Staatsbürgerkunde

Ein Podcast über das Leben in der DDR. Im Gespräch mit Zeitzeug:innen und Expert:innen schaut Martin Fischer in jeder Folge zurück auf die Lebensaspekte in der Deutschen Demokratischen Republik. Ohne Ostalgie und verbunden mit der Frage, was sich aus der Geschichte lernen lässt.

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episode 98: Auf Sendung [transcript]


Vom Senden, Empfangen und Gehörtwerden Veröffentlicht am 21.06.2021
Laufzeit: 1 Stunde und 34 Minuten


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 2021-06-21  1h34m
 
 
00:00  Musik
00:03  Jörg Wagner
Wir sind die, die ja für euch das Radio machen, weil wir leben ja unter euch. Und das war der
00:09
Heimvorteil, wenn ich das mal so sagen darf, der dann letzten Endes auch dazu führte, dass Leute dieses Programm anschalteten, trotz dieser teilweise politisch durchtränkten Moderationen, Reportagen.
00:20
Und auch Musik? Es gab die Bundesrepublik und es gab die DDR und wenn man dazwischen wählen musste.
00:28
Und man die Hoffnung hatte, in der DDR mit mit Reformen oder mit mit in so einer Jugendsendung etwas bewirken zu können, dann ist das ja jetzt nicht unbedingt, dass man dann Propagandaist ist, sondern man äh hat sich entschieden,
00:40
dass das der Weg ist, auf dem man's versuchen will.
00:45  Martin Fischer
Staatsbürgerkunde. Ein Podcast über das Leben in der DDR. Von Martin Fischer.
00:56
Folge achtundneunzig, auf Sendung.
01:23
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Staatsbürgerkunde. Manchmal geht's ganz schnell von der Idee zur fertigen Folge.
01:29
Mitte Mai ging's auf Twitter in meiner Staatsbürger Timeline auf einmal ums Aufnehmen auf Kassette vom Radio. Und ein Link zum Wikipedia Artikel von DT vierundsechzig flog auch vorbei.
01:39
Sowie höhere Nadi ging's mir auch.
01:41
Ich hatte schon mal von DT vierundsechzig dem Jugendradio in der DDR gehört, aber die ganze Geschichte kannte ich nicht. Ich hatte Lust, mehr zu erfahren und fragte auf Twitter, wäre da wohl als Gesprächspartnerin in Frage käme.
01:54
Kamen die Vorschläge und ein Name tauchte dabei nicht nur schnell, sondern auch oft auf.
01:59
Jörg Wagner ist heute Moderator und Macher des Medienmagazins auf Radio eins vom RBB.
02:04
Jörg selbst hat sich direkt auf Twitter ebenfalls gemeldet und wir haben uns Anfang Juni in den weiten des Netzes für ein Gespräch getroffen.
02:11
Bevor es losgeht, wollte ich aber euch noch zu Wort kommen lassen. Ich hatte auch wieder auf Twitter, nach euren Erinnerungen zu DT vierundsechzig gefragt. Steffen schrieb dazu,
02:21
DT vierundsechzig ist der Sound meiner Jugend und der Wende.
02:25
Und ein anderer Jörg erinnert sich an die Sendung und das ein Zitat, Musik für den Rekorder, mit kompletten Alben ohne Unterbrechung, dafür aber mit Ansage, wann die B-Seite aufgelegt wird und ein paar Sekunden Zeit, damit die Kassette gedreht werden kann.
02:38
Sven schreibt, meine Erinnerung war der erste Download eines Computerprogramms und hat einen Artikel über den DT vierundsechzig Computerclub verlinkt.
02:47
Ganz besonders habe ich mich auch über diesen Audiokommentar von Gudrun gefreut.
02:52  Einspieler
DT vierundsechzig war das Programm, was bei uns seit Oktober, November neunzehnhundertneunundachtzig fest im Radio eingestellt war. Das einzige Programm, was wir angehört haben.
03:05
Brachte mir damals die Musik der Rainbirds nah.
03:09
Abends, wenn die Kinder im Bett waren, haben wir uns nicht etwa vor den Fernseher gesetzt, sondern uns eine Stunde lang etwas über Randy Newman erzählen lassen.
03:19  Martin Fischer
Vielen Dank an euch für eure persönlichen Rückmeldungen, aus denen man schon erkennen kann, DT vierundsechzig hat eine ganz besondere Bedeutung für viele Menschen.
03:27
Und mit Jörg Wagner erkunde ich jetzt, warum das so war. Zuvor muss ich mit ihm aber erstmal die Frage klären, wie der Sender zu seinem kryptischen Namen kam.
03:34  Jörg Wagner
Ja, DD vierundsechzig hört sich erst mal so an, wie so ein Unkraut ex, so eine Abkürzung. Ist es aber nicht, das steht für Deutschland Treffen neunzehnhundertvierundsechzig. Das war ein.
03:45
Versucht
03:46
Deutsch deutscher Annäherung über die Jugend beider Länder, also wir müssen uns jetzt nochmal zurückerinnern. Es gab den Zweiten Weltkrieg in Folge dessen gab's eine Teilung. Äh die Alliierten haben Deutschland in ähm.
04:00
Ich sage mal, die sowjetische Besatzungszone geteilt, die französische Britische und äh US-Amerikanische. Und die drei Westmächte haben sich dann zur Bundesrepublik Deutschland
04:09
verbündet und äh dieser gründen lassen. Einen Monat später gab's dann die DDR in der sowjetischen Besatzungszone neunzehnhundertneunundvierzig
04:18
und das erzähle ich deswegen nur so ausführlich, weil damals gab's ja noch nicht das, was wir unter dem Begriff Mauer kennen oder eine Staatsgrenze zwischen diesen beiden Gebilden
04:27
und Westberlin war nochmal eine besondere Zone, da haben sich die Alliierten, obwohl von den Russen damals eingenommen.
04:34
Äh äh auch Berlin eingeteilt in vier Sektoren und äh irgendwann, wie gesagt, äh um das abzukürzen, gab's dann eine Mauer, aber
04:44
es gab immer noch diesen, diesen Wunsch, dieser diese Spaltung Deutschlands irgendwie umzukehren, selbst in der DDR war man unter dem Stichwort Konföderation
04:54
bereit, äh dann doch irgendwie wieder so einiges Deutschland herzustellen, zwar in deren Gedanken schon irgendwie kommunistisch geprägt
05:03
Die Nationalhymne der DDR hatte ja das auch äh tatsächlich in den Strophen drin, Deutschland einig Vaterland und die freideutsche Jugend, das war die.
05:12
Jugendorganisation der SED, der sozialistischen Einsatzpartei Deutschlands, also.
05:17
Kommunistischen Partei, die sich Vereinigte mit den Sozialdemokraten neunzehnhundertsechsundvierzig, die wollten ähm äh tatsächlich diesen Dialog nicht abreißen lassen und haben
05:26
Jugendtreffen organisiert und meist zu Pfingsten. Es gab dann also das Deutschland Treffen in den fünfziger Jahren und neunzehnhundertvierundsechzig und jetzt äh deswegen dieser lange Bogen ähm man hat das damals sehr innovativ begleitet mit einem neunundneunzig Stunden Programm
05:41
auf der Berliner Mittelwelle. Ah, ich kriege die Frequenz jetzt nicht mehr zusammen. Ähm aber jedenfalls war das so eine Art Festivalradio und das nannten die dann Sonderstudio.
05:51
Deutschland treffen.
05:51  Einspieler
Fünfzehnter Mai neunzehnhundertvierundsechzig. Zum dritten Mal rüste.
06:01
Berlin zum Empfang der deutschen Jugend. Sonderzüge rattern über die Schienenstränge. Omnibusse und Lastkraftwagen rollen über die Autobahn. MZ und Java knattern Berlin entgegen. Und auch Fahrrad und Boot befördern junge Pfingstgäste. Ja Siggi,
06:16
nun müssten wir unser Sonderstudio so sozusagen einweihen, praktisch vom Stapel laufen lassen.
06:24
Tja, ich muss sagen, ich mache das das erste Mal, hier einen Stapellauf. Wen lassen wir denn das am besten machen?
06:31
Bin hier sehr ungern offiziell so mit Sektflasche an.
06:35
Rumwerfen. Ich weiß nicht, wie man das hier am Stuhl im Studio am besten machen könnt. Na, ich glaube, wir haben da so einen richtigen Mann, unseren Arz.
06:44
Weißt du, der hat da schon so manches vom Stapel gelassen und warum nicht, auch unser Sonderstudio Deutschlandtreffen. Na, von mir aus lassen wir Atze machen.
07:17
Pfingsten in Berlin. Deutschland treffen der Jugend in der Hauptstadt der DDR.
07:30  Jörg Wagner
Und das ist dann so gut angekommen, dass dann irgendjemand sagte letzten Endes, äh wir machen das jetzt äh regulär, aber jetzt nicht
07:39
neunundneunzig Stunden hintereinander auf einer Sonderfrequenz, sondern wir integrieren das in den Berliner Rundfunk. Und äh ich weiß nicht, wie viel Zeit wir haben. Ich kann äh mal so einen Ausschnitt bringen. Ähm ich habe hier was vorbereitet
07:51
wie das damals möglicherweise geklungen hat, das
07:54
klingt nicht so, als würde man sagen, das will ich öfter hören, aber ist ein interessanter Ausschnitt. Wir hören äh Hans Jakubus, der war damals Reporter und der traf irgendwie auf.
08:06
Erich Honecker, also das ist ein Schnipsel, den ich durch Zufall gefunden habe. Es kann sein, dass das so live nicht über den Sender ging, weil das ist wirklich äh eigentlich beschämt. Ich starte mal.
08:15  Einspieler
Wir geben zurück zum Studio DT vierundsechzig. Ja.
08:20
Hier ist der Max-Engels-Platz, wir sind jung und wir wissen, wo es lang geht, wurde eben gespielt und wir wissen, wo es lang geht, Erich Honecker, ja. Kann wirklich sagen, dass diese Jugend weiß, wo es lang geht, ja. Neunzehnhundertfünfzig beim ersten Deutschlandtreffen.
08:33
Die werden wach aber man muss sagen es hat sich herrlich entwickelt.
08:38  Jörg Wagner
Ja, es hat sich herrlich entwickelt, aber letzten Endes muss es etwas gegeben haben in diesem
08:43
Programm, was damals äh nicht aufgezeichnet wurde, damit wir uns das später und vor allen Dingen in diesem Podcast vielleicht auch anhören können
08:50
sondern das war wirklich live live und für zeitversetzte Schalten äh gab es dann auch die Möglichkeit sowas aufzuzeichnen und dann
08:58
tatsächlich an anderer Stelle ins Programm einzuspielen. Äh wir können mal hier ähm so eine Reportage hören. Das war natürlich auch durchtränkt mit viel Propaganda.
09:08  Einspieler
Hier ist wieder der Max Engelsplatz inmitten des Jubels. Beim Deutschlandtreffen, jetzt ziehen gerade die Leipziger vorbei und in ihrer Mitte sind viele, viele Freunde aus Übersee, aus den Nationalstaaten.
09:21
Mehr rüber, inmitten dieses Jubels treffen wir hier.
09:24
Bühne auf der Ehrentribüne. Viele unserer Freunde und Genossen, die sich noch sehr gut ans erste Deutschlandtreffen erinnern können. Erich Setmann, Kollege Erich Setmann, damals Reporter, heute Mitglied der Bezirksleitung Berlin. Wie war's denn damals.
09:37
Treffen. Ja damals äh machte ich die Arbeitgenossen Jacobus, die sie heute machen.
09:42
Ich war Reporter des Deutschen Demokratischen Rundfunks. Ich erinnere mich noch genau, unsere Tribüne, die stand damals am Lustgarten, dort war auch unser, äh, unsere Sprechstelle.
09:51
Wie aus Kannen, es regnete fast den ganzen Vormittag und trotzdem hat die Begeisterung, die kannte keine Grenzen und ich.
09:59
Ein ähnliches, äh eine ähnliche Begeisterung, eine ähnliche Stimmung erleben wir ja heute.
10:05
Vierzehn Jahre danach. Und trotzdem, vielleicht kann ich das noch sagen, gerade jetzt da die Demonstration beginnt und ich mich erinnere.
10:13
Muss ich daran denken, was ich doch eigentlich in diesen vierzehn Jahren alles geändert hat. Mhm. Aus denen, die damals vorbeizogen, sind die Hausherren des Staates von heute geworden,
10:23
die, die heute über den Platz ziehen, das sind doch im Wesentlichen vierzehn bis Achtzehnjährige, die damals noch Kinder waren. Und die aufgewachsen sind in unserem Staat, während damals vieles Hoffnung war, was aus dem Transparenten äh.
10:37
Ist heute Gewissheit und Wirklichkeit und Tatsache geworden. Und ich glaube, grade an solchen Tagen kann man feststellen, was eigentlich aus uns so geworden ist. Und jetzt kann man schon feststellen, wie es in den nächsten Jahrzehnten aussehen wird. Ja, wir haben ein ganz klares.
10:51
Einen ganz klaren Plan, eine klare Vorstellung von der Partei gegeben, hatten wir damals neunzehnhundertfünfzig ja auch und deswegen war ja auch das Deutschlandtreffen damals, ja, so optimistisch von Zukunft.
11:02
Gedanken bestimmt. Dankeschön. An dich. Ein Wort noch. Das ist schon eine Weile her, jetzt Generalstaatsanwalt der deutschen.
11:12
Streit. Welche Gedanken zwischen damals und heute erstes Deutschlandtreffen in dieses hier? Also ich war beim ersten Parlament, Pfingsten neunzehnhundertsechsundvierzig in Brandenburg an der Havel.
11:23
Begeisterung war damals ebenso groß, aber dass wir unterdessen gewachsen sind.
11:31
Wohlstand bei uns herrscht, da sieht man diese Buntheit und Vielfalt dieses Zuges. Und was besonders auffällt, das ist also das besonders unsere Pioniere, die jetzt.
11:40
Marschieren, eine wirklich neue Generation geworden sind. Das war der damalige FDJ Sekretär von Grevesmühlen, Generalstaatsanwaltstreit.
11:47  Jörg Wagner
Ja, da mag man aus heutiger Distanz äh lächeln drüber und das.
11:52
Auch als Propaganda empfinden. Das war es natürlich, aber man muss sich in diese
11:57
Situation hineinversetzen. Da war tatsächlich kalter Krieg in jener Zeit. Die Mauer war da irgendwie ja doch drei Jahre schon und äh die beiden Systeme.
12:08
Argumentierten auch über die elektronischen Medien und in der Sowjetunion war gerade Nikita Großschuff an der Macht
12:16
der ermöglichte es, dass dieser Kalte Krieg sich so ein bisschen abkühlte, also ähm man sprach von einer sogenannten Tau-Wetterperiode. Die DDR durfte plötzlich mehr als vorher noch
12:28
Und äh das war auch fürs Radio wohltuend. Also man hörte plötzlich auch die Beatles
12:34
im DDR Radio. Das war unvorstellbar bis dahin und auch diese lockere Art.
12:39
Die natürlich geprägt war durch die Sprache jener Zeit, aber dass das live war, dass das nicht aufgeschrieben war, dass da nicht jemand mit manus.
12:47
Äh zum Chef ging und sagte, darf ich das so sagen? Das war bis dahin auch im Westradio so, dass sehr viel.
12:54
Gelesen wurde, dass wenig live über die Sender ging. Das war wohltuend und äh das war der Impuls tatsächlich ein Programms
13:02
aufzulegen für Jugendliche. Gar nicht mal so sehr unter diesem Aspekt, äh wir müssen jetzt hier ähm dem Rias Konkurrenz machen, weil der natürlich auch schon stark war, das war der Rundfunk im amerikanischen Sektor, also daher die Abkürzung Rias
13:17
Der SFB sendete schon und an der äh Nahtstelle zwischen Bundesrepublik und DDR
13:25
ähm also das, was die DDR als Staatsgrenze bezeichnete und der Westen als innerdeutsche Grenze, da strahlten natürlich auch andere ähm ARD-Sender rein.
13:35
Bayerischer Rundfunk Norddeutscher Rundfunk und äh sogar Radio Luxemburg war auf Kurzwelle zu empfangen und dann empfand man
13:43
im DDR-Rundfunk schon so etwas wie eine Herausforderung, einen Wettbewerb, ähm die eigenen Jugendlichen äh zu bekommen.
13:52
Und das mit einer entsprechenden Haltung, wir sind die, die ja für euch das Radio machen, weil wir leben ja unter euch und das war der
14:01
Heimvorteil, wenn ich das mal so sagen darf, der dann letzten Endes auch dazu führte, dass Leute dieses Programm anschalteten, trotz dieser teilweise politisch durchtränkten Moderationen, Reportagen und auch Musik. Aber es war
14:15
wenn man so will, so etwas wie jemand, der ähm ähnliche Probleme hatte, wie
14:21
Der, der das Radio einschaltet. Das war beim Rias anders. Da hörte man eben diesen Sender, weil der die neusten Schallplatten aus den USA, die neuesten Charts spielte. Und auch
14:33
gelegentlich gab es politische Sendungen, die man einschaltete, weil ich sage mal, irgendein DDR-Bürger, die
14:39
Staatsgrenze illegal übertreten hat und dort von seinem Leben in der DDR erzählte, was im DDR-Rundfunk nie zu hören war. Sodass der DDR-Jugendliche Aufwuchs eigentlich schizophren mit
14:52
mit West- und Ostradio im Kopf. Manche nur Westradio, weil ihnen das
14:56
Gespiele von DDR-Musik oder von von ungarischer oder polnischer Musik auf den Geist ging, das kann ich alles nachvollziehen, aber DT vierundsechzig dann als Jugendstudio DT vierundsechzig drei, dreieinhalb Stunden in den sechziger Jahren war so etwas wie ähm ja doch,
15:14
die einzige Nahtstelle zu DDR-Jugendkultur.
15:18  Martin Fischer
Das war ja dann auch so die Zeit, wo du dann so angefangen hast, Radio zu hören. Äh du bist neunundfünfzig geboren, das heißt beim Deutschlandtreffen warst du fünf, da warst du wahrscheinlich noch nicht mit dabei vor Ort und bist dann aber schon aufgewachsen in der Zeit, wo's dann DT vierundsechzig zumindest äh in diesen drei Stunden am Vorabend gab
15:34
Hast du das dann als Radio wahrgenommen, das für dich ist oder hast du dann immer auch mal gewechselt zwischen ja äh Rias und DT vierundsechzig.
15:42  Jörg Wagner
Also ich war jemand, der ein Transistor Radio geschenkt bekam, mit fünf Jahren schon, das war weiß gar nicht warum, weil das war in der DDR ziemlich teuer. Es war auch kein DDR-Radio, was ich da bekam, sondern eins in Hongkong hergestellt, das weiß ich noch ganz genau mit einer neuen Volt-Batterie, zwei Transistoren drin
15:59
und das war ein Empfangsgerät für die Mittelwelle. Und da habe ich alles gehört, was da ich auch nur reinbekam
16:06
das hatte bloß den Nachteil, dass irgendwie nach vier, fünf Stunden die Batterie alle war und dieser neuen Voltblock war zu DDR-Zeiten ziemlich teuer,
16:15
und da entwickelte ich schon langsam so etwas wie eine Lust, mir Radius selber zu bauen,
16:22
Das ging dann erstmal los mit Detektoren, aus so einem Bastelsatz und ich hatte nur noch Freunde, die mir halfen. Ich war dann irgendwann auch Mitglied in einer Arbeitsgemeinschaft Elektronik
16:32
und hatte dann auch die Möglichkeit, Kurzwelle zu hören und dann irgendwann später auch Ultra-Kurzwelle, also UKW. Und mich interessierte.
16:41
Dass Radio hören jetzt nicht als ähm was manche so haben, als als Dauerberieselung am Tag. Oder dass sie sagen, wenn sie zum Beispiel Radio eins hören den ganzen Tag, das ist sowas wie ein Familienmitglied. Wenn ich früh morgens aufhabe, schalte ich's an und dann gehört
16:55
das einfach dazu. Wie so zu so einer Familie. Das war bei mir nicht. Ich war immer fasziniert von der Tatsache, dass das, was ich da reinkriege, irgendwo auf der Welt
17:06
stattfindet. Gerade in diesem Augenblick
17:08
Also ich hörte auch sinnlose Kurzfellensendungen, Radio Tirana zum Beispiel. Irgendwann reichte mir das nicht mehr, ist ja klar, weil ich die Sprache nicht verstehe
17:17
und ähm dann habe ich zielgerichtet natürlich Sendung gehört, aber es gab dann gleichzeitig parallel die Entwicklung zum.
17:25
Zum Mitschneiden von Radiosendung vornehmlich von Musik, also alle meine Klassenkameraden hatten entweder einen Kassettenrekorder oder so einen Spulen-Tumorgerät.
17:35
Bastelten sich eigene Radiosendungen quasi zusammen.
17:38
Bei mir war der Wortanteil. Bloß höher als bei meinen Freunden, weil ich immer keine Lust hatte, so wie wie so ein äh Aufpasser immer zu warten, bis der Moderator zu Ende gesprochen hat und dann äh die die Taste zu drücken für die Aufnahme
17:52
sondern ich lies das meist durchlaufen und habe dadurch auch im Radiosendungen vollwertig erhalten, was was eher selten ist,
18:00
tatsächlich alle meist ja nur die Musik hören wollten und nicht das geplappert zwischendurch. Aber das war für mich eben dieses Faszinierende und weil es natürlich, das ist ja heute ähnlich ähm Jugendliche suchen sich immer eine Alternativ ähm.
18:15
Beschäftigung zu den Erwachsenen, zu den Eltern. Die Eltern gucken im Fernsehen damals und man selber ging in sein Kinderzimmer oder ging mit den mit dem sogenannten Kofferradio irgendwie
18:24
raus und konnte sich separieren, abgrenzen von der Erwachsenenwelt. Und das ist ja ähnlich heute mit mit den Smartphones und mit den ähm Mobilen Devices.
18:34
Man dann irgendwie sagt, äh man guckt nicht Fernsehen, äh sondern man hat eben sein sein eigenes Gerät und kann Zeit souverän auch äh Dinge sehen
18:43
ohne immer die Eltern fragen zu müssen. Also in dieser jugendlichen, erwachsenen Phase war das sehr wichtig, äh dass der Transistor erfunden wurde und dass äh man damit außer Haus gehen konnte und das war
18:54
also es man ich sehe noch richtig die Bilder vor Augen, wo so Jugendliche zusammenstehen und einer hatte so ein fettes Kofferradio, heute würde man sagen, Ghettoblaster, aber das war äh hieß im Kofferradio, weil das äh wie ein Koffer aussah, ne?
19:07
Und man hörte dann Musik und meist auch sehr laut
19:11
und man wurde dann auch teilweise beschimpft als biete, weil die Haare wurden ja auch länger in der Zeit. Man passte sich so ein bisschen in seinen äh musikalischen Vorbildern an, trug dann noch Jeans und und äh.
19:22
Stieß dann in der DDR extrem an die Grenzen der der Toleranz. Also es gab.
19:27
Restaurants, da stand dann dran, dass man nicht mit Jeans hinein darf. Ich weiß, ich wurde
19:33
ich kann mich doch ganz genau erinnern in Dresden. Wir nannten dieses Restaurant Fresswürfel, weil das so wie so ein Würfel aussah. Und äh da wurde ich wieder rausgeschickt, weil ich Jeans anhatte.
19:42  Martin Fischer
Was war denn dann so dein Weg äh Richtung Radio? Also wo du dann gesagt hast, okay ich ähm ich ich höre jetzt nicht nur gerne Radio, sondern ich würde da gerne auch mitmachen, weil du vielleicht auch den Eindruck hattest, man kann da tatsächlich in die Welt raussenden und ähm ja, auch bisschen Teilhabe.
19:56  Jörg Wagner
Ja
19:57
Also ich muss dazu sagen, dass ich so ein bisschen vorbelastet bin, weil meine Eltern beim Radio gearbeitet haben. Meine Mutter war beim Kinderfunk und mein Vater war in unterschiedlichen Redaktionen, also in der Zeit, fuhr ich mit dem Radio
20:10
Bekanntschaftsschloss war er Nachrichtenredakteur, also er schrieb aus Agenturmeldungen, verständliche Hörfunknachrichten, das ist ja eine unterschiedliche Herangehensweise
20:20
Also auch schon von der Stilistik her, wenn man Nachrichten liest, dann äh sieht man andere Details.
20:26
Als wenn man das flüchtige Wort nur hört. Später war dann äh beim Jugendfunk, bei hallo dem Jugendjournal von Stimme der DDR. Aber das war nicht,
20:34
Ausgangspunkt, dass meine Eltern nun selber Radio machten, dadurch hörte ich natürlich auch viel Radio, was meine Eltern produzierten und sie
20:42
in Anführungszeichen missbrauchten mich auch gelegentlich mal, wenn sie eine jugendliche Stimme braucht, dann musste ich irgendwas vorlesen, irgendwelche Zitate sprechen. Aber äh der eigentliche Kick war, als ich
20:52
durch Zufall. Vielleicht war da auch irgendwie ein bisschen Absicht meiner Mutter dahinter, Berührung mit äh der Hörspielproduktion auf dem
21:00
Gelände des Funkhauses in Berlin in einer Leberstraße bekam. Ich habe gehört, dass äh die einfach Sprecherkinder suchten
21:10
und habe mich dort beworben. Aber anders als die meisten musste ich keine Prüfung machen, sondern ich kam grad irgendwie vorbei und dann wurde jemand gebraucht
21:19
wie klassischerweise so wie es ist und dann musste ich einen Satz sagen. Ich kann mich noch ganz genau erinnern
21:25
ein Spatz, musste ich sagen. Das war nämlich eine Szene, in dem Hörspiel Pause für Wandska, spielte in einer.
21:32
Einer Schule und da hatte jemand ähm einen Vogel mitgebracht.
21:38
Ein Schüler, ne? Und den dann in einer Unterrichtsstunde losgelassen. Ich weiß nicht mehr, was der eigentliche Grund war, ob er einen Streich spielen wollte oder ob es Biologieunterricht war, jedenfalls musste ich, weil man ja im Radio nicht sieht, dass da ein Spatz umher fliegt, ähm rufen einen Spatz.
21:53
Und dann irgendwie äh bekam ich sogar Geld dafür. Das waren irgendwie so zwei DDR Mark oder drei
22:00
weil das war eine mehrstündige Produktion
22:03
Und dann brat man mich auch für die anderen Teile mitzukommen, weil man immer so Gemurmel brauchte. Also wenn so Schüler, die die Ranzen zusammenpacken und äh
22:12
vielleicht auf den Schulhof stürmen, also äh dann brauchte man natürlich echte äh Darsteller, die auch solche Geräusche produzierten.
22:20
Und dann äh lud man mich immer wieder ein und irgendwann äh war ich da so wie in so einem Team mit integriert und wurde immer wieder mit neuen Rollen konfrontiert.
22:30
Bis die dann irgendwann mal merken, dass ich gar keine Prüfung gemacht hatte. Dann sagten die, na gut, dann nehmen wir die ganzen Hörspiele, wo du mit Maß äh mitgemacht hast, als als Prüfung. Und dann habe ich bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr tatsächlich äh ein Hörspiel,
22:42
mitgewirkt. Ich war der junge Schiller der junge Rennbrand, ich war der Freund von Timur uns entrup, ähm ähm also es waren auch
22:52
teilweise wirklich anspruchsvolle Rollen in drei Personen Stück, wo es um Leben und Tod ging und äh ich musste mit meinen Eltern über den Friedhof laufen und im inneren Monolog meine Gedanken vorlesen. Also das war.
23:06
Sehr, sehr, sehr anstrengend, wie ich fand, aber auch sehr ähm inspirierend und ich sagte in der Schule, in den Leistungen ab,
23:13
weil ich da sehr viel äh vernachlässigte und ähm dann haben meine Eltern gesagt, du musst dich jetzt entscheiden. Arbeitsgemeinschaft Elektronik.
23:22
Und
23:23
der Sprecherkinder im DDR Rundfunk, beides geht nicht. Du musst deine Schule ähm Leistungen wieder stabilisieren und da habe ich mich in der Tat fürs Radio entschieden.
23:34
Und wollte aber nie wirklich zum Radio, weil ich diesen ganzen ähm äh.
23:40
Politik, Ideologie mief, natürlich spürte, nicht in den Hörspielen, das war
23:45
teilweise Unterhaltung und teilweise auch äh ganz humanistische Bildung, aber in den normalen Radiosendungen ging's ja immer um irgendein,
23:54
Planerfüllung oder äh der achte, neunte, zehnte Parteitag war ja ständig äh präsent irgendwie in den Formulierungen und Erich Honecker war nie einfach nur Erich Honecker, sondern immer der
24:06
Generalsekretär der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, also in diesen Formulierungen musste man das immer mitsprechen und das war so langweilig. Also ich fühlte mich teilweise auch abgestoßen, auch von DT vierundsechzig, muss ich ehrlicherweise sagen.
24:21  Martin Fischer
Das wollte ich gerade fragen. Das war das keine Alternative dann zu dem, weil das ja schon, wie wir gerade erfahren haben, auch ein bisschen anders klang.
24:27  Jörg Wagner
Es klang anders auf jeden Fall, aber es war ähm ich habe hier ein Beispiel, das ist ein Mitschnitt vom Deutschlandfunk,
24:36
man hat sich gegenseitig mitgeschnitten zur Feindbeobachtung quasi
24:40
und auch um voneinander zu lernen, aber auch um dem äh geneigten Hörer und der Hörerin im jeweils anderen Sendegebiet zu zeigen, was ist denn los? Also der der
24:49
DDR Rüfung hat Westsendungen regelmäßig mitgeschnitten und und in Deutschland Funk Deutsche Welle und andere haben den DDR-Rundfunk mitgeschnitten,
24:57
das ist so ein Mitschnitt, äh wo äh da geht's um das Panzergefechtsschießen der NVA.
25:03  Einspieler
Das ist unser Angebot heute. In der ersten halben Stunde ein aktueller außenpolitischer Beitrag.
25:13
Gegen siebzehn Uhr zehn sind wir Beobachter eines Panzergefechtsschießens.
25:20
Und in der letzten halben Stunde fand die die vierundsechzig sehen wir uns in einer alten, neuen Berliner Ecke um. Am Berliner Arminplatz.
25:29
Ja. Ja. Der steht hier hinter der Scheibe und wir haben also interessiert zugehört.
25:35
So vom Ton und von der Art ist das so, wie er bei uns nachmittags nur die Themen sind bisschen anders. Genau das ist es. Wer also nicht das Panzerschießen dabei, dann würde man sagen, das kann das also westlicherseits.
25:47
Durchaus auch geben und die jungen Leute hier hören's wahnsinnig gern. Viel engliche Titels drin, viel äh Unterhaltung, relativ.
25:57
Fern war dieses eben eingespielte Beispiel nicht ganz typisch. Hm. Aber immerhin muntere wie in den anderen senden denn da ist.
26:06
In DDR-Schialismus angeht, einfach ein ganz anderes Presseverständnis vorhanden.
26:11  Jörg Wagner
Das war nicht
26:13
der Standard, also das gab's irgendwie zwei, drei Mal die Woche schon irgendwie so ein, wie sagt man immer Knatterbeitrag, also wo man äh irgendwelche Erwartungen von von Genossen aus dem Zentralkomitee der SED,
26:26
der Agitationskommission befriedigte und die gaben manchmal täglich
26:31
aber mindestens wöchentlich Anweisungen heraus, Sprachregelungen, Themen, die im Radio zu laufen haben, was nicht zu laufen hat
26:39
denen es da irgendwann auch mal eingefallen, dass man sechzig Prozent nur Musik spielen sollte
26:44
Also mindestens sechzig Prozent Musik spielen sollte aus dem sozialistischen Lager, also dazu gehörte glücklicherweise auch im Ungarn dazu und Polen, wo es auf vernünftige Rockmusik gab
26:56
aber es durften eben nur vierzig Prozent Westmusik sein. Aber es gab eben auch diese Sprachregelungen. Ich kann mich noch erinnern, als ich in der.
27:06
Anfangsphase bei DD vierundsechzig war, habe ich einen Regiestudenten porträtiert. Henry Köhler war das, der hatte eine Dokumentation gemacht,
27:15
also eine filmische Dokumentation an der Filmhochschule in Babelsberg
27:19
zum sogenannten Haus der Jugend. Das war vergleichbar zu dem Palast der Republik, also ein spezielles Haus, was gebaut werden sollte, nur für Jugendliche. In der Wuhlheide in Berlin gibt's ja immer noch den Pionierpark, da ist ja auch so ein
27:30
Pionierpalast und jetzt sollte die Jugend auch noch so ein Haus
27:33
aber das Geld reichte plötzlich nicht mehr und das Haus, was schon äh im Rohbau da stand, wurde wieder zurückgebaut.
27:41
Er hatte die einmalige Chance, auch diesen Teil.
27:45
Der Rückabwicklung dokumentarisch festzuhalten und machte darüber einen Film und ich sah diesen Film.
27:52
Im äh Neubrandenburg bei einem Dokumentarfilmfestival und dachte äh genial, da kann man ja gleichzeitig auch so die Widersprüche des Sozialismus ähm in einem Interview hineinpacken. Aber das war nicht erwünscht. Es gab eine sogenannte Argumentation nannte sich das, also eine
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Anweisung, wie man zu verfahren hat über das Haus der Jugend wird nicht berichtet,
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Aber ich dachte mir, hm, es ist ja kein Bericht über das Haus der Jugend, sondern über einen Regiestudenten, der einen Film macht, der legal.
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Dokumentarfilmfestival auf Neu in Neubrandenburg lief. Also was in der Öffentlichkeit ist, kann man ja jetzt nicht, dachte ich so ganz naiv damals, äh nicht wieder zurückholend zensieren, aber da stieß ich dann an die Grenzen
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des Systems sehr plastisch und habe mich dann auch tatsächlich mit dem.
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Das hieß Komitee-Vorsitzender, also mit dem Chef, mit dem obersten Chef des DDR-Rundfunks gestritten.
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Weil meine Redaktion hat diesen Beitrag nicht freigegeben. Und dann dachte ich mir, dann äh dann gehe ich doch zu dem obersten Chef, das kann doch nicht sein, das ist doch ein Widerspruch, also äh man zeigt diesen Film und darf's nicht im Radio äh erwähnen, das ist doch Quatsch.
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Und der hat sich dann von mir komischerweise überzeugen lassen, hat dann aber wie so ein richtiger Chef gesagt, aber das schneidest du und das schneidest du. Und da dachte ich nur, okay,
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besser als gar nichts und musste eine Szene rausschneiden aus dem Film, wo die Bauarbeiter Trauerflor um die Baupläne legt.
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Und dann dachte ich na gut, das ist jetzt mir nicht wichtig. Das kann man ja im Film sehen,
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Hauptsache der Regisseur erzählt, wie dieses Projekt praktisch beerdigt wurde. Und dann kriegt's dann doch die DDR-Öffentlichkeit mit.
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Die nicht nur diesen Film sieht, sondern auch DT vierundsechzig hört. Also das waren so seltsame Kämpfe, die man hatte im,
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Spielraum einer Agitationskommission der SED und diese Grenzen auszuloten, das war bei DT vierundsechzig, ich sage mal, fast so eine Art Sportart
29:44
also jeder versuchte, diese Grenzen auszuloten und zu sehen, was geht, da ist viel passiert, auch im im Schutze des Radars haben wir immer gesagt, also in der Nacht zum Beispiel, wenn die Genossen schliefen und nicht hörten
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aber es gab immer irgendwie dann doch
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den Umweg teilweise sogar über Westprint Medien. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, äh da titelte, glaube ich, die Frankfurter Rundschau war das. Ausländerfeindlichkeit auch in der DDR und zitierte dann aus einer DT vierundsechzig Sendung.
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Da ging es tatsächlich darum, dass sich äh die sogenannten Vertragsarbeiter damals, also.
30:18
Die Gastarbeiter bei uns Vertragsarbeiter, die kamen aus Mosambik, aus Angola, aus Kuba, aus Vietnam.
30:25
Und äh die wohnten in speziellen Wohnheimen und hatten natürlich Konflikte mit den DDR-Bürgern ringsrum. Also es blieb ja nicht aus
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Und darüber hatte die Sendung berichtet, aber die lief einfach so ohne Restriktionen und nur über diesen Zeitungsbericht.
30:42
Weil die natürlich im ZK, im Zentralkomitee gelesen wurden, die Westzeitung und ausgewertet wurden, wie ist die Berichterstattung über DDR? Gab's dann plötzlich die Nachfrage, was ist denn da bei euch gelaufen?
30:53
Und dann wurden die beiden.
30:55
Akteure bestraft. Die eine musste auf eine Parteischule, das war schon so was wie eine Strafe. Und und der andere durfte nur noch Sendung im Abendprogramm machen.
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Weil der war kein Genosse. Und im Abendprogramm hatte man ähm weniger Hörer und hatte damit also auch nicht so einen großen Schaden anzurichten,
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Also das sind so so Kleinigkeiten oder ein Kollege von mir, der war beim Jugendfestival in Moskau, wo auch Udo Lindenberg auftrat und zusammen ein Lied sang mit
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und er interviewte Udo Lindenberg, aber der hatte war in Ungnade gefallen bei der SED, weil der dieses Lied ja auch machte, Sonderzug nach Pankow und.
31:35
Honecker, du ziehst ja öfter mal eine Lederjacke an und also das war und hörst heimlich auf dem auf dem Klo Westradio. Das war natürlich eine Beleidigung und deswegen war Olympia ein Tabuthema im DDR-Rundfunk. Aber er interviewte ihn, weil er dachte, naja, wenn der,
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in Moskau beim Jugendfestival.
31:52
Zusammen mit 'ner russischen Sängerin singt dann kann man das doch nicht unterdrücken aber er wusste natürlich dass das Konflikte auslöst und er hatte dann auch Moderationsverbot anschließend.
32:02  Martin Fischer
Kannst du nochmal kurz sagen, wie du denn eigentlich zum Sender gekommen bist, also um das alles zu erleben, ähm was war denn so dein Auslöser, wo du gesagt hast, das ist jetzt vielleicht doch was, was jetzt nicht Hörspiel ist, sondern tatsächlich journalistische Arbeit?
32:13  Jörg Wagner
Ja, eigentlich wollte ich was ganz anderes werden. Ich wollte Kameramann werden und äh habe mich dafür auch beworben. Ich trete auf den besten Probefilm.
32:22
Aber ich versagte, das sage ich jetzt nicht, weil weil ich mich jetzt hier irgendwie nachträglich reinwaschen könnte, aber ich versagte einfach und das
32:30
dokumentiert so ein bisschen, auf wonach ausgesucht wurde in der Marxistisch-Lininistischen Klausur. Also man muss da nicht nur einen Eignungstest machen und Fragen so beantworten, wie wenn sie die Blende um einen Blendenwert erhöhen. Wie viel Licht,
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dann mehr ins Objektiv. Das wollte man schon wissen, bevor man äh studierte. Oder was ist der Goldene Schnitt? Sondern man wollte auch wissen, ob man politisch
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Denken konnte und die Aufgabe dieser Klausur war ähm beschreiben sie den dialektischen Zusammenhang in der Einheit von Wirtschafts und Sozialpolitik der SED seit dem neunten Parteitag
33:06
Und da habe ich eine Seite abgelegt äh und und dachte, das war's, aber ich war irgendwie viel eher fertig als alle anderen
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Die pinselten und pinselten und und schrieben und ich dachte, na ja okay, vielleicht bin ich ja nur irgendwie besser im Formulieren, dann kann das prägnante aufschreiben. Ich hatte mir also keine Sorgen gemacht, weil ich dieses Thema
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durch den sogenannten Staatsbürgerkundeunterricht schon verinnerlicht hatte, dass man,
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grob gesagt nur das ausgeben kann, was man vorher eingenommen hat als Staat und dass der Staat, also die DDR, viel aus dem sogenannten Nationaleinkommen.
33:41
Umroutet in in soziale Vergünstigungen. Also es wurden Ehepaare besonders gefördert, wenn sie ein Kind bekamen,
33:50
Also es gab dann so so Art Geburtsprämien
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oder sie bekamen eher, wenn sie verheiratet waren, eine Wohnung. Und so weiter und so fort. Also das habe ich also aufgeschrieben, aber es war nicht mehr als eine Seite drin in meinem Kopf
34:02
Und dann hat man mir irgendwann äh zu verstehen gegeben, dass ich äh durchgefallen bin in dieser MAL-Klausur und man
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kam sogar nach Hause und sagte zu meinen Eltern, äh ihr Sohn sollte was anderes studieren.
34:14
Äh aber nicht was mit Politik, weil das äh ist nicht so seine Stärke.
34:19
Und meine Eltern waren völlig entsetzt, weil weil sie gar nicht vermuteten, dass ich so ein dumpfbackiger äh Staatsbürger war,
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das ist also so was nicht aufschreiben könnte. Aber so war's dann, ne? Und dann habe ich ähm äh Theaterwissenschaft studiert und wollte eigentlich Dramaturg am Theater werden oder irgendwas mit Theater machen.
34:36
Und merkte aber, das war so in der Todeszone der DDR, dass viele Stücke gar nicht auf die Bühne kamen
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Und ähm ich war zum Beispiel bei so einem ähm am Kindertheater Theater der Freundschaft hieß das, in der Parkau in Lichtenberg
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war ich sozusagen als Regieassistent quasi, ist offiziell kein Regieassistent, aber ich war da als im im Praktikum und habe da viel Regieassistententätigkeiten gemacht, bei dem
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Schwarz, der nackte.
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König und das war so ein so ein Mix aus verschiedenen äh Märchen, aber letzten Endes in der Diktatur von Stalin entstanden und jeder, der.
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Nur einigermaßen klar denken konnte, sah natürlich in der Hauptfigur Honecker. Und die Kinder waren natürlich total überfordert. Die sahen nur das Märchen, aber.
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Letzten Endes gab's riesengroßen Krach, ob dieses Stück überhaupt erscheinen darf. Und ich hörte dann auch von anderen Bühnen, dass Stücke zurückgehalten werden
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und und dann dachte ich mir, nee, das ist nicht mal, das ist nicht der richtige Beruf. Wenn ihr irgend so ein Kulturfunktionier sagen kann, was Kunst ist, womit wir unsere Leute beglücken und ähm ich hatte dann plötzlich.
35:40
Keine Lust mehr auf diesen Beruf und dachte mir, äh dann mache ich liber Radio, weil Radio war.
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Aus meiner Perspektive damals und auch der aus der heutigen, das freieste Medium. Also das, was du sagst, in dem Augenblick, wenn du live auf Sendung bist, ist draußen.
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Mit dem Risiko natürlich, dass das irgendwelche Leute äh blöd finden. Da gab's dann auch eine magnetische Aufzeichnung, die äh mehrere Tage.
36:06
Glaube sogar Wochen auch gespeichert wurden, um.
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Irgendwelchen Beschwerden nachzugehen. Eine Kollegin ist das ja auch passiert. Äh die wurde dann strafversetzt, weil sie äh.
36:17
Unangenehm aufgefallen war, mit dem Sport Nick, genau. Silke Hasselmann.
36:20  Einspieler
Ein sehr grauer, trüber Novembertag kann ich mich erinnern. Aber sicher kommt auch ihr manchmal ins Bäumen, zum Beispiel Zeitungen aufschlagt.
36:29
Und ich sah auf der Seite zwei und ich dachte mich hört der Schlag. Diese kleine Notiz der zufolge der nicht mehr ausgeliefert wurde. Gesprächsstoff liefern sie allemal und heute ganz besonders,
36:41
Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich ähm dachte.
36:47
Jetzt ist Feierabend, das kann das kann nicht wahr sein. In den Nachrichten nicht vermeldet wurde, gab es neben dem Lottogewinnzahlen und,
36:54
weil Oberliga-Tipp diverse andere Codes Meldungen, die für eine an- oder auch aufregende Diskussion im Kreise denn lieben und Freunde
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suchen könnten. Leider können wir uns ab sofort in einer Zeitschrift weniger informieren, aber das
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Zurecht gab es doch eine Ausgabe auch schon nicht. Diese Auslieferung Unregelmäßigkeiten können wir uns natürlich nicht leisten.
37:19
Ich habe dann also angefangen, zunächst äh diesen Song von der Band Six Six Bootnik zu spielen, kam von diesem Bandnamen auf den Sputnik, sagte, wenn ich mich richtig erinnere sinngemäß.
37:30
Unter anderem, dass heute ein Sputnik abgestürzt sei und ähm habe mich dann selbst vorgestellt mit und am Mikrofon Silke Hasselmann mit. Und dann wurde der Song von Pankow auf Zeile eingestellt, dran gespielt, ausruhen den Augen.
37:55  Jörg Wagner
Aber was ich damit sagen will, ist, dass ich trotzdem das Gefühl hatte,
37:58
einerseits gut ausgebildet gewesen zu sein im DDR-Rundfunk, also stimmlich und auch fast so die Funkdisziplin angeht, also ich war teamfähig in einem
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arbeitsteiligen Prozess. Er wusste, wie das Medium Hörfunk funktioniert, hatte zu Hause auch
38:14
Ministudio, sage ich mal jetzt, äh ganz vorsichtig. Also sie hatte einen Mischpult, ein Mikrofon schon, habe meine eigenen Hörspiele gemacht, auch für den Unterricht. Da gab's ja auch im russischen und englisch Unterricht Möglichkeiten, wo man so eine Sprach ähm Hörspiele
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produzieren konnte und dann äh zum
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hören und verstehen, für andere Klassen bereitstellen konnte. Also das hatte mir schon immer Spaß gemacht, so nebenbei, habe auch Umfragen gemacht in der Schule zum Thema Fasching, kann ich mich noch erinnern.
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Also äh das war so eine Art Leidenschaft, ein Hobby von mir,
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Aber ich hatte nie gedacht, daraus einen Beruf zu machen. Und erst in der Konfrontation mit den Schwierigkeiten und äh Frektionen am Theater und und dieser dieser auch,
38:52
die sich breit machte in den letzten DDR Jahren, wo man auch äh bei älteren Kollegen sehr starke Resignationserscheinungen sah.
39:00
Dachte ich mir, nee, ich ich gehe zum Radio und wenn ich dann nur überwintere erstmal und dann fügt sich das vielleicht irgendwann
39:09
man hört ja auch von vielen äh berühmten Leuten, einschließlich Manfred Krug, dass der gerade Weg nie der Richtige ist, sondern dass gerade durch das.
39:16
Biegen in Umleitungen man viel reifer wird und interessante Lebenserfahrungen macht und damit habe ich mich dann getröstet,
39:23
bewahrt mich noch während des Studiums bei DT vierundsechzig für einen Hörfunkpraktikum. Das war möglich, weil wir hatten auch eine Hörfunkausbildung. Also das war an der Humboldt-Uni ein,
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Also ich muss im Nachhinein sagen, eine super Ausbildung, weil man sich auch als Student selber den Stundenplan zusammenbasteln konnte. Natürlich gab's so paar Pflichtveranstaltungen, richtig. Also Theatergeschichte war ja Pflicht, klar. Theorie der darstellenden Künste, aber wir hatten auch Hörfunkseminare, Filmseminare,
39:47
wir hatten eine kleine Schauspielbühne. Wir konnten uns da total austoben.
39:53
Dann blieb ich tatsächlich bei DT vierundsechzig hängen, weil ich mich dort für 'n Praktikum beworben hatte und machte dann also während meines Studiums schon Radio auch für den Senderstimme der DDR, sich stellte
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quasi für eine junge Zielgruppe, Film, Fernsehen und Theaterproduktion vor. So, man könnte fast sagen, ich war so ein,
40:10
Mini-Theater-Kritiker und Filmkritiker, aber ich habe meine Meinung nie äh äh dem Hörer aufgedrückt, sondern immer nur gesagt, was mir an Filmen gefallen hat und was nicht.
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Ich war jetzt nicht so der Oberbescheid
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der der sagte, das ist gute Kunst und das ist schlechte Kunst, darum ging's mir gar nicht. Sondern einfach neugierig machen für für äh künstlerische Prozesse.
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Und dann, um das abzukürzen, hatte ich natürlich dann am Ende des Studiums das Gefühl, das könnte es eher sein als Theater.
40:40
Bewarb mich dann bei DD vierundsechzig und die hatten natürlich keine feste Stelle, das war nicht vorgesehen.
40:46
Dass da einfach so ein Quereinsteiger kommt, sondern der normale Weg ist ja, dass das äh Journalisten äh in eine Journalistenausbildung gehen und die über Anna Karl Marx Universität in Leipzig.
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Und ähm es gab natürlich immer mal wieder Quereinsteiger, darauf hat DT vierundsechzig auch Wert gelegt, dass Leute, die.
41:03
Ahnung von Musik haben, äh jetzt nicht Musikwissenschaft studiert haben, weil die zwölf Tonnen Musik von Arnold Schönberg nicht das Genre ist, was,
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dort bei dir die vierundsechzig den ganzen Tag lief, sondern äh da war, da war es wichtig, ob die Leute Kontakt hatten zum zum Bandalltag von Musikern, zur Jugendkulturszene, wie Lutz Schramm zum Beispiel. Und äh da,
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witterte ich meine Chance, aber ich bekam keine feste Stelle, sondern ich war, was völlig untypisch war für den DDR-Rundfunk, freier Mitarbeiter. Auf äh einer Pauschalbasis, also ich musste eine Summe X an Beiträgen liefern
41:36
alles, was ich darüber hinaus machte, wurde mir extra vergütet.
41:40
Ich war so was wie eine Arbeitsbiene und da man gleichzeitig auch den äh zwanzig Stunden Ausbau vorantrieb, also ich hatte ja anfangs erwähnt, dass das dreieinhalb Stunden waren und manchmal auch drei Stunden am Nachmittag
41:50
und man plante, schon Anfang der achtziger Jahre, als ich äh anfing zu studieren, einen Jugendkanal. Der ist dann neunzehnhundertsechsundachtzig erstmal technisch fusioniert mit dem äh Senderstimme DDR und dem hallo
42:03
Magazin und Notenbude und Bikiste und wie die alle hießen.
42:07  Martin Fischer
Den anderen Jugendformaten, die es damals auch noch gab.
42:09  Jörg Wagner
Genau, wurden erstmal technisch vereinigt, ab dreizehn Uhr bis Mitternacht auf einer, also das war die fünfundneunzig null fünf, Megaherz damals.
42:17
Und dann wurden, weil man ja noch nicht vor sechzehn Uhr sendet, aber schon eigentlich ab dreizehn Uhr senden wollte, wurden dann so paar Formate entwickelt. Erstmal so im.
42:27
Also das war sehr provisorisch alles, aber man bespielte diese UKW-Frequenz.
42:32
Und daraus entwickelte sich dann neunzehnhundertsiebenundachtzig am ersten Dezember das zwanzig Stunden Programm und da suchte man natürlich Moderatoren, weil man viel mehr Fläche jetzt ähm bespielen musste.
42:42
Ich fing am ersten September neunzehnhundertsiebenundachtzig an und am ersten Dezember startete das zwanzig Stunden Programm und in dieser Zeit hat man mich ins kalte Wasser geschmissen. Also in diesen zwei Monaten, um zu sehen, ob ich überhaupt äh leifähig bin, ob ich stressfähig bin und
42:56
war das Schöne an diesem äh also praktisch Jugendsender dann ja doch schon, dass man da ähm nicht erst zwanzig Jahre.
43:05
Arbeiten musste, um sich hochzudienen, sondern ich habe alles gemacht. Ich habe Nachrichten geschrieben, ich habe Sportmoderation gemacht, obwohl ich da nichts so mein.
43:13
Äh Kompetenzfeld habe, aber man hat alles durchlaufen
43:18
man war auch, ich sag mal, Redaktionsassistent und hat 'n großen Moderator die Tasche getragen und und Manuskripte geschrieben und hatte dafür kein.
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Geerntet, weil der ja die die fremden Texte dann so vorgelesen hat, als wären seine eigenen gewesen. Also das war aber,
43:33
immer so einen Teamgedanke, so ähnlich wie bei einer äh Radsportveranstaltung, wo jemand für den äh Radstar sozusagen.
43:40
Vorausfährt, damit er im Windschatten sich ausruhen kann und dann wieder umgekehrt, ne, also dass das war so äh tatsächlich ein ein Gefühl, was mir gefallen hat
43:49
und dass man ähm so viele unterschiedliche Genre auch ausprobieren konnte. Also ich habe da auch damals meine Leidenschaft zur Collage entwickelt, was in anderen.
43:58
Häusern überhaupt nicht ging, also eine zwei Stunden Collage, äh wo wo konnte man sowas machen?
44:04  Martin Fischer
Postet das auch äh grundiert von den Hörerinnen und Hörern, also war das dann auch was, wo die äh Rückmeldungen dann waren. Toll, dass sie jetzt A so lange sind und B, dass ihr auch solche Sachen ausprobiert.
44:13  Jörg Wagner
Ja
44:14
war das, was mich am meisten verblüfft hatte, weil ich natürlich auch diesen ganzen Vorwurf äh ja aus meinem näheren Umfeld kannte, Ostfunk, ja, wir hörten Ostradio und so.
44:25
Gab mehr als man dachte, selbst in Westberlin.
44:27
Vierundsechzig äh gehört, also nicht nur pflichtmäßig beim Rias, wie man Olaf Leitner äh später erklärte, sondern es war tatsächlich auch also eine
44:37
große Fangemeinde da, das merkte man zum Beispiel äh wir machten am Sonntag.
44:43
Morgen. Natürlich auch unsere Frühsendung morgen Rock hieß die. Aber wir hatten natürlich am Sonntagmorgen äh nur eine verbinderte Kapazität und meist passiert ja am Wochenende auch nicht so viel, wie in einer Woche. Also es war keine aktuelle Sendung
44:56
sondern da telefonierten wir mit den Hören und Hörern, machten so Spielchen. Und da riefen die Leute live an und dann auch aus Westberlin. Und das war,
45:05
völlig normal, weil es gab irgendwie nur achtzig Leitungen äh um um da durchzukommen, musste man schon Glück haben, aber es passierte, dass dann irgendjemand sagte, ja, er ruft aus der Karl Marx Straße an und ich sagte dann Karl-Marx-Allee, nein Karl-Marx-Straße. Aus dem Westen.
45:20
Und dann sage ich, wieso hörst du denn äh DT vierundsechzig? Habe den.
45:23
Eigene Sendung. Es sind so auch ein bisschen so provozierenderweise. Und und die sagten, nee, das kann man nicht hören. Ihr macht ja äh euer, euer Horizont ist ja viel breiter, also auch musika,
45:31
das war tatsächlich auch so ein so ein Alleinstellungsmerkmal, dass wir eben nicht nur angloamerikanischen Rock spielten, sondern also querbeet bis hin zu Klassik. Wir hatten eine Sendung ad Libitum.
45:42
Das war herrlich. Also da da gab's überhaupt keinen Widerspruch zwischen äh einem Rockmusikgefühl und dann zu wissen, was Mozart eigentlich so alles so komponiert hat und dann auch so ein Stück erklärt zu bekommen
45:53
dass das äh fanden unsere Höhe, also es war ja ein Einschaltpunkt, aber man muss, war ja nicht gezwungen, durchzuhören. Es gab.
46:00
Mehrere äh Ein- und Ausschaltimpulse und man konnte aber trotz der unterschiedlichen Genres, wenn man wollte, natürlich weiter hören,
46:09
ohne dass das einen als Fremdkörper vorkam, weil die Ansprechhaltung war.
46:13
Die selbe. Also es war bei Klassik jetzt nicht so, wie man das so aus Klassik Radius äh kennt so. Meine Damen und Herren, hören sie jetzt.
46:19
Ja? Aus dem äh Köcheverzeichnis ziehen wir jetzt folgenden Noten. Nein, es war organisch alles.
46:26
Ist äh natürlich auch durch das Layout, durch die Dringerkultur und und durch die kürzeren Nachrichten, als bei den äh etablierten Sendern, also wir hatten immer nur drei Minuten.
46:36
Nachrichten am im Frühprogramm hatten wir sogar nur zwei.
46:40
Dann auch noch zu völlig untypischen Zeiten äh einsetzen, nämlich äh fünfzehn und fünfundvierzig. Also immer dann, wenn die anderen Musik spielten?
46:48
Nachrichten und wenn die Nachrichten hatten, hatten wir Musik. Das haben wir uns ausgedacht und es funktionierte. Wir haben viel mehr.
46:56
Live moderiert im Sinne gesagt, das, was uns einfällt, als vom Blatt abgelesen. Das war nicht so typisch
47:03
auch, auch wie gesagt fürs Westradio war das lange Zeit nicht das vorherrschende Stilmittel zu improvisieren vom Mikrofon,
47:11
das gestattete man höchstens in der Musikmoderation.
47:15
Zeit lang, ja? Also da war dann auch der innere Kampf, habe ich mir mal dann von von einem Rias-Redakteur erzählen lassen, ähm da gab's jemand, der saß an einem eben an der Diskothek, spielte seine Platten ab, durfte dann auch ein bisschen extemporieren und dann gab's den politischen Redakteur.
47:30
Der war unter einer anderen Beobachtung, ich sage mal, Qualitätskontrolle, ja. Zensur gab es ja im Westradio angeblich nicht, aber es gab schon sowas wie wie ein Chefredakteur, darauf achtete
47:41
das Wort Beiträge eben auch nur drei Minuten liefern und nicht drei dreißig. Das war bei DT vierundsechzig zwar auch so, aber wir hatten mehr
47:48
die Grenzen eben zu verschieben und zu testen und zu überlegen ähm was kann man da machen? Und es
47:55
ständig Pflicht abhöre in der eigenen Redaktion, also die mussten um vier Uhr auch aufstehen und und das Frühprogramm abhören und dann gab's um acht Uhr immer die Geotine, so habe ich das immer empfunden
48:04
man kam völlig erschöpft nach vier Stunden äh Frühprogramm in die Redaktion und dann wurde erst wurde man hingerichtet quasi. Wann man äh äh um wie viel Uhr die Uhrzeit falsch gesagt hatte oder ähm wo ein
48:17
Interview, was nur für zwei Minuten vorgesehen war, plötzlich zwei dreißig dauerte.
48:22
Das war schon ziemlich hart und in dieser Zeit hatte ich dann auch so paar psychische Probleme, also der Leistungsdruck war enorm. Und ähm.
48:31  Martin Fischer
Zusammen, dass ihr so, dass ihr dann so das Programm ausgeweitet habt, dass dann wirklich so viel gemacht werden musste.
48:38  Jörg Wagner
Naja, das äh also der der Leistungsdruck kam eher, weil weil man ständig unter Beobachtung war. Das war ich nicht gewöhnt. Also alles, was man natürlich im Radio machte, war öffentlich. Und es hat nicht allen gefallen. Das ist ja auch normal, aber das kannte ich nicht.
48:53
Also ich war bis dahin ja also die die Hörspielgeschichten, die liefen ja als Aufzeichnung und man hatte nie das unmittelbare Feed.
49:04
Man wusste aber, aus der Klasse zum Beispiel, aus der Schulklasse, äh dass die gerne diese Hörspiele hörten.
49:09
Man kam nach Hause, knallte den Ranzen in die Ecke und trete den Berliner Rundfunk an und dann gab's immer ein Hörspiel,
49:15
vierzehn Uhr dreißig sollte. Das war immer so die Strecke. Und und wenn man dann auch noch in der Frühsendung ein Hörspiel hatte, das waren so Mini-Hörspiele, Familie hießen die. Dann war man sogar ein kleiner Star.
49:26
Also da war man nicht irgendwie in irgendeiner Kritik, sondern es war sehr harmonisch und in dieser Wendezeit.
49:34
Also bevor die DDR krachend ging, war der Druck einfach extrem. Man wollte seine eigene Haltung ja nicht.
49:44
Hinten anstellen, also man wollte schon auch äh zeigen, dass man Widersprüche in diesem Leben erkennt. Ich kann mich noch ganz genau erinnern. Das kann ich auch jetzt einspielen. Als ich ein Interview machte mit ähm Andreas Dreesen, einem berühmten.
49:58
Heute berühmten äh Regisseur und ich wusste, dass das am sechsten Oktober neunzehnhundertneunundachtzig laufen sollte im Frühprogramm, das Interview.
50:08
Und ich wusste aber auch, dass das nicht als Interview laufen kann, also weil zwei Minuten
50:14
dass dabei über man kriegt kein Interview, denn das sind zwei Fragen, zwei Antworten und ich dachte, aber um möglichst viel Impact in dieses Interview zu bekommen, gebe ich nur Stichworte vor und er muss quasi ergänzen und habe ihm natürlich Stichworte genannt,
50:28
die provozieren mussten. Auf jeden Fall und die die Folge war, dass dieses Interview oder dieses.
50:35
Stichpunkte Ergänzungsspiel nicht gesendet wurde, weil es vor dem Republiksgeburtstag.
50:42
Der siebte Oktober, also der Nachfolgetag war sozusagen der vierzigste Geburtstag der DDR, dass das da.
50:49
Nicht genehmbar. Also man äh sagte mir wortwörtlich vorm Geburtstag äh kritisieren werden die DDR nicht mehr.
50:56  Einspieler
Ich sage ein Stichwort und du erzählst mir, was dir daraufhin einfällt. Konrad Wolf. Sein Umgang mit unserer.
51:03
Wirklichkeit, die unbedingte Ehrlichkeit in seinem künstlerischen und auch gesellschaftlichen Anspruch.
51:11
Dokumentarfilm. Der unmittelbare Kontakt mit Wirklichkeit nicht.
51:16
Gebrochen durch eine künstlerische Gestaltung schon, sondern das unmittelbar aufeinander zugehen, Leute kennenlernen, reden.
51:22
Die Oberfläche gucken, Studium, eine Möglichkeit sich auszuprobieren, auch zu spielen.
51:27
An der Filmhochschule äh hat man die Chance, sich entwickeln zu einer Persönlichkeit und dadurch, dass man eben viel testet. Simbapfwe. Ja, ein wahnsinniges Erlebnis, ein.
51:38
Ganz beeindruckender Frühling, wo wir in diesem Jahr die Chance hatten, zwei Dokumentarfilme zu drehen, eine Chance, über den sonst etwas engen Horizont.
51:49
Hinauszusehen und sich mit fremder und eigener Wirklichkeit zu beschäftigen. Realismus.
51:56
Eine ganz wichtige Methode, künstlerischer Welteneignung für mich und eine wesentliche Bedingung für Wahrhaftigkeit im Umgang mit Menschen.
52:05
Des Streits. Fällt mir ein ganz konkretes Beispiel ein vor einem Jahr, haben wir.
52:12
Film gedreht über einen jungen Soldaten.
52:15
Der zur NVA angerufen wird, der auch ungeheuer viele Probleme angesprochen hat, Dinge, die ihm das Leben dort nicht gerade leicht machen.
52:23
Der Film hatte zu Anfang eine relativ große öffentliche Resonanz. Es.
52:28
Heftigste Diskussion. Dann nicht gezeigt, für ein halbes Jahr, jetzt läuft er hoffentlich wieder. Ich wünsche mir eigentlich, wenn ich das Stichwort Kultur des Streites höre, dass man Toleranz lernt.
52:39
Man die Meinung anderer akzeptiert, auch wenn sie vielleicht einem nicht gerade bequem ist und dass man einander auch zuhören kann im Umgang miteinander.
52:47
DDR, für gehen weg und ich habe einfach Angst, dass noch mehr gehen und da ich in diesem Land hier leben will.
52:56
Beschäftigen mich natürlich die Ursachen, wenn Leute weggehen. Und ich halte eine Auseinandersetzung damit, bei uns für ganz wesentlich. Grade jetzt, wo wir vierzig Jahre alt werden. Musik, ja, da mag ich Sachen mit Biss.
53:09
Da fällt mir ein, da fällt mir ein Pankow und eins ihrer schönsten Lieder von der letzten Platte.
53:32  Jörg Wagner
Dieses Interview lief das erste Mal dann in Hannover bei FFN, in Isernhagen. Das war nämlich ein privates Radioprogramm.
53:42
Sich nach der Wende für DT vierundsechzig Interessierte, wir wollten uns kaufen.
53:47
Und da sind wir hingeflogen und um uns vorzustellen einfach. Und da brachte ich dann dieses Tonband mit und sagte, das ist damals nicht gelaufen, aber jetzt die Radiopremiere. Also das sind so verrückte Zeiten gewesen, weil.
54:01
Trotzdem, wie in der Wendezeit ähm unwahrscheinlich an Popularität noch zugenommen haben. Also ich will mal sagen, äh das war die die ähm
54:11
Das Highlight überhaupt in einer Zeit, wo es keine politische Regulierung gab, wo es entfesseltes Radio geben konnte, wo keiner sagte, was richtig und falsch ist. Ähm also auch nicht
54:21
im Sinne der Bundesrepublikanischen Rundfunkfreiheit, wo man ja auch relativ viel sagen kann, aber es gibt dennoch Grenzen in der Bundesrepublik, was.
54:31
Ähm tatsächlich
54:33
verbreitet werden darf. Also es fängt schon an beim Verkehrsservice, das hat sich alles gelockert, aber als ich ähm in die ARD ging, das war neunzehnhundertzweiundneunzig
54:42
durfte man im Verkehrsfunk nicht sagen, wegen einer Demonstration am Kurfürstendamm
54:48
gegen äh die Umweltpolitik des Senats ist die Straße von X bis Y gesperrt oder so, sondern da hieß es, wegen eines Straßenumzugs ist folgende Straße gesperrt
54:58
Also man durfte nicht indirekt quasi eine Demonstration populär machen, weil sie den ganzen Tag durch den Verkehrsservice lief. Also
55:07
absolute ähm Neutralität war geboten
55:11
Und äh auch auch Meinungsjournalismus war nur durch ein äh durch die Kennzeichnung als Kommentar gestartet. Mir hat mir vorgeworfen, ich hätte zu viel Haltung in der Moderation. Also man musste mich sozusagen abtrainieren.
55:24  Martin Fischer
War das was, was generell DT vierundsechzig äh Menschen dann so ausgezeichnet hat, dass die wirklich dann so grad in der Endzeit DDR und in den wilden Wendejahren dann wirklich auch so eine ganz eigene Haltung zum Radio und zur zum Journalismus entwickelt haben?
55:38  Jörg Wagner
Ja, ich glaube, das war auch das tatsächlich das Markenzeichen ähm dieses Senders ich würde das gar nicht mal parteipolitisch verorten oder mit Links beschreiben, sondern wir waren
55:48
was man äh Jugendlichen gern zuschreibt, eher sowas wie rebellisch. Also widersprachen gern. Oder oder oder zeigt ein andere
55:57
Wege als die konventionellen, also wir waren Anti-konservativ vielleicht, kann man das so bezeichnen? Oder wir wir wollten einfach ähm Sauerstoff in irgendeine Entwicklung hineinblasen
56:07
natürlich haben wir auch äh zum Beispiel mit Fiat, kann ich mich erinnern und mit der deutschen Verkehrswacht Leute vorbereitet auf eine Fahrprüfung. Also
56:16
mit dem ADAC auch noch im Rücken, das ging überhaupt nicht, aus dem Verständnis der Radio einhundert Leute in Westberlin, in Kreuzberg, die sagten, also mit dem ADAC, das ist so ein Lobbyverein, äh da arbeiten wir nicht zusammen. Wir haben's gemacht. Also wir waren
56:29
nicht wirklich parteipolitisch fixiert, im Gegenteil, wir machten so eine Sendung wie Veto, zwei Stunden lang Talk, wo auch äh junge Neonazis mit am Tisch saßen.
56:39
Also wir haben wir empfangen Demokratie nachdem die DDR das ja nur im Namen trug schon so, dass jeder zu Wort kommen soll,
56:47
Hatten aber natürlich eine eigene Haltung. Also ich habe nicht mit Neonazi diskutiert so nach dem Motto äh äh so ganz naiv, erzähl mal, was ist denn das Schöne oder so, sondern habe natürlich meine Haltung dagegen gesetzt. Also man konnte mich schon irgendwie verorten, aber ich war nicht
57:01
jemand, der Zensuren verteilt hat oder oder der gesagt hat, was richtig oder falsch ist, sondern unsere Aufgabe empfanden wir in diesem Demokratisierungsprozess nach der Wende, in der Selbstfindung, allen eine Stimme zu geben
57:14
Und in diesem Prozess zu moderieren irgendwie. Und das wurde aber missverstanden.
57:20
Ich sage mal, von denen, die äh früher DT vierundsechzig überhaupt nicht leiden konnten. Äh die sagten, da ist immer noch der Blauhelmsender, hätte ich blau Helm, blau Hemd
57:30
blau Hemdsänder, äh also,
57:32
Blauhemd war sozusagen das Pflichtkleidungsstück von äh der Jugendorganisation. Und die meinten, man kann sich nicht plötzlich wenden um hundertachtzig Grad und so. Das war nie das Ding. Also es gab natürlich so die sogenannten Wendehälse
57:45
Wenn man mit angezogener Handbremse die ganze Zeit fährt und dann sagt plötzlich jemand, du musst jetzt nicht mehr bremsen, dann ist derjenige ja nicht in seiner Haltung.
57:55
Plötzlich ein ein Wendehals, weil er die Handbremse löst, sondern er freut sich, dass er endlich das machen kann, was er schon immer wollte. Und davon gab es sehr viele bei DT vierundsechzig. Die
58:04
quasi unterdrückt, kastriert, äh nie die Hoffnung hatten, mal entfesseltes Radio zu machen, aber dann war es plötzlich da, also eine äh geschichtliche Fügung, aber wir hatten das
58:14
schon vorbereitet insofern, als dass wir immer ständig diese Handbremse zwischendurch mal lockerten und dann eins auf die Mütze bekamen
58:23
Ähm also ich will nicht sagen, dass wir Helden waren. Das das ist äh das wäre übertrieben. Muss man mal überlegen. Also es gab die Bundesrepublik und es gab die DDR. Und wenn man dazwischen wählen musste
58:32
und man die Hoffnung hatte, in der DDR mit mit Reformen oder mit mit in so einer Jugendsendung etwas bewirken,
58:39
können, dann ist das ja jetzt nicht unbedingt, dass man dann Propagandist ist, sondern man äh hat sich entschieden, dass das der Weg ist, auf dem man's versuchen will
58:48
das war, das war uns allen gemein. Wir wir wollten, dass das System verbessern, ja, das kann man schon so sagen.
58:55  Martin Fischer
Warum war denn dann kein Platz mehr in im wiedervereinigten Deutschland für DT vierundsechzig? So richtig wollen ja dann das Programm keine haben. Also ich habe auch so ein bisschen nachgelesen, dass das dann mehrmals ähm Seiten fahren, bis es dann letztendlich dann doch so ähm ja Anfang der Neunziger.
59:10
Abgeschaltet wurde.
59:12  Jörg Wagner
Na, das ist keiner haben wollte, das stimmt so nicht, sondern man muss sich das wieder unter der Perspektive der Medienpolitik ansehen. Also.
59:21
In dieser.
59:22  Martin Fischer
Keiner haben wollen.
59:23  Jörg Wagner
Nein, das weiß ich nicht. Also äh es, es, es, es war einfach nicht vorgesehen. Also man muss sich das so vorstellen, die DDR hat sich quasi durch die Wahl am achtzehnten März neunzehnhundertneunzig selber
59:34
abgeschafft
59:34
äh mit der Perspektive einer Vereinigung nach Artikel dreiundzwanzig des Grundgesetzes, dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland und ab da.
59:44
Ähm also auch die die Perspektive von vierundsechzig nicht mehr gegeben, weil
59:49
Das sah einfach kein äh Staatsfunk mehr vor. Und das war ja, also Regierungsfunk war es quasi, weil es beim Ministerrat angedockt war. Und wenn man die Rechtsordnung der Bundesrepublik sich ansah, gab's eben nur zwei
1:00:00
Formen, entweder den Privatfunk, deswegen also FFN in Niedersachsen
1:00:04
interessiert sie sich für uns, um aus der Erbmasse der DDR noch was rauszubrechen? Die haben uns ja gerne haben wollen, bloß sie bekamen aufgrund der Rechtsordnung nicht alle achtzehn UKW-Frequenzen
1:00:15
sondern man sagte denen, naja, vielleicht kriegt er die in Dresden,
1:00:18
Also es gab keinen nationalen oder halbnationalen, privaten Hörfunk in jener Zeit. Man musste das immer in der jeweiligen.
1:00:26
In dem jeweiligen Bundesland anmelden. Ne? Und dann konnte man dann lokal quasi für ein Bundesland Radio machen und.
1:00:34
Das äh war für FFN dann wieder uninteressant, weil die natürlich sich äh Werbeeinnahmen versprachen, durch diese DDR-Weite oder dann fünf neue Länderweite
1:00:45
Frequenzenkette und als das nicht mehr gegeben war, rechnete sich das nicht mehr. Also blieb im Prinzip nur noch eine öffentlich rechtliche Alternative übrig
1:00:51
Und da war es so, dass ich in der Zeit ähm äh der Mitteldeutsche Rundfunk bildete.
1:00:57
Norddeutsche Rundfunk hatte schon von vorneherein gesagt, dass er in Mecklenburg-Vorpommern die D vierundsechzig nicht übernehmen wird, klar.
1:01:05
Also was heißt klar? Also das war für die äh sie sie wollten den NDR einfach aufschalten und fertig ist. Während der MDR war ja eine Neugründung,
1:01:15
und es gab noch den Versuch mit dem SFB und dem norddeutschen Rundfunk und.
1:01:22
Das was später dann ORB Ostdeutscher Rundfunk hieß, sowas wie Nora hieß das, also Nordostdeutsche Rundfunkanstalt zu gründen, aber auch auf einer öffentlich rechtlichen Konstruktion, das scheiterte
1:01:34
wie viele übereinstimmt sagten an der Arroganz des SFB, der nämlich eigentlich auch nur das wollte, den SFB auf die Frequenzketten der ehemaligen Bezirke Neubrandenburg, Schwerin und Rostock zu schalten, also was heute in Mecklenburg-Vorpommern ist
1:01:47
Und das machte der NDR dann durch ein ähm
1:01:52
tolles Angebot in Schwerin der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern dann äh zunichte dieses Ansehen des SFB
1:02:00
da spielten auch die sogenannten Landmannschaftlichen Bindungen eine Rolle, also dass der Norden natürlich besser zum Norden passt
1:02:07
als Berlin zum Norden. Berlin ist auch schon klassischerweise in der DDR immer als arrogantes Machtzentrum verstanden worden.
1:02:16
Deswegen war diese Abspaltung ähm des äh DDR Funkhauses, die also die sogenannte Zentrale, also das, das, das musste kommen, dass die Sachsen ihre eigene ähm ihr eigenes Selbstbewusstsein entdecken durften
1:02:30
mit Sachsen-Radio zuerst und dann war's eben der Mitteldeutsche Rundfunk mit den Funkhäusern auch in Weimar und Erfurt.
1:02:38
Und äh der der Chef des Mitteldeutschen Rundfunks, der kam ja vom Bayerischen Rundfunk, Udo Reiter, das war eher jemand, den man äh durchaus nachsagen konnte, der CSU.
1:02:48
Angehören und jetzt kommt der ähm Chefabwickler des DDR-Rundfunks, der beauftragt wurde von Bundeskanzler Kohl.
1:02:58
Quasi den den DDR-Rundfunk rückzubauen und teile, so sah es der Meinungsvertrag vor,
1:03:04
in föderale Strukturen zu überführen oder aufzulösen, wenn das nicht gelingt, das war die Bedingung des Artikel sechsunddreißig. Also, ihr könnt alles machen mit dem der Rundfunk, also auch mit dem Fernsehen. Ihr könnt das retten, so viel ihr wollt, aber es müssen föderale Strukturen sein
1:03:18
und äh wenn das nicht bis zum einunddreißigsten Dezember neunzehnhunderteinundneunzig gelingt, dann ist der aufgelöst, dann ist eben Pech,
1:03:24
Und in dieser Phase war ein unheimlicher Druck, auf die die vierundsechzig einerseits äh hochqualitatives Radio zu machen, die Fluktuation in der Zeit war ziemlich groß, also wir bekamen natürlich auch viele Neuzugänge, gerade so aus einer ähm
1:03:38
Radiokultur, die man tatsächlich eher so im Bürgerfunk verortet,
1:03:42
Dazu gehört auch einhundert, aber also Leute, die die tatsächlich auch rebellisches Radio machen wollten und es gab eben auch viele Abgänge. Und und Sendungen starben mit.
1:03:52
Moderatoren.
1:03:53
Logischerweise, also musste man neue Sendungen erfinden und also wir hatten sehr viel mit uns selbst zu tun, diesen Radiobetrieb zu organisieren, unter den verändernden Bedingungen. Und gleichzeitig darum zu werben aufm.
1:04:05
Parallel neben Strang, äh dass dieser Sender äh eine Chance hat, überführt zu werden in föderale Strukturen zu äh und und äh wir haben tatsächlich in der Zeit sind wir auch durch Nürnberg,
1:04:15
Kassel gereist und weil da waren so Hochbogen von Ditib vierundsechzig Hörern, äh waren in Dresden, waren in Schwerin, Neubrandenburg und oft Demonstrationen in in Berlin,
1:04:26
dann entwickelte sich ja auch sowas tatsächlich wie so eine äh rettet das Jugendradiobewegung
1:04:30
die nicht von uns ausgingen. Also wir waren nicht diejenigen, die gesagt haben, rettet uns, sondern das kam parallel.
1:04:37
Weil die höheren und höherer Märkten hier läuft was aus dem Ruder, der Sender ist möglicherweise bald weg
1:04:43
Und gerade in der Wendezeit äh haben wir eben auch viele neue ähm Hörerinnen und Hörer äh bekommen, die die meinten, jetzt kann man euch endlich wieder hören.
1:04:52
Uns ja auch irgendwie freute, also es war äh es war ein Geben und Nehmen, also wir entdeckten
1:04:59
und nicht nur als Macher, sondern auch äh getragen von den Hören und Hörern. Also es war ein ganz, also so ein ganz neues Gefühl der der Hörfunk-Kommunikation, was ich bis da nicht kannte, um ehrlich zu sein. Man sendete eben, ne. Man bekam natürlich Hörerpost und wenn man
1:05:13
live unterwegs war.
1:05:15
Mitte die vierundsechzig äh ja da kamen natürlich immer so Fans und sagten ach, kann ich nicht mal einen Gruß äh durchgeben durchs Radio. Das war damals auch so noch so eine interessante äh Radiokultur äh Grüße.
1:05:27
Größte Mann eben Klaus in in Mittenwalde und und Klaus schrieb dann den nächsten Tag, ich grüße dann Gabi aus Po
1:05:34
und so. Das wurde dann im Radio verlesen und das hörte man und das man freute sich irgendwie, dass man das hörte. So, äh das, das war aber, das war äh, ich sage mal, das hatte sogar das Westradio.
1:05:44
Das war jetzt keine Alleinstellungsmerkmal von uns, sondern das war einfach zu die Zeit halt, dass man das Radio auch benutzt, um
1:05:50
ähm zu signalisieren, äh hier ist frei nach Brechtsradiotheorie, ist das ein Kommunikationsapparat und kein Distributionsapparat, das wo man nur was verteilt und was sendet
1:06:01
Aber in dieser Wendezeit war das so ein starkes Feedback
1:06:05
teilweise besuchten uns die Leute im Studio und guckten einfach nur zu, wie wir moderierten oder wurden einbezogen die Moderation, brachten uns Kuchen oder äh einfach nur ähm äh ihre solidarische Unterstützung,
1:06:18
Und das war ein völlig neues Radioerlebnis, dass man ihn nicht nur.
1:06:23
Mit seinem Wissen, mit seinem Geschick und mit seiner Bildung irgendetwas
1:06:28
angeboten hat, so wie in so einem Warenhaus, eine Dienstleistung quasi, sondern dass hier auch Feedback zurückkam, dass man gemeinsam äh Produkte erstellte und plötzlich Teil einer Familie,
1:06:40
Tatsächlich wo. Das ist jetzt nicht nur so, wie es heute ist, dass man Savemer Radio eins anschaltet, ihr gehört irgendwie dazu, sondern es war.
1:06:48
Sehr familiär. Das ist äh man.
1:06:51
Ich weiß noch, wie ich in in Kassel in so einem Studentenwohnheim dann auch eingeladen wurde, die Nacht dort zu verbringen, weil wir es nicht mehr geschafft hatten, einen Zug nach Berlin zu bekommen
1:07:01
haben wir dann auch den den letzten Rotwein mit denen trinken müssen und also was heißt müssen? Also das war.
1:07:07
Wir waren Teil einer Radiobewegung, so möchte ich das vielleicht nennen.
1:07:11  Martin Fischer
Was ist denn geblieben von DT vierundsechzig tatsächlich? Nachdem nachdem's dann mit dem Sender zu Ende ging, uns alles sich so ein bisschen die Winde verstreut haben.
1:07:20  Jörg Wagner
Ja, also Sputnik ist es nicht. Äh das sage ich jetzt hier auch äh auf Gefahr hin, dass dass mir einige böse sind. Also das war ja dann die Fortentwicklung, die die vierundsechzig wurde, auf.
1:07:33
Drucks der Straße, so kann man das sagen, also alleine in Dresden haben da zehntausend ähm auf der Ernst-Themenstraße gesessen und das blockiert,
1:07:45
ähm also das den den Verkehr um um DD vierundsechzig durchzusetzen. Ich weiß nicht, wenn noch Zeit ist, ich kann, ich kann ja mal äh die entscheidende äh Szene.
1:07:54
Ähm vorspielen. Dazu muss ich leider ein bisschen ausholen. Das war sozusagen der Auslöser letzten Endes äh unfreiwillig der Auslöser, weil.
1:08:05
Der Ries war natürlich genauso in Gefahr abgeschaltet zu werden. Der hatte.
1:08:10
Ja Ironie des Schicksals in in seinem in seinen Statuten sich selbst ein Enddatum gesetzt. Also wenn die Einheit.
1:08:19
Deutschlands in Frieden und und Freiheit wieder hergestellt ist, hat sich die Mission des Rias erfüllt oder so ähnlich, so ähnlich ist das formuliert.
1:08:26
Und nun war plötzlich die Einheit in Frieden und Freiheit da.
1:08:30
Und die Kollegen in der Kufsteiner Straße, dem heutigen Hans-Rosentalplatz in Berlin-Schöneberg, dachten, was ist denn jetzt? Jetzt haben wir unsere Mission erfüllt, aber es kann doch nicht sein, dass wir die äh sozusagen das Bollwerk gegen den Kommunismus waren, ähm mit einmal bestraft werden.
1:08:46
Und äh aber es war dann wenn ich sage, es ist es war ein sehr widersprüchlicher Prozess, weil der Rias
1:08:54
natürlich als äh Instanz der USIA der US-Amerikanischen Informationsbehörde, also das war ja tatsächlich eine amerikanische Station, auch finanziert aus dem US-Staatshaushalt, war das ja eigentlich.
1:09:08
Regierungsfunk. Also das war schon ein kalter Kriegssender. Das empfanden auch ARD-Journalisten so.
1:09:17
Und man war auch ein bisschen froh, dass man, dass man äh diesen Rias entsorgen konnte. Also es war die,
1:09:23
völlig von mir wertfrei beurteilte ähm andere Richtung, was ich,
1:09:28
darin äußerte, dass man sogar die Rias Leuchtreklame am Funkhaus abschalten wollte und abbauen wollte und das gab dann wieder natürlich eine Gegenbewegung, die sagte, nein, das kann doch wohl nicht sein, dass der Riehas ja komplett verschwindet,
1:09:40
und dann hat sich der Denkmalschutz, glaube ich, durchgesetzt.
1:09:44
Aber wie gesagt, das war ein völliger unabhängiger Prozess von einer DDR gesteuerten und Ideologie behafteten Einschätzungen der Rias selbst war umstritten.
1:09:55
So und der suchte mit dem äh sterbenden DDR-Rundfunk eine ähm ja, man kann sagen, schon sowas wie eine verbündete Strategie und umgekehrt auch, ich glaube, die äh die Initiative ging schon vom DDR-Rundfunk aus
1:10:10
von Christoph Sindelstein, der war damals Funkhaus-Chef äh in einer Leperstraße und äh.
1:10:16
Dachten sich aus, also DD vierundsechzig ist nicht zu halten, der Riers ist nicht zu halten, dann gründen wir doch,
1:10:22
praktisch in eine gemeinsame Redaktion und als symbolischen Schritt schalten wir DT vierundsechzig in Dresden ab und setzen dort den Rias auf. Und das können wir uns mal kurz anhören.
1:10:54  Einspieler
Radio DT vierundsechzig, fünf Minuten vor acht, man könnte auch sagen, fünf Minuten vor zwölf, Andreas, du hast was Neues. Ja, die stundenlange Wartezeit hat nun erstmal ein Ende.
1:11:04
Oben in der Redaktion war der Generalintendant des DDR-Rundfunks der amtierenden Intendant der Sender hier in der Berliner Straße Christian Singelstein nach äh über dreistündigen Verhandlungen. Es hat ein Ergebnis gegeben und das wollen wir jetzt hören. Herr hat eine
1:11:20
Erklärung vorbereitet. In einer geschichtlichen Situation, in der die beiden Teile Deutschlands zusammenwachsen.
1:11:27
Eröffnen sich auch neue Perspektiven für eine Zusammenarbeit der Rundfunkanstalten. Noch vor einem Jahr standen Radio DDR und Rias in unterschiedlichen politischen Lagern.
1:11:37
Nachdem im Zuge der Perestroika in der Sowjetunion und in den Völkern Osteuropas und natürlich auch das ganze deutsche Volk zu einer Selbstbestimmung finden.
1:11:47
Können sich die Medien der DDR demokratisch erneuern. So öffnet sich auch der Rundfunk der DDR, den ehemals als gegnerisch empfundenen Journalisten von Rias Berlin.
1:11:58
Die uns ihre Hand reichen, um beim Aufbau eines demokratischen und pluralistischen Rundfunks zu helfen. Ein erster Schritt in diesem Sinne ist die Absicht.
1:12:07
Einer geregelten Zusammenarbeit bei der Rundfunkanstalten in Deutschland zu kommen.
1:12:12
Dessen Programm ab sofort auf einigen Frequenzen von Jugendradio ausgestrahlt wird.
1:12:18
Mit Journalisten und Redakteuren von Radio DDR, Arbeitsgruppen auf, die insbesondere die spezifischen Probleme der Bevölkerung.
1:12:26
Dem Gebiet der DDR aufarbeiten. Diese Arbeitsgruppen werden eine wichtige Basis eines neuen Nationalen Hörfunkprogrammes sein.
1:12:35
In dem das zusammenwachsen der beiden Teile Deutschlands journalistisch begleitet wird. Dieses Programm wird ein öffentlich-rechtliches sein.
1:12:44
Ohne jede Werbebeiträge. Gleichzeitig geht Jugendradio einer neuen Perspektive entgegen.
1:12:51
DT vierundsechzig wird durch mich unterstützt, sobald die rechtlichen Grundlagen dazu geschaffen sind, als Privatfunk weiter auf Sendung bleiben.
1:13:01
Das war eine Erklärung des geschäftsführenden Intendanten
1:13:06
des Rundfunks in der Berliner Leberstraße und wenn hier die Rede davon war, dass äh einige einige Frequenzen wegfallen, dann sind es nach dem gegenwärtigen Verhandlungsstand genau zwölf der bisherigen achtzehn UKW-Frequenzen, die
1:13:19
in genau anderthalb Minuten noch verbleiben, sind die Berliner Frequenz einhundertzwei Komma sechs Megaherz, Rhino im Bezirk Potsdam, einhundertdrei Komma eins Megaherz
1:13:29
oder einhunderteins Komma fünf Megaherz Angermünde. Derzeit wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb einhundert Komma eins Megaherz.
1:13:37
Einhundertdrei Komma zwei Megaherz und Wittenberg einhundertvier Megaherz nach
1:13:43
Fertigstellung dieses Senders. Ich will sagen, dass es in den letzten Minuten eine erregte Debatte in der Redaktion
1:13:49
Senders gegeben hat. Wir sind ja knapp einhundertvierzig Mitarbeiter und das ein Großteil der Punkte, äh die äh bei den Verhandlungen herausgekommen sind,
1:13:59
zunächst und vielleicht auch äh auf Dauer
1:14:02
nicht geteilt werden von den Mitarbeitern des Jugendradius an die Hörer, die uns jetzt noch fünfundvierzig Sekunden über die nicht genannten Frequenzen hören können
1:14:11
der Appell und es ist natürlich auch jedem freigestellt, sich zu artikulieren, das ist passiert
1:14:15
bereits heute im Laufe des Tages. Viele haben angekündigt, dass sie das auch tun werden. Die Reporter, die jetzt unterwegs sind, nach Dresden und Neubrandenburg werden dies hören in den UKW-Wagen. Man kann trotzdem an die Sprechstellen kommen, auch
1:14:28
diese Frequenzen nun in wenigen Sekunden abgeschaltet werden. Wenn man fragt, ob das eine Entscheidung auf Dauer ist, wie es in der Erklärung klingt, ist das eine Entscheidung auf Dauer
1:14:39
Ich denke aber, dass die Hintergründe, die dazu geführt haben, dass in wenigen Sekunden abgeschaltet werden wird, aufgehellt werden
1:14:48
auch von uns Journalisten dieses Senders und es dann eventuell das allerletzte Wort doch noch nicht gesprochen hat.
1:14:54
Wurde. Tja, Jungs und Mädels und ich kann nur nochmal aufrufen, kommt nach Neubrandenburg oder wenn ihr dort seid, in Neubrandenburg und Dresden, sucht die Ü-Wagen auf. Eure Meinung ist gefragt, ob negativ oder positiv, aber es muss etwas dazu gesagt werden, glaube ich.
1:15:07
Ja, ich bedanke mich bei euch. Ist heute ein schwer, einfach weiterzumachen, aber es wird wohl dann wenigstens bei diesen Frequenzen noch weiter gehen. Wir machen Musik.
1:15:14  Jörg Wagner
Ja, der zuletzt ist Thomas Klug, der ist heute bei Welt TV, davor Andreas Ulrich, ist bei Radio eins.
1:15:22
Und derjenige, der das alles ähm eingetütet hat, sage ich mal und auch eben noch zu hören war, Christoph Seelenstein äh war bis vor kurzem noch RBB Chefredakteur. Also es ging dann.
1:15:34
Irgendwie weiter und äh es war auch nur vierundzwanzig Stunden Pause,
1:15:40
von DD vierundsechzig. Wir können uns nochmal den Moment anhören, als äh die Frequenzen wieder zurückgeschaltet wurden, nachdem es massive Proteste gab, aber auch in der noch.
1:15:52
DDR Regierung, es gab.
1:15:53  Martin Fischer
Innerhalb dieses einen Tages, wo es dann abgeschaltet war.
1:15:56  Jörg Wagner
Ja, genau. Es gab ja einen Medienminister, Doktor Gottfried Müller, der war dann später Landtagspräsident in Erfurt. Aber er hat dann letzten Endes gesagt, das geht so nicht.
1:16:06
Man kann ja nicht einfach äh zwei Intendanten quasi ähm machen lassen, was sie wollen und dann wurde das rückabgewickelt.
1:16:15  Einspieler
Und gegen dreiviertel, gegen dreiviertel, fünfzehn Sekunden, vor zwanzig Uhr haben wir den anderen Sender drauf.
1:16:28
Acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins.
1:16:49
Lutz. Und du musst uns natürlich erzählen, was da jetzt läuft, denn wir Andreas, das kann man nicht beschreiben, hier knallen die Sektkorken und die Leute freuen sich, die Leute freuen sich einfach. Es wird angestoßen auf die Wiedergeburt von Jugendradio
1:17:04
in Dresden. Es ist nicht zu beschreiben hier. Ihr hört es sicherlich.
1:17:09
Tja, da hätte man alter Herr vor einem Jahr von geträumt, dass ihm so zu jubiliert wird und das ganz freiwillig. Jetzt muss ich einfach mal versuchen, ob ich hier ein paar Gesprächspartner bekomme. Habt ihr euch das.
1:17:22
Noch träumen lassen, das Jugendradio hier wieder auf Sendung geht? Nee, eigentlich nicht, aber doch unsere Demo gestern.
1:17:31
Probiert und auch geschafft, das Jungwart hier heute wieder live sendet. Gibt's denn überhaupt jemand, der gestern nicht hier war und heute das erste Mal hier ist?
1:17:41
Oh, hier sind doch noch zwei, drei Arme gehen nach oben. Warum seid ihr heute gekommen?
1:17:47
Ja, also ich hab's heute früh halb acht rum erfahren, das Jugendradio nicht mehr da ist, aus diesem ungrömischen Blatt, der Dresdner Morgenpost, was man nun als Dresdner eigentlich mal lesen muss, weil andere Leute lesen's auch.
1:17:58
Und dann habe ich den ganzen Tag an Nachrichten mitgefiebert, was mir eigentlich passiert und kurz vor um fünf, also kurz vor siebzehn Uhr heute Nachmittag ereilte mich dann die Nachricht.
1:18:07
Das Jugendradio wiederkommt und zwar ab zwanzig Uhr und dass ich auch vorher schon ab achtzehn Uhr es hören kann und.
1:18:15
Habe ich mich natürlich entschieden, irgendwas muss passieren und kurz nach sechs kamen dann auch die rettende Nachricht, dass in Dresden was los ist und ich bin dann auch halb sieben hier gewesen.
1:18:24
Also ich bin erfreut, dass auch so viele gekommen sind und ich freue mich auch Leute zu sehen, die gestern hier waren. Nicht, nicht wie ich, also mir tut's echt leid, dass ich gestern nicht da war
1:18:34
Die Dresdner sind nicht bloß kämpferisch, sie sind auch mutig, kann man an dieser Stelle bereits konstatieren und ehrlich. Dafür gibt's gleich was. Trotzdem noch ein einen die Frage, was habt ihr denn gemacht? Vierundzwanzig Stunden Rios eins, wie waren die?
1:18:47
Gar keinen Ries eins gehört. Ich habe mir den Cottbuser Sender gesucht und immer versucht. Na ja, den möglichst gut zu empfangen, ne. Ich habe eben, hat jemand in den letzten vierundzwanzig Stunden Rios eins gehört?
1:18:56
Nur noch, wenn dies eine suggestive Frage war, nehmen wir diese Antwort wahr und als authentisch. Lutz, ich schlage vor, es darf gefeiert werden, überall dort, wo man uns jetzt auf unseren achtzehn UG-Frequenzen hört
1:19:11
Noch ein Tipp, wir werden hier auf jeden Fall bis zweiundzwanzig Uhr vorm Kulturpalast feiern, wenn uns die Dresdner jetzt wieder hören, sie können natürlich hierher kommen.
1:19:20
Danach eine große, eine riesen Fete. Die Scheune ist ein Dresdner Jugendclub, nicht, dass jemand etwas anderes denkt. Hier geht's dann in ein paar Minuten natürlich auch los mit der Radiobegrüßungsfete von DT vierundsechzig Kollege Lutz Bertram ist bereits in den Start
1:19:36
und ich sage auch tschüss den Hörern von Radio einhundert, die uns über die Berliner Frequenz einhundertdrei Komma vier Megaherz seit achtzehn Uhr gehört haben, die Kollegen von Radio einhundert nehmen jetzt noch die Nachrichten mit.
1:19:47
Zwanzig Uhr drei und die fangen natürlich mit der Schlagzeile dieser Stunde an.
1:19:55
Berlin. Rias scheiterte mit Blitzübernahme von DDR-Frequenzen. Jugendradio ist ab sofort wieder landesweit zu hören.
1:20:03
Mehrstündiger Krisensitzung wurde der Beschluss am Nachmittag zurückgenommen, der seit gestern Abend auf schärfste Proteste von Hörern und Medienmachern gestoßen war.
1:20:12
Laut Minister Müller gilt die Entscheidung bis auf Weiteres.
1:20:15
Eine endgültige Regelung müsse gesetzlich abgesichert sein und von den Festlegungen des Einigungsvertrages beziehungsweise des noch zu verabschiedenden Rundfunküberleitungsgesetzes ausgehen.
1:20:26  Jörg Wagner
Ja und dann gab's tatsächlich dann die Phase, wo wieder Hoffnung ähm einsetzte, aber äh der.
1:20:33
Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks, ich sagte ja, der war politisch gefärbt, genauso wie der Chefabwickler.
1:20:41
Rudolf Mühlfenster, also eher rechtskonservativ und der sagte dann noch im November neunzehnhunderteinundneunzig, dass das ein sehr unausgegorenes Programm sei und dass man das nicht übernehmen wollte.
1:20:56
Ja, aber das hielt nicht lange, dann haben dann letzten Endes äh die.
1:21:01
Freunde, so hießen die damals das Jugendradius EV, die Ministerpräsidenten der drei Länder des Mitteldeutschen Rundfunks überzeugen können.
1:21:11
Dass es besser wäre, diesen Sender zu erhalten, dann wurde der integriert in den Mitteldeutschen Rundfunk, aber das Problem war, dass dieses ähm Gesetz.
1:21:20
Staatsvertrag eine weitere Welle nicht vorsah
1:21:23
Und deswegen äh gab's auch so was wie eine Übergangsregelung, weil eigentlich war der Privatfunk, der sich dort schon in den Startlöchern befand ähm äh wollte die UKW-Frequenzen haben
1:21:35
aber er war selber noch nicht bereit. Das war das Kuriose. Also die die wollten mit dem ersten ersten neunzehnhundertzweiundneunzig ihren Anspruch verdeutlichen, dass
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Privatfunk, also das duale System
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auch eingeführt wird. Neunzehnhundertzweiundneunzig, aber sie waren technisch noch nicht breit und dann gab's diese Übergangslösung, dass man noch ein halbes Jahr auf UKW weitersenden konnte und dann hat der Mitteldeutsche Rundfunk gesagt, okay, wie können wir äh DD vierundsechzig retten
1:21:59
indem wir einfach die Mittelwelle in die tausendvierundvierzig Kilohertz bei Dresden aktivieren, also bis dahin MDR Info, dass Nachrichtenradio lief und dann haben wir auf der Mittelwelle gesendet, das klang wirklich.
1:22:13
Abenteuerlich schlecht. Und äh ich weiß nicht, wenn wir noch so viel Zeit haben, obwohl ein Podcast ist ja unendlich, oder?
1:22:20  Martin Fischer
Da ist ganz viel Platz.
1:22:21  Jörg Wagner
Können wir uns das mal kurz anhören, äh um mal deutlich zu machen, was das für einen Kulturschock war. Ähm also man muss sich vorstellen, Stereofone, UKW, DDR-Übertragung war von höchstem technischen Niveau.
1:22:34  Martin Fischer
Noch lange erkämpft, also da da hat sich das Radio auch hin entwickelt äh DT vierundsechzig, bis es dann wirklich lange äh also mehr als drei Stunden äh äh empfangbar war und dann auch in Stereo und ja, jetzt dann anscheinend Rückschritt.
1:22:47  Jörg Wagner
Die sogenannte fünfte UKW-Kette wurde ausgebaut, also um diesen diesen diese Versorgung auch stabil zu ermöglichen und ähm wir hören mal.
1:22:59
Den letzten Sendetag auf ultra kurz Welle, Marion Brasch, bekannt auch bei Radio eins,
1:23:04
und natürlich auch außerhalb durch Buchveröffentlichungen und so weiter. Und Frank Eichmann verabschieden die UKW-Hörer kurz vor Mitternacht.
1:23:12  Einspieler
Da war es jetzt, das weinende Auge von DT vierundsechzig, weil in einer halben Minute sind wir runter von UKW. Nein, in anderthalb Minuten besser, also anderthalb Minuten bleiben noch, wir verabschieden uns also von allen Hörern auf den ultra kurz Wellen
1:23:25
Empfängern. Ja, also ihr hört uns wieder, dann eine Minute nach Mitternacht spätestens auf der Mittelwelle eintausendundvierundvierzig Kilo hat vierundsechzig, UKW verabschiedet sich, ihr hört uns wieder auf Mittelwelle eintausendvierundvierzig Kilo Harz, bitte umschalten. Und jetzt
1:23:38
kommt das Lachende.
1:24:14
Jugendradio vierundsechzig, wir senden weiter mit vollem Power für euch auf Mittelwelle eintausendvier.
1:24:22  Jörg Wagner
Also volle Power war das nicht. Das war also wirklich äh ein Kulturschock, auch für die Hörerinnen und Hörer, also im Umfeld von Wilsdorf bei Dresden bekam man es.
1:24:33
Okay, ja, also.
1:24:35
Man man hatte was im im Radio, wenn auch nicht Stereo, aber dennoch Rausch frei. Aber alles, was außerhalb Dresdens war, war
1:24:44
das, was man so als Funkamateur oder DXA als Radiofernempfang gewöhnter äh durchaus ja.
1:24:52
Öfter mal hörte, aber eben nicht vierundzwanzig Stunden, ne, sondern äh wer wer die Xa war, der der suchte eigentlich den Sport möglichst entfernte Sender reinzubekommen, dann äh sogenannte QSL-Karte anzufordern, um sich das als Trophäe irgendwo anzunageln und zu sagen, ah, den habe ich bekommen, Radio Kanada
1:25:08
kriegt man hier und ich hab's geschafft. Aber das war eben nicht das, was man ähm für einen Rocksender brauchte. Und dann gab's diese äh interessante Idee
1:25:18
erstens den Sender umzubenennen.
1:25:21
In MDR Sputnik, aber dem vorausgegangen war, äh dass wir eine Satellitenfrequenz äh versuchten zu bekommen,
1:25:29
es gab natürlich nicht einfach so Satellitenfrequenzen und dann haben wir uns in den Ton unter Träger von Premiere, diesem äh Bezahlsender von damals, einmieten dürfen. Weil es gab zudem Bild, zu dem Fernsehbild immer mehrere,
1:25:42
Ton unter Träger, also für andere Sprachfassungen und was weiß ich. Und die waren aber unbelegt. Und da hat Premiere gesagt, okay, könnt ihr machen, Transponder neunzehn waren das, glaube ich, damals äh und dann haben wir zu einem verschlüsselten Fernsehbild.
1:25:57
Vierundsechzig gesendet. Also man musste dann sein sein Satellitenempfänger, wenn man denn einen hatte, wir haben dann auch welche verschenkt. Äh in großen Aktionen und billige besorgt, äh haben wir es dann bei diesem Krisselbild haben wir dann äh.
1:26:11
Radio gemacht. Später hat der Mitteldeutsche Rundfunk das auch aufm normalen trestrischen Fernsehen ausgestrahlt, in den Morgenstunden zum Testbild quasi.
1:26:21
Aber das waren so Übergangslösungen. Und dann ähm hatte man letzten Endes in Halle.
1:26:28
Auch die Möglichkeit, äh mit einer UKW-Frequenz MDR Sputnik abzustrahlen, aber jetzt.
1:26:34
Vollendet sich der Gedanke, den ich weiß was ich vor gefühlt zwei Stunden angefangen habe, als ich sagte, MDR Sputnik ist nicht die Fortführung von DT vierundsechzig mehr. Das ist ein völlig anderes Produkt, was da heute abgestrahlt wird. Das kann man auch nicht wirklich verlangen.
1:26:49
Weil Radio entwickelt sich immer weiter. Ich habe die ganze Zeit immer versucht mir vorzustellen, wie's wäre, wenn ähm der Name geblieben wäre, wenn wenn wir weiter in Berlin gesendet hätten, wenn das
1:27:00
Team organisch gewachsen und sich verjüngt hätte, wie es dann heute Klänge
1:27:05
Aber es gab ja noch den äh doofen Umstand dazu, dass uns acht Kollegen auch verlassen haben in Richtung Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg, die eine Alternativwelle aufbauten, ein Rockradio B. Die waren für uns die Verräter damals, das muss man wirklich so sagen, weil
1:27:18
die mit ihrer Aktion letzten Endes verhindert haben, dass DT vierundsechzig auch integriert wurde in den ostdeutschen Rundfunk.
1:27:25
Die haben dann mit Radio for you vom Sender freies Berlin lieber eine eigene Jugendwelle gegründet, Fritz.
1:27:31
Und wenn man heute Fritz hört, das also na gut
1:27:35
das will ich gar nicht weiter kommentieren, aber das hat mit diesem ähm ja mit dieser Radiobewegung von damals nicht viel zu tun, aber wer weiß, wie wie DT vierundsechzig heute klingen würde, der Name war nicht glücklich, das gebe ich gerne zu, aber er war ein Markenzeichen
1:27:48
Man musste ihn trotzdem jedes Jahr immer wieder neu erklären, was ist denn überhaupt DT4.
1:27:54
Aber weder MDR Sputnik noch Fritz kann man wirklich als Nachfolgeprodukt bezeichnen.
1:28:02  Martin Fischer
Vierundsechzig einfach in Erinnerung und ähm jetzt haben wir was gemacht, was man im Radio eigentlich nicht macht. Wir haben ein bisschen überzogen. Wir wollten uns eigentlich nur für eine Stunde ähm besprechen, aber
1:28:12
vielen Dank auf jeden Fall, dass wir jetzt doch noch diesen Bogen gemacht haben und auch noch bisschen in die ja wilde Wendezeit geguckt haben von DT vierundsechzig.
1:28:21  Jörg Wagner
Ja gerne. Zweiter Teil ist ja, also wie gesagt, das äh Internet ist ja unendlich. Also wenn noch Bedarf besteht, äh immer wieder gern.
1:28:28  Martin Fischer
Das machen wir. Ähm bis dahin kann man dich hören äh bei Radio eins im Medienmagazin. Du hast auch einen Podcast, habe ich gesehen auf deiner Webseite.
1:28:37  Jörg Wagner
Na ja, das ist der, in dem Fall der Medienmagazin-Podcast, der jetzt nicht nur der Mitschnitt der Sendung ist, sondern der enthält auch viele Bonustracks. Äh gelegentlich äh also tatsächlich auch Sachen, die DT vierundsechzig betreffen. Da bin ich immer noch am Ball.
1:28:51
Und werde auch am neunundzwanzigsten Sechsten, das ist der offizielle Geburtstag von vierundsechzig, mich wieder mit ähm einigen Leuten treffen und vielleicht gibt's ja die Möglichkeit, dass die ihr.
1:29:02
Wissensdressur öffnen und das
1:29:05
ich selber dann auch noch vielleicht neue Aspekte höre und das würde ich dann auch auf meine Seite stellen. Ich habe übrigens noch das äh vielleicht als Ergänzung, das ist nicht kommerziell, sondern wer sich für die Geschichte von DT vierundsechzig interessiert, da wächst so über die Monate unter mein DT vierundsechzig,
1:29:19
DE auch eine Chronik. Da kann man sich noch den einen oder anderen O-Ton nachträglich anhören.
1:29:25  Martin Fischer
Und es gibt auch noch ein Buch, das ähm du mit herausgegeben hast.
1:29:29  Jörg Wagner
Ja, das ist leider nicht ähm mehr verfügbar, vielleicht antiquarisch immer noch, aber das kann man schon mal sagen, wir planen für den sechzigsten Geburtstag im Jahre zweitausendvierundzwanzig. Sowas wie eine Neuauflage, eine ergänzt erweiterte, aber unter dem
1:29:43
Blickwinkel und das ist mir wirklich sehr wichtig. Nicht äh aus der Perspektive der Macherinnen und Macher.
1:29:49
Das ist alles okay, das kann man durchaus äh letztlich in in in einen Buchrücken pressen, aber was noch nicht so erforscht ist, ist die eigentliche Radiobewegung von unten, also wie die Hörinnen und Hörer damals.
1:30:04
Motiviert waren, sich sogar an irgendwelche Funkmasten für uns anzuketten, um in den Hungerstreik zu gehen. Das muss man sich vorstellen, welche Verantwortung wir auch da hatten, dass das nicht eskalierte, also auf beiden Seiten die Verantwortung da war, weil das war eine
1:30:18
absolute Ausnahmesituation, dass das in dieser Wendephase
1:30:23
auch ähm die höheren Moteure den Eindruck hatten, hier wird ihnen was weggenommen. Also nicht, dass wir nur unseren Arbeitsplatz in Anführungszeichen verloren hätten, sondern auch also dass das Radio praktisch wie Brot, wie, wie, wie
1:30:35
wie Wasser empfunden wurde. Das können nur Hörerinnen und Hörer erklären. Also.
1:30:40
Das übersteigt meine eigene Fantasie, sich vorzustellen, in den Hungerstreik für einen Radiosender zu treten.
1:30:46  Martin Fischer
Also spätestens wenn wenn das dann ähm Realität geworden ist, diese diese Geschichte hören wir uns wieder, aber gerne auch schon vorher, um ähm vielleicht auch nochmal drüber zu sprechen.
1:30:56
Dann sage ich vielen Dank, Jörg Wagner, für anderthalb Stunden Rückblick auf DT vierundsechzig die schönen Einspieler und äh jede Menge persönlicher Erinnerungen. Vielen Dank.
1:31:04  Jörg Wagner
Vergessen sie nicht, die Antenne zu werden.
1:31:08  Martin Fischer
Mit diesem Satz endet übrigens nicht nur diese Folge von Staatsbürgerkunde, sondern damit ging auch der erste Rundfunktag und das erste öffentliche Rundfunkprogramm Deutschlands am neunundzwanzigsten Oktober neunzehnhundertdreiundzwanzig zu Ende.
1:31:20
Am Ende dieser Folge bedanke ich mich nun erst einmal bei Jörg Wagner für eine bunte Reise durch die aufregende Sendezeit von DT vierundsechzig.
1:31:27
Quellenangaben zu den Einspielern, die Jörg mitgebracht hat, findet ihr in den Shownotes. Das Coverbild stammt ebenfalls von York und zeigt ihn neunzehnhunderteinundneunzig im Studio von DT vierundsechzig.
1:31:38
Dann geht der Dank an alle Tippgeberinnen und Hörerinnen, die ihre Erinnerungen zum Jugendradio geteilt haben, sowie an Wolfgang Wörle, der mit Ampion wie immer den Soundtrack geliefert hat.
1:31:48
Wie immer ein großes Dankeschön an alle Unterstützerinnen und Unterstützer. Einige von euch haben auch kleine Grüße und Bemerkungen mit in den Überweisungstext gepackt.
1:31:56
Anne und Mirko schreiben. Danke. Manuel sagt vielen Dank für die tollen Sendungen und Roberts sendet monatlich etwas in den Hut für einen tollen Podcast.
1:32:07
Schön, dass euch der Podcast so gefällt.
1:32:09
Ebenfalls etwas in den Hut geworfen haben, Holger, A Punkt G Punkt, Christoph, Matthias, Andy, Kai und Jon.
1:32:18
Und zwei Unbekannte Spenderinnen, die mir Produktionszeit auf Offonic geschenkt haben. Eine Spende davon auch mit dem Hinweis, mach weiter so. Auch hierfür ein großes Danke und klar, ich mache weiter.
1:32:28
Wenn euer Name nicht dabei war, das kann sich ändern. Auf WWW Punkt Staatsbürgerkunde minus Podcast Punkt DE findet ihr unter dem Link unterstützen. Alle Infos dazu, wie ihr mit einem Betrag eurer Wahl zum Projekt beitragen könnt.
1:32:40
Und schreibt mir gerne weiterhin in den Betreff eurer Überweisung oder Anmeldung bei Stedy, was euch an Staatsbürgerkunde gefällt, was eure Lieblingsfolge ist oder was ihr euch für die Zukunft wünscht.
1:32:50
Freuen tue ich mich auch jederzeit über klassische Kommentare auf der Website oder Bewertungen auf Apple Podcasts. Leider gab's da im letzten Monat zwei Bewertungen, die sich darüber beschweren, dass sich meine als solche bezeichne. Gästinnen.
1:33:03
Für sowas habe ich kein Verständnis. Mir ist es wichtig, dass ich wohl immer möglich die Worte und Bezeichnungen für Menschen wähle, mit denen diese sich am wohlsten fühlen und die keinen oder keiner ausschließen.
1:33:12
Ich möchte, dass Staatsbürgerrkunde ein offenes und positives Format ist und bleibt. Für Gemeinheiten und Beleidigungen ist da kein Platz, wohl aber für konstruktive Kritik und natürlich auch nette Worte.
1:33:23
Und ich werde weiterhin das Wort gestern denn benutzen, wenn ich weibliche Gästeinnen zu Gast habe.
1:33:29
Und ein letztes Dankeschön geht in dieser Folge wie immer ans DDR-Museum Berlin, das diesen Podcast unterstützt und dass nun endlich wieder öffnen darf oder durfte, wenn ihr das hört.
1:33:38
Ab dem vierundzwanzigsten Juni könnt ihr das Museum wieder besuchen. Macht euch aber vorher mit dem Sicherheitskonzept vertraut, damit eurem Besuch und eure Reise in die DDR-Geschichte nichts im Wege steht.
1:33:48
Ein Hinweis noch in eigener Sache. Seit diesem Jahr konzentriere ich mich noch stärker aufs Podcasten und möchte tolle Menschen und ihre Projekte dabei unterstützen, selbst auf Sendung zu gehen. Das heißt, ihr könnt mich buchen für Workshops oder Beratungen rund um das beste Medium der Welt.
1:34:02
Besonders Lust habe ich auf Projekte rund um Zeitgeschichte oder Wissensvermittlung in der Jugendarbeit.
1:34:07
Also schon immer mal einen Podcast starten wolltet und Unterstützung braucht, schreibt mir gerne. Alle Infos dazu gibt's auf meiner Website WWW Punkt da selbst Punkt DE.
1:34:17
Für heute sage ich aber nun Danke an euch fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge. Tschüss, euer Martin.