Lob des Gehens

In “Lob des Gehens” unterhalte ich (Nicola Wessinghage) mich mit verschiedenen Menschen über die vielen Facetten des Gehens. Dabei streife ich ganz unterschiedliche Themenfelder, von der Anatomie über Architektur, Neurologie, Kommunikation, Kunst, Kultur und Geschichte. In einigen Episoden wird es auch um kleine Experimente bzw. Erfahrungsberichte gehen. Denn Aufhänger für diesen Podcast waren vor allem meine eigene Lust am Gehen und die Neugier, besser zu verstehen, warum es auf so verschiedene Arten so gut tut, zu Fuß unterwegs zu sein.

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episode 18: Episode 18: Mit Christian Kurrat und Patrick Heiser über das Pilgern [transcript]


  • Christian Kurrat
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  • Patrick Heiser
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Dr. Patrick Heiser und Dr. Christian Kurrat forschen beide an der Fernuniversität in Hagen zum Thema Pilgern. Beide kennen den Jakobsweg mit Ziel Santiago de Compostela aus eigener Erfahrung als aktive Pilgerer. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit fragen sie unter anderem, welche Typen von Pilger*innen es gibt, in welchen biographischen Situationen Menschen sich für das Pilgern entscheiden und wie es ihr Leben verändert.

Christian Kurrat und Patrick Heiser präsentieren eine Typologie von Pilgernden.
Bild: Fernuniversität in Hagen.

Links und Suchtipps

Patrick Heiser, Christian Kurrat: Pilgern gestern und heute. Soziologische Beiträge zur religiösen Praxis auf dem Jakobsweg. LIT 2012.

Christian Kurrat: Renaissance des Pilgertums. Zur biographischen Bedeutung des Pilgerns auf dem Jakobsweg. LIT 2015.

Buch: Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jacobsweg.
Piper Verlag 2006.

Carmen Rohrbach: Muscheln am Weg. Mit dem Esel auf dem Jakobsweg durch Frankreich. Piper Verlag 2005.

Spielfilm: The Way (2010) von Emilio Estevez, u.a. mit Martin Sheen. (Trailer)

Facebookgruppe „Frauen auf dem Jakobsweg“

Podcast „Das Wandermädchen“

Mein Buchtipp: Do Walk. Libby deLana. Do Book Company, 2021.

Libby deLana bei Instagram: @parkhere

Was sich aus dieser Folge mitnehmen lässt:

• Was es bedeutet, zu pilgern

• Was Menschen zum Pilgern bewegt

• Was es mit dem „Kerkeling-Effekt“ auf sich hat

• Wie die Typologie der Pilger*innen aussieht

• Wie viele verschiedene Jakobswege es gibt

• Wie es gelingt, das Zertifikat des Jakobswegs auf lateinisch zu erhalten

Der Podcast bei Instagram: @lob_des_gehens

Der Podcast bei Twitter: @Lob_des_Gehens

Der Podcast bei Facebook: Lob des Gehens

Musik: Walking Dub von Mastermind XS aus Saarbrücken von ihrem Album “Keep on moving”, erschienen unter der Creative-Commons-Lizenz 4.0 (CC BY-NC-ND 4.0).

Ich freue mich über Feedback an mail(@)lob-des-gehens.de oder in den Kommentaren auf der Website (hier).


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 2021-09-23  1h6m
 
 
00:00  Musik
00:52  Nicola Wessinghage
Nach drei Monaten Pause geht's heute wieder weiter mit einer neuen Episode Lob des Gens. Ich hoffe, auch ihr hattet einen guten Sommer viel Zeit zum gehen und draußen sein. So war's nämlich bei mir,
01:03
Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen ja ihre Ferien, um wirklich mal richtig Abstand vom Alltag zu gewinnen und machen sich dann auf, um zu pilgern.
01:12
Für mich ist das bisher noch nie in Frage gekommen. Vielleicht auch deshalb, weil ich falsche Vorstellungen davon hatte, was das eigentlich ist, dieses Pilgern. Deshalb habe ich mir für heute zwei Gäste eingeladen, die sich intensiv mit den Pilgern beschäftigen.
01:25
Und das sowohl in der praktischen Erfahrung, also sie sind beide selbst schon pilgernd unterwegs gewesen auf dem Jakobsweg in Spanien, aber eben auch als Wissenschaftler.
01:35
Ich spreche mit Doktor Christian Korat und Doktor Patrick Heiser. Beide forschen an der Fernuniversität in Hagen über das Pilgern,
01:43
Sie haben sich schon mit verschiedenen Fragestellungen beschäftigt und ähm zu den bereits erschienenen Studien zum Thema haben sie auch gemeinsam schon ein Buch veröffentlicht,
01:52
Sie schreiben darin unter anderem, was Menschen dazu bringt, sich zum Pilgern aufzumachen. Und das ist ja in der Tat eine spannende Frage, auf die wir dann auch im Gespräch eingehen werden.
02:02
Christian Korat ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Kultur und Sozialwissenschaften
02:08
eben an der Fernuniversität in Hagen. Und ähm arbeitet dort im Bereich empirische Bildungsforschung. Er hat Sozialwissenschaften
02:16
studiert in Bochum und hat in Hagen an der Fan Universität zum Thema Renaissance des Pilgertums promoviert.
02:23
Erforscht dort heute unter anderem auch dazu, wie sich das Leben von Menschen nach den Pilgern verändert.
02:28
Auch Patrick Heiser ist wissenschaftlicher Mitarbeiter, also Kollege von Christian Korat an der Fernunie in Hagen und er arbeitet im Bereich der Religionssoziologie
02:37
er hat vorher Politologie und Soziologie ebenfalls auch in Hagen und in Trondheim, in Norwegen studiert
02:43
und in Hagen dann auch promoviert. Und er beschäftigt sich heute mit dem Wandel religiöser Praktiken, insbesondere des Fastens und des christlichen Pilgertums.
02:53
An dieser Stelle ein kleiner Hinweis, ein Disclaimer, die Fernuniversität in Hagen ist auch ein Kunde der Kommunikationsagentur, in der ich arbeite. Wir unterstützen sie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, haben aber mit dem Thema Pilgern bislang noch gar nichts zu tun gehabt,
03:08
Ich habe erst über das Forschungsmagazin der Fernuniversität in Hagen entdeckt, dass es da ganz aktive Forschungen gibt.
03:14
Das Gespräch haben wir zwischen Hagen und Hamburg geführt, also Remote und ich habe einiges dabei gelernt. Ich hoffe nun, das geht euch auch so.
03:22  Musik
03:29  Nicola Wessinghage
Hallo, Herr Heiser, hallo Herr Korath. Ich freue mich sehr, dass wir heute uns im Podcast hier treffen und über das Pilgern sprechen können.
03:38
Sehr kurz vorher schon eingangs hier vorgestellt. Sie behandeln das Thema beide aus eben aus wissenschaftlicher,
03:45
haben aber auch beide praktische Erfahrungen und deshalb sind sie natürlich sehr wertvolle Gesprächspartner hier. Vor allem um überhaupt erstmal zu erfassen, was,
03:55
pilgern, was das eigentlich ist. An sie gleich die Frage Herr Heiser. Wenn ich jetzt hier in Hamburg an die Elbe gehe und bis nach Wedel in Schleswig-Holstein wandere, und dann komme ich zurück und sage, ich
04:06
bin heute bis Wedel gepilgert. Ist das dann richtig oder falsch oder unter welchen Voraussetzungen ist das eventuell richtig?
04:14  Patrick Heiser
Hm na ja, also wenn sie's selber als Pilgern deuten, würde ich natürlich zunächst mal sagen, äh es handelt sich dabei um,
04:21
pilgern. Ähm mir als Soziologe fehlt jetzt etwas. Ähm nämlich so etwas wie eine institutionelle Komponente, ja, also niemand anderes als sie
04:31
würde das im Zweifel als Pilgern begreifen. Ähm.
04:35
Was dann diese Deutung, ja, vielleicht in ihrer Deutungskraft wieder ein bisschen schmälert. Ähm grundsätzlich muss man aber sagen, also die Definition äh von Pilgern ist
04:44
sicher nicht leicht. Ja, ähm im Regelfall wird es ja vom,
04:51
Zielpunkt einer Pilgerfahrt abhängig gemacht. Aha, also man pilgert zu Städten, die klassischerweise eine.
04:59
Bedeutung und eine religiöse Tradition haben beim Jakobspildern auf den Jakobswegen ist das bei,
05:04
der Fall. Also man pilgert eben nach Santiago de Compostela, wo das Grab des Apostels Jakobus vermutet,
05:11
ja ähnlich religiös aufgeladen sind natürlich auch andere bekannte Pilgerorte aus den Weltreligionen, wenn sie an Mekka äh denken und die hat die islamische Pilgerfahrt.
05:24
Es wird ein bisschen komplizierter, aber in unseren, wie wir gerne so sagen, spätmodernen Zeiten natürlich dadurch, dass diese religiösen Deutungen und Traditionen zum Teil ersetzt,
05:36
zum Teil ergänzt werden durch säkulare.
05:41
Neue Pilgerformate, also so spricht man beispielsweise davon, dass die Menschen an die, ja, Lebens und Wirkungsorte von Popstars pilgern
05:51
ne, sie pilgern nach
05:53
Graceland äh in Erinnerung an Elvis Presley, sie pilgern auf die Neverland Range von Michael Jackson, sie pilgern, ähm zum Wohnhaus äh von Amy Winehouse in London, also auch diese Dinge werden heutzutage als Pilgern bezeichnet, ne
06:09
das hat natürlich etwas gemeinsam, also nämlich, dass der Zielort
06:14
Pilgerfahrt mit einer Bedeutung versehen wird von einer bestimmten Gruppe an Menschen, eben heute nicht mehr unbedingt religiös, sondern
06:22
unter Umständen auch eher sekular ausgerichtet.
06:27
Schwieriger wird die Frage dann dadurch, weil sie ja auch in ihrem Beispiel nun zu Fuß gegangen sind
06:32
dass das nicht bei all diesen Pilgerformaten der Fall ist. Ja, also beim Jakobsweg ist es natürlich so, also im Zentrum dieser Pilgerfahrt steht ein langer, man könnte sagen, sehr langer Fußmarsch, ähm ja.
06:47
Im Zweifel die 800 Kilometer des Kamino Frances aus den Pyrinäen bis nach Santiago de Compostela. Aber schon wenn sie jetzt,
06:56
zum Beispiel an die Hadge denken, ja ähm dann spielt natürlich das Gen eine deutlich untergeordnete Rolle.
07:06
Ja, auch da werden.
07:08
Wegstrecken zu Fuß zurückgelegt, aber deutlich kleinere und es steht auch nicht so im Zentrum, zum Beispiel im Vergleich zu diesem Ritual, die Kaba zu umrunden, in anderen Weltreligionen geht es überhaupt nicht ums Gehen,
07:20
Ja, also buddhistisch ist hinduistisches Pilgern findet, zu tempeln statt, wo man im Zweifel mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist. Und das ist ja auch bei diesen säkularen Formaten der Fall, ja, also auch zu Neverland Re,
07:33
oder nach Graceland ähm fährt man jetzt im Regelfall mit dem Auto oder dem Bus.
07:39  Nicola Wessinghage
Okay, aber wir wollen ja ein bisschen heute beim Pilgern zu Fuß bleiben. Das ist ja auch das Thema des Podcasts und weshalb ich's auch gewählt habe, aber wenn ich das jetzt so für mich rekonstruiere, würde ich sagen, Wedel ist jetzt kein Ort,
07:52
aus meiner Sicht äh der des Pilgerns, also vielleicht wenn er mit einer besonderen Bedeutung für bestimmte Menschen aufgeladen wäre, ja, aber das ist ja so nicht
08:00
bekannt. Ähm Herr Korat, Sie sind ja genau wie Herr Heiser irgendwann dazu gekommen, sich
08:06
des Themas Pilgern aus wissenschaftlicher Perspektive zu nähern. Und ähm wie sie im Vorgespräch gesagt haben, auch als einer der Ersten, die das so intensiv
08:15
und auch so facettenreich gemacht haben. Was hat sie denn damals dazu bewogen? Sie haben damals selber auch schon praktische Erfahrungen gehabt, als sie sich das Themas angenommen haben und warum wollten sie sich jetzt auch wissenschaftlich damit.
08:28  Christian Kurrat
Ja genau
08:29
vorausgegangen ist eigentlich 'ne eigene Pilgerschaft die zunächst mal gar nicht das Ziel hatte daraus 'ne wissenschaftliche Forschung zu machen sondern die als Abschluss einer Lebensphase für mich galt ne direkt nach Abschluss des Studiums
08:43
selbst auf dem Kamino nach Santiago gelaufen,
08:48
Dort stellte ich schon fest, dass die Menschen aus sehr unterschiedlichen Beweggründen unterwegs gewesen sind, aber das war jetzt erstmal eine Alltagsbeobachtung und ähm.
09:00
Noch nicht äh sofort das äh wissenschaftliche Interesse. Das ist eigentlich erst im Nachhinein gekommen, äh ne, wie das bei jedem und jeder der Fall ist, wenn man von so einer intensiven Reise zurückkehrt, dann kriegt man viele Fragen.
09:14
Man muss viel berichten und so hatte mein damaliger Professor
09:19
sozusagen den Grundstein dafür gelegt die Pilgerforschung hier an der Fernuniversität zu eröffnen. Äh dadurch, dass er sehr schlaue ähm
09:31
Fragen gestellt hat, die mich dazu anrichten, ähm erstmal zu recherchieren, was gibt es eigentlich.
09:38
In der Wissenschaft zur Frage warum Menschen heute pilgern. Ja, das Buch von war damals.
09:47
Jahr zweitausendsieben, zweitausendacht in aller Munde. Ähm,
09:51
aber ähm außer Historikern und ähm ja, wenigen Ethnologen gab es äh keine wirklich zeitgenösch
10:01
zeitgenössische, soziologische, sozialwissenschaftliche Forschung zu der Frage,
10:07
Pilger, Menschen und damit äh war einerseits ähm mein Promotionsthema gefunden und andererseits auch für die Fernuniversität ein.
10:16
Eine interessante Forschungsgruppe zu dieser äh breitgefächerten Thematik des.
10:23  Nicola Wessinghage
Frage ich nochmal nach, hat sie denn das Pilgern ähm sie haben das dann meist wahrscheinlich zum ersten Mal gemacht
10:29
nehme ich mal an, dann auch ähm in der praktischen Ausführung so begeistert, dass sie es danach nochmal gemacht haben oder haben sie sich dann gleich auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit konzentr.
10:39  Christian Kurrat
Na, also die Leidenschaft ähm ist sowohl äh in ähm Forschungshinsicht äh geblieben, als auch ähm in ganz persönlicher ähm.
10:49
Hinsicht, ne.
10:51
Anderthalb Jahre auch als Gastwissenschaftler in Santiago an der Universität gewesen und ähm habe ja wirkliche Verbindung auch zu dieser Stadt und äh zum Thema ähm und auch zu der Lebenswelt des Pilgerns aufgebaut.
11:06
Und so bin ich ähm inzwischen, glaube ich, vier Pilgerwege äh rein privat in Anführungsstrichen gelaufen.
11:13  Nicola Wessinghage
Naja, so ganz privat geht das wahrscheinlich gar nicht mehr, wenn man einmal mit dem Forschern angefangen hat. Wie war das bei ihnen, Herr Heiser? Sie haben ja auch praktische Erfahrungen gesammelt. War das auch vor der wissenschaftlichen Auseinandersetzung oder hatten sie da schon wissenschaftlich Kontakt
11:27
mit dem Thema als Siege.
11:28  Patrick Heiser
Ich hatte ein Stück weit Kontakt an sich selbst gepilgert bin, also weil Christian Kurat äh und ich uns gerade kennengelernt haben und er
11:37
viel vom Pilgern erzählt hat, von seinen Erfahrungen erzählt hat und äh ne, von seinem Forschungsinteresse erzählt hat. Drum war mein ähm Blick tatsächlich ein Stück weit wissenschaftlich
11:48
vorgeprägt ähm als ich selbst gepilgert bin, würde allerdings behaupten, dass es,
11:56
dass diese Perspektive nicht allzu viel Rolle gespielt hat, als ich dann gepilgert bin. Also ich habe das schon als eine sehr persönliche Erfahrung
12:03
ähm empfunden würde, dass auch heute noch so deuten und ja und der wirklich analytische Einstieg in die Sache ist eigentlich auch erst
12:12
danach erfolgt.
12:15  Nicola Wessinghage
Wie lange waren sie denn da unterwegs?
12:17  Patrick Heiser
Ich war gute Frage, wie lange war ich denn da unterwegs? Ähm ich glaube, ich wow
12:23
um die vier Wochen unterwegs. Also es war ein sehr spontanes Unternehmen. Drum bin ich auch nicht diesen ganzen Kaminof Francesco gelaufen, sondern seinerzeit in Leon gestartet,
12:34
was dann ungefähr die Hälfte der Wegstrecke nach Santiano de Compostela ist und dann aber wie es viele tun noch über Santiago de Compostela hinausgepilgert bis nach ja ans Ende der Welt, also bis an die Atlantikküste.
12:48  Nicola Wessinghage
Sie haben das eben schon gesagt, Herr Kurat, ähm das ist hat was mit biografischen ähm Lebenssituationen auch zu tun. Ist das etwas, was man so allgemein herausfinden kann, dass das vielleicht auch dazu führt
13:03
dass das Thema sich bis heute wieder durchgesetzt hat, weil eigentlich ist es ja eine doch eher alte,
13:09
vorrangig glaube ich sogar eben, wie sie gesagt haben, religiöse Tradition und gerade gegenwärtig, das kann ja nicht alleine das Buch von Harpe Kerkeling gewesen sein, nehme ich mal an, also vielleicht war das Buch dann auch eher genau
13:21
Deshalb geschrieben, weil man gemerkt hat, dass da in der Gesellschaft grade eine Bereitschaft ist, sich äh in dieser Form vielleicht auch mit der eigenen Biographie auseinanderzusetzen. Aber wie, was
13:30
Was bedeutet diese dieser biographische Scheidepunkt vielleicht, auch für die Entscheidung dann zu sagen, ich mache das jetzt mal? Was wie haben Sie das erlebt selbst und vielleicht auch in Ihren Forschungen her.
13:41  Christian Kurrat
Also ich glaube, in der Tat, dass ähm der Effekt von Kerkelings Buch da äh nicht zu unterschätzen ist.
13:50
Natürlich klar auch in quantitativer Hinsicht, ne? Man man kann diesen Effekt, wie wir ihn nennen, nachweisen.
13:58
Sein Buch 2006 erschienen und innerhalb von einem Jahr ist dann die Zahl der deutschen Pilger um mehr als 70 Prozent angestiegen.
14:06
Ständig im Übrigen auch in in anderen Ländern fest, wo es populäre Veröffentlichungen gegeben hat, sei es in Buchform oder seiens auch Filme, dass da dann die jeweiligen Zahlen der ähm,
14:21
pilgernden Nationalitäten ansteigen. Ähm aber was in qualitativer Hinsicht äh glaube ich sehr bedeutungsvoll ist, ähm ist die.
14:31
Ja die Deutung der jeweiligen Autoren, also was ist pilgern, was mache ich dort? Ähm und was macht das Pilgern mit mir?
14:42
Ja? Oder anders ausgedrückt, die Menschen bekommen eine Vorstellung davon, dass eine Pilgerweise.
14:50
Beitragen kann mit persönlichen Schicksalsschlägen, mit Krisen, mit Umbrüchen ähm in positiver Hinsicht umzugehen und auch Lösungen zu finden,
15:01
Ich glaube, dass viele Menschen nach der Lektüre ähm des Buches oder.
15:06
An diesen amerikanischen Film denken dies mit ihrem eigenen Leben parallelisieren und dann sozusagen auch.
15:16
Nachdenken könnte, dass für mich ein Weg im wahrsten Sinne des Wortes sein. Ähm und wenn's dann zu, ja, ungeplanten Krisen oder Umbrüchen im Leben kommt, dann.
15:30
Ist dieser Gedanke da, na, das Pilgern könnte was für mich sein, es könnte eine Lösung für mich bieten.
15:36
Und das stellen wir in den in den Interviews fest, dass ähm im Grunde genommen immer so eine mediale Veröffentlichung der der Trigger gewesen ist für die Idee.
15:47
Und das irgendwann, ob kurz oder später danach, äh, einen biographischer Auslöser zu der Entscheidung führt auf dem Jakobsweg zu pilgern.
15:57
Und das lässt sich ähm durch unsere Forschung auch in ähm fünf Idealtypen ähm kategorisieren.
16:04  Nicola Wessinghage
Dazu kommen wir später nochmal zu den Typen, weil das ist ja auch sehr spannend. Aber vielleicht nochmal vorab, Herr Heiser, sie haben ja eben gesagt, dass sie, dass man auch
16:12
gar nicht unbedingt gehen muss. Man kann auch mit dem Auto zu irgendeiner Grabstätte fahren und das will man auch Pilger nennen, aber für diese biographische Auseinandersetzung oder für diese Auseinandersetzung mit bestimmten Lebenssituationen, die jetzt Herr Korath gerade geschildert hat,
16:26
Ist es da nicht vielleicht auch besonders wichtig, dass man geht, also auch dieses etwas langsamere, die langsamere Fortbewegung und auch die haben gesagt, vier Wochen, also
16:36
mal einmal zu so einer Kirche fahren, kann das den Effekt bringen, ähm wie das gehen, also welche Rolle spielt das Gehen?
16:43
In der Richtung, wie sie Herr Korath gerade beschrieben hat.
16:46  Patrick Heiser
Ähm eine der Zentralen würde ich sagen, ja, also ich,
16:50
dass sich diese Typologie ähm biographischer Situation, in denen die Leute pilgern, auch nur auf Pilgerwegen finden lässt, wo das Gehen eine zentrale Rolle spielt,
17:02
ich glaube nicht, dass man das in Mekka so sehen kann und ich glaube auch nicht, dass man das in Graceland,
17:09
so sehen kann, ja, sondern das ist schon spezifisch für diese Pilgerwege. Wo gehen Rolle spielt, ne? Und wo auch diese ja einerseits diese Zeitkomponente.
17:20
Ja, also man ist lange unterwegs, was das Geni ja mit sich bringt und ähm andererseits aber auch diese.
17:28
Tätigkeit des Gehens, also diese, ja, diese Monotonie, dieser dieser Mantra-Charakter des Gehens
17:37
Ja, die spielen natürlich für viele dieser Typen, die wir da untersucht haben, eine große Rolle für die Menschen, die ihr Leben bilanzieren wollen, die eine Auszeit äh nehmen wollen, die eine Krise verarbeiten wollen, et cetera.
17:49
Äh ist sowohl die Bewegung als auch ihre Langsamkeit entscheidend.
17:54  Nicola Wessinghage
Ja, vielleicht kommen wir dann doch
17:55
mal zu dem Typen. Sie haben sie jetzt schon angesprochen Herr Kurat, vielleicht nennen sie uns die nochmal. Erzählen sie doch mal, was es für Typen gibt oder sie haben ja, das ist ja sozusagen auch ihre Aufgabe in der Wissenschaft, dass dann solche Typen ähm zu entwickeln und da vielleicht auch verschiedene Motive dann zu bündeln und so.
18:10  Christian Kurrat
Ja, sehr gerne. Ähm vielleicht noch zu der Frage des Gehens, äh ein Zitat, was mir in dem Zusammenhang äh einfällt. Ähm Jörn Gottfried Solme hat das ähm an seiner Reise nach Syracus einmal ähm
18:24
so beschrieben, es ginge vieles besser, wenn viele mehr gingen.
18:30
Ich glaube, da ist wirklich was dran, äh so wie Kollege Heiser das auch gerade gesagt hat, äh dieses außer alltägliche, ne,
18:39
von uns ähm in der modernen Alltagswelt bewegt sich lange per Pedis äh fort, wenn es nicht unbedingt sein muss.
18:50
Und.
18:52  Nicola Wessinghage
Immer mehr müssten sie mal hier die Folgen des Podcasts hören, da gibt's schon einige.
18:57  Christian Kurrat
Ja, ähm und auch ganz bestimmt durch das Pilgern, also es ist vielleicht sogar,
19:02
Songs des Gehens dadurch ausgelöst worden. Ähm man sieht das ja auch an immer mehr ähm Büchern, die zum Thema Wandern ähm veröffentlicht werden und auch andere Pilger kommen ja gleich auch äh sicherlich noch drauf zu sprechen,
19:15
zu den Typen, hm wir können idealtypisch fünf Haupttypen von Pilgern unterscheiden,
19:22
Ich will sie vielleicht kurz nennen und dann auch kurz charakterisieren. Menschen pilgern um ihr Leben zu bilanzieren.
19:30
Eine Krise zu verarbeiten, um sich eine Auszeit zu nehmen, um einen Übergang zu gestalten oder um einen Neustart zu initiieren.
19:40
Menschen, die ihr Leben bilanzieren, befinden sich.
19:44
Sozusagen in der letzten Lebensphase angesichts des fortgeschrittenen Alters oder aufgrund einer
19:51
die sie bewusst werden lässt, dass das Leben auf Erden in absehbarer Zeit zu Ende sein wird und diese Menschen pilgern um eine geistige Rückschau auf ihr Leben vorzunehmen, die Stationen des Lebens einzuordnen
20:05
und sie suchen dafür in erster Linie die Stille und
20:13
sozusagen auf wenig Austausch mit anderen Pilgern. Das ist äh auch ein Differenzierungsmerkmal, was die Typen unterscheidet, ja, die einen für die eine ist der Austausch mit anderen, zur Verarbeitung von biographischen Ereignissen essentiell.
20:28
Und hat 'ne Funktion für die Bilanzierer aber.
20:33
Nicht so sehr, ne? Die suchen eher die äh die Muße und äh Einsamkeit des Gehens.
20:41
Die Krisenpilger äh sind dadurch charakterisiert, dass ein ungeplantes Ereignis der nahen Vergangenheit ihr Leben erschüttert hat, sozusagen ein Schicksalsschlag.
20:54
Also beispielsweise wenn äh ein Angehöriger.
20:58
Partner, die Partnerin gestorben ist oder man äh ungeplant vom Partner, von der Partnerin verlassen wurde, etwas, was so.
21:07
Ja, sozusagen auf einen hereinbricht und ähm wo man einen Weg finden muss, damit umzugehen.
21:16
Und ähm die Pilgerinnen und Pilger in einer Krise berichten natürlich, denn mit Pilgern davon, was passiert ist. Ähm.
21:28
Viel Trost gesucht in den Gesprächen mit anderen und natürlich auch Deutungsmuster, also sie hören von anderen, die vielleicht ähnliche Schicksalsschläge erlitten haben und lernen dadurch, wie man damit umgehen kann.
21:44
Auszeitpilger ähm das sind Menschen, die in ihrem beruflichen Alltag.
21:51
Anforderungen erfahren. Also, ne, das Stichwort Burnout kommt in diesen Interviews immer wieder vor, 24 Stunden am Tag erreichbar sein, sieben Tage die Woche arbeiten.
22:05
Ähm und für diese Pilger ist es wichtig ähm,
22:11
nicht erreichbar zu sein für das heimische soziale Umfeld und sozusagen auch eine eine Distanz aufzubauen, in der sie dann ähm Prioritäten überdenken können.
22:22
Sodass nach der Rückkehr sie auch anders auftreten können und sagen, das hat heute zum Beispiel für mich nicht mehr die Bedeutung, die es vor dem Pilgern hatte.
22:32
Und interessanterweise berichten Auszeitpilger davon, dass sie sehr beeindruckt sind von der Gemeinschaft, die sie auf dem Jakobsweg treffen, ja? Wenn man sich.
22:42
Vorstellen kann. Jemand der in seinem Berufsalltag äh hohe Anforderungen erfährt, der trifft auf einmal beim Pilgern äh auf eine Situation, wo keine Anforderungen an sie gestellt werden.
22:58
Die Übergangs.
22:59  Nicola Wessinghage
Außer jeden Tag zu gehen, ne. Das ist ja auch durchaus kann auch zu einer Anforderung werden. Vor allen Dingen nach einigen Tagen mit Blasen an den Füßen und Schmerz.
23:09  Christian Kurrat
Natürlich, die die kleinen Anforderungen des äh des Pilgerns.
23:11  Nicola Wessinghage
Mhm. Ist eine ganz andere Anforderung vielleicht. Vielleicht.
23:16  Christian Kurrat
Rucksack in der richtigen Reihenfolge zu packen und äh die Herberge zu finden und äh die Füße zu pflegen, das sind äh also Dinge, die man beim Pilgern tut, äh was im Alltag jetzt.
23:31
Normalen Strukturen gehört. Okay, vielleicht die anderen beiden Typen noch, ähm die äh Übergangspilger finde ich äh.
23:40
In der Hinsicht sehr interessant, ähm weil sie.
23:46
Wie soll ich sagen, also wir haben in der, in der Studie keine Quantifizierung vorgenommen. Wir haben also eine rein qualitative Studie gemacht, um
23:54
das unerforschte Feld des Pilgerns oder der Motive von einem Extrem zum anderen zu beleuchten,
24:01
Was aber wirklich auffällt, ist, dass sehr viele Menschen in Übergangssituationen sich auf eine Pilgerweise begeben
24:10
Also ähm beispielsweise nach ähm der Schule und vor der Ausbildung, äh nach dem Studium, vor dem Eintritt ins Berufsleben.
24:19
Nach dem Auszug der Kinder aus dem Elternhaus am Ende des Berufslebens und vor dem Eintritt ins Rentnerdasein. Also diese in der Normalbiografie vorgesehenen Schwellen äh die,
24:34
jeder, jede von uns äh ähm durchlebt.
24:38
Aber keine wirklichen Rituale gibt und das Pilgern ist sozusagen für diese Menschen ein selbstgewähltes Ritual, was sie von einer gerade abgeschlossenen Phase des Lebens in eine neue hinüberführen soll.
24:51
Im Gespräch mit anderen Pilgern suchen diese Menschen dann auch Anregungen für die neue Lebensphase.
25:00
Ganz ähnlich ähm aber mit einem ähm gravierenden Unterschied sind die Neustarter unterwegs, bei denen äh liegt ein.
25:08
Bruch in der ähm in der Lebensgeschichte vor, ein selbstgewählter Bruch, also äh nicht etwas, was in der Normalbiografie vorgesehen ist, sondern beispielsweise nach einer langen Leidensphase wird der gelernte Beruf an den Nagel gehangen.
25:23
Oder man trennt sich von seinem Partner. Und äh weiß noch gar nicht so genau, wie es im Leben eigentlich weitergehen soll. Diese Pilger wissen nur, so kann es nicht weitergehen.
25:36
Begeben sich auf Pilgerschaft um ja einerseits damit abzuschließen und andererseits auch eine neue Identität zu konstruieren, die dann nach der Rückkehr zu Hause präsentiert werden.
25:50  Nicola Wessinghage
Das sind ja, wenn man das so hört, eigentlich alles eher sehr.
25:55
Motive, die sehr auf die eigene Person ähm fokussiert sind, also so mit der eigenen Biografie, mit Selbstfindung vielleicht noch zu tun haben. Und das
26:03
wo ja eigentlich die Ursprünge des Pilgerns, zumindest vermute ich, dass liegen, dass das doch ein eher religiösen Hintergrund hat. Ähm also aus der christlichen und vielleicht auch anderen Religionen kommt
26:14
tauchte da jetzt gar nicht mehr so auf. So ein spiritueller Gedanke, ähm Herr Heiser, das wäre ja so ihr Thema, ist der verloren gegangen in der Entwicklung oder gibt es auch noch Menschen, die wirklich
26:26
dieser Kirche pilgern mit der Hoffnung, dort besonderen Schutz zu erfahren oder ähm eine Erleuchtung zu finden oder sonstiges.
26:36  Patrick Heiser
Muss man glaub ich differenzieren, je nachdem welche Pilgerfahrt auch welche Religion man anschaut ne? Also im Islam ist das,
26:46
sicherlich der Fall, dass es nach wie vor, also
26:51
er von außen an denen, die einzelne Pilgernde herangetragen wird, ne? Also ist ja eine der fünf Säulen des Islam, also jeder Muslim und jede Musliminin ist angehalten, einmal im Leben nach Mekka zu pilgern, sondern die Voraussetzungen gegeben sind
27:06
das ist nun sicher im Christentum nicht mehr,
27:10
auch wie sie sagen im Vergleich zu früher, ja, also bin ich an mittelalterliche Pilgerfahrten denke, dann waren die ja eben mitunter kirchlicherseits auferlegt im Sinne eines ja, Strafpilgerns, äh ne, im Sinne eines
27:25
Bußpilgerns, also für Menschen, die nun irgendwelche Sünden vermeintlich begangen hatten. Das ist heute nicht der Fall.
27:32
Ähm insofern ist die Gruppe derjenigen, die man vielleicht als religiöse, pilgernde bezeichnen könnte.
27:43
Mittlerweile sehr klein geworden, also Menschen, die tatsächlich von sich sagen, ich pilgere ausreligiösen Gründen, um Dank zu sagen, um Buße zu tun et cetera. Äh das ist eine sehr kleine Gruppe.
27:57
Was jedoch ähm aus meiner Sicht nicht bedeutet, dass die spirituelle Komponente verloren gegangen ist, sondern eigentlich, ganz im Gegenteil, also.
28:06
Müsste natürlich zuvor klären, was heißt eigentlich Spiritualität? Ähm.
28:12
Ich würde das äh definieren als eine eben tatsächlich.
28:18
Selbstbestimmte individuelle vom einzelnen ausgehende Form der religiösität und das ist nun genau das, was wir eben bei den Jakobs Pilgernden,
28:31
sehen können, ja? Also auch wenn sie nicht von vorne rein gesagt haben, ich pilgere aus religiösen Gründen.
28:38
Auch ähm wenn sie vielleicht vor ihrer Pilgerschaft, ja, also
28:44
keinen Anschluss an Religion, insbesondere keinen, an Kirche hatten, wenn sie konfessionslos waren, et cetera PP, dann entsteht doch so etwas wie eine Pilgerreligiösität während dieser Pilgerfahrt. Ja, also in dem Sinne,
28:58
dass ähm man sich mit den großen Fragen mit den religiösen Fragen nachdem woher, wohin.
29:07
Warum beschäftigt. Ja, dass man ähm das, was man erlebt während der Pilgerfahrt. Also,
29:16
durchaus so in einem spirituell religiösen Sinne deutet als Wunder beispielsweise, ja ähm das sind ganz häufig,
29:24
gebrauchtes Wort auch in diesen Interviews. Wunder
29:27
ja, dass man die Begegnungen mit anderen Pilgernden begreift, als ja, als eine Sendung, ja, also als etwas, was Gott oder eine, wie auch immer, geartete, höhere Macht initiiert hat, ja, das das ist sehr toll.
29:41
Sehr häufig zu finden, auch bei zeitgenössischen Pilgernden, ja, also ähm.
29:48
Insofern muss man vielleicht differenzieren und sagen, dass dieses religiöse im Sinne eines,
29:54
ja? Von außen herangetragenen, vielleicht kirchlich verfassten, klar in den Hintergrund getreten ist.
30:03
Dieses spirituelle im Sinne einer individuellen, religiösen Frage, aber nach wie vor gegeben und ganz deutlich zu sehen ist.
30:15  Nicola Wessinghage
Mhm
30:15
Sie haben jetzt beide bisher immer von Menschen berichtet, mit denen sie gesprochen haben, für die das so schien, dass es eine sehr positive, bereichernde Erfahrung war. Aber es gibt ja sicherlich auch Menschen, bei denen das nicht so war, die vielleicht abbrechen mussten oder vielleicht auch gar nicht
30:30
in der Lage waren, sich mit dem auseinanderzusetzen, was ihnen da begegnet ist
30:34
gibt's da auch, haben sie da auch ähm Gespräche geführt oder gibt's den Typus, das ist ja jetzt ein anderer Typus, weil das ja schon sozusagen die Erfahrung während des Weges betrifft
30:44
und nicht die Motivation, das hatte ja ihre Typen ausgemacht, Herr Kurat, aber es.
30:49
Ich kann mir vorstellen, dass auch grade, wenn man dann dieses Buch liest und so viele begeisterte Stimmen hört und dann denke ich, oh, das mache ich auch
30:56
und plötzlich merke ich, also entweder ganz pragmatisch, mir tun die Füße so weh, dass ich gar nicht mehr weiter kann. Ähm das wäre dann das banalste, ähm vielleicht aber auch ich bin gar nicht in der Lage, mich mit dem auseinanderzusetzen, was mir da begegnet, passiert das auch.
31:10  Christian Kurrat
Ja ähm absolut, also mir fallen da eine Reihe von von
31:16
Beispielen ein, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung und ähm so wie die Motivation zum Pilgern äh vielfältig sind, äh sind auch die die Auswirkungen.
31:28
Nach der Pilgerschaft aus meiner Sicht sehr vielfältig.
31:32
In Santiago selbst äh sagt man, so als Sprichwort, äh entweder man kommt einmal nach Santiago oder man kommt immer wieder.
31:41
Und so habe ich ähm vor Augen Menschen, die.
31:47
Das im Nachhinein als eine schöne Erfahrung mitnehmen. Vielleicht das auch als als.
31:55
Urlaub noch deuten und davon auch gerne mal erzählen, aber für die das jetzt keine lebensgeschichtlich oder berufsbiographisch relevante Auswirkung hatte.
32:08
Andere wiederum.
32:11
Dekorieren ihre Wohnung ähm mit ähm Andenken vom Jakobsweg hängen die Urkunde auf äh an der Eingangstür hängt die Muschel. Ähm die wandern häufiger äh in ihrer Freizeit.
32:26
Wiederum andere finden ihren Ehepartner, ihren künftigen Ehepartner beim Pilgern.
32:32
Engagieren sich in Jakobus Gesellschaften.
32:38
Haben vielleicht den Wunsch eine eigene Pilgerherberge aufzumachen. Auch das gibt es, vereinzelte Berichte von Menschen, die dann ja, wirklich radikal auch mit dem Leben hier brechen und nach Spanien auswandern und dort ihr Glück versuchen.
32:53
Bei einigen klappt's dann, bei anderen klappt's wiederum nicht. Ähm wiederum andere, die hospitieren in einer Herberge. Es gibt zahlreiche Berichte.
33:02
Ja Kinder ähm.
33:05
Bekanntschaften auf dem Jakobsweg entstanden sind. Mir ist ein ganz konkretes Beispiel äh eines Interviewpartners äh vor Augen, der einen biographischen Neustart initiiert hatte. Ne, der hat mit fünfunddreißig,
33:19
gelernten Beruf an den Nagel gegangen und danach nochmal was komplett neues gelernt.
33:24
Und als er seine weitere Ausbildung abgeschlossen hatte, ist er dann nochmal nach Santiago gegangen.
33:31
Und lernte in Santiago seine künftige Ehepartnerin kennen mit der inzwischen einen Sohn hat, der den Namen Jakob trägt. Also, es ist ähm aus meiner Sicht äh genauso vielfältig wie.
33:44
Wie es die Welt ist.
33:46  Nicola Wessinghage
Also bei Jakob immer mal nachfragen, wo waren denn deine Eltern? Neun Monate vor deiner Geburt. Genau, ähm
33:54
ich würde nochmal gerne auf ein anderes Thema eingehen, weil ich eben hingehorcht habe, Herr Korat, als sie sagten, Stille, also viele suchen auch die Stille und ich habe jetzt das
34:04
Buch von Harpe Kerkeling nicht gesehen. Ich habe aber, glaube ich, den Film mal gesehen und da hatte ich
34:08
den Eindruck, dass es da überhaupt nicht still ist auf dem Jakobsweg. Und wenn man sich die Zahlenentwicklungen anguckt, von der sie auch gesprochen haben, ist da ja ordentlich was los. Also ähm
34:17
ist das eigentlich der richtige Ort? Gerade dieser Jakobsweg, der so bekannte und begehrte Jakobsweg, wenn ich tatsächlich Stille suche, mich dahin aufzumachen.
34:29  Christian Kurrat
Ja, aus meiner Sicht ähm muss man das differenziert sehen. Also einmal sicherlich im Hinblick auf die Jahreszeit.
34:37
Aus dem Sommer angucken, ist der Jakobsweg natürlich voller als im Winter.
34:45
Ich erinnere mich an einige Interviewpartner, die ganz bewusst im Winter auch pilgern, ähm um.
34:55
Absolute Ruhe zu haben.
34:58
Aber auch in den Sommermonaten sind ja die gesamten 800 Kilometer nicht so bevölkert wie man sich das vielleicht vorstellen mag, sondern es sind vor allen Dingen die letzten 1hundert Kilometer.
35:12
Die insbesondere im Juli sehr voll sind, was natürlich damit zu tun hat, dass sehr viele Spanier dann unterwegs sind, um rechtzeitig.
35:23
25. Juli, dem Festtag des heiligen Jakobus in äh Santiago anzukommen.
35:31
Wenn sie in den Pyrinälen starten und im Baskenland, in, in Asturien unterwegs sind, da finden sie aus meiner Sicht und aus meiner Erfahrung heraus immer so ein Wechselspiel, ne.
35:44
Tagsüber haben sie viele ausgedehnte Phasen, wo sie Ruhe und Buße finden.
35:51
Abends in den Herbergen dann auch die Gelegenheit zum zum Austausch, zum gemeinsamen Essen, zum gemeinsamen Singen, ähm finden.
36:01  Patrick Heiser
Ja und vielleicht ist der Jakobsweg ja ein Ort für Menschen, die zum Alleinsein anderer Menschen brauchen.
36:08
Ja, also es gibt da einen Unterschied zwischen Alleinsein, mit sich sein und Stille. Auf der einen Seite und Einsamkeit,
36:17
auf der anderen Seite, ne? Und ähm das kann ich mir bei diesem Typus bilanzierungspilgernde.
36:27
Ja, also die ihr Leben reflektieren wollen, durchaus gut vorstellen. Also sie suchen die Stille, aber sicher nicht die Einsamkeit
36:34
und äh das mögen die Bedingungen sein, die auf dem Jakobsweg erfüllt werden. Das hat ja auch viel zu tun wie pilgernde, so miteinander umgehen. Ähm.
36:44
Christian sprach eben von dieser Erwartungsfreiheit in einer Pilgergemeinschaft und ich finde einer der Punkte, an die man diese sehr gut beobachten kann, ist so wie
36:56
geht man eigentlich gemeinsam, ja? Und ähm.
37:01
Da habe ich doch häufig beobachtet, dass man morgens jetzt vielleicht gemeinsam startet, weil man auch den Abend und die Nacht in einer Herberge äh gemeinsam verbracht hat, aber ähm,
37:13
dass man doch dann sehr offen ist für das, was der Pilgertag
37:17
bringt, also dass man nicht sagt, wir treffen uns um 12 Uhr jetzt zur Mittagspause da und heute Abend ähm übernachten wir gemeinsam in der Herrenberge XY, sondern ähm viel häufiger sind Sätze wie ja,
37:30
wenn es sein soll, dann werden wir uns wiedersehen. Ja und dann geht man vielleicht gemeinsam los, aber der eine ist schneller als die andere und geht,
37:41
vor und ja, also man erwartet nicht, dass man auf den anderen wart. Man erwartet auch nicht, ähm dass man die ganze Zeit miteinander spricht
37:51
Ja, auch das ist, finde ich, etwas sehr besonderes an dem Jakobsweg, ja. Also, weil man ja doch so.
37:57
Ja, im Alltag, wenn man mit jemandem zusammen ist, dann ist man ja doch häufig zum Reden genötigt. Ne, also wäre auch irgendwie seltsam, sich mit einem Freund
38:05
in die Kneipe zu setzen und nun den Abend über zu schweigen, ja, aber auf dem Jakobsweg äh ist das doch völlig normal, dass man eben nicht diese Erwartung stellt, hör mal, wenn wir schon nebeneinander herlaufen, dann müssen wir auch die ganze Zeit plappern. Das
38:19
passiert eben nicht. Und ich glaube, das sind die Punkte, an der man an denen man Stille finden kann, aber in einem sozialen Kontext.
38:29  Nicola Wessinghage
Hm. Ja, ich bin ihnen ja auch ganz dankbar, dass sie hier reden und nicht.
38:32  Patrick Heiser
Nicht wahr?
38:33  Nicola Wessinghage
Also das ist auch ihre berufliche Situation, dass sie ständig reden müssen. Von daher kann ich mir vorstellen, dass gerade solche Menschen, es gibt ja auch immer mehr, die sich in Schweigeklöster ähm oder ähnliches verziehen, um wirklich mal einen Gegensatz zu
38:46
im Beruf zu schaffen. Ich könnte aber doch auch, weil ich muss sagen, ich habe tatsächlich mal mit den Pilgern und Jakobsweg
38:53
ich ganz klar vor Augen gehabt, gut, dann geht man eben da nach Spanien und äh zu dieser Kirche hin und dann habe ich gehört, das gibt's aber auch ganz andere Wege. Also man kann eben auch
39:02
woanders starten. A ist das ein richtiges Netz von Wegen. Vielleicht können sie da nochmal ein bisschen was von erzählen, dass man mal dann Vorstellung hat, weil dieser dieser eine Punkt ist sicherlich ja so ein magischer Endpunkt, aber man könnte auch eben ganz andere Wege wählen, um
39:17
zu pilgern, was hätte ich denn da für eine Auswahl.
39:19  Christian Kurrat
Bei Jakobspilgern heißt es häufig, ähm der Pilgerweg beginnt an deiner Haustür.
39:26
So war es ja auch im im Mittelalter, ne? Die Vorstellung des in Anführungsstrichen ganzen Weges, also von in den äh französischen Pyronän bis nach Santiago, das ist eine sehr neue Vorstellung.
39:41
Stammt ungefähr aus den 1980er Jahren. Ähm im Mittelalter ist man zu Hause gestartet und anders als heutige Pilger, natürlich auch wieder nach Hause zurückgelaufen.
39:54
Mich dann äh manchmal, wenn man auf Pilger trifft, die äh vielleicht schon 600 Kilometer unterwegs gewesen sind und auf jemanden treffen, der mit dem Fahrrad unterwegs ist oder der nur in Anführungsstrichen, 200 Kilometer läuft, dann heißt es
40:08
das ist kein richtiger Pilger. Habe ich immer gefragt, ja was ist denn ein richtiger Pilger? Ja, jemand, der die gesamte Strecke läuft, aber.
40:16
Früher war es so, dass man als Pilger natürlich nicht in Santiago ins Flugzeug oder in in Zug gestiegen ist, sondern auch wieder die beschwerliche Strecke nach Hause laufen musste. So und um auf ihre Frage zurückzukommen.
40:31
Der heutigen Zeit gibt es äh ein in ganz Europa ausgewiesenes Netz von Pilgerwegen
40:37
Ähm die bis nach Russland, bis nach Norwegen, hochreichen und das sind in aller Regel auch historisch belegte Wege.
40:46
Handelsrouten.
40:48
Ähm inzwischen auch mit Förderung durch die äh Europäische Kommission als sogenannte europäische Wege der Jakobspilger ausgewiesen werden und die sich dann ähm.
41:02
Oder nach dem Pyronen vereinigen zu dem sogenannten französischen Weg. Das ist dann die Hauptroute. Ähm.
41:12
Ansonsten ist es interessant, dass ja neben den Jakobswegen auch andere Pilgerwege.
41:20
Wiederentdeckt werden oder auch neu errichtet werden. Ähm der Jakobsweg ist als,
41:27
europäische Kulturstraße äh ausgezeichnet worden von der Europäischen Kommission. Es gibt inzwischen auch die zweite europäische Kulturstraße, das ist der Olafsweg äh in Norwegen,
41:40
Ähm es gibt mittlerweile in Deutschland den Luther Weg.
41:45
Interessanterweise ein protestantischer Pilgerweg zu den wichtigsten Wirkungsstätten des Reformators.
41:52  Nicola Wessinghage
Das heißt, es gibt ganz viele ähm Alternativen und,
41:55
die, die jetzt so neu aufkommen, also ich hatte eben mir schon kurz erzählt im Vorgespräch, dass es auch in Hamburg inzwischen äh einen Pilgerweg gibt, also ähm initiiert von äh von der evangelischen Kirche hier,
42:08
und evangelische, ich hoffe, ich sage das richtig, das muss ich noch mal nachprüfen. Ist das eher als Marketing,
42:16
Gag zu verstehen, also dass man das eher sind das eher Trittbrettfahrer, die denken, das können wir doch auch mitnehmen, also die Kirche einfach, um Menschen vielleicht auch
42:26
auf eine andere Art anzusprechen, wogegen auch gar nichts zu sagen wäre oder aber auch Tourismusregionen, die sich damit ein bisschen Zulauf erhoffen
42:35
oder ist es tatsächlich so, dass man da einfach auch einem Bedürfnis entgegenkommt? Wie, was sind da so die Motive und gibt's da tatsächlich, wissen sie das so ein bisschen, ob auch mehr Regionen jetzt sagen, wir haben hier einen Pilgerweg und auch mit diesem Wort tatsächlich dann
42:49
werben.
42:50  Patrick Heiser
Ich glaube, alles von dem, was sie gerade gesagt haben, ist richtig,
42:55
Also ich glaube, dass man einem Bedürfnis entgegenkommt, also weil es ja schon so etwas gibt wie einen Wandertrend,
43:04
und eine Mode des Wanderns jetzt erstmal ganz allgemein, das ist vielleicht auch für den Erfolg des Jakobswegs, also eine wichtige
43:13
Grundlage, da hängen ja auch Sachen dran, Infrastrukturen, ja, also jetzt wenn sie vor 20 Jahren mal versucht haben, Wanderschuhe zu kaufen oder eine irgendwie sinnvolle Outdoor-Jacke, den Begriff gab's nicht mal, ja? Das war schwierig
43:25
das ist natürlich heute anders und insofern gibt's natürlich auch wenn man es gar nicht pilgern nennt, immer mehr ausgezeichnete.
43:35
Wanderwege.
43:37
Hm, von denen sich tatsächlich viele auch in Deutschland an allen möglichen Orten, aber unter dieses Label Pilgerweg Jakobsweg,
43:48
stellen. Das hat.
43:51
Sicherlich Marketing gründe, das hat handfeste wirtschaftliche Gründe, da geht es um darum, den Tourismus anzukurbeln.
44:00
Ja und den Jakobsweg zu kopieren
44:03
ich glaube, dass man das in erster Linie auch eher auf so einer, ja, wie soll man sagen, politisch, wirtschaftlichen Ebene sehen muss, also ich glaube, dass das gar nicht so in erster Linie die Kirchen sind, ne, die solche Wege initiieren, also Kirche hat ja das eben schon angeklungen, schon
44:20
immer ein sehr ambivalentes Verhältnis gegenüber der Pilgerschaft, auch die katholische Kirche.
44:26
Weiß gar nicht, was ihr zuerst gesagt habt, weil das war auch richtig. Äh.
44:30  Nicola Wessinghage
Ach so, dass die Kirche natürlich auch damit ähm Menschen auf eine andere Art anspricht, ähm quasi sich der Institution vielleicht auch wieder zugehörig zu fühlen oder einfach,
44:39
mit etwas auf diese Menschen, auf gerade auf jüngere Menschen vielleicht auch zugeht, von dem sie weiß, dass dass es sie anspricht einfach, was ja grundsätzlich auch.
44:47
Richtig ist, ne? Also die Menschen da abzuholen, wo sie Interesse zeigen.
44:51  Patrick Heiser
Also klar, es gibt so etwas wie Pilger Pastoral, also sowohl in der Fläche, sprachen eben schon mal von den ganzen Jakobuskirchen, die es gibt
45:02
ne? Und dann gibt es natürlich auch Angebote, auch für Pilgernde. Ja, ähm es gibt Pastoral in Santiago,
45:09
compostela, aber grundsätzlich ist Pilgern für die Kirchen ein schwieriges Format. Also einerseits ähm.
45:20
Weil es doch gerade in, in seinem zeitgenössischen Ausprägung, ja, also ein Format ist, das sich kirchlich schwer steuern lässt
45:28
Ja, also ne, ich habe als Kirche wenig Einfluss, was da eigentlich auf den Jako,
45:34
wegen stattfindet und das merkt man sehr deutlich, also dass sie sich dass es einerseits so ein Interesse am Pilgern gibt, auch so eine Freude darüber, dass Menschen so eine vermeintlich religiöse Praxis auch heute noch.
45:47
Praktizieren, ja, andererseits denkt man aber, man hat da so eine gewisse Distanz zu, weil es doch im Gegensatz zu anderen religiösen Formaten wenig institutionell steuerbar ist.
45:58
Und weil es natürlich für eine Weltköche zahlenmäßig schlicht irrelevant ist. Äh also.
46:04
Tausend Menschen im Jahr pilgern das Tatiago de Compasskeller, werden sie mal schauen. Ähm wie viele Millionen Menschen jeden Sonntag in einen katholischen Gottesdienst besuchen, ist es schlecht für die Kirchen.
46:14
Uninteressant.
46:16  Nicola Wessinghage
Dann gar nichts
46:17
so wichtig. Vielleicht noch mal zu der Zahl, mich würde auch mal interessieren, Sie haben ja eben gesagt, Sie forschen da eher qualitativ, also fragen eher nach Motiven, Beweggründen, für ein Interviews und haben jetzt nicht so empirische Forschung, dass sie genau
46:30
Zahlen, Daten, Fakten schon vorliegen hätten, aber man weiß doch sicherlich, ob es mehr, eher mehr Männer oder mehr, eher mehr Frauen gibt insgesamt. Die pilgern, können sie dazu was sagen?
46:39  Christian Kurrat
Ja, das sind Daten, die vom Pilgerbüro ähm der Erzdiözese in Santiago de compostela erhoben werden.
46:46  Nicola Wessinghage
Ah ja klar, die wissen, das.
46:47  Christian Kurrat
Genau. Ähm da kann ich jetzt einmal zu ihrer Frage, Männer, Frauen, was Interessantes sagen und dann vielleicht auch noch mal im Anschluss an den Heizer zu der Frage Religion. Äh weil das wird dort auch abgefragt.
47:01
Ähm also zur zur ähm Geschlechterdifferenz ähm ist ganz interessant, dass im Jahr 2019 zum ersten Mal,
47:12
Erhebung dieser Daten. Das äh läuft seit Mitte der 1970er Jahre. Zum ersten Mal mehr Frauen als Männer gepilgert.
47:21
Es waren, ich glaube, es waren 51 Prozent zu 49 Prozent. Ähm das sah in den 80ern noch ganz anders aus. Ich meine, es waren nur 20 Prozent Frauen, die.
47:34
Unterwegs gewesen sind. Und ich glaube, das hat in der Tat auch viel, also ne, diese Veränderungen damit zu tun, dass äh durch populäre Veröffentlichungen ähm auch das
47:46
Bild entstanden ist. Es ist sicher auf dem Jakobsweg,
47:52
zu laufen, auch alleine, auch alleine als Frau. Ja, meinen ersten Interviews ähm.
48:00
2tausend8 war das ähm da haben viele äh Pilgerinnen noch gesagt, ich hatte am Anfang Zweifel.
48:09
Soll ich das machen in fremdes Land gehen, alleine unterwegs sein um im Rucksack, aber ich stelle hier fest, das ist sicher.
48:17
Und sowas verbreitet sich natürlich.
48:20
Forschung gibt es inzwischen ähm in Amerika zu der Frage Frauen oder auch Familien auf dem Jakobsweg ähm und zu der Religionsfrage auch noch ein interessantes äh Detail,
48:33
ähm man muss wissen, begehrt bei den Pilgern ist die Urkunde, die man in Santiago erhält.
48:43
Nachweisen kann, dass man mindestens 100 Kilometer zu Fuß oder zwohundert Kilometer mit dem Fahrrad äh gemacht hat.
48:50
Diese Urkunde gibt es in zweifacher Ausführung. Entweder in Latein, so wie sie im Mittelalter aussah.
48:58
Oder auf spanisch, also als Zertifikat gewissermaßen.
49:02
Und diese lateinische ähm Originalurkunde, die bekommt man nur, wenn man im Pilgerbüro ankreuzt, dass man aus religiösen Motiven gelaufen ist.
49:14
Und auch sowas verbreitet sich natürlich auf dem Jakobsweg, ja, also,
49:19
einige Dutzend Kilometer vor Santiago heißt es dann, du weißt ja, was du im Pilgerbüro ankreuzen musst, um die richtige Urkunde zu kriegen. Und so kann, lange Rede, kurzer Sinn, die katholische Kirche natürlich auch.
49:31
Eine hohe Zahl an vermeintlich religiös motivierten Pilgern vorweisen.
49:37  Nicola Wessinghage
Na ja, die eigentlich alle nur die Urkunde haben und haben sie auch beide eine Urkunde?
49:44  Christian Kurrat
Äh ich habe eine, ja.
49:46  Nicola Wessinghage
Sie haben eine und lateinisch oder spanisch?
49:49  Christian Kurrat
Habe sie selbstverständlich auf Latein, weil äh ähm mir vorher jemand sagt, du weißt doch, was du ankreuzen musst.
49:55  Nicola Wessinghage
Und wo hängt die?
49:58  Christian Kurrat
Die hängt ähm äh bei mir in der Küche.
50:02  Nicola Wessinghage
Sehr schön. Also äh immer im Alltag präsent als sozusagen Ankererin. Das hatten sie ja ganz zu Anfang, glaube ich, auch gesagt, dass viele Menschen tatsächlich das als Erinnerung irgendwo auch in ihrer Wohnung haben. Und ähm vielleicht zu einem der letzten Punkte, ich habe gesehen, da forschen sie gerade dran, dass sich da eine neue
50:21
oder so eine Art neues Ritual vielleicht noch ergänzt hat, dass ähm immer mehr Tattoo Studios auch
50:26
rundum das Ende des äh Jagd oder das um diese Kirche dort aufgemacht haben. Wie was hat's damit auf sich?
50:34  Patrick Heiser
Nur weil ich glaube, du kannst am Ende mehr davon erzählen, aber wenn ich mal anfange, ähm also es fußt auf der Beobachtung, dass in Santiago de Compostela, also die Tattoostudios quasi
50:47
aus dem Boden sprießen, ja, also da werden immer mehr von eröffnet oder zumindest war das vor Corona ähm der Fall und ähm.
50:56
Ja, das ähm war uns und Kollegen nun aufgefallen und ähm dann haben wir ein bisschen näher hingeschaut und ähm ich finde es deshalb
51:05
Ganz spannend, also weil offenbar doch also ein ja nennenswerter Anteil von Pilgernden. Die Pilgerfahrt der
51:15
bedeutsam findet, dass man bereit ist, ja, sie in die Haut einzubrennen, also als tatsächlich
51:22
dauerhafte Erinnerung, äh die man nur so schnell auch nicht mehr los wird, ja? Also es ist sozusagen nochmal Hinweis darauf, was für ein Stellenwert ja, auch was für einen biographischen Stellenwert so
51:36
Pilgerfahrt für viele hat.
51:38  Christian Kurrat
Ja und vielleicht ergänzend dazu ähm kam natürlich auch die Frage auf, ist das etwas ähm.
51:46
Neumodisches auf auf gut Deutsch oder äh.
51:49
Ist das auch eine Tradition, die ähm was mit Pilgern und auch Religionen äh zu tun hat.
51:57
Interessanterweise gab es diese Tradition äh von Pilgertätowierungen bereits im Mittelalter und zwar in Jerusalem.
52:05
Ähm auch heute gibt es nur noch eine Familie ähm in Jerusalem. Ähm die über Generationen hinweg einen Tätowierstudio hat.
52:17
Wo man sich ja verschiedene Motive in die Haut eingravieren lassen kann, wenn man in Jerusalem einläuft.
52:26
Und ähm Historiker zeigen Ihnen zahlreichen Berichten, dass Pilgernde des Mittelalters äh sich.
52:34
Beispielsweise die Anordnung der Grabeskirche haben in die Haut tätowieren lassen oder den Wegverlauf ähm nach Jerusalem
52:42
so dass man einerseits ähm bei der beschwerlichen Rückreise nach Hause äh sich als Pilger ausweisen konnte, ja? Das war also sozusagen der der Nachweis, ich,
52:52
und äh vor allen Dingen konnte man zu Hause dann ähm erzählen. Man konnte also.
53:00
Den Unterarm zeigen und genau mit dem Finger erklären, hier ist die Grabeskirche und so und so bin ich da gelaufen. Man konnte also Geschichten dazu erzählen und.
53:11
Das ist bei heutigen Pilgern sicherlich ganz genauso, wenn die an ihrem Knöchel oder am Unterarm Motive des Jakobsweges haben.
53:19
Sind das Anlässe um Geschichten von der Pilgerschaft zu erzählen.
53:24  Nicola Wessinghage
Na und sicherlich auch ein gewisser Pilgerstolz, der dann eben damit verbunden ist, ne, den man dann auch nach außen zeigen kann. Das sind ja ganz spannende
53:33
Themen, mit denen sie sich da auseinandersetzen, was steht denn für sie beide so noch in Zukunft an? Also was gibt's denn noch für Fragen, die sie als Pilgerforscher gerne,
53:43
lösen möchten oder mit denen sie sich gerne beschäftigen möchten.
53:47  Patrick Heiser
Also eins der Dinge, die ich spannend finde in Bezug auf das Pilgern, wer seine Nachhaltigkeit
53:56
also wer mir jetzt eben schon anhand von Beispielen erzählt, dass wir doch aus den Interviews eine ganze Menge Geschichten kennen von Menschen, ähm deren Leben sich durch ihre Pilgerfahrten
54:10
nachhaltig verändert hat.
54:12
Ja ihren Job gekündigt haben und ein völlig kompäres Leben heute auch an ganz anderen Orten führen ja oder die ihre Partner kennengelernt haben
54:24
auf dem Jakobsweg und nun heute in äh dann Kinder bekommen und in Familie den Zusammenleben ähm ja.
54:32
Also solche Beispiele kennen wir und das wäre natürlich schön, das mal ein bisschen umfangreicher.
54:38
Zu erforschen. Das würde mich wirklich interessieren, also weil mein Gefühl ist, dass eine Pilgerfahrt tatsächlich
54:45
nachhaltiger ist, als sagen wir mal einen Urlaub, ja, aus dem man ja auch immer in einer sehr besonderen Stimmung äh zurückkommt und sich vielleicht auch äh solche Dinge denkt, wie, ach, ich will jetzt aber mein Leben ein bisschen anders machen und nicht mehr so viel Stress haben, aber das ist ja dann doch häufig bei so einem Urlaub
55:01
nach einer Woche vergessen und ich glaube, beim Pilgern ist es zumindest mehr als eine Woche. Ähm,
55:06
mal hinzuschauen, das wäre spannend. Ähm und noch ein bisschen größer ist, also das was mich so in der Forschung umtreibt, ist ähm.
55:16
Eigentlich bin ich immer auf der Suche nach religiösen Praktiken, die auch heute noch populär sind.
55:24
Ja, also das trifft ja nun lange nicht auf alle Kennzahlen des religiösen Feldes zu, wenn man an Kirchenmitgliedschaft Gottesdienstbesuch et cetera,
55:31
PP denkt, so als Religionssoziologe hat man's häufig mit absteigenden Kurven zu tun. Ähm aber dann gibt es solche Formate.
55:39
Wie das Pilgern, die auch heute noch.
55:42
Praktiziert werden, ja? Und ähm die interessieren mich, weil ich glaube, wenn man sie beforscht, man einiges.
55:51
Darüber lernen kann, unter welchen Voraussetzungen Religion auch in unseren heutigen spätmodernen Gesellschaften noch Erfolg haben und gesellschaftlich anschlussfähig sein kann.
56:03  Nicola Wessinghage
Bei Ihnen Herr Kurat, was haben Sie auf dem Wunschzettel für zukünftige Forschung oder vielleicht auch schon konkreter.
56:09  Christian Kurrat
Es geht in genau die Richtung, die äh Patrick Heiser gerade genannt hat, die Nachhaltigkeit, also ähm.
56:15
Veränderungsprozesse, die durch das Pilgern ausgelöst werden. Ähm dazu haben wir eine Reihe von äh Folgeinterviews geführt. Ähm und da würde ich schon gerne dranbleiben. Ähm.
56:29
Stellte zum Beispiel auch fest, dass es immer mehr Wiederholungstäter gibt. Ja, die hatten wir jetzt noch gar nicht gesprochen. Menschen, die ähm ich kenne jemanden, der es inzwischen 26 Mal ähm pilgern äh gewesen.
56:44  Nicola Wessinghage
Und immer die gleiche Strecke oder das.
56:46  Christian Kurrat
Nee, das das variiert. Ähm dann auch mal einmal im Winter, einmal im Sommer, ähm mit Freunden, ohne Freunde.
56:54
Mitm Fahrrad, äh, zu Fuß, äh, vielleicht kommt als nächstes noch mit einem Esel. Also, ne, dieses.
57:02
Glaube wirklich breit äh gefächerte Feld ähm.
57:06
Da Systematik reinzubringen und vielleicht auch eine Typologie zu entwickeln, das das wäre für die Pilgerforschung was sehr spannendes.
57:14  Nicola Wessinghage
Sind sie eigentlich immer so als du an der Fernuniversität in Hagen unterwegs oder machen sie jeweils auch so eigene Forschungen zu dem Thema jetzt, also dass sie sicherlich nochmal eigene Themen haben oder sind sie sozusagen, bekommt man sie nur im Doppelpack?
57:28  Patrick Heiser
Nein, nicht nur im Doppelpack, also eigentlich von unserer täglichen Arbeit machen wir sogar sehr verschiedene Sachen, würde ich behaupten, ähm ne und ähm also ich finde das spannende, dass dass wir
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glaube ich, ne? Wir haben durchaus verschiedene zugrunde liegende Forschungsinteressen ähm und treffen uns dann aber in äh in diesem Gegenstand äh pilgern,
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den wir untersuchen, ne? Und das ähm.
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Wie sehr spannend und sehr befruchtend. Also, dass wir das zu zweit tun können, äh und ähm uns aber trotzdem so, sagen wir mal, hinreichend unterscheiden, ne, um dann so, weiß ich nicht, vielleicht äh eigene Forschungsinteressen auch voranzubringen.
58:10  Nicola Wessinghage
Ich frage ja am Ende immer noch alle meine Gäste nach Empfehlungen und
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Das würde ich diesmal doch gern nochmal verbinden, weil wir doch zu Anfang über das Buch und es hat mich schon nochmal beeindruckt, dass ein Buch so etwas auslösen kann, also natürlich nicht irgendein Buch, das ist ja auch sehr stark sicherlich verbunden mit der Person
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die das geschrieben hat. Aber ähm zum einen also haben sie selbst das Buch gelesen?
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Und wenn ja, wie hat es Ihnen gefallen? Also auch jetzt im Hinblick auf den Gegenstand, um den es da geht. Und das zweite wäre dann, ob Sie jeweils selbst nochmal eine andere Empfehlung hätten oder ob Sie das Buch A überhaupt empfehlen würden und wenn
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ob sie vielleicht noch eine andere Empfehlung haben. Vielleicht fangen sie an Herr Kurat.
58:48  Christian Kurrat
Ihr ja, ich habe das Buch gelesen. Ähm bevor ich auf Pilgerschaft gegangen bin und das hat mich sehr beeindruckt.
58:58
Also so wie ich das vorhin auch schon für Interviewpartner ausgeschildert habe, ähm war das für mich dann auch äh ja.
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Sozusagen ein, ein Bild, was was ich geformt hat, was das Pilgern ist, was das mit einem machen kann.
59:15
Ich kannte Santiago zwar davor schon, also zwei Jahre vor meiner Pilgerschaft ähm bin ich dort gewesen und fand die, fand die Stadt auch sehr beeindruckend.
59:24
Aber hab mich erst danach überhaupt damit befasst, warum läuft man oder warum.
59:32
Warum gibt's diesen Weg, ne? Ähm und das Buch, das ist fand ich sehr gut. Ich würde das auch äh mehr als den Film, wenn ich das sagen darf, äh empfehlen.
59:42
Ähm es gibt in der Zwischenzeit über 500 ähm Bücher, die zum Pilgern veröffentlicht worden sind.
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Mit dem Esel auf dem Jakobsweg. Das das fand ich auch noch auch ganz gut.
59:58  Nicola Wessinghage
Mhm. Nehmen wir in die und ähm dann steht da auch von wem das ist mit dem oder vielleicht wissen sie's. Genau,
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Das nehme ich mal mit rein und natürlich ähm nehme ich auch mit rein. Sie selber haben ja auch äh im Rahmen ihrer wissenschaftlichen.
1:00:14
Aktivitäten und aber nicht nur wissenschaftliche Veröffentlichungen, sondern auch Bücher, glaube ich, die auch für ein allgemein interessiertes Publikum sicherlich interessant sind, veröffentlicht. Also sie alleine und auch, glaube ich, gemeinsam. Das werde ich natürlich auch noch mit aufnehmen,
1:00:27
und Herr Heiser, was ist bei Ihnen? Haben Sie's, Sie haben sicherlich den.
1:00:30  Patrick Heiser
Habe ich auch gelesen und ja, ähm gut, äh ich kann ihnen empfehlen, also ne, es ist sicher ein durchaus unterhaltsames Buch äh ähm
1:00:42
ja, dass ähm
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Ja, ich bin mir nicht immer ganz sicher, es wird hier offiziell gelistet äh als Sachbuch, da bin ich mir nicht immer ganz sicher. Ähm es bewegt sich doch stark an der Grenze zum Roman, also ich glaube auch von dem, was da so beschrieben wird, aber ich glaube, vieles ähm
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kann man tatsächlich in ähnlicher Art und Weise erleben auf dem Jakobsweg, wie er das beschreibt, ähm.
1:01:07
Was Empfehlungen darüber hinaus angeht. Ähm vielleicht versuche ich's mal mit einem Film, ähm nämlich
1:01:15
das ist ein amerikanischer Film, in dem Martin die Asche seines auf dem Jakobsweg ums Lebenden gekommenen Sohnes, dann entlang des Jakobsweges verstreut ähm.
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Und äh dieser Film hat äh in den USA einen ganz ähnlichen Effekt gehabt wie Kerkeling im deutschsprachigen Raum, ne? Er hat nämlich die Zahl amerikanischer
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ansteigen lassen. Ähm und
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Gut vielleicht, äh ne, muss man ein bisschen differenzieren. Ich finde, dieser Film zeigt, äh grade in seiner ersten Hälfte ähm doch sehr authentisch und sehr gut, also wie diese Lebenswelt
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Camino sich eigentlich gestaltet? Wie das ist, zu pilgern. Ähm
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In der zweiten Hälfte wird's ein ganzes Stück amerikanische Komödie, das muss man auch dazu sagen, also aber ja.
1:02:05  Nicola Wessinghage
Ist ja auch nichts gegen. Aber es scheint eine ähm gute Verbindung zu sein für das Komiker und in beiden Fällen Herr Komiker, sich ähm mit dem Thema beschäftigen, ist ja auch nochmal ganz interessant.
1:02:15  Patrick Heiser
In der Tat eine interessante Beobachtung beim vielen Filmen über den Jakobsweg so, ne, dass sie so eine.
1:02:21  Nicola Wessinghage
Eine gewisse Komik dabei ist. Ja, vielen Dank für die Empfehlung
1:02:27
für die Zeit, die sie beide sich genommen haben. Wir haben jetzt sehr viel auch so ein bisschen einen Meter über das äh Pilgern gesprochen. Ich habe
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so ein bisschen im Hinterkopf, dass ich vielleicht auch nochmal jemanden einlade, ähm die wahrscheinlich dann in dem Fall so den Weg nochmal gegangen ist, um das auch nochmal ein bisschen tiefer, wie ist es, wenn die Füße wehtun, macht man weiter, macht man nicht weiter und so. Das sind ja auch nochmal interessante Erfahrungen. Aber dazu gibt es ja, das haben sie auch gesagt
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ähm inzwischen unzählige Bücher, die äh natürlich auch von diesen Erfahrungen ja bericht
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also wer sich da quasi informieren möchte oder ein bisschen anregen lassen möchte. Ähm ich glaube, wenn man das Internet.
1:03:00
Und ähm das Wort Pilgern eingibt, dann bekommt man so viele Informationen, Anregungen,
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also es ist ja auch tatsächlich eine richtige Community, die sich da aufgetan hat und die auch Einsteigerinnen hilft,
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sich dann zurecht zu finden, sich gut vorzubereiten, vielleicht auch den passenden Abschnitt zu finden. Also von daher
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kann man das nur sagen. Also vielen Dank nochmal an sie beide. Viel Spaß weiterhin bei der Forschung
1:03:27
Und ja, ich bin gespannt, was wir von Ihnen da noch lesen, hören und erfahren werden zum Thema Pilgern.
1:03:35  Patrick Heiser
Ja, vielen Dank.
1:03:36  Christian Kurrat
Ja, vielen Dank für Ihr Interesse und wie's beim Pilgern heißt, Buen Camino, also einen einen guten Weg.
1:03:43  Musik
1:03:50  Nicola Wessinghage
Ja, da bekommt man durchaus schon Lust, aber ausprobiert habe ich das Pilger noch nicht, wobei ich durchaus einzelne Aspekte des Pilgerns in meinen Spaziergängen und Wanderungen wiederfinde.
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Mantramäßige also zum Beispiel von dem Patrick Kaiser eben sprach, dass Nachdenken über biografisches und ich kann mir schon sehr gut vorstellen, dass man das noch
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viel intensiver erlebt, wenn man sich auf eine längere Tour begibt und mit vielen anderen Menschen dabei ins Gespräch kommt, die vielleicht auch über sehr grundsätzliche Dinge nachdenken.
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Sollte es mich doch einmal reizen, so aber vielleicht doch eher die etwas unbekannteren Wege? Hamburg, meine Stadt liegt ja sogar in einem Jakobsweg, wie ich herausgefunden habe, nämlich an der via Baltiker. Die im estländischen Talin beginnt.
1:04:34
Und auch und das wusste ich wirklich noch gar nicht, als ich im Gespräch mit den beiden meiner Eingangsfrage formuliert habe. Sie führt nämlich tatsächlich auch an Wedel vorbei.
1:04:44
Sollte jemand das Pilgern für sich in Erwägung ziehen, so gibt es unzählige Facebook,
1:04:48
die bestimmt gute Tipps haben, wenn man sich vorbereitet oder die Reise plant. Insbesondere übrigens auch für Frauen, die sich in der Gruppe Frauen auf dem Jakobsweg informieren können.
1:04:59
Durch das Argument, dass für Alleinreisende der Jakobsweg ein wirklich guter Einstieg sein könnte in das Wandern ohne Begleitung. Das finde ich schon überzeugend.
1:05:08
Erfahrungen gibt es darüber übrigens auch im Podcast das Wandermädchen. Da berichtet eine Frau über ihre Erfahrungen und gibt viele gute Tipps für verschiedene Jakobswege.
1:05:19
Hier geht es jetzt nach der Sommerpause wieder im Monatsrhythmus weiter und ähm ich hoffe zumindest, dass das klappt, ist nämlich grad ziemlich viel los. Zwischenzeitlich findet ihr weitere Hinweise rund um das Thema gehen wie immer auf Instagram, Twitter und Facebook.
1:05:33
Auf Instagram habe ich jetzt kürzlich schon mehrfach auf das schöne Buch Dog von Libi Delana hingewiesen. Berichtet, wie sie dazu gekommen ist, seit zehn Jahren, regelmäßig morgens sehr früh,
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und auch äh durchaus etwas länger zu gehen. Every dom day, wie sie sagt. Das Buch ist wunderschön gestaltet und hat mir sehr viel Spaß gemacht im Urlaub,
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Auf Instagram ist also Park wie Parken und Hier, wie Englisch, hier. Ich verlinke all das in den Shownotes.
1:06:05
Das war's für heute. Kommt gut in den Herbst. Ich freue mich schon auf viele Spaziergänge im raschelnden Laub und mit ordentlich viel Wind um die Nase. Lasst es euch gut gehen und bis zum nächsten Mal.
1:06:14  Musik