Die Leichtigkeit der Kunst

Der Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” bringt dir regelmäßig unbefangene Kunstgespräche aus ganz Deutschland. Ich liebe es, die Kunst mit Achtsamkeit und Leichtigkeit zu betrachten und bin immer gespannt auf die Geschichte hinter den Werken. Im Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” schnappe ich mir Experten, die informativ & intim sowie augenzwinkernd & aufschlussreich erklären können. Und zwar genau dort, wo sie am leichtesten zu finden sind: in Museen, Ausstellungen, Galerien, Werkstätten und vielleicht auch mal hinter der Bühne. Dort spreche ich mit meinen Gästen über die Frage der Herkunft, Passion & Leidenschaft sowie über Biografien aller Art. Findet hier eure monatliche Inspiration für eine Begegnung mit Kunst und Kultur.

https://dieleichtigkeitderkunst.de/podcast/

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episode 1860: True Pictures? [transcript]


True Pictures. Wahre Bilder. Das klingt selbstverständlich, oder?
Gleichzeitig ruft es auch einen kleinen Hauch Empörung hervor.

Erwarten wir denn nicht insgeheim von jedem Bild bzw Foto einen Auftrag in puncto Wahrheit zu erfüllen? Und was bedeutet Wahrheit in Bezug auf reproduzierbare, retuschierbare, kompositionierbare und jederzeit erneuerbare Fotografien?

Ein Beispiel. Woran denkt ihr spontan, wenn ihr an Bilder aus Amerika denkt?

Landschaftsfotografien, die zu einem Roadmovie in der Wüste Nevadas passen würden?

Vielleicht denkt ihr auch an Straßenszenen aus der Mitte des New Yorker Lebens oder gar an die schöne heile Welt von Disney und Hollywood. Denkt ihr dabei eher an Bilder der 30er Jahre, wie Lunch atop a skyscraper oder an 90er Bilder der Beauties wie Brad Pitt in der Levis Werbung? Oder sogar an eher aktuelle und politisch aufgeladene Bilder wie die Situationen an der Grenze zu Mexiko? Doch was ist dabei das wahre, das unverfälschte Amerika?

Was ist wahr? Was wollen wir Betrachter als unsere Wahrheit in den Bildern erkennen? Wollen wir ausschließlich die Schönheit eines Bildes genießen, wollen wir der Wahrheit des Fotografen Glauben schenken?  Und wie wichtig ist es eigentlich, den Fotografen hinter dem bekannten Bild zu kennen?

Meine Güte, jetzt habe ich euer Kopfkino wahrscheinlich ganz schön mit meinen Fragen inspiriert. Nutzen wir doch diesen Moment und tauchen tiefer in die Welt der Fotografie und ihrem Wahrheitsgehalt ein. Ich habe da auch schon einen passenden Experten für euch gefunden und nun an meiner Seite sitzen.

Herzlich willkommen Dr. Stefan Gronert, Kurator der Abteilung Fotografie des Sprengel Museums.

 


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 2022-02-25  1h20m
 
 
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Music.
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Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast die Leichtigkeit der Kunst.
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Immer auf der Suche nach spannenden GesprächspartnerInnen.
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Euch und mir die Welt der Kunst entschlüsseln, reise ich quer durch Deutschland. Wenn du die Reisen von die Leichtigkeit der Kunst unterstützen möchtest, dann freue ich mich sehr über deine Kulturpartnerschaft.
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Geht auch ganz einfach. Mit einer goldenen, silbernen oder bronzenen Mitgliedschaft über Steady Haarkuh Punkt com Slash die Leichtigkeit der.
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Oder via PayPal Punkt me Slash Leichtigkeit der Kon.
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Bedanken möchte ich mich von ganzem Herzen bei allen Hörenden, die bereits die ein oder andere Reise unterstützt haben.
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PF, ihr möchtet mehr über die Leichtigkeit der Kunst,
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und mal einen Blick hinter die Kulisse werfen.
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Dann habe ich einen Tipp. Tragt euch in den Newsletter bei Steady.
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Punkt com Slash die Leichtigkeit der Kunst ein.
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Einmal im Monat überrasche ich euch mit ein paar Hintergrundinformationen.
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Und nun wünsche ich euch viel Freude beim Hören der folgenden Episo.
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Music.
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True Pictures.
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Wahre Bilder. Das klingt selbstverständlich oder? Gleichzeitig ruft es auch einen kleinen Hauch Empörung hervor.
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Erwarten wir denn nicht insgeheim von jedem Bild beziehungsweise Foto einen Auftrag in Punkto Wahrheit zu erfüllen
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und was bedeutet Wahrheit in Bezug auf
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reproduzierbare, retouchierbare, kompositionierbare und jederzeit erneuerbare Fotografien. Ein Beispiel.
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Woran denkt ihr spontan, wenn ihr an Bilder aus Amerika denkt? Landschaftsfotografien, die zu einem Road-Movie in der Wüste Nevaras passen würden?
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Oder denkt ihr an Straßenseen aus der Mitte des New Yorker Lebens?
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Oder gar an die schöne, heile Welt von Disney und Hollywood.
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Ihr vielleicht an Bilder der Dreißigerjahre wie
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Lunch at hop asky Scraper oder an 90er Bilder der Beautys wie Bread Pitt in der Werbung.
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Oder denkt ihr sogar an eher aktuelle und politisch aufgeladene Bilder, wie die Situationen an der Grenze zu Mexiko?
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Was ist das Wahre, das unverfälschte Amerika?
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Was ist wahr? Was wollen wir Betrachter als unsere Wahrheit in den Bildern erkennen?
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Wir ausschließlich die Schönheit eines Bildes genießen? Wollen wir der Wahrheit des Fotografen Glauben schenken?
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Wollen wir wissen, an welcher Stelle retuschiert und montiert wurde? Wollen wir wissen, welche Wirkung ein Bild in seinen ursprünglichen Farben hatte.
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Und ich frage mich, wie wichtig ist es eigentlich, den Fotografen hinter dem bekannten Bild zu kennen?
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Oh meine Güte und jetzt habe ich euer Kopfkino wahrscheinlich ganz schön mit meinen Fragen inspiriert,
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Nutzen wir doch diesen Moment und tauchen tiefer in die Welt der amerikanischen Fotografie,
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ihrem Wahrheitsgehalt ein.
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Ich habe da auch schon einen passenden Experten für euch,
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gefunden und nun an meiner Seite sitzen.
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Herzlich willkommen, Doktor Stefan Grunhardt, Kurator der Abteilung Fotografie des Sprengelmuseums in Hannover.
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Lieber Stefan, danke, dass du dich mit mir zum authentischen Austausch über wahre Bilder triffst
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Ganz neugierig bin ich natürlich, wie du zur Fotografie gekommen bist. Bitte stell dich doch einmal vor.
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Ja hallo Claudia, dass ich überhaupt mit dir reden darf. Hui. Über über Wahrheit und Bilder. Eigentlich mehr über Bilder.
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Als über Wahrheit. Aber wenn's doch um Wahrheit geht, dann soll ich mich jetzt vorstellen, hast du gesagt.
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Ja, wo beginne ich da? Nicht bei meiner Geburt, sondern eigentlich vielleicht beim Studium. Ich habe Kunstgeschichte studiert.
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Eigentlich jeder tut, der als Kurator am Museum arbeitet. Habe das begleitet mit Neugemanistik und Pädagogik und Philosophie und bin dann ganz zufällig.
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Ja, wahrscheinlich gibt's den puren Zufall doch nicht. Vielleicht erzwingt man den immer. Bin dann aber durch,
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glückliche Umstände in die Kunstkritik geraten
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Das heißt, ich habe damals meine Doktorarbeit geschrieben und wurde dann als Kunstkritiker entdeckt quasi für die FAZ.
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Konnte also meine Studien
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mitfinanzieren, parallel finanzieren durch FAZ, Artikel und dadurch bin ich ein bisschen bekannter geworden. Das war so Anfang der 90er Jahre und da hat mich dann
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ein Direktor
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angesprochen, ein Museumsdirektor und gesagt, ja, wir schreiben demnächst einen Volontariat aus im bei uns im Museum und wenn Sie Lust haben, dann bewerben Sie sich doch.
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Na ja und es ging damals so, dass meine Dissertation kurz vor Vollendung war. Das heißt, ich
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brauchte eine Perspektive, ich brauchte Geld, ne? Also man muss ja von irgendwas leben. Selbstverständlich und dann,
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hatte ich allerdings überhaupt keine praktischen Erfahrungen. So ich habe nie irgendwelche Führungen oder Praktika in Museen gemacht. Ich war hm.
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Verkopfter Wissenschaftler. So wirkst du überhaupt nicht. Man verändert sich im Laufe der Jahre. Bestimmt 30 Jahre her. Aber ich habe mich dann mal beworben und ähm
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bin dann auch genommen worden und ja, das hat eigentlich,
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viel Spaß gemacht und glücklicherweise wurde nach Ende meines Volontariates
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zwei schlecht bezahlte Jahre, so ist das immer noch heute, wenn man ins Museum gehen will. Man muss das am Anfang,
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machen, dann fliegt man aber in der Regel raus und wird nicht weiter beschäftigt
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aber ich hatte das Glück, gerade wurde eine Stelle frei im Museum und dann hat man mir angeboten, wenn sie Lust haben, können sie hierbleiben und sie kriegen die Stille. Hm.
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Ja, ich wusste auch nicht, was ich besseres machen sollte, weil es war kaum was Besseres zu kriegen. Es war wirklich toll und ja, dann bin ich in der Folge, in diesem Museum über 20 Jahre gewesen, dem Kunstmuseum Bonn.
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Und dann bin ich 2016 nach Hannover gekommen. Wenn du mich fragst, ich glaube, das hast du mich gefragt, wie bist du zur Fotografie gekommen?
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Dann hing das schon mit dem Museum zusammen, weil man im Studium eigentlich.
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Nicht äh sich äh ausgetauscht hat oder eigentlich auch gar keine Angebote kriegte über Fotogeschichte was zu lernen.
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Ich hatte das Glück, dass ich parallel mit einigen Studienfreunden mich mit einem Künstler beschäftigt habe
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Platino, der uns immer eingeladen hat nach Stuttgart in sein Atelier und der war Fotograf Schrägstrich Mahler.
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Schrägstrich Gesamtkünstler. Von daher hatte ich dann schon mal so ein bisschen reingerochen in die Fotografie und gemerkt auch
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wie man ein Foto eigentlich ansehen kann. Nämlich eigentlich genauso wie ein.
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Wie ein anderes gemaltes Bild. Na gut, also die Schwellenangst war dadurch relativ gering gesetzt.
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Und als ich ins Museum kam, setzte sich das fort, weil ich als junger Volontär gleich das Glück hatte, neugierig zuschauen zu können, wie ein Kollege von mir eine Ausstellung von Karl Bloßfeld aufbaute.
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Das hat mich natürlich wahnsinnig angezogen. Ich weiß nicht, du kennst wahrscheinlich Plusfeld-Fotos, diese
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Vergrößerung aus den zwanziger dreißiger Jahren von Pflanzen die wahnsinnig schön dekorativ sind.
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Und die das Auge einfach erfreuen. Und das hat mich fasziniert und ja dann kam die Aufgabe auf mich zu.
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Ja, wir haben jetzt ältere Fotografie ausgestellt. Hast du nicht eine Idee, was man dann Gegenwartsfotografie auch machen kann? Und zu jener Zeit brach gerade so ein richtiger Boom.
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Für Fotografie aus. Es war also so vierundneunzig, fünfundneunzig in dieser Zeit. Rückblickend kann man sagen, es war vor allen Dingen
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die zu Bonn benachbarte Düsseldorfer Fotoschule, die damals richtig boomte mit den heute Riesenstars Andreas Gursky, Thomas Strut, Thomas Ruff, Achselhütte und so weiter und so fort.
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Zu jener Zeit habe ich auch in Düsseldorf gelebt und lernte die Vertreter da auch schnell kennen und kam dann auf die Idee.
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Mach mir doch mal eine Ausstellung mit Straßenfotos von Thomas Struth.
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Das war relativ einfach zu arrangieren und äh machte auch wahnsinnig viel Spaß und dann hatte ich einfach totales Feuer gefangen und habe mich in das Feld richtig eingegraben. Führte zum Schluss dazu, dass ich ein,
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heute relativ populäres Buch über die Düsseldorfer Fotoschule zweitausendneun
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publizieren konnte. Bis heute dann mein Bestverkauftes Buch, auch wenn man davon nicht reich wird, aber es macht schon Spaß zu sehen, dass man dann auch im Ausland auf so ein Buch angesprochen wird.
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Ja und so ging das dann weiter und ich habe kontinuierlich mich mit Fotografie auseinandergesetzt. Hauptsächlich zu jener Zeit, also so um die Zweitausender
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mit zeitgenössischer Fotografie und dann begann aber auch immer das Interesse mal in die Vergangenheit reinzuschnüffeln.
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Ich habe dann sehr viel recherchiert und gemerkt, dass es eigentlich zu jener Zeit immer noch nicht viel Literatur dazu gab
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als wissenschaftliche Literatur, die auch was über die Geschichte der Fotografie erzählte, die ich eben im Studium gar nicht kennengelernt hatte.
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Und ja, das war dann so für mich der Anreiz selber zu recherchieren und das finde ich nach wie vor wahnsinnig toll an meinem Beruf, dass man einfach seiner Neugierde in gewisser Weise auch freien Lauf lassen kann.
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Man kommt sehr schnell dann in Kontakte mit anderen Leuten, die wahnsinnig viel zu erzählen haben und dergleichen.
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Ja und dann,
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wenn man sich so sein Wissen an und merkt, es wissen nicht so viele, so viel über die Sachen wie
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man selbst und dann kam ein Lehrauftrag an Unis nach dem anderen und so und so langsam wuchs sich zum zum Experten für Fotografie, der auch im Auslands,
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nachgefragt wurde. Also ich hab ziemlich viele Vorträge auch in USA gehalten und in der Schweiz und ja zweitausendsechzehn,
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sozusagen aus meinem für dieses Medium dann den neuen Job in Hannover angetreten.
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Und man muss sagen, Hannover war schon zu jener Zeit, also es war schon seit den neunziger Jahren
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ein wirklich wichtiger Ort für Fotografie. Ach tatsächlich? Ja. Warum? Das Sprengelmuseum hat seit seiner Eröffnung neunzehnhundertneunundsiebzig,
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Fotografie ausgestellt und dann seit den 90er Jahren auch einen eigenen Kuratorenposten. Damals von Thomas Weskey besetzt, geschaffen und auch angefangen zu sammeln. Und da gab's noch nicht so viele Museen in Deutschland, die das gemacht haben.
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Und ich hatte damals aber auch schon den Kontakt eben nach Hannover wie gesagt ich war bisschen umtriebig
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und wusste, dass da eine ganz gute Infrastruktur äh vorhanden ist und die Stelle, die ich dann 2016 übernehmen konnte
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war auch nicht die einzige Fotokuraturenstelle. Wir haben also zwei Fotokuratorinnen in Hannover. Mittlerweile haben wir auch zwei Fotorestauratorinnen und wir haben zwei Spezialgekühlte Archive nur für Fotografie.
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Und das ist eigentlich ein Zustand, der in Deutschland einmalig ist.
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Und von daher habe ich mich da gut aufgehoben gefühlt und wir machen so vier bis fünf Ausstellungen im Jahr.
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Zwei Kuratoren und ja, das macht Spaß. Es juckt mich ja in den Fingern zu fragen.
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Fotografierst du eigentlich auch selber? Ja klar, also wer fotografiert heute nicht selber? Na ja, ich meine jetzt nicht Handy hoch und abdrücken,
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Das meinte ich aber. Das machen doch alle und das ist die große Differenz, die du dort schon ansprichst, weil wir reden halt alle über Fotografie, wir reden aber nicht,
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dich hier um, wir wir sitzen hier nicht vor Backsteinmauern, sondern vor bemalten Wänden
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es ist auch Malerei. Keiner würde auf die Idee kommen, die Leute, die das hier weiß gestrichen haben als Künstlerinnen zu bezeichnen. Das ist aber der Fall Fotografie ist so ein wahnsinnig großer Begriff und
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Alle denken jetzt, wow, wie bringt ihr das Kamel durchs Natallöhr, dass es ins Museum kommt? Und da habe ich's mal relativ leicht zu sagen. Ja, ich bin ja schon sehr elitär,
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ich beschäftige mich nämlich nur mit künstlerischer Fotografie und das ist noch nicht mal
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ein Prozent der tatsächlichen Produktion von Fotografie, das ist schon ganz ausgewähltes Feld.
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Und wie du grinst dabei ganz genüsslich. Ja ja, nee, ich provoziere das natürlich, weil ich sage gerne, dass es ein ausgewähltes Feld ist, aber das heißt natürlich nicht, dass es ein besseres Feld ist.
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Ich stelle allerdings nicht die Best-of Urlaubsfotos.
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Des Jahres 200 aus, äh sondern ich würde immer behaupten, ich stelle Kunst aus.
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Und worauf fliegst du wert? So, sagt da nix mehr. Worauf fliegst du wert? Äh beim Fotografie. Mhm.
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Wann ist äh Fotografie Kunst oder wie? Äh gute Frage. Also allgemein würde ich sagen, hm
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Es muss äh mir ein Bild vor Augen führen, dass mich so,
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verstört im Positiven wie im negativen Sinne
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diese Verstörung nicht nur den Augenblick anhält, sondern lange bei mir in Erinnerung bleibt
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Das ist glaube ich ein Kriterium, was ganz entscheidend ist. Und das gilt nicht nur für Fotografie. Das gilt auch für Malerei, das gilt auch für Skulptur. Das gilt für
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alle künstlerischen Bereiche, würde ich behaupten. Hast du ein Beispiel? Ja, es gibt zahlreiche Beispiele. Also,
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wenn ich so mein allgemeines verständliches Beispiel, was jeder kennt, nehmen würde, würde ich an Gerniker.
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Von Picasso denken. Das ist glaube ich ein Bild
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jeder so vor Augen hat, an das sich jeder erinnern kann, wenn man's einmal gesehen hat.
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Ich muss sagen, wenn man mal selbst davor gestanden hat, das habe ich einmal im Leben erlebt, trifft's einen nochmal wie ein Schlag.
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Also das Original ist immer noch mal eine eigene Qualität, das Erlebnis des Originals und das würde ich auch für Fotografie behaupten. Ich erlebe es immer wieder,
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dass mich das Original, obwohl ich denke, ich kenne es von Reproduktionen so gut, dass mich nix mehr überraschen kann,
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Ich mache die Kiste auf und dann sehe ich ja das, was ich schon kenne. Pustekuchen. In den besten Fällen,
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haut's dir nochmal die Schuhe aus. Woran liegt's an der besonderen Farbe, an der Größe? Jeff Wall beispielsweise? Ja, an vielen Dingen.
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Aber die, die du genannt hast, zählen sicher dazu und das ist jedes Mal was anderes. Diese physische Präsenz, also die die Materalität, die Objekt
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Qualität, die ist in Wirklichkeit eine andere Erfahrung als wenn ich die gedruckt auf einen kleinen
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Papier habe und es wie du sagst, die Farben sind anders, meistens die Rahmung kommt hinzu,
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Rahmen hast du nie in irgendeiner Reproduktion und dann.
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Merkst du auf einmal, wie viel so ein Rahmen auf einmal ausmacht? Ist das jetzt ein kleiner
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schmaler zurückgenommener Raben oder ist das ein massiver schwarzer Holzrahmen?
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Glas davor und
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wie schwer oder wie grazil ist dann das Werk und ich muss zugestehen, diese Ausstellung ist ja quasi während der Pandemie, während des Lockdowns
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entstanden in seiner Vorbereitungszeit, in seiner intensiven Vorbereitungszeit. Von daher, das war die erste Ausstellung, die ich je gemacht habe.
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Ohne irgendeinen Atelierbesuch. Das ist eigentlich ein Unding. Also ich kann mir manchmal vor wie jemand, der ausm
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Warenhauskatalog, irgendwelche Sachen ankreuzt und bestellt und dann kommt Amazon und bringt's vorbei und dann pack ich's aus. Aber es es war wirklich fast so und da stehen dann immer die Größenangaben daneben.
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Ich weiß nicht, wie's dir geht, aber ich lese die dann ja auch und versuch's mir auch manchmal vorzustellen und wenn ich so eine
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Hängung aufm Plan oder so konstruiere
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Ja dann läuft das auch so, dass ich das berücksichtige, die Größe, aber irgendwie stelle ich's mir dann doch anders vor, von der Größe, weil die Reproduktion ist ja doch,
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unglaublich gleich machend. Du siehst vor dir eine Reihe von Bildern.
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Ob die jetzt zwei Meter fünf groß ist oder fünfundzwanzig Zentimeter.
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Das lieste da so. Aber wenn du das Bild dann vor dir hast und du merkst das ist überlebensgroß und es zieht dich ganz anders rein als so ein kleines,
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so ein intimes Format, dem du dich erstmal physisch nähern musst, um dich dann reinzuversenken. Das ist ein ganz anderes äh Betrachterinnenverhältnis und
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das kann ich mir dann doch nicht vorstellen. Ja und man wird ja auch noch auf ganz andere Details aufmerksam. Dein Blick wird ganz anders gelenkt. Ja, da bin ich ganz bei dir.
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Also du sagst es jetzt Details, also ich ähm.
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Ziemlich guter Kenner würde ich mal behaupten des Werkes von Jeff Wall und wir haben ein Bild in der Ausstellung, das heißt Monolog, ist von zweitausendzehndrei
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Das hatte ich sogar auch schon mal im Original gesehen auf einer Ausstellung in Amsterdam und ich habe die ganze Zeit nicht drauf geachtet, dass einer dieser drei Männer
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Es ist ein drei Männer abgebildet im Gespräch, dass einer der drei Männer sitzend auf seinem Knie.
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Ein gefülltes Wasserglas äh stehen hat. Und als ich das gemerkt habe, habe ich gedacht, Bumm.
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Wieso steht das Glas da? Was ist, wenn das auf einmal runterfällt und dann war das auch noch genau auf dem Knie von der Person, die gerade
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Gestik zeigte es, ansonsten das Bild ist stumm, dass er spricht und das heißt, wenn er jetzt meinetwegen in einem bestimmten Zustand der Erregung kommt und,
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Du siehst es ja an mir, wenn ich rede, dann bewege ich mich auch automatisch, dann fällt das Glas runter und diese,
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Form der kleinen Dramatik,
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dich vorher gar nicht wahrgenommen und dann sehe ich das Bild vor mir und dann boah,
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Das ist ein Ding. Oh, das hätte ich total gerne mit dir gemeinsam erlebt. Soll ich dir sagen, warum? Jetzt bin ich ja ganz viel mit meiner Sprache, mit meiner Stimme unterwegs.
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Und ich habe quasi ein magnetischen Blick für Wassergläser. Das ist so lustig und du sagtest eben als erstes, das Bild heißt The Monologe.
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Und mein Gedanke war, hoffentlich hatte der Mann was zu trinken.
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Wie schön, dass du ausgerechnet jetzt, wo wir dieses Wasserglas zu sprechen kommen. Was für unterschiedliche Arten man hat an ein Bild heranzugehen auf jeden Fall, ja.
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Fällt dir das immer wieder in deiner Arbeit auf?
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Oder auch die bewusste Auseinandersetzung, wie es bei dem Betrachter ankommt. Ja und das ist äh die große Freude, die dann Führungen machen.
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Also wenn ich gerade darüber sprach, wie die Ausstellung entstanden ist, weitgehend im Homeoffice am Schreibtisch im Austausch mit meinem Assistenten da spricht man dann vielfach über organisatorische Dinge und
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Die Inhalte kommen dann manchmal nicht so an erster Stelle. Aber bei Führung, wenn so eine Ausstellung eröffnet ist.
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Ist sie ja bis zu einem gewissen Grad für so einen Kurator vorbei, aber eigentlich fängt sie auch grade erst an.
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Dieser Austausch bei Führungen mit dem Publikum, dass es das, was mich immer wieder fasziniert.
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Du stößt eben auf so unterschiedliche Sichtweisen die du dir selbst gar nicht imaginieren konntest.
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Anderes Beispiel, das war so toll für mich bei der zweiten Führung, die ich durch die Ausstellung gemacht habe. Es gibt ein
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eben auch von Jeff Wall Parow Interiors heißt das. 2018 entstanden ganz neues Bild.
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Also das konnte keiner so richtig kennen und dann dann gucken die Leute ja richtig. Dann sind sie neugierig und das ist also ein das ist eine ähnliche, räumliche Situation zeigt in einem
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Sagt mal Burg Waren, Wohnzimmer
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mit einem Paar mittleren Alters würde ich sagen, die auch sehr hm bürgerlich spießig gekleidet sind und bei dem einen Teil des Diptychons
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der Mann zu sehen, wie er auf die Frau einspricht und bei dem anderen sind sie,
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nicht mehr in einem kommunikativen Zusammenhang. Sie gucken
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Sie ignorieren einander und so jetzt mal ganz grob so beschrieben, was sich jeder darunter vorstellt, ist eine andere Frage. Aber man kann das relativ schnell auch im Internet finden.
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Jedenfalls wir näherten uns dem Bild und dann na so ein älterer Herr, der zu mir sagte, guckte auf das Bild und meinte, na ja
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So was kennt man ja von zu Hause. Ich wusste gar nicht, wie ich reagieren sollte. Was ob mit Mitleid oder mit schallendem Lachen, aber ähm immer wenn ich jetzt mit Gruppen.
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Dem Bild bin, erzähle ich davon. Das ist doch wohl offensichtlich sehr viel mit äh ja mit menschlichen Beziehungen äh zu tun hat.
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Ähm vielen Leuten in ihrer Struktur zumindest bekannt sind, auch wenn sie die die Personen auf dem Bild gar nicht kennen, aber sie sehen, da ist so eine Spannung
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psychische Spannung, die sich da auftut zwischen diesen beiden Personen, die man vielleicht selbst auch irgendwo her kennt
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Ach Quatsch. Punkt, Punkt, Punkt. Meinst du, dass es vielen Menschen leichter fällt Fotografien?
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Besser zu verstehen als Malerei? Hm, ja, das glaube ich schon.
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Glaube aber auch, dass es häufig in die Irre führt. Hm, wie meinst du? Ich glaube, dass dadurch, dass man sehr viel mit Fotografien konfrontiert ist in seinem ganzen Leben
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dass man zu schnell denkt, man würde die Bildaussage verstehen.
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Und ich glaube wirklich künstlerisch wertvolle äh Fotos brauchen genauso wie Malerei ihre Zeit.
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Also die Aufmerksamkeit, die wir sonst fotografischen Bildern, die unseren
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Alltag prägen, also durch die sozialen Medien, wenn ich gar nicht mal von Tageszeitungen oder so reden will, sondern das, was uns den ganzen Tag über berieselt,
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die Aufmerksamkeitszeit dafür ist relativ kurz, sonst würden wir ja auch alle verrückt werden. So viele Bilder, ich meine du brauchst nur dein deinen Computer aufzuschalten, schon hast du auf der ersten Seite von irgendwas
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du gleich vier, fünf Bilder und das kannst du gar nicht alles wahrnehmen und du kannst es dir vor allen Dingen auch gar nicht mehr merken. Ich weiß zum Beispiel nicht mehr, was gestern für ein Bild auf der ersten Seite der Süddeutschen oder der Fazwa kann ich nicht mehr erinnern.
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Muss sich ja auch vergessen, sonst werde ich kirre. Bei wirklich guten Kunstwerken ist es anders. Also äh die bleiben,
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in Erinnerung und zwar weil sie bestimmte Fragen stellen, die für uns.
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Sag's jetzt mal dramatisch, so einen existenziellen Wert haben, dass sie uns in irgendeiner Art und Weise berühren.
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Das Beispiel, was ich gerade von dem älteren Mann erzählte.
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Der eben auch so eine Erfahrung schon mal irgendwie gemacht hat, das ist glaube ich ein ganz guter äh Hinweis darauf. Wir haben dann hinterher noch länger über dieses Bild gesprochen und ich glaube oder ich hoffe
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Ich habe ihn nicht wirklich gefragt, muss ich zugeben, dass sich seine Wahrnehmung dann doch noch ein bisschen differenziert hat.
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Aber ich glaube es ist ganz wichtig, dass man den Bildern im Museum dann auch einen größeren Zeitraum widmet.
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Sonst kommt man nicht wirklich dran. Wahrnehmung kommt ja irgendwie auch von Wahrheit oder? Im besten Fall ja. Wobei wir natürlich nicht wissen,
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Was Wahrheit ist? Ja.
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Das wird jetzt sehr für das so. Ha ha. Aber du hast Philosophie studiert. Darüber freue ich mich ja besonders. Ich wollte auch mal eine Zeit lang hatte ich während des Studiums überlegt, ob ich nicht.
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In Philosophie meine Promotion machen, bin aber davon abgekommen, ohne dass ich das damals so sprachlich legitimieren konnte, wie ich das heute mir zurechtgelegt habe. Ich bin davon abgekommen, weil ich doch immer ein
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gegenüber ein Objekt äh brauchte, über das ich reden konnte und das ist es glaube ich, diese,
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Materialien, diese Gegenständlichkeit von Kunst ist was anderes als in der Philosophie der abstrakte Gedanke.
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Will das gar nicht gegeneinander ausspielen aber für mich war das etwas was mich stärker angezogen hat. Mich interessiert nach wie vor noch philosophische Gedanken aber.
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Kann sie eigentlich,
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nur für mich als interessant bezeichnen, wenn sie aus der Erfahrung mit einem Objekt kommen und das Objekt ist dann für mich ein Kunstwerk.
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Dann versuche ich das jetzt mal zu kombinieren und eine Brücke zu schlagen. Mhm. Wahre Bilder. Das ist doch eine eine schöne Brücke zwischen Philosophie und Kunst.
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Ja, das hat natürlich schon einen Hintergrund der der hat was mit meiner Biografie zu tun. Welchen?
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Ja.
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Der Umstand, dass ich nach Hannover gekommen bin, die meine Stelle wurde damals eingerichtet vor dem Hintergrund, dass wir eine große Dauerleihgabe aus mehr oder weniger öffentlichen Sammlung bekamen.
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Und das ist die niedersächsische Sparkassenstiftung, die seit etwa 20 Jahren Fotografie sammelt, auch in großem Umfang, muss man sagen
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Und als die Sammlung dann zwei Monate nachdem ich ins Haus gekommen war, auch rein physisch in unser Depot überführt wurde.
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Hatte ich dann das erste Mal die Sammlung auch vor Augen.
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Hatte natürlich die ganzen Listen und so, die alle nicht veröffentlicht waren. Vorher gesehen und habe dann eben auch die Bilder gesehen und dann habe ich die
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ganzen den ganzen Umfang so ein bisschen für mich analysiert und
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mir fiel auf, dass es sehr viele amerikanische Positionen darin gab. Der 50er, Sechziger und 70erjahre.
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Und wie ich vorhin schon sagte, mich hat immer auch die Gegenwart Fotografie extrem interessiert. Und ich dachte dann eigentlich, ja warum haben die aufgehört mit den 70er-jahren? Warum haben die nicht weitergemacht?
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Das war ein Grund, warum ich die Frage nach der Gegenwart gestellt habe und True Pictures beginnt
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bezeichnender Weise in der Zeit um 1980 bis 2021, das ist die jüngste Arbeit, die wir in der Ausstellung haben. Hinzu kam die Beobachtung,
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sind ja nur Männer, die da in der Sammlung sind
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und na ja im Laufe der Zeit des Denken hat sich natürlich auch gewandelt. Wir haben bestimmte Sachen früher auch nicht so wahrgenommen, aber heute
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ist es ganz essentiell auch Fragen von Identität zu berücksichtigen und es war zum Beispiel auch eine Sammlung nur von weißen Künstler äh Künstlern.
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Und das hat mich so provoziert. Da habe ich gedacht, nee, also da musste jetzt wirklich noch mal weitermachen.
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Du musst schauen, äh wie hat es sich weiter entwickelt? Historisch bis in die Gegenwart und wie sind diese ganzen politischen Umbrüche, wie reflektierten sie sich in der zeitgenössischen Fotografie? Und das war dann so der
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Auslöser da weiterzufragen und ich habe dann geforscht habe
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immer weiter recherchiert, habe den Austausch mit Kolleginnen in den USA auch gesucht und langsam kam dann auch die Erkenntnis,
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dass USA auch zu eng war, denn ich merkte, ich selbst war auch sehr
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lange schon mit kanadischer Fotografie beschäftigt, dass die Kanadier eigentlich in dem ähnlichen Kulturraum von USA.
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Eigentlich aber nicht berücksichtigt werden bei Ausstellungen und dann habe ich gesagt, ja also Kanada muss hinzukommen.
30:00
Na ja und dann habe ich auch bei der Recherche gemerkt, dass das eben auch so ein Phänomen war, was sich um 1980 ereignet hat. Mitte der 80er Jahre kam kanadische Fotografie.
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Den Begriff von kanadischer Kunst, das kann man über Archivstudien auch leicht nachweisen, den hatten wir damals noch gar nicht hier in Europa.
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Gab keine Ausstellung über kanadische Kunst. Wir hatten immer Ausstellungen über,
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amerikanische Kunst. Amerika war so das leuchtende Vorbild. Das brach natürlich auch mit dem Zerfall der Mauer. Wenig später. Diese Leuchtbildfunktion, diese Vorbildlichkeit, die brach zusammen
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und die kanadische Kunst wurde extrem stark in Europa zur Kenntnis genommen, also größtes Vorbild war da Jeff Warl, der
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sehr erfolgreich in Deutschland Niederlande und der Schweiz war und dann kamen auch einige andere Künstlerinnen oder nee, hier kann ich brauche ich das Genderneutrale gar nicht zu sagen. Es waren nur Künstler.
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Kanadische Künstler, vor allen Dingen aus Vancouver, die wurden auch zu uns hier exportiert. Die waren allerdings
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in ihrer eigenen Heimat noch gar keine großen Stars. In Europa wurden sie sie dann wirklich Stars und dann wurden sie dann quasi reimportiert nach Kanada und USA und sind dann auch zu großen Stars geworden. Und.
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Dieser Horizont empfiehl halt auch und ich habe gesagt, ja das müssen wir auch alles dazu
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und ja so ist es so über die Jahre entstanden und zufälligerweise zeitgleich mit Beginn des Lockdowns. Wir hatten gerade im,
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eine Zeit wo
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in eine Brandschutzsanierung begann ähm das heißt ich hatte konkret auch kein anderes Ausstellungsprojekt vor Augen für ein dreiviertel Jahr, Luxusluxus, sonst mache ich zwei bis 3 Ausstellungen in einem Jahr.
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Hatte ich dann auch Zeit, um wirklich in die Tiefe zu gehen und einige Leute haben mich auch schon gefragt, also vor allen Dingen
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in letzter Zeit sehr viel Kontakt,
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Studierenden von Hochschulen, von Kunsthochschulen und die fragen dann auch immer, ja wie sind sie jetzt auf diese Positionen gekommen und letztendlich Faktum, es sind 36 Positionen.
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Ich und mein Assistent ausgewählt haben und wir würden behaupten, dass das Positionen sind, die bestimmte,
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thematische Schwerpunkte, die einfach im gängigen Diskurs der Kunst eine Rolle spielen, auch abdecken.
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Um 1980 ereignete sich der Wandel vom vorher
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Kleinformatigen Schwarz-Weiß-Foto schön gerahmt mit Passepartout zum riesigen Format.
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Es gibt nach wie vor auch kleinformatige Bilder. Aber die Fotografie ist in dieser Zeit um neunzehnhundertachtzig wirklich.
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Aufgestanden und ist eine Konkurrenz zur.
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Zeitgenössischen Malerei eingegangen. Das heißt, man musste sich auch in den Formaten als competitive erweisen. Sag mal, ist das ähm darauf zurückzuführen?
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Dass die Fotografie immer damit zu kämpfen hat, ist es denn jetzt Kunst, ist es doch reproduzierbar, warum darf es in ein in ein Museum.
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Es ist doch eigentlich nur in Anführungszeichen eine Chronik der Zeit.
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Ist das der Aufschrei gewesen, so jetzt werden wir ganz groß, damit wir als Kunstwerk wahrgenommen werden.
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Das spielt sich ganz groß. Das spielt sicherlich eine eine wichtige Rolle, ja.
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Also das das Anwachsen des Formates und auch es spielen auch andere Formen eine Rolle. Also es äh
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Fotografie tritt auch als Wandtapete zum Beispiel auf oder der Rahmen bekommt auf einmal eine Farbigkeit oder wir haben eine 120teilige Arbeit, die auf den ersten Blick wie so eine
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Folge von schmalen Stählen, schmalen,
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Streifen wie eine Minimalart Skulptur. Es gibt da mittlerweile so wahnsinnig viele unterschiedliche Formen und das hat
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hat's sicherlich damit zu tun, dass die Fotografie ein neues Selbstbewusstsein artikuliert hat und das trat das erste Mal 1980 auf und
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Ja und danach hat sich unheimlich viel entwickelt und wenn wir heute vor einige Bilder und ich nenne sie jetzt mal Bilder gehen würden,
34:37
und ich würde dir sagen, das ist eine Fotografie, dann würdest du's sagen.
34:42
Das kann aber auch das kann eine Installation sein oder so und äh also das ist schon auch toll, wie ein Sicht
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das Medium so geöffnet hat, dass es an manchen Rändern seine Abgrenzung zu anderen Formen der Kunst auch verloren hat.
35:01
Und zwar im positiven Sinne. Und wem ist das zu verdanken? Lässt sich das auf ein paar
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Künstler und Innen zurückführen? Äh nee, das würde ich jetzt nicht sagen. Also es gibt sicherlich einige Pioniere, die bestimmte Entwicklungen vorangetrieben haben.
35:16
Wir haben die Ausstellung in Generationen deswegen auch unterteilt. Also man muss sich vorstellen, wir decken jetzt quasi 40 Jahre ab.
35:27
Und jemand wie Jeff Wall oder Ean Wallace die sind Jahrgang 1943 oder 1946.
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Die haben natürlich ganz andere Ansätze als Martin Gutierrez, die es Jahrgang 89 oder McMaster Jahrgang 1988 die sind natürlich auch schon in ganz anderen Lebenskulturen groß geworden.
35:50
Ganz anderen Erfahrungshorizont. Die Jüngeren
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haben einfach den Vorteil, sie können sich auf etwas stürzen, für das die Älteren quasi gekämpft haben. Die mussten sich erstmal ihren Freiraum erkämpfen, die Älteren.
36:06
Und da spielen eine ganze Reihe Leute eine große Rolle. Also ich nenne mal wichtige Leute der ersten Generation wie wir sie zeichnen. Es sind zum Beispiel Cindy Sherman.
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Richard Prince, Louis Lawler, dann gibt es, wie man vielleicht auch kennt, Golden.
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Auch Finne Grenz bestimmte Art von Fotografie steht und sich zum Beispiel in der Zeit der Aids-Krise, in den 80er Jahren einen Namen gemacht hat. Dann gibt es jemanden wie Carry May Wheels, die man jetzt in Europa
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noch gar nicht so gut kennt, aber die für Amerika eine ganz große Rolle spielt, weil sie eine so der Begründerinnen einer
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afroamerikanischen Position ist, die in den letzten Jahren wahnsinnig viel Bedeutung gewonnen hat in den USA und auch in Kanada. Sag mal nen goldenen, das ist doch die.
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Die Ballade der sexuellen äh pendeln sich. Die pendeln sie erschaffen hat. Magst du das mal erklären?
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Schwierig. Macht denn ich ich bin gehemmt, wenn ich nicht vor den Bildern stehe. Und jetzt auch nur rein mit Sprache äh das zu vermitteln versuche.
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Na ja, sie hat eben in den achtziger Jahren begonnen in ihrem Lebensumfeld, das sehr stark durch.
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Freie Sexualität, auch ungebunden an feste Partnerschaften.
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Auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber auch durch die Bedrohung, durch die Aids-Krise sehr geprägt war. Und da hat's natürlich auch sehr viele Verluste gegeben, um das mal so auszudrücken. Also viele Leute sind
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gestorben. Später ist sie dann auch noch Tabletten abhängig geworden. Und das hat sie alles in einer dokumentarischen Art und Weise aufgenommen.
38:07
Das muss wohl in den achtziger Jahren, ich war damals auch noch zu jung dafür, ziemlich wie eine Bombe eingeschlagen haben. Vor allen Dingen vor dem Hintergrund
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dass eben die äh Fotografie zu jener Zeit eben noch ein bisschen durch dieses Schwarz-Weiß-Tradition und sehr formulistisch, sehr ästhetizistische Sichtweisen, Wildsagen.
38:30
Einfach schöne Formen und so geprägt war und sie hat einfach nicht sehr
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Delikate, ja, Aufnahmen aus ihrer Szene. Teilweise in Schnappschuss Ästhetik vor Augen geführt und das waren dann schon auch Schocks. Und die ist teilweise auch in.
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Wie heißt diese Maschine noch, die die wir heute nicht mehr kennen in dieser Projektion äh vorgeführt wurden.
39:00
Diese Maschine noch. Ja also meine Kinder kennen so was nicht mehr. Nein, auch du musst mal an Diaabend mit deinen Kindern machen. Die werden doch kein Projekt aus.
39:11
Da komme ich auch dran und ich bin mir sicher, dass du auch an das ein oder andere Tier kommen wirst. Ja, aber nicht aus meinem eigenen Zusammenhang. Frag mal deine Eltern.
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Äh die haben also, sofern sie überhaupt noch leben, die diese Sachen entsorgt.
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Ja, aber zurück zu der Dia-Projektion. Das wurde dann auch teilweise eine schnelle Abfolge gezeigt und da ist eben eine ganz neue Form war, sich seiner Gegenwart zu nähern in bildlicher
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vermeintlich authentischer Art und Weise war das ein Schock
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Also muss es so gewesen sein in den achtziger Jahren und sie ist dann eine Zeit lang auch so ein bisschen verschwunden.
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Der Aufmerksamkeit, hat aber so in den letzten Jahren mal wieder so eine Renaissance eigentlich erlebt und heute ist sie wird sich schon wie eine
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große, alte Dame. Wenn sie jetzt hier wäre, wäre das empörend für sie gesehen. Also sie ist schon ein Teil der Kunstgeschichte geworden mittlerweile. Wodurch hat sie das jetzt in den letzten Jahren geschafft? Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass wir insgesamt
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so ein Zug zum Revival haben. Also es wird versucht bestimmte Jahrzehnte wieder zu rekapitulieren,
40:18
Also das macht man so in der Ausstellungswelt, dass man sich dann irgendwann mal systematisch die Achtziger vornimmt oder die Neunziger oder so oder,
40:28
so vor ein paar Jahrzehnten waren das dann so die sechziger Jahre, was war da und so? Weil sich viele dann wieder an ihre Jugend erinnert fühlen.
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Und zum anderen hat sie eine große Auseinandersetzung mit einem Tablettenproduzenten in USA gehabt oder hatte ihnen noch
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medial sehr viel Aufmerksamkeit erzeugt hat, also wo sie geklagt hat, weil sie selbst abhängig geworden ist und sie hat das alles auch sehr stark nach außen.
40:54
Kommuniziert und damit hat sie natürlich auch ein in Form eines politischen Aktivismus hat sie eine sehr große Resonanz auch erhalten.
41:04
Und das Erlaubte dann auch mal wieder,
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zu schauen, na was macht denn die jetzt eigentlich so? Cindy Sherman, hast du auch angesprochen, finde ich ja auch spannend. Ich denke direkt an
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Portraits und finde die ja in erster Linie schön. Ja? Okay.
41:20
Macht ja nichts. Ich habe ja nichts gegen schöne Bilder. Aber ich glaube, bevor ich mich um Kopf und Kragen rede, um Cindy Sherman zu beschreiben, magst du ein bisschen was zu ihr sagen?
41:32
Wir stehen jetzt auch nicht vor einem Bild von ihr. Du musst da jetzt durch. Es fällt mir ehrlich gesagt leichter da die effektive Bindung zu sehen. Die Germans Werk bei mir höher ist als bei Nenn Goldin. Jetzt Cindy Sherman ist eigentlich so bekannt geworden durch ihren ersten
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berühmt gewordenen Reihe die Anteil Wild-Filmstils. Da hat sie sich angeregt durch
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Bi oder C-Movies, wie man das so so schön nennt, also Filme, die jetzt nicht unbedingt der ersten Kategorie entsprechen.
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Sondern eher schnell und billig produziert werden für den Markt. Angeregt durch äh solche Filme hat sie sich selbst inszeniert, das heißt sie hat sich,
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kleidet in bestimmten Frauenrollen und im Bild gezeigt. Diese Filmstils
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kennen wir ja auch schon von Kinos. Heute werden ja Filme immer noch durch Filmstils angekündigt und.
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Tolle an ihr in dieser Zeit,
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auch, dass man die immer in mehreren Folgen sieht. Also man sieht, sagen wir mal, fünf Filmstils oder zehn Filmstils und da es immer sie ist,
42:38
zu sehen ist
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Es ist faszinierend zu sehen, wie wandlungsfähig. Gedacht. Ja, das ist eine Form von Chamäleon. Und äh sie hat angefangen mit diesen Filmstils äh siebenundsiebzig.
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Schon ein paar Tage her. Heute verfolgt sie ihren Grundansatz nach wie vor. Sie ist immer in irgendwelchen Darstellungen zu sehen, für die sie sich wahnsinnig inszeniert,
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kleidet, auf Deutsch gesagt und wir haben immer das Gefühl, irgendwo
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könnte das was mit irgendeinem Film zu tun haben, den wir aber nicht kennen oder was was ist das hier für so eine Figur?
43:20
Man muss sich auch vorstellen, bis neunzehnhundertsechsundsiebzig
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das ist sicherlich wahnsinnig schwer, sich das vorzustellen. Es gelingt mir selbst eigentlich kaum. War Farbe überhaupt nicht akzeptiert.
43:33
In der künstlerischen Fotografie.
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In der Alltagsfotografie sehr wohl, aber Farbfotografie hat man hauptsächlich es fing gerade so an im Amateurbereich. Ich,
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kann mich entzünden. Ich habe Ende der 70er Jahre auch,
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Urlaubsfotos in Farbe gemacht. Vorher war das auch alles schwarz weiß. Es war aber hauptsächlich im Bereich der Werbung und in Magazinen.
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Angesiedelt und die Werbung ist ja der Todfeind.
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In der bildenden Kunst. Es gibt immer Gegenbeispiele. Andy Warhol ist klar. Mir lag das auf der Zunge.
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Ich bin auf vieles vorbereitet. Mist. Und deswegen hat man eigentlich die Farbe lange Jahre rausgehalten und das äh schwarz-weiß galt als Edel.
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Und wollte sich ja auch von der Malerei, die hier eben nicht schwarz-weiß ist, abgrenzen.
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So diese Etepetete-Haltung wurde dann 76, es gibt zwei Ausstellungen, an denen man das äh nachvollziehen kann, wurde dann aufgegeben.
44:35
Unter großem Getöse, es hat viele, viele böse Stimmen zu diesem Umbruch gegeben, aber er war nicht mehr aufzuhalten.
44:43
Na gut, ich komme auf Cindy Sherman zurück, um zu sagen, sie hat die unthatle Filmstils, die frühen in schwarz-weiß gemacht. Aber heute
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und auch, das hat schon Mitte der achtziger Jahre äh begonnen und heute setzt sich das in einer wahnsinnig
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krassen Farbigkeit vor. Cindy Sherman selbst begegnet dir eigentlich in
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Übergröße und die haben auch noch eine wahnsinnig starke Leuchtkraft.
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Diese Leuchtkraft kommt durch eine ganz neue Technik, die unsere Fotorestauratorin bis dahin auch nicht kannten, ist ein sogenannter Thermosuplimationsdruck.
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Ist jetzt egal. Wir brauchen's nicht. Vor ihm. Ja, nee, nee, das stimmt überhaupt nicht. Hat Spaß.
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Das muss ich ja immer erzählen können. Man muss ja nicht viel merken bei äh bei Führungen und da darf man dann nicht verschämt auf den Zettel neben dem Bild schauen, sondern die wenigen Sachen, die muss man im Kopf haben. Und dieser Thermosupplimationsdruck ist dadurch gekennzeichnet, dass eine wahnsinnig starke
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Leuchtkraft hat, weil das Pigment, das Farbpigment wird direkt auf so eine Aluminiumoberfläche gespritzt, also,
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Fotografie ist ja heute nicht mehr so ein klassischer Abzug von einem Negativ auf ein lichtempfindliches Fotopapier projiziert wird. Das ist ja schon längst technisch ad acta gelegt.
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Aber diese neue Form sorgt für eine wahnsinnige Farbintensität und bei den Führungen merke ich das immer und das ging mir natürlich beim Auspack.
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Aus der Kiste auch so, wieder so ein Beispiel für das, was ich vorhin schon sagte, die Reproduktion kann das überhaupt nicht leisten. Wenn du vor dem Original stehst.
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Haut's dich um. Also es ist wirklich doll. Brauchst noch gar nicht so richtig.
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Gesehen haben, was da auf dem Bild ist, aber das Bild haut dich einfach um. Und da ist dann Cindy Sherman vor einem mittelmeerähnlichen Hintergrund, im Stile einer alten Dame.
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Aber sehr elegant zu sehen
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Und man fragt sich die ganze Zeit, wo ist die? Was ist das? Äh findige Stimmen sagen dir dann, sie spielt eine Filmdiva zur Zeiten der Stummfilmzeit nach.
46:55
Na ja ob das stimmt oder nicht, sei mal dahingestellt und dann gibt es immer einen Punkt, auf die ich die Besucherinnen aufmerksam mache.
47:04
Ich sage, das ist nach wie vor Cindy Sherman, das ist über 40 Jahre später als die frühen Bilder und die hat sich so toll geschminkt,
47:13
Aber schauen Sie ihre Hände an. Kann man's ablesen. Und die sind natürlich auch aufm Bild. Gemein. Ich habe das auch mal gehört, dass was mich ab
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sollte man die Hände eher unter dem Tisch halten
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Ja. Deswegen mache ich das. Warte mal, ich bin unter sechzig. Ja, ich bin auch unter 60, aber viel fehlt nicht mehr. Ist ja Gott sei Dank ein Podcast da gut und keiner auf die Hände. Und wir machen nachher ein Foto und da wird uns
47:39
Selfie. Das ist wahrscheinlich was, was du liebst, oder? Wobei ist das, was Cindy Sherman macht, nicht auch eine Art von Selfie? Ja klar, aber die Albrecht Dürer hat es ja auch schon. Ja.
47:48
Aber du sprichst die besten Beispiele an, nur die sind einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte vor dem Selfie entstanden. Da brauchte es noch keine Smartphone-Technologie.
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Mhm. Und wie empfindest du das.
48:01
Was? Als Sicht des Fotografenkritiker wenn alle mit ihren Selfies ankommen und sagen, hier ich mache die weltbesten Bilder.
48:10
Das kann ja jeder machen. Also ich bin da nicht der Richtige, der gefragt ist, weil das ist ja nicht Kunst. Und außerhalb der Kunst kann ja jeder machen, was er will. Aber wenn du mich sozusagen als Normalbürger fragst, der ich ja auch bin.
48:25
Tatsächlich.
48:26
Kaum zu glauben. Verfalle ich relativ selten auf diese äh Nummer, weil ja, es ist mir zu langweilig. Mhm.
48:35
Die selbst Inszenierung ist nicht mein Prioritäres Ding.
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Es sei denn, sie ist so künstlerisch angelegt wie bei Cindy Sherman. Ja, also ich brauche einen Katalysator dafür. Und wenn das die Kunst ist, ist das gut.
48:49
Welche Themen begeistern dich denn? Ein ganz zentrales Thema ist für mich Digitalisierung. Oh jetzt komme ich auf das Eis. Mhm. Wieso? Ich glaube ich habe.
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Berührungsängste.
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Noch. Ich glaube, man kann überhaupt keine großen Berührungsängste zur digitalen Fotografie haben, weil es gibt heute kaum mehr was anderes.
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Also analog fotografiert heute so gut wie niemand mehr und ich habe letztens ein Zitat gelesen in dem stand.
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Analoge Fotografie wird nicht aussterben.
49:22
Sie wird sich nur in dem Bereich der bildenden Kunst zurückziehen. Da kann ich ins grübeln. Äh das kann natürlich sein. Aber de facto wird heute in der Produktion eigentlich fast nur mit digitalen Mitteln gearbeitet.
49:36
Das ist aber auch nicht schlimm und letztendlich, wenn wir mal ehrlich sind, wir tun heut so als wüssten wir wie ein Gemälde entsteht, das weiß aber defakt
49:45
kaum jemand. Also hast du mal ein Gemälde auf Leinwand gemacht mit einer Grundierung und tralala? Das ist alles so kompliziert und wenn wir vor so einem Gemälde stehen, haben wir meistens auch keine Ahnung, wie das entstanden ist.
49:58
Wird manchmal zum Thema, also wenn es zum Beispiel dieses Spray Paintings von Katharina Grosse sind oder so, da wird's dann
50:06
thematisch dann überlegen wir, oh ja, das hat was mit so einer Graffiti-Performance zu tun, die wir vielleicht aus dem Alltag irgendwie kennen.
50:14
Aber in der künstlerischen Fotografie ist es eigentlich der absolute Normalzustand. Dass Bilder
50:22
digital entstehen. Mich interessiert aber nicht die Frage, wie sind die technisch entstanden
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sondern wie thematisieren die unsere digitale Welt und wenn jetzt zum Beispiel ein Fotograf wie Adrian Sauer mir
50:38
ein Bild vorführt, in dem hm.
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16 Millionen Farben, die heute digital herstellbar sind
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die druckbar sind, in der die mir einzeln vorführt, dann finde ich das wirklich faszinierend, weil das ist etwas
50:57
die Grundlage quasi unseres Sehens ist, aber worüber wir nie nachdenken. Mhm. Und dann kriege ich auf einmal so ein
51:06
Teppich von Farben, der aus der Entfernung grau erscheint, wo ich dann aber rangehe und sehe, das sind ja alles Einzelne.
51:15
Verschiedenfarbig kleine Flächen und wenn mir dann noch gesagt wird, ja das sind die Grundlagen dessen, was heute produziert werden kann und letztendlich dessen auch,
51:26
was wir sehen, dann finde ich das wahnsinnig faszinierend. Also Fragen wie
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Digitalisierung sich zeigt, eine zeitgenössischen Fotografie, das finde ich auch ein Thema, was ja, was mich anmacht, muss ich echt sagen. Zweites Thema, was mich auch sehr beschäftigt
51:45
momentan sind Fragen von Sexualität und Gender. Also wie wie verstehen sich Individuen, die.
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Auf einmal entdecken oder entdeckt haben, dass ihre geschlechtliche Zuordnung nicht dementsprechend, was wir normalerweise denken, nämlich
52:03
Du bist eine Frau, ich bin ein Mann, sondern die vielfältiger sein kann und die auch sich ändern kann nach einer gewissen Zeit. Das ist ja ein Thema, was auch im Alltag äh es begegnet einem nicht alle hundert Meter, aber was durchaus jetzt häufiger diskutiert wird und in dieser Ausstellung ist es
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teilweise sehr offensiv thematisiert.
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Mich auch bis zum gewissen Grad überrascht, aber ich finde das total interessant diese Fragestellung auf einmal zu haben, weil sie letztendlich sehr viel mit unserem Alltag zu tun hat.
52:37
Ich erinnere zum Beispiel an die olympischen Spiele, da gibt's auch Schwierigkeiten, da gibt's einige Fälle, die möchten gerne in der Kategorie Frau oder in der Kategorie Mann starten und sie kriegen Schwierigkeiten, weil ihr Testosteronspiegel nicht den Normen
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der Olympioniken entspricht und solche Sachen, das finde ich total spannend. Regt es dich auf? Nee. Und wo sieht man das, an welchen Positionen? Es.
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Eine ganze Reihe Positionen, die das zeigen, also zum Beispiel Martin Gutierrez, die.
53:09
Das Offensiv thematisiert wenn sie als Frau, vermeintliche Frau.
53:17
Sie war früher ein Mann in einer Umarmung mit einer männlichen Puppe ist.
53:25
Auf den ersten Blick aber eben nicht als Puppe erkennbar ist und
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dann sozusagen provoziert eine sexuelle, fragwürdige, in der Öffentlichkeit auch kaum zu zeigende
53:37
Paarung uns vorführt. Vor einem Schwimmbad ist das doch vor genau vor einem Schwimmbad. Ich weiß noch, ich habe die Arbeit 2019 auf der Biennale in Venedig das erste Mal gesehen.
53:49
Das hat mir echt die Schuhe ausgezogen. Wir konnten,
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dank der niedersächsischen Sparkassenstiftung die Arbeit letztes Jahr für die Sammlung auch erwerben und bei ihr ist es sehr stark Thema, sie positioniert sich in einer
54:02
übertriebenen Form zeigt sie Weiblichkeit
54:07
wo du immer merkst, da ist ein Bruch drin. Die hat dann so so äh Melonen sozusagen in ihrem Bikini gesteckt und hat wahnsinnig aufgeplusterte Lippen dazu und guckt wie so ein kleines Blödchen dich an,
54:22
in riesigem Format und du merkst, ey,
54:25
da stimmt was nicht, ne? Und du kommst auch relativ schnell drauf, dass so was nicht stimmt und was es ist. Aber das ist eben die Frage nach Sexualität ist.
54:35
Und äh Geschlechtszugehörigkeit oder jemand wie Cogia Show, bei der ist es auch so, die vertritt auch so eine,
54:43
Transgender-Identität und hat zum Beispiel auch ein Bild, wo sie selbst einen Skype-Chat.
54:50
Mit einer anderen Person abfotografiert. Sie ist auch selbst auf dem Foto fotografierend unten in einem kleinen Fenster zu sehen und
55:01
das, was das Bild, äh was da entstanden ist, zeigt
55:05
eine Person, die du nicht identifizieren kannst, weil sie sich quasi verschämt hinter einem Kleidungsstück versteckt und so diese Ambivalenz zwischen ich zeig offensiv was oder
55:19
Ich halt's noch geheim. Ich weiß nicht, wie die Gesellschaft drauf reagiert. Es etwas äh ja, was sich sehr sehr reizvoll finde.
55:29
Sich auch über das Bild hinaus, darüber Gedanken zu machen. Das hat sehr viel mit,
55:33
mit unserer Gegenwart finde ich zu tun und wenn Bilder mich dazu führen über ja über meine Gegenwart auch außerhalb des Museums nachzudenken finde ich das äh natürlich klasse. True Pictures, schaue hin.
55:48
Übertrage es in deinen Alltag? Das Fragezeichen, das ist dafür ganz wichtig. Ja, also frag frag nach dem, was du siehst.
55:58
Ist das, was du siehst, wirklich das, was du zu sehen glaubst?
56:02
Sind Bilder wahrhaftig, wirklich bilden sie Wirklichkeit ab. In dem könnte man jetzt sehr schnell entgegnen und sagen, na ja.
56:12
Im Zeitalter des digitalen Bildes kann jeder auf seinem Smartphone die Fotos so bearbeiten, dass er sich seine eigene Wirklichkeit schaffen kann. Ja, genau. Ja.
56:21
Aber ist es dann wirklich noch das Foto, was die Wirklichkeit authentisch in Anführungsstrichen uns vermittelt? Nee.
56:30
Aber künstlerische Fotografie will das in den seltensten Fällen ohnehin und sie fokussiert
56:37
sich auf bestimmte Dinge sie verengt, vereinfacht bestimmte Fragestellungen, die dann für uns vielleicht ein Auslöser sind.
56:48
Ja nachzudenken. Und wenn Kunst das schafft, wenn es mich so berührt, dass ich meine mitgebrachten Gewissheiten in Frage stellen
56:57
dann ist für mich Kunst wichtig. Ansonsten brauche ich keine Kunst.
57:01
Also die die in Fragestellungen des naiven Glaubens an das Bild, das ist glaube ich ganz wichtig und nachdem vor den 80er Jahren auch die Dokumentarfotografie
57:14
So dominant war in USA, ist eben
57:17
Nach dem Bruch um 1980 ein ganz anderes Bildverständnis in der künstlerischen Fotografie aufgekommen. Du kannst nicht mehr einfach
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Foto glauben, sondern du sollst mit dem Foto Fragestellungen verfolgen und das Foto eigentlich als Anders nehmen.
57:37
Anders über die Welt nachzudenken. Die die Welt vielleicht anders zu sehen.
57:41
Ich gebe zu, es ist noch ein zweiter Aspekt, der mich motiviert hat, eine Ausstellung, die 1977 stattgefunden hat.
57:52
Und die eben an dieser Wende zu dem neuen Verständnis von Fotografie auch steht und die hat den Titel Pictures.
58:02
Pictures ist ein ganz äh wichtiger Ausstellung geworden, die auch so zu einer sogenannten Pictures Generation geführt hat.
58:10
Hat 1977 in einem Artist-Space in New York stattgefunden und hat dafür gesorgt, dass die sogenannte Appro-Preation-Art wirklich.
58:20
Anerkannter und wichtiger Teil der Kunst geworden ist. Apple Preation-Art ist die Kunst der Aneignung, das heißt man nimmt Bilder, die schon existieren.
58:31
Man setzt sie in einen neuen Kontext, also den künstlerischen, obwohl sie gar nicht da rauskommen und verfremdet sie in gewisser Weise.
58:41
Gutes Beispiel oder auch einfach glaube ich zu verstehendes Beispiel ist der sogenannte
58:47
den wir vielleicht aus unserer Jugend noch kennen, heute glaube ich gibt's nicht mehr die Werbung mit diesem Cowboy, der hinter den Rindern her ist und wo in der Werbung großformatig daneben der Schriftzug Marlboro auftauchte.
59:02
Richard Prince war bei Timelife Bildredakteur und hat
59:07
so Bilder gesammelt, auch solche Werbebilder und hat dann einfach die Schrift weggeschnitten.
59:13
Und ja dieses Bild von dem Cowboy im Kunstkontext ausgestellt,
59:19
absolute Frechheit, der hat sich das Bild angeeignet, hat selbst nichts gemacht außer den Ausschnitt neu bestimmt und es dann als Kunst verkauft. Und diese Form von Aneignung, die es
59:33
früher in gewisser Weise auch schon gegeben hat mit Collage, Zitaten, ist aber seit der äh Zeit auch in anderen Bereichen der
59:42
bildendem Kunst wirklich wichtig geworden und diese Pictures-Ausstellung 77, die hat das das erste Mal wirklich Manifest zusammengefasst. Da wurde das das erste Mal richtig erkennbar, dass das ein eigener eigener
59:57
Technik, eine eigene Form der Auseinandersetzung mit bereits existierenden Bildern war. Und interessant und deswegen
1:00:05
ist es für mich auch eine ganz wichtiger Punkt ist, dass zu jener Zeit im Zusammenhang mit dieser Ausstellung erstmalig Frauen auch eine breitere Akzeptanz
1:00:16
in der Rezeption bildender
1:00:18
bekommen haben. Richard Prince ist eigentlich fast die einzige Ausnahme in diesem Fall. Es gibt sonst eben Leute wie Cindy Sherman, Louis Lawler, Shary Levine und andere Positionen, die,
1:00:32
Ja auf einmal als wichtige Künstlerinnen wahrgenommen worden sind. Wenn man sich darüber Rechenschaft ablegt, was war vorher.
1:00:40
Dann fällt einem die Minimalart ein, die Konzeptionart oder so und das sind fast alles Männer gewesen. Und jetzt auf einmal siebenundsiebzig
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und in der Folge, da tauchen auf einmal auch Frauen als wichtige Künstlerinnen auf. Und das war für mich auch ein ganz wichtiger Punkt. Das war auch für mich ein Indiz zu sagen.
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Mir ist echt was Neues passiert und es erläuterte mir dann auch, warum ich die Beobachtungen, die ich am
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dem Sammlungsschwerpunkt, den wir hatten oder haben, in unserem Haus, nämlich amerikanische Fotografie der fünfziger, sechziger, Siebziger das gar nicht entdecken konnte, weil
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Die waren damals, da gab's keine nicht so viele große Fotografinnen, da gab's äh deren Abos oder so, aber es gab nicht so viele und es waren fast,
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fast ausschließlich Männer.
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Aber um 1980 änderte sich das Radikal und wenn man sich die Liste der Künstlerinnen von der Ausstellung anguckt, dann ist es auch bezeichnend, dass mehr als die Hälfte äh
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zumindest einen weiblichen Namen tragen. Ich habe doch eben einen Nebensatz erwähnt, dass Fotografie ganz lange als Chronik der Zeit.
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Abgetan wurde. Findest du es wichtig, auch im Nachhinein,
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betrachtet zu wissen, wer der Fotograf dahinter ist, mit welcher Prägung er gekommen ist und warum gerade dieses Bild entstanden ist, gerade wenn eine politische Aussage dahinter steht, weil sich die Aussage dadurch verändern könnte.
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Ah, es ist glaube ich
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bei jeder Form von Bild oder zumindest bei jeder Form von künstlerischem Bild wichtig Hintergründe zu kennen. Hm das ist ähm.
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Ich sage das nicht
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um sozusagen mein meine Spezies äh für notwendig zu erklären als Kunsthistoriker nur durch uns könnt ihr Kunst verstehen. Soweit will ich nicht gehen.
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Aber sagen wir mal so, das fängt schon, können wir einen Rennbrandgruppenportrait verstehen, wenn wir nicht ein bisschen Hintergrundkenntnisse haben.
1:02:44
Ich glaube nicht. Na ja. Und das ist mit Zeitgenossen letztendlich auch so, dass es immer hilfreich ist, wenn man ein bisschen.
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Ja ein bisschen Vermittlung dazu bekommt. Na ja, aber jetzt ist es doch gerade in der Fotografie so, du lieber Kunsthistoriker. Man kennt doch häufiger eher die Bilder als die Fotografen dahinter.
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Ja. Die Frage ist ja, was du damit meinst. Die Fotografin zu kennen. Also ich musste nicht wissen
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Was für Klamotten die tragen, wie sie aufgewachsen sind oder so, aber es gibt schon auch Positionen, wo die du sprachst die politische Intention an, wo es ganz wichtig ist, ein bisschen was über.
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Die Frage der Herkunft und
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meinetwegen wie sie groß geworden sind, was sie interessiert, wenn ich dazu Informationen habe, werden glaube ich viele Bilder zugänglicher und es schadet ja auch nichts, wenn man was weiß. Außer Frage, vielleicht ist es auch nur meine Empfindung.
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Fotografien schneller betrachtet werden als Malerei
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Das könnte sein und das ist ja etwas, wogegen ich arbeite. Ich will ja immer die Intensität haben. Wo gehen wir gerade zusammen arbeiten bitte?
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Dass die Chance oft genommen wird, sich mit dem Bild intensiv auseinanderzusetzen, weil man eben
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sich eher mit dem Bild und nicht mit dem Künstler dahinter auseinandersetzt? Ja, also da fragst du jetzt eigentlich den falschen, weil ich nicht mehr unschuldig bin.
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Ähm.
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Wusste, dass ich mich nie mit meiner Jungfrau treffe. Vom vom Sternzeichen ist das allerdings so. Richtig schön mit dir.
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Ja, also ich würde auf jeden Fall Recht geben, dass die Gefahr, dass man ein Bild zu schnell abtut.
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Bei der Fotografie viel größer ist als beim Gemälde. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch was Positives. Ich kann Leute schneller mit einem Foto erreichen.
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Schon allein auch in der Werbung als mitten Gemälde.
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Also das Gemälde ist dann vielfach also abstrakt hat mit meiner Gegenwart nix zu tun. Also ich karikiere das jetzt mal. Du hörst es hoffentlich äh und dass ich und das ist beim Foto viel einfacher. Aber
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Ja, ich bin da ich äh
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reiht ja immer auf der Intensität rum, also süffisant, wenn man dich sehen könnte, wie du dabei grinst. Das ist ein ein Fest hier gerade.
1:05:17
Ja dann mach was anderes in Zukunft als ein Podcast. Wenn's ich sehr visueller werden. Ja bitte. So.
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Geräuspert wird, Wasser getrunken. Okay. Ernsthaft? Bitte. Ja. Pokerherz.
1:05:32
Die Kunst darf nicht so leicht sein. Oh nein und das bei dem Titel die Leichtigkeit der Kunst. Also ist Kritik durch das Bild wichtiger als Kritik an dem Bild.
1:05:47
Nee, beides sollte möglich sein. Also Kritik durch das Bild ist wirklich glaube ich sehr wichtig.
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Ist jetzt die Frage, wie weit man oder wie eng man den Begriff Kritik fasst. Wenn es doch Kritiker?
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Ja, ich war Kritiker, ja. Aber das ist glaube ich wiederum ein anderes Verständnis von Kritik. Kritik durch das Bild verändert unsere Wahrnehmungsgewohnheiten. Wenn ein Bild das schafft, ist es kritisch. Kritisch.
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Ist ja auch so ein griechisch stammt, wenn ich mich recht entsinne, unterscheiden.
1:06:24
Als Kunstkritiker, der ich ja jetzt nicht mehr bin, sobald ich meine Tätigkeit am Museum begonnen habe, musste ich die Kunstkritik ad acta legen.
1:06:35
Das war mir von von der FAZ so vorgeschrieben. Was ich auch gut nachvollziehen konnte. Kunstkritik beschäftigt sich mit der Qualität dann letztendlich.
1:06:46
Dieser Kritik, die das Bild selbst macht. Aber jetzt.
1:06:51
Wäre mal wirklich sehr kompliziert. Jetzt geht die leicht ich versteh's noch. Kann auch aufsteigen. Ja.
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Eine Kunstkritik muss ich natürlich auch üben, wenn ich schon wenn ich bei einer Gruppenausstellung eine Auswahl von Positionen treffe, ne, denn
1:07:09
Die einen ins Körbchen, die einen ins Köpfchen oder so ähnlich heißt das, ne? Also du kannst ja natürlich nicht nur positive Entscheidungen treffen, sondern du musst auch andere Positionen ausschließen.
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Und ich habe nochmal überlegt kurz vor Öffnung der Ausstellung
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dass wir an zwar jetzt 36 Positionen, aber wir haben uns glaube ich sehr intensiv mit 80 Positionen beschäftigt.
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Irgendwann ist dann mal klar, es können nicht beliebig viele sein. Das ist aus praktischen Gründen äh und finanziellen Gründen nicht zu leisten als auch eine Überforderung der Besucherinnen und.
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Von daher muss man,
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eine ganze Menge ausscheiden. Es gibt natürlich in USA und in Kanada viel mehr als 36 Leute, die ernsthafte künstlerische Fotos machen.
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Und ich kenne das noch von der äh Wahrnehmung meines Buches über Düsseldorfer Fotoschule, dass ich eine ganze Reihe böse Stimmen bekommen habe.
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In der Richtung, dass bestimmte Leute nicht drin waren in dem Beruf. Aber ja
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jeder Gewinn ist auch ein Verlust. Schön gesagt, ja. Mein Lieber.
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Ein Thema, das ich mit dir besprechen möchte. Ich wollte dich bitten, dass du noch etwas zu deinem Fototheorie-Blog sagst.
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Ja, das ist so ein Blog, den ich 2017 eingerichtet habe. Ich wurde angeregt
1:08:36
durch ein ähnliches Unternehmen, dass das Fotomuseum Winterthur in meinen Augen mit das innovativste Haus in ganz Europa.
1:08:45
Eingeführt hat. Mich hat das äh sehr fasziniert, aber zwei Dinge haben mich gestört. Auf der einen Seite war es nur englischsprachig und na gut, ich meine
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Ich kann Englisch, du wahrscheinlich auch, aber das fand ich schon so ein bisschen sehr exklusiv.
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Und auf der anderen Seite dachte ich, diese Texte dort sind auf einem sehr hohen Abstraktionslevel und es gibt auch Dinge zu diskutieren.
1:09:13
Die sehr viel mit Praxis zu tun haben, die zum Beispiel meinen Museumsalltag stark bestimmen.
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Und ja die die einfacher sind sagen wir mal so. Und die Frage ist dann was heißt eigentlich Theorie?
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Damit kann man auch viele Leute abschrecken, äh weil das klingt alles so ja so philosophisch abgehoben oder so und
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das kann's auch manchmal sein, aber ich dachte, es gibt doch,
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ganze Menge Fragestellungen allgemeiner Natur, die sich nicht unbedingt an eine künstlerische Position nur koppeln lassen.
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Wie zum Beispiel die Frage, welche Rolle spielt Digitalisierung? Welche Rolle spielt Reproduktion?
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Und so weiter und so fort. Was was bedeutet Globalisierung für uns? In der Kunst? Wo ist die Grenze zwischen Kunst und nicht Kunst? Und solche Fragen die klingen teilweise sehr abstrakt, sind aber
1:10:15
für den Alltag im Umgang mit Fotografie,
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schon sehr wichtig und sehr entscheidend und sind teilweise sehr niederschwellig angesiedelt. Na ja, kurz und gut, ich habe gedacht.
1:10:27
Na ja, wenn du so was machst, kannst du nicht viel verlieren und so ist es dann auch. Das Ding ist äh ja seit mehr als vier Jahren online.
1:10:36
Leicht zu finden, Foto Minus Kunst Minus Theorie Punkt DE und alle zehn Tage erscheint neuer Post
1:10:45
mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung. Wir haben verschiedene Sektionen, zum Beispiel etwas, was sich mit Materialität beschäftigt. Da schreiben häufig Restauratorinnen über
1:10:56
Fragestellungen und Probleme. Ich habe eine Interviewreihe, wo ich Leuten vier Fragen stelle. Welche?
1:11:04
Jeweils unterschiedlich, kommt immer auf die Leute an. Es gibt ein paar Fragen, die in mehreren Interviews schon vorgekommen sind, zum Beispiel die Frage, was erwarten sie vom Bundesinstitut für Fotografie?
1:11:17
Thema was momentan groß in unserer Szene diskutiert wird oder die Frage, was ist die letzte Entdeckung, die sie wahnsinnig berührt hat oder so oder.
1:11:29
Ja, es sind unterschiedliche Fragen. Hängt immer auch von den Personen ab. Ich frage Künstlerin oder ich frage äh Kuratorin oder ich frage Galeristin oder so. Das ist äh
1:11:41
ganz unterschiedlich und ich versuche natürlich auch ein Netzwerk dadurch zu kreieren und es funktioniert relativ gut.
1:11:48
Ich kann nicht mit den Zahlen deines Podcastes äh konkurrieren, das will ich auch gar nicht, aber es ist jedenfalls so, dass es mich nach wie vor motiviert, das Ding weiterzuführen.
1:12:02
Und ich hätte nicht gedacht, dass die Resonanz darauf so groß ist.
1:12:07
Ja, so viel zu dem Theorieblog. Du stellst auf deinem Blog deinen.
1:12:15
Blog Partnern, vier Fragen. Jetzt wage ich mal ein Novum. Hättest du eine Frage an mich? Was interessiert dich an zeitgenössischer Fotografie?
1:12:24
Die Geschichte hinter den Werken.
1:12:26
Wie wichtig es ist, den Fotografen zu kennen und was uns der Fotograf sagen wollte und wie ernst wir das in unseren Alltag integrieren sollten. Mhm.
1:12:37
Gut. Ich würde da immer noch dann weitere Fragen stellen an dich, aber anschließen würden?
1:12:44
Zum Beispiel diejenige, ob denn die Intention.
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Fotografen. Der Fotografin, die wirklich einzig verbindliche für uns sein muss.
1:12:55
Können wir nicht mehr oder was anderes in dem Bild sehen, als.
1:13:00
Der Künstler uns sagen wollte. Es ist ja diese Sendeempfängerherausforderung. Das einzig Wahre oder das einzig Richtige gibt es ja gar nicht.
1:13:08
Würde ich auszusehen. Aber wieso können wir uns trotzdem bei bestimmten Positionen einigen? Also warum sind bestimmte
1:13:17
Bilder, äh warum sind bestimmte künstlerische Haltungen für so viele gleich wichtig?
1:13:26
Das ist doch das Interessante. Da muss doch irgendwie noch was sein, was jenseits des Individuums zwischen uns wabert. Ich glaube, dass das einfach äh immer die Weiterentwicklung ist.
1:13:38
Ja und ich glaube, dass sich das ähm auch in den Bildern widerspiegelt, dass es Menschen gibt
1:13:43
die schon vor Schwingungen haben, also um ist jetzt ein bisschen spirituell auszudrücken, ähm etwas in den Raum werfen oder in die Welt werfen.
1:13:52
Was aufgenommen wird, weil sich der ein oder andere aufgrund seiner privaten Puzzleteilchen damit identifizieren kann und es wird immer größer und immer sichtbarer.
1:14:01
Mhm, das glaube ich auch und da ist die Kunst auch vielleicht so ein.
1:14:07
Experimentierfeld für Themen, die
1:14:11
In anderen gesellschaftlichen äh Bereichen noch gar nicht so richtig angekommen sind, aber wo man sagen kann, rückblickend.
1:14:21
Ja, das war damals schon eine Kunst ein Thema und heute diskutieren wir's breiter in der Öffentlichkeit und das ist natürlich auch das wahnsinnig Tolle, der Freiraum.
1:14:31
Dieser Kunst, ne? Was was Kunst eigentlich ermöglicht. Seit Martin Luis sagt King und schon vorher ist es Thema.
1:14:37
Ja. Und jetzt gewinnt es immer mehr an Aktualität wieder. Mhm. Ich würde mir auch wünschen, dass es weniger Berührungsängste gegenüber der Kunst gibt, sondern dass man Kunst als als Werbung für zeitgenössische Themen nimmt.
1:14:51
Wenn man es schafft, dass sich durch die Kunst noch mehr Menschen angesprochen fühlen sich mit festgefahrenen Konventionen auseinandersetzen.
1:15:00
Tja, wenn Kunst das äh kann.
1:15:03
Dann ist es äh super und dann würde sich natürlich die Frage stellen ist Kunsten Religionsersatz? Nö aber ich glaube ein ethischer Ansatz. Hm.
1:15:14
Absoluter Chor. Tja, man merkt einfach, dass dieser
1:15:19
Übergang zwischen Kunst und Religion so unheimlich stark ist. Aber die Frage ist, ob wir ob die Religion nicht an den Rand gedrängt worden ist von unserer Gesellschaft, ob die Kunst diesen Raum besitzt hat, weiß ich nicht.
1:15:33
Also ich glaube, man muss es ja gar nicht in in Schubladen pressen. Also entweder Kunst oder Religion, das würde mir schwerfallen. Ich würde mir wünschen
1:15:42
wenn die Bereiche mehr ineinander fließen. Man versteht Geschichte durch Kunst und man versteht Kunst durch Geschichte. Der Kunstunterricht in den meisten Schulen ist unterirdisch.
1:15:54
Auch ganz schlechten Kunstunterricht gehabt, aber dieser Kunstunterricht hat mich dazu geführt, mich mit Kunst zu beschäftigen.
1:16:00
Was ist dein guter Kunstunterricht? Ist guter Kunstunterricht in dem du viel lernst über Kunstunterricht etwas, wo du zur Kunst hingeführt wirst sei es durch die Reflektion, das hat mir nicht gefallen. So ist es mir gegangen. Also ich äh ich komme aus einer bildungsfernen Schicht, wie man heutzutage sagen würde. Ich bin meinen Eltern nicht
1:16:19
einmal ins Museum gegangen. Was mich
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auf einmal irritiert hat im Kunstunterricht waren so Bilder von die uns gezeigt wurden. Also wir haben gemalt ne und dann hat der uns noch irgendwelche Sesambilder gezeigt.
1:16:33
Ich war so verstört auf der einen Seite, aber auch so fasziniert, weil ich das so selber gemacht habe und dann habe ich gemerkt.
1:16:41
Es ist so komisch, das ist was ganz anderes als das, was ich kenne. Und es macht mir aber irgendwie Spaß. Es hat irgendwas mit dem zu tun, so auch wie ich sehe. Und ich will da jetzt mehr drüber wissen und dann hat's mich eingezogen. Also dann.
1:16:54
Oder ich habe alles dann aufgesaugt und meine Eltern standen dem völlig.
1:16:59
Unverständnismäßig, aber die haben mich gelassen, das wird das Wichtigste. Und so kommen wir zum Anfang des Podcasts zurück. Wie war denn dein Beginn in die Fotografie? Du hast mit den Worten begonnen.
1:17:13
Das Studium und jetzt hast du noch den Einblick vorher gewährt.
1:17:17
Freue ich mich sehr sehr. Ja, aber vor dem Studium war eigentlich keine Fotografie. Na ja, aber zumindest in die Kunst. Der der Schritt in die Kunst ist vor dem Studium, aber eher relativ spät in der Schulzeit
1:17:32
kommen und da mich der Kunstunterricht so angefixt hat, habe ich mich selber auf die Socken gemacht und äh ich war dann schon auch so sechzehn, siebzehn
1:17:42
mich dann auch in Züge gesetzt und bin in die umliegenden Orte gefahren, also nach Köln oder nach Düsseldorf oder so und bin dann da selber reingegangen und habe mir auch ein paar Bücher gekauft und so und das hat
1:17:55
mich dann schon zu der festen Überzeugung geführt ich will nach dem Abi Kunstgeschichte studieren, was
1:18:03
mein Umfeld sehr komisch fand und ich wusste auch nicht, was ich damit machen würde, aber warte mal, was war das alles Philosophie, Pädagogik und aber es äh war mir vollkommen klar, dass ich dass ich mich mit Kunst weiter beschäftigen wollte und ich glaube, man muss ähm
1:18:20
für irgendwas brennen und ich habe damals gebrannt und das tue ich eigentlich heute auch immer noch und wenn man für was brennt, dann wird man auch beruflich
1:18:28
irgendwie ja den Umständen gerecht werden und äh ich will nicht sagen, erfolgreich werden, aber wird seinen Weg gehen.
1:18:35
Das ist wichtig und für mich war es immer auch wichtig, ähm mich mit Menschen auszutauschen.
1:18:42
Das Bild an der Wand ist immer nur ein Katalysator, eine kommunikative Beziehung zu Menschen aufzubauen und der Austausch.
1:18:52
Mitmenschen, das ist glaube ich das, was im Zentrum steht. Und ich freue mich, dass wir uns jetzt hier so schön ausgetauscht haben. Dank dir für deine viele, viele Zeit.
1:19:02
Deine schönen Einsichten, für deine Einblicke.
1:19:05
Ich danke dir für mich noch mit dir weiter zu unterhalten, aber wir müssen jetzt gehen. Ja, leider. Danke schön.
1:19:15
Music.
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Ihr habt Fragen, Anmerkungen und Feedback? Dann schreibt mir gerne eine E-Mail an Claudia at die Leichtigkeit der Kunst Punkt DE.
1:19:38
Und wenn ihr mögt, dann freue ich mich sehr über euer Like und eine Bewertung.
1:19:44
Ihr möchtet weitere Informationen? Dann schaut auf meiner Website unter WWW die Leichtigkeit der Kunst Punkt DE. Und nun von Herzen.
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Music.