Ablegen!

Wir legen in Kiel ab. Und kreuzen mit der Personenfähre über die Förde nach Laboe und zurück. Zu jeder Folge holen wir uns andere Gäste an Bord. Mit ihnen wechseln die Themen. Immer dabei sind Kulturtipps, ein Schuß Politik und Lebensfreude. Gemeinsam blicken wir auf Schleswig-Holstein und sprechen über das Leben am Meer.

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episode 18: Klimawandel (KI-LA-KI)


Unser Episodencover zeigt die Flutmarke am Bülker Strand Höhe Klärwerk. Der Anstieg des Meeresspiegels wird in seinen Folgen für uns immer greifbarer. Aktuell macht darauf auch ein Banner der Scientists for Future auf dem Schwimmponton vor dem GEOMAR aufmerksam. Sollten die weltweiten Treibhausemissionen weiterhin wachsen, halten die Forscher es für möglich, dass der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts um rund zwei Meter ansteigt. Auf Eiderstedt und dem Großteil der Nordseeinseln Schleswig-Holsteins wäre dann landunter.  

Auch Extremwetterereignisse häufen sich weltweit. In der Woche vor unserem Recording machte ein Tornado Schlagzeilen, der in Kiel eine Besatzung im Ruderboot zum Kentern brachte und Menschen verletzte. Vor diesem Hintergrund verabredeten wir uns mit dem Meteorologen Dr. Tobias Bayr. Der Klimaforscher arbeitet im Forschungsbereich „Ozeanzirkulation und Klimadynamik“ am GEOMAR. Zudem ist er Koordinator der Regionalgruppe Scientists for Future in Schleswig-Holstein. 

Nach kurzer Begrüßung bitten wir den selbsternannten „Klimafrosch“, uns seinen beruflichen Werdegang zu schildern. Weil der doch recht ungewöhnlich ist. Daran schließt ein knapp anderthalbstündiges Gespräch über ökologische wie ökonomische und soziale Dimensionen von Nachhaltigkeit an. Wir erfahren, dass Klimaschutz im Grunde Menschenschutz ist und die Gesellschaft kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem hat. Statt Zukunftsangst zu schüren, will Dr. Tobias Bayr Lust machen auf den Wandel. Er selbst sammelte gut anderthalb Jahre Erfahrung in einem Ökodorf, ein Reallabor mit  120 Bewohnerinnen und Bewohnern. Dort wird nicht nur nachhaltiges Bauen und Wirtschaften erprobt, sondern auch das friedliche Miteinander ohne Machtstrukturen. Mit dieser Erfahrung und seinem Wissen engagiert er sich seit einiger Zeit an der Alten Mu in Kiel. 



Kapitel 1
Begrüßung. Hier erzählt Dr. Tobias Bayr, wie aus ihm der „Klimafrosch“ wurde.  Seine Lehre und ein angefangenes BWL-Studium erleichtern ihm heute, Zusammenhänge aus ökonomischer wie ökologischer Perspektive zu verstehen. Er kritisiert versteckte wie direkte Subventionen und den viel zu niedrigen Preis für CO2-Emmissionen. 

Kapitel 2
Klimakrise. Das System sei träge. Seine volle Erwärmungswirkung zeige sich erst in zwanzig Jahren, meint Tobias. Die deutsche Wirtschaft baut auf dem Einsatz fossiler Brennstoffe.  Ähnliches gilt für alle Staaten mit hohem Bruttoinlandsprodukt. Unser Wohlstand ist gekoppelt an einen hohen Verbrauch natürlicher Ressourcen.  

Kapitel 3
Wirbelstürme. Wetter und Klima - Wir lassen uns die Begriffe erklären und den Unterschied zwischen dem Tornado in Kiel und einem  tropischen Wirbelsturm. Das Klimasystem ist nicht nur träge, es enthält auch chaotische Elemente, die sich nicht linear zueinander verhalten. So kann ein bisschen Erwärmung schon zu ganz viel Niederschlag führen. 

Kapitel 4
Ozeanzirkulation. Das ist der Forschungsbereich von Dr. Tobias Bayr. Dieter vergleicht den Golfstrom mit dem Heizungssystem eines Mehrfamilienhauses. Neben der Erwärmung des Wassers spielt jedoch auch der Salzgehalt der Meere und nicht zuletzt die Sonne eine entscheidende Rolle für den Jetstream. 

Kapitel 5
Klimawandel. Der diesjährige Nobelpreis für Physik ging an zwei Klimaforscher. Neben dem Japaner Syukuro Manabe wurde der einstige Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg ausgezeichnet. Klaus Hasselmann wies bereits in den 60er Jahren auf die Verantwortung des Menschen für den Klimawandel hin. Wir fragen Tobias Bayr danach, wie lange Wissenschaftler um die Zusammenhänge wissen. 

Kapitel 6
Scientists4future. Dr. Tobias Bayr ist Koordinator der Regionalgruppe in Schleswig-Holstein. Deutschlandweit schlossen sich ihr 26.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an. Die Initiative entstand aus Solidarität mit den Aktivisten von Fridays for Future und als Reaktion auf die Äußerung eines Politikers, sie sollten besser die Schulbank drücken, Klimaschutz sei eine Sache für Profis. Wie politisch darf Forschung sein? Bayr verweist drängenden Handlungsbedarf. Die Kapazitätsgrenze unseres Planeten ist erreicht. In 2021 fiel der Überlastungstag auf den 29. Juli. Das Eisbergmodell von Kultur verdeutlicht, dass der überwiegende Teil kultureller Werte im Verborgenen wirkt. Sie umzukrempeln, wird dauern. 

Kapitel 7
Zukunftslust. Aus welcher Motivation lösen wir die Klimakrise? Vernünftiges, sinnvolles Handeln muss Spaß bringen, meint Dieter. Er erinnert daran, dass Köln seit 2013 den Tag des guten Lebens feiert. Dabei wird eine Straße autofrei und ein alternatives Nutzungskonzept erprobt. Seinen Aufenthalt in dem Ökodorf Sieben Linden sowie die 1,5 Jahre im ZEGG bezeichnet Tobias Bayr als Lebensschule. Dort habe er die soziale Dimension des Wandels erleben können. Ziel sei es, individuelle Potentiale zu heben, die zum Wohle aller Wesen eingesetzt werden können. 

Kapitel 8
Innerer Wandel. Gewaltfreie Kommunikation ist ein Baustein für ein friedliches Miteinander auf Augenhöhe. Bedürfnisse und Fähigkeiten des Menschen gelte es zu fördern, anstatt deren Schwächen wie Gier oder Geiz, mahnt Dr. Tobias Bayr. An der Alten Mu bietet er seit 2017 eine offene Gruppe für den  Inneren Wandel an. 


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