das war.
07:02
Können sie sich vorstellen, einen Schlag in die Magengrube für mich? Noch gar nicht richtig munter und dann mit einer solchen Nachricht konfrontiert.
07:10
Ich habe daraufhin versucht, möglichst viele Kollegen ebenfalls telefonisch aufzuscheichen.
07:18
Habe ich es nicht erwischt, aber der erste lokale Redaktion. Und habe gleich für neun Uhr vormittags eine Konferenz einberufen, um die Vorgangsweise.
07:28
Der Berichterstattung.
07:30
Festzulegen und zu diskutieren. Jetzt ist es ja in solchen Fällen so, dass dann natürlich ein Kollege zum Tatort äh geschickt wird, um Fotos zu machen, um Interviews zu machen mit den Ermittlern, wie war das in in diesem ganz besonderen Fall? Äh genauso.
07:44
Unser Kriminalreporter, der fotografiert auch hat.
07:49
Ist äh aufgrund meines Telefonanrufes sofort losgezogen und hat versucht.
07:55
Seine Arbeit zu machen. Mhm, wie ist es ihnen gegangen? Wie ist es ihnen gegangen? Schlecht.
08:02
Äh wir können's aber sehr beliebt in der Redaktion. Es hat kaum jemanden gegeben, der ihn nicht mochte.
08:10
Und ganz grundsätzlich ist es so, wenn ein Mitarbeiter ein Freund, ein Kollege.
08:16
Offensichtlich ermordet wird, geht's einem nicht gut. Es ist eben dann erst relativ lange
08:26
nach der Tat, nach der Ermordung überhaupt bekannt geworden oder oder es ist einem bewusst geworden, dass da eine Straftat vorliegt. Was ist denn dann passiert? Wie ist denn dann diese Maschinerie überhaupt erst in Gang gesetzt worden?
08:39
Ganz a wesentliche Ermittlungsschritt in so einer Sache ist die Obduktion der Leiche.
08:45
Weil man daraus sehr oft ganz wesentliche Beweismittel oder Erkenntnisse für die Sache gewinnen kann. Und so war es auch hier. Man hat hier dann jedenfalls sagen können, dass der Schuss nicht aufgesetzt war.
08:59
Sondern in einer gewissen Entfernung abgegeben wurde, aber jetzt auch in keiner großen Entfernung, so geschätzt dürfte es ein Abstand von etwa dreißig Zentimeter bis zu einem Meter gewesen sein.
09:11
Und ähm also eigentlich ein Schuss aus nächster Nähe. Ein Schuss aus nächster Nähe.
09:17
Und man hat dann auch begonnen am Tatort das Projektil zu suchen.
09:22
Es waren damals tiefwinterliche Verhältnisse. Es war gar nicht so leicht, diesen Platz abzusuchen. Man hat sich damals der Feuerwehr bedient. Die äh so gut es ging, äh dann den Schnee entfernt hat
09:34
und tatsächlich ist auch ein passendes Projektil in örtlicher Nähe zur Auffindung der Leiche dann gefunden worden.
09:44
Dem hat man auch sagen können, um welche Waffe es sich äh gehandelt hat. Es ist eingrenzbar auf zwei Modelle und zwar ein altes, ungarisches Arm E-Modell,
09:57
entweder eine frommer Stop oder eine fromme Baby,
10:01
und da hat man schon durchaus äh etwas gewusst, um weiterzuarbeiten. Mhm. Es sind ja dann alle, ähm zumindest die angemeldeten, zugelassenen Waffen überprüft worden, wie viele waren das und und wie war das?
10:14
Hat natürlich dann versucht, einen passenden Waffenbesitzer auszuforschen. Der erste Schritt war die registrierten Waffenbesitzer, die ein solches Modell,
10:24
gemeldet hatten, zu überprüfen. Man ist aber auch allen möglichen Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen, insbesondere auch aus der Altstadt,
10:34
wo Personen dann.
10:36
Andere bezichtigt haben, sie hätten eine solche Waffe letztlich hat das aber nie zum Erfolg geführt und man hat diese Waffe auch bis heute nicht gefunden. Mhm. Es ist dann auch im Jahr
10:48
neunzehnneunundachtzig im November einmal ein ähm Pistolenlauf,
10:54
anonym der Redaktion der obösterreichischen Nachrichten zugeschickt worden,
10:59
auch dieser Pistolenlauf ist untersucht worden. Man hat da kriminaltechnische Analyse gemacht,
11:05
und auch dieser Lauf hat sich nicht öst zur Tatwaffe zugehörig festgestellt.
11:10
Nur mal zurück zum Morgen des siebenundzwanzigsten. Das war ja ein, sie haben's gesagt, ein tief winterlicher Morgen. Es war
11:17
wie können sie sich noch erinnern, wie war da das Wetter? Das war ja auch von der von der Sicherung der Spuren her ganz a schwierige Situation,
11:25
Soweit ich mich erinnere, hat es offensichtlich auch nach der Tat noch äh geschneit,
11:32
aber es war natürlich dann schwierig da irgendwas mit Fußspuren, Reifenspuren, äh irgendwas noch zu rekonstruieren und wirklich äh zu sichern.
11:41
Natürlich immer schwierige Lage waren, nicht von Anfang an voll an Gewaltverbrechen ausgegangen wurde. Hier hat man ja zunächst den verdachten Unfalls gehabt,
11:50
wo der ganze Trotz der Rettungskräfte, um über diesen Platz ist und Reanimation.
11:55
Am Günther Schädel durchgeführt hat und das kann man sich ungefähr vorstellen, dass da einige Personen am Werken waren, dass man da sicher nicht geschaut hat.
12:04
Ob man irgendwelche Spuren zerstören könnte.
12:07
Mhm. So, wenn man nochmal einen Strich zieht und sagt, was weiß man bis hier. Günther Schädel macht nach der Arbeit eine Lokaltour in Berlin zur Altstadt, zwischen halb vier und dreiviertel vier will er über den Tummelplatz heimgehen
12:20
wird dort erschossen mit einem Schuss aus nächster Nähe in den Kopf, Spuren eines Kampfes gibt es nicht und man hat eben diese äh Patronenhülse
12:29
ähm und überhaupt den, das Verbrechen erst im Krankenhaus festgestellt. Das weiß man einmal
12:34
Bis hier, wer waren denn dann? Wer ist denn dann vernommen worden? Es gibt ja dann natürlich verschiedene Ermittlungsstrategien. Was waren denn da die ersten Gedanken,
12:42
es war natürlich dann die Frage,
12:45
welches Motiv könnte hinter so einer Tat stecken und man hat dann wirklich in alle Richtungen ermittelt. Es war, denke ich, relativ rasch äh absehbar, dass das Motiv eher nicht im Beruflichen zu sehen ist, in der journalistischen Arbeit,
13:00
sondern vielleicht eher im Privaten.
13:04
Und da ist auch überprüft worden, er hat sich ja kurz zuvor von seiner Ehefrau getrennt,
13:10
und diese Ehefrau, aber auch ihr neuer Partner sind da.
13:17
Näher einer Prüfung unterzogen worden. Es hat dann auch eine Dame gegeben aus dem privaten Umfeld des Verstorbenen.
13:26
Soweit man aus den Zeugenaussagen weiß, den äh Günther Schädel, mehr oder minder für das Scheitern ihrer Ehe.
13:33
Verantwortlich gemacht hat, dieser Exmann der Dame war ein guter Freund vom Günther Schädel.
13:40
Man hat aber natürlich auch in andere Richtungen ermittelt. Es hat einen äh Arbeitskollegen gegeben.
13:49
Ja eine Exfreundin hatte und diese Freundin hat auch eine nähere Beziehung zum Günther Schädel unterhalten noch diversen Zeugenaussagen soll es da auch ein,
14:00
Video gegeben haben. Heutzutage würde man sagen, ein Sex Tape.
14:04
Diese Ex-Freundin eine Rolle gespielt hat und angeblich hat der Günther Schädel dieses Video auch am äh Faschingsdienstag in der Redaktion hergezeigt,
14:15
also Themen waren da natürlich immer das privates, Verstorbenen,
14:21
Motive eher in Richtung Rache oder Eifersucht.
14:26
Eifersucht, äh Frauengeschichten, ein Sex Tape. Ähm Herr Butzers haben sie das auch gesehen? Nein, ich habe von diesem Sextape nichts gesehen und auch nichts davon gewusst.
14:38
Was ich wusste, war, dass der Günther Schädel kein kostfähigster war. Und äh häufig äh Damenbekanntschaften gemacht hat.
14:48
Das war allen in der Redaktion bekannt. Mhm. Bei uns ist natürlich.
14:53
Nach dem Mord tagelang auch die Polizei ein- und ausgegangen. Und hat äh jede Menge Kollegen, unter anderem auch mich, vernommen.
15:02
Weil sie eben einfach ihrer Arbeit nachgehen mussten,
15:05
Es wird dann natürlich in der Arbeit auch spekuliert, ja. Da wird's natürlich auch Gerüchte gegeben haben, was ist denn da alles besprochen und gemutmaßt worden? Das äh ist bunt durcheinander gegangen.
15:17
Jeder hat geglaubt, er weiß, welches Motiv das Zwingende ist.
15:24
Aber keiner wusste wirklich was. Die Vermutung, dass es im höchstpersönlichen Bereich gelegen ist.
15:31
War wirklich nicht von der Hand zu weisen, denn beruflich hatte er als Sportredakteur wohl kaum Möglichkeiten.
15:41
Dinge zu recherchieren, die ihm gefährlich geworden werden.
15:45
So, es hat jetzt da mehrere Verdächtige im im wirklich engeren Bekanntenkreis gegeben, aber hat sich irgendwann ein ein Beweis erhärtet, hat's dann auch Festnahmen gegeben
15:56
es hat einmal und zwar erst im Dezember neunzehnhundertneunzig eine Festnahme gegeben, da ist ein Verdächtiger,
16:03
ähm beschuldigt worden, den Mord begangen zu haben, tatsächlich hat sich aber dieser Anzeiger dann relativ schnell wieder von dieser Aussage distanziert. Es war damals eine labile Persönlichkeit, die die Beschuldigung erhoben hat,
16:18
und bei diesem verdächtigen, der in Haft genommen wurde, ist dann auch die Untersuchungshaft nicht einmal beantragt worden. Der hat sich nur für wenige Tage in Polizeigewahrsam befunden.
16:31
Genauso ist aber auch immer denkbar gewesen, dass der Günther Schädel einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war.
16:38
Es ist durchaus auch möglich, dass es einfach einen aus dem Ruder gelaufener Raubüberfall war.
16:45
Man hat ja nicht von vorne rein sagen können, dass er sich genau zu dieser Uhrzeit auf diesem Weg befinden wird, also für jemand, der vielleicht einen Mord geplant hätte, wäre es durchaus schwierig gewesen, ihn ganz bewusst abzupassen.
17:00
Sodass verschiedene Motive einfach auch denkbar sind. Also um nochmal zusammenzufassen, ja, es hat da Frauengeschichten gegeben, eine gescheiterte Ehe, die Ex-Frau mit einem neuen Liebhaber, eine vielleicht eifersüchtige Bekannte.
17:15
Ihn verantwortlich dafür gemacht hat, dass ihre Ehe gescheitert ist, ein allenfalls eifersüchtiger,
17:22
Arbeitskollege, der vielleicht auch gewisse negative Gefühle gehabt hat aufgrund dessen, aus den Verstorbenen mit seiner Exfreundin verbunden hat, aber auch diverse Personen aus dem äh Suchgift und Rotlichtbereich.
17:37
Persönlichkeiten aus der einschlägigen Linzer Szene, wo auch.
17:43
Das Gerücht war, es hätte hier sechs Filme gegeben, die unter Beteiligung des Verstorbenen gedreht wurden wären und dass es da irgendwie zum Streit gekommen sei. Mhm. Ist da in der Arbeit, in der in der Redaktion auch drüber gesprochen worden?
17:58
Also äh das sind eigentlich alles äh Vermutungen.
18:03
Denn diese Filme, glaube ich, hat weder äh jemand von der Behörde noch sonst jemand von der Redaktion gesehen gehabt. Mehr als Gerüchte waren es nicht,
18:13
Sie haben eh schon bissel äh geschildert, was für ein Typ Mensch der Günther Schädel war, ein Lebemann, einer, der gern mit Frauen sich umgeben hat. Vielleicht können Sie noch bissel mehr erzählen von ihm, was haben, was was sind vielleicht auch schöne Erinnerungen an ihn, was Sie mit ihm.
18:28
Momente, die sie mit ihm geteilt haben. Ja, man muss immer vor allen Dingen sagen, dass er ein ausgezeichneter Journalist war.
18:34
Hat bei uns als Gerichtssaalberichterstatter begonnen und hat hervorragende Reportagen über Prozesse geschrieben.
18:43
Dann seinen Wunsch erfüllt und ist in die Sportdirektion gegangen und hat sich auch dort als exzellenter Schreiber bewiesen.
18:50
Ich persönlich habe mit ihm zwei größere Einsätze verlebt, einen bei den olympischen Spielen in Moskau und bei den beiden äh Ski-Weltmeisterschaften in Schladmin.
19:00
Ich bin mit ihm gut ausgekommen.
19:03
Wir werden nicht äh dick befreundet. Wir sind nicht miteinander fortgegangen, aber er war ein wirklich netter, angenehmer Bursche für mich.
19:15
Hätten sie sich das irgendwie erklären können, dass ja also hat man das irgendwie geahnt, in welchen Kreisen er sich bewegt hat, dass er sich auf gefährlichen Boden bewegt? Nein, das konnte man nicht wissen. Äh vielleicht Ängste, Freunde,
19:28
aber ich habe da keinen Einblick gehabt und die Redaktion auch nicht. Also es hat mehrere Theorien gegeben, Verdächtigungen, aber dann keine Anklagen.
19:37
Es hat ähm zahlreiche Ermittlungsmaßnahmen gegeben. Also jetzt nicht nur die schon von mir erwähnte Obduktion.
19:45
Wirklich zahllose Befragungen,
19:48
auch ähm Telefonüberwachungen bei einzelnen Verdächtigen und auch wirklich viele Hausdurchsuchungen, insbesondere um nach der Waffe zu suchen.
19:58
Es hat auch immer wieder Hinweise gegeben,
20:02
teilweise von Personen, die sich in Haft befunden haben, solche Hinweise sind immer sehr mit Vorsicht zu genießen, in der Regel versprechen sich,
20:10
Personen von solchen Hinweisen eine Verbesserung ihrer eigenen Lage und Vorteile für ihre Haftsituation und der Wahrheitsgehalt ist dann oft sehr fragwürdig,
20:21
Man ist aber ganz gewissenhaft allen Hinweisen nachgegangen, letztlich hat sich aber nichts wirklich zielführendes ergeben,
20:30
und so ist auch im Juni neunzehnhunderteinundneunzig dann das Verfahren gegen die Personen, die vor beschuldigte geführt wurden, eingestellt worden und gegen den unbekannten Täter, den wir nicht ausforschen konnten,
20:43
Juristisch heißt es abgebrochen. Das bedeutet, dass Ermittlungsverfahren liegt sozusagen auf Eis und kann bei neuen Hinweisen jederzeit fortgesetzt werden.
20:53
Mhm. Und was heißt das jetzt in der täglichen Polizeiarbeit? Ja, also inwieweit wird.
20:59
Ermitteln Polizisten auch jetzt noch äh oder oder beziehen diese alten Akten, diese ungelösten Felder bei ihrer Arbeit noch mit ein. Also kann es sein, dass man irgendwann zufällig über diese Waffe stolpert oder irgendwann zufällig über eine Zeugenaussage, die da ganz eine neue Perspektive aufmacht,
21:13
Ein theoretisches ist es natürlich möglich. Es ist auch so, wenn jetzt eine Waffe sichergestellt wird, zum Beispiel,
21:20
bei einem anderen Verbrechen, dann wird's ja wohl überprüft, ob diese Waffe allenfalls irgendwo zurückliegen, schon in Erscheinung getreten ist und allenfalls auch einer anderen Tat zugeordnet werden kann.
21:33
Sofern Hinweise auftauchen wird, denen natürlich nachgegangen werden bisher,
21:40
nichts neues ergeben. Die österreichischen Nachrichten haben ja damals auch äh eine Belohnung für Hinweise ausgesetzt. Ja, wir haben äh relativ schnell eine Belohnung in der Höhe von damals fünfzigtausend Schillinger ausgesetzt.
21:53
Das hat auch bei uns eine Fülle von.
21:57
Anonymen, zum Teil äh hinweisen mit Namen erbracht, die wir pflichtschuldigst an die Polizei weitergeleitet haben. Aber wie wir heute wissen, all diese Hinweise haben im Prinzip zu nichts geführt. Die.
22:11
Eva vom Künstler hat später ihre eigene Belohnung ausgesetzt, also die Belohnung der Nachrichten noch erhöht.
22:21
Aber auch das hat keinen Effekt gehabt. Nichts Brauchbares dabei gewesen. Nichts Brauchbares. Die äh Kollegen,
22:28
nicht nur aus unserer Redaktion, sondern auch aus anderen Zeitungen. Haben überlegt, ob sie eine eigene Taskforce zusammenstellen. Äh und es gab welche, die unbedingt selbst.
22:40
Ermitteln wollten im Altstadtmilieu. Ich habe davon nichts gehört und habe dann auch abgeredet, denn das war nun wirklich nicht unsere Aufgabe.
22:50
Sozusagen die zweite Kriminalpolizei zu spielen. Hätte auch nichts gebracht. Wäre auch gefährlich gewesen. Wäre möglicherweise auch gefährlich gewesen.
22:59
Das heißt, ähm dreiunddreißig Jahre liegt das Ganze jetzt zurück. Welche Theorie ist für sie am wahrscheinlichsten? Was glauben sie ganz persönlich jetzt, äh was passiert sein könnte?
23:12
Ich habe eine Theorie, aber die möchte ich nicht öffentlich bekannt geben. Okay, ganz klar,
23:19
Was glauben Sie, glauben Sie, ist es im im privaten Bereich gewesen oder denke, es ist alles möglich. Ähm ich gehe davon aus, entweder aus dem privaten Bereich,
23:28
hat auch die Polizei immer vertreten, dass es eher aus dem privaten Bereich stammen würde. Genauso denkbar ist aber auch, dass er wirklich ein äh Opfer eines Raubüberfalls wurde, wo
23:40
vielleicht die Situation wirklich eskaliert ist und das gar nicht dann als Tötung geplant war, sondern allenfalls ein Räuber die Nerven verloren hat.
23:49
Kommt das ihrer Theorie nahe? Hm, nicht unbedingt.
23:54
Gut, alles klar, vielen Dank. Ähm aber es ist so, Mord verjährt nicht, oder? Nein.
24:01
Es ist auch immer noch möglich, dass sich jemand meldet vielleicht ähm um sein Gewissen zu erleichtern.
24:09
Oder dass die Waffe doch noch auftaucht. Also nichts ist ausgeschlossen. Ich glaube auch, das wären die zwei Möglichkeiten, dass dieser Fall noch geklärt werden könnte. Aber.
24:19
Dass jemand nach dreiunddreißig Jahren sein Gewissen noch erleichtern möchte, halte ich für eher unwahrscheinlich. Mhm. Wer solange mit so etwas gelebt hat.
24:29
Der hat keine Gewissensbisse mehr, glaube ich. Glauben Sie persönlich, dass Sie den Mörder oder die Mörderin kennen? Ich glaube nicht, dass ich ihn kenne oder Sie kenne.
24:39
Vielen Dank, dass sie heute hier waren, um über diesen äh spannenden Fall zu berichten. Wir bleiben da natürlich dran, vielleicht bewegt sich was und vielleicht können wir uns wieder treffen, um über den gelösten Fall zu reden.
24:49
Danke. Danke schön. Jedenfalls bei euch jetzt irgendwelche Fragen offen sind oder ihr
24:55
Anregungen zum Podcast habt, dann freue ich mich sehr über eine Nachricht von euch an Podcast at Life Radio Punkt AT. Ihr könnt mir da auch gern eine Sprachnachricht hinterlassen. Ja und in der nächsten Folge von Spur der Verbrechen, da sprechen wir über den Wohnmobilmord von neunzehnhundertneunzig.
25:10
Autobahnparkplatz in findet ein Liebespaar im Gebüsch einen halbtoten
25:15
Mann mit gespaltenem Schädel. Niemand weiß, wer der Mann ist und
25:19
niemand weiß, dass zu diesem Mann eigentlich noch eine Frau gehört. Eine holländische Schönheitskönigin, die spurlos verschwunden ist. Spur der Verbrechen, Oberösterreichs spektakulärste Kriminalfälle. Immer sonntags
25:34
alle zwei Wochen ab siebzehn Uhr.