Die Leichtigkeit der Kunst

Der Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” bringt dir regelmäßig unbefangene Kunstgespräche aus ganz Deutschland. Ich liebe es, die Kunst mit Achtsamkeit und Leichtigkeit zu betrachten und bin immer gespannt auf die Geschichte hinter den Werken. Im Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” schnappe ich mir Experten, die informativ & intim sowie augenzwinkernd & aufschlussreich erklären können. Und zwar genau dort, wo sie am leichtesten zu finden sind: in Museen, Ausstellungen, Galerien, Werkstätten und vielleicht auch mal hinter der Bühne. Dort spreche ich mit meinen Gästen über die Frage der Herkunft, Passion & Leidenschaft sowie über Biografien aller Art. Findet hier eure monatliche Inspiration für eine Begegnung mit Kunst und Kultur.

https://dieleichtigkeitderkunst.de/podcast/

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episode 1620: Köpfe. Küsse. Kämpfe. [transcript]


„Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen“ Das ist kein Zitat von mir, sondern eins von Kurt Tucholsky. Und ich muss ehrlich zugeben, „Ich finde es großartig!“ und mehr als passend für diese Folge.

Denn ich bin in Bielefeld. In der Kunsthalle Bielefeld. Und neben Rodins Denker und Beckmanns Mutter mit Kind ist hier eine Frau für den Erfolg verantwortlich. Seit Februar 2020 steht die Kunsthalle Bielefeld unter der Federführung von Christina Végh. Eine Schweizerin, die mit Charme und Engagement Spannungsfelder in der Bielefelder Kulturszene aufbauen wird. Ganz aktuell mit der Ausstellung „KÖPFE. KÜSSE. KÄMPFE.“ mit 80 Werken der in Frankreich geborenen und in New York lebenden Künstlerin Nicole Eisenman. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit dem Kunstmuseum Den Haag, der Fondation Vincent van Gogh Arles und dem Aargauer Kunsthaus.

Doch nun schenken wir das Wort Christina Végh.


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Music.
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Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast, die Leichtigkeit der Kunst.
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Immer auf der Suche nach spannenden Gesprächspartnerinnen.
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Euch und mir die Welt der Kunst entschlüsseln, reise ich quer durch Deutschland. Wenn du die Reisen von die Leichtigkeit der Kunst unterstützen möchtest, dann freue ich mich sehr über deine Kulturpartnerschaft.
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Geht auch ganz einfach. Mit einer goldenen, silbernen oder bronzenen Mitgliedschaft über Punkt com Slash die Leichtigkeit der.
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Oder via PayPal Punkt me Slash Leichtigkeit der Kunden.
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Bedanken möchte ich mich von ganzem Herzen bei allen Hörenden, die bereits die ein oder andere Reise unterstützt haben.
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PF, ihr möchtet mehr über die Leichtigkeit der Kunst erfahren und mal einen Blick hinter die Kulisse werfen?
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Dann habe ich einen Tipp. Tragt euch in den Newsletter bei Stady HQ Punkt com Slash die Leichtigkeit der Kunst ein.
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Einmal im Monat überrasche ich euch mit ein paar Hintergrundinformationen.
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Und nun wünsche ich euch viel Freude beim Hören der folgenden Episo.
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Music.
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Kein Erfolg. Ohne Frauen.
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Das ist kein Zitat von mir, sondern eins von Kurt Tucholsky. Und ich muss ehrlich zugeben, ich finde es großartig.
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Und mehr als passend für diese Folge. Denn ich bin in Bielefeld.
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In der Kunsthalle Bielefeld. Und neben Roddons, Denker und Beckmanns Mutter mit Kind ist hier eine Frau für den Erfolg verantwortlich.
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Seit Februar 220 steht die Kunsthalle Bielefeld unter der Federführung von Christina Weg.
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Eine Schweizerin, die mit Scham und Engagement Spannungsfelder in der Bielefelder Kulturszene aufbauen möchte.
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Ich bin mir sicher, dass ihr dies auch über Ostwestfalens Metropole hinaus erfolgreich gelingen wird.
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Doch nun liebe Christina, gehört das Wort dir und ich bedanke mich ganz herzlich, dass du meinen Podcast mit deinen Ansichten und Einsichten bereicherst
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Bitte stellt dich und deine Geschichte in die Kunst doch einmal persönlich vor.
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Ja, danke vielmals zuerst mal für die Einladung. Ja, ich bin ja fast schon 20 Jahre in Deutschland lebend, ich war in Bonn tätig
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Kunstverein, in der Kestnergesellschaft in Hannover und nun seit anderthalb Jahren in Bielefeld, in der Kunsthalle und ja, ich bin Kunsthistorikerin, bin in Zürich aufgewachsen, also vor allem in Zürich studiert, in
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Basel an der Kunsthalle meine erste Arbeitserfahrungen gemacht, als Kuratorin und
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Ja, freue mich jetzt äh das erste Mal nach ähm Jahrzehnten Tätigkeit in Kunstvereinen. Das heißt, ich komme aus der unmittelbaren Gegenwart. Nun auch vermehrt mit
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historischer Kunst und mit diesem Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart auch arbeiten zu können.
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Sag mal, bevor wir darauf näher einsteigen, wie ist es denn eigentlich als Schweizerin, die lange im Rheinland gelebt hat, nun in Ostwestfalen zu sein?
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Vielleicht sogar Parallelen? Ja, also
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ich muss gestehen, ich kam ja hier an und dann war drei Wochen später die Pandemie mit uns, das heißt, ich kann nicht von mir behaupten, noch immer nicht vor mir behaupten, dass ich.
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Sozusagen die Region unter normalen Bedingungen kenne. Ich kann sagen, dass der Teutoburger Wald.
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Sehr toll ist, ich hab das Glück sehr nah dran zu wohnen und genieße
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ja, die Natur, die damit verbunden ist, das ist ja kein Park, das ist ein echter Wald und entsprechend erfreue ich mich an zahlreichen Beobachtungen der Tiere, der Vögel
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und das ist gerade in Coronazeiten sehr toll gewesen, das zu erfahren und ich bin hier im Haus, auf ein wunderbares Team gestoßen, das macht großen Spaß, hier die Dinge neu aufzugleisen, wir haben hier angefangen letztes Jahr mit.
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Der Ausstellung von Monika Bombini, aber auch einem Projekt von Jeremy Della und was mir wichtig ist, dass wir eben angefangen haben mit der Sammlung etwas anders umzugehen und ähm das heißt, wir geben uns immer sehr viel
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Energie auch in die Sammlungsausstellung, die sich pro Wechselausstellungsturnos sich äh verändert
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und auch ist klar, dass ja unser Gebäude von Philipp Johnson neunzehn achtundsechzig jährlich
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dass das jetzt nach über 50 Jahren saniert und modernisiert werden muss, das heißt, da ist auch schon sehr viel Arbeit passiert im Hintergrund und es wird noch viel mehr Arbeit erfolgen müssen, bis in.
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Das ist noch nicht ganz klar, wann, das kann man sich vorstellen, aber gute zwei Jahre dauert's noch, bis wir im Idealfall eine Baustelle dann hier haben und dann aber
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auch interessante und aufregende Projekte während deiner Baustelle sicher planen.
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Ich denke, da kommt meine Erfahrung aus dem Kunstverein mir dann zugute.
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Ja, weil natürlich die Tätigkeit mit jüngsten Künstlern und den Kunstvereinen ist schon eine andere als die museale und eine Baustelle im Museum führt sozusagen fast schon wieder zurück, weil wenn man eben nicht klar definierte Räume mit der Klimaanlage
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zur Verfügung hat, dann muss man anders agieren und dann ist man eigentlich schnell in der Tätigkeit. Also man kann nicht
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historische Werke, Methoden, restauratorischen und Sicherungsauflagen, verbundene Werke, natürlich
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brauchen dir den Museumsraum und äh wenn man den halt mal.
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Kurzfristig, temporär nicht hat, dann muss man sich was anderes einfallen lassen und das wird sicher ähm aufregend. Oh, ich bin jetzt schon gespannt, was du dir da einfallen lässt.
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Bau ist erbaut von einem amerikanischen Architekten. Wie kam das denn eigentlich dazu? Das war von der Familie Oetker initiiert und auch beauftragt. Es war klar, das ist ja das städtische Museum, einfach eine Initiierung eines eigentlichen äh Museumbaus
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und das ging dann mit dem damaligen Direktor, der stark mit der Familie Öttgau eben das bearbeitet hat und
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da wurde für Philipp Johnson die Entscheidung gefallen und Johnson hat hier auch ein Gebäude errichtet, dass in vieler Hinsicht ja außergewöhnlich ist oder sehr
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Also es ist ja heute unter Denkmalschutz.
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Auch deswegen, weil es ein ein ein Scharnierwerk ist, innerhalb der Architekturgeschichte, weil es ist eigentlich der Endpunkt des sogenannten International Style, also die Konzepte der Moderne, die in diesen Räumen
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noch sehr vehement, wehen, äh wir haben ja fließende Räume, wir haben also
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keinen exemplarischen, klassischen White Cube, sondern es sind große Flächen, die mit Bandscheiben sozusagen abgetrennt sind und äh
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das theologische Prinzip ist sozusagen in der Architektur angelegt
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und man merkt auch, Johnson hat ja dann eben immer Panele freigelassen für die Kunst, also damit hat er an eine bestimmte Art von Kunst gedacht, nämlich
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die die klassische Moderne oder die Spätmoderne, wie man's dann nennen will, also Installation und Video. Daran hat er auf keinen Fall gedacht und das ist sicher etwas, was
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mit einer Modernisierung und Sanierung des Hauses dann versuchen
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doch im Ansetzen wenigstens in Zukunft besser möglich zu machen. Es wird aber sicher nicht ähm die bestehende Architektur.
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Angetastet, weil die ist ähnlich wie die Nationalgalerie von Mieswandero, die ja jetzt kürzlich neu saniert und im alten Glanz sozusagen wieder erscheint.
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Also wenn man in diese Häuser reinkommt, wie bei uns auch
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da merkt man, da weht auch ein ein ein bestimmte Zeitgeist, ja? Eine bestimmte Form von einer Architektur, die das vermittelt und diese Architekturen gibt's nicht so.
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Viele, also die sind auf jeden Fall wichtig zu zu erhalten. Ich liebe es, in ein Haus reinzugehen
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und den Charakter des Hauses zu spüren, zusätzlich zu der Ausstellung, das ist ja dann wie ein Gesamterlebnis. Also ich glaube, was man sagen kann, ist, dass Johnson in seiner Konzeption auf jeden Fall die Betrachterin und den Betrachter sehr im Fokus hatte. Ich meine, wenn man überlegt, diese einladende, große Treppe, der Besucher, die Besucher in
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immer selbst entscheiden, in welche Richtung er in der Ausstellung sich bewegt. Also es gibt keine, die Architektur schreibt, keinen Ablauf vor
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sondern ist der freie Grundriss, wo man sich selbst entscheidet und äh last but not least ist es, er hat ja auch einen pädagogischen Raum, ein gerichtet, neunzehn achtundsechzig, ähm die Kunsthalle Bielefeld war
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in Deutschland das erste Museum, das für die Kunstvermittlung einen eigenen Raum hatte und dass
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kommt natürlich auch aus dieser 68er Geschichte Demokratisierung, der Kunst,
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jeder soll auch sich kreativ beschäftigen, die Kunst ähm also man merkt, da fängt dieser Wechsel an, um dem Angelsächsischen Raum USA und England
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ist bis zum heutigen Tage
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die Kunstvermittlung, das Edukative, das in der Museumsarbeit liegt, noch viel stärker betont und hat halt auch.
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Früher sozusagen gestartet und unser Haus verfügt heute natürlich weiterhin über diesen tollen Raum, der allerdings eben für heutige Bedürfnisse viel zu klein ist
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insofern gibt's mit der Sanierung.
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Modernisierung. Ähm viele Baustellen, wo man strukturell die Funktionen des Museums ähm hinterfragen muss. Ist die Kulturvermittlung nach wie vor ein Schwerpunktthema hier im Haus?
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Ich glaube, die Kunstvermittlung ist in jedem Haus vehement wichtig. Es geht uns ja immer drum, möglichst viele Menschen und möglichst unterschiedliche Menschen
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zu begeistern für die Kunst und es gibt Programme für Blinde, es gibt Programme für ältere Menschen. Ich glaube, wenn man Schulklassen.
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Hat im Haus dann ist das sozusagen der wichtigste Baustein, weil es ist klar eine Schulklasse ist immer sehr heterogen und viele der Kinder und Jugendlichen würden ohne.
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Die Schule nie Zugang finden und das ist sozusagen der erste Türöffner natürlich soll das in Zukunft weiterhin und noch viel stärker der Fall sein.
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Darf ich mal eine ganz einfache Frage stellen? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kunsthalle und Museum?
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Ja, da gibt's eine Begriffs Verwirrung oft, die Begriffe laden ein, um verwirrt zu sein sozusagen. Danke, dass du mich abholst. Ja. Also, ist es so. Es gibt das Museum, das Museum verfügt über eine Sammlung
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im Gegensatz zu einer Kunsthalle, die.
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Eigentlich oftmals eben keine Sammlung hat. Jetzt gibt's aber Ausnahmen. Die Kunsthalle Bielefeld. Die Kunsthalle Bielefeld, die Hamburger Kunsthalle
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Die Kunsthalle in Bremen, in Mannheim. Also das sind die Namen verwirren, weil das sind Kunsthallen im Namen, aber die verfügen über großartige Sammlungen
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Das heißt, als nicht Fachperson äh hat man jedes Recht, verwirrt zu sein, aber.
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Endeffekt ist es, gibt's den Wechselausstellungsbetrieb und das Museum ist meiner Ansicht nach angehalten, immer
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mit der Sammlung, mit diesem Bilderarchiv, das in jede Sammlung ist, ein gesellschaftliches Bilderarchiv sozusagen mit
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dem, was man über Jahrzehnte oder Jahrhunderte für sammlungswürdig befunden hat, mit den Dingen, die man da hat, zu arbeiten und daraus auch Ausstellungen und Wechselausstellungen dann Themen
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zu entwickeln. Wie war das denn für dich, als du deine ersten Blicke hier in der Sammlungsarchiv geworfen hast? Hast du da vielleicht auch das ein oder andere.
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Äußerst kuriose gefunden, was sich hier in den letzten Jahrzehnten angesammelt hat
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ähm offen gestanden, ich kann nicht von mir behaupten, dass ich die Sammlung abschließend kennen würde, also dauert wahrscheinlich auch noch Jahrzehnte. Ja, das dauert ja vielleicht nicht Jahrzehnte
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Also so was richtig Kurioses. Äh da wäre ich jetzt überfragt oder habe ich nicht äh nicht vor Augen, aber sicher viele Werke.
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Ich kann noch nicht mal warten, dass ich sie alle gesehen hätte. Ist ja auch mit sehr viel Aufwand verbunden, Berge aus der Sammlung zu sehen, sofern man sie dann nicht ausstellen will. Man kann ja nicht einfach so schnell gucken gehen. Das ist ja
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teilweise kann man das tatsächlich, aber die Depots sind an unterschiedlichen Stellen.
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Aber die ersten Ausstellungen jetzt bei Monika Bombini ist Ausstellung haben wir die Sammlungsausstellung ähm Raumzeitarchitektur und Gender genannt. Wir haben also
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sozusagen eine Präsentation gemacht, die sich thematisch an die
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Themen anlehnt, die in der Wechselausstellung von Monika Bombigini ähm angelegt sind
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und auf diese Weise kam Werke von Toni Smith über Marlene Duma bis hin zu Kandiski oder auch Gerhard Richter, also es kam.
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Unterschiedliche Zeiten, es war also nicht chronologisch, sondern thematisch eine Auswahl von Werken, präsentiert, die sich alle eben beschäftigt haben mit Fragen, Umgang mit Architektur, mit Raum
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am schönsten meine ich für mich äh
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eine Konstellation, die sich dadurch ergeben hat zwischen einem Frühwerk von Lars La Molly Nord, erster frühen Moderne, in der sozusagen Architektur
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und abstraktion sichtbar werden und und auch
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sozusagen der utopische Geist, also dieser Aufbruch der Moderne, sich darin so vermittelt, also der Glaube an die Technik und die Freude über Transparentes Glas, das sich in dieser Malerei doch ähm sichtbar macht
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und ähm in der Gegenüberstellung eine Arbeit dann doch von Monika Bombini, die aus der Serie der.
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Und Katastrophen, Monika macht eine Zeichnungsserie, die ihn leider Gottes inspiriert ist von all den Umweltkatastrophen, wo man sozusagen die heutige Moderne
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oder vielleicht auch die ungebändigte Moderne dann erlebt, also wie dieser Technikglaube, ähm halt
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dann am Ende unserer Umwelt auch zerstört und solche Gegenüberstellungen, also.
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Historisch, ganz unterschiedliche Zeiten und ein ganz anderer Blick auf, sagen wir mal, zum Beispiel jetzt Technik, mehr als hundert Jahre.
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Das macht Spaß in einer nicht chronologisch gehängten Ausstellung, umgekehrt bei
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präsentieren wir die Sammlung unter dem Namen wir waren im Sturm und Jakobsberg ist eine niederländische Expressionistin gewesen und war eben in der Galerie Sturm.
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In Berlin sehr stark diskutiert und vertreten und da haben wir die Künstler, die wir in der Sammlung haben, die auch im Sturm vertreten waren von Jawlensky, über Kirchner, über
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vor allen Dingen äh also all diese Künstler haben wir dann äh ausgestellt sozusagen den historischen Kontext von Jakopa von Helmskar. Also da sind wir dann chronologisch
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und der Besucher kann die Ausstellung von Jakoba van Himsker sehen und im unteren Stock eine Ausstellung, die andere Künstler
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zeigt, die in der selben Zeit Kollegen, Kolleginnen von Irban, also so den historischen Kontext erfassen
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Und ja, bei der Nikolaisen, wenn unsere nächste Ausstellung wird wieder eine andere Form von Dialog oder wieder eine andere Situation, wie Sammlungs- und
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Gegenwartskunst äh zusammentreffen äh gesucht. Ich habe mir so eine schöne Überleitung grade zu Nicole Eisenmann überlegt und ich muss die unbedingt jetzt reinbringen. Ich wollte sagen Monika Bonvini,
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Koba van Helmskart, Christina Weg, alles starke Frauen hier in der Kunsthalle Bielefeld. Und jetzt kommen wir zu Nicole Eisenman
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das war meine Überleitung. Ich lasse sie auch stehen. Mhm. Weil ich dir doch so gerne dieses schöne Kompliment machen wollte.
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Kommen wir also zu Nicole Eisenman, eine Ausstellung, die Anfang Oktober beginnt.
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Wenn ich an Nicole Eisenman denke, dann denke ich an viele.
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Elemente aus der Kunstgeschichte
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teilweise ironisch, teilweise satirisch, politisch, feministisch angehaucht dargestellt.
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Fachfrau bist natürlich du an der Stelle, magst du vielleicht den Hörenden ein bisschen Einblicke über Nikol Eisenmanschen?
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Ja, also ehrlich gesagt, wenn ich an Nikola Iceman denke, denke ich an Werke.
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Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, die mich einfach äh von Anbeginn in Bann gezogen haben, weil sie so direkt etwas.
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Über meine eigene Zeit vermittle, ob schon, wenn man dann länger hinguckt, äh man grade als Kunsthistorikerin erinnert ist an
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vielleicht historische Kunstformen, vor allem der Malereigeschichte, aber im Grundsatz, sie schafft es unser
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aktuelles Zeitgeschehen in Bergen zu kondensieren, ja sozusagen die ganzen äh Konflikte, also ihre Arbeit ist keine
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dokumentarische, sondern sie fokussiert eigentlich auf Emotion, auf eine Gefühlswelt und entsprechend sind auch viele ihrer Werke allegurisch, also es ist nicht erst mal figurativ und
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in so alle Formen gefasst, aber für mich vermitteln sich da immer diese ganzen.
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Zwiespälte, in denen wir leben. Also um ein etwas ganz banales zu nennen, also wir alle haben ja ein Handy und wie oft äh sind wir in der Situation, dass es klingelt und wir sind aber im Gespräch.
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Jeder von uns entscheidet, damit anders umzugehen, aber die Intensität der Gefühle gegenüber einem Handy kann ja manchmal stärker sein als dem eigentlichen Gegenüber, äh finden wir das gut oder schlecht? Wie gehen wir damit um? Das ist nur ein mini, ein kleines Moment, wo man so merkt, ja, das ist
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für dich jetzt bezeichnen als eins, die Technologie, die uns heute in gesellschaftliche Situation bringt, bis hin zu der Frage, wie passieren Wahlen und ähm wie werden Meinungen gebildet
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äh wir alle wissen, das hat eine Komplexität erreicht gerade aus einer technischen Revolution heraus
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und ähm deswegen ist der Einzel und das Individuum im persönlichen Leben ist davon auch betroffen natürlich und Nikolas Gifwerke, wo sie's ganz klar auf politische Fragestellungen
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sich bezieht äh eine große Skulptur, die an der Widney Biennale
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ausgestellt war, wo man wie heißt Prozession, wo man, wenn man möchte, vielleicht Figuren, die an die trompische Regierung erinnern und die dann.
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Eben auch eine Nebelmaschine inkludiert haben, die hat tatsächlich gefurzt. Damit ist schon was angesagt, also Körper, das Körperliche, die Emotion, das steht im Fokus. Also damit
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dort fängt jedes Werk eigentlich an und so hat man einfach sehr verdichtete, ja eben alegoische Darstellungen oftmals
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in denen aus meiner Warte eben sehr viel von unserer Gegenwart und den Zwiebeln der Gegenwart äh sichtbar wird. Die Ausstellung heißt.
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Köpfe, Küsse, Kämpfe
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Ist ein ziemlich spannender Titel. Wie bist du darauf gekommen? Da muss ich sagen, wir sind gemeinsam drauf gekommen. Die Ausstellung hat eine lange Vorlaufzeit. Auch Pandemie bedingt, aber nicht nur. Ich äh arbeite an diesem Projekt mit.
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Kollegen aus anderen Museen, das ist Daniel Köper aus dem Kunstmuseum Denhaag, das ist aus der in Aal und das ist die Katharina Aman im Kunsthaus Aarau
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und wir drei gemeinsam mit Nicole arbeiten an diesem Projekt.
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Wir sind auch gemeinsam auf diesen Titel gekommen. Die Fragestellung war, die Ausstellung fokussiert auf Zeichnung und Gemälde, also wir stellen keine Skulpturen aus. Seit den 90er, Mitte neunziger Jahre bis äh ganz junge Werke
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es ist in dem Sinn das erste Mal, dass man in Deutschland äh das Zeichnerische und Malerische Werk in so einer Breite auch sehen kann
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und wir haben das fokussiert äh thematisch eben.
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Der Titel sagt es an, also bei geht's um den Menschen, um die existenziellen Fragestellungen, der das Individuum steht, das sind die.
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Es gibt auch in der Masse, in der Masse, es gibt sehr, sehr viele Werke, in denen sie sich mit dem Kopf nicht so sehr mit dem Porträt, aber mit dem Kopf sich beschäftigt, dann gibt's eben sehr viele Küsse
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in dem Sinn, dass sie sich beschäftigt mit Menschen lieben sich.
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Wie lieben sie sich? Wer liebt sich? Was kann die Liebe? Was ja, die Kraft, die.
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Die in der Liebe steckt, dass es sicher zentral und
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die Kämpfe, also der Mensch äh ist auch gut darin, im Zwiespalt zu sein, äh sich gegenseitig zu bekämpfen oder etwas aushandeln zu müssen und äh ich denke, die allermeisten Werke von Nicole Eisemman würde ich eigentlich unter dem
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Obertitel, kämpfend küssen oder küssend kämpfen. Also die Kombination, also das immer diese Ambivalenz mit schwingt.
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Diese Spannung in Beziehungen, die das Leben ausmachen und das ist zentral und so sind wir zu diesem Titel gekommen
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arbeitet sie autobiographisch? Ja, insofern, dass viele der.
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Figuren, die in ihren äh Werken dargestellt sind, eigentlich ihre Freunde und Bekannte sind, auch das relativ oft sie sich selbst auch in den
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Bildern platziert oder ähm die Rolle des Künstlers, der Künstlerin, damit thematisiert.
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Sie scheint eine ziemlich feine Beobachtungsgabe zu haben, die sie in ihre Werke einfließen lässt. Kämpfend, liebend, es gehört zusammen.
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Ist es nicht.
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Unheimlich wagemutig, diesen Emotionen freien Lauf zu geben. Also ich glaube, die Kunst ist genau dafür da, diese Themen anzusprechen, hat sie immer schon gemacht
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das ist auch egal von welchen Künsten wir reden, sei das die Literatur, sei das die Musik, die Malerei, wir suchen ja diese Formen, um Dinge darin auszudrücken, die.
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Anders nicht ausdrückbar sind. Da geht's also um diese berühmt berüchtigten Emotionen und.
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Deswegen, wenn man jetzt so eine Arbeit wie eine, eine relativ große Zeichnung ähm heißt die Arbeit, anguckt, da sieht man also ein.
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Dass sich küsst, zwei Gesichter, die sich so nah sind, dass die zwei Gesichter sozusagen zu einem Gesicht werden, äh schon die Figur des Ying Young darin
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aufscheint, also die ist totale.
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Miteinander, also ineinander aufgehen, aber den anderen geht's nicht. Genau. Und aber gleichzeitig ist das eine Gesicht gemalt mit einem geschlossenen Auge, also diese totale Hingabe und das andere Gesicht
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hat ähm so vergleichbar mit dem Comics oder satirisch ein Auge, das so herausquellt
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und schon so lustig, also eigentlich ein sehr humorvolles Bild auch ist
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und habe auch dieses Herausblinkende große, glubschige Auge während des Küssens signalisiert auch eine Ambivalenz gegenüber dem
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oder Fragestellung oder will ich das wirklich? Und ich glaube jeder von uns kennt diese Ambivalenz und es wird wie Eisenmen das immer wieder schafft.
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So emotionale Zustände ins Bild zu fassen. Das Bild kenne ich ganz gut, das ist in braun gehalten und ich frage mich, wer ist denn eigentlich Mann und wer ist Frau.
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Also ist die Frau von dem Kuss des Mannes entsetzt? Sind es vielleicht sogar Mann, Mann, Frau, Frau?
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Ich habe für mich dann auch keine Antwort gefunden, du? Ich glaube, da braucht's keine Antwort, zu respektive, darum geht's ja auch, ähm das ist sicher nicht in jedem Werk gleich stark, aber sehr, sehr oft kann man die Figuren nicht.
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Eindeutig an Geschlecht zuschreiben oder aber eine weibliche Figur, sieht sehr männlich aus.
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Und umgekehrt, die männliche Figur sieht sehr weiblich aus, auch da gibt's schon eine Geschichte in der Kunst.
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Und Kunstgeschichte. Das gab auch schon Künstler zuvor, die sich da mit diesem Thema beschäftigt haben bei bei Nicole Eisenman ist das sicher, wie wir eben
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heute das auch gesamtgesellschaftlich diskutieren, eins ihrer Themen.
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Also ich glaube, das wäre total falsch, das Werk auf die Frage von Gender und Queer einzugrenzen, aber das schwingt
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immer mit, also eine Collagen tritt in ihrer Arbeit, es sind sehr viele
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sich auch liebende Frauen sichtbar, es ist auch sozusagen in manchen Werken das patriarchale System in Frage gestellt, respektive Gruppen von
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von Amazonen, die die sozusagen auch relativ aggressiv sich auf männliche Figuren stürzen, in Kämpfen, also es geht in manchen Werken sicher um den Kampf der Geschlechter, aber.
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Ich würde sagen, überwiegend geht's um eine Art von Selbstverständlichkeit.
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Dass sich Menschen, egal welchen Geschlecht ist und egal welcher Orientierung sich begegnen und sich eben äh in Küssen und Kämpfen äh verwickeln können. Möglicherweise lehne ich mich jetzt ein bisschen aus dem Fenster.
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Ich frage trotzdem, das Bild ist bräunlich gehalten. Ich habe zwei Töchter.
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Und wenn man die fragt, was ist denn eigentlich Hautfarbe? Merkt man, dass da langsam ein Wechsel stattfindet. Es wird nicht mehr zu.
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Gegriffen oder das Gesicht wird leer gelassen. Es wird auch mal dunkler gezeichnet.
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Man merkt langsam, wie bei der jungen Generation ein Sehen des Alltäglichen da ist, dass Menschen aller Couleur zum Alltag gehören. Wenn ich mir jetzt dieses Bild von Nicole Eisenman anschaue.
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Ist mir auch gar nicht bewusst, um welche Kultur es sich handelt. Das geschlossene Auge, es ist sehr sanft gezeichnet, könnte auch Asiatisch sein.
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Nicole Eisenman kommt aus Frankreich, lebt in New York. Sie hat also auch mit vielen verschiedenen Kulturen zu tun. Ist das so, dass ihr der Fokus auch auf diese multikulturelle Vielfalt wichtig ist? Ihre Malerei wird auch
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gerne beschrieben als unter dem den im letzten Jahrhundert
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definiert hat, der Maler des modernen Lebens. Das heißt, der Nikolasenminister, eine Künstlerin, die eben Gesellschaftsbilder
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dagegenwart, malt und zeichnet und sich mit der Gesellschaft heute beschäftigt. Das heißt, manche ihrer Werke sind sehr
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alegorisch oder fast schon märchenhaft oder halbtraumhaft dargestellt. Andere denkt man
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Okay, kann das total nachvollziehen. Es ist irgendwie ein ein Beisammensein von Menschen, sei das in einem privaten Raum, sei das in einem Biergarten, also so
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Darstellungen unserer Gegenwart, Porträts unserer Gegenwart und sie lebt ja in Brooklyn und stellt also des Öfteren ja Szenen da aus ihrem Leben
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wenn man so möchte, die natürlich dann hochsynthetisiert oder.
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Konstruiert sind, aber davon geht sie zuerst mal aus. Und so würde ich sagen, kommt die amerikanische großstädtische Multikulturelle.
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Angelegte Gesellschaft natürlich auch ins Bild und es ist sicher auch ein Eintreten für diese Welt, in der es eben
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unterschiedliche Arten von Liebe, unterschiedliche geschlechtliche Zuordnungen, unterschiedliche, ja, Menschen, unterschiedliche Herkunft, also das kommt alles zusammen dann in diesen Bildern. Das Werk wirkt auch wie ein Herz, das in der Mitte zerbrochen ist
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durch die Linie der Gesichter. Du sprichst jetzt wieder über die Zeichnung. Ja, ja. Ja.
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Deswegen meine ich, dass sie arbeitet ja viel mit der Formensprache auch, der Satire und des Comic, also
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Kulturelle, subkulturelle Elemente spielen in ihrer Form Sprache genauso eine Rolle, wie eben die Geschichte der
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Malerei seit der frühen Renaissance. Also sie spricht auch darüber, dass sie.
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Geschichte der Kunst sozusagen betrachtet, als mögliche Bausätze. Man kann an keinem ihrer Werke direkte Zitate.
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Oder ganz selten, direkte Zitate an historische Werke entdecken, aber sie arbeitet eigentlich mit den Formen, die wir.
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Sozusagen in unserer Erinnerung haben, ne? Und wenn ich von der Sammlung eines Museums gesprochen habe, das ist ja sozusagen unser Bildarchiv und sie arbeitet mit unseren Erinnerungen
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anders Bilderarchiv. Apropos, wir haben jetzt sehr, sehr viel über gesprochen
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und auch über ihre ihre Art zu arbeiten. Ist ja nicht euer Titel
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Euer Titel ist. Ich wusste, dass ich's falsch sage, and drei, free.
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Wie trocken.
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Also anteilt. Ohne Titel Nummer drei, genau. Ja, ja. Also, ich kenne das.
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Wir sehen ein Kopf. Würde sagen, wenn man ganz schnell vorbeihuscht im Blick.
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Es ist einfach ein Porträtbild. Jetzt habe ich das Gefühl, dich zu kennen und du wirst dir mehr gedacht haben als einen Kopf darzustellen.
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Du wirst wollen, dass man sich ein bisschen mit dem Bild schon auf den ersten Blick beschäftigt und tiefer eintaucht. Was sehen wir?
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Ja, also das Bild, worüber wir sprechen, das wird unser Poster auch sein und es ist eins der vielen Werke in der Nikolaisenman eben sich auf den Kopf als solches fokussiert, der Kopf sieht fast schon aus wie eine Skulptur.
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Also, wer eine Wüste, es ist eine akkordierte Zeichnung, also eine Künstlerin, die sich eben sehr oft mit Köpfen beschäftigt.
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Köpfe malt, damit wieder der Mensch, die Existenz, das Existenzielle im Menschen, auch im Vordergrund steht
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und der Kopf ist im Hintergrund äh entspannt sich so ein Netz, also eine Andeutung eines Raumes auf
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aus meiner Perspektive ist schon viel Auseinandersetzung mit der Geschichte der Malerei oder die Vorstellung, dass ein Bild einen anderen Raum eröffnet.
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Und das konterkariert sie mit einem sehr flächig gehaltenen Gesicht oder im Kopf, sag mal, je länger ich drauf schaue.
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Es verliert grade etwas Menschliches. Genau, es ist also in ganz vielen Linien aufgebaut und ähm je länger man in dieses Gesicht guckt,
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desto ja bizarrer wird das Gesicht, weil plötzlich sieht man eher ein Skelett als ein Gesicht oder man sieht einen
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Affen oder eine historische, afrikanische Skulptur, also also das Menschliche wird verunklärt auch.
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Parallel
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sieht man das rechte Auge hat lange Wimpern, das linke nicht, das Gesicht, der Kopf hat lange Haare, respektive kurze, also auch hier changiert das Portrait oder.
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Kopf zwischen Mann und Frau, zwischen lebend und sterbend, zwischen Tier und Mensch. Je länger man es also betrachtet, desto ambivalenter lädt es sich auf und
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das ist eben ja, es ist die große Kunst von Nicole Eisen, wenn sie das schafft, ja, dass
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etwas, was wir eigentlich erst mal als eindeutig und klar sehen wollen, die ganze Vielfalt und die ganze Ambivalenz darin auch sichtbar macht
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Jetzt weiß ich nicht, ob ich total beeinflusst bin durch das Bild, was wir vorab besprochen haben, Lekiste, wo man zwei Menschen sieht, die sich küssen. Hm, äh vielleicht bilde ich es mir ja nur ein
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aber könnte es statt ein Gesicht auch zwei Gesichter sein, die sich gegen
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überstehen, also ich glaube Kunst hat immer eine bestimmte Offenheit, wenn du das siehst, ist wunderbar, ich seh's nicht, aber vielleicht werde ich's auch noch sehen.
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Aber im Grundsatz ja das sind die Bexierbilder. Ich glaube, da gibt's auch Werke, in der sie mit solchen Wechsier ähm Situationen spielt
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auf jeden Fall, ich finde, ihre Werke ist wahnsinnig humorvoll und gleichzeitig ähm schafft sie es eben auch die Abgründe, also so
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beides gleichzeitig sichtbar zu machen und das hat mich von Anfang an gepackt, also ich finde
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die Nähe, die sie hat, eben zum Menschen, respektive die Emotion, die sie sucht. Gibt ja auch viele Gebilde, in denen sie Köpfe zeigt, die weinen. Und diese Figur des Weinenden oder der Weinenden kennen wir aus der Kunstgeschichte. Ikonografisch, die Beweihung von Jesu Christo, ähm
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das ist sicher etwas, was wir schon kennen, aber parallel erinnert an all diese Soap Opras
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also die Betroffenheit sichtbar macht, ja, die heute in in in dieser Fernsehserien, in denen äh live irgendwie experimentiert wird mit Gefühlen und das interessant ist, wo juristisch Gefühle zu antizipieren, also wir kennen die Kommerzialisierung,
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Lust an der Teilnahme von den Gefühlen. Nicole Eisman macht die Verletzlichkeit auch.
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Des Menschen immer wieder sichtbar und auch das Weinen als ein Zeichen von Empathie, das glaube ich ähm
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Wichtig ist in unserer Gesellschaft, dass
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stärker auszubilden, wenn man empathisch ist, dann muss man sich eben gar nicht kümmern, ob jetzt gleichgeschlechtliche Liebe in Ordnung ist oder ob äh eine multikulturelle, also wer woher kommt, ja? Dann sind wir eben alle gleich oder
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wir können uns alle akzeptieren zumindest, so alle gleich sind wir nie, aber die Toleranz in einer Gesellschaft hat viel
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zu tun mit der Empathie und wenn Nicola Eisenin macht Verletzlichkeit des Einzelnen immer wieder sichtbar und vor allem auch ihre eigene Verletzlichkeit. Es gibt viele Werke, in der sie sich selbst darstellt
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und in denen sie thematisiert, ja was ist denn sozusagen meine Rolle, wo sie ihre eigenen Zweifel auch.
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Sichtbar macht, zum Beispiel ein Gemälde, wo wo sie sich selbst darstellt, wie sie eine Skulptur.
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Betrachtet, die Skulptur scheint genauso lebendig zu sein wie sie selbst, sie selbst erscheint
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eher männlich, als weiblich. Es ist auch in dem Sinn unklar, sie benennt da nicht bei diesem Gemälde, woran ich denke, ihren eigenen Namen, aber sie versteckt sich, also in diesen Figuren
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oft die Auseinandersetzung mit der Figur.
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Und der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft und natürlich jede Künstlerin und jeder Künstler hat auch Zweifel an seiner
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Tätigkeit und auch diese Zweifel sind in manchen äh Werken von ihr sehr deutlich sichtbar
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stellt sie sich immer rein als Frau da oder kann sie auch mal die Rolle wechseln? Ne eben wie gesagt, das ist ja oft in ihren Werken, so dass die Zuordnung der Geschlechter nicht eindeutig ist. Und so gibt es Gemälde, in dem sie eher männlich und andere, wo sie äh weiblich ähm sichtbar ist und
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es ist auch oftmals, wenn man bei manchen Werken betitelt und ist auch eine visuelle Ähnlichkeit
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soweit klar, dass man weiß, dass es sich um sie selbst handelt, bei anderen.
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Diffusor oder nicht so klar. Wir haben ja noch einen Untertitel bei dieser Ausstellung. Nicole Eisenin und die Modernen.
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Und das hat damit zu tun, dass ich habe das schon angedeutet als in ihrem Werk, also.
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Satire, Comics, Subkultur, Versatzstücke aus diesen Welten.
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In ihren Arbeiten mitschwingen und gleichzeitig schwingt auch mit eben die Geschichte, vor allem der.
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Europäischen äh Malerei ist, bis hin zu Renaissance, also die Künstlerin ist eine große Kennerin der Geschichte der Malerei per se und das merkt man in ihren Gemälden und interessiert sich stark auch für diese Geschichte
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und das war für uns ein Grund zu sagen, ja.
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Lass uns bei dieser Ausstellung versuchen, ja, historische Werke auch dazu zu stellen, in einen Dialog zu setzen, ohne dass wir damit.
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Klassische, kunsthistorische Herleitungsgeschichten behaupten wollten
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weil dann müssten wir tatsächlich Werke auch seit der Renaissance hier versammeln und im Übrigen ist es eben so, dass sie nie oder sehr, sehr selten zitiert, es ist eher, dass sie Erinnerungsräume an historische Werke
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öffnet oder man eben asoziativ an an historisches erinnert ist und nicht das so ganz direkt.
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Hast du ein Beispiel für mich, beziehungsweise für die Hörenden? Ja, zum Beispiel ähm werden mir eingemeldet, zeigen, das ist ja neu, das ist aus diesem Jahr und darauf sieht man eine Frau, die
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gemütlich liegend am Strand liegt. Dargestellt ist das in einer sehr abstrahierten Form. Sie nimmt fast das ganze Gemälde ein.
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Und wenn man das sieht, wird jeder an Picasso denken. Ganz schnell, also die die Frau ist sozusagen als Arabeske. Äh dargestellt und
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Es gibt zig Gemälde und Zeichnungen von Picasso, wie wir wissen, wo Badende dargestellt sind und.
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Formal ist da auf jeden Fall eine Ähnlichkeit. Während dem aber Picasso diese Seine badenden Frauen, ja.
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Lustvoll am Strand, in in Freude liegen, aber der Betrachter immer die Frauen betrachten darf, also die Figuren sich dem Blick des Betrachters darbieten, ist bei.
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Nicole Eisenman äh masturbiert die Frau, sei es die Frau genießt es am Strand in doppelter Hinsicht, sie gibt sich ihrer eigenen Lust hin.
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So äh das heißt, als man nimmt diese Form, ob jetzt bei diesem Beispiel äh formal, historische Darstellungsformen mit auf, zeigt aber natürlich diese Frauenfigur in einer ganz anderen Pose
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Die Frau.
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Kann sich äh sich selbst hingeben, die braucht niemand anderen. Äh das heißt, es ist sozusagen mit der historischen Form eine ganz andere Aussage. Eigentlich ist der Betrachter fast
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Also auf jeden Fall der männliche Betracht, ne eigentlich alle Betrachter fast schon ausgeschlossen, diese Figur, die wird man nicht vouristisch.
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Angucken können, die es mit sich selbst total. Die braucht niemanden, ne? Oder ist das grade der Hintergrund, dass man hinschauen soll, dass man vielleicht den Blick hinwendet auf.
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Genießt euch. Also ich will da mal behaupten es gibt in der Geschichte der Kunst bisher nicht wahnsinnig viele Darstellungen von
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Frauenfiguren, die sich ihrer Lust selbst hingeben. Es gibt berühmte Darstellungen von dem weiblichen Geschlecht, meist eben von männlichen Künstlern dargestellt und im Grundsatz geht's da immer um mehr oder weniger
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auch einem feuristischen Blick darauf, ja? Und äh Nicole Eisenman nimmt sich das Recht heraus, ja, die weibliche Lust darzustellen und das heißt nicht eigentlich, dass weibliche Geschlecht.
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Da geht's jetzt wirklich um die weibliche Lust und macht das aber mit historischen Formen und Konter kariert sozusagen damit ein Stück weit auch
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diese historischen Formen. Ich hab mal was gelesen über weiß nicht ob ich mich richtig erinnere. Bad Girls. Eine junge amerikanische Künstlerinnengeneration die sich sehr stark mit den feministischen Themen auseinandersetzt.
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Gehört Nicole Eisenman zu dieser Generation
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Also kommt schon aus seinem aktivistischen, queeren Umfeld, der soweit schon. Ich glaube nicht, dass alle Werke sind, gleich stark von diesen Themen aufgeladen, ne?
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Also es gibt auch Werke, wo
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wo sie sozusagen die Zerrissenheit in der medialen und Massengesellschaft des Individuums thematisiert oder es gibt Werke, in denen äh Menschen im Sumpf oder im grünen Gewässer untertauchen, fast, wo
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wo sicher meinetwegen kann man dann eher an die Umwelt, um die wir kämpfen, heute denken, also nicht jedes Werk ist so zentral mit feministischen oder queeren Fragestellungen besetzt. Aber eins ist klar, dass Sie.
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Alle ihre Themen, die uns heute eben beschäftigen, dass sie die gerne mit unterschiedlichen historischen Formen
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dafür nutzt. Und damit diese historischen Formen auch neu auflädt. Ja, also die Picasso-Linie.
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Das Werk von Picasso für ein großartiges Werk steht aber auch für eine bestimmte Art von Weltauffassung. Diese Formensprache nimmt sie und lädt sie mit einer
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anderen Welterfassung auf, sodass wir im besten Fall auch Picasso
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nachdem der Eisenman gesehen haben, vielleicht auch Picasso wieder neu sehen und anders sehen. Also sie spricht mit Sprachen, die wir schon kennen und macht daraus neue Sätze. Muss man denn Kunstgeschichte studiert haben, um Nicole Eisenman zu verschneiden? Nein.
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Nein, das ist eben das Tolle. Meiner Ansicht nach muss man das gar nicht. Es macht einfach noch mehr Spaß. Und jetzt in unserer Ausstellung werden wir also punktuell Werke aus den Sammlungen.
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Der Sammlung aus der Kunsthalle Bielefeld, der Sammlung vom Kunstmuseum Den Haag und der Sammlung aus Arrau. Dazu Gesellen, das haben wir ganz nah mit Nicole Eisenman
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abgesprochen, sie hat eben große Freude auch in diese Bilderarchive zu gucken.
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Und wir haben ja diesen Untertitel Nikolasman und die Modernen, das heißt, wir kaprizieren uns auf Werke
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vor 1hundert Jahren, wenn man so möchte, die frühe Moderne und sie haben das deswegen auch gemacht, aber der Ansicht sind das natürlich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Themen wie.
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Technische Revolution, die Frage, wenn man so an die Weimarer Republik denkt, weiß man, auch da waren die Frage schon da, um die Geschlechtlichkeit
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und die Identität in der Großstadt.
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Die gerade neu entworfen wurde oder entstanden ist in dieser Zeit. Also es sind viele Themen in der frühen Moderne, die heute immer noch da sind, natürlich vollkommen anderer Art
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aber da gibt's Verwandtschaften und so haben wir uns entschieden sozusagen einige Werke aus der Geschichte dazu zu hängen oder in einen Dialog zu setzen und das sind ganz unterschiedliche Formen von Dialogen, ne? Da würde ich gerne mal eingreifen. Mhm. Wenn ich jetzt ein paar Punkte aus dem bestehenden Gespräch zusammenfasse
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Nicole Eisenman setzt sich für queere Empathie ein, sie zeichnet viele Köpfe nicht unbedingt als Porträts, sie.
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Stellt sich in unterschiedlichen Formen da, sie kann mal Mann, mal Frau sein, da kommt mir ein Werk in den Sinn. Und zwar heißt das.
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Man sieht also ein großformatigen Kopf. Ich weiß nicht genau, wie groß das Bild ist, mit einem Fischer, der stark weint.
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Wenn wir uns dieses Bild nehmen, es ist so rot blau gehalten, in welchen Dialogischen Bezug setzt du das zu Bildern aus der Historie
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Wir haben natürlich eine Vorstellung, wie diese Ausstellung bald aufgebaut wird und welche Werke so ungefähr im gleichen Raum stehen. Wir werden die Werke von Nicole und die Werke aus den Sammlungen, insofern trennen, dass die nicht auf der selben Wand sind. Es sind nämlich
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schon zwei verschiedene Welten, zwei verschiedene historische Zeiten.
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Diesen Werken verbunden, aber zum Beispiel ist also so ein weinender Kopf.
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Davon gibt's noch viele andere in der Ausstellung. Das zeigt sich darin natürlich, ja, Trauer, Zerrissenheit, Schwäche, die vielleicht auch Stärke ist. Das kann man nicht wissen, also auf jeden Fall kann man dann.
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Werke von Käthe Kohlwitz, wo wir alle wissen, also viele Werke von Kollwitz sind im Zusammenhang mit Krieg
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und Trauer, die damit verbunden ist, im Kontext. Man kann aber auch das Gesicht und andere Gesichter in ihrer.
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Maskenhaftigkeit, begreifen, die Maske ist natürlich in der Moderne ein großes Thema. Zu jeder Zeit ist die Maske
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Wir Frauen schminken uns, wie soll ich sagen, die Maske, das ist etwas wie ich meine Identität mir aufbauen kann oder aber ich kann mich hinter der Maske verbergen, ich kann mit einer Maske spielen, ich kann schillernd verschiedene Identität
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in den Arm nehmen. Man denke an Karneval
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also die Maske ist in der Moderne ein großes Thema und sie ist auch bei Nikol Eisen, wenn ein Thema und zum Beispiel werden wir eine sehr äh schöne Arbeit von Hermann Stenner zeigen
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auf der ein Kreuzritter und Christus dargestellt ist. Hermann Stenner, ein Expressionist, tatsächlich aus
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Bielefeld stammend, hat nicht lange gelebt, sein Werk ist entsprechend intensiv, aber auch relativ schmal, weil er eben sehr früh gestorben ist und
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da ist Henna und wie viele andere Expressionisten auch, zeigt das Individuum oft eben in seiner
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abstrahierten, maskenartigen Anmutung und sehr erstaunlich, warum kommt dein Kreuzritter und Jesus zusammen in einem Gemälde? Dafür gibt's keine chornographischen Vorgeschichten, also revolutioniert eigentlich damit, auch eine Bildfigur, da kommen zwei Figuren zusammen in seinem Gemälde
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die sonst nie zusammen sind, um so ein Gemälde mit mit diesem Maskenthema, das auch bei Eisenman.
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Immer wieder eine Rolle spielt. Schließlich haben wir zum Beispiel ganz ein anderes Gemälde, auch in der Ausstellung. Eine Leihgabe dann aus dem Museum Den Haag, ein
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Moonfeld von Van Goch, so eine Arbeit interessiert uns. Es gibt äh eine ganze Reihe von Werken von Nicole
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die sich tatsächlich mit Van Gorch beschäftigen. Also darstellt den Künstler mit dem abgeschnittenen Ohr, da geht's ja um die Beschäftigung
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wie verletzlich ein Künstler ist, wie verletzlich sie selbst ist, äh in dem das sie ihr Werk öffentlich macht und mit Sicherheit oder Unsicherheit
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ja, etwas in den Raum stellt. Auch der Künstler als Außenseiter, all diese Fragen, die mit, sagen wir mal, kultur, historisch, mit van Gogh verbunden sind
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die Nicole Eisenman.
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Sozusagen in ihrer Selbstreflexiven Art in ihrer Malerei mit Inkludiert. Also so kommt Van Goch auch bei uns dann noch ins Spiel
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Abgesehen davon, dass es eine wahnsinnig schöne Reihe von kleinen Zeichnungen in der Ausstellung geben wird von Nicole
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die sie alle mal in einer Ausstellung, die hieß dann Valentines Day, ausgestellt hat, was ein lauter Skizzen, die sie gemacht hat im Urlaub, von Freunden, am Strand, das ist eigentlich sehr untypisch für sie, weil sie ihre Werke sehr stark konstruiert
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Das heißt, sie macht.
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Skizzen von Figuren in Bewegung, aus ihrem Alltag, aber setzt sie dann für ein Gemälde oder für eine Zeichnung dann doch in eine neue Komposition ein und diese kleine Reihe.
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Sich jede einzelne Momentaufnahme für sich, sehr klassisch und sie hat diese Zeichnung so gemacht teilweise, dass sie ähm äh Federn, die sie am Strand gefunden hat, angespitzt hat und mit Tinte einfach
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schnell skizziert hat. Und das vermittelt sich. Es hat so eine Schnelligkeit und Leichtigkeit und diese Reihe zeigt Menschen, die
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total in ihrer Entspannung und in ihrer Freude sei das Menschen miteinander sei das jemand malt, jemand liest.
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Aufgehen und total sozusagen ihre, ja, wie das so ist im Urlaub, ihre Batterien wieder aufladen, aber in diesem
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fast schon ist das eine Revolution, mal nichts zu tun, ja? Also im Kontext ihres Gesamtwerkes stehen diese Reihe fast schon als.
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Miniatur von das ist das wichtigste Moment, um um all diese Abgründe
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auszuhalten und sie hat darüber gesprochen, dass Deep einfach relativ klassisch, banal, kann sich, glaube ich, jeder vorstellen, dass es einfach auch Spaß macht und das Schwierigste dabei ist, Dinge in Bewegung darzustellen. Also, die Freunde, die am Strand sich hat, bewegen, das Meer, das sich ständig bewegt, der Himmel, der sich ständig bewegt. Und ich glaube.
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Der ein Mondfeld gemalt hat, hat genau auch aus dieser Aufgabenstellung und aus dieser Freude dieses Werk geschaffen, ne? Wie macht man ein.
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Monfeld, wie malt man das, dass man diese Leichtigkeit dieser Blüten und diese Atmosphäre im Himmel, dass man das einfangen kann? Also
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So gibt es verschiedene Anknüpfungspunkte von einzelnen Werken. Ist aus der Geschichte, die
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teilweise thematisch, teilweise formal, möglichst einen Dialog treffen. Findest du
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wahrscheinlich wieder an den Haaren herbeigezogen, dass er weinende Fischermann.
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Ein bisschen Ähnlichkeit zu Vincent van Gogh? Ich glaube nicht oder vielleicht schon, dass meinte ich mit, dass ihr Werk erinnert und nicht
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zitiert, also je nachdem welche welches kulturhistorische Gedächtnis du hast oder jeder andere Besucher, je nachdem wird man da
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anderes auch drin sehen, ja? Das ist eigentlich immer so
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aber das ist in ihrem Werk noch stärker angelegt, weil sie eben damit wirklich explizite arbeitet. Es klingt fast nach
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einer ganz, ganz großen Aufforderung und ja, Begrüßung mit seinem eigenen Lebenspuzzle
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in diese Ausstellung zu gehen und frei von irgendwelchen gelernten Strukturen, die Werke auf sich wirken zu lassen
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Ja, das würde ich sagen, würde ich auch wieder bei jeder Ausstellung so sehen wollen, aber ich finde
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Unabhängige jetzt von der Ausstellung mit Nicole Eiseman ist mir natürlich im Museum auf jeden Fall ein Anliegen immer die Frage zu stellen, was.
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Haben diese Bilder aus der Geschichte.
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Mit mir, mit uns zu tun heute. Ich glaube, jedes Archiv ist nur dann wertvoll.
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Wenn man damit arbeitet respektive.
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Jede Zeit wird andere Dinge in diesem Archiv interessant befinden. Das geht mir jetzt in der Tätigkeit hier im Museum schon darum, zum einen Fragen, die uns alle bewegen.
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Mit Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart zu thematisieren und gleichzeitig die historischen Werke
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mit diesen aktuellen Fragestellungen auch in eine Konstellation zu sehen oder zu fragen, was hat denn diese Geschichte mit uns heute zu tun? Welche Teile der Geschichte können wir sehen? Ich bin ja der Ansicht, manche Dinge können wir heute nicht sehen.
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Zu jeder Zeit ist man auf irgendeinem Auge blind, das muss man immer für sich mitreflektieren, aber wir sehen heute, weil wir in einer bestimmten Welt heute leben.
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Sehen wir in der Geschichte oder interessieren wir uns in der Geschichte für Dinge und das ändert ständig, ja? Und das sichtbar zu machen.
53:34
Aber auch zu verstehen, dass das, was wir heute leben
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natürlich immer was mit der Vergangenheit auch zu tun hat und dass diese Zeiten, Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit, dass die eigentlich in einem.
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Ständigen äh Beziehungen zueinander sind. Wir können nichts in die Zukunft projizieren ohne die Vergangenheit zu kennen. Ohne die Vergangenheit zu kennen
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Also es gibt kein absolutes Tabulasa, auch wenn's die Moderne sich mal vorgenommen hat. Das zeigt auch die Ausstellung mit Nicole oder die Auseinandersetzung mit Nicole Eisenmann, dass diese Begrifflichkeiten natürlich, dass man die auch thematisieren kann
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was ist eigentlich die Moderne oder was war sie? Wie sehen wir sie heute und ich hoffe oder gehe davon aus, das Ziel ist natürlich zum einen das Werk von Nicole Eisenman, besser kennenzulernen, durch die Ausstellung und zum anderen
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in dieser Reflexion mit der Moderne auch dann vielleicht die Moderne.
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In dem, dass man Nicoles Arbeit gesehen hat, auch wieder neu zu sehen. Darf ich dich mal was persönliches fragen? Ich höre. Grenzt.
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Lernt man durch die Ausstellung von Nicole Eisenman auch dich besser kennen? Das habe ich mir noch nie überlegt. Nein, das glaube ich nicht. Och
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keine Ahnung. Also insofern lernt man mich besser kennen, dass ich damit natürlich
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zwei Dinge konstatiere, dass ich dafür einstehe. Also ich bin davon sehr überzeugt, dass Nicole Eisenman eine Malerin ist, die ja die unsere Gegenwart, wie weniger andere, kondensieren kann in
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Bildfiguren und das macht's eben auf eine maximal entspannte Art und Weise. Das macht sie sehr virtuos, das macht sie mit sehr viel Humor, aber auch
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abgründig, böse kann das sein, es ist immer mehreres gleichzeitig. Es ist eben nicht jetzt haben wir viel über die Geschichte der Kunst
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es macht auch einfach nur Spaß, ja? Es ist es ist die Geschichte der Kunst darin verworben, aber so viel mehr noch und damit lernt man mich kennen, natürlich, dass ich für sowas einstehe, aber
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So lernt man alle Menschen in den Museen kennen, weil sie für ein Programm dann dastehen natürlich. Ich erkenne so viele Parallelen.
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In dem Gespräch ist mir klar geworden, wie wichtig es dir ist, aus der Historie zu lernen, die alten Sammlungsbestände herauszuholen, zu zeigen, was war damals wichtig, in welchem Bezug steht das zu heute, in welchem Bezug?
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Könnte das für die Zukunft stehen, was lernen wir daraus, wenn wir uns die Bilder Nicole Eisenmans betrachten? Ist es genau die bildliche Aussage, die du mit deiner.
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Kuratierenden Arbeit schaffst. Man erkennt das humorvolle, man erkennt das Empathische, das gönnende, das
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auch diesen weiten Raum gebende, ne, bring mit, was du hast und freu dich einfach, was dir das schenkt
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na ja du schmunzelst über mich. Nee, aber ich habe das noch mir so nie überlegt. Ich glaube, was sozusagen die Klippen seines Projektes auch sein können, ist ähm, dass man sich natürlich schon.
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Das ist dann unsere Aufgabe, das auch zu vermitteln oder dass sich.
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Zu thematisieren, zum Beispiel um bei der Figur der badenden zu bleiben. Es gibt bei Nikolai sehr viele Figuren
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Baden und wir kennen, ich glaube jede alle Zuhörerinnen und Zuhörer können sich an zig Bilder, die sie in Ausstellung gesehen haben, vom Badenden erinnern
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und das heißt, wenn man also badende.
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Von Otto Müller aus der klassischen Moderne, neben Badenden von Nicole Eisenman hat, dann macht das erstmal Spaß, weil man versteht, okay, er hat verschiedene Künstler, verschiedene Zeiten äh haben sich für diese Figur interessiert. Allerdings ist es dann
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schon auch wichtig und das, glaube ich, macht hoffentlich dann die Ausstellung.
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Wenn wir sie gut vermitteln, sichtbar, dass natürlich die Figur des Badenden in der Moderne, in der Barockzeit, da solche Werke haben wir hier nicht dann dabei, aber das ist die Figur des Badenden in der Geschichte der Kunst natürlich immer
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ob schon ist immer der Badende oder die Badende ist, eine andere Bedeutung hat, ja. Zuerst wurden badende dargestellt.
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Um Landschaftsmalerei, um mal nicht biblisch zu malen. Also es war eine Entschuldigung in der Geschichte der Malerei, nicht nur biblische Szenen.
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Darzustellen, dann ist natürlich mit der Figur des Badenden äh auch oft der vorjuristische Blick mit impliziert, das glaube ich, zieht sich über alle Geschichten.
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Über alle Zeiten hinweg, in der Moderne stehen die Badenden für die Tatsache, dass man.
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Ja ein ein Bruch mit den Konventionen, mit starren Konventionen, auch mit der ersten industrialisierung, überhaupt die Erfindung der von so etwas, was wir heute für normal halten, von Freizeit.
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Aber auch Freikörperkultur, die Anfangs des Jahrhunderts bei allen.
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Sowohl in der Medizin wie auch in der Kultur und in der Kunst dann zelebriert wurde. Also das heißt in jeder Zeit ist mit der Figur des Baden dann auch was.
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Latente anderes verbunden, ha? Kulturhistorisch. Aber die Figur.
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Zieht sich durch und ist eben auch bei Nikolaisen, wenn bei Nikolaisenman, glaube ich, steht die Figur des Badenden für die Hingabe an die Welt, für die Hingabe an sich selbst, also sozusagen das Individuum, das sich dort
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kräftigt und stärkt, um in dieser lauten Welt zu bestehen. Voller Hingabe habe ich dir gelauscht und.
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Der Podcast beginnt mit den Worten, es gibt keinen Erfolg ohne Frauen. Ich freue mich so sehr, dass du mir hier.
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Auch die Zeit geschenkt hast und.
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Diesen Podcast ein Stück weit wahrscheinlich erfolgreicher gemacht hast mit äh deiner Art über Frauen zu sprechen, über.
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Die Wichtigkeit. Ja, vielleicht kann man das dann abschließen, weil das fällt mir jetzt gerade ein dazu noch, in der Sammlung der Kunsthalle befindet sich ein wahnsinnig
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tolles Werk von der Paula Motor. Es ist eine ein Frühwerk von ihr, ein einziger vielen Selbstportraits
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wo sie sich den Pinsel in der Hand darstellt.
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Und wenn wir heute dieses Bild angucken, dann finden wir es einfach total normal, ja? Paula Modass am Becker, wir wissen doch alle, das ist eine Künstlerin gewesen, eine Malerin und jetzt stellt sie sich mit dem Pinsel da, ist doch total logisch, dass das sowas gibt
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und wenn man das aber eben äh historisch äh versteht, dann weiß man, dass das war revolutionär, sowas. Das außergewöhnlich, dass man sich als Frau in der Zeit.
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Als Malerin
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selbst wenn man Malerin ist, dass man dann sich in so ein bisschen schmutzigen Kleidern mit dem Pinsel in der Hand. Also das darf man, damit hat man alle Konventionen, die geherrscht haben. Gebrochen und sie hatte auch.
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Das Glück, dass sie verheiratet war, mit auch einem Künstler, der eben offen und auch emanzipiert war. Und
1:00:31
Dieses Gemälde wird auch in der Ausstellung von Nikolas fragen zu sehen sein und wie wir vor besprochen haben, gibt's zahlreiche kleine Zeichnungen, auch
1:00:41
superlustige, wo man viel schmunzelt, äh was ich Nikolaisen bin darstellt oder eben ihre Fragen als Künstlerin auch sich da ein bisschen ironisch, aber sich selbst auch lustig macht oder sich in Frage stellt. Und
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zum guten Glück ist es heute für Künstlerinnen selbstverständlich.
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Künstlerin zu sein, um sich auch darzustellen. Genau. Äh natürlich gab's immer schon Künstlerinnen, auch seit der Renaissance. Wir kennen heute einige wenige. Nur ob sie waren in ihrer Zeit
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kaum sichtbar und es ist heute historisch äh sind viele der Werke von Künstlerinnen aus den letzten Jahrhunderten gar nicht mehr
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auffindbar oder zuordenbar, das heißt, dass es vieles verloren gegangen, das wird aber sicher in Zukunft auf keinen Fall so sein. Du Liebe, weißt du, worüber ich mich total freuen würde?
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Mal schauen, ob du das hinbekommst
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haben wir zu viel über Nicole Eisenman gesprochen. Ich fände das total schön, wenn Nicole Eisenman vielleicht auch noch einen Gedanken zu der Ausstellung.
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In diesem Podcast beitragen würde. Mhm.
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Meinst du, du könntest Nicole einfach mal einfach mal fragen über den Teich? Ich werde sie fragen. Dankeschön.
1:02:00
Zwei, drei Fragen habe ich noch. Haben wir noch die Zeit? Ja. Okay. Also du erzählst, dass die Ausstellung in Kooperation mit.
1:02:10
Internationalen Häusern stattfindet
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wird die Ausstellung eigentlich weiterreisen oder ist sie rein in Bielefeld zu sehen? Also die Ausstellung, die startet bei uns, Eröffnung ist am 1. Oktober,
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und danach wird sie weiter reisen, erst in die Schweiz, ins Kunsthaus Arrau, dann reist sie nach Frankreich, in die
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Nach
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und sie endet im Kunstmuseum Denhaag, in den Niederlanden. Äh was mich besonders freut ist, dass wir unsere Ausstellung am 1. Oktober ähm koordinieren konnten mit den Kollegen in Münster
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Sketch for eine Außenskulptur von Nicole Eiseman, die im Rahmen der Skulpturprojekte Münster 2017.
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Zu sehen war, konnte angekauft werden auf die Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, das freut mich.
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Ja, das ist schon ähm da sind sehr viele einzelne Menschen, die sich dafür engagiert haben und so kommt es, dass
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nach unserer Öffnung, also am 2. Oktober, am Samstag
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Es sind alle angehalten bei uns am 1. Oktober, die Ausstellung, sich anzugucken und am zweiten reisen wir alle nach Münster, wo der Brunnen Sketcher Founden feierlich eröffnet wird. Ach, wie schön. Und weißt du was, du bist eine Gedankenleserin. Ich wollte nämlich gerade fragen
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ob eine Verbindung besteht zwischen Nicole Eisenman, Bielefeld und Münster und jetzt sprichst du mir quasi aus der Seele. Ganz lieben Dank
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Danke dir. Und ganz lieben Dank, dass du dir hier so viel Zeit genommen hast, um mit uns ganz ausführlich über Nicole Eisenman, die Kunsthalle Bielefeld und dein Weg in die Kunst zu sprechen
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Ich habe mich sehr gefreut. Habe mich auch gefreut. Auf bald, auf bald. Danke dir.
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Zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast
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die Leichtigkeit der Kunst. Immer auf der Suche nach spannenden Gesprächspartner, innen.
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Euch und mir die Welt der Kunst entschlüsseln, reise ich quer durch Deutschland.
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Wenn du die Reisen von die Leichtigkeit der Kunst unterstützen möchtest, dann freue ich mich sehr über deine Kulturpartnerschaft.
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Geht auch ganz einfach.
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Bedanken möchte ich mich von ganzem Herzen bei allen Hörenden, die bereits die ein oder andere Reise unterstützt haben.
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PF, ihr möchtet mehr über die Leichtigkeit der Kunst erfahren und mal einen Blick hinter die Kulisse werfen?
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Nun wünsche ich euch viel Freude beim Hören.
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