Grobe Pixel

Wir spielen Woche für Woche Retro-Games mit einem Schwerpunkt auf Adventures. Unsere aktuellen Eindrücke, vermischt mit nostalgischen Erinnerungen sowie knallharten Recherchen besprechen wir in diesem Podcast.

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episode 2: Error Inside [transcript]


  • Wolfgang Schoch
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Beim Pentium FDIV-Bug kam es bei bei manchen Gleitkommadivisionen zu Ungenauigkeiten. Obwohl der Fehler relativ selten war und für die meisten Leute keinerlei Auswirkung hatte, entwickelte sich die Sache damals für Intel in ein PR-Desaster. Das lag nicht zuletzt am schlechten Umgang mit den öffentlichen Meinungen.

Begleitet mich heute auf eine Reise in die 90er, lernt die Ursprünge der Firma Intel und die kurze Geschichte der x86 Prozessoren kennen und findet heraus, welches große WTF für die fehlerhaften Divisionen im Pentium verantwortlich war.

Achtung: Nach dieser Folge habt ihr eventuell große Lust, in die Tiefen des Internets abzutauchen und euch Details zu alten Prozessoren durchzulesen. In dem Fall: einfach machen.

Wenn dir der Podcast gefällt, dann bewerte ihn doch bei Apple Podcasts. Am liebsten natürlich mit einer kleinen Rezension. Das wäre eine Win-Win-Situation für uns! Denn mir hilft es, den Podcast ein bisschen bekannter zu machen und du wirst Teil von der nächsten Episode, wenn ich deinen Text vorlese. Deal? Hier gehts zu Apple Podcasts.

Shownotes
  • Prozessoren & Co
  • Intel – Wikipedia
  • x86-Prozessor – Wikipedia
  • Intel 8086 – Wikipedia
  • Gleitkommaeinheit – Wikipedia
  • Koprozessor – Wikipedia
  • Intel Pentium – Wikipedia
  • Cyrix – Wikipedia
  • AMD – Wikipedia
  • Pentium FDIV-Bug
  • Artikel zur Pentium Premiere auf der Cebit 1993
  • FAQ von Thomas Ray Nicely (archiviert)
  • Pentium-FDIV-Bug – Wikipedia
  • Artikel zum 25. Jubiläum des Pentium Bugs
  • Intel Recalled Pentium P5 Chips in 1995 and Turned Them Into Keychains Inscribed by CEO
Credits

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com


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 2021-04-01  24m
 
 
00:07
Hallo und herzlich willkommen bei digitale Anomalien. Mein Name ist Wolfgang Schoch und in diesem Podcast erzähle ich Geschichten von Computern und Katastrophen und von allem, was irgendwo dazwischen stattfindet
00:18
Hier geht's um die wunderbare Welt der Technik und all die Geschichten von Fehlern und vom Scheitern,
00:23
In der heutigen Folge Nummer zwei geht's um Prozessoren ein ziemlich bekannten Rechenfehler, Primzahlen und um vielleicht den ersten Shitstorm im Internet.
00:31
Anfang der Neunziger gab's einen Rechenfehler im Pentiumprozessor von der Firma Intel.
00:36
Durch die enorme mediale Berichterstattung wurde der Pendium Bark nicht nur zum ersten Hardwarefehler, der in der breiten Bevölkerung überhaupt wahrgenommen wurde, sondern zum bekanntesten Hardwarebuck in der Geschicht.
00:47
Begleitet mich heute auf eine Reise in die Neunziger, lernt die Ursprünge der Firma Intell und die kurze Geschichte der X sechsundachtziger Prozessoren kennen,
00:56
findet heraus, welches große Fuck für die fehlerhaften Divisionen im Pendium verantwortlich war.
01:02
Die Firma Intell ist ein führender amerikanischer Halbleiterhersteller, der neunzehnhundertachtundsechzig gegründet wurde.
01:09
Vor allem stellt Inter sogenannte integrierte Schaltkreise her. Das sind vereinfacht gesagt die ganzen Mikrochips, die in unseren elektronischen Geräten drinsteck.
01:18
Solche Chips können die unterschiedlichsten Funktionen haben. Manche haben festdefinierte Funktionen, beispielsweise ähm für die Steuerung von dem elektronischen Wecker.
01:28
Manche sind aber auch frei programmierbar und solche universellen, programmierbaren Schaltung, die nennt man Prozessoren.
01:35
Man findet die heute in sehr vielen elektronischen Geräten, zum Beispiel im Computer und im Laptop, in Spielekonsolen oder auch im Handy.
01:44
Prozessoren sind übrigens ein super spannendes Thema, über das man viel erzählen könnte. Aber das würde den Rahmen von der Episode sprengen
01:51
Für die Geschichte reicht's aus, wenn man weiß, dass ein Prozess ein elektronisches Bauteil ist, das Programm herabarbeiten kann,
01:57
Bei Computern spricht man statt von Prozessoren, auch oft von CPUs. Das ist dasselbe. CPU ist einfach die Abkürzung für Central Processing Unit.
02:06
Im Jahr neunzehnhundertachtundsiebzig entwickelte Intel eine neue Prozessorchitektur namens X sechsundachtzig Architektur.
02:14
So 'ne Architektur versteht man hier, ähm, das generelle Konzept und Design, das hinter so 'nem Prozessortyp steht.
02:21
Das ist ein bisschen wie beim Automotor. Da gibt's ja auch Benziner und Diesel und Vankel und Elektromotoren. Und ähm die setzen alle Energien mechanische Bewegungen um, aber die Konzepte, wie das gemacht wird, die sind teilweise ziemlich unterschiedlich,
02:35
Und genauso verhält sich das auch bei Prozessoren. Da gibt's eine Eingabe in Form von Daten und einem Programm
02:41
Und die werden dann vom Prozessor eine Ausgabe in Form von verarbeiteten Daten umgesetzt. Na klar, in Detail ist das alles noch ein kleines bisschen komplizierter, aber ich glaube für das grobe und grundlegende Verständnis ist der Vergleich ausreichend.
02:55
Der erste Prozessor von dieser neuen X sechsundachtzig Reihe ist der achtzig sechsundachtziger. Und der ist schon ganz schön erfolgreich. Ein kleiner Hinweis vorab.
03:04
In der Technik liebt man diese ganzen kryptischen Bezeichnungen, vor allem auch Zahlen und die Kombination von irgendwelchen kryptischen Buchstaben, Zahlen kürzeln. Im Laufe von der Episode werden da auch nur einige Folgen, also freut euch da schon mal drauf.
03:17
Anfang der neunzehnhundertachtziger will IBM den neuen Computer für Heimanwälter auf den Markt bringen,
03:23
dass zu der Zeit vor allem Apple mit dem Apple zwei unterwegs und IBM möchte ein Stück vom Markt abhaben.
03:29
Gerät wird dann sehr kreativ unter dem Namen IBM PC vermarktet und in dem Gerät steckt der achtzig sechsundachtziger Prozessor von Intell.
03:38
Zu IBM muss man wahrscheinlich nicht viel sagen. Aber falls tatsächlich jemand diese drei Buchstaben nicht kennt
03:43
IBM ist ein ganz großer IT-Konzern und ähm IBM war auch damals schon groß, also in den siebziger und achtzigern und auch davor und heute ist es immer noch ein riesengroßer Weltkonzern.
03:53
Eine Forderung von IBM lautet damals allerdings, dass es mehr als nur einen Hersteller für diese Prozessoren geben muss. Einfach, um nicht abhängig zu sein
04:01
Und ähm ja Innenteil versucht da eventuell was anderes auszuhandeln, aber das funktioniert nicht. Und deswegen vergibt Intel dann eine Lizenz für die Produktion seiner Prozessoren in AMD.
04:12
AMD ist ein anderer großer, amerikanischer Halbleiterhersteller. Und dadurch kann einem die exakte Klone von diesen X sechsundachtziger Prozessoren bauen.
04:21
Kleiner Funfakt in der ehemaligen UDSSR werden auch kompatible Prozessoren hergestellt,
04:27
die sogenannte K achtzehn zehn Serie entsteht damals aber nicht in Lizenz, sondern durch Hebros Engineering, als durch die Analyse von den vorhandenen Prozessoren und den Nachbau von diesen Interchips.
04:39
Der selbstbewusst benannte IBM-PC kommt an neunzehnhunderteinundachtzig auf den Markt und der wird ein sagenhafter Erfolg. IBM begründet damit einen bis heute gültigen weltweiten Standard für PCs.
04:51
Und weil die PCs so erfolgreich sind, werden auch die X sechsundachtziger Prozessoren von Intel sehr, sehr, sehr erfolgreich.
04:58
Viele andere Hersteller bringen der Nachbauten von dem iBMPC auf den Markt, sogenannte IBM kompatible PCs, ja, das Marketing und diese ganzen Markennamen, die waren damals schon ziemlich geil
05:10
Das Ganze hilft dann endgültig beim Durchbruch von diesen Prozessoren,
05:15
die X sechsundachtziger Architektur wird damals zu einer der erfolgreichsten CPU-Architekturen der Welt und das ist sie bis heute.
05:23
Das führt wiederum dazu, dass zu einem der größten Halbleiterhersteller der Welt wird.
05:29
Zeitweise hatte internen Marktanteil von achtzig Prozent an Desktop CPUs.
05:34
Im Laufe der Jahre kommen dann regelmäßig neue Modelle von dieser X sechsundachtziger Serie auf den Markt,
05:39
die immer sehr erfolgreich sind. Je nach Generation heißen die dann achtzig eins sechsundachtziger
05:44
Achtzig zwo sechsundachtzig ja bis hin zum achtzig vier sechsundachtziger der neunzehnhundertneunundachtzig auf den Markt kommt. Das achtzig lässt man im Sprachgebrauch übrigens schnell weg. Die vierte Generation ist dann einfach der vier sechsundachtziger.
05:58
Könnte super zufrieden sein, könnte, denn es gibt ja immer noch die Konkurrenz. Wir erinnern uns daran, dass es die baugleichen Modelle von AMDE gibt
06:07
Internet kündigt dieses Lizenzabkommen auf, aber noch bis zum einschließlich vier sechsundachtziger darf AMD die exakten Klone bauen,
06:14
Dazu kommen dann noch weitere Konkurrenten, die mehr oder weniger kompatible Eigenentwicklung vermarkten. Einer von den Herstellern ist beispielsweise Cyrix
06:23
oder Cyrics. Ich bin mir nicht so ganz sicher, wie man die ausspricht. Ähm das ist ein Hersteller, der zum Beispiel mit IBM kooperiert
06:30
Carex hat damals einfach den äh vorhandenen Prozessor von Inter genommen, hat sich quasi angeschaut, wie der funktioniert, also ähnlich wie diese sowjetischen Prozessoren,
06:41
hat ein Modell nachgebaut, das sich so ähnlich verhält. Der ist nicht zu hundert Prozent kompatibel und macht teilweise auch Probleme, aber der ist billiger.
06:50
Auf dem Markt für Prozessoren herrscht also ein richtiges Durcheinander in verschiedenen Herstellern und Varianten für die einzelnen Prozessoren
06:56
Das führt dazu, dass sich viele Kunden gar nicht im Klaren sind, aus welchen Teilen der gekaufte Beziehung eigentlich besteht,
07:03
und selbst wenn die verschiedenen Prozessoren waren alle nach dem gleichen Schema benannt, das sich aus der jeweiligen Generation und der Bezeichnung der Architektur zusammengesetzt hat. Okay
07:12
Je nach Hersteller kam dann vielleicht noch ein Buchstabe dazu. Der vier sechsundachtziger von Intel, der hieß I vier sechsundachtzig, die Version von IMD, die hieß AM vier sechsundachtzig,
07:22
also Übersichtlichkeit ist was anderes.
07:25
Darum startete Intell Anfang der neunziger eine große Werbekampagne. Der Slogan Interlinzide wurde verwendet, um die Prozessoren von Intel aggressiv zu vermarkten.
07:35
Slogan wurde übrigens bis Ende zweitausendundfünf verwendet.
07:39
Aber man wollte noch mehr, um sich von den anderen Herstellern zu unterscheiden und in alleinstellungsmerkmal zu schaffen, wollte man den Namen vom Prozessor als Marke schützen lassen.
07:48
Man hat es auch versucht mit der nächsten Generation, also dem fünf sechsundachtziger aber ein Gericht hat direkt abgewunken, denn so eine kurze Zahlenkombination, die konnte nicht geschützt werden.
07:58
Ja und dann tat man bei Intel das Gleiche, was man immer tut, wenn man guten Namen für ein Produk.
08:02
Man nimmt sich ein Latein und ein Griechisch-Wörterbuch und sucht da mal ein bissel rum. Und bei Intell wurde man dann im äh griechisch Wörterbuch fündig, denn die fünf im Griechischen, die heißt Penta. Und deswegen hieß die fünfte Generation von den X sechsundachtziger Prozessoren bei Intel,
08:19
I fünf sechsundachtzig, sondern Pentium. Und den Namen Pentium, den konnte man sich als Marke schützen lassen.
08:25
Der erste Pentium mit der Modellbezeichnung P fünf wurde am zweiundzwanzigsten März neunzehnhundertdreiundneunzig auf der Cebit in Hannover vorgestellt
08:33
Für die jüngeren Leute in den Empfangsgeräten, die Zebit war eine der größten Messen für Informationstechnologien der Welt und die fand noch bis zweitausendachtzehn jedes Jahr in Hannover statt.
08:44
Technisch gesehen übertraf der Pentium alle Erwartungen. Das Publikum war total begeistert. Intell begleitete die Markenführung damals mit einer der größten Werbekampagnen in der IT-Geschichte,
08:54
Manche Quellen sprechen auch von einer der größten Werbekampagnen überhaupt. Ich konnte es nicht genau klären in der Recherche, was stimmt, aber auf jeden Fall war das richtig viel Geld, das damals in die Hand genommen wurde.
09:05
Ich erinnere mich auch noch sehr gut an die ganze Intel Pentium Werbung. Die war damals überall,
09:10
Zeitung aufgeschlagen, Pentium Werbung. Fernseher angemacht, Pentium Werbung, Plakate in der Stadt, Pentium Werbung. Man hat teilweise wirklich Angst gehabt, den Klokegel hochzuklappen.
09:20
Es gab damals auch noch eine Partnerschaft zwischen Intel und Microsoft und das führte dazu, dass Microsoft natürlich Intelpendium Systeme für Windows empfahl,
09:29
Intel erklärte im Gegenzug, dass Pendiumsysteme absolut kompatibel und perfekt für Windows waren.
09:35
Hätte damals nicht Bill Geld im Vorfeld der Cebit seiner Frau in den Heiratsantrag gemacht.
09:40
Dann wäre höchstwahrscheinlich an dem zweiundzwanzigsten März in Hannover live dabei gewesen. Stattdessen steckte der aber Gerüchten zufolge tief in den Vorbereitungen seiner Hochzeit,
09:50
Mehr über dieses Thema gibt's übrigens demnächst in meinem neuen Format Love and Gossip in der IT-Welt. Freut euch drauf,
09:57
Zunächst lief alles super für Intere. Über ein Jahr lang. Und dann kam Thomas Ray Nicly ins Spiel,
10:03
Der war Professor Lynchberg College in Virginia. Er war Mathematiker und forschte da ein Primezahlen
10:08
seine Arbeit hatte er mehrere verschiedene Rechner zu einem großen System zusammengeschalten und darauf lief ein von ihm selbst geschriebenes Programm, das Primza-Berechnung durchführte.
10:19
Dieses Programm verteilte die Berechnung dann auf die verschiedenen Computer in dem Verband und fügte am Schluss die ganzen Teilergebnisse wieder zusammen, um großes Ergebnis zu bekommen.
10:29
Am dreizehnten Juni neunzehnhundertvierundneunzig entdeckte er dann in Konsistenzen in seinen Berechnungen,
10:36
einige Rechnungen, die immer wieder mal so zur Kontrolle liefen, passten auf einmal nicht mehr.
10:41
Kurz davor hatte Professor Neisly einen neuen Rechner mit Pentium Prozessor zu diesem Rechnerverbund hinzugefügt.
10:49
Es konnte aber nicht direkt sagen, dass der Fehler dadurch verursacht wurde. Es hätte nämlich verschiedene Ursachen geben können
10:55
Beispielsweise die übliche Hardware oder schlichten Programmfehler. Und weil er ein guter Wissenschaftler war, nahm er sich die Zeit, um die Sache gründlich zu untersuchen,
11:04
Auf seiner Website schildert Nice, ganz detailliert, wird den Fehler auf die Schliche kam und wie er nach und nach verschiedene Fehlerursachen ausschließen konnte.
11:12
Wenn man sich etwas tiefer mit der Thematik beschäftigen möchte, dann kann ich die Lektüre nur empfehlen. In den Shownotes werde ich eine archivierte Version davon verlinken. Das Original ist leider nicht mehr verfügbar.
11:24
Es dauerte rund vier Monate, bis er die Ursache endlich gefunden hatte.
11:28
Am neunzehnten Oktober war sich Professor Neißly sicher, dass der Fehler in der FPU das Pentium Prozessor steckte und dass dies aber manchen Gleitkomma Division kein korrektes Ergebnis produzierte.
11:39
Eine FPU ist die Floating Point United, also die Gleitkommereinheit. Das ist ein Teil von Prozessor, der auf Rechenoperation mit Gleitkommerzahlen optimiert ist,
11:48
bevor es sowas gab, mussten Gleitkommerrechnungen immer in der Software emuliert werden und dann durch die vorhandenen ganz zahllichen Rechenoperationen des Prozessors ausgeführt werden.
11:58
Das führte bei Gleitkommerechnung zu einer ziemlich starken Auslastung des Prozessors und dadurch wurden solche Dinge langsam.
12:04
Die integrierte Gleitkommereinheit im Pendium, das war was Neues. Früher musste man sowas immer nachrüsten. Es gab schon ab dem äh zwei sechsundachtziger, gab's sogenannte Co-Prozessoren
12:15
die bestanden im Wesentlichen aus so einer Gleitkommereinheit, die konnte man dazu kaufen, wenn man die entsprechende Hardware hatte, also das entsprechende Mainboard und konnte die einfach draufstecken,
12:24
wenn man dann entsprechende Software hatte, die darauf angepasst war und die auch entsprechend viel solche Gleitkommerrechnungen durchführte, dann war das ein deutlicher Leistungssprung.
12:34
Professor Neisley meldete sich dann mit seiner Entdeckung erstmal beim Hersteller von dem betroffenen PC und nachdem ihm dir nicht weiterhelfen konnte, meldete er sich direkt beim Textsupport von Intell.
12:44
In den Tagen darauf bekam aber keine vernünftige Antwort.
12:48
Kannte man den Fehler zu dem Zeitpunkt allerdings schon. Der ist nämlich intern schon seit Mai bekannt und wurde bei den Arbeiten am Nachfolgerprozessor Psex entdeck.
12:58
Der P sechs, der kam später übrigens als Pentium Po auf den Markt.
13:02
Das erklärt er auch warum bereits im Oktober eine fehlerkorrigierte Variante von P fünf mit so einer Musterstückzahl ausliefern konnte.
13:10
Laut Intell wurde der Fehler damals von Patrice Russell, dem Architekten der Gleitkommalenheit im P sechs entdeck.
13:17
Da Professor Neisle jetzt von Internix hört, forscht er selber weiter. Er gibt ein Testprogramm, eine Kollegin weiter, der einen Ehemann bei einem Hersteller von Nukleartechnologie arbeitet,
13:28
Dort gibt's auch einige neue Pendiumsysteme, auf denen der Fehler ebenfalls bestätigt werden kann,
13:33
Das ist auch eine geile Geschichte, oder? Da bringt jemand eine Diskette mit einem fremden Programm mit und lässt das einfach so auf den Rechnern von einem Konzern laufen, der Nukleartechnologie herstellt. Die frühen Neunziger müssen echt noch eine friedliche Zeit gewesen sein. Zumindest was Computer angehen.
13:48
Als es dann bis zum dreißigsten Oktober immer noch keine Reaktion von Interl gibt, beschließt Professor Neißly seinen Fehlerbericht per E-Mail an eine Gruppe von Journalisten und Fachleuten zu schicken.
13:59
Nur einen Tag später als am einunddreißigsten Oktober ruft dann doch noch ein Ingenieur von Intel zurück und fragt nach dem Testcode den Professor Nicley geschrieben hat. Die entsprechende Diskette geht noch am selben Tag bei Federx raus,
14:11
Ja, was für eine wunderbare Zeit war das, oder? Als man noch die Sketten per Express verschickt hat. Okay und dann nimmt alles an Fahrt auf. Der Fehler, der kann von den Empfängern von Nice Les E-Mail reproduziert werden. Die E-Mail, die landet dann auch noch im Internet und wird dort lebhaft diskutiert.
14:26
Am dritten November bekommt Professor Neiße dann zwei Fehler bereinigte Pendiumprozessoren von Intel geschickt. Das ist möglich, weil man dort wie gesagt den Fehler ja schon seit geraumer Zeit kennt und auch schon Fehler bereinigte Varianten produziert.
14:39
Bereits am siebten November erscheint dann die erste öffentliche Berichterstattung in der Elektronik Engineering Times. Da berichtet der Alexander Buffy in seinem Artikel Intel Fix The Pentium FPU Klitsch von dem Fehler.
14:51
Wie der Name vielleicht schon vermuten lässt, ist die Elektronik-Engineering Times kein Magazin für die breite Masse. Aber nur zwei Wochen später erscheint einen Beitrag in den Headline News auf CNN und dadurch entsteht in der breiten Öffentlichkeit sehr viel Aufmerksamkeit.
15:06
Daraufhin berichten auch andere Medien und daraufhin wird dann auch international über die ganze Geschichte berichtet. In einer ersten Stellungnahme erklärt Inteil, dass der Fehler sowieso nicht so schlimm ist,
15:16
spielen für die meisten Nutzer sowieso keine große Rolle. Lediglich bei Tabellenkalkulation könnte das irgendwann mal relevant sein. Und dann schätzt Inter, wie häufig der Fehler auftauchen könnte.
15:28
Normalbürger, so schätzt Interl, dürfte so ein Fehler statistisch nur alle siebenundzwanzigtausend Jahre auftreten. Was weit seltener als alle anderen Fehlerquellen in einem PC ist
15:38
Also ich möchte hier noch ergänzen, ja, dass es sogar seltener als alle anderen Fehler quellen zusammen,
15:44
Daraufhin melden sich dann eine ganze Reihe von Personen und Institutionen mit eigenen Berechnungen,
15:49
darunter ist auch das deutsche CT Magazin. Bei denen kommt man auf einen statistischen Fehler alle sechzig Tage. Man schränkt allerdings ein, dass der Fehler wirklich nur bei sehr gleichkommaintensiven Anwendungen auftritt.
16:01
Ganz prominent, meldet sich dann aber auch der ehemals wichtige Partner IBM zu Wort. Dort kommt man auf einen Fehler, alle vierundzwanzig Tage und stellt danach öffentlichkeitswirksam den Verkauf von Intelpendium Prozessoren ein.
16:15
Dazu muss man jetzt aber auch wissen, dass IBM zu der Zeit versucht hat,
16:18
seine eigenen Prozessoren auf Basis von der Power PC Architektur zu vermarkten. Und außerdem hat der IBM noch mit den Nachbauten von Cyrics einen direkten Konkurrenten im Sortiment.
16:29
Wahrscheinlich war der Skandal um den Pentium damals nicht so ganz ungelegen für IBM.
16:35
Der Fehler im Pendium bedeutete übrigens nicht, dass die betroffenen Rechenoperationen völlig falsch waren,
16:40
Die größten Abweichungen, die damals aufgetreten sind, die fand man in der vierten Nachkommastelle. Aber das war extrem selten,
16:47
Der Großteil der Fehler fand sich irgendwo in der neunten oder in der zehnten Nachkommastille. Aber wie gesagt, die Fehler waren generell ziemlich selten und passierten auch nur bei speziellen Zahlenpaaren.
16:59
Tatsächlich dürften die meisten Benutzer damals auch keine Probleme gehabt haben. Denn sowohl Genauigkeiten waren für die meisten Anwendungen schlicht und ergreifend nicht relevant.
17:08
Gibt eine öffentliche Stellungnahme ab und bietet den Austausch von betroffenen Prozessoren an. Sofern man nachweisen kann, dass man durch den Rechenfehler Nachteile hat.
17:17
Es kommt bei der Öffentlichkeit nicht so gut an und löst einen der ersten Shitstorms aus.
17:22
Am zweiundzwanzigsten Dezember gibt Intel schließlich dem enormen öffentlichen Druck nach und verspricht, dass jeder betroffene Pendium ohne wenn und aber umgetauscht wird.
17:32
Dafür stellt Intell vierhundertfünfundsiebzig Millionen Dollar zurück.
17:36
Um die Austauschaktion zu koordinieren, richtet man sogar ein eigenes Call Center ein. Am Ende werden aber nur rund eine Millionen Prozessoren getauscht,
17:44
Neißley Verurteile die Austauschaktion übrigens als Verschwendung von Ressourcen.
17:49
Zum Ende bleibt eine Frage. Was genau war denn eigentlich das Problem im Pentium und warum rechnete der manchmal falsch? Wie bereits erwähnt befand sich der Fehler in der Gleitkummereinheit.
18:00
Integrierte Gleitcom-Einheit war es kurz davor in den höherwertigen vier sechsundachtziger Prozessoren eingeführt worden. Davor gab's so externe Co-Prozessoren, die konnte man kaufen und mit denen konnte man sein System aufrüsten.
18:13
Fühle die Visionen der Gleitkommeinheit hat der Pentium ein spezielles Verfahren verwendet, den sogenannten SAT-Algorithmus. Das waren schneller die Visionsalgorithmus, der gut auf die Hardware angepasst werden konnte,
18:25
der war dadurch also sehr gut für Computer geeignet.
18:29
Der SAT-Algorithmus ist noch komplizierter als das schriftliche Dividieren, dass man damals in der Schule gelernt hat. Darüber hinaus hat der SET-Algorithmus eine Besonderheit.
18:39
Sogenannte Lookabtabelle, um vorberechnete Zwischenwerte für die Division zu bestimmen und dadurch Rechenschritte einzusparen.
18:48
Bei einer Division wird also an manchen Stellen in eine große Tabelle geschaut, um dort einen Wert zu ermitteln, mit dem dann gerechnet wird,
18:55
Für die Implementierung im Pentium hat er diese Tabelle zweitausendachtundvierzig Zellen, von denen allerdings nur tausendsechsundsechzig mit Werten gefüllt waren,
19:04
In den anderen stand einfach eine Null.
19:07
Fünf von diesen tausendsechsundsechzig Werten waren fehlerhaft. Die fehlerhaften Werte befanden sich allerdings alle am Rand.
19:15
Deswegen wurde auch nur relativ selten darauf zugegriffen und deswegen trat dieser Fehler nur relativ selten auf,
19:22
Der ursprüngliche Fehler stand aber schon früher. Die verwendet Tabelle wurde von den Mathematikerinnen oder Mathematikern entwickelt, die den Algorithmus an die Hardware angepasst haben.
19:32
Und irgendwann mussten die Werte ja dann in den Chip übertragen werden. Impentium war die Tabelle als PLE realisiert,
19:39
PLA ist ein Programmableger. Dabei handelt es sich um den programmierbaren Speicherbaustein, der einmalig beschrieben werden kann. Tja, und dafür schrieb dann bei Intell ein Ingenieur, ein kleines Programm, das genau diesen Job übernahm.
19:53
Leider befand sich in diesem Programm ein klitzekleiner Fehler, durch den die fünf betreffenden Werte nicht übertragen wurden,
20:01
Dadurch hatten die den PLA den Wert null, also die Standardbelegung für leere Werte.
20:07
Leider gab's bei Intel keine entsprechende Qualitätssicherung, die das Programm nochmals nach dem Vier-Augen-Prinzip vor dem Einsatz überprüfte. Außerdem fand im Nachgang auch kein Vergleich der Rohdaten mit den Daten in diesem PLA sta.
20:21
Ja und dadurch dauert es dann halt über ein Jahr, bis der Fehler schließlich erst bei Intell und dann von Professor Neisly gefunden wurde.
20:28
Im Nachgang zeigte intern noch ein bisschen Humor. Einige von denen eine Million ausgetauschten Pentiumchips wurden nämlich zu Schlüsselanhängern verarbeitet und ein Mitarbeiter verteilt. Auf der Rückseite gab's darauf ein Zitat von Andy Groove
20:42
Dort stand Bad Companys Adistroit bei Crisis, good company the wifedam, Great Companys Iron Proof bei dem.
20:50
Professor Thomas Ray Nicele verstarb leider im Jahr zweitausendneunzehn. Seine detaillierte Schilderung von den damaligen Ereignissen war bis zuletzt ein prominenter Teil seiner privaten Website.
21:01
Nach seinem Tod, du wurde die leider offline genommen. Im Internet ist aber immer noch ein Snapshot erhalten und ich empfehle wirklich, sich den mal anzuschauen, denn das ist ein tolles Stück Zeitgeschichte.
21:13
Der Pentiumpark war in der breiten Wahrnehmung der erste große Hardwarefehler. Und er ist bis heute wahrscheinlich auch immer noch der bekannteste,
21:20
Der ganze Fehler hätte durch eine vollständige Qualitätskontrolle verhindert werden können. Auch hier fällt wieder deutlich auf, dass der eigentliche Fehler ein mangelnder Prozess in der Qualitätssicherung war. Das erinnert irgendwie an die Geschichte von Night Capital aus der letzten Folge.
21:35
Ich finde die aber auch noch eine zweite Sache ziemlich spannend. Und zwar die Tatsache, wie Intel damals das Internet und die öffentliche Meinung völlig unterschätzt hat.
21:44
Wer Intel damals nicht so konfrontativ aufgetreten, dann hätte es vielleicht auch gar nicht so eine Empörung gegeben. Man muss sich das ja mal klar machen
21:52
Intell hatte durch einen selbst verschuldeten Fehler ein fehlerhaftes Produkt ausgeliefert. Aber anstatt sich dafür zu entschuldigen und Ersatz anzubieten, erklärt Intel erstmal, dass das für die Kunden sowieso keine Rolle spielt, dass man erstmal beweisen muss, dass man den Anspruch auf einen Austausch hat,
22:07
Also ich kann mir gut vorstellen, dass gerade auch dieses Verhalten war, dass die Leute damals richtig wütend gemacht hat und dass man dann gerade deswegen den Prozessor tauschen möchte,
22:16
Intell hat die Sache am Ende aber dann doch noch ganz gut überstanden und auch wenn AMD heute ein sehr großer Konkurrent ist, hat Intel immer noch einen guten Marktanteil. Übrigens, dieser Bentimback ist auch als Pentium AfD Back bekannt,
22:30
ist der Befehl für die Gleitkommandi Vision im Pentium
22:34
Es ist ganz spannend, da zu unterscheiden, denn es gab später auch noch andere Bugs im Pentium, die allerdings nicht mehr so viel Aufmerksamkeit erregt haben. Vielleicht auch, weil Intel ein bisschen was im Bezug mit dem Umgang mit solchen Dingen und im Umgang mit Kommunikation gelernt hat.
22:49
Das war die Geschichte vom Pentium Bark,
22:51
Bei der Recherche bin ich ziemlich in die Geschichte der Prozessoren abgedriftet und wenn ich mal ganz viel Langeweile habe, wäre das vielleicht auch mal ein schönes Thema für so eine Bonusfolge. Dann halt mit viel mehr Computer und weniger Katastrophen.
23:05
In der letzten Woche haben die digitalen Anomalien übrigens eine Bewertung bei Apple Podcast bekommen und nicht nur irgendeines, sondern tada die erste,
23:14
Der eine Tobi gibt fünf von fünf Sternen und schreibt spannende und kuriose Technikgeschichten. Nicht nur für Nerds.
23:21
Die ersten beiden Folgen machen Lust auf mehr. Wolfgang erzählt in einer sympathischen Art spannende und kuriose Geschichten aus der Technik.
23:29
Man merkt, dass ein fundiertes Fachwissen hat, er schafft es aber, die Dinge so zu erklären, dass man auch ohne Informatikstudium folgen kann. Ich bin auf die nächsten Episoden gespannt, weiter so.
23:40
Hey Tobi, vielen Dank dafür, das freut mich wirklich sehr. Und falls ihr jetzt Lust habt, auch mal Teil von diesem Podcast zu werden, dann macht's doch einfach wie Tobi und schreibt auch eine klitzekleine Rezession bei Apple Podcast. Da würde ich mich sehr drüber freuen.
23:54
So, das war die zweite Folge von den digitalen Anomalien. Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht. Die nächste Folge erscheint in zwei Wochen und ich freue mich, wenn ihr wieder dabei seid
24:03
Genauso freue ich mich aber auch über Feedback. Sehr gern per E-Mail an Feedback at digitale Anomalien Punkt DE oder als Kommentar zur Folge auf digitale Anomalien Punkt DE
24:13
Und wenn ihr Lust habt, dann folgt mir doch auf Instagram unter at digitale Anomalien. Bleibt gesund und tschüss, bis zum nächsten Mal.