Spur der Verbrechen

Kaltblütige Mörder, ungeklärte Fälle und Ermittler, die nicht ruhen, bis die Täter entlarvt sind. Life Radio Reporterin Martina Schobesberger spricht mit Polizisten, Richtern, Anwälten und Journalistenkollegen über die spektakulärsten Kriminalfälle in Oberösterreich - von der Bestie von Sierning bis zur kopflosen Leiche von Sarmingstein. Du hast Feedback zum Podcast? Schreib uns an podcast@liferadio.at!

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episode 5: Der Glätteisen-Mord von Auberg [transcript]


23.Oktober 2012 in Auberg im Bezirk Rohrbach: Sandra R. kommt nicht zur Arbeit. Das passt nicht zu ihr. Sandra ist sehr zuverlässig. Eine Kollegin macht sich Sorgen. Sie sieht nach und findet Sandra tot in ihrem Badezimmer. Aufgehängt am Kabel ihres Glätteisens an der Klinke der Badezimmertür. Es sieht nach Suizid aus. Doch die Eltern glauben nicht daran. Und auch Gutachter und ein Star-Profiler des FBI sagen: Hier passt etwas nicht zusammen.

Falls Sie sich in einer Krisensituation befinden, Suizid-Gedanken haben und jemanden zum Reden brauchen. Unter der Notrufnummer 142 erreichen Sie die Telefonseelsorge OÖ 24 Stunden am Tag, auch an Sonn- und Feiertagen, gebührenfrei, in ganz Österreich, vom Festnetz und von Mobiltelefonen.


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 2021-07-11  52m
 
 
00:00
Spur der Verbrechen, Oberösterreichs spektakulärste Kriminalfälle. Immer sonntags, alle zwei Wochen ab siebzehn Uhr. Dreiundzwanzigster Oktober zweitausendzwölf, Aubergine,
00:14
Sandra R kommt nicht zur Arbeit. Das ist untypisch für sie. Sandra ist ordentlich, verlässlich,
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Eine Kollegin macht sich Sorgen, sie geht nachsehen und findet Sandra. Tot in ihrem Badezimmer. Aufgehängt am Kabel ihres Glätteisens an der Türklinke.
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Suizid ist der erste Gedanke. Doch die Eltern glauben nicht daran.
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Herzlich willkommen in der Live-Radio-Podcast-Lounge, es begrüßen sie heute hier die Frau, die die bösen Jungs und die bösen Mädels hinter Gitter bringt. Ulrike Breitineder, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Linz, hallo?
00:45
Hallo, danke für die Einladung. Und der Mann, der die Uhrzelle fehlt, Walter Echinger, Vizepräsident des Landesgerichts Linz.
00:52
Hallo, danke für die Einladung. Ich bin Martina Schobelsberger, Reporterin bei Live Radio und wir äh schauen uns heute einen Fall an, bei dem die große Frage ist, war es Suizid? Oder
01:02
war es Mord. Hat sich Sandra R selber am Kabel ihres Glätteisens an der Türklinke ihrer Badezimmertür aufgehängt oder wollte jemand hier einen Mord
01:11
verschleiern, verbreiten die Rebliken wir zurück. Der äh Tag ist der dreiundzwanzigste Oktober zweitausendzwölf. Was ist damals passiert?
01:19
An diesem Tag ist äh die Sandra Ehre entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit.
01:26
Unentschuldigt nicht zu ihrer Schicht gekommen. Sie hat damals in einer Fabrik gearbeitet.
01:33
Und wo er eine sehr verlässliche Mitarbeiterin sehr freundlich und kontaktfreudig.
01:39
Und aus diesem Grund war's entgegen ihrer Gewohnheit.
01:43
Völlig unüblich, dass sie da hier nicht einmal eine Nachricht hinterlässt, wenn sie nicht kommt. Aus diesem Grund hat sich dann eine Arbeitskollegin auf den Weg gemacht, um nach ihr zu sehen. Und diese Arbeitskollegin ist gemeinsam mit einer Nachbarin.
01:58
Dann mit dem Zentralschlüssel der Vermieterin in die Wohnung. In der Wohnung hat kein Licht gebrannt.
02:05
Und die beiden haben dann sehr rasch gesehen, dass da im Bereich der Badezimmertüre ein lebloser Körper liegt.
02:15
Sie haben uns quasi so die die Beine. Wir haben die Beine gesehen.
02:19
Und haben dann völlig richtig reagiert und die Türe sofort geschlossen und haben die Polizei angerufen. Mhm. Es war zu dem Zeitpunkt aber noch völlig unklar, was da passiert ist, ob da ein Unfall passiert ist, ob da ein Selbstmord jetzt vorliegt.
02:33
Oder ein anderer Umstand,
02:36
dafür, die in die Wohnung gekommen sind, noch überhaupt äh nicht ersichtlich. Mhm. Sie hat nur die Polizei gerufen, die sind äh gekommen, also Polizei und eine Ärztin.
02:46
Es ist die Polizei mit der diensthabenden Ärztin gekommen und die haben dann mehr oder minder die Lage vor Ort übernommen.
02:53
Und haben sich das angeschaut und haben dann festgestellt, dass da ein lebloser Körper.
03:00
An der Klinke der Badezimmertüre äh aufgehängt mit dem Kabel eines Glätteisens hängt. Also Sandra R.
03:09
Quasi stranguliert, also aufgehängt am Kabel, das Glätteisen an der Türklinke der Badezimmertür.
03:16
Man hat dann natürlich versucht festzustellen, wann ist hier der Tod eingetreten und.
03:24
Wie ist es denn dazu gekommen? Dazu gehört einerseits eine medizinische Begutachtung,
03:29
das hat dort die Ärztin vorgenommen, die natürlich jetzt weder die Erfahrung, nur die Ausstattung eines Gerichts, medizinischen Institutes hat.
03:38
Die hat dort einmal per se keinen Anhaltspunkt für eine Fremdeinwirkung gesehen. Mhm also man ist davon ausgegangen, äh
03:47
die Sandra hat sich das Leben genommen, hat sich selber an der, an der Türklinke erhängt. Das war jetzt einmal der erste Eindruck, der sich sowohl für die Ärztin, für die Polizei geboten hat, die haben eine saubere Wohnung vorgefunden. Es hat dort keine Kampfspuren gegeben.
04:01
Es hat auch keine Spuren für ein gewaltsames Eindringen in die Wohnung gegeben, also die Türe war weder aufgebrochen,
04:08
nur wo er an der Balkontüre irgendwas zerstört, wobei man sagen muss, die Wohnung war so weit oben, dass war jetzt keine ebenerdige Wohnung, wo man da reinspazieren hätte können,
04:18
auf der Balkonseite und deswegen hat's jetzt überhaupt keinen Anhaltspunkt gegeben.
04:25
Von einer Gewalteinwirkung auszugehen. Allerdings ist kein Abschiedsbrief gefunden worden.
04:32
Dafür hat's einen Wagenhinweis aus der Kollegenschaft gegeben, dass die Sandra R
04:39
in den letzten Tagen etwas depressiv verstimmt gewesen wäre. Hm, das würde die Theorie stützen, dass es Selbstmord war, allerdings ähm die Familie, ähm
04:49
von der Sandra hat von Anfang an daran gezappelt, sie haben gesagt, sie glauben nicht, dass Sandra ähm sich selbst das Leben genommen hat. Ähm vielleicht können sie ja ein bisschen Bild zeigen, wer war denn die Sandra und äh wie hat sich ihr Leben gestaltet äh vor diesem Tag?
05:03
Soweit aus den Zeugenaussagen hervorgegangen ist.
05:08
War das eine lebenslustige Sechsundzwanzigjährige, die freundlich war, die als kontaktfreudig beschrieben wurde, die gern ins Fitnessstudio gegangen ist, die ihre Freude beim Motorradtreffen gehabt hat.
05:21
Die auch äh erst kurz,
05:23
vor ihrem Tod eine neue Bekanntschaft gemacht hat. Man könnte sagen, sie war frisch verliebt. Mhm. Es war,
05:31
also die Zeichen sind auf eine positive Entwicklung gestanden.
05:36
Sie hat Pläne gehabt für die nächsten Tage. Sie wollte sich zum Beispiel jetzt auch ganz äh dringend einen Laptop zulegen.
05:44
Absolut keine Hinweise, dass da jetzt jemand äh beabsichtigt hätte, freiwillig aus dem Leben zu scheiden
05:52
Und dieser erste Eindruck, der da entstanden ist bei der Polizei und bei dieser diensthabenden Ärztin, der ist aber dann relativ rasch in ein anderes Licht gerückt worden. Die Polizei hat nämlich dann.
06:05
Auch weiter ermittelt. Hat einmal in dem Wohnhaus ähm Nachbarn befragt und da haben dann auch Nachbarn geschildert, sie haben ihn,
06:15
von zweiundzwanzigsten auf dreiundzwanzigsten Oktober einen lautstarken Streit gehört. Sie haben eine dominante Männerstimme gehört,
06:23
und dann auch ein unbekanntes Auto des ungewöhnlich rasch weggefahren ist. Mhm, also das alles deutet darauf hin, ähm dass sie da irgendwelche äh Gewaltzienen abgespielt haben müssen und das äh kein Selbstmord war.
06:36
Es ist dann auch relativ rasch ähm bekannt geworden, dass das Opfer einen Ex-Freund hat.
06:43
Wo das Ende der Beziehung schon ein paar Jahre zurückliegt, der aber offensichtlich mit der Trennung nicht so gut umgehen konnte.
06:51
Es hat damals geheißen, dass äh das Opfer sogar ihre Handynummer wechseln musste, weil.
06:58
Die Trennung so belastend war und diese Ex-Freund das Ende der Beziehung nicht hinnehmen wollte.
07:04
Ähm die Tote ist dann auch obduziert worden. Was hat da das Ergebnis? Nachdem jetzt da doch einige ähm,
07:12
Ergebnisse aus den Ermittlungen gegen die Selbstmordvariante gesprochen haben, ist eine Obduktion angeordnet worden.
07:20
Und bei dieser Obduktion hat sich dann sehr klar ergeben, dass es eine Gewalteinwirkung,
07:27
im Bereich des Halses, des Brustkorbs und auch der Arme gegeben hat und das hier ein artypisches Erhängen vorliegt.
07:37
Und die Theorie vom Selbstmord da nicht mehr bestätigt werden kann. Da ist die Frage, wer sind denn dann die Verdächtigen oder wer ist der Verdächtige?
07:46
Bei der Suche nach dem Verdächtigen hat die Gerichtsmedizin einen wesentlichen Beitrag geleistet. Man hat.
07:55
Die Leiche, aber auch das ähm Erhängungswerkzeug.
08:00
Untersucht, man hat hier Spureneisen, man hat Spuren genommen und die dann ausgewertet.
08:09
Und verglichen mit DNA-Spuren, die zur Verfügung gestanden haben, unter anderem die DNA-Spur dieses Ex-Freundes.
08:18
Der sich äh zunächst nur als Zeuge im Verfahren befunden hat.
08:24
Und dann letztlich in die Rolle des Beschuldigten gekommen ist. Mhm. Wobei er sagt's ja, er hat ein Alibi.
08:32
Er hat äh bei seiner Einvernahme als Zeuge seinen Tagesablauf für die fragliche Zeit geschildert.
08:42
Und er hat auch für den Mittag, für den Nachmittag des dreiundzwanzigsten Oktobers ein Alibi präsentiert.
08:49
Da ist aber jetzt hinzugekommen, dass sich die Ärztin zu Beginn ihrer Untersuchung über den Zeitpunkt des Todes massiv geehrt hat.
08:59
Zunächst von einem absolut falschen Todeszeitpunkt ausgegangen und das hat dann die Gerichtsmedizin erst richtig stellen können,
09:09
und dadurch hat sich dann auch das Alibi des Tatverdächtigen in Luft aufgelöst. Mhm, also die Ärztin äh ist davon ausgegangen, dass die Sandra sich äh.
09:18
Zum Mittag ungefähr selbst getötet hat, in Wahrheit ist sie aber schon ähm einen halben Tag vorher oder in der Nacht davor,
09:26
gestorben ist es so richtig. Die Ärztin ist.
09:30
Von einem Todeszeitpunkt circa vier Stunden vorm Auffinden des Leichnams ausgegangen. Das wäre etwa in den Mittagsstunden des dreiundzwanzigsten Oktobers gewesen. Dabei ist.
09:41
Ärztin, vor allem auch ins äh Auge gesprungen, dass die Verstorbene.
09:47
Ihre Arbeitskleidung anhatte und die Ärztin und die Polizei sind damals fälschlich davon ausgegangen,
09:53
Opfer auf dem Weg in die Arbeit war. Man hat gar nicht daran gedacht, dass sie auch vielleicht am Tag zuvor dann beim Heimkommen von der Arbeit auf ihren Mörder getroffen sein könnte.
10:05
Und ist dadurch von einer falschen Todeszeit ausgegangen,
10:08
was natürlich dann auch Kreise zieht, wann man das von Tatverdächtigen überprüfen möchte. Mhm. Jetzt hat äh der Tatverdächtige quasi fehlt sein Alibi in sich zusammen und er hat sich noch durch ein Gespräch eigentlich mit seiner Freundin belastet.
10:24
Tatverdächtige ist ja zunächst am fünfundzwanzigsten Oktober rein als Zeuge vernommen worden,
10:30
Dabei hat auch ganz Frank und frei seine DNA-Spur zu Vergleichszwecken abgegeben.
10:36
Und er hat an diesem Abend dann mit seiner Freundin telefoniert.
10:41
Dir natürlich berichtet, dass deine Ex-Freundin zu Tode gekommen ist und hätte dort auch geschildert,
10:48
sie wäre jetzt nicht nur, er hängt an der Badezimmertüre gewesen,
10:52
sondern vorher schon erwürgt worden. Und das ist absolutes Täterwissen, das ist damals weder in den Medien gestanden, noch hat die Polizei das Gegenüber.
11:02
Dem Tatverdächtigen bei seiner Einvernahme erwähnt, also das konnte wirklich nur der Täter wissen, dass es tatsächlich net nur das Erhängen an der Türe gegeben hat,
11:12
sondern vorher schon einen.
11:15
Oder ein ein Strangulieren. Mhm und das hat dann gereicht äh um den Mann festzunehmen.
11:24
In Kombination mit der Auswertung der DNA-Spuren hat dann zur Festnahme des Tatverdächtigen geführt.
11:32
Weil immerhin hat die ähm Gerichtsmedizin achtzehn Spuren des Tatverdächtigen am Körper und am Glätteisen festgestellt,
11:42
Es ist eine enorme Spurenmenge. Normalerweise geht man bei einem Gewaltverbrechen davon aus, dass man vielleicht ein bis zwei oder auch,
11:51
drei übereinstimmungen hat, da ist man als Ermittler schon dankbar für derartiges Spurenmaterial. Also das ist wirklich eine exorbitant hohe Zahl,
12:01
an äh Spuren, die da der Tatverdächtige hinterlassen hat. Mhm. Und deshalb ist dann auch die Anklage erhoben worden.
12:08
In Kombination mit dem Ergebnis der Obduktion, mit diesem Telefonat, das die Freundin des Tatverdächtigen bestätigt hat.
12:17
Aber auch mit den Auswertungen des Mobiltelefons.
12:22
Es ist nämlich dann auch noch festgestellt worden, dass der Tatverdächtige so im Zeitraum ähm.
12:30
Vor dem Tod bis zum einundzwanzigsten Oktober intensiven Kontakt zum Opfer gehabt hat und dann ist.
12:38
Ohne Grund ohne ersichtlichen Grund dieser Kontakt abgebrochen, also wie waren der Tatverdächtige gewusst hätte, dass er am vierundzwanzigsten Oktober nicht mehr anrufen muss, weil das Opfer tot ist. Mhm.
12:51
Gruselig.
12:54
Gut, ähm es ist dann Anklage erhoben worden. Äh der Prozess ist gestartet. Ähm Herr Echinger, wie hat sich denn dann der Angeklagte da äh vor Gericht bekannt? Hat er das Ganze zugegeben oder was hat er gesagt? Welche Version hat er? Dem Gericht präsentiert, was passiert ist.
13:09
Geklagte, verarmte er sich vor Gericht nicht schuldig, er hat zugestanden mit dem späteren Opfer in einer Beziehung gewesen zu sein. BO ist zweitausendneun im
13:20
zwar äh er habe dann nach dem Ende der Beziehung kurze Zeit,
13:25
darum gekämpft, die Beziehung wieder zu aktivieren. Er sagt weiter, dass der Wechsel der Telefonnummer
13:34
durch das spätere Opfer nichts mit ihm zu tun hat. Er habe dann später erfahren, nämlich im Oktober zweitausendzwölf,
13:44
dass sich das spätere Opfer von ihren aktuellen Freund getrennt habe. Daraufhin hat er wieder Kontakt mit äh seiner Ex-Freundin aufgenommen. Es hat am neunzehnten Oktober einen Besuch.
13:58
Des Angeklagten bei ihr gegeben anlässlich dieses Besuchs sei auch auf das WC gegangen,
14:06
habe, sich dann die Hände waschen wollen und habe im Bad äh das Glätteisen im Waschbecken gefunden
14:15
dann äh in die Hand genommen, hätte das Kabel aufgerollt und besser hätte äh gelegt.
14:23
Damit erklärt er die später hin gefundenen DNA-Spuren von ihm. Äh,
14:29
es hat dann am einundzwanzigsten bis zum einundzwanzigsten Oktober noch Kontakt mit dem späteren Opfer gegeben
14:38
da hätte ihm das Opfer auch berichtet, dass sie frisch verliebt sei am Wochenende bei einem Motorradtreffen, einen Kärntener, kennengelernt habe,
14:49
und nach dem einundzwanzigsten habe ich auch mit dem Opfer keinen Kontakt mehr gehabt. Vielleicht nun wirklich zum Tattag, beziehungsweise der Tag Nacht. Was sagt er denn da vor Gericht, wo er war und was er da getan hat?
15:03
Mhm
15:04
am zweiundzwanzigsten Oktober äh behauptet der Angeklagte, dass äh in der Arbeit gewesen sei, dann am Abend bis zirka einundzwanzig Uhr dreißig noch Kontakt gehabt hätte mit seiner Freundin
15:19
und danach schlafen gegangen sei am nächsten
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Tag äh um fünf Uhr sei er dann in die Firma äh gegangen und hätte gearbeitet. Das heißt, äh zum
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Zeitraum äh sei er zu Hause gewesen und habe geschlafen. Mhm. Das haben mir die Experten auch äh überprüft mit den Handydaten, hat das so gestimmt?
15:41
Äh ja, der letzte Handy äh Kontakt war um einundzwanzig Uhr dreißig in etwa mit seiner Freundin
15:48
was danach war, kann man freilich nicht sagen oder tatsächlich zu Hause, wo er oder irgendwo anders.
15:55
Mhm. Belastend waren ja vorher bei den Ermittlungen, wie sie gesagt haben, Frau Bretterneder, vor allem die DNA-Spuren, ähm am am Körper des Opfers auch ähm Glätteisen selbst, ähm
16:06
dafür hat er auch eine Erklärung. Er sagt, er war wenige Tage vor dem Tod des Opfers in der Wohnung, also welche Erklärung hat er denn dafür?
16:13
Ja, er hat gesagt, er wollte wieder Kontakt.
16:17
Dem späteren Opfer aufnehmen. Er wollte eine normale Freundschaft, aber jetzt nicht in Form meiner äh Beziehung und deshalb habe er sich mit dem Opfer getroffen und in diesem Zusammenhang
16:29
eben auch im Bad das
16:32
essen in der Hand gehabt, das Kabel aufgerollt äh und damit seine DNA-Spuren hinterlassen. Mhm, also das ist die Version äh des Angeklagten und das haben natürlich sich Experten, Gutachter genauer angeschaut, ob denn das tatsächlich so hätte
16:47
passieren können, wie er das geschildert hat, eben auch ähm ein DNA-Experte, ein Molekularbiologe. Ähm was hat denn der gesagt, ist es so möglich?
16:56
In der Hauptverhandlung wurde vom Gerichtsmedizinischen Institut ein Molekularbiologe dazu vernommen. Äh er hat erörter
17:05
dass man insgesamt achtzehn Spuren äh mit der DNA des Täters gefunden hat, einerseits am
17:13
Eisen auf der anderen Seite auf der Motorradjacke und zwar auf der Außenseite im Halsbereich, äh was auch interessant ist, nämlich insofern, äh dass nämlich der Strangwerkzeug direkt am Hals innerhalb der Jagd
17:30
angelegen äh war, man hat dann A gefunden auf insgesamt
17:36
acht Fingern, DNA-Spuren, man hat's gefunden, an beiden Händen und auch im Halsbereich äh des Opfers.
17:47
Der Angeklagte erklärt das mit äh sogenannten Sekundärübertragung,
17:53
dazu muss man wissen und deshalb der Sachverständige ausgeführt, dass immer dann, wenn man einen Gegenstand angreift die DNA,
18:02
auf diesen Gegenstand übertragen wird, wenngleich auch in sehr geringer Menge äh kommt es dann von diesen Gegensteuern in Berührung mit einen anderen Gegenstand oder Kleidungs.
18:14
Äh dann verringert sich bei dieser Sekundärübertragung die DNA immer
18:20
sodass der Sachverständige gesagt hat, es sei unmöglich, dass man dann an achtzehn verschiedenen Stellen die DNA das Angeklagten
18:29
findet. Er hat das auch anhand des Beispiels erörtert, äh dass man am Klette essen,
18:39
mehr DNA des Opfers gefunden hat, nämlich fünf Mal so viel wie vom Täter. Äh während man an anderen Spuren äh dann.
18:51
Mehr den Art des äh Täters als vom Opfer
18:56
gefunden hat, äh wo es nicht erklärbar ist, weil sich die DNA bei einer sekundären Übertragung ja nur verringert, aber nicht zu einem umgekehrten Verhältnis und zu einer Vermehrung führen kann.
19:11
Mhm. Der zweite Gutachter oder der zweite Experte, der noch ausgesagt hat vor Gericht, ist auch sehr spannend war, ähm der Gerichtsmediziner, also es hat da
19:19
zusätzlich zum Obduktionsbericht an einen zweites Gutachten gegeben
19:24
Zur Todesursache und auch äh zum Knoten, wie das Ganze passiert ist und äh erweckt da auch starke Zweifel an der Suizid-Theorie, hat es massive Hinweise auf Gewalteinwirkung gegeben, also äh am Oberkörper des Opfers, am Brustkorb, aber auch am
19:40
Einblutungen, also blaue Flecke einfach.
19:44
Dazu kommt noch, dass man im Bereich des äh Knotens, des Glätteisens äh Kopfhaare des äh Opfers gefunden hat
19:57
und uns der Sachverständige äh gesagt hat, dass üblicherweise.
20:03
Pfeat, die einen Suizid begehen, äh nicht dazu neigen, sich die Kopfhaare noch äh mit zu verknoten sozusagen. Hm, weil das einfach reißt und dann irrsinnig schmerzhaft ist.
20:15
Genau das ist der der Grund, weshalb man üblicherweise bei einem Suizid, dass er ganz, ganz äh selten findet
20:25
die Einblutungen im Brustkorbbereich und auch auf der Rückseite am
20:31
en, erklärte der Sachverständige mit einem sogenannten Blocking.
20:37
Ist ein Begriff aus den US-amerikanischen Rechtsbereich äh und beschreibt nichts anderes, als dass ein,
20:48
Täter sich beispielsweise auf den Brustkorb äh seines Opfers äh kniet äh und dadurch äh eben die Atembewegungen des Brustkorbs äh verhindert.
21:03
Dazu kommt noch, äh dass man dann entweder mit den Händen oder einem Gegenstand auch,
21:09
versucht zusätzlich die Atemwege, wie es bei einem Würgen beispielsweise ist, noch zusätzlich zu verlegen. Dazu kommt es dann zu einer äh bewusstlosigkeit
21:21
aber noch nicht zum Tod und das ist auch ein Punkt, denn der äh gerichtsmedizinische Sachverständiger gesorgt hat, dass das.
21:30
Opfer zu diesem Zeitpunkt noch nicht getötet, wo er wie sie in die Schlinge gelegt wurde, aber bewusstlos war. Also wenn sie bewusstlos war, dann kann sie sich ja nicht selber hingehängt haben.
21:41
Das ist die Schlussfolgerung daraus, ja. Mhm. Also das ist ein Begriff, was der US-amerikanischen Rechtsprechung,
21:49
Damit wird er spezielle Form des Tötens durch Ersticken beschrieben und der Begriff hat Eingang in die Rechtsmedizin gefunden.
21:57
Geht zurück aufn Serienmörder ausm neunzehnten Jahrhundert. Der war in Edinburgh unterwegs.
22:05
Was sein Vorteil war, ist, dass diese Ort das Erste relativ wenig Gewaltmerkmale an der Leiche hinterlässt. Der hat nämlich damals seine Leichen relativ gut erhalten und Anatomieinstitute verkauft.
22:20
Das heißt, er hat Menschen umgebracht, um die Körper dann zu verkaufen.
22:23
Was ein Grund war, warum er sie umgebracht hat, weiß ich nicht, ob er verkauft hat er sie dann letztlich. Sie noch sehr gut erhalten worden,
22:31
Diese blauen Flecken, von denen sie gesprochen haben, die das Opfer gehabt hat, am Rücken und so weiter, äh sind die denn der Ärztin ganz am Anfang nicht aufgefallen?
22:40
Offensichtlich ist es, sehr schwer zu.
22:45
Überprüfen oder auch zu erkennen, man braucht da durchaus eine gewisse Erfahrung, die ähm eher bei der Gerichtsmedizin dann liegt.
22:54
Und aus diesem Grund.
22:57
War's für die erste Ärztin da bissel schwierig, die richtige Einschätzung zu treffen. Sie hat natürlich auch nicht die Apparaturen, die die Gerichtsmedizin zur Verfügung hat, um zum Beispiel
23:09
bei Kerntemperatur zu messen und daraus dann auch die richtigen Rückschlüsse auf den Todeszeitpunkt zu stellen. Hat Totenflecken interpretiert diese Hämatome. Also sie hat diese Planflecken einfach nicht richtig interpretiert.
23:24
Sie hat offenbar diese Merkmale falsch gedeutet.
23:29
Hat aber einfach auch aufgrund ihrer Tätigkeit nicht permanent mit der Leichenbegutachtung zu tun.
23:36
Und deswegen da jetzt einfach die falschen Schlüsse gezogen,
23:41
Es sind in der Verhandlung dann auch äh viele Zeugen äh befragt worden. Familie, äh Freunde, Arbeitskollegen von Täter und Opfer. Äh
23:50
welches Bild haben denn äh diese Zeugen vom vom Opfer gezeichnet? Also was für eine Frau war die Sandra? Die Arbeitskollegen,
24:00
und die Arbeitskolleginnen äh haben äh das Opfer als eine Hilfsbereite, zuverlässige, geordnete junge Frau, äh
24:13
beschrieben, äh auch die Familie, die die Mutter äh des Opfers hat ein ähnliches Bild
24:20
gezeichnet, wo die beide Mutter des Opfers auch
24:25
in der Verhandlung bekannt gegeben hat, dass auch sie gewusst hat, äh dass die Sandra
24:32
die Telefonnummer deshalb gewechselt hat, weil der Angeklagte sie längere Zeit quasi verfolgt haben soll.
24:43
Also das Thema ähm dieser dieser Beziehung, das Ende der Beziehung, ähm dass die Sandra Schluss gemacht hat, das war auch Thema in der Verhandlung.
24:52
Ja, das war Thema der äh Verhandlung auch äh der nachfolgende Freund
24:59
des Opfers ist in der Hauptverhandlung vernommen worden und auch dieser hat Berichtet, äh dass das Opfer deshalb die Telefonnummer gewechselt hat
25:09
weil ihr Ex-Freund auch nach der Trennung die schwer verkraftet hat und immer wieder angerufen hat, äh einmal
25:18
soll der neue Freund auch das Telefon an sich genommen haben, worauf er da bedroht erworben sein soll durch den Angeklagten.
25:29
Mhm. Also wir müssen es um zusammenzufassen, der Ex-Freund des Opfers ähm wird belastet durch einerseits DNA-Spuren von ihm, ähm am Glätteisen, auch am am Körper und am Gewand der Toten. Er hat äh,
25:43
Wissen gehabt, dass nur der Täter haben kann, ähm nämlich, dass die Sandra bevor sie ähm äh quasi aufgehängt worden ist oder sich aufgehängt hat an der Türklinke, stranguliert worden ist. Ja. Äh eigentlich ohne Grund
25:57
den äh Kontakt unterbrochen zu Sandra, den telefonischen Kontakt. Mhm. Und ähm auch äh
26:04
quasi dass das Prozedere des Aufhängends selbst äh macht die Gerichts Mediziner und und die Experten stutzig, weil sie sagen, jemand, der sich aufhängen möchte, der
26:14
bindet sich nicht die eigenen Haare in den Knoten, weil das reißt, das tut einfach weh und das würde man so schlicht und einfach nicht machen
26:22
Er selber sagt aber vor Gericht,
26:24
Er ist unschuldig, er war das nicht. Und äh sein Anwalt äh hat dann einen äh ganz berühmten Kriminalpsychologen angeheuert, den Thomas Müller äh was hat denn der dann vor Gericht gesagt?
26:35
Der Kriminalpsychologe Doktor Müller hat
26:40
zu Beginn erklärt, was überhaupt die Aufgabe der Kriminalpsychologie ist, was sie leisten kann. Äh die Kriminalpsychologie beschäftigt sich nicht mit der Aussage des Täters oder über dem Täter
26:53
sondern der Kriminalpsychologe schaut sich den Tatort an,
26:59
schaut sich an, wie werden die Tatortspuren, wie hat's am Tatort ausgeschaut? Was sagt die Rechtsmedizin, gibt es DNA-Spuren? Äh
27:08
und gleicht das dann damit ab äh,
27:14
der Selbstmord oder die Variante des Selbstmords, so wie sie im Konkreten Fall, woah, äh schlüssig und erklärbar ist, im vorliegenden Fall, äh ist aufgrund der besonderen Spuren am Tatort,
27:28
der Gewalteinwirkungen äh so wie die äh Sandra.
27:35
Aufgehängt gefunden worden. Das vergleicht äh mit.
27:48
Wie es in der Wohnung ausgeschaut hat und kommt dann zum Ergebnis eine Frau, äh die zuverlässig war, die die Wohnung aufgeräumt hat,
27:57
wird sich nicht zwischen Tür und Angel bei abgeschalteten liegt suizidieren.
28:05
Mhm. Also das passt einfach nicht zusammen,
28:08
das passt nicht zusammen zur Selbstmordvariante. Er ist ein weiter äh darauf äh gekommen, welche Art von fremdtötung es sein kann
28:19
es gibt grundsätzlich vier Arten von Tötungsdelikten am häufigsten kommen persönliche Tötungsdelikte vor, dann gibt es aber auch äh Delikte, wo jemand tötest aus einem sexuellen Motiv
28:34
oder wo jemand tötet aus einem äh monetären Motiv, ein Berecherungsabsicht und es gibt äh sogenannte Gruppendynamische Delikte, wo mehrere Täter jemanden umbringen
28:48
Ausschlussverfahren äh habe das Sachverständige gesagt,
28:53
Gruppendynamisches Delikt müsste der Tatort anders ausgeschaut haben. Da wäre ein grobes Durcheinander hätten die Spuren äh anders ausgeschaut.
29:03
Sexualmotiviertes Tötungsdelikt scheitert er aus. Äh wer sagt, hätte man einen Spermaspuren gefunden? Die Leiche wäre vielleicht entkleidet gewesen, man hätte Schamhaare oder was auch immer gefunden.
29:16
Schadet auch aus. Die dritte Variante, wo er Tötung aus einem Bereicherungsmotiv
29:23
ADs schließt das Sachverständige aus. Es hat keine Einbruchspuren äh gegeben. Es sind keine Gegenstände weggekommen
29:33
damit bleibt, äh noch den Ausschluss verfahren, nur wer ein persönliches Tötungsdelikt äh über.
29:40
Und der der Täter war aus dem.
29:49
Persönlichkeitsbereich hast einen persönlichen äh fehlt und
29:54
was aufgefallen ist, der Täter hat offenkundig den Tatort äh manipuliert, indem er es aussehen ließ, als hätte sich das Opfer äh ermordet
30:07
Allerdings äh gibt's da einige Unschlüssigkeiten. Äh nämlich äh wie das Opfer konkret dann,
30:17
stranguliert, aufgefunden, wo werden ist, nämlich die ganze Position, das passt nicht, äh, zusammen.
30:26
Im Zusammenwirken mit dem äh Gutachten der Gerichtsmedizin zum Aufwendungsort der Leiche.
30:33
Mhm. Also der Profiler, den ja, muss man dazu sagen, der Verteidiger angeheuert hat, sagt, es deutet, es sieht aus wie ein Inszenierter
30:40
Selbstmord. Das heißt, das war eigentlich ein Eigentor.
30:44
Äh so so sagen in diesem Fall, wo hast du es im Ergebnis? Nur kurz dazwischenwerfen, nicht angeheuert, weil er hat ihn zwar beantragt, aber
30:54
weit gezogen haben, natürlich das Gericht.
30:57
Hm, mit dem Anwalt des Angeklagten habe ich vorab in einem eigenen Termin gesprochen, mit Andreas Mauerhard aus Linz, er ist so der Star-Anwalt in Oberösterreich, der immer die ganz Aufsehenerigentenfälle mit den großen Schlagzeilen übernimmt, gerne auf Titelseiten
31:10
ist. Äh Herr, schön dass sie da sind. Ist mir ein Vergnügen, wie immer.
31:14
Ja und wir sprechen heute über den Glätteisenmord, mehrere Gutachten haben ihren Mandanten, den Ex-Freund der Toten der schwer belastet. Sie haben dann versucht, Zweifel bei den Geschworenen zu streuen, haben selber einen berühmten Profiler in die Verhandlung geholt, wobei ähm die Strategie ist nicht ganz aufgegangen.
31:32
Also das war sicher ein sehr, sehr aufregender Fall. Insofern
31:37
stellt sich die Arbeit des Strafverteidigers immer so vor, dass wir wissen, was passiert ist. Es ist natürlich ein völliger Blödsinn. Der Strafverteidiger wird genauso belogen oder heute auch nicht belogen wie alle anderen auch. Das heißt, der Fall, wo du hineinkommst und der sagt.
31:51
Ich weiß und da schildert dir genau die Tat und sagt, dann hol mich raus, das gibt's in Hollywood, im Fernsehen,
31:56
in der Realität ist das nicht so. Also in neunundneunzig Prozent der Fälle sagt der Mandant auch mir gegenüber er weiß nicht.
32:05
Manchmal glaubt man ihm, manchmal hat man, wenn man den aktuell ist, die ein oder anderen Zweifel, aber wie gesagt, das ist es nicht an mir, das zu beurteilen. Äh und auch hier war es so, dass mein Mandant bis zuletzt äh glaubhaft behauptet hat, er war es nicht.
32:17
Das war auch die Beweissituation ja nicht vollkommen klar damals, es war wirklich ein sehr sehr spannender Prozess.
32:23
Auch hier wieder die Ausnahmen deswegen spannend. Normalerweise hast du in Österreich so wenig Morde und die sind so klar,
32:29
dass nur Schadenminimierung der die eigentliche Auftrag ist. Das heißt nicht lebenslang, sondern halt nur achtzehn oder fünfzehn oder sechzehn oder zwanzig Jahre,
32:36
aber ganz selten hast du eine Strafverteidiger die Möglichkeit.
32:40
Tatsächlich auf Freispruch zu verhandeln. Das heißt, wo es nicht klar ist, von Anfang an, wie's ausgeht, wo auch für die Richter es spannend, bleibt bis zum Schluss, was die Geschworene sagen.
32:49
Und das war so ein Fall, weil er hätte auch Angst ausgehen können, definitiv. Und wie sie sagen, es war ein Gutachter.
32:56
Streitigkeit und wir hatten dann gehofft auf Hilfe eines Profilers des berühmten Herrn Müllers, der beim FBI die Ausbildung gemacht hat,
33:05
Der wurde dann auch, ich glaube, weil's auch die Echte interessiert hat, äh tatsächlich dazu geholt und hat ihm sein äh an sein Gutachten seine Analyse gebracht.
33:13
Allerdings für uns äh nicht wirklich sehr hilfreich war aus Verteidigersicht, muss man leider sagen, aber das weiß man vorher natürlich nicht. Der Herr Müller hat dann eine Tatortanalyse gemacht. Wie läuft denn so etwas ab?
33:24
Ja, wir waren.
33:26
Alle relativ baff, äh weil äh er hat dann, ob er's jetzt als Scherz gemeint hat oder ernst, das weiß ich bis heute nicht, auf alle Fälle hat er gesagt, dass ich den Kühlschrank angeschaut und der Kühlschrank war recht aufgeheimt und deswegen ist er der Täter.
33:40
Aha. So zusammengefasst, also es äh das hat uns alle sehr amüsiert, weil wir jetzt gedacht haben, was hat jetzt der Kühlschrank mit der Tat zu tun, aber okay, wir haben's zur Kenntnis genommen
33:49
äh und war natürlich für uns desaströs, keine Frage, äh das Gutachten von ihm war für uns nicht gut, weil er eben.
33:56
Gemeint hat, dass er lest, so wie ich das verstanden habe, aus den Spuren.
34:01
Die Psychologie des Täters, das heißt, der Schlamper ist akribisch, hat der zwanghafte Störungen, was auch immer und versuchte, dass da äh Tatrekonstruktion Rückschlüsse zu führen.
34:11
Oder so ziehen auf den Täter und in dem Fall waren seine Rückschlüsse halt sehr. In Richtung meines Mandanten gehend, was man natürlich net hören will als Verteidiger.
34:20
Hm, um ein bisschen ins Detail zu gehen, also er hat vor allem ja auch ähm die Wohnung des Opfers analysiert, hat gesagt, das ist eine sehr ordentliche Wohnung, sie hat äh fast schon einen Putzfimmel, sie würde sich so nicht umbringen zu diesem Schluss ist er gekommen.
34:34
Ja, was ist das Verteidiger da? Und denkst du, ja, äh E-Guard, ja und wenn morgen ein ein Rauschschiff landet, dann sind ausirische drin und sagen, ja, äh das weiß ich wie im Kühlschrank, ne, also beim
34:45
Kühlschrank, Zahnkramt, deswegen eher der Täter. Äh das war jetzt zu salopp formuliert, äh was ich jetzt schön ausgedrückt habe. Ja, also es war als ordentlich, der Kühlschrank war aufgeräumt, die Wohnung war gebust und deswegen
34:54
hat sie sich nicht aufgehangen und deswegen ist meiner quasi, also nicht meiner, aber deswegen war es ein Mord und somit war dann wieder Männer im Spiel.
35:02
Das hat uns alle ein bissel verprüft, weil mir ist bis heute nicht klar, was das eine mit dem anderen zu tun hat, aber ich nehm's halt zur Kenntnis, ja.
35:10
Ist halt so. Kann man dann sagen, das war ein ein eigentlich ein Eigentor aus ihrer Sicht?
35:16
Neo, natürlich, das ist wie beim Fußball, gell? Da gibt's heute neun Millionen äh Trainer, die das viel besser können als der Nationalthema. Äh nachher weiß man's immer.
35:26
Es war auf Messers Schneide, mein Mandant sagte, er war's nicht, glaubhaft, muss man dazu sagen, also ich habe ihm tatsächlich geglaubt, dass es nicht war.
35:34
Und es war noch tatsächlich ein paar Dinge für ihn gesprochen. Es hat die Handyauswertung abgegeben, dass ein Handy nicht dort war. Er ist nirgends gesehen worden. Es hat dann de facto keine Beweise im eigentlichen Sinne gegeben.
35:46
Und somit äh war mit Rücksprache vom Mandanten äh das durchaus eine gute Idee,
35:51
muss man sagen, dass das nach hinten losgegangen ist, das weißt du halt immer erst später. Mhm. Also mit dem Wissen, das sie jetzt haben oder wenn sie's gewusst hätten, wie das Gutachten ausgeht, hätten sie ihn dann engagiert oder hätten sie das dann einfach verschwiegen?
36:03
Ja, natürlich hätten wir nicht engagiert. Ich meine, klar, also wenn ich die, die Möglichkeit hätte, in der Zeit zu reisen, ich wäre der beste Verteidiger der Welt, weil dann mache immer nur das, was Erfolg macht. Na, das weißt du eben bei keinem Gutachten, egal, jetzt, ob das jetzt äh ein Profiler ist oder ein psychiatrisches Gutachten, was man auch sehr oft hat.
36:18
Sich die Frage stellt, hat ja ein Schaden oder nicht formuliert.
36:22
Und das ist a ganz a Diffiziles Rechtsproblem, macht man dann als Verteidiger den Antrag auf Einholung eines psychiatrischen Gutachtens oder net.
36:30
Auch bei den Kindesmissbrauch oder Missbrauchgeschichten, äh ich glaube äh Würdigkeitsgutachten. Wenn man die Lawine lostritt.
36:38
Geht sie ins Tal, ja? Und die geht entweder am,
36:41
vorbei oder mittendurch und hinterlässt nur Ruinen. Äh das war's aber vorher natürlich nicht. Du kannst es nicht steuern, das muss man mit dem Mandanten gut besprechen. Ich mache das immer. Das heißt, so ein Antrag kommt nie von mir, sondern da
36:53
unterhält man sich mit dem Mandat und erkläre ihm die Vorteile, die Risiken, die Nachteile
36:57
und dann bestimmt immer der Mandant, äh wo die Marschrichtung hingeht. So generell bei der Verteidigung. Das heißt,
37:04
Meine Aufgabe ist, ihm die rechtliche Seite zu erklären, die Möglichkeiten aufzuzeigen, Optionen, Verteidigungsstrategien, was ist gut, was halte ich für das Beste und was halte ich für net so gescheit? Aber entscheiden,
37:16
tut immer der Mandant äh meistens das, was ich ihm rate, aber es gibt ganz selten auch Ausnahmen, die wirklich diametral.
37:24
Genau das Gegenteil von dem machen, was ich sage, gut, kann ich auch nichts machen. Dann ist es halt so, dann.
37:29
Strafverteidiger und wenn der meint er muss das so machen, dann mache ich's halt mit, äh lassen wir's dann meistens da unterschreiben, das ist dein spezieller Wunsch ist.
37:37
Das ist ja auch nicht immer so, dass man dann recht nett behandelt wird, wenn's schief geht, weil wenn du gewinnst, bist du da, ja? Wenn du verlierst.
37:45
Bist du nicht und da ist natürlich immer gut, wenn man ein bisschen vorausschauend sich das ein oder andere auch unterschreiben lässt. Mhm. In diesem Fall äh
37:52
hat sie eine erdrückende Beweislast gegeben, ähm auch so der die Beziehungsvergangenheit, also der Mandant hat ja ähm das Mordopfer oder die getötete Frau, äh seine Ex-Freundin,
38:03
so ein bissel verfolgt, ja. Sie hat dann einmal die Handynummer gewechselt, er hat sie anscheinend auch im Prozess äh noch immer ist Liebe seines Lebens bezeichnet. Wie hat denn er ihnen gegenüber das Verhältnis zu ihr äh geschildert oder beschrieben?
38:16
Naja, ist auf ein erdrückender Beweislage gehe ich bis jetzt nicht aus. Es hat Indizien gegeben, dass es durchaus hätte sein können.
38:24
Hätte aber auch net sein können. Also aus meiner Sicht wäre ich geschworener gewesen jetzt versuche ich objektiv zu sein. Ich war als Netto, bin wirklich schuldig gesprochen hätte.
38:33
Natürlich ein Sargnagelwort des Müllergutachten, keine Frage, dann haben sie sich relativ leicht getan.
38:39
Die Liebesbeziehung, ja, mein Gott, wenn man sagt, das ist ein Indiz für Mord, dass sich zwei nicht schön trennen oder es einen an dem anderen noch hängt, dann gäb's massenhaft Morde. In Österreich, das nicht Gott sei Dank nicht der Fall ist.
38:51
Ja, war sicher keine ideale Trennung. Das ist nicht das, was man sich wünscht, wenn man sagt, äh geh, geh mit und der geht net, ja. Äh aber jetzt auch net.
39:01
Über die Maßen übertrieben. Ja, er hat heute die furchtbar geliebt und wollte sie wieder zurückhaben und einsehen wollen, ist sowas meiner Sicht net über gewisse Grenzen drüber gegangen. Also er hat jetzt nicht klassisch gestalkt, es hat ja keine Anzeigen oder so in die Richtung gegeben.
39:15
Ja, war keine perfekte Trennung als ich meine Mandanten, aber jetzt auch nicht übertrieben.
39:19
Mhm. Sie haben schon die Geschworenen angesprochen. Ja, ihre Taktik als Strafverteidiger ist ja auch nehme ich an, in solchen Fällen so diesen
39:26
Saat des Zweifels zu sehen in den Köpfen der Geschworenen. Ähm wie geht man denn sowas an und wie groß kann denn dieses Saat, dieses Pflänzchen werden und dann tatsächlich jemanden, wo die Beweislast erdrückend ist, wo vieles gegen ihn spricht, tatsächlich zu einem äh Freispruch führen?
39:43
Absolut, das ist die Riesenchance des geschworenen Gerichtes, das ist Chance und Fluch gleichzeitig. Es kann nach hinten losgehen.
39:51
Auch sehr super Aussicht des Verteidigers aufgehen. Deswegen bin ich ein absoluter Verfechter des geschworenen Gerichtes, weil wenn wir sie ehrlich sind, wenn du Berufsrichter hast, ist die Aufgabe des Verteidigers.
40:02
Groß das überschaubar. Der Richter weiß eh selber, was im Set steht, das heißt, die Fälle, wo einem Richter tatsächlich inhaltliche Fehler passieren.
40:11
Die sind verschwindend gering. Komfort war sehr, sehr, sehr, sehr selten, ja? Weil da muss der Staatsanwalt Richter ehren und dann bist der Superstar und sagst, haha, es ist ganz anders,
40:19
vorkommen, aber ist nicht die Regel. Und somit bleibt der Spielraum,
40:23
Als Verteidiger jetzt tatsächlich was zu jetzt emotional zu bewirken, null um, weil der Richter soll ja nicht emotional, sondern der soll ja noch den Fakten und dem Gesetz urteilen. Naja, das brauche ich ihm aber net erklären, das habe ich selber studiert, ja.
40:37
Und somit ist es eine wunderbare Bühne, die ich liebe, die es geschworenen Gericht ist, das einzige Gericht, wo man das machen kann, was man im Fernsehen sieht, nämlich tatsächlich a Show,
40:47
Und natürlich, da geht's net um die Fakten, weil das sollen, müssen die Geschworenen net verstehen, jetzt von juristischen Hintergrund.
40:54
Da geht's ja darum, der Gesetzgeber wollte, dass Leute wie du und ich, wie Hinz und Kunz.
40:58
Sollen noch einen Bauch noch besten Wissen und Gewissen mit Menschen und Hausverstand beurteilen. Ist da Zweifel, im Zweifel für den Angeklagten, dann spricht man frei oder net?
41:08
Das kannst du nur im Schwanengericht in Wirklichkeit und äh ja, das funktioniert durchaus realistisch, zu Recht, weil wenn er Zweifel da ist.
41:17
Freizusprechen, das ist ein Grundrecht und.
41:19
Ich glaube, es ist ein guter Ansatz zu sagen, ich lass lieber einmal einen Schuldigen frei im Zweifel, aus dass ich einen Schuldigen einsperre.
41:28
Das ist aus meiner Sicht ein.
41:31
Total guter und richtiger Ansatz und nicht so verböhnt, wie man hier so das ist ja Wahnsinn. Frei, ja, mag schon sein.
41:40
Aber immer nur besser, als wenn ein Unschuldiger reinkommt.
41:43
Würden sie persönlich äh einen Menschen, wo sie sich ganz sicher sind? Und wo äh alles dafür spricht, dass der jemand anderen ermordet hat.
41:51
Trotzdem alles versuchen, ihn aus dem Gefängnis rauszuhauen. Wenn nicht jedes Mal einen Hunderter kriegen will, für diese Frage, ich bräuchte fast nimmer arbeiten.
41:59
Man grundsätzlich, ich sage immer so.
42:02
Was macht ein Arzt, der eingeliefert bekommt, einen furchtbar schlechten Menschen, der sie im Babys vergewaltigt und Regierung gebracht hat? Wir den verbluten lassen oder nicht den zusammen, ja?
42:13
Die Frage stellt sich nicht, er näht ihn zusammen. Also er wird ihm helfen. Er würde nicht.
42:17
Sterben lassen. Das ist völlig klar. Witzigerweise verurteilt den Arzt aber keiner, wenn er das macht. Da sagt man, ist ja klar, ist ein Arzt.
42:24
Ich mache das Gleiche. Ich habe eine Aufgabe, die Aufgabe heißt verteidigen, das Beste rauszuholen. Ich verbiege keine Gesetze, ich vergehe keine Verbrechen, ich fahre,
42:34
keine Beweismittel verschwinden, das davon gehen wir aus, dass man das glaubt, das ich es nicht mache,
42:38
Ich mache im Rahmen des rechtlich erlaubten und möglichen meinen Job. Und mein Job heißt ihn rauszuholen. Somit ganz klar, wenn mein Job ist und liebes Mandat übernommen.
42:48
Dann ist es mir.
42:49
Muss es mir vollkommen egal sein, ob der schuldig ist oder nicht schuldig. Wir werden jetzt anfangen zu sagen, naja, wenn ich glaube, er ist unschuldig, dann verteidige ich ihn gut und wenn ich glaube, er ist schuldig, dann verteidige ich ihn schlecht, dann habe ich total den falschen Beruf.
43:02
Das geht net. Also das wäre unverantwortlich und das geht net und deswegen kann man sich eh frei entscheiden. Mache ich Wirtschaftsrecht, mache ich Scheidungsrecht oder mache ich heute Strafrecht?
43:10
Wenn ich A sage, muss ich auch B sagen, ja? Wenn ich Strafrecht mache, muss mir klar sein, dass ein,
43:16
muss ich's auch dazu sagen, ja. Also ich habe das Glück gehabt, dass das noch nie vorgekommen ist, weil bei mir statistisch fast unmöglich. Grundsätzlich nur unschuldige aufschlagen, aber sollte der Fall irgendwann einmal eintreten,
43:28
tatsächlich Entschuldigung und ich ihn verteidigen soll, ja klar, dann ist das meine Aufgabe, wenn ich das Mandat übernehmen. Haben Sie schon einmal einen äh Mandanten abgelehnt? Ja.
43:40
Naja, ich meine, man ist trotzdem Mensch, gell? Und äh es gibt halt einfach äh Mandanten, mit dem man nicht zusammenkommt oder die halt Ansichten haben,
43:50
wo ich nicht mitkam. Ich meine, wenn man meinem Mandanten erklärt, dass das fünfjährige Mädchen das wollen hat und eigentlich ja gar nicht schwul ist, sondern sie verführt hat,
43:59
relativ schnell ausgesprochen. Also das äh also es gibt natürlich auch zwei Töchter, also es gibt Dinge.
44:06
Ich schlichtweg nicht mache, ja. Mhm, alles klar.
44:09
Zurück zu diesem Fall, dem Glätteisenmord von Auberg im Bezirk Rohrbach äh und da haben sich ja im Schlussplädoyer alles in die Waagschale geworfen, quasi einen Astdamt aufgeführt im Gerichtssaal. Der Stand ist ein bisschen übertrieben. Ich habe meinen lieben, langjährigen Mitarbeiter ein bisschen
44:24
außerhalb des arbeitsrechtlichen Missbrauch, der musste Opfer spielen und ich habe ihn dann eben vor,
44:30
den geschworenen gewürgt, um einfach zu zeigen oder versucht zu adros natürlich nicht gestellt, äh um zu zeigen, dass das so wieder Sachverständige uns das erklärt hat, aus meiner Sicht nicht gelaufen sein kann.
44:42
Und da gesagt, da war zu dem Zeitpunkt klar, wir gewinnen's net hoch, ja, also haben wir's gewinnen, kriegen wir's nicht hoch und da muss man halt alles tun, was geht äh und ein gewisser Aktionismus ist erlaubt und ich habe halt,
44:53
versucht das Maximum was geht äh zu machen, hat aber leider dann trotzdem nicht gereicht. Also sie haben äh ihrem Arbeitskollegen oder ihren Mitarbeitern dann das Kabel rund um den Hals gewickelt im Gerichtssaal. Etwa, ja? Mhm. Mhm. Wir haben die Geschworenen reagiert.
45:05
Na ja, offensichtlich haben sie nicht freigesprochen nachher, also dürfte ich ihnen entweder zu wenig gedrosselt haben. Nein, Spaß. Äh ja, war ein Versuch äh zu retten, was zu retten war, äh hat aber dem Fall nicht funktioniert.
45:19
Es hat nicht funktioniert, sagt Rechtsanwalt Andreas Mauerhart. Das Interview mit ihm habe ich, wie gesagt, zu einem Extratermin aufgenommen, dass sie sich leider hier gemeinsam in der Live-HD Podcast-Lounge nicht ausgegangen. Aber ja, sein Plan äh ist nicht aufgegangen, Walter Echinger Vizepräsident des Landesgericht Klinz
45:34
haben den Angeklagten schuldig gesprochen.
45:38
Mit acht zu null Stimmen, das Verbrechen des Mordes äh durch den Angeklagten angenommen. Mhm, also einstimmig.
45:49
Ja, das Ergebnis der Geschworenen war einstimmig. Mhm. Nur als als Hintergrund ähm
45:54
wie muss es denn, also wie wie läuft denn da die Urteilsfindung? Wie ähm müssen denn die Verhältnisse von von den Stimmen schuldig, unschuldig sein, um jemanden entweder ins Gefängnis zu schicken oder freizulassen?
46:05
Über die Schuldfrage alleine. Da gilt das Mehrheitsprinzip, äh wenn es vier zu vier ausgeht,
46:15
gilt die für den Angeklagten günstigere Variante. Das heißt.
46:20
Gegebenenfall hätte dies zum Freispruch geführt. Mhm, in diesem Fall wollen sich aber alle einig.
46:27
In diesem Fall ist es acht zu null äh ausgegangen für einen Schulspruch wegen des Verbrechen des Monates. Mhm, was ist da der Strafrahmen und welche Strafe hat er dann ausgefasst?
46:38
Strafrahmen für das Verbrechen des Mordes beträgt zwischen zehn und zwanzig Jahren Freiheitsstrafe oder lebenslang. Äh vom Erkenden geschworenen Senat wurde eine zwanzigjährige Freiheitsstrafe verhängt,
46:52
aber in der Folge äh reduziert wurde durch das Oberlandesgericht links auf achtzehn Jahre. Mhm. Achtzehn Jahre Haft, ähm,
47:01
was heißt das jetzt dann in der Realität? Also wie lange äh sitzt so ein Täter dann wirklich ab und wann kommt er wieder frei?
47:10
Jeder Täter, der in einer zeitlich befristet
47:14
Freiheitsstrafe drinnen ist, kein frühestens nach der Halbstrafe bedingt entlassen werden. Eine zweite Grenze wäre nach Verbüßung von zwei Drittel der Strafe, wenn Gewehr dafür geblieben,
47:28
geboten ist, äh dass er nicht wieder neuerlich straffällig werden wird. Äh im Konkreten Fall könnte er frühestens nach neun Jahren bedingt entlassen werden.
47:40
Der Vorteil einer bedingten Entlassung, wann auch immer diese ist,
47:45
realistischer Weise wird's nicht äh gerade noch in den neun Jahren sein.
47:51
Jeder der bedingt entlassen wird, da hat man als Entlassungssenat die Chance, dass man flankierend dazuweisungen äh mitgibt
48:03
und diese Weisungen dann auch kontrolliert,
48:06
Das heißt, äh so wie sie vorher gesagt haben, ähm man lässt ihn nicht einfach quasi Gefängnistür geht auf und er geht raus, ist ein freier Mann und kann tun und lassen, was er will, sondern man hat ihn noch ein bisschen an der Leine
48:16
Ja, im Falle einer bedingten äh Entlassung kann man, wie gesagt, mit Weisungen arbeiten, die man auch kontrollieren kann und hat ihn da äh a bissl an der langen Leine. Mhm, was wäre so eine Weisung zum Beispiel?
48:31
Können sein Arbeitsweisung, es kann auch Bewährungshilfe angeordnet werden. Äh es kann sein, äh wenn's ein Aggressionstäter ist, ein Anti-Gewalttraining und dergleichen.
48:44
Mhm. Okay, spannend. Äh vielleicht abschließend, das war ja die große Frage, Mord oder Selbstmord? Man, wie, wie einfach oder oder wie schwierig
48:53
Ist es denn einen Mord als Selbstmord zu inszenieren beziehungsweise wie genau wird denn bei einem Suizid hingeschaut, ob nicht doch äh eine eine Bluttat dahintersteckt?
49:04
Auch bei einem Suizid.
49:06
Gibt es intensive Ermittlungen, die sich einerseits im Bereich des medizinischen Bewegen, wo wirklich geschaut wird.
49:15
Was ist die Todesursache gewesen.
49:18
Passt das mit dem Bild, äh wie der Leichnam aufgefunden wird zusammen, was kann das persönliche oder auch ein berufliches Umfeld,
49:28
über den Verstorbenen sagen.
49:31
Wie schaut's an dem Ort aus, wo ein Verstorbener gefunden wird, zum Beispiel gibt's dort Kampfspuren, ähm
49:39
gibt's dort Spuren auf andere anwesende, die man allenfalls befragen könnte oder wann sie das Ganze in einer Wohnung abgespielt hat, wie kommt man in die Wohnung? Hätte da jemand unbemerkt die Wohnung verlassen können?
49:53
Und dort wo's Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden gibt.
49:58
Ist auch immer dann vorgesehen, dass die Staatsanwaltschaft eine Obduktion anordnet und dann wirklich die Spezialisten von der Gerichtsmedizin.
50:07
Den Leichnam ganz genau untersuchen. Und spätestens dann kommt man drauf, wenn irgendwas nicht stimmt.
50:13
Die Untersuchungsmethoden sind sehr intensiv und sehr genau und haben eine hohe Treffsicherheit.
50:20
Vielen Dank, ähm dass sie die Akten noch einmal durchgestöbert und für uns äh so genau äh durchgegangen sind. Ähm Ulrike Brett, als Sprecherin der Staatsanwaltschaft Linz. Dankeschön äh vielmals für den Besuch im Studio
50:31
gerne. Und auch ihnen Walter Echinger Vizepräsident des Landesgerichtsdienst. Dankeschön, dass sie sich weggenommen haben. Vielen Dank. Gern geschehen.
50:38
Wenn ihr jetzt eine Frage zum Podcast habt, Anregungen oder auch Ideen für weitere Folgen, dann freue ich mich wirklich sehr über eine Nachricht von euch und zwar am
50:46
Podcast at live Radio Punkt AT. Ihr könnt mir da auch sehr gerne eine Sprachnachricht hinterlassen. Und ganz, ganz wichtig ist mir noch zu sagen, weil in dieser Folge so viel von Suizid die Rede war, wie in irgendeiner Krisen,
50:57
Zeit. Hilfe braucht, nicht wisst, wie es weitergehen soll. Die Telefonseelsorge in Oberösterreich ist rund um die Uhr erreichbar, auch an Sonn- und Feiertagen unter der Notrufnummer
51:06
eins, vier, zwei. Ja und in der nächsten Folge des Podcasts spurt der Verbrechen, geht's um den Fall
51:12
Paulina. Am Morgen des fünften Juli zweitausendelf in Bad Ischel geht die vierzehnjährige los zur Schule.
51:18
Doch sie kommt dort niemals an. Eine riesige Suchaktion startet mit Suchhunden und Hubschraubern. Nach zweiunddreißig Stunden wird Pauline gefunden.
51:26
Tod verscharrt in einem Erdloch, in einem Waldstück nahe des Schwarzensees zwischen Wolfgangsee und Attersee. Ermittlungen offenbaren dann recht rasch, einen der kaltblütigsten Kriminalfälle in Oberösterreich, denn der Mord hat gar nicht Paulina selbst gegolten.
51:41
Sie musste nur sterben, um jemand anderem das Herz zu brechen.
51:44
Spur der Verbrechen, Oberösterreichs spektakulärste Kriminalfälle. Immer sonntags
51:52
alle zwei Wochen ab siebzehn Uhr.