Digitale Anomalien

Hier geht es um die kleinen und großen Fehlschläge in der Geschichte der Technik. Computer, die falsch rechnen, automatische Finanzsysteme, die Millionen von Dollar vernichten oder abstürzende Raketen: Hinter jedem Fehler steckt eine spannende und oftmals verblüffende Geschichte. Bei all den Fakten kommen ausschweifende Anekdoten, Witz und Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen nicht zu kurz.

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episode 17: Der teuerste Strich aller Zeiten [transcript]


Im Jahr 1962 ist das Space Race zwischen den USA und der Sowjetunion in vollem Gange. Unter Zeitdruck versucht die NASA mit der Sonde Mariner 1 die Venus zu erreichen. Doch diese geht wenige Minuten nach dem Start verloren.

Wenn man sich die ganze Geschichte der Mariner 1 Mission anschaut, dann ist es überraschend, dass die Mission am Ende an einem Fehler scheiterte, der bereits im Rahmen der Vorgängermission entstanden war. Denn schließlich wurde die Sonde aufgrund des immensen Zeitdrucks in nur 11 Monaten konstruiert.

Die unglückliche Verkettung aus einem Hardwareproblem und einer fehlerhaften Gleichung im Steuercomputer führte dann beim Start dazu, dass die Rakete vom Kurs abkam und gesprengt werden musste.

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Shownotes
  • Mariner 1 - Wikipedia
  • On This Day in 1962, NASA Launched and Destroyed Mariner 1 | Mental Floss
  • The RISKS Digest Volume 8 Issue 75
  • NASA - NSSDCA - Spacecraft - Details
  • SM-65 Atlas - Wikipedia
  • Atlas-Agena - Wikipedia
  • Atlas-Centaur - Wikipedia
  • NASA: Final Report der Mariner Mission
  • Hohmann-Transfer – Wikipedia
Erwähnte Folgen
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Digitale Anomalien in den anderen Kanälen
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Credits

Sprecher & Produktion: Wolfgang Schoch
Musik: BACKPLATE von https://josephmcdade.com

Cover: NASA/JPL

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 2021-10-14  27m
 
 
00:07
Hallo und herzlich willkommen bei digitale Anomalien.
00:09
Mein Name ist Wolfgang Schoch und in diesem Podcast erzähle ich Geschichten von Computern und Katastrophen. Und von allem, was irgendwo dazwischen stattfindet,
00:17
um die wunderbare Welt der Technik und um all die Geschichten von Fehlern und vom Scheitern.
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In der heutigen Folge Nummer 17 geht's um den kleinen Strich mit ganz großen Folgen. Ja, ich bin heute zum ersten Mal wieder seit einigen Wochen hier im,
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hohen, denn ich hatte lange Urlaub, ich war unterwegs und die letzten beiden oder die letzten drei Folgen, die ihr gehört habt
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Die habe ich alle schon vorab aufgenommen, aber heute ist es fast wieder eine Live-Folge, denn äh es ist jetzt Mittwochabend, morgen wird die veröffentlicht und äh ja, mir macht Spaß, auf jeden Fall, wieder hier weiterzumachen.
00:47
Der Urlaub war schön, vor allem, weil ich mich vom Süden Deutschlands langsam mit dem Fahrrad zum Süden Europas vorgearbeitet habe, bis runter nach Spanien. Ich habe eine große Fahrradtour gemacht
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und ich kam erst letzte Woche wieder zurück und davor gab's ähm ja in Spanien noch so fünfundzwanzig, sechsundzwanzig Grad Celsius, also plus
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und als ich hier in Deutschland ankam, hatten wir vier Grad, auch plus, aber vier Grad plus oder vier Grad minus ist jetzt nicht so der große Unterschied für jemanden, der halt zuvor noch eher
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bei 25 Grad war
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Und ich muss sagen, mich hat dieser Herbst dieses Jahr total überrascht und ja, es ist so kalt draußen und da dachte ich mir, was passt denn für ein Thema ganz gut zur Kälte? Ja, genau, der Weltraum, denn im Weltraum ist es natürlich auch superkalt und deswegen gibt's heute eine Space Geschichte,
01:33
heutige Geschichte, die führt uns äh mitten in den Kalten Krieg. Damals gab's ja das Space Race, also den Wettstreit zwischen den USA und der Sowjetunion und die Vorherrschaft im All.
01:44
Im Prinzip wollten sich die beiden Supermächte halt beweisen,
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wer die beste Technologie und die beste Militärausstattung et cetera hat. Denn äh die ganze Weltraumtechnik, die hatte ja auch immer was mit Militär zu tun.
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Rakete, mit der ich einen Satelliten ins All befördern kann,
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Naja, mit der kann ich auch einen Atomsprengkopf auf einen anderen Kontinent befördern. Und ähm mit diesem Space Race, also mit diesem
02:06
Wettstreit um äh den ersten Satelliten, die Mondlandung et cetera. Konnte man das halt ganz schön demonstrieren, was man so macht und was man schon so leisten kann, ohne jetzt wirklich militärisch irgendwas zu riskieren
02:18
Wenn wir uns diese Space Race anschauen, dann gibt's da ein paar Daten, die wirklich interessant sind.
02:24
Zum Beispiel den 4ten Oktober 9zehnhundertsiebenundfünfzig. Das war der Tag, an dem die Sowjets Sputnik eins gestartet haben. Sputnik eins war der erste Erzattellid
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und es gab daraufhin den sogenannten Sputnik-Schock, also der Westen, also die USA und äh Westeuropa,
02:39
waren schockiert und überrascht und die dachten sich natürlich,
02:43
hey, ähm wenn die Sory jetzt eine Technologie haben, mit der sie den Satelliten ins All schicken können, was bedeutet das Militärisch? Und was bedeutet das generell, technologisch? Denn wir dürfen nicht vergessen, im kalten Krieg,
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die bösen Sowjets, also zumindest aus der Perspektive von uns äh westlichen Leuten, also von uns aus Westeuropa und den USA,
03:03
die halt einfach böse. Es war das Reich des Bösen und wenn man jetzt die Vermutung hatte, dass dort irgendeine neue, gute Technologie ist, mit der man auch militärisch was bewegen kann, dann äh ja, kann man verstehen, dass es eben diese Aufregung, diesen Sputneck-Shock gab,
03:18
Ein weiteres interessantes Datum ist der 3te November 1957. An dem Tag wurde Sputnik zwei gestartet,
03:25
zwei war eine Passagierein drin und zwar die Hündin Leica und das war das erste Mal, dass man ein Tier ins All geschossen hat.
03:34
Am 1. Februar 1958 haben dann die Amerikaner ersten Satelliten gestartet, das war der Explorer eins und nachdem man jetzt gezeigt hat, okay, wir schaffen's jetzt Satelliten einfach mal in eine Erdumlaufbahn zu schießen, war das nächste interessante Ziel, der Mond,
03:48
Und ähm 1958 gab's drei gescheiterte Pioneersonten von den USA,
03:54
und 1959 gab's die beiden Sonden Luna eins und zwei und die erreichten den Mond, also Luna eins erreichte halt nur den Mond und ähm.
04:04
Im Prinzip dort und Luna zwei, äh die schlug sogar auf dem Mond ein, also man liest die kontrolliert abstürzen und Luna eins und zwei, das war ein sowjetisches Sonnen,
04:13
und damit hatten die Sophie jetzt natürlich wieder gezeigt, okay, ähm wir kennen uns aus im All und ähm wir sind gut in dem, was wir tun.
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Nachdem die Amerikaner dann mit ihren Ranger sonden, auch den Mond erreichten, konzentrierte man sich auf andere Himmelskörper
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und der Fokus der war dann relativ schnell auf der Venus, denn die Venus, die ist einfach sehr nah an der Erde und deswegen war's halt auch einfacher, jetzt die Venus zu erreichen, wie jetzt irgendwie den Mars oder einen anderen Himmelskörper
04:40
der sehr weit weg ist und für den man äh dann einfach noch eine bessere und eine solidereologie gebraucht hätte.
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Um jetzt einen anderen Himmelskörper von der Erde aus zu erreichen, muss man immer genau überlegen, wann ein geeigneter Zeitpunkt dafür ist.
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Die ganzen Planeten bei uns im Sonnensystem, die ähm die kreisen ja um die Sonne.
04:58
Kreisen um die Sonne in unterschiedlichen Bahnen, mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und wenn man sich das mal vorstellt.
05:05
Gibt's immer wieder mal so Positionen, wo jetzt die Erde und in dem Fall die Venus sich relativ nahe sind.
05:12
Und wenn man jetzt so eine Position hat, wo sich diese beiden Planeten relativ nahe sind, dann ist die äh die Entfernung gering und dann kann man diesen Planeten,
05:22
relativ wenig Treibstoff und natürlich, was auch spannend ist, relativ kurzer Zeit, also in Anführungszeichen kurzer Zeit, erreichen.
05:31
Und für eine Mission bei der man jetzt wirklich Neuland betritt und äh für die man jetzt ein Raumfahrzeug oder eine Raumsonde konstruieren möchte, die diese Mission durchstehen kann, ist natürlich interessant, die äh Freunde so konstruieren zu können,
05:45
die Lebensdauer nicht extrem hoch sein muss und dass die äh mitgeführte Menge an Treibstoff
05:52
auch nicht so extrem groß sein muss, denn Treibstoff, der muss natürlich auch erstmal ins All, dafür brauche ich eine Rakete, Nutzlast ist extrem teuer, beziehungsweise ich brauche überhaupt mal eine Rakete, die richtig viel Nutzlast ins All schießen kann
06:06
und in den 1950erjahren hatte man sowas überhaupt noch nicht.
06:11
Alle 19 Monate gab's jetzt ein gutes Startfenster für Flüge von der Erde bis zur Venus. Gut heißt wie gesagt, dass man die Reise mit möglichst wenig Treibstoff machen kann.
06:21
Für die Reise wird übrigens der sogenannte Hohmann Transfer verwendet.
06:26
Roman Transfer ist ein Manöver, mit dem man von einer Umlaufbahn, die man hat, auf eine andere wechseln kann, also in dem Beispiel, die Erde hat eine Umlaufbahn um die Sonne
06:36
und die Venus, die hat auch eine Umlaufbahn um die Sonne, aber die sind unterschiedlich. Und ähm die sind auch unterschiedlich weit von der Sonne entfernt die beiden Planeten,
06:45
Transfer, das ist im Prinzip ein Manöver,
06:48
Du startest deine Sonde und gibst dir dann so einen Schubs, damit äh die Sonde auf so eine elektrischen Bahn sich entfernt von der Erde.
06:57
Um in diese elektrische Bahn die andere Bahn kreuzt, also in dem Fall die von der Venus, dann äh gibt man der Sonde wieder einen Schubs mit einem Triebwerk.
07:06
Damit die quasi von dieser Elipse
07:09
einschwenkt in diese andere Umlaufbahn. Ist vielleicht ein bisschen schwierig vorzustellen, aber wenn man sich das in der Wikipedia anschaut, in Transfer, ich verlinke den auch in den Shownotes. Da gibt's ein schönes Bild, wenn man's einmal gesehen hat, dann versteht man das, finde ich, auch sofort, wie das funktioniert
07:23
Damit das aber, wie gesagt, möglich ist, braucht man diese Startfenster, damit diese Abstände nicht so groß sind und damit man halt auch nicht ewig unterwegs ist.
07:32
Alle 19 Monate geht es.
07:34
Für das Zeitfenster, dass es Ende 1957 gab, war aber noch niemand in der Lage, eine Sonde zu starten, die diese Mission bewältigt.
07:42
Nächste Zeitfenster, das war dann im Sommer 1959, da hat's auch noch keiner geschafft.
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Anfang einundsechzig gab's wieder ein Zeitfenster und da startet die Sowjetunion eine Sonde und zwar die Venera eins.
07:57
Und äh die hat den ersten Vorbeiflug an der Venus geschafft.
08:01
Anfang 61 ist dann äh das nächste Startfenster und da schaffen's die sowie jetzt eine Sonde zu starten und zwar die Venera eins,
08:10
und die Venera eins, die schafft den ersten Vorbeiflug an der Venus und das ist sogar der erste Planetare, also Vorbeiflug, den sie überhaupt.
08:20
Sowas hat zuvor noch nie eine Sonde geschafft. Allerdings muss man anmerken, zu dem Zeitpunkt ist schon der Funkkontakt zu Sonde abgerissen.
08:29
Aber na ja, die Sonde hat's trotzdem geschafft, zumindest mal zu weit zu kommen.
08:34
Das nächste Zeitfenster ist dann im Sommer 1962 und da soll's dann endlich auch für die USA klappen. Damit das auch klappt.
08:42
Macht man sich bei der NASA schon 1960 Gedanken wie man das schaffen kann. Im Juli 1960 wird schließlich das JPL beauftragt eine Sonde zu entwickeln,
08:52
das JPL, das ist das ist die Abteilung, von der NASA, die sich um die Entwicklung von diesen ganzen Sonden kümmert.
09:01
Ursprünglich war das, glaube ich, eine Ausgründung oder eine Abteilung vom äh California Institute of Technology, also von der Universität in Kalifornien.
09:11
Das JPL wird beauftragt eine Sonde mit dem Namen Marina A zu entwickeln. Die Planung sieht zunächst vor, dass diese Sonde so 570 Kilo wiegen soll und mit einer Atlas-Sento-Rakete gestartet werden soll.
09:24
Fun fact, die Adler Sento Rakete, die ist zu dem Zeitpunkt aber noch gar nicht entwickelt, die ist nur geplant.
09:30
Im August 1961 wird klar, dass die Rakete einfach nicht rechtzeitig fertig werden wird, um das Startfenster zu nutzen.
09:38
Okay, man macht sich Gedanken, man überlegt nach einer, ja, Alternative. Diese Alternative mündet dann in einem neuen Konzept. Und dieses Konzept zieht eine kleinere Sonde vor.
09:47
Denn es gibt 'ne verfügbare Rakete, das ist die Atlas Edina und mit der könnte man 'ne kleinere Sonde starten.
09:54
Diese ganzen Adlersraketen, die basieren übrigens alle auf der SM 65 -Adles Rakete und das war die erste US-Interkontinentalrakete.
10:04
Man hat diese SM 65 Rakete als Basis für das frühe Raumfahrtprogramm genommen.
10:09
Und die Basisrakete, ähm das war halt die erste Stufe dann, der Booster und darauf kam dann in dem Fall die äh China äh Stufe oben drauf oder diese Sentorstufe oben drauf.
10:22
Um dann ähm entsprechende Nutzlast ins All zu bringen. Und da haben wir auch wieder ein bisschen diesen Link zum Anfang,
10:29
Mit dem Space Race, das ist natürlich auch immer diese militärische Demonstration war und in dem Fall sieht man natürlich deutlich, man hat hier diese Atomrakete genommen und als Basis ähm für dieses Weltraumprogramm verwendet.
10:42
Um das alles ein bisschen zu beschleunigen, entscheidet man sich auch, dass man die vorhandene Ranger-Technologie wiederverwendet. Die Ranger-Technologie, das waren die Immunsunden der Amerikaner.
10:52
Die Entwicklung von der neuen Sonde, die zu Venus starten soll, das ist dann die und steht dabei für Ranger. Diese Sonde soll dann in elf Monaten fertig entwickelt werden, um das Zeitfenster einzuhalten.
11:06
In diesen elf Monaten werden dann insgesamt drei Sonden konstruiert. Zwei Stück für den Staat, die 1 und zwei.
11:14
Und eine für Tests und gegebenenfalls als Ersatz, falls irgendwo was schief geht.
11:19
Es gab übrigens insgesamt zehn Sonden aus diesem Mariner Programm und da waren immer zwei Geschwistersonten dabei, also 1 und zwei,
11:28
drei und vier als wurden immer zwei Sonden im Abstand von, ja, von einigen Wochen halt gestartet und die beiden Sonten waren auch immer identisch.
11:37
In dem Fall sollen beide Sonden im Stadtfenster vom 22. Juli bis zum 1. September 1962 gestartet werden.
11:45
Der Start für Marina eins, der wird dann auf den Morgen des 21. Juli 1962 festgelegt.
11:53
Der Staat muss aber mehrmals verschoben werden. Es gab da eine ganze Reihe an technischen Problemen. Unter anderem brennt auch mal eine Sicherung durch, äh weswegen der Countdown gestoppt werden muss.
12:03
Das ist insofern kein Problem. Die Rakete, die kann auch, wenn die schon auf Betriebstemperatur ist, die kann auch nochmal gestoppt werden. Die kann auch nochmal runtergefahren werden. Was bei manchen Raketen ja nicht der Fall ist, aber hier ist das erstmal kein Problem.
12:15
Letztendlich erfolgt dann der Start am 2undzwanzigsten Juli 19zweiundsechzig,
12:21
um 4 Uhr 1zwanzig und 23 Sekunden von. Kurz nach dem Start gibt's jetzt allerdings eine Abweichung vom geplanten Kurs der Rakete,
12:31
zwar in nordöstlicher Richtung. Es werden Befehle für eine Kurskorrektur in die Rakete gesendet, denn das ist vielleicht auch noch ganz wichtig,
12:38
Diese Rakete hat es keinen Computer an Bord, der alles total autonom gemacht hat, wie man's jetzt heute kennt, beispielsweise von der Ariane Rakete, in dem Fall wurde die Rakete durch Steuersignale von der Bodenstation gesteuert. Diese Kurskorrekturbefehle,
12:52
da passiert nichts, die die werden abgesendet, aber die Rakete, ähm die reagiert gar nicht drauf, sondern sie weicht weiter vom Kurs ab,
12:59
und dann nähert sie sich potenziell gebieten, in denen es entweder Schiffsverkehr gibt oder auch bewohnten Gebieten.
13:06
Und hier ist natürlich das große Risiko. Würde die Rakete jetzt abstürzen, dann werden Menschen gefährdet und das möchte man natürlich auf jeden Fall verhindern.
13:15
Deswegen wird um 4 Uhr sechsundzwanzig und 13 Sekunden der Befehl zur Selbstzerstörung durch den Range Safety Officer abgesetzt.
13:24
Das ist ein Wort von diesen ganzen Raketen gibt, ist genau dafür da, für eine Selbstzerstörung im Notfall, damit man keine Menschen irgendwo gefährden kann durch eine abstürzende Rakete.
13:38
Interessant ist, dass dieser Befehl exakt sechs Sekunden,
13:42
vor der Abtrennung der ersten Stufe erfolgt. Also ich hab's ja gesagt, wir hatten diese alte ähm Atlas Atomrakete quasi als Booster, als als erste Stufe und da drauf war ja diese äh Chainer-Stufe drauf
13:55
und interessant ist
13:56
Selbstzerstörung, die funktionierte nur bis zur Abtrennung der ersten Stufe, sprich sechs Sekunden später hätte man hier keine Selbstzerstörung mehr einleiten können. Die Rakete, die äh wird zerstört,
14:08
und man ist natürlich erstmal ratlos. Das Technikerteam, dass sich das anschaut, hat aber sofort eine heiße Spur.
14:14
Als man sich die Daten genauer anschaut, merkt man, dass diese Kursabweichung ganz sanft erfolgt ist. Und nicht abrupt wie beispielsweise in der Geschichte von der Ariane fünf, bei der ja ähm die Rakete quasi einen richtigen Knick gemacht hat
14:27
es war hier nicht der Fall. Die Rakete, die ist so ganz sanft Richtung Nordosten abgedriftet.
14:31
Vermutung der NASA beziehungsweise von JPL ist, dass es ein Fehler in den Gleichungen gibt, die den Kurs die Rakete bestimmt haben. Okay und an der Stelle ist es, glaube ich, interessant, sich nochmal im Detail anzuschauen, wie die Steuerung überhaupt funktioniert hat.
14:47
Ich habe schon erwähnt, dass es keinen Computer, der die komplette autonome Steuerung übernommen hat an Bord der Rakete gab, sondern dass das vom Boden aus erfolgt.
14:56
Dafür gab's am Boden zwei Radarsysteme. Es gab das sogenannte Ratesystem, das hat die Geschwindigkeit gemessen,
15:03
und es gab das sogenannte Track System. Das Track System äh hat die Distanz und den Winkel, also den Winkel zur Bodenstation gemessen und dadurch die Position bestimmt,
15:12
Diese Daten von den zwei Systemen, die wurden dann am Boden von einem Steuercomputer verarbeitet und dieser Steuercomputer hat dann wiederum ein Steuersignal an die Rakete für Kurskorrekturen gesendet,
15:23
Und dieser äh Computer, der hatte jetzt verschiedene mathematische Formeln implementiert in seiner Steuersoftware und die haben anhand von den Parametern dann berechnet, wo man gegebenenfalls eine Kurskorrektur vornehmen muss,
15:35
alles passt. In den handgeschriebenen Formeln, die dann später ähm abgetippt wurden im Computer, gab's jetzt allerdings einen kleinen Fehler.
15:44
Wenn ihr euch noch an die Schule erinnert, dann erinnert ihr euch sicherlich auch noch mit ganz viel Freude an Mathematik natürlich und an Gebra. Und ein Gebra rechnet man ja mit irgendwelchen Variablen, also mit Buchstaben, so A plus B gleich drei C oder so was.
15:58
Und so ähnlich sahen es die Formeln auch aus. Vielleicht ein kleines bisschen komplexer. Und bei einer dieser Variablen, da fehlte was, nämlich ein Überstrich
16:07
Überstrich oder eine Überstreichung, das ist einfach äh ein Strich über so einen Buchstaben,
16:13
im Rahmen von dieser Formel war der Buchstabe R und da hätte so einen Strich draufgesolt.
16:18
Diese Bedeutung von diesem Symbol, also diesem überstrichenen Symbol ist, hey,
16:24
Nimm jetzt nicht den absoluten Wert, den du hier bekommst. In dem Fall, was ähm die Geschwindigkeit, also nimm dich die ganz aktuelle Geschwindigkeit, die du alle paar Millisekunden irgendwie liest, sondern berechnen einen Durchschnittswert aus einer gewissen Menge von äh von Werten.
16:39
Jetzt nicht jede Sekunde ein anderer Wert, der kann ja vielleicht ein bisschen schwanken
16:43
sondern beispielsweise rechne ähm alle immer immer 30 Werte oder 1000 Werte oder 100 Werte zusammen
16:50
Durchschnitt draus und es sorgt dafür, dass so kleine Ausreißer, die es ja auch mal geben kann, durch eine Ungenauigkeit eventuell, dass die keine große Auswirkung haben.
17:01
Und dieser eine Strich, der fehlt in dieser Mathematischen Formel. Während es Betriebs, weil es allerdings kein Problem
17:07
Denn dieses Radesystem, also dieses Radar, dass die Geschwindigkeit registrierte, ja das ähm das hatte keine großen Schwankungen und es lieferte ziemlich akkurate Werte und dadurch hatte diese fehlerhafte Gleichung ja keine Auswirkung.
17:22
Und übrigens, diese Software, also diese Formeln, diese Gleichung, die wurden auch schon für die Ranger-Mission, also die Mondsonten ohne Probleme genutzt, denn für die Ranger-Mission, da hat man auch die Atlas Agina-Rakete verwendet
17:36
mit genau dieser Steuersoftware. Hat alles gut funktioniert.
17:40
Kam's jetzt aber zu einem Problem mit dem System. Denn dieses System funktionierte irgendwann nicht mehr. Es gab da ein paar Aussetzer.
17:50
Andere Radar, dieses Track System funktionierte aber weiterhin.
17:54
Um jetzt einfach das Problem zu kompensieren und auszugleichen, dass die Radesystem äh Geschwindigkeitsdaten fehlten, verwendete man jetzt Daten vom Track System.
18:05
Unterschied zum Radesystem war allerdings, dass diese Daten relativ stark schwankt.
18:11
Und nicht so akkurat und gleichbleibend waren wie äh zuvor und wie die Daten, die halt eigentlich von diesem Radesystem kam.
18:19
Und durch die Verarbeitung von diesen Rohdaten, die so stark schwanken, berechnet der Steuercomputer jetzt sehr viele kleine Kurskorrekturen.
18:28
Kann man sich ja vorstellen, wenn meine Geschwindigkeit relativ konstant ist und keine starken Schwankungen hat.
18:34
Gibt's jetzt ja auch keine Notwendigkeit, um jetzt irgendwie eine große Kurskorrektur durchzuführen.
18:39
Wenn ich jetzt aber in meinem Programm das jetzt wirklich äh Sekunde für Sekunde oder vielleicht noch kürzeren Abständen.
18:46
Rechnet, wie befindet sich meine Rakete gerade in der Luft, was macht die gerade? Und nicht der große und starke Schwankungen jetzt bei einem Bert bekomme, wird's der Geschwindigkeit,
18:55
natürlich die Mathematik, okay, die Position ist hier, das weiß ich ja, durch diesen Winkel und durch die Distanz,
19:01
um eine Geschwindigkeit ist jetzt aber anders. Okay, das wirkt sich jetzt natürlich aus auf die ähm Flugbahn, okay und in dem Fall muss ich jetzt nochmal eine Kurskorrektur machen. Und das passierte halt die ganze Zeit.
19:13
Und dadurch kam die Rakete halt vom Kurs ab. Die Kurskorrekturen, die man dann von der Erde versuchte, noch an die Rakete zu schicken, die verpufften halt,
19:22
die Steuersoftware ja auf Teufel komm raus, dafür sorgen wollte, dass die Rakete auf dem Kurs blieb.
19:29
Durch diese schwankenden Daten und die fehlerhafte Formel konnte das aber einfach nicht mehr gelingen. Und das führte dann einfach dazu, dass die Rakete so stark vom Kurs abkam, dass man sie sprengen musste, um einen Absturz zu verhindern.
19:42
Es gibt zu dem Thema leider keinen richtigen Untersuchungsbericht der NASA oder von der JPL beziehungsweise ich konnte keinen öffentlich verfügbaren finden.
19:51
Es gibt aber auf der äh entsprechenden Projektseite von der NASA.
19:56
Eine kleine Übersicht über über die ganze Mission und es gibt auch ein paar Zeilen, die äh was über den Zwischenfall schreiben. Und da sagt man auch ganz klar, der Unfall war einfach eine ganz, ganz ungünstige Kombination,
20:10
aus dem Hardwareproblem, also diesem ausgefallenen Radar und einem Softwareproblem, also dem Fehler in dieser Gleichung.
20:17
Ich finde, der Zwischenfall zeigt, wie super wichtig die Qualitätssicherung in der Software überhaupt ist. Das ist übrigens auch ein Learning, das man damals bei der NASA hatte.
20:27
Nachgang wurden dann verschiedene Initiativen ergriffen, um für künftige Missionen viel besser gerüstet zu sein.
20:33
Und es zeigte sich auch ähm in den nachfolgenden Missionen, es gab ja immer wieder mal Probleme, es gab auch bei der Mission, also bei der Mondlandung.
20:42
Bei diesen ganzen Apollo-Missionen gab's auch Softwareprobleme, aber es gab keine Softwareprobleme mehr, die so schwerwiegend waren, dass man eben eine Sonde deswegen verloren hatte.
20:52
Fehler, der konnte ähm relativ schnell gefunden werden, also man hatte glaube ich fünf Tage gebraucht, um den zu lokalisieren.
20:59
Und er konnte auch super schnell behoben werden, weil letztendlich war's ja nur ein kleiner Schreibfehler in so einer Gleichung.
21:06
Und aus dem Grund konnte Marionard zwei noch rechtzeitig im Stadtfenster auch gestartet werden.
21:12
Marina zwei startete dann am 27. August 1962.
21:17
Und erreichte die Venus und das war dann auch der erste planetare Fly bei der NASA.
21:23
Ja, ich glaube, die lässt uns learn in dem Fall, ich glaube, die sind sehr einfach. Qualität ist wichtig. Das ist, glaube ich, ähm so ein ganz allgemeingültiges äh Urteil,
21:32
Und ich glaube, so ähnlich habe ich das auch bei jeder Geschichte jetzt gesagt, die irgendwas mit Space zu tun hatte.
21:39
Denn äh im All kannst du halt keinen Fehler erlauben, du kannst nicht hoch fliegen und mal eben was reparieren oder jetzt in dem Fall ähm vielleicht kommst du ja gar nicht hoch.
21:50
Deswegen glaube ich, dass äh so grundlegende Prinzipien, wie jetzt Reviews und das Vier-Augen-Prinzip unglaublich wichtig sind.
21:57
Wir hatten das ja bei vielen Geschichten, dass eine einzelne Person irgendwas gemacht hat.
22:02
Und da hat sich dann Fehler eingeschlichen, wie er nun mal passieren kann und deswegen ist eine komplette Mission gescheitert.
22:09
Gleiches ist es ja auch in der Geschichte. Ich bin jetzt nicht 00 Prozent sicher, ob dieser Fehler, also dieser fehlende Überstrich,
22:15
der schon in der handschriftlichen Formel fehlte und dann verloren ging, als man diese Formeln übertragen hat in das Computerprogramm,
22:22
oder ob der Strich schon in dieser handschriftlichen Formel fehlte. Ich habe das nicht so hundert Prozent rekonstruieren können aus den Quellen,
22:29
aber es ist ja eigentlich auch egal. Es hätte sich letztendlich auf der einen Seite noch eine Zwote oder in dem Fall dritte, vierte, fünfte Person,
22:37
mit äh dem Thema mal beschäftigen sollen und das mal überprüfen soll, mal nachrechnen sollen, um auch wirklich sicherzustellen, ja, das passt und da es kein Leichtsinnsfehler oder vielleicht auch ein richtig signifikanter Denkfehler drin,
22:50
und man hätte das vielleicht auch mal testen sollen. Denn dieses äh Programm, das wurde ja über viele Missionen hinweg verwendet.
22:58
Ohne ein Problem zu machen und jetzt gab's auf einmal hier diesen Ausfall von diesem einen Radarsystem,
23:05
deswegen kam's zum tragen. Also das ist ja ähm immer wieder so die Frage, wie kann ich was vernünftig testen? Wie kann ich vor allem halt auch irgendwelche Randbereiche mal testen?
23:16
Und wie mache ich Risikomanagement? Und das Thema Risikomanagement finde ich hier auch spannend.
23:21
Man hatte ja, nachdem man sich entschieden hat, okay, die Sonne, die muss leichter werden, also ich glaube, die Sonde, die wog am Schluss so zwohundert Kilo und nicht fast sechshundert, wie in der ursprünglichen Idee,
23:31
da hatte man ja nur noch elf Monate um drei Sonden zu bauen und naja, bevor man die gebaut hat, auch noch ein bisschen zu planen et cetera. Und da hat man natürlich mega viel Zeitdruck.
23:41
Aber auch bei super viel Zeitdruck muss man ein vernünftiges Risikomanagement machen und ich glaube, dass ähm in der Software irgendwelche so ja Leistungsfehler vielleicht zu übersehen. Das hätte man vielleicht auch verhindern können.
23:54
Spannend finde ich und toll finde ich aber, dass die NASA da wirklich was draus gelernt hat und auch wirklich gesagt hat, okay, wir müssen hier besser werden, wir müssen was die Software angeht, besser werden und äh die Geschichte hat gezeigt, dass sie das auch ganz wunderbar geschafft haben.
24:09
Zum Ende habe ich noch ein ganz kleines bisschen Trivia
24:12
wenn man sich mit dieser Marina eins Mission äh beschäftigt, dann liest man ganz oft, dass ein fehlender Bindestrich verantwortlich war. So ein Bindestrich oder auf Englisch high fern ähm
24:23
der wird beispielsweise in den zeitgenössischen äh Zeitungen erwähnt, also die äh Zeitungsberichte, die damals 1962 erschienen sind,
24:31
die haben ganz viel davon äh gesprochen auf der offiziellen NASA-Seite, wird auch noch von einem Bindestrich gesprochen und es gibt ein legendäres ähm Zitat von Arther Seclark
24:42
das ist ein bekannter Science-Fiction-Autor, kennt ihr vielleicht. Und der schrieb an History
24:49
als er über diesen Parksprache oder über dieses Problem sprach. In Wirklichkeit war's aber gar kein Bindestrich, sondern, wie gesagt, so ein Überstrich
24:56
Aber na ja, beides ist ein Strich. Also und ich glaube beides, äh egal, ob es das ein Überstrich ist oder der Bindestrich, das ist ja vielleicht auch ein kleines Detail
25:04
es war definitiv der teuerste Strich in der Geschichte.
25:08
In manchen Quellen äh wird auch noch berichtet, dass das eigentliche Problem jetzt nicht diese mathematische Formel war, die jetzt hier ähm wo es einen Übertragungsfehler gab oder eben diesen Leichtsinnsfehler
25:19
sondern dass in der verwendeten Software, also in dem Programm, das man geschrieben hat, dass es angeblich ein Ford Run-Programm war,
25:26
und in diesem Vortragprogramm, da gab's anscheinend eine Schleife und als man die programmiert hat, hat man wie ein Punkt und ein Komma verwechselt und deswegen gab's irgendwie eine Fehlfunktion.
25:36
Liest man oft ähm ich habe aber eine Quelle gefunden, in deren ehemaliger NASA Mitarbeiter geschrieben hat.
25:43
Fehler gab's, allerdings nicht bei der eins Mission, sondern bei einer anderen Mission.
25:51
Die letzten Wochen nicht daheim war und erst jetzt wieder hier live was aufnehme, was Zeitnah veröffentlicht wird,
25:58
habe ich heute sogar die Freude zwei neue Feedbacks vorzulesen und äh ich freue mich da ganz arg drüber.
26:04
Erste Feedback, das stand von Phil, null sieben 11 und Phil schreibt coole Stories.
26:10
Sehr interessante Stories, die Lust auf mehr machen, geniale Idee und angenehm erzählt. Phil, vielen lieben Dank dafür.
26:17
Das zweite Review, das ich bekommen habe, das stammt von äh Machtwerk und da steht verrückte Geschichten und was man aus ihnen lernen kann
26:25
sehr unterhaltsamer und verständlicher Podcast, bestes Infotainment. Ich äh bedanke mich bei euch beiden. Vielen lieben Dank, ähm das ist genau
26:33
der Grund, wieso ich den Podcast überhaupt mache. Ich freue mich, wenn ich Leuten äh ja vielleicht irgendwie mal eine lustige und interessante Geschichte erzählen kann. Und ähm das macht mir einfach viel Spaß. Also vielen, vielen Dank.
26:46
Das war schon die 17. Folge von den digitalen Anomalin. Ich hoffe, es hat euch wieder Spaß gemacht. Die nächste Folge, die erscheint natürlich wieder in zwei Wochen,
26:55
und ich freue mich, wenn ihr wieder mit dabei seid. Genauso freue ich mich natürlich aber auch über Feedback.
26:59
Sehr gern per E-Mail an Feedback at digitale Anomalien Punkt DE oder als Kommentar zufolge auf digitale Anomalien Punkt DE.
27:08
Wenn ihr Lust habt, dann folgt mir doch auch auf Instagram unter AT digitale Anomalien. Und wenn ihr mir auch eine Bewertung bei Apple Podcast oder sonst irgendwo geben wollt, dann wäre das cool und würde mich auch total freuen.
27:19
Und tschüss bis zum nächsten Mal.