Der Finanzwesir rockt - Der etwas andere Podcast über Geld und finanzielle Bildung

Hallo, wir sind Daniel, ein Ex-Berliner, und Albert, ein Rheinländer, der zumindest eine Patentante in Berlin hat. Wir haben festgestellt, dass zumindest der erste Teil des Hauptstadt-Mottos "Arm aber sexy" für uns nur begrenzten Charme hat. Deshalb haben wir beschlossen, uns selbst um unser Geld zu kümmern. Dabei sind wir mehr als einmal auf die Nase gefallen, aber jetzt haben wir unsere Finanzen ganz gut im Griff. Über diesen Weg sprechen wir im Podcast. Was hat sich bewährt, was nicht. Welche Klippen gilt es zu umschiffen. Unser Versprechen: Wir plaudern nett über das Thema Finanzen. Du wirst eine Menge lernen, aber es wird auch lustig.

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Folge 104: Sag nein zum Frugalismus


Spare nicht - Lebe! Messenger-Konversation:

Finanzrocker: Ich habe hier das Buch "Lebe ein reiches Leben statt reich zu sterben". Ist interessant, wäre das nichts für "Der Finanzwesir rockt"?
Finanzwesir: Hm …

Doch dann:

Gefunden auf Reddit

User "mbrett83" schreibt:
Hallo zusammen, ich habe ein Problem: Geld auszugeben. Jedes Mal, wenn ich Geld ausgeben will, überkommt mich ein ungutes Gefühl. Auch bei wichtigen und nützlichen Dingen.
Ich habe schon viel versucht mir mit Büchern wie "Die with zero" oder mit persönlichen Budgets zu helfen, aber alles ohne Erfolg. Ich weiß, dass es rational gesehen überhaupt keinen Grund gibt so sparsam zu sein. Mein Kopf denkt sich "nur investieren ist vernünftig und je mehr desto besser".

171 Kommentare, scheint ja ein Thema zu sein.
Also haben wir einen antifrugalistischen Lesezirkel gegründet und Bill Perkins' Buch "Die with Zero", auf Deutsch: "Lebe ein reiches Leben statt reich zu sterben" gelesen.

Wer ist dieser Herr Perkins?

Bill Perkins hat sein Glück im Energiehandel gemacht (Wikipedia schätzt sein Vermögen auf 40 - 400 Millionen Dollar, keine Ahnung ob das stimmt) Herr Perkins ist um die 50 und bekannt für seinen glamourösen Lebensstil und Pokerspiele mit exorbitanten Einsätzen (hab' ich vom Klappentext abgeschrieben)

Was hat Herr Perkins uns zu sagen?

Als Ingenieur fragt er: "Wie kann ich ein maximal erfülltes Leben führen und gleichzeitig de Verschwendung meiner Lebenszeit minimieren?" Deshalb geht es in diesem Buch nicht darum mehr Geld zu verdienen, sondern mehr aus seinem Leben zu machen.

Sei nicht der reichste Mann auf dem Friedhof.

Was dem Finanzwesir an diesem Buch gefällt

Der unbekümmerte Optimismus, den nur die Amis hinbekommen.
Der unromantische Umgang mit Tod und Altern. Wir sterben alle und jedes Jahr bauen wir etwas ab. Bill Perkins denkt regelmäßig über Sterbeszenarien nach (Magensonde, Bettpfanne) und nutzt die App Final Countdown Er schlägt ein interessantes Gedankenspiel vor:

  • Wie verhalten Sie sich, wenn Sie morgen sterben?
  • Wie verhalten Sie sich, wenn Sie übermorgen sterben?
  • Verlängern Sie den Zeitstrahl dann, bis es realistisch wird und beobachten Sie, wie sich Ihr Verhalten ändert.
  • Wie viele Weihnachtsfeste haben Sie noch? Wie viele Sommer, wie viele Winter?

Wenn der Finanzwesir 83 wird,

  • hat er noch 10.000 Tage vor sich.
  • 28 mal Geburtstag, Sommer, Winter, Weihnachten
  • und ein runder Hochzeitstag, die goldene Hochzeit

Bill Perkins schlägt vor das Leben in Fünfjahresabschnitte einzuteilen und sich zu überlegen: Was will ich in diesen fünf Jahren machen? Es gibt Dinge, für die muss man Single und / oder jung sein. Ich übernachte nicht mehr im Biwak unter freiem Himmel. So schön können die Sterne gar nicht leuchten. Das können die Zwanzigjährigen machen.
Es gibt Zeitfenster im Leben, die sich irgendwann für immer schließen.

Was dem Finanzwesir an diesem Buch nicht gefällt

Letztlich ist es anekdotischer Optimismus. Ich erzähle Euch von meinem Leben und verallgemeinere das zu einer Regel: "Lebe ein maximal erfülltes Leben".
Als mürrischer Deutscher fällt mir dazu nur "Survivorship Bias" ein. Wo sind die ganzen Gestalten, die auch ein maximal erfülltes Leben führen wollten und nun in Thailand gestrandet sind und die Einheimischen anbetteln?

Bill Perkins sagt explizit: Junge Menschen sollen nicht sparen, sondern in Erlebnisse investieren. Was nützt es als Student oder Lehrling 10 % des Einkommens zu sparen, wenn das doch 70 bis 100 Euro sind.
70 - 100 Euro sind für einen Mittfünfziger ein halbes Hotelzimmer. Ein Mittzwanziger bezahlt damit eine Woche Hostel.

Wohl wahr. Die andere Seite der Medaille: Wer früh spart verzichtet vielleicht auf Erlebnisse, kommt aber schneller an den Punkt der maximalen Optionalität (voll arbeiten bis zur Reduktion auf Null). Der Erlebniswert ist - in gewissen Grenzen - unabhängig vom Geld (Broken statt Ayers Rock). Der monetäre Zinseszins ist dagegen linear abhängig von der Sparsumme.
Ich gehöre zum Camp der Optionalitäts-Maximierer. Wenn der Blick aus dem Infinity-Pool im 30 Stockwerk bedeutet, dass ich ein halbes Jahr später frei bin kann sich Instagram gehackt legen.

Das Fazit

Ein Leben ohne Reue ist erstrebenswert, aber sehr schwer umzusetzen. Man braucht dazu eine Freiheit, die viele Menschen nicht haben oder wollen. Es ist harte Arbeit (kognitive Dissonanz lässt grüßen), wenn man die Motivationskacheln aus Instagram wirklich mit Leben füllen will.

Links zum Thema
  • Lohnarbeit: Klumpenrisiko und versiegende Quelle
  • Für eine Überrendite im Leben
Buchempfehlung des Finanzrockers

Lebe ein reiches Leben, statt reich zu sterben von Bill Perkins*

Weitere Buchrezensionen des Finanzrockers

Medienempfehlung des Finanzwesirs

Stuffocation: Living More with Less
von James Wallman*

Essentialismus: Die konsequente Suche nach Weniger
von Greg McKeown*

Finanzrocker Finanzwesir

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 2021-07-19  42m