Die Leichtigkeit der Kunst

Der Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” bringt dir regelmäßig unbefangene Kunstgespräche aus ganz Deutschland. Ich liebe es, die Kunst mit Achtsamkeit und Leichtigkeit zu betrachten und bin immer gespannt auf die Geschichte hinter den Werken. Im Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” schnappe ich mir Experten, die informativ & intim sowie augenzwinkernd & aufschlussreich erklären können. Und zwar genau dort, wo sie am leichtesten zu finden sind: in Museen, Ausstellungen, Galerien, Werkstätten und vielleicht auch mal hinter der Bühne. Dort spreche ich mit meinen Gästen über die Frage der Herkunft, Passion & Leidenschaft sowie über Biografien aller Art. Findet hier eure monatliche Inspiration für eine Begegnung mit Kunst und Kultur.

https://dieleichtigkeitderkunst.de/podcast/

subscribe
share






episode 1780: David Chipperfield Architects [transcript]


Der Potsdamer Platz, eigentlich ja „Platz vor dem Potsdamer Tor“. Hier wurde 1838 der Potsdamer Fernbahnhof eröffnet und somit der Grundstein für ein pulsierendes Quartier mit Grand-Hotels, boomender Gastronomie und dem Bau der berühmten Tiergarten Villen gelegt. Hier wurde die erste Ampel Europas errichtet, stetig Altes gegen Neues und Klassizismus gegen Neue Sachlichkeit ausgetauscht. Für das weltberühmte Amüsement stehen der Ufafilm Palast, der Europa Tanz Palast und das Café Piccadilly bzw das spätere Haus Vaterland Synonym.

Prominente Architektur spielte hier immer eine prägende Rolle.

Und es steht vermutlich außer Frage, dass der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner nach seinem Umzug von Dresden nach Berlin hier Inspiration für seine Reihe „Berliner Straßenszenen“ fand. Und Eins davon trägt sogar den Titel „Potsdamer Platz“. Doch auf diesem Bild geht es gar nicht so sehr um den Platz als solches, sondern vielmehr um den Bezug der Figuren zueinander.

Und genau um dieses Thema und auch um eine besonders prägende Baukunst dreht sich die heutige Folge.

Ihr ahnt, worauf ich hinaus möchte… Das Original des Potsdamer Platzes von Ernst Ludwig Kirchner ist Teil der Sammlung der frisch wieder eröffneten Neuen Nationalgalerie, einst erbaut von Mies van der Rohe und nun achtsam modernisiert von David Chipperfield Arch.

Eine 60-jährige Museums- und Architekturikone, die nun von 2 ikonischen Architekten bespielt wurde. Doch wie kann das funktionieren?

Am besten klären wir dies direkt mit jemandem, der Erfahrung und tiefe Einblicke mitbringt.

Ich freue mich sehr, Alexander Schwarz zu begrüßen. Alexander ist Architekt und Partner von David Chipperfield Architects in Berlin und kann uns sicherlich sehr viel zu dem berühmten Bau am Potsdamer Platz von Mies van der Rohe erzählen.

 

 


share








 2021-12-31  53m
 
 
00:00
Music.
00:11
Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast Die Leichtigkeit der Kunst.
00:18
Immer auf der Suche nach spannenden Gesprächspartnerinnen.
00:23
Euch und mir die Welt der Kunst entschlüsseln, reise ich quer durch Deutschland. Wenn du die Reisen von die Leichtigkeit der Kunst unterstützen möchtest, dann freue ich mich sehr über deine Kulturpartnerschaft.
00:39
Geht auch ganz einfach. Mit einer goldenen, silbernen oder bronzenen Mitgliedschaft über Steady Haarkuh Punkt com Slash die Leichtigkeit der.
00:51
Oder via PayPal Punkt Me Slash Leichtigkeit der Kunden.
00:58
Bedanken möchte ich mich von ganzem Herzen bei allen Hörenden, die bereits die ein oder andere Reise unterstützt haben.
01:07
PF, ihr möchtet mehr über die Leichtigkeit der Kunst erfahren und mal einen Blick hinter die Kulisse werfen.
01:15
Dann habe ich einen Tipp. Tragt euch in den Newsletter bei Staily Haar Punkt com Slash die Leichtigkeit der Kunst ein.
01:25
Einmal im Monat überrasche ich euch mit ein paar Hintergrundinformationen.
01:31
Und nun wünsche ich euch viel Freude beim Hören der folgenden Episo.
01:36
Music.
01:45
Platz. Eigentlich ja Platz vor dem Potsdamer Tor.
01:50
Hier wurde 1838 der Potsdamer Fernbahnhof eröffne.
01:56
Und somit der Grundstein für ein pulsierendes Quartier mit Grand Hotels boomender Gastronomie und dem Bau der berühmten Tiergartenvillen gelegt.
02:07
Hier wurde die erste Ampel Europas errichtet. Stetig eiltes gegen Neues und Klassizismus gegen neue Sachlichkeit ausgetauscht.
02:17
Für das weltberühmte Amüsement stehen der Uferfilmpalast, der Europa Tanzpalast und das Café Picadelli beziehungsweise das spätere Hausvaterland synonym.
02:30
Prominente Architektur spielte hier immer eine prägende Rolle.
02:36
Es steht vermutlich außer Frage, dass der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner nach seinem Umzug von Dresden nach Berlin hier Inspiration für seine Reihe Berliner Straßen ziehen Fun.
02:48
Und eins davon trägt sogar den Titel Potsdamer Platz.
02:53
Auf diesem Bild geht es gar nicht so sehr um den Platz als solches, sondern vielmehr um den Bezug der Figuren zueinander.
03:01
Und genau um dieses Thema und auch um eine besonders prägende Baukunst dreht sich die heutige Folge.
03:10
Ahnt, worauf ich hinaus möchte. Das Original des Potsdamer Platzes von Ernst Ludwig Kirchner ist
03:17
Teil der Sammlung der frisch wieder eröffneten neuen Nationalgalerie. Einst erbaut von Mies van der Ruhr und nun achtsam modernisiert von David Chipperfield.
03:31
Eine 60-jährige Museums- und Architekturikone, die nun von zwei ikonischen Architekten bespielt wurde.
03:39
Doch wie kann das funktionieren? Am besten klären wir dies direkt mit jemanden, der Erfahrung und tiefe Einblicke mitbringt.
03:48
Ich freue mich so sehr, Alexander Schwarz zu begrüßen.
03:53
Alexander ist Architekt und Partner des Architekturbüros David Chipperfield in Berlin und kann uns sicherlich sehr viel zu dem berühmten Bau am Potsdamer Platz von Mies van der Ruhr erzählen. Doch lieber Alexander, gerne möchte ich zuvor dich kennenlernen und ein paar Worte zu deinem Werdegang.
04:12
Erfahren. Zu meinem Werdegang. Mhm. Hallo. Ähm. Hallo. Ja.
04:22
Ich habe gar nicht mit Architektur.
04:25
Angefangen nach dem Abitur. Ich habe zunächst eine Lehre gemacht als Geigenbauer in Mittenwald. Die ging
04:33
dreieinhalb Jahre, dann habe ich ein Jahr als Geigenbauer in der Schweiz gearbeitet und habe dann mir überlegt, dass ich vielleicht.
04:43
Doch mal studieren, versuchen müsste, um später nicht unglücklich zu sein. Und habe dann angefangen, Architektur zu studieren, was mir großen Spaß gemacht hat, auch wenn ich,
04:58
ähm den Geigenbau sehr gern betrieben habe und dann habe ich zunächst in Stuttgart studiert
05:04
dann in Zürich an der ETH, da bin ich dann zurückgekommen und,
05:10
bisschen künstlerisch verloren und da kam David Schipperfield an die Akademie, der war damals nicht bekannt, den kannte man eigentlich ja hm
05:21
hat auch bisher,
05:23
hatte so gut wie nichts gebaut. Der hatte eine Gastprofessur, da bin ich dann zu ihm hin ja dann, wie war das denn irgendwie so
05:32
ein halbes Jahr oder ein Jahr später hat er dann mal bei mir angerufen, ob ich nicht am Montag nach London kommen möchte und das habe ich dann gemacht und seitdem
05:43
bin ich in dem Büro. Zunächst zwei Jahre in London und dort haben wir den Wettbewerb für das neue Museum gemacht und mit dem
05:50
Wettbewerbsgewinn für das neue Museum bin ich dann mit vier anderen Kollegen.
05:56
Nach Berlin gegangen und wir haben das Berliner Büro gegründet, das jetzt auch die Restaurierung der Nationalgalerie gemacht hat.
06:06
Ich finde das ja ganz spannend. Eigenbau und Architektur, ich könnte mir vorstellen, irgendwie ist eine Parallele zur Räumlichkeit gegeben.
06:14
Was hat dich denn dazu gebracht, vom Gaigenbau zur Architektur zu gehen
06:19
Abgesehen davon, dass du dir dachtest, du müsstest vielleicht studieren können, dürfen, sollen, dürfen, haben. Irgendwie ist man ja Bauer geblieben, also Bauer im Sinne von Bauern. Und
06:32
Es ist gar nicht so leicht zu sagen, worin da beziehungsweise es schnell sehr kitschig zu sagen, worin da die Gemeinsamkeiten bestehen und ich scheue das immer bisschen darüber äh zu reden, aber natürlich gibt es einerseits
06:46
das räumliche, das stimmt, also Geigenbauer sind zutiefst räumliches Handwerk. Es ist räumlich sehr komplex. Man muss sehr komplexe Kurven sehen, können sehr komplexe Räume erfassen
06:58
Und das andere ist aber, denke ich, dass wenn man ein Handwerk gelernt hat, wie Geigenbaumann sehr weiß, um
07:06
Bedingungen des Herstellungsprozesses. Von
07:09
Dingen, also über die Form hinaus gibt es gibt es ein Gemachtsein der Dinge und das ist das ist bei.
07:19
Geigen, ganz, ganz entscheidend, wie sie gemacht sind und äh kleine Unterschiede machen einen riesen Unterschied. Dass es
07:28
Eben etwas, was auch für die Architektur gilt, finde ich, Architektur ist nach wie vor so schwer herzustellen, ähnlich schwierig wie Geigen, anders schwierig, aber ähnlich schwierig und es ist ganz entscheidend, dass Architektur eigentlich darüber.
07:43
Auch spricht, wie sie gemacht wird und wenn man sich
07:49
darauf einlässt, hat man, glaube ich, die Chance ähm Jenseits von Form und Aussehen und Bild, das erzeugt wird. Eine Architektur hinzukriegen, die ein.
08:03
Wenn man dann da ist eben,
08:05
so erwischt, weil das Physische diese Bedingungen des Physischen, also das Gemachtsein, des Gebautsein, das es glaube ich dem
08:15
körperlichen irgendwie eine körperlichen Erfahrung sehr nahe ist. Das klingt jetzt so bisschen esoterisch, glaube ich kriegt aber irgendwie jeder mit, wenn man in ein Haus reingeht,
08:24
weiß man doch eigentlich sofort, ob das stimmig ist oder nicht und es spürt irgendwie jeder, wenn's in den Wohnungen suchen und.
08:34
Man macht die Haustüre auf und eigentlich beim wenn die Türe ein Drittel auf ist, weiß man schon, ob die
08:41
die Wohnung in Frage kommt oder nicht und das spürt irgendwie fast jeder und das ist ein ganz erstaunliches Phänomen, dass wir so ein Gespür für Orte haben, so ähnlich wie wir Menschen begegnen, begegnen, wir ordnen, wir haben sofort
08:54
äh so ein,
08:57
Gefühl für die und das ist eine hochkomplexe Wahrnehmung und ich glaube das hat mit dem Physischen zu tun von Orten und das ist eben auch genau das, was nicht auf einem
09:10
Bild von einem Gebäude drauf sein wird. Also auf dem Bild ist nicht drauf, ob es einen erwischt, wenn man reinkommt oder nicht. Also das finde ich und das
09:21
so bisschen fast entscheidend für einen Architektur.
09:24
Erlebnis. Man muss hingehen. Das ist irgendwie die einzige Möglichkeit, das richtig zu rezeptieren.
09:32
Sind immer so die Bilder. Ist immer entweder schlechter oder besser als auf den Bildern. Ja, das stimmt, das da bin ich auch ganz ganz nah bei dir, dass ich äh denke etwas in Realität zu erleben, spiegelt noch mal viel mehr wieder als.
09:47
Der bloße Anblick eines Bildes. Ich feiere schon mal in Mittenwald.
09:53
Ich war noch nicht bei einem Geigenbauer drin, aber ich stand schon am Fenster und habe wie ein Kind vom Weihnachtsbaum reingeschafft und gestaunt und,
10:05
in meinem Podcast geht es ja viel um Hören, fast ausschließlich sozusagen. Wie wichtig ist dir denn.
10:14
Das Hören in der Architektur. Du sprachst gerade die Tür an, wenn du eine Tür öffnest. Es macht ja alles Geräusche, dass du so auditiv geprägt, dass das in deiner Architektur auch eine Rolle spielt?
10:26
Glaube schon. Ich kann es nicht leiten, wenn Räume anders klingen, als sie aussehen. Es gibt ja Räume, beispielsweise Hotellobbys, die sind bewusst, so ganz weit runtergedämpft und den Raum, den man sieht, ist ein anderer
10:39
wie den, den man.
10:41
Hört. Das finde ich, da fühlt man sich irgendwie manipuliert, wenn nicht sogar betont. Deswegen prinzipiell mag ich es gern, wenn die Räume ungefähr.
10:54
Die Akustik haben
10:58
die man sieht und wir verhalten uns ja auch danach, man spricht anders in Kirchen wie in Hotellobbys, glaube ich. Und es uns bisschen abhanden gekommen, weil so
11:10
natürlich, in Deutschland gibt's das ja für alles Richtlinien und es gibt beispielsweise Richtlinien, wie viel Nachhaltzeit in einem Bürobau sein kann. Das heißt, es so der akustische Raum
11:23
von Architektur wird sehr terminiert oder bestimmt durch durch Richtlinien, wie er wie er sein soll und uns so manipuliert,
11:33
Deswegen sind so extreme Räume wie beispielsweise Kirchenräume kaum mehr möglich zu bauen und bei Museen geht das eben.
11:44
Eventuell. Also natürlich klingt die Halle der Nationalgalerie so.
11:52
Wie's hier aussieht. Kommen wir doch mit dem Stichwort neue Nationalgalerie zu David Chipperfield.
12:00
Mal angenommen, der ein oder andere hätte vielleicht schon den Namen gehört, aber gar keine genaue Vorstellung.
12:08
Wer oder was David eigentlich ist? Wie würdest du ihn und das Büro beschreiben?
12:15
David Chipperfield ist ein Meister, Bedingungen zu schaffen, dass gute Architektur entstehen kann.
12:22
Würde ich sagen. Und er hat ein gutes Händchen für sein Team. Das gehört dazu. Ja.
12:30
Mittlerweile ein sehr großes Unternehmen. Es gibt Büros in vier Ländern. Das Mutterbüro ist in London. Als ich dahin gekommen bin, war es sehr klein, ungefähr zwölf Mitarbeiter oder so was.
12:43
Dann war die erste Ausgründung in das Berliner Büro, dann gibt es ein Büro in Mailand, das hatte damals damit zu tun, dass der
12:52
Direktor von London nach Mailand gezogen ist, wo er herkommt. Und dann gibt's noch ein weiteres Büro, das nochmal eine Ausgründung des Berliner Büros in Shanghai mit uns, also insgesamt ein
13:05
sehr großes Unternehmen. Wir haben in Berlin gesagt ungefähr zu fünft,
13:11
und sind jetzt hundert1zwanzig oder so. Die Büros sind alle ähm,
13:17
unterschiedlich organisiert. Wir im Berliner Büro haben eine Partnerschaft mit David, da gibt es noch.
13:27
Die anderen Partner, das ist Martin Reichert mit dem zusammen die Nationalgalerie gemacht habe. Er ist Managing Director, ich bin
13:37
Design Director ähm heißt alles Englisch, also der eine ist mehr für die Organisation, der andere mehr
13:44
fürs Entwerfen zuständig, wobei man sich natürlich fragen kann, was man in der Nationalgalerie noch entwerfen müsste. Nee, da kommen wir gleich die Garderobe. Genau.
13:55
Ich hab's recherchiert. Ah ja, dann gibt's noch Eva Schad und Harald Müller und Christoph Felder.
14:04
Christoph Fellwest, der andere Design Director Harald Müller, auch Managing Director und Eva Schad, Managing Director und.
14:12
Organisiertes Büro. Wir haben uns gefunden über die Bauten auf der Museumsinsel. Es war eben zunächst ein reines Projektbüro für das neue Museum. Dann haben wir dort
14:25
die ersten Wettbewerbe gemacht, einen ersten, der dann für das Berliner Büro gewonnen wurde, war die das Literaturmuseum
14:35
der Moderne in Marbach, dass eben ungefähr dort, wo ich geboren bin und ich wollte unbedingt diesen Wettbewerb machen für das Berliner,
14:44
Büro und seitdem sind wir eben äh stetig.
14:49
Gewachsen eigentlich und jetzt sehr groß, aber eben im Habitus und im so vom.
14:58
Eher ein Studio. Also wir machen versuchen Architektur.
15:03
Sehr kompromisslos zu machen. Es geht natürlich nicht. Architektur hat immer ganz viel zu tun mit
15:10
ganz viel Bedingungen, ganz viele Menschen. Äh man muss ein Meister sein, des Umgehens mit Kompromissen, beziehungsweise Kompromisse oder oder sagen wir Grenzen muss man lieben, wenn man Architektur macht? Aber,
15:23
David Chipperfield ist es glaube ich gelungen ein Umfeld zu schaffen, indem man,
15:30
indem man eben ein großes Büro haben kann und gleichzeitig Architektur machen
15:36
als wärmen ein kleines Studio und das ist glaube ich ein ziemliches, da gibt's nicht viele. Eine leise Architektur? Unbedingt, also.
15:47
David sagte mal.
15:49
Wird immer irgendwann Hintergrund für irgendetwas, was da stattfinden kann. Da habe ich ein ganz spannendes Zitat. Ich glaube, es ist von dir. Aha.
16:03
Stattgefunden hat, ist anwesend.
16:08
Was für ein schöner Gesichtsausdruck. Du weißt, worauf ich hinaus möchte. Ähm.
16:16
Ja ich glaube ich weiß woher es kommt. Vielleicht. Ja genau.
16:22
Einen herzlichen Gruß von Michael. Genau. Jetzt Vorwärt zu seinem
16:27
zu seiner langen Zeit Dokumentation. Das ist sicherlich das falsche Wort für ein sehr künstlerisches Buch, aber äh irgendwie trifft's das auch über die Restaurierung der Nationalgalerie. Das zu erklären.
16:42
Jetzt nicht in der Lage bin, aber es lohnt sich sehr, das anzuschauen. Ja, das kann ich bestätigen.
16:48
Irgendwie nur was einen Ort hat, hat stattgefunden. Dinge, die keinen Ort haben, haben nicht stattgefunden. Insofern glaube ich, ist Ort und was stattgefunden hat.
17:01
Ganz tief miteinander verbunden und manchmal.
17:08
Denkt man schon, dass was an einem Ort stattgefunden hat, einen Ort auch. Prägt, dass es irgendwie eine merkwürdige.
17:17
Beziehung zwischen dem Physischen und Nicht-Physischen. Ich glaube gerade so für uns Europäer ist es ganz wichtig,
17:25
Orte zu haben, um uns Dinge zu vergegenwärtigen im im wahrsten Sinne des Wortes, also in die Gegenwart zu holen oder zu denken, dass sie auch von heute sind, an dem wir an den
17:38
Ort gehen und es gibt eben
17:40
ähm in diesem Vorwort habe ich diesen etwas durchgeknallten Aufsatz von Adolf Loos.
17:49
Über die Akustik des Bösendorfer Saals, der abgerissen werden sollte, der abgerissen worden ist, zitiert,
17:58
der eben entgegen aller physikalischen korrekten äh sagt in dem Saal sind die Töne.
18:08
Der tollen Musiker, die da gespielt haben, anwesend. Im Mörtel wohnt List äh und natürlich physikalischer Quatsch, aber irgendwie,
18:20
trifft es,
18:21
schon ganz viel und losgeht irgendwie so weit, dass wir die Akustik zerstören könnte, indem man schlechte Musik da drin spielte. Das ist irgendwie nicht richtig, aber irgendwie,
18:33
doch richtig. Welche Rolle spielt das für dich, wenn du für die Kunst baust oder renovierst? Also erstmal ist es.
18:43
Sehr viel leichter, wenn man jetzt über einen Neubau redet, beispielsweise das Volkwangmuseum, das ich entworfen habe.
18:51
Ein Museum um eine Sammlung zu bauen. Ist ziemlich einfach ein Museum zu bauen, wenn wenn es eine gute Sammlung gibt, dann muss man sich eigentlich nur drum kümmern.
19:03
Dass das zu einer möglichst guten Begegnung zwischen.
19:08
Besucher und Kunstwerk kommt. Das heißt, brauch irgendwie einen guten Boden, eine glaubwürdige Wand, wenn es um eine Gemälde geht, an der das Bild hängt und.
19:18
Das richtige Licht am besten, das richtige Tageslicht. Dann klappt es schon, wenn der Boden gut ist, äh die Wand.
19:28
Glaubwürdig, sie boten auf dem er Besucher steht und die Wand ist ganz häufig nicht der Fall in Museen, dass die Wand eine glaubwürdige Wand ist, aber und das Licht stimmt und und eben.
19:41
Eine Wechselwirkung zwischen dem Bild im Raum und dem Besucher kommt, dann ist es schon ein super Museum und.
19:49
Soll sich dann noch vielleicht im richtigen Maß verlieren oder nicht verlieren, dann ist es schon gut. Also äh weil,
19:59
Also Kunst. Ich finde Kunst wohnt in Museen, dass so wie wir in in Häuser wohnen, wohnen die Kunst in Museen. Ich weiß nicht, ob man das sagen kann, aber da sehr gern. Die die wohnen da und es gibt Museen, da denkt man
20:12
wenn das jetzt, wenn die Bilder
20:14
Tiere wären, würde man heimlich abends die Türe auflassen, dass die abhauen können. Und es gibt eben Museen, wo man denkt, da da kann die.
20:26
Da wohnt die Kunst. Gut, also das Museum ist eine gute Wirtschaft für Kunstwerke und.
20:32
Das finde ich einen wahnsinnig schönen Vergleich, dass man einen einen Raum schafft, der für die Kunst behaglich in Anführungszeichen.
20:41
Das finde ich es ganz wichtig und das lässt man immer so bisschen.
20:48
Außer acht, weil es natürlich so viele Anforderungen gibt, Klima und äh was weiß ich. Ist irgendwie ein Gedanke, der.
20:58
Eigentlich kam in der Zusammenarbeit mit mit äh Heiner Bastian, für den wir dieses Galeriehaus am Kupfergraben gebaut haben.
21:07
Dass ich eigentlich ja zusammen mit ihm
21:11
entworfen habe und der sagte, er will eigentlich kein Museum haben, sondern er will ein gutes Haus haben mit guten Räumen und wenn die Räume gut sind für die Menschen, dann sind die auch gut für die Kunst. Es klingt irrsinnig banal
21:25
aber
21:27
ziemlich bestechend finde ich und seitdem überlege ich mir immer, ob ich in Museen, ob ich da eigentlich wohnen könnte und dann das finde ich ist ein guter
21:36
guter Indikator, ob ob die Räume.
21:42
Funktionieren, kann man nicht immer sagen, aber ist trotzdem eine interessante Fragestellung. Ja und weißt du ich habe gedacht, in der Vorbereitung, hm, es ist vielleicht eine.
21:54
Eine Situation, die man als Konkurrenz haft bezeichnen könnte, wenn man das Werk von einer von einem solchen Star-Architekten wie Mies van der Ruhr.
22:05
Renovieren darf, soll, kann, muss, wie auch immer und tatsächlich kommt mir jetzt der Gedanke
22:11
stehen denn auch Kunst und Museum schon mal in Konkurrenz? Das sich das Museum zu sehr aufdrängt, dass die Kunst in den Hintergrund trägt. Also muss man da auch hm das Gleichgewicht wahren.
22:26
Unbedingt. Also ich denke, es gibt Museen
22:30
Die sind selbst so sehr Kunstwerk, dass sie eigentlich nicht der Kunst erstmal Raum einräumen, sondern den dann auch gleich noch wieder besetzen. Das ist.
22:40
Manchmal spektakulär und sehenswert, aber.
22:46
Erstmal ist es gar nicht unsere Haltung und zweitens ähm ist es erstmal nicht die Aufgabe.
22:53
Von Architektur den Raum, den sie einräumen, selber gleich wieder zu füllen, sondern die Räume, den eigentlich frei für etwas anderes, das da stattfindet. Das finde ich ist der.
23:05
Normalerweise der Sinn von Architektur und es gilt eigentlich auch für Museen.
23:14
Würde ich sagen
23:15
Die neue Nationalgalerie, sie ist ja wie ein leises Souverän. Du korrigierst mich gehört zu den Menschen, die gerne korrigiert werden.
23:26
Ab und zu. Also sie ist wie ein leises ästhetisches, souverän, die über ja
23:34
über dem Potsdamer Platz schwebt in all ihrer Eleganz.
23:40
Schöne Beschreibung, ein leises Souverän. Sie ist sehr erstmal gibt's ja diese
23:46
riesig diesen riesigen Freiraum, also gibt wahrscheinlich kaum ein größerer Freiraum, der eingeräumt wird, wie eben die Halle, die noch nicht mal
23:55
Wände hat.
23:56
Haben sozusagen das die Halle oben ist der größte Widerspruch, zu dem was ich gerade über Museen gesagt habe. Äh trotzdem ein hervorragender hervorragender Raum und es ist natürlich so.
24:10
Dass.
24:12
Alle Kunst, die da gezeigt wird, sich auseinandersetzen muss mit eben nicht nur dem gewaltigen Freiraum, den das Dach.
24:22
Freigibt, indem es eben durch diese acht Stützen hochgehoben wird, sondern alle Kunst muss sich auch auseinandersetzen mit dieser.
24:31
Ganz starken, physischen Präsenz, die irgendwie gar nicht.
24:37
Modern im Sinne des moderne Klischees, die es die moderne braucht ja eigentlich keine Substanz mehr. Also mies ist eben gar nicht so. Er ist zwar reduziert, aber das, was dann an Restsubstanz da ist, ist
24:52
unglaublich. Ah stark und präsent und beispielsweise der
24:59
der Rost ist ja eigentlich auch gar nicht filigran, das ist der ist zwei Meter hoch, geht es spannend an über 4undsechzig Meter, aber zwei Meter massive Stahlrost ist einfach
25:11
kann man nicht sagen, dass das dem Bild entspricht von der Ballerina, die auf den Spitzen tanzt. Das ist also das Klischee für für die Moderne.
25:22
Darstellt und diese konzentrierte Physis, die ist, glaube ich, schon auch eine Herausforderung für die Kunst, die man,
25:29
Da zeigt kein Künstler, kann da ja Business Asusi machen, also na ja Bildhauer. Ja.
25:39
Vielleicht, aber es ist schon erstaunlich zu beobachten. Mhm,
25:44
es gab diese fantastische Ausstellung für den Rückriemen, an die ich mich gerne erinnere, mit den wo diese Granitbotenplatten einfach so jede.
25:53
Das ein jede achte oder so was wurde in diesem 120 auf 120 Rastern eine zweite Platte draufgelegt, die dann so ein Relief hatte und dann in so ein.
26:05
Einfach so ein so ein Gebirge am Boden oder so ein sanfter.
26:10
Irritationen im Bund. Das war schon die Skulptur. Ähm ist natürlich hervorragend mit dem Boten oder mit der Decke zu arbeiten in in der Halle.
26:19
Wir durften ja äh vielleicht um dieses äh Problem bisschen zu zu illustrieren. Wir durften ja die letzte.
26:28
Ausstellung.
26:30
In der Nationalgalerie machen, bevor sie geschlossen wurde für die für die Restaurierung. Dann wir überlegt, was wir da machen. Dann hat.
26:39
David sagt es, man kann da jetzt keine Retrospektive oder sowas machen, sondern es gab dann die These, man macht eine Ausstellung über.
26:49
Die Säule, sozusagen die Säule, die das Element ist, das die Moderne
26:56
aus dem Vokabular der Architektur entfernt hat. Man kann ja irgendwie sagen mies 4undsechzig Meter freigespannter Raum auf den acht.
27:07
Stützen oder Säulen, ist das ultimative Statement, dass man die vertikale Stütze, die Säule so gut wie nicht mehr braucht in der Architektur und dann gab es die These, dass dass man eben
27:21
Säulen durch die Kunstgeschichte, Architekturgeschichte sammelt und als Gipsabgüsse.
27:31
Dort.
27:33
Zeigt und dann haben wir sehr befürchtet, dass es nicht funktionieren wird, dass einfach diese Abgüsse so sekundär sind gegenüber diesem.
27:42
Sanften souverän, hast du gehört? Äh das ist noch schöner. Ich habe leise souverän gesagt souverän, wenn ich ihn auch schöner. Und dieses
27:52
unglaublich primären Raums, da ist alles also das, was man sieht, ist es und und das hätte meiner Ansicht nach
28:00
nicht funktioniert und ich hatte dann die Idee, ob man nicht statt Säulen Baumstämme da reinstellt und zwar 144, soviel wie Kanaks irgendwie eine hübsche Zahl.
28:12
Die dann so aussehen, als wäre es schon die Baustelle, als wären sie sprießen, auf denen das Dach abgelegt würde.
28:20
Um es restaurieren zu können und dann haben wir eben hundertvierundvierzig Baumstämme da, reingestellt, vom Boden zur Decke.
28:30
Und,
28:32
Den Raum besetzt haben und dann sah dann plötzlich Diagonalmann sah den Raum sehr neute war tatsächlich finde ich aufregend, was da
28:40
passiert ist alles Gute im Baumstämmen war eben, dass die die sind primär. Das sind, was sie sind, das sind Baumstämme, die zwischen Boden und das Dach
28:49
gespannt werden und irgendwie kann man auch sagen, die Geschichte der
28:55
Säule ist zwischen dem Baumstamm und der Stütze
29:00
oder der Säule von Mies, der Kreuzstütze, die außen steht, auch abgehandelt. Und das ist aber, glaube ich, dieses dieses Phänomen, dass der
29:09
Gipsabguss hätte wahrscheinlich das sanfte Souverän von Mies nicht so dass du jetzt so oft sanftes souverän einfließen.
29:20
Jetzt sag mal, aber da sind doch auch noch mehr Stützen. Die Marmorsäulen oder sind das gar keine Stütz
29:27
Nee, die tragen gar nichts. Das sind die Schächte. Da geht also die Frischluftansaugung durch und die Abluft für die Halle passiert. Darüber die Zuluft ist an der Fassade, die Abluft geht. Darüber, die tragen auch nichts. Das sind sozusagen
29:44
Objekthafte Körper in dem na Dinus, Marmor.
29:54
Der übrigens nicht gestürzt und gespiegelt ist wie im, also das ist so ein so ein so ein
30:01
muss das ein onnamentales Muster ergibt wie im Barcelona Pavillon, sondern geschoben. Das heißt, das ist so eine.
30:08
Modernere oder weniger ornamentale Verlegart. Bis hat er ganz eine Riesenkenntnis über Steine
30:17
äh kommt er aus dem Steinmetzbetrieb ursprünglich. Ach, das wusste ich gar nicht. Ja. Sag mal, ich,
30:24
bin ja jetzt architektonisch nicht so ganz verwiss, ne? Aber das Dach. Ist ja ein Stahldach. Und Stahl arbeitet doch. Ja.
30:34
Wenn das jetzt auf mit Säulen mit Stützen fest montiert ist, mhm. Stelle mir vor, dein
30:40
durch die Stützen auseinander. Wie habt ihr das denn gelöst, dass das Stahldach? Wenn ich unbedingt ganz in der Tat ein großes Problem. Das Dach durfte natürlich nicht das Gewicht auf die Säulen ab
30:51
geben, weil da zum Teil ja gar keine Stützen drunter stammen. Also das heißt, das war so weit gemogelt äh oder erwischt.
31:01
Mir wird immer hinterher gesagt. Was kitzelt du aus den Leuten raus? Da freue ich mich, dass ich jetzt einen Moment habe.
31:09
Genau, es ist natürlich nicht eine neue Tragkonstruktion für das Dach gewesen, sondern sondern das hat es
31:16
nur suggeriert die Säulen waren ja auch noch da und haben das Dach getragen. Es hätte sozusagen einen Moment imaginiert.
31:25
Lastübertragung passiert, wenn man die Säulen
31:29
rausnimmt. Die Säulen sind aber auch während der Restaurierung immer in Ceto geblieben und das Dach auch. Sieht man übrigens auf Michael Weselis Bildern, wo nur das, was immer da war, nicht durchscheinend wird, ja.
31:42
Da sieht man auch ganz leicht eine Ziegelmauer im Innern. Ja diese schönen romantischen genau, die wurden ja demontiert, also bis auf das Dach und die
31:55
acht Säulen wurde eigentlich fast alles an Oberflächen demontiert während der.
32:03
Restaurierung aufgearbeitet und kartiert und dann am gleichen Ort wieder wieder eingesetzt. Auch der Granitsockel auch, die Granitplatten, mit denen wir
32:13
Sockel verkleidet ist. Wie ein altes Auto. Ja genau, also waren glaube ich 35000 Einzelteile. Oh Gott. Es musste alles kartiert. Ist auch ein bisschen größer als ein Autos, musste in alles also ein riesiger logistischer Aufwand alles gelagert.
32:32
Haben.
32:33
Außerhalb. Berlins auch, aber das ist ein Prozess, der wiederum dem Geigen restaurierend sehr ähnlich ist. Also wenn sie eine Strativari haben.
32:43
Und die wird restauriert, wird die auch zerlegt in alle ihre Einzelteile, die werden ganz sorgfältig jedes für sich restauriert und dann wieder zusammengebaut.
32:54
Damit sie wieder funktioniert als Instrument und das ist ja finde ich ganz,
33:00
interessant, so funktioniert ja auch die Nationalgalerie, das ist äh nicht nur ein Kunstwerk, das man restauriert wie ein Möbelstück, sondern es muss ja auch wieder funktionieren als Bauwerk, als Museum für eine hervorragende Sammlung, das heißt, es ist
33:16
eher finde ich wie wie ein,
33:18
oder wegen mir wie ein Auto, das dann auch widerfährt, aber es muss gut fahren. Und das ist ja, das ist.
33:28
Dann ja teilweise auch für das zu zu Widersprüchen, also die.
33:35
Schwierigste Widerspruch ist eigentlich diese Glasfassade, die es einfach verglast, äh.
33:45
Hat die Art von Fassade mehrmals gebaut, aber nie in dieser Dimension und die hat von Anfang an nicht funktioniert. Das kam von Anfang an zu Glasbruch. Es gibt so,
33:56
Wärmeausdehnungsphänomene,
34:00
zwar konstruktiv angedacht sind bei Mies, die aber trotzdem nicht funktioniert haben, irgendwie an an den Ecken ist es
34:07
ist es steif, also kann die Ausdehnung der
34:11
durch die Wärme nicht nicht aufnehmen. Das ging dann dadurch, dass das Glas so dünn war, hat sich das einfach irgendwie verbeult, aber es ist trotzdem.
34:21
Und es gibt von den großen Scheiben so gut wie keine originale
34:26
keine einzige Originale Scheibe mehr, die konnte man dann gar nicht mehr herstellen in dieser Breite, das ein Achsmaß von ein Meter zwanzig, die Scheiben gehen über drei Achsen, das heißt die sind drei Meter sechzig breit und etwas über fünf Meter hoch, die
34:44
Höhe ist kein Problem, aber diese Breite wird nicht mehr hergestellt in
34:49
Europa. Es gibt nur zwei Werke in China, die Glasbreiten diese
34:55
Dimensionen herstellen konnten, wo wir dann auch das Glas bezogen haben,
35:00
Aber es gab auch beispielsweise von Anfang an Kondenswasserprobleme, weil es keinen Isolierglas ist, auch die die um diese Stahlfassade ist auch überhaupt nicht
35:10
thermisch getrennt oder so was, das ist hat eben noch diese bestechende Unschuld der,
35:16
Nachkriegsmoderne oder auch der Moderne, das was man sieht, ist es schon, deswegen da kommt auch ganz viel.
35:26
Das ist auch der Grund für die Schönheit oder die Anmut von historischen, modernen Bauten. Darf ich mal eine Zwischenfrage stellen? Kommt das eigentlich daher, weil nach dem Krieg kein Material da war, das einfach,
35:39
besonders findige und ästhetisch geprägte Menschen auf die Idee gekommen sind, wir machen aus dem wenigen, was wir haben.
35:47
Eine wunderschöne Nachkriegsmoderne? Das
35:50
wurde gern genommen, aber es kommt natürlich nicht daher. Es ist eine Erfindung der Moderne, dass man eben durch den Stahlbau äh ist eine eigentlich eine.
36:02
Äh Maxime des Bauhauses, dass man die die
36:05
reduziert und mies kam ja da aus aus einem Amerika, das geboomt hat, wo natürlich alles zur Verfügung stand. Es ist aber interessant zu sehen, das was und das hat man bei der Restaurierung gesehen, das war's unter der Schicht liegt, also,
36:22
Ziegelwände, die sie äh die du vorhin angesprochen hast, da sieht man Nachkriegsdeutschland, die sind ganz ärmlich und ganz sparsam und also.
36:31
Sieht man nichts von Miessouveränität als das ganz erstaunlich wie äh wie der nicht sichtbare Rohbau der Nationalgalerie.
36:42
Vollkommen diesen diesen äh Mangel.
36:46
Der äh Nachkriegsjahre irgendwie wiedergibt. Auch diese.
36:52
Decke unten, die dieses Systemdecke, das war ein ganz moderner äh amerikanische Erfindung, die hat man ja jetzt überall bei uns, aber die gab's nicht in Europa und die die hat man.
37:04
Quasi wie ein Bühnenbild aus Holz gezimmert. Also und es ist eben gar kein System, sondern man hat es,
37:12
nachgebaut. Äh das insofern sah man während der.
37:18
Restaurierung der Nationalgalerie den Mangel an, aber jetzt äh.
37:24
Eben gar nicht, sondern das ist, dass es mies Intuition und mies Form.
37:31
Willen und darin besteht eben die die die Anmut des des Hauses.
37:38
Aber es natürlich ein riesen Problem ein Museum zu haben mit internationalem Leihverkehr und da läuft es Tauwasser an den Fenstern runter. Das ist äh,
37:48
dass es einen nicht aufzulösen, das Dilemma. Wenn man das verbessert hätte, also.
37:57
Einseitig optimiert im Sinne der wenn man eben Häuser jetzt energetisch ähm aufmoppelt, wäre.
38:07
Fassade vollkommen verloren gegangen. Also schon das der Einbau eines.
38:12
Isolierglases hätte dazu geführt, dass die Glashalte leisten. Das ist dann einfach zwei, drei Zentimeter dicker in der Größe, dann hätten die Glashalteleisten das nicht mehr.
38:26
Halten können. Sie hätten weiter rausrücken müssen, wenn man die die Fassaden thermisch trennt als die Pfosten, was eigentlich.
38:35
Der Gesetzgeber, wenn man heute neu baut, äh vorschreibt. Eigentlich ist es auch was, was für Renovierungen vorgeschrieben ist. Dann hätte man niemals diese sparsame Geometrie halten können von von Miesfassade und das äh bei mies ist ja alles äh so aufeinander bezogen und voneinander
38:53
abhängig
38:54
Ist wie so ein Häkelkleid. Da fängt man an so einen Faden zu ziehen und dann ist am Ende ist ist das Haus weg oder verwandelt in seine Kopie oder so. Dem musste man eben glaube ich da muss man
39:07
ganz arg dagegen arbeiten und jetzt ist es so, dass es etwas verbessert ist, die Fassade hm.
39:14
Aber immer noch einfach verglast. Es gibt Tage im Winter, da wird's Tauwasser.
39:20
Geben und das finde ich aber ein unglaubliches baukulturelles Ergebnis, das.
39:28
Die Beteiligten an der Restaurierung. Also er muss sie ums äh Direktor,
39:34
dass die alles hochgradig verantwortliche Person, dass man festgelegt hat, es ist klar, dass die Nationalgalerie von Mies so ein Stellenwert hat als Bauwerk und Baukunstwerk.
39:46
Dass man das nicht verbessern darf. Also jede Verbesserung ist eine Verschlechterung gesamtheitlich betrachtet. Das war eine spannende Ansatz, also man wart die Vergangenheit.
39:59
Indem man die die Zukunft achtsam einbindet.
40:05
In dem Jahr ein Bewusstsein dafür schafft, hier gibt es die und die Herausforderung, es wird vielleicht mal wieder ein beschlagenes Fenster geben. Mhm.
40:16
Wir werden in Zukunft darauf achten, die Werke zu schützen. Doch wir möchten Mieserbe auch schützen?
40:25
Auf jeden Fall, also und wir wollen vor allem äh materiell dehnen, den wir selbst vorgefunden haben. Ja und jetzt unterhalte ich mich ja mit dem Director.
40:38
Und ich könnte mir vorstellen, wenn kreatives Blut in einem fließt, möchte man sich doch auch so ein mini bisschen selber verwirklichen. Wie war denn das? Wenn ich jetzt
40:48
frech wir war der Konflikt für dich. Wie bist du damit umgegangen? Ach das war eigentlich insofern kein Konflikt, weil
40:55
ist erstmal so ein super Gebäude ist und ich natürlich nicht nur die Restaurierung der Nationalgalerie in meinem
41:02
Portfolio habe, sondern irgendwie schon viel entwerfen durfte. Der achtsame Hörer weiß, da war doch was in Marbach. Zum Beispiel, ja oder die
41:11
Simon Galerie wurde gleichzeitig äh gebaut, äh wie die Restaurierung der Nationalgalerie. Das heißt, ich hatte genug Baustellen sehen konnte, wie mein.
41:23
Bleistift Strich Beton wird, also diese Befriedigung gab's äh nebenher, deswegen war das nicht notwendig, sich deswegen einen mies zu vergeben, das da bin ich auch natürlich total froh. Ich fand es eher schwierig, dass es da
41:36
äh so kleine Bereiche gibt, die man
41:40
die man dann doch entwerfen muss. Ja, da ist die Garderoben unter den Shop angesprochen, die sich ja in Räumen befinden.
41:47
Zweite Proräumen, die ursprünglich nicht öffentlich zugänglich waren. Die Garderobe hatte sich im Betrieb ganz weit in die Ausstellungsräume gedrückt und der Shop war in der unteren Halle, da gehören die eigentlich nicht hin und
42:01
mies hatte von für glaube ich fünf Prozent irgendwie von der Besucherzahl irgendwie das Haus ausgelegt ursprünglich.
42:09
Oben diese zwei Minigarderoben und,
42:12
eben um den miesischen Grundriss unten wieder so zu präsentieren, wie er von mies gedacht war, weil es eben notwendig diese Zweinutzungen auszulagern in die Depots. Es gibt dafür ein
42:24
pro Neubau im Sockel unter der.
42:29
Also nicht der gesamte Sockel, den man sieht, ist unterbaut und unter der Haupttreppe, wenn man von der Potsdamer Straße kommt, ist gibt es eben eine
42:37
Pro Erweiterung, die man äh nicht sieht. Deswegen gibt's diese zwei freien Depots und da ist eine Garderobe und einen Shop eingebaut worden. Interessant ist, finde ich, der der Übergang,
42:50
wenn man in der Garderobe einen Shop ist, merkt man das irgendwas. Nicht stimmt, man sieht den Rohbau, ja, den mies sonst nie zeigt, aber das ist eben,
43:00
gut da, also in den Depots war der Rohbau und äh aber es war nicht öffentlich. Und dann ein Einbau, der sehr die miesische äh Handschrift
43:11
trägt, ne, das sind so eine Fälschung als Geigenbauer, kann man gut fälschen. Ähm
43:17
ähm.
43:23
Aber äh interessant ist, wie der Übergang erfolgt. Da gibt's dann natürlich auch eine Öffnung, die bei Miso nicht war und das ist
43:31
so bisschen gleiten. Die Decke geht dann weiter von Mist, dann springt das in die
43:36
Betondecke. Also wenn man das ganz genau analysiert und anschaut, muss man sehr lang davor sitzen, um zu kapieren, was tatsächlich passiert ist. Aber ich glaube, dass das Erlebnis ist so, dass man einerseits versteht.
43:49
Dass es neuer Raum ist, aber man denkt da jetzt nicht über Autorenschaften nach. Ich glaube, man denkt nur drüber nach, A das offensichtlich irgendwie eine Umnutzung oder irgend so was und mies ist davon nicht besonders.
44:04
Also oder der original äh Grundriss ist da dadurch nicht beschädigt oder sowas, aber es geht da sicherlich nicht darum.
44:13
Geht da bestimmt nicht um Selbstverwirklichung. Und jetzt?
44:17
Ich war ja schon in der neuen Nationalgalerie mit einem lieben Freund und wir haben die Diskussion um den Teppich auch mit
44:26
kann man heutzutage noch einen Teppich in eine Galerie legen. Ja um den 60er-jahre Geist aufrechtzuerhalten und das sanfte Gehvergnügen oder Hörvergnügen, wie auch immer zu wahren.
44:40
Sind dann unten durch die ersten Räume gegangen, äh wo die ursprünglichen.
44:49
Baupläne von Mies van der Ruhr gezeigt werden und auf diesen Bauplänen ist nämlich auf dem Boden gar kein Teppich, sondern Fliesen.
44:59
Es gibt die ursprüngliche Skizz
45:02
oder eine du denn beziehungsweise der Freund. Gut, sehr gut, also das ist sehr gut gefunden. Ja, danke schön. Vollkommen. Ja. Ähm.
45:16
Die erste Skizze zeigt auf dem Boden sind keine fließende Granitboden, der weitergeht und zeigt dort ein Raster und eine glatte Decke. Das hat sich im Verlauf der Planung umgedreht. Also jetzt ist der Teppichboden am Boden, der ja keine
45:29
äh kein Raster hat und es gibt diese gerastete, scheinbar Systemdecke. Äh die.
45:39
Das ist aber sehr mies Wille. Es gibt ganz viel Korrespondenz über den Teppich. Das Haus wurde ja in den sechziger Jahren.
45:49
Gebaut unter der Leitung von Dirk Lohan, dem Enkel mhm. Von Mies.
45:57
Der mit 25 irgendwie in einem Büro war und jetzt immer noch lebt, immer ein noch im Büro hat in Chicago und auch uns sehr betreut hat irgendwie zu.
46:07
Fragen, also wie beabsichtigt was war, was irgendwie so und es nicht besonders verwunderlich, dass alles, was man sieht, sehr diskutiert ist und tatsächlich von mies.
46:19
So gewollt wird und es gibt viel Korrespondenz zu dem Teppich. Das war aber natürlich einen der größten Auseinandersetzungen auch.
46:27
Auch mit dem Museum Kittelmann sagte mal.
46:32
Jede Kunst sieht aus wie 60er Jahre. Und natürlich noch schwieriger, wenn dann eine Skulptur auf den Teppichboden stellen möchte, der übrigens,
46:43
so sein sollte, dass es noch unter dem Teppichboden noch so ein zweites Fleece gab, damit wir noch etwas weiter einsinkt. Das war exklusiv, also erstaunlich zu sehen, was an dem Bauwerk über die Zeit.
46:57
Soll ich sagen, klassisch geworden ist und war's sich erweist als.
47:04
Seinerzeit modisch, wozu man den Teppichboden äh zählen könnte. Es war aber dann haben wir doch.
47:14
Entschieden den Teppichboden, eben weil es so sehr zu diesem Raumgefühl, fließenden Raum in dem Sockel, der dann.
47:25
Irgendwann ans Tageslicht kommt zum zu dem Hof, weil es so sehr zu dieser Raumschöpfung gehört, dass man sich da nicht äh.
47:33
Besser nicht drüber hinweg setzt. Es wurde auch dann den der Originalboden wiedergefunden, nachgewoben die Firma gibt's noch.
47:43
Anker. Ähm und.
47:52
Ja, jetzt ist der Teppichboden wieder da. Ich bin gespannt, wie jetzt
47:58
Also wir, Diversen, somit zu Teppichbooten aufgewachsen sind, für uns ist es sehr muffig. Ich kann mir aber vorstellen, dass jetzt eine zukünftige gar nicht mehr so kennt, die keine Kinderzimmer mit Teppichboden hatten.
48:11
Dass die ein anderes Verhältnis dazu.
48:15
Haben und das gar nicht so konnotiert ist und das ist glaube ich auch wichtig, wenn man ein Baudenkmal hat, ähm dass man.
48:24
Eben zukünftigen Generationen gönnt, möglichst am original.
48:31
Neue Fragen aufzuwerfen, die für die jeweilige Zeit wichtig werden.
48:38
So habe ich das noch nie gesehen, ja natürlich. Mhm. Also ich hatte Teppiche in meinem Kinderzimmer. Hm, ja, ich auch. Ohne fließ darunter.
48:51
Und ich bin besonders achtsam. Den Weg entlang geschritten. Ich habe jetzt leider nicht den Vergleich zu den 60er Jahren. Da gab es mich tatsächlich noch nicht.
49:00
Dich ein? Ja, ja, ja, ich bin so alt, wie die Nationalgalerie. Oh. Eine schöne Führung. Genau. So, der Architekt der Renovierung wird nach Alter ausgesucht. Apropos.
49:16
60er Jahre Gefühl oder Vergnügen. Ich habe ein ganz schönes Zitat an der Stelle von Miss van der Ruhe gefunden und damit würde ich gerne unser schönes Gespräch dem Ende entgegenbringen. Und zwar hat er gesagt.
49:30
Oh Gott. Jeder weiß, dass ich ausm Rheinland komme und jetzt kriege ich's wahrscheinlich gar nicht gut formuliert. Es hat ja heißen, jeder sollte nur fünf Minuten sprechen.
49:39
Was da geschwindelt wurde. Weißt du, wann er das gesagt hat?
49:44
Nein. Kenne ich nicht. Was hat er gesagt, als die Dachkonstruktion ähm auf das Dach,
49:52
Gehoben wurde ja nicht äh montiert wurde. Wurde hochgezogen und,
49:57
Ja. Das war das letzte Mal, dass er in in Berlin war, als das Dach aufgestellt wurde. Genau und dann meinte er weiter, möchte ich mich einfach bei den ganzen
50:06
Dören und Dachbauern bedanken. Ich freue mich, dass wir nicht nur fünf Minuten gesprochen haben, dass ich dieses Zitat erst am Ende erwähne, dass hier überhaupt gar nicht geschwindelt wurde. Und ich glaube, was vielleicht für die Hörenden noch spannend ist, dass die neue Nationalgalerie.
50:24
Einzige Baumies van der Ruß in Deutschland. Das ist nicht ganz richtig, dass der ich wollte doch einmal schwindeln, also hol mich ab. Einzige Nachkriegs.
50:34
Bau. Also nachdem man nach Amerika gegangen war und kommte noch einmal zurück nach Europa. Es gibt ja diese erste Phase
50:42
Es gibt in Berlin Weißensee ein kleines Haus aus Backstein ähm und dann gibt's in Babelsberg das erste Haus von Mies Fadenmerohe Haus Riel.
50:53
Es würde man nicht unbedingt denken, dass es ein Haus von mies ist, aber hat es keine Fenster?
51:00
Doch, es hat beispielsweise eine Fledermausgaube
51:06
und es ist sehr noch so Reformarchitektur mies, war ja bei Ehrens und Riel äh ist ein Philosophieprofessor, ging zu Behrens möchte ein Haus haben und
51:20
Beerensack, dann das soll der
51:22
Das nehmen sie hier Ludwig, das ist der junge Mies, der soll das machen und dann sagt aber der der sehr
51:31
Viel zu ungebildet. Der muss zuerst mal nach Italien geschickt werden und bisschen architektonische Bildung kriegen, weil er eben ähm ja humanistischen Philosoph
51:41
philosophischen,
51:42
Bilder Mensch war ähm und hat dann erstmal seinen Architekten äh eine Bildungsreise nach Italien machen lassen. Das finde ich sind doch,
51:51
gute Bauherren. Hat sich auch irgendwie gelohnt. Ein bisschen, genau. Die Geschichte mit den Säulen.
51:59
Eben. Also. Stelle mal vor, wäre in Griechenland gewesen. Viele sollen entweder auch noch.
52:06
Lieber Alexander, es ist so schön gewesen, sich mit dir zu unterhalten. Ich freue mich, dass du dir die Zeit genommen hast und mir einen ganz leicht anderen Eindruck.
52:17
Über die neue Nationalgalerie geschenkt hast. Ja, herzlichen Dank für das gute Gespräch. Seid nicht so einfach. Ähm.
52:26
Darüber zu sprechen. Das hast du gut gemacht vielen Dank.
52:30
Music.
52:38
Ihr habt Fragen, Anmerkungen und Feedback? Dann schreibt mir gerne eine E-Mail an Claudia at Die Leichtigkeit der Kunst Punkt DE. Und wenn ihr mögt, dann freue ich mich sehr über euer Like und eine Bewertung.
52:54
Ihr möchtet weitere Informationen? Dann schaut auf meiner Website unter WWW die Leichtigkeit der Kunst Punkt DE.
53:03
Und nun von Herzen.
53:05
Music.