Total Sozial!

Wohnungsnot, Integration, Inklusion, demografischer Wandel: Das sind die großen sozialen Herausforderungen unserer Zeit. Die kirchlichen Sozialverbände arbeiten mit daran, sie zu meistern. Mit Herz und Haltung. In diesem wöchentlichen Podcast sprechen wir mit ihnen darüber – und begleiten die Menschen, die von ihrer Hilfe profitieren. Produktion: Münchner Kirchenradio (MKR) / Sankt Michaelsbund

https://radio.mk-online.de/sendungen/total-sozial.html

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episode 99: Kraftakt Pflege


Rund drei Millionen Menschen sind in Deutschland auf Pflege angewiesen. Fast drei Viertel von ihnen werden zu Hause von ihren Familienangehörigen betreut. Viele pflegende Angehörige merken aber schon nach kurzer Zeit, dass sie sich mit der Versorgung eines Menschen, der unter Umständen Tag und Nacht Hilfe braucht, übernommen haben. Die Malteser im Erzbistum München und Freising haben auf die Nöte der Betroffenen reagiert und vor gut eineinhalb Jahren eine Fachstelle für pflegende Angehörige eingerichtet. Auslöser waren die Anfragen von Angehörigen, die ihre dementiell erkrankten Verwandten in die Malteser Tagesstätte MalTa im Münchner Stadtteil Berg am Laim bringen. Dort werden Gäste mit beginnender Demenz betreut. Für die Leiterin der Einrichtung sei es auf Dauer nicht möglich gewesen, auf die Probleme der pflegenden Angehörigen adäquat einzugehen, berichtet die Leiterin der Fachstelle, Elisabeth Mauro. Diese sei in erster Linie für die Gäste da. Trotzdem hätten die Betroffenen die Einrichtungsleitung immer wieder um Hilfe gebeten, zum Beispiel, wenn es darum geht, Anträge bei der Krankenkasse zu stellen. Noch schwieriger sei es gewesen, den Menschen zu helfen, die von der Pflegesituation generell überfordert sind. Hier brauche es eine grundlegende Analyse des sozialen Umfelds und der Familienstruktur, so Mauro. Die Malteser hätten das hohe Maß an Beratungsbedarf erkannt und sich für die Einrichtung der Fachstelle entschieden. Die biete den Vorteil, gezielt auf die zahlreichen Hilfsangebote hinzuweisen, die die Malteser für pflegende Angehörige bereithalten. Wer einen Menschen pflegt, bräuchte aber nicht nur praktische Unterstützung, erklärt Mauro. Im Gespräch stelle sich oft heraus, dass viele gar nicht wissen, was Pflege generell bedeutet. Pflege habe auch geistige, soziale und psychologische Aspekte. „Pflege kann einfach bedeuten, dass ich bei jemandem bin, daneben sitze und ihm Gesellschaft leiste, weil die Person sich sonst einsam fühlt“. Diese umfassende Fürsorge könne schnell zur Überlastung der Familienangehörigen führen. Elisabeth Mauro rät deshalb, vor der Übernahme einer häuslichen Pflege genau zu prüfen, ob man selber physisch und psychisch dazu überhaupt in der Lage ist. Außerdem sei wichtig, dass pflegende Menschen immer auf ein soziales Netzwerk zurückgreifen können, das sie entlastet. Der Idealfall sei die pflegende Familie, in der die Aufgaben auf mehreren Schultern verteilt werden können. Erst wenn die Pflegesituation in der Familie geklärt sei, könnten dann auch die Angebote der Malteser greifen, erklärt Mauro. Menü-Service, Patienten-Fahrdienst, Besuchsdienst für Menschen mit Demenz oder Hausnotruf sind nur eine Auswahl der Dienste, die die Malteser auch mit Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeitern anbieten.


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 2021-10-16  35m