Die Leichtigkeit der Kunst

Der Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” bringt dir regelmäßig unbefangene Kunstgespräche aus ganz Deutschland. Ich liebe es, die Kunst mit Achtsamkeit und Leichtigkeit zu betrachten und bin immer gespannt auf die Geschichte hinter den Werken. Im Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” schnappe ich mir Experten, die informativ & intim sowie augenzwinkernd & aufschlussreich erklären können. Und zwar genau dort, wo sie am leichtesten zu finden sind: in Museen, Ausstellungen, Galerien, Werkstätten und vielleicht auch mal hinter der Bühne. Dort spreche ich mit meinen Gästen über die Frage der Herkunft, Passion & Leidenschaft sowie über Biografien aller Art. Findet hier eure monatliche Inspiration für eine Begegnung mit Kunst und Kultur.

https://dieleichtigkeitderkunst.de/podcast/

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episode 1920: Großes Kino, Helmut Newton [transcript]


Was meinen wir, wenn wir voller Inbrunst betonen: Das ist aber ein großes Kino!

Spielen wir damit auf die großen Hollywood-Filme an oder denken wir schlicht an einen großen Kinosaal? Oder – Möglichkeit 3 – wollen wir auf ein ungewöhnliches Spektakel hinweisen, auf etwas das wirklich absolut sehenswert, gar beachtlich herausragend ist?

Also… ich verwende diese Redensart gerne, wenn ich die Wahrnehmung meines Gegenübers schon leicht und in voller Vorfreude schärfen möchte.

Auch denke ich an Großes Kino, wenn ich meiner Phantasie im Sinne von Nouvelle Vague und Fellinis La dolce Vita freien Lauf lassen kann.

Apropos Frederico Fellini … er hat mal gesagt, „Erfahrung ist das, was man bekommt, wenn man nach etwas anderem sucht.“

Und nun kommt alles zusammen, denn gerne möchte ich eure Wahrnehmung auf das kommende Gespräch schärfen, eure Phantasie reizen und euch etwas vermachen, wonach ihr vielleicht noch nicht gesucht habt… ach ja das Setting spielt natürlich auch eine Rolle… stellt euch eine Straße in Paris vor… vielleicht die Rue Aubriot – nachts um 4 und ihr seht 2 Frauen… die eine mit Zigarette in der Hand lasziv wartend im Smoking von Yves Saint Laurent … und die Zweite ist… huuuu naked…

Jetzt habt ihr es erraten… ich nehme euch mit in die Helmut Newton Foundation. Und mit dieser Folge werden wir sicherlich so einiges über den Storyteller Helmut Newton und sein Vermächtnis erfahren – also Bühne frei für Dr. Matthias Harder.

Herzlichen Dank für die Einladung zu diesem besonders großen Kino in der absolut sehenswerten Berliner Jebensstraße…


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 2022-04-08  1h32m
 
 
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Music.
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Dass ich euch an dieser Stelle mit der Zoom-Stimme des Fotografen Frederik Auerbach auf ein wichtiges Herzensprojekt aufmerksam machen kann.
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Hallo zusammen zum Podcast Leichtigkeit Kunst.
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Mein Name ist Frederik Aberbach. Ich bin Modefotograf und lebe Unterarbeite in der Senses Hollywood.
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Ich möchte dieses Intro nutzen, um die in Deutschland neben Nachwuchsfotografen, Amateure oder Profifotografen zu motivieren.
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Am Fotowettbewerb Demenz neu sehen teilzunehmen.
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Demenz wird viel zu oft weggeschoben und übersehen. In hier liegen zehntausende von Obdachlosen und viele davon mit mentalen Problemen.
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Der Umgang mit Demenz ist ein globales Problem und ihr könnt helfen es sichtbar zu machen.
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Alle Infos zum Wettbewerb findet ihr auf Demenz Neusee dot DE und der Teilnahmeschluss ist der 15.6.222 und ich wünsche euch super viel Spaß.
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Und nun wünsche ich euch.
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Music.
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Kino. Was meinen wir, wenn wir voller Inbrunst betonen? Das ist aber ein großes Kino.
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Spielen wir damit auf die großen Hollywoodfilme an oder denken wir schlicht an einen großen Kinosaal.
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Oder Möglichkeit drei wollen wir auf ein ungewöhnliches Spektakel hinweisen auf etwas, das wirklich absolut sehenswert.
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Gar beachtlich herausragend ist.
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Also, ich verwende diese Redensart gerne, wenn ich die Wahrnehmung meines Gegenübers schon leicht und in voller Vorfreude schärfen möchte.
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Auch denke ich an großes Kino, wenn ich meiner Fantasie im Sinne von Novel Vague und Fillinis Ladolce Vita freien Lauf lassen kann.
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Apropos Frederiko Fellini, er hat mal gesagt Erfahrung ist das, was man bekommt, wenn man nach etwas anderem sucht.
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Und nun kommt alles zusammen, denn gerne möchte ich eure Wahrnehmung auf das kommende Gespräch schärfen. Eure Fantasie reizen und euch etwas vermachen, wonach ihr vielleicht noch nicht gesucht habt.
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Ach ja, das Setting spielt natürlich auch eine Rolle. Stellt euch eine Straße in Paris vor, vielleicht die Rüobrio, nachts um 4 und ihr seht Frauen, die eine
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mit Zigarette in der Hand. Und die zweite ist nackt.
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Jetzt habt ihr es erraten. Ich nehme euch mit in die Foundation
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Und mit dieser Folge werden wir sicherlich so einiges über den Storyteller Helmut Newton und sein Vermächtens erfahren.
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Also Bühne frei für Doktor Matthias Hader.
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Herzlichen Dank für deine Einladung zu diesem besonders großen Kino in der absolut sehenswerten Berliner Lebensstraße Nummer zwei.
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Doch bevor wir loslegen, bitte stell dich doch einmal vor. Ich bin Kunsthistoriker. Ich habe mich irgendwann spezialisiert auf Fotogeschichte, habe aber,
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auch meine eigene Dunkelkamera gehabt. Habe selbst fotografiert und so kam eins zum anderen. Ich habe viele Ausstellungen gemacht, viele Bücher gemacht.
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Schreibe Texte über unterschiedliche Fotografen und im Jahr 2003 treffe ich Helmut Newton und er engagiert mich als Kurator für diese zu gründende Stiftung.
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Er hat zu dem Zeitpunkt bereits den Vertrag unterschrieben, ist ein Public Rival Partnership im Preußischen Kulturbesitz.
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Und so kam ich an Bord, hatte zu dem Zeitpunkt noch einen anderen Job in einem Kunstverein geleitet in der Nähe von Hamburg, aber,
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Die Aufgabe war doch zu reizvoll, als dass ich hätte nein sagen können und wollen. Und so kam ich wieder zurück nach Berlin gewissermaßen und habe begonnen.
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Das Werk von Helmut Newton und das von seiner Frau Juni Newton, die unter dem.
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Ja ihr eigenes ständiges fotografisches Werk geschaffen hat, in die Öffentlichkeit zu bringen. In Berlin zunächst und dann auch immer mehr im Ausland.
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Wir bringen die Ausstellung, die wir hier jetzt konzipieren und die wir hier zusammenstellen in die Welt.
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Das ist im Grunde genommen noch ein viel größerer Teil meines Jobs als das, was ich hier in Berlin mache.
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Zwei Ausstellungen sind es hier im Jahr. Momentan zeigen wir eine große Retrospektive zum Werk von Newton unter dem Namen Legacy. Also es ist in der Tat das Vermächtnis von Helmut Newton, dass wir hier
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an die Wand gebracht haben und das hätten natürlich viel mehr Bilder sein können.
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Wir residieren hier seit 2004 ein ziemlich großzügigen Räumen. Es ist ein ehemaliges Militärcasino. Es sind hunderte von Quadratmetern.
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Hunderte von Wandmetern, denn wir Kunsthistoriker oder Fotohistorik erzählen natürlich
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in Wandmediern eher als in Raummetern. Denn wir müssen die Bilder ja schließlich auch an die Wand bringen.
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Darüber hinaus haben wir natürlich auch einige Vitrinen hier ausgebreitet und.
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Zusätzliches Material, denn wir müssen ja auch immer bedenken, eine Ausstellung ist äh nicht nur zwei, die sondern auch 3D, nicht? Also wir haben sozusagen den Raum, mit dem wir herumspielen können.
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Verändern für jede Ausstellung. Wir haben räumliche Illusionen, die wir hier kreieren. Wir haben teilweise auch schon mit gigantischen Fotomontagen gearbeitet.
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In der Ausstellung von Christino damals.
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Diesmal sind es seit gerahmte Fotografien, aber eben auch diese Vitrinen. Wir zeichnen die gesamte Genese seines Werkes nach. Ich war in den Monaten zuvor.
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Eigentlich war die Ausstellung ja geplant zum 100. Geburtstag von Helmut Newton, aber wir mussten's verschieben. Aber in diesen vielen Monaten zuvor.
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In unserem hauseigenen Archiv und habe gesichtet und gesichtet und gesichtet und es ist wirklich ein sehr sehr umfangreiches Archiv. Wir haben.
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Schätzungsweise, kein Nazi genau gezählt, vierhundert, 500.000 Fotografien, Originalprints sind es vielleicht 52undtausend.
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Und das muss man auch erstmal einmal so sichten. Die Kontaktbögen sind sehr, sehr interessant.
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Wenn ein Fotograf arbeitet für die unterschiedlichen Society Magazine, dann entstehen Kontaktbögen. Diese Kontaktbögen.
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Zeigen im Grunde genommen die gesamten Film, also Helmut Newton belichtet einen Film mit 36 Aufnahmen, wenn es ein Kleinbildfilm ist oder mit 12 Aufnahmen, wenn es ein sechs mal sechs Film ist und macht sich seine Markierungen auf diesen Kontaktbögen.
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Und das ist für uns ein legitimiertes Material, um es auch neu zu
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Das hat uns ähm schon Newton, die Witwe, die jetzt auch verstorben ist, also unsere langjährige Präsidentin. Vor vielen Jahren gestattet und dass wir sozusagen mit diesem Material arbeiten können.
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Es ist dieses Prinzip voll in. Wir folgen dem Vermächtnis des Fotografen.
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Das haben wir zunächst viele Jahre lang gemeinsam mit John Newton gemacht.
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Die das Werk wie kein anderer, keine andere kannte und je länger ich sozusagen auf diesem.
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Job bin und das sind ja inzwischen auch schon 18 Jahre umso mehr kenne ich sozusagen das Werk. Umso mehr gehe ich sozusagen.
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Hinein in die unterschiedlichsten Aspekte des Werkes und es gibt in der Tat sehr, sehr viele unterschiedliche Werkkaspekte, die immer wieder im Zentrum stehen für eine neu zu konzipierende Ausstellung.
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Das ist im Grunde genommen das, was jetzt äh passiert ist und auch zukünftig passieren wird. Also es wird eine Ausstellung geben zum Thema Suralismus. Es wird eine Ausstellung geben zum Thema Hollywood.
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Eine Ausstellung rein zur kommerziellen Fotografie und es wechseln sich ab Einzelausstellungen.
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Von Helmut Newton oder June Newton respektive Alice Springs und Gruppenausstellung, wo wir.
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Mit einem gewissen Wertaspekt von Juden. Startend, andere Fotografen drum rum.
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Gruppieren, um bestimmte zusätzliche Dinge herauszukristallisieren. Bevor wir in die Zukunft schauen
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möchte ich aber erst noch in deine Retrospektive gehen und ihr lieben Hörenden, ihr hört es im Hintergrund, es ist eine wahrlich authentische Atmosphäre. Wir sind,
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In dem wunderbaren Gebäude in der Jedenstraße zwei direkt neben dem Bahnhof zu von dem Helmut Newton damals.
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Abfuhr, aber dazu kommen wir später.
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Lieber Matthias, erzähl mir doch erstmal, wie du zur Kunst gekommen bist und was du als junger Mensch über Helmut Newton schon wusstest.
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Ich möchte erst ein bisschen dich kennenlernen, bevor wir hier weitermachen. Irgendwann lernt man als heranwachsender, junger Mann auch die Fotografie von kennen.
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Das ist das ja. Das war damals so und ich glaube, das ist heute nicht anders. Er hat irgendwann dieses legendäre Buch gemacht äh Big News.
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Kam es auf den Markt, damals war ich noch ein Tick zu jung, um es mir gleich zu kaufen, aber irgendwann wird man damit konfrontiert. Man kommt an ihm nicht vorbei
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dann erkennt man sozusagen diese Qualität des Werkes. Zu dem Zeitpunkt war ich noch Schüler, später dann eben Student auch der Kunstgeschichte, Fotografie spielte im Studium der Kunstgeschichte
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gut wie keine Rolle.
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Als ich dann während des Studiums auch die Magisterarbeit schrieb und die Doktorarbeit schrieb und diese beiden Arbeiten, die ja nur noch umfangreich sind, 80 Seiten noch respektive, 400 Seiten der Fotografie gewidmet habe, war ich ein völliger Exot,
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das war noch in den neunziger Jahren und die Doktorarbeit zog sich dann für über viele Jahre hin. Da war ich sozusagen relativ allein. Ich hatte eine Gruppe mit Menschen, wo wir Fototheorie ähm,
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gemeinsam gelesen haben, diese diskutiert haben. Es war in einer.
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In einem Kurs, in der Berlinischen Galerie unter dem damaligen Leiter Janosh Freco, der uns mit der Fotografie,
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die Fotografie näher gebracht hat, das Medium der Fotografie und die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten. Das war damals das Jahr 19hundertein9und. Er hat nämlich noch genau.
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Viel später habe ich auch dem Janos Recout, der in den 60er Jahren ein bedeutender Fotograf war.
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Auch eine Art Retrospektive eingerichtet in einer anderen Institution. Das war sozusagen ein zurückgebenden Janosch Rico hat mich persönlich sehr, sehr geprägt und ich bin ein großer Fan davon, den Menschen, die einem etwas bedeuten,
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auch etwas zurückzugeben. Dann war ein Glücksfall ähm das Treffen von Max Schäler. Ich schrieb meiner Doktorarbeit über zwei deutsche Fotografen
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zum Thema Griechenland Fotografie, sprich Tempel fotografieren und in meinem Nebenfach war ich klassische Archäologe, sodass ich mich da relativ gut auskannte. Ich habe
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unzählige Male Griechenland besucht, stand von den Tempeln, habe die Tempel untersucht, studiert und konnte sozusagen dann auch diese Tempel klassifizieren über die Fotografien und der Zufall will es, dass.
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Max Scheeler, der damalige Nachlassverwalter von Herbert List sich nicht so gut mit der Griechenland Fotografie von Herbert Listen auskonnte. Ich konnte es, wir wurden gewissermaßen ein Team und haben.
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Die große Retrospektive von Herbert List zusammen erarbeitet, ein großes Buch gemacht und seit diesem Zeitpunkt bin ich auch ein Fan des Büchermachens.
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Ich habe neben meiner Tätigkeit als Newton Kurator und jetzt auch als Newtondirektor sehr, sehr viele Bücher gemacht. Sprich Texte geschrieben über andere Fotografen in den unterschiedlichsten Genres. Das ist eine.
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Unglaublich intensive Beschäftigung mit dem Medium, weil es die unterschiedlichen Genres eben gibt. Die Fotografie ist so reich, wie die.
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Geschichte. Es gibt wie gesagt die unterschiedlichsten Genres und es gibt die unterschiedlichsten Anwendungsweisen und im Fall von Helmut Newton haben wir eine
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ganz zentrale und zielgerichtete Anwesungsweise, nämlich er fotografiert seit den 50er Jahren, sechziger, 70er und so weiter, ganz zielgerichtet für Magazine.
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Er bekommt einen Auftrag, um etwas zu visualisieren, in dem Fall, meistens ist es Mode, manchmal ist es sozusagen auch das Gesicht eines Menschen, den er porträtiert für
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andere Magazine, wenn die Parimatsch und so weiter, interviewe, mehr gesehen.
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Und die anderen Bilder, die tauchen in den Magazinen auf. Spätere Verwendungsweisen kommen eben später. Das ist die Idee im Grunde genommen des reproduktiven Mediums Fotografie, die
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die Chance, dass man Bilder größer abziehen kann, dass man sie vermehrt abziehen kann, sprich, dass man für den Kunstmarkt bestimmte Dinge.
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Produzieren kann, um sie dann zu verkaufen.
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Eigentlich sind die Bilder nur gemacht, um sie in einem Modemagazin oder einem anderen Magazin zu veröffentlichen.
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Komme zurück auf meine Beschäftigung mit der Fotografie sozusagen deine Frage nochmal aufgreifend.
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War in der Zeit in München, habe dann nach der Retrospektive von Herbert List eine weitere große Retrospektive erarbeitet, nämlich von Stefan Moses.
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Und das ist ein bedeutender deutscher Fotograf. Wir haben wiederum eine große Ausstellung gemacht, die zur Tournee wurde, international getourt ist, dann auch mit dem Hilfe des Goethe Instituts und wiederum eine große Publikation.
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Stefan Moses hat eine ganz bestimmte Werkgruppe realisiert und zwar die Menschen vor dem Spiegel.
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Eine großartige auch ein für mich prägende Figur, ein großartiger Mensch und diese Werkgruppe habe ich, als ich
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traf mit ihm diskutiert und möglicherweise war das die.
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Ja diese Verbindung, dass wir viel zu erzählen hatten, beide, viel zu erzählen hatten, nicht nur er natürlich, sondern
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auch ich ein wenig, dass uns das bei diesem Eintreffen im Dezember 2003 so zusammengeführt hat, dass er mich dann fragte,
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Ja äh möchtest du Dekurator Mainda zu gründen, denn Foundation werden?
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Und ich das bejahte. Ähm und so kam ich sozusagen hierher und jetzt setze ich hier dir gegenüber und bin seit 18 Jahren auf dieser Position. Das ist schon verrückt, weil
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Normalerweise die Kuratoren-Jobs wechseln. Es gibt immer wieder ein gutes neues Angebot.
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Ich habe auch ehrlich gesagt dreimal nachgelesen. So kann doch gar nicht sein. Aber in meinem Fall
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ist diese Position ganz großartig, weil ich arbeite mit einem fantastischen Werk
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habe hier relativ große Freiheiten, ich habe einen unglaublich guten Ausstellungsraum beziehungsweise Räume, Saalfluchten. Wir haben hier eine unglaublich tolle Nachbarschaft mit CO Berlin.
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Es ist einfach kurzum ein Traumjob.
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Den ich seit 18 Jahren bekleiden darf. Ja und ich denke, ich habe so viele Projekte noch in der Schublade, im Kopf, im Hinterkopf
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dass ich hier auch noch eine Weile bleibe. Ich habe durch dich auch erfahren, dass Karl Otto Götz fotografiert hat. Ich dachte, er sei rein malend unterwegs. Er hat Fotoexperimente gemacht in den dreißiger Jahren und diese Fotoexperimente waren im Grunde genommen.
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Die Voraussetzungen für bestimmte Tuschearbeiten, die dann später zu seinen Rasterartigen Verschlierungen führten. Alles baut aufeinander auf. Diese Fotoexperimente meistens sind es Fotogramme gewesen, die waren
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ganz zentral in seinem Werk, sind relativ unbekannt.
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Und da kommt ein junger Konsistoriker namens Matthias Hader um die Ecke und da widmete diesen Fotoarbeiten seine Magisterarbeit. Und solche Arbeiten werden ja gar nicht veröffentlicht, ne? Also das ist aber nichtsdestotrotz kenne ich mich
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damit auch relativ gut aus und ähm ich persönlich habe den Götz als Maler sehr, sehr geschätzt, aber irgendwo ist sozusagen der Anfang
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und man muss ja immer sozusagen sich die Künstler angucken, sei es Mondrian oder die Kuning. Wo ist der Kipppunkt
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wo wird sozusagen die Kunioni? Wo wird Mondrian zu Mondrian? Den Mondrian, den wir kennen, der berühmte Mondrian und das war bei Götz im Grunde genommen, wenn man zurückwirkend sieht
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diese Auseinandersetzung mit der Fotografie, mit dem Medium der Fotografie und das ging nur so
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also diese Scherenschnitte, die ihr verwendet habt und dann eben diese Umsetzung.
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Fotografische Medium, über die Dunkelkammerarbeit, das war ganz entscheidend für so eine Formfindung. Nachdem du jetzt so schön von deinen Anfängen erzählt hast.
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Und einem weiteren Werdegang bin ich natürlich total gespannt. Mehr über Helmut Newton zu erfahren.
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Kommt er eigentlich zu dem Namen Newton, so ganz deutsch klingt das nicht. Er ist geboren, als Helmut Neustädter hier in Berlin. Neustädte oder? Genau, da haben die möglicherweise so ein O vergessen noch. Ähm er wurde australischer Staatsbürger.
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Aber das ist eine lange Geschichte. Ähm zwanzig in Berlin geboren, 38 muss er die Stadt verlassen. Er war Jude.
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5. Dezember 1938 verlässt er vom Bahnhof Zoo die Stadt und das ist genau der Ort, wo sich unsere Stiftung befindet.
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Der Ort, wo er 65 Jahre später.
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Auch als ziemlich großer Versöhnungsgeste sein Werk wieder hinbringt, genau an diesen Ort, in dieses ehemalige Militärcasino, was ein ein Gebäude, was er
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auf seiner Flucht vor den Nazis quasi so als eins der letzten Gebäude visuell mitgenommen hat und erklärte dann wieder zurück. Er nimmt den Zug.
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Landet in Trierst, er besteigt ein Schiff,
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ist eigentlich in Richtung äh Shanghai unterwegs. Er steigt aber in Singapur aus, weil er an Bord des Schiffes hört, dass es da vielleicht doch noch ein bisschen interessanter ist.
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Und er lebt dort eine ganze Weile, wird dort auch Fotograf. Allerdings wegen Unfähigkeit,
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nach zwei Wochen entlassen. Da ist es nicht wahr? Es ist Vulva. Vorher. Fotografische Ausbildung hier bei eBay absolviert, zwei Jahre lang.
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Musstest du als Lehrling damals.
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Ein Lehrgeld bezahlen. Er kommt aus einer sehr wohlhabenden Familie, schmeißt die Schule. Die Eltern waren Knopffabrikanten oder? Exakt, genau und
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Seine Mutter war die wahrscheinlich noch prägendere Figur für ihn, weil sie hat damals die Vogue abonniert, als die deutsche Vogue noch auf dem Markt war. Sie hat
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bestimmte Parfüms getragen, die Newton mochte, die ihm im Grunde genommen schon eine ganz andere Welt erschlossen haben.
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Diese ganz bestimmte Welt der Mode, das braucht vielleicht Glamours und da kehrt er später zurück in diese Welt
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Allerdings dauert das noch einige Jahre oder gar Jahrzehnte.
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Also er absolviert diese Lehre bei iwar, eine damals großartige, ja, vielleicht nie weltbekannte, aber in der Weimarer Republik sehr bekannter Fotografin, die in insbesondere in drei Feldern gearbeitet hat.
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Modefotografie, vor allem Modefotografie, ein bisschen Porträt und ein bisschen Akt. Und genau in dieser Kombination viel Mode, ein bisschen Akt, ein bisschen Porträt, genau diese Kombination finden wir später bei Newton wieder.
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Also diese erste frühe Prägung im Alter von 16 bis 18 bei die er verehrt hat während seiner Autobiografie schreibt war so entscheidend für ihn und seine spätere Fotografenkarriere
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Das ist nicht zu unterschätzen.
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Verlässt irgendwann Singapur und fährt nach Australien. In Australien angekommen ist er nicht mehr der deutsche Jude, sondern nur noch ein Deutscher.
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Wird's gewissermaßen zu einem feindlichen Ausländer, denn in der Zwischenzeit ist Australien in den Krieg eingetreten gegen Nazi-Deutschland. Und da hat man nicht unbedingt unterschieden, ob das nun ein jüdischer Deutscher ist oder ein wer auch immer Deutscher.
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So, er kommt in ein Arbeitslager. Das muss man sich wirklich mal vorstellen, in Australien ein paar Jahre lang. Ja und öffnet dann, als er dann draußen war, ein Fotostudio in
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Melbourne
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in der Flindis Road und eröffnet dieses Studio 25-jährig genauso alt, war Eva by the way, als sie ihr Fotostudio in in Berlin eröffnet hat und damals auch eben,
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Menschen porträtiert hat, modefotografiert hat für die Kataloge. Genau das gleiche macht Newton.
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Er arbeitet gewissermaßen an seinem Rom. Er lernt June kennen, fotografiert sie, hilft ihm ein bisschen, dann Dunkelkammer, sie heiraten und dann beginnt eine.
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55-jährige Lebens- und Liebesgeschichte, die ganz großartig ist. Die mündet später auch in ein Buch und das zeigen wir auch zweimal hier in unserer Stiftung.
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Sie äh schafft ja seit 1970 ein eigenständiges fotografisches Werk, insbesondere im Portraitfach. Ganz großartige Bilder, die wir hier zu ihrem 1hundertsten Geburtstag im Juni in dreiundzwanzig denn auch in der vollen Pracht gewissermaßen,
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ausstellen werden. Allerdings nachdem ich auch wie für die jetzige Ausstellung ziemlich tief.
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Ins Archiv gegangen bin, ziemlich tief gegraben habe, nach nach ganz besonderen Bildern. Ich bin gespannt. Du ich würde gerne nochmal einen Sprung zurück machen. Du sagst, seine Mutter hatte die vogue.
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Abonniert? War das damals, warum wird es gewesen sein, 191 oder was? Nee, später, hm. Ich weiß gar nicht, wann die erste Vogue
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erschienen. In den 20ern. In den 20ern. Mhm. War das damals eine rein französische Wirkung? Oder? Eine deutsche Vogue. Und der Condon Nass-Verlag hat eben verschiedene Ausgaben
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der Wog auf den Markt gebracht und in den 20ern gab es eben diese deutsche Vogue und die hat seine Mutter abonniert und später das ist natürlich auch wieder eine unglaubliche Geschichte, als es den sogenannten Relaunch gab, 1979 erst.
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Dann kam die deutsche Burg wieder zurück auf den Markt, wurde Newton beauftragt für die zweite Ausgabe zurückzukehren nach Berlin in seine Heimatstadt und an Orten zu Fotografien, die er aus seiner Kindheit kannte.
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Das heißt, da schließt sich der Kreis. Er fährt nach Berlin und fotografiert an Orten, von denen man sich nicht vorstellen kann, dass sie neunzehnhundertneunundsiebzig
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so noch existieren,
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Mieder-Geschäfte, die aussehen wie aus den 20er Jahren, Skulpturen im öffentlichen Raum, an Bismarck steht da herum und kombiniert das natürlich immer mit der entsprechenden Mode und die Voraussetzung diesen Job anzutreten ist von seiner Seite
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dass er deutsche Mode zeigt und nicht, dass die französische Mode importiert wird und hier sozusagen.
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An einem deutschen Standort gewissermaßen gezeigt wird. Wollte er in der deutschen Vogue deutsche Mode haben und in der französischen Vogue französische Mode, oder?
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Also er hat auf jeden Fall darauf bestanden und das war sehr, sehr ungewöhnlich. Also Newton war in der Zwischenzeit natürlich ein absoluter Superstar, eine der siebziger Jahre.
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Für alle großen Magazine fotografiert, er hat seine ersten Ausstellungen gemacht, er hat seine ersten Bücher auf den Markt gebracht, er war Ende fünfzig
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und war wirklich auf dem ersten Peak seiner Karriere. Eigentlich
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beginnt dieser der erste Höhepunkt seiner Karriere um das Jahr 1961, als er bei der französischen Vogue eine Festanstellung bekommt.
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Ja und dieser Höhepunkt, der zieht sich im Grunde genommen bis zu seinem Lebensende.
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Und das ist sehr, sehr ungewöhnlich, denn die meisten Fotografen und auch Künstler die haben eine Karriere, die so ein bisschen ist wie so eine Welle, ein Wellenkammer, ein Wellental, eine Wellenbewegung.
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Und bei Newton ist es ganz anders. Also er steigt irgendwann in den Olymp auf und bleibt da.
23:37
Und bleibt sozusagen auf einem hohen Plateau des Erfolges. Bis zum Schluss, bis er stirbt. Er wird bis zum Schluss,
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gebucht von den Magazinen und das liegt meines Erachtens auch daran, dass er sich immer wieder erneuert hat, seine Bildsprache erneuert hat, angepasst hat und er war,
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so zeitgeistig, dass er dem Zeitgeist gewissermaßen sogar eine Nasenlänge voraus war und zwar immer
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In den 60ern, in den 70ern, in den Achtzigern, in den Neunzigern bis zum Schluss. Und das sehe ich bei keinem anderen Fotografen über einen so langen Zeitraum und das ist natürlich auch der Grund, warum er so häufig publiziert wurde
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Bis heute ist und wir können wahrscheinlich sagen, er ist der meist publizierte Fotograf aller Zeiten,
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Jetzt ist es ja so, wenn wir hier in Rhein kommen, in euer Gebäude, in die Helmut Newton Foundation, schreib mir eine große Treppe hinauf und blicken,
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auf fünf nackte Frauen. Die Big Five News. So und jetzt du.
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Eingang in dieses Haus ist in der Tat geprägt von den fünf big News, die er 1981 in Paris fotografiert.
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Das ist im Grunde genommen eine Reaktion von der Modefotografie hin in die Aktfotografie und das wird vorbereitet.
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Bestimmte Bilder zuvor. In den 70er Jahren, Mitte der siebziger Jahre, hat er dieses legendäre Wild aufgenommen. Der.
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Und zwar pur mit der Frau, mit den zurückgekehlten Haaren nachts rauchend in der Straße, ja mit dem Hosenanzug von und
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eine zweite Version dieses Bildes, was natürlich nicht in der französischen Vogue zu veröffentlichen war,
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mit einer nackten Frau daneben. Er hat schon ganz früh, sagen wir mal, mit dem sexuellen Spiel eines lesbischen Paares visuell gespielt.
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Er hat früh bereits Bilder realisiert
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die lesbische Kurzzeit, die wir heute überhaupt nicht mehr lesen können, beispielsweise in einem italienischen Magazin sitzen zwei Frauen nebeneinander, die eine raucht, die andere möchte gern Feuer haben, die bekommt Feuer und mit einem Feuerzeug
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Und das war sozusagen natürlich auch ein Code für lesbische Liebe. Heutzutage sehen wir so ein Bild und sagen, na ja, zwei Freundinnen sitzen da und rauchen eine Zigarette. Das war damals mitnichten so einfach.
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Es war eine ungeheuerlichkeit, so eine Szene zu realisieren. Das war sehr schwer von Newtons Seite Models zu finden
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auf solche ungewöhnlichen Ideen eingegangen sind und das war umso schwerer die Chefredakteure der Magazine zu finden, die solche Bilder auch noch gedruckt haben.
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Die big News, die im Treppenhaus hängen, sind seine,
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Angelegenheit gewesen. Sie haben sich entwickelt aus einer weiteren Bildstrecke für die französische Vogue, nämlich Naked and Dress.
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Und ähm diese Bilder sind Seite an Seite als Dipddichern veröffentlicht worden, ähm zunächst der italienischen Vogue und dann in der französischen Vogue.
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Damals, in der italienischen gab's nicht so einen großen Aufschrei, aber wohl in Frankreich. Eine
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erneut Ungeheuerlichkeit. Was wagt sich dieser Mann? Was denkt der sich?
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Und wenn man heutzutage diese Bilder sieht und parallel am Vormittag noch in einer heutigen Vogue geblättert hat, ist die Nacktheit überhaupt gar keine Revolution mehr.
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Newton hat aber immer mit den Revolutionen gespielt oder mit Bildern, die einfach ein No-Go darstellen, ein man kann schon fast sagen, die Nordie Boy, er war immer ein frecher Junge, beispielsweise das Unterarmhaar.
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Das gehört natürlich nicht in die französische Vogue.
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Oder in andere Zeitschriften. Auf einer Aufnahme auch im Jahr 1980 in München entstanden, liegt Hanna zurückgelehnt auf einem auf seinem,
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und sie reckt den Arm nach oben und was sieht man? Eine nicht rasierte Achsel.
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Das war natürlich völlig unmöglich, ein solches Bild in die Zeitschrift zu bringen. Eigentlich, denn Newton hat es am Ende dann doch geschafft und das sind diese Dinge, die seine Reputation ja immer weiter
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unterstützt haben und natürlich aber auch immer diese Ambivalenz in der Modefotografie gezeigt haben, in seiner Moderfotografie. Zurück zu dieser Aufnahme von der dieses Bild,
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Die Frau steht nachts auch und in der Straße
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in der Rüberbildung, dass es im Mare und im Hintergrund befindet sich genau das Haus, in dem man ja auch wohnte zu dem Zeitpunkt, ja genau, hat er nicht dort auch gewohnt? Da hat er gewohnt
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Und da hat er also diese Szene realisiert und wir denken nach einer Weile, zunächst sehen wir eine sehr selbstbewusste Frau.
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Eine ziemlich moderne, gar revolutionäre Mode trägt, ein Hosenanzug zu dem Zeitpunkt, dann denken wir.
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Ja worauf wartet sie eigentlich? Nachts rauchend und dann kommen uns
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eigentlich sofort die Bilder von Ernst Ludwig Kirchner in den Sinn der rauchenden Kokotten, also der Prostituierten, in Berlin
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um den Potsdamer Platz herum, um den Pariser Platz herum. Das sind Bilder, die er in den vorm ersten Weltkrieg noch realisiert hat und das ist natürlich eine Kunst, die Juden gekannt hat.
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Goutiert hat und das ist eine unmittelbare Übernahme.
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Also eine subtile, unmittelbare Übernahme. Hat ja viel mit kunsthistorischen Situationen gearbeitet. Ja.
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Also überzeugen in der Ausstellung ja auch gerade ein Bild, das heißt After the laskes. Das ist eine eine Frau, eine Udaliske, die liegt nackt auf einem Divan, in dem Fall ist es eine Liege von.
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Ja und da liegt sie nun und im Original von Velasquez hockt neben ihr links ein Engel, ein kleiner Bruto.
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Hält ihr einen Spiegel davor. Wie sehen diese Figur, die liegen die Figuren, nämlich eine Venus natürlich nur von hinten, aber durch das Spiegelbild sehen wir sie auch von vorne.
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Kopiert diese Szene 1 zu eins, allerdings wird aus dem Spiegel ein Monitor
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und aus dem kleinen Brutto ein kleiner Engel, der wird eine junge Frau. Bin eine kleine junge Frau, die auch so nackt kauert und diesen Fernseher hält.
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Es ist wie gesagt formal eine 1 zu1 Übernahme. Er verlegt die gesamte Situation in seine Privatwohnung in Paris. Er ist in der Zwischenzeit umgezogen. Er wohnt in der Nähe vom Luxemburg. Ja und dieser Monitor ersetzt,
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medialen, zeitgemäß ähm in so einem Shift den Spiegel.
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Und auf diesen Monitor sehen wir sozusagen die Venus von vorn. Natürlich ist es in dem Fall keine Venus, aber.
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Wenn wir die Kunst der Jagdmalerei, der früheren Jahrhunderte uns genauer anschauen, dann sind es ja sehr häufig Venusabbildungen, natürlich stand nicht die Venus als Modell im,
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immer in jeder der sondern es war eine tatsächlich eine reale Frau aus Fleisch und Blut und die wurde dann sozusagen nur über den Bildtitel zu einer Venus
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Und der Erste, der damit auch gebrochen hat oder einer der Ersten, der damit gebrochen hat, war natürlich Francisco Goya. In Prado hängt diese bekleidete und die unbekleidete Maja,
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Na ja, die Schöne und die hängen nebeneinander als.
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Und wie wir wissen, aus der Kunstgeschichte und aus der Rezeption dieses Werkes war das unbekleidete Bild eigentlich nie zu sehen.
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In der Gegenüberstellung, in dieser Dip Dichter und Gegenüberstellung sehen wir natürlich sofort die Übernahme von Helmut Newton.
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In seinem Werk äh Naked. Also 180 Jahre später realisiert er so eine Szene und dann
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Er reagiert auf kunsthistorische Motive und dann ist sozusagen ein weiterer Shift, eine weitere Entwicklung, eine Volte, Robert Ortmann, äh der berühmte Filmregisseur, der dreht einen Film, der heißt Pretre Prothe
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95 kommt er ins Kino
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und da sehen wir die Schlussszene im Film, also sagt ja der Name schon, das handelt sich sozusagen um einen Film, der im im Rahmen eines Pariser Modezirkus entsteht, das Modebusiness, um es besser zu sagen,
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und die Schlussszene, das Defilet, das letzte Defilet sind nackte Frauen, die über den Laufsteg gehen. Und das ist wiederum eine ja
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unverschlüsselte Übernahme einer Newton Idee. Eine Hommage. Eine Hommage geradezu. Ja. Und das ist ganz verrückt, das heißt Newton lebt auch nicht im luftleeren Raum. Das heißt, er nimmt etwas aus der
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Filmgeschichte, wir sehen Hitchcock, James Bond, Motive und so in in seinem Werk Fellini, das sehen wir alles. Er übernimmt etwas aus der Kulturgeschichte, aus der visuellen Kulturgeschichte und der wiederum andere übernehmen es jetzt von ihm,
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so trägt er etwas weiter, er ist extrem einflussreich auf die folgenden Generationen der Fotografen, insbesondere Fotografen, aber wie wir es in seinem solchen Beispiel sehen.
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Auch bei Filmregisseuren, Hollywood Filmregisseur. Jetzt ist es ja so, du sagst seinen ersten Auftrag, hat er 61 bekommen?
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In den ersten Ausstellungsraum und da fangen wir aber nicht mit den 60ern an, sondern mit den 50ern.
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Ein grüner Raum, in dem gerecht wenig Bilder hängen. Es wirkt recht reduziert.
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Wir sehen Männer in in schönen Mänteln vor Autos, man hat das Gefühl hier geht es schon los, dass er anfängt Geschichten zu erzählen.
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Du kannst es besser wiedergeben als ich, was sich in diesem Raum abspielt.
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Die gesamte Ausstellung chronologisch angeordnet. Das ist das erste Mal. Wir gehen sozusagen jetzt von seinem Gesamtwerk aus. Wir haben's gesichtet, immer wieder neu gesichtet und wir haben's jetzt neu gruppiert.
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Eigentlich beginnt seine Fotografie als 32 mit dem allerersten Bild, das ist der Funkturm, er ist 12 Jahre alt, er fotografiert mit einer Aquabox, das
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Bild ist das einzige, was was sozusagen zu sehen ist auf einem Film
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vier Jahre später ist er bei in der Lehre. Es entstehen die ersten Selbstporträts, die auch in unserer Ausstellung hängen, aber eigentlich ist dieser erste Raum in der Tat den 50ern gewidmet, also,
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derzeit, bevor Newton zu Newton wird. Das passiert einen Tick später.
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In diesem ersten Traum, auf diesem grünlichen Wänden, die entsprechend gewissermaßen der Zeit, der Dekade, wir haben ja die unterschiedlichen Räume
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Nachtikaden auch farblich gegliedert. In diesem grünen Raum befinden sich in der Tat relativ wenig Bilder.
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Und das liegt auch daran, dass sehr wenige Bilder
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überliefert sind, dass sehr wenige Bilder aus dieser Zeit erhalten sind. Er hat auf seiner Flucht aus Berlin.
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Gut wie nichts mitgenommen. Ein Koffer mit zwei Kameras und ein paar Bildern, das war's. Ach erklärt das auch diesen Knick. Es wirkt, als sei das Bild zerknittert sein Selbstporträt. Ja.
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Also ich vermute, das hat damals zu tun, dass es sozusagen das Bild ist eingerissen. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Daten, die uns teilweise zur Verfügung gestellt worden sind, noch bevor unsere Ausstellungshaus gegründet worden ist.
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Und es gibt sozusagen die Daten von diesem Bild. Es gibt also sicherlich irgendwo noch in irgendwelchen im Nachlass, den wir noch nicht zu 100 Prozent gesichtet haben. Diese
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Bild, Vorlage, das Original und das wurde dann irgendwann eingescannt. Das äh hat dann sozusagen Aufnahme gefunden in unterschiedliche Ausstellungskontexte, aber eben als internegativ. Also der fotografische Prozess ist ja so, dass man natürlich.
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Selbst ein verlorenes Negativ, wenn man noch ein Original hat, also einen fotografischen Abzug.
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So duplizieren kann, dass man vom Original wiederum einen negativ machen kann, um das dann wiederum.
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Neu zu printen. Heutzutage nennt man das Scan, da muss Phase noch einen internegativen zu Zeiten. Damals gab es als erlebte noch keine Scans. Und sein Werk ist by the way auch ein
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komplett analoges Werk. Es gibt keine digitale Fotografie in seinem Werk
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Zurück zu der ganz frühen Zeit. Das Storytelling, was du erwähnt hast. Das begegnet uns dort zum ersten Mal in der Tat
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hat sich inspirieren lassen von Kriminalroman Raymont Chandler war sein Held. Er hat alle Kriminalromane von ihm gelesen und von den anderen der sogenannten schwarzen Serie.
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Die gefährliche Frau, die vom Fatal die Raymond Chandler und seine Kollegen immer wieder beschrieben haben, die taucht auch bei Newton in seinem Werk auf. Der Mann, also Malo, finden wir nicht unbedingt, auch nicht als Alter Ego von Helmut Newton in seinen Bildern, aber.
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Die Frau nimmt sozusagen Santas Day, also die bekommt den zentralen Punkt im Bild.
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Nichtsdestotrotz gibt es Männer in Mänteln und in Anzügen und die sind dann inszeniert wie eine James Bond Geschichte.
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Er sieht einen Film, sagen wir mal Doktor No und reagiert
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sofort auf diese Filmidee, indem ihr eine Herrenmodestrecke für das Magazin Adam aus England realisiert Anfang der sechziger Jahre.
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Wo bestimmte Männer mit wechselnden Kleidungsstücken Jackettsmänteln
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und so weiter so tun als ob sie als James Bond unterwegs sind mit Pistolen in der Hand ähm neben einem Auto stehend und so. Auch diese Bildstrecke und das sind häufig ja auch in der frühen Zeit bereits
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lange große Bildstrecken von Newton. Diese Bildstrecke ist gespickt von
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Menschen, die wir irgendwie auch kennen und zwar spielt ihr in Flemming M,
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Und das muss man sich mal vorstellen. Also der Autor, der Autor der James-Bond-Reihe lässt sich von Newton überzeugen, mitzuspielen in einem neuen Setting.
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Für ein Herrenmodemagazin. Das ist schon stark.
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Also das Newton sozusagen so in der Lage ist, solche Menschen zu bekommen zu überzeugen mit seinen ungewöhnlichen Bildideen und das Verrückte am Ende ist ja natürlich auch, dass er
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die Menschen auf der anderen Seite des Tisches. Also es entstehen ungewöhnliche Bilder, aber die müssen auch gedruckt werden, dass er diese Menschen auf der anderen Seite des Tisches eben auch erreicht und auch überzeugen kann,
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auf diese ungewöhnlichen Bilder einzugehen. Ja, ich wundere mich, weil in den fünfziger, 60er Jahren war er jetzt noch nicht.
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So bekannt. Exakt. Doch keine Marke. Auch noch nicht richtig eine Marke. Er ist auf dem Weg. Er lebt zu dem Zeitpunkt. In der Zwischenzeit so zwischen England und Australien.
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45 eröffnet, der in in Melbourne das Studio. Er ist eine ganze Weile da, dann arbeitet er für die britische Vogue beziehungsweise die Zusatzausgabe aus Estralian vogue.
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Ist eine Beilage der britischen Vogue mehr oder weniger und fotografiert auch für verschiedene andere Zeitschrift und Auftraggeber. Auch damals schon kommerziell
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und er unterscheidet ja im Laufe seines gesamten Lebens und Schaffens nicht zwischen
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dem sogenannten Editorial und der Fotografie für den entsprechenden Klienten. Und das ist außergewöhnlich eigentlich und er pendelt dann zwischen
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Australien Melbourne und London, weil er für die britische Vogue einen Jahresvertrag bekommt, neunzehnhundertsechsundfünfzig, fährt also nach London.
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Beginnt die Stadt zu hassen? Ach echt? Und knapp sozusagen verpasst nach elf Monaten verlässt er die Stadt wieder, fährt dann über Paris zurück nach Melbourne und Paris wird sozusagen
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Die zweite Liebe seines Lebens oder die Dritte, wenn man so will. Die erste ist eigentlich die Fotografie, die Zweite ist eigentlich Jone. Weil
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er hat sie gewarnt, bevor sie geheiratet haben, schreibt er in seiner Autobiografie. Die Fotografie wird wohl leider immer
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seine erste Liebe bleiben. Ich weiß nicht, ob das so ganz aufgegangen ist, am Ende, ich glaube schon, dass June und die Fotografie so ungefähr auf einer Ebene war. Plüktine Symbiose.
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Und ja, er hat auf jeden Fall fotografiert für die britische Vogue in England, später, dass er immer wieder auch nach London zurückgegangen, aber Paris wurde es dann. Kurze Zwischenzeit dann nochmal in in Melbourne, ab 61 fährt er nach
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Paris ab 61 ist er da
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arbeitet mit einer Festanstellung für die französische Vogue. Und wir haben im ersten Ausstellungsraum gleich ein riesiges Zitat an der Wand. Das ist sozusagen eine Doppelseite aus unserem begleitenden Buch und wir
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verbinden sozusagen dieses Design des Buches auch mit der Ausstellung. Das eine, das begleitet das andere. Das Buch, das musst du wissen
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Im Taschenverlag erschienen, ist in einer großen Auflage entstanden. D-Mark, Sumo-Buch.
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Nein, aber ähm wir kriegen ja auch kein
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Mehr. Das ist auch wahr und das waren immerhin 10.000 Exemplare damals der Sumo mit dieser großformatigen Sumo. Aber dieses Buch distribuiert die Idee, die künstlerische Idee von Helmut Newton.
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Parallel zu unserer Ausstellung, die ja auch tun wird, in die Welt. Also dieses Buch ist Avaleble in.
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Und in Melbourne und in Berlin. In Berlin sowieso und an vielen anderen Orten und zwar gleichzeitig.
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Und das ist natürlich äh ganz schön, dass wir.
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Dieses Motto, dem wir uns verschrieben haben für unsere Stiftung, dass wir das durch so etwas natürlich auch noch unterstützen können
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ne und begleiten kann. Denn die die Stiftung ist gegründet worden, um einfach ganz klassisch wie ein Museum eben arbeitet, das Werk zu bewahren, es aufzuarbeiten und zu präsentieren
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Also diese drei Aspekte, die eigentlich jedes Museum sich auf die Fahnen geschrieben hat, die haben wir uns eben auch in unser Stammbuch geschrieben, aber es geht
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darüber hinaus noch um viel viel mehr.
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Nach dem Tod von Juhn Newton geht es natürlich jetzt auch um die Vermittlung des Werkes von June respektive Alice Springs. Zurück zum ersten Raum in unseren Ausstellungsräumen, da gibt es Portraits, gegenseitige Portraits von Helmut und John,
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Und natürlich ist der eine oder die andere nicht zu denken und umgekehrt.
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Es gibt ganz großartige gegenseitige Portraits. June fotografiert Helmut noch bevor
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sie eigentlich eine Fotografin ist, nämlich ab 1970. Es gibt dieses wunderbare Portrait von 1958 in Melbourne aufgenommen und es gibt den.
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Sowie Gegenschuss. Die beiden Bilder hängen nämlich großformatig bei uns an der Wand. June ist fotografiert worden von Helmut in der Rolle der Hertha Gabler.
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Wer es hätte gab, ne? Also sie schlüpft gewissermaßen als ausgebildete Theater-Sparspielerin immer wieder in die Rollen von anderen Menschen.
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Auf der Bühne und dieses,
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Bühnengeschehen und das Rollenspiel findet im Werk der beiden immer wieder statt. Newton baut Bühnen für Menschen.
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Für Situationen und diese Bühnen sind ganz unterschiedlicher Natur
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Zunächst sind es, wie soll man sagen, luxuriöse in denen er gewisse Fantasien auslebt,
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mit den Models die entsprechende Kleidung trägt und
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Er kommt ja aus einer wohlhabenden Familie. Er ist es gewohnt gewesen, in diese Spas zu gehen mit der Familie und das holt er sich zurück, diese Erinteries holt er sich
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über seine Fotografie zurück. Und später ist es jetzt, das sind die 60er und die 70er Jahre. In den 80ern fotografiert er sehr, sehr viel Akt, bisschen Porträt, viel plain air und in den 90ern ist es ein völlig anderes Setting. Also die Bühnen
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werden völlig andere. Es ist sehr häufig auch die Straße, aber es sind roughe Hintergründe. Es sind Beton-Konstruktionen,
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Häuser, die noch im Rohbau sind, vor denen er gewissermaßen seine Modelle drapiert. Also diese Raumidee, diese Bühnenidee, die verändert sich komplett, aber sie ist ganz früh gesetzt.
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Auch durch junton als seine Frau und als eine.
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Schauspielerin, die er in der Rolle der Hertha Gabler fotografiert. Er fotografiert in dem Fall seine Frau
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eine Frau und eine Schauspielerin zugleich, also.
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Wir wissen gar nicht, wen wir hier vor uns haben. Wenn wir nicht wüssten, dass June Newton seine Frau ist, dann sehen wir sozusagen nur eine Frau, aber wir sehen sozusagen auch diese leichte Veränderung in der Mimik, hin zum Schauspiel.
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Rollenspiel wird ganz zentral in seinem Werk und das sehen wir später natürlich auch in den Aufnahmen, die er von den Hollywood-Schauspielern gemacht hat. Glaubst du, der Fakt, dass er mit einer Schauspielerin verheiratet ist, führt dazu, dass er,
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so tief in das Story Telling einsteigt, das ist für ihn quasi prägendes Bild wird. Ich glaube, man kann gar nicht richtig unterscheiden, was zuerst kommt.
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Phase bei ist auch zentral,
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auch sie hat sehr viele Tänzerinnen fotografiert, Schauspielerinnen fotografiert. Ihr Atelier war damals in der Schlüterstraße fünfundvierzig, Ecke Kudamm.
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Und um den Kuhdamm herum waren sehr, sehr viele Fotografen ansässig,
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zu dem Zeitpunkt in den zwanziger Jahren, in den frühen dreißiger Jahren und da gingen die UFO-Schauspieler ein und aus. Es wurden Bilder hergestellt, Portraitbilder auch schon für die Fans. Das Gleiche passierte parallel gewissermaßen in Hollywood. Und die Ufer
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und Hollywood waren im Grunde genommen zu dem Zeitpunkt auf Augenhöhe. Die Ufer war wahrscheinlich noch einen Tick weiter und erst durch sozusagen durch die Fluchtwelle ausgelöst, durch die Nationalsozialisten.
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Hollywood natürlich noch mal zu einer ganz großen, zu einer anderen Macht geworden. Es war ein ja ein Ausbluten aus dieser Szene.
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Und ich denke mal hat das noch einen Tick früher kennengelernt, also noch vor dem Kennenlernen seiner eigenen Frau in Australien
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Es ist die Prägung gewesen, diese diese frühe diese Weimar-Republik, das ist nicht zu unterschätzen, was Newton damals alles schon mitbekommen hat. Wir müssen uns vorstellen,
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Berlin war damals eine Stadt mit den meisten Zeitschriften auf dem Markt. Weltweit und Newton war schon ganz früh dabei
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diese Dinge aufzusaugen, visuell aufzusaugen und äh hat früh gelernt. Wollte er denn immer ein ganz großer Fotograf werden? Ein ganz großer Modefotograf?
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Ich meine, irgendwo braucht man ja auch einen gewissen Ehrgeiz, oder? Dieser Ehrgeiz war auf jeden Fall da und äh beschreibt das rückblickend in seine Autobiographie, dass er schon sehr, sehr früh diesen Ehrgeiz hatte und dass er genau das so wollte.
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War er begeisterter Kinogänger? Ich gehe mal davon aus, ich habe mit ihm, als ich ihn das eine Mal traf und lange mit ihm geredet habe, leider darüber nicht gesprochen.
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Aber er beschreibt das in Interviews und in seine Autobiografie.
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Ehe von Sternheim. Später hat er den Billy Wilder fotografiert, dass es diese ganzen Filme, die wir da alle gesehen haben, wir haben die ganzen DVDs jetzt äh mitgebracht aus seiner Wohnung in Monte Carlo, die wir ja vor Kurzem aufgelöst haben.
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Auch das ist sozusagen eine interessante Aufarbeitung. Also wohl ist seine visuelle Prägung und dass er Hitchcocks unsichtbarer Dritter, also North bei Nordwest, gesehen haben muss.
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Er hat diese eine Szene.
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Unmittelbar 1 zu eins kopiert die Frau, die vor dem Flugzeug wegrennt. Genau diese Szene. Da habe ich eine Frage zu entschuldige. Ich habe ein Bild gesehen.
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Natürlich das Bild, wo die Frau vor dem Doppeldecker davonläuft und das zweite Bild, ich vermute, es hat June aufgenommen, da steht er auf einem Louis Vuitton-Köfferchen.
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Und ich habe hier aufgepasst, in eurer Ausstellung habe ich auch ein Louis Vuitton-Köfferchen gefunden. Es ist ein Fotokoffer. Das ist sein Fotokoffer. Eigentlich ist es ein richtiger Koffer, aber der hat dann so ein Inlay sich gebastelt und da waren die ganzen Objektive drin, seine unterschiedlichen Kameras.
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Denn zu dem Zeitpunkt, er hat ja analog fotografiert, musste man ja auch die unterschiedlichen Filmqualitäten haben oder aber
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war das noch ein bisschen früh. Es war 67 die Aufnahme in der Nähe von London mit dem Flugzeug
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der hatte nicht parallel schwarz-weiße Farbe fotografiert. Das waren wahrscheinlich ein 400-Aser-Filmen, hundert Aser-Film, wenn da zwei Kamera-Bodies dabei hatte.
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So konnte er so unterschiedlich und schnell reagieren. Ich habe dich abgelenkt. Diese Idee, das Übernehmens von bestimmten ja Filmszenen, das finden wir immer wieder. Manchmal ist es ein bisschen subtiler.
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Und manchmal ist es wirklich 1 zu eins wie in diesem Fall mit dem mit dem Flugzeug. Wir sehen grade zu Carrie Grand vor dem vor dem Flugzeug, flieg ihn ins glauben Maisfeld und sich hinschmeißen und ähm diese Filmszene kommt
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unmittelbar vor dem inneren Auge ja ploppt sie auf.
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Und da ist Newton ein Meister. Er hat äh Arthur Schnitzels Traumnovelle geliebt. Er hat sie manchmal zitiert, also
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in Interviews, also davon sehr inspiriert war und das meint ja auch genau diesen Aspekt, dass wir das, was wir gar nicht sehen können, aber doch ins Bild, ob's ein Filmbild ist oder ein Fotografischen, Film Stilles, doch ergänzen.
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Und zwar vor unserem eigenen Auge. Vor einem inneren Auge. Jetzt mal frech gefragt. Warum ist er denn dann ich,
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Filmmacher geworden. Tja, das ist eine gute Frage. Er konnte sehr gut umgehen mit der Kamera und also mit der
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Fotokamera. Das ist ein anderes Medium, also vierundzwanzig Bilder. Eine Sekunde ist was ganz anderes, um einen ganzen Film aufzubauen. 90 Minütiger oder ein hundert1zwanzig Minüter.
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Er konnte sehr gut seriell arbeiten. Mhm. Und wenn du diese Bilder dir nebeneinander vorstellst, dann hast du so eine Art
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filmisches erzählen. Im ersten Raum ganz früh hat er ja eine Szene realisiert, die wir hier das erste Mal zeigen, weil ich diese negative gefunden habe in unserem Archiv.
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Waren glücklicherweise dann eben auch markiert auf dem Kontaktbogen, das heißt die waren legitimiert für die Verwendung und dann habe ich sie später auch noch in der Veröffentlichung der Französischen Vogue gesehen und das ist eine eine filmische Erzählung.
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Eine Frau wird kontrolliert an der
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Belgisch französischen Grenze. Sie sitzen in einem großen Mercedes. Die Zöllner kommen oder Polizisten kommen. Sie muss ihren Ausweis zücken, denn sie sozusagen in der Polizeistation, dann steigt sie wieder aus, wenn sie sie an einer Schranke und so weiter.
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Gleiche Form.
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Und von Frame zu Frame zieht sie sich um, beziehungsweise trägt eine andere Kleidung. Und das ist natürlich der Clou an der ganzen Sache, also im filmischen Erzählen, respektive in dem in dieser filmisch erzählten fotografischen Story. Ja.
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Hat sie sich von von B zu Bild umgezogen und es geht natürlich, wir sind hier im Modekontext, um Kleidung. Natürlich nicht um die Zöllner.
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Echte Zöllner waren in dem Fall, die einfach nur verwendet hat für diese Inszenierung und die dann einfach auch mitgespielt haben
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Ja, es geht in seiner Fotografie eben auch um das Storytelling. Was vergleichbar ist mit einer chemischen Realität, wenn man so will. Aber,
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filmische Realität und die Fiktion, das geht ja manchmal auch ineinander.
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Newton hat sich immer von der Realität inspirieren lassen. Er hat Situationen gesehen, die er aufgeschrieben hat, die er teilweise auch fotografiert hat mit Schnappschüssen und dann in seine legendären Notebooks übertragen hat.
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Teilweise sogar mit dem Kleinen negativ oder mit deinem Kontaktabzug.
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Um eine bestimmte Situation festzuhalten. Später hat das natürlich auch mit der Polaroid-Kamera gemacht und ihr dann auch verwendet hat für bestimmte Modeshootings auch,
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Bilder, Shootings und so weiter, um bestimmte Kompositionen zu überprüfen, aber diese Notizbücher, die wir auch in unserer Dauerausstellung zeigen, in einer Vitrine.
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Sind eine eine unglaubliche Quelle für sein Werk und zwar eine ja eine unglaubliche Quelle für die
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Motivfindung und wir haben in der Ausstellung, in der aktuellen Ausstellung natürlich auch in Vitrinen, alles ausgebreitet. Also das ist auch die gesamte Ausstellung ist eine Genese des Werkes oder ein nachvollziehbar machen der Genese des Werkes und
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vier Vitrinen in den Räumen und in den Ausstellungsräumen genauso.
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Das heißt, wir blicken in diese Vitrine hinein und wir bekommen zusätzliche Informationen zu den ausgestellten Bildern, Verwendung der Bilder in den Magazinen, zusätzliche Kontaktbögen, Polaroids und so weiter mit Markierungen und.
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Lernen wir ganz viel, wie ein Fotograf auf so eine verrückte Idee gekommen ist, so etwas so zu realisieren.
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Und ja
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und welche Bilder sozusagen auf diesen Kontaktbrücken auch angekreuzt hat. Dann verrat mir doch mal, wie er auf die Idee gekommen ist, den ich glaube, es ist Bulgari-Schmuck mit einem Hühnchen zusammenzufotografieren.
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Mit einem das ist auch verrückt. Das ist in der Tat. Aus dem Ofen kommenden Hühnchen. In der Zeit verrückt. Er kommt nach Hause, eines Tages und sieht seine Köchin einen Huhn zubereiten,
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und sie macht das relativ brutal. Sie reist sozusagen diese beiden Flunken auseinander. Diese beiden Beine
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und dann sagt er, bleib mal so, ich möchte ein schnelles Foto machen und dann macht er eben dieses Bild. Klebt es in sein, klebt den Kontakt später in ein sein Notizbuch
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schreibt sie schon auf, dass er diese Szene, diese reale Szene später gerne mal realisieren möchte. In einem anderen Kontext.
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Das tut er auch. Dann bekommt er irgendwann den Auftrag für Bulgarien zu fotografieren und kombiniert genau diese Szene. Man sieht dieses Hühnchen.
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Ein Brathühnchen mit den beiden sozusagen auseinander gezogen und die Frau trägt einen dicken, wahrscheinlich Chaphir.
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Ja und daneben liegt noch ein Messer, ein gefährlich aussehendes Messer auf so einem Holzbrett und das ist sozusagen ähm
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Ende, weil Bulgari das dann doch nicht so interessant findet. Ich hätte jetzt meinen, ich hätt's jetzt wirklich interessiert, was hat denn Bulgari gesagt, dass Schmuck?
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Haben die das so akzeptiert? Nein. Er hat ja verrückte Dinge für die für die Werbung direkt realisiert. Aber ähm
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Dieses Bild kam sozusagen ging nicht durch, aber Newton wäre nicht Newton, wenn du das Bild nicht doch veröffentlichen würde. Wer hat das geschafft? Er hat es dann später in einer Bildstrecke realisiert für die Vogue, für die französische Vogue einfach und den,
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schlechten Titel Bischu, also einen Schmuck-Editorial und da sind die unterschiedlichsten Bilder,
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schwarz-weiß, Farbe nah ansichtig, unter anderem auch fat handwith Dollars, ein auch ziemlich freches
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Bild, was im Grunde genommen schon ein Symbolbild für die Todsünde darstellen könnte,
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also diese ganzen Bilder vereint der gewissermaßen in dieser Bildstrecke und das ist sehr, sehr frech. Wie haben denn die Kunden grundsätzlich auf ihn reagiert? Er hatte ja durchaus auch sehr seriöse Kunden, die eben jetzt Bulgari,
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waren die immer so einverstanden mit seinen Ideen und haben gedacht, ach ja, hier bitteschön, Cart Blanche. Ähm ja ich
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gehe mal fast davon aus, dass es so eine Art Card-Branche gegeben hat, denn wenn man beauftragt hat, dann wusste man, dass man nicht unbedingt jetzt was ganz
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spießiges bekommt, sondern es war immer ein Aufreger
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Und dafür war bekannt und er hat provoziert, er hat manchmal auch die Menschen sehr provoziert aber er hat es immer geschafft gewissermaßen im Gespräch zu bleiben. Er war, als es auf unterrieben und er hat.
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Ja, er hat aber auch ganz großartige Bildstrecken geschaffen, die heute wirklich legendär sind. Die 60erjahre.
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Du sagtest eben auf Wort Herr Riebel, waren die 60erjahre für ihn
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der Moment, wo der Umschwung stattfand, dass das Deutschland free wulder geworden. Also die 60er Jahre waren auf jeden Fall so eine Epoche, also nach der Festanstellung auch bei der französischen Vogue, wo wo ganz viel ging.
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Modedesigner auch Dinge entwickelt haben, wo Newton dann wiederum ins Spiel kam.
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Um die adäquaten Bilder zu machen, um die kongenialen Bilder zu machen.
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Die Revolution, der Mode hat sich weiter fortgesetzt und man brauchte eine entsprechende Visualisierung. Das ist ja ganz klar. Also das reicht ja nicht, das ein paar Models über einen Laufsteg in Paris spazierten und das war's dann,
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die Bilder mussten ja sozusagen in die Welt und da braucht es entsprechende Fotografen und Newton wurde für solche Jobs gebucht, weil er einfach diesen Riecher hatte.
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Wie wie kann man sozusagen diese Dinge visualisieren? Und diese Idee, all diese ungewöhnliche Visualisierung zieht sich ja wie so ein roter Faden durch sein gesamtes Werk.
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Sind seine Interpretationen und seine Vision der jeweils zeitgenössischen Mode. Und er hat auf der einen Seite einen Kart Blanche gehabt, schon damals,
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hat aber für die ja renommiertesten Magazine gearbeitet und zwar parallel
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unabhängig sozusagen noch mit seiner Festanstellung bei der französischen Vogue und konnte bei bestimmten Magazinen noch ein bisschen frecher agieren, zum Beispiel bei der L. Da finden wir auf so einer Stellwand King Kong.
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Und King Kong hm.
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Von dem geht gar keine große Gefahr mehr aus. Da stehen diese Frauen gelangweilt im Raum sehr selbstbewusst und haben dann auch noch so einen kleinen Affen an der Leine. Also wenn man so etwas sieht,
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vergleicht beispielsweise mit Zeitschriften aus Deutschland
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waren wir hier noch nicht ganz so weit. Das ist eine wirklich eine ganz konsequente Umsetzung, das Selbstbewusstseins, französischer Frauen.
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Und das finde ich total interessant, dass Newton eben diese Bilder hat machen können, machen dürfen und dass die sozusagen so veröffentlicht wurden und da kommen ganz viele Dinge zusammen, bis es passt. Nicht, also das ist
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einen Newton, der frech genug ist, so etwas zu realisieren und dann eben auch andere, die diese Dinge denn sozusagen.
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Entsprechende Magazine bringen und die Leser und Leserinnen, die so etwas auch gutieren können und dann auch mehr fordern.
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Also es könnte ja sein können, dass irgendwie.
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Was weiß ich, 50 Prozent der der Menschen ihr Vogabo abbestellen, weil solche Bilder in der Zeitschrift sahen, ganz im Gegenteil. Die Auflagen stiegen, er wurde immer mehr gebucht und das ging dann sozusagen weiter in den siebziger Jahren, in den achtziger Jahren. In den achtzigern
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gab's einen gewissen Break mit der Matabmode in seinem Werk,
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Es war mehr Akt, mehr Porträt. Er lebte da zu dem Zeitpunkt schon in Monte Carlo, aber 1981 und fiel aber auch in Hollywood. Also im Chateau Mamont, wo er die ersten Monate des Jahres überwinterte.
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Dann ähm ist er sozusagen da auch wieder mit ganz anderen Menschen zusammengekommen und das ist eine gewisse Verschiebung in seinem Werk gewesen, auch zu anderen Themen, zu anderen Genres. Das erste Aktbild.
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Doch von seiner Frau entstanden, oder,
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dieses schöne Wuselerzief sitzt eine Zigarette in der Hand und man sieht ganz leicht angedeutet ihre Brustwarzen. June After Dinner ist der schlechte Titel,
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dieses Bildes. Sie haben also zu Ende gegessen in ihrer gemeinsamen Wohnung in der und dann entsteht dieses Bild. Es ist natürlich auch ein.
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So will für Führungsbild und die sehen schräg gegenüber ja auch ein Brautkleid was sozusagen auch die Brust freilegt, sehr frech inszeniert,
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Es war eine interessante Zeit Anfang der siebziger Jahre. Dieses Bild von Jone, das du erwähnst, das ist sozusagen ein privates.
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Was die beiden aber dann später.
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Veröffentlichen, also wirklich öffentlich machen. Wann war das? 1972 aufgenommen und später erscheint das dann eben auch in den Büchern.
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Es ist Bestandteil dieses Buches, was in den neunziger Jahren entsteht, aber kurz zuvor, also Ende der 80er Jahre wird das auch schon veröffentlicht. Die beiden haben sich
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ständig, gegenseitig nackt fotografiert. Er, sie, sie ihn und die beiden lebten ab 1964 nicht nur in Paris.
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Sondern auch in Südfrankreich in einem kleinen Steinhaus mit einem angeschlossenen Weingut in der Nähe von Ramatuell, also in der Nähe von Saint Tropez. Und da lieben sie einfach nackt
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durch den Garten. Es gab eine Gartendusche und da duschten sie eben nackt und alle diese Bilder tauchen dann später eben in dieser Publikation Us and them auf. Und in der begleitenden Ausstellung. Die beiden fahren regelmäßig nach Saint Tropez und an den Strand.
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Da entstehen sehr viele Bilder, die ich mal eher als private Bilder bezeichnen würde mit sehr vielen Freunden.
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Alle baden fast nackt. Diese oben ohne Szenerie. Weißt du was?
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An genau dem Strand habe ich als fünfjähriges Mädchen meinen ersten nackten Mann ja du siehst. Ja. Es ist genau.
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Also das ist so in den 70ern, da passiert sehr, sehr viel in der Gesellschaft. Und Newton bildet das ab.
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Und er bildet das nicht nur ab eins zu eins
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sondern er verklärt es. Also auch da wieder, wir wissen bei Newton nie, wo die Realität endet und die Fiktion beginnt. In dieser Zeit Ende der siebziger Jahre fährt er beispielsweise für den Stern eben nach Saint-Tropez also ist ja quasi immer da und ähm
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und fotografiert Frauen, die.
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Geschlossene Kleider tragen. Cocktailkleider, schwarze Cocktailkleider und kontrastiert das mit den Nackten am Strand. Völlig merkwürdige Situation.
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Das Gleiche macht er auf den sogenannten Badeschiffen auf der Sain. Da ist ja auch, ne, die die tourten ja sozusagen immer hoch und runter und da war ja auch sozusagen ein Nackt
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Baden angesagt in den 70ern und da da gibt es dann Tische, wo man reservieren konnte und essen konnte und da stehen dann beispielsweise zwei Frauen
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eben auch wieder mit einem Cocktailkleid. Diese Kontraste machen seine Bilder so interessant. Wir haben auf der einen Seite das normale, reale Leben und auf der anderen Seite haben wir die
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die Inszenierung der Mode, einer gewissen Illusionismus, natürlich auch eine gewisse Fiktion und er bringt diese Dinge, die nicht zu vereinen sind zusammen.
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Total interessante Kombination, total interessante Bildkomposition sind es. Ja
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Es gibt andere Fotografen, die so was Ähnliches machen, nicht. Also die er ist ja nicht der Einzige. Er wird dann pennen, Frank Horwa, William Klein, die sind alle so mit dieser Idee beschäftigt zu dem Zeitpunkt
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Aber das Interessante daran ist, das kommt alles nicht von ungefähr, dass er 1972 seine Frau nackt.
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After Dinner fotografiert, dass er diese Frauen
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die Menschen nackt fotografiert, die einfach auch nackt am Strand liegen, sie einbaut in seine Modeinszenierung, das ist alles kein Zufall.
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Eigentlich erste Aktbild, das andere ist ja ein privates Bild, ist von Sherlock Rampling,
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aufgenommen in einem Hotel in Aal, in Südfrankreich, also auch wiederum nicht so weit weg von dem Ort, wo er lebte, wo er die Sommermonate verbrachte.
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Später verbrachte die Wintermonate in LA und da waren's die Sommermonate in Südfrankreich.
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Und dieses erste Bild ist auch für Charlotte Rampling ein sehr sehr entscheidendes Bild gewesen.
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Mit diesem Bild änderte sich gewissermaßen ihr eigenes Image und das war für sie sehr, sehr wichtig. Also es musste so etwa so vorstellen wie
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Schneider, die sich von ihrem Sissi-Image befreien wollte und da nachher über
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Wisconti, Alon Dellong, Michael Piccoli mit diesen Feentrio Infernat. Eine ganz andere Rollengebung kam.
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Und das war für Sherlock, die sich nackt von.
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Fotografieren liest, ein sehr sehr entscheidendes Bild. Das beschreibt sie auch sehr, sehr schön in dem wunderbaren Filmporträt von Gero von Böhm, was ja zum 100 Geburtstag von Helmut Juden entstanden ist.
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Es ist ein Bild, sie sitzt in einer Bar auf einem Tisch,
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und ganz so viel sieht man eigentlich nicht. Es ist sehr subtil. Ganz subtil, sie dreht sich ein bisschen um zur Kamera. Helmut Newton steht na so zehn Meter entfernt von ihr, acht Meter entfernt.
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Sie sitzt auf dem Tisch, interessanterweise mit den Füßen aufgestellt auf die Lehnen eines Lehnstuhles.
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Trägt Schuhe und man sieht ein wenig ihre Brust im Profil,
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Man sieht aber, dass sie nackt ist, dass sie komplett nackt ist. Also Newton schafft ja immer wieder Bilder, wo unsere Fantasie beginnt.
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Also wie ein Filmstil und ja wie.
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Polanskis China Town. Wenn wir von dem Filmstil sehnen, kommt uns sofort der Film, den wir nun kennen in den Sinn, aber,
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Bei Newton sind es ganz häufig Situationen.
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Von denen wir glauben würden, sie wären ein Filmstill, aber den Film, den kennen wir eigentlich gar nicht. Sehr interessant. Ist das so mit dem Bild? Ich glaube, es ist aus den 80er Jahren und ich glaube, es geht um eine Karin Klein.
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Kampagne. Man sieht eine Frau breitbeinig
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auf den Hintern eines schönen Mannes ohne Kopfschau. Stimmt gar nicht, den Kopf sieht man im Schatten. Dieses Bild entsteht in Saint-Tropez
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wieder in Saint Tropez 1975 für die amerikanische okay, ich dachte Achtziger. Für die amerikanische Vogue in dem Fall und hier dreht Newton den Spieß einfach mal um.
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Also nicht der Mann schaut auf die schöne Frau, sondern die schöne Frau schaut auf den schönen Mann.
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Und das ist, finde ich, total interessant, wie er das umdreht, mit welchem Selbstbewusstsein diese Frau da sitzt, lässig, sehr lässig,
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dass sie nun sozusagen einen Calvin Kleinkleid trägt. Das ist sozusagen der eigentliche Aufhänger,
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der Ausgangspunkt, aber die Inszenierung macht es wieder. Es ist eingebunden in eine große Bildstrecke 14 Seiten sind es insgesamt in der amerikanischen Vogue
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und da gibt es auch Bilder, wo zwei Frauen mit einem Mann stehen und zwei Männer mit einer Frau,
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passiert nichts. Alles geht sozusagen dreht sich in unserer Fantasie hin und zurück
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und es war ein riesiger Aufschrei sozusagen im Publikum
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Ja? Unter den Leserinnen und ja in der erweiterten Rezeption, denn wir müssen ja immer uns vorstellen, diese Zeitschriften hatten damals eine gigantische Auflage. Das ist ein bisschen anders als heute und darüber hinaus haben diese Bilder eine ganz große Verbreitung erfahren.
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Die wurden diskutiert
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ganz anders als heute, wenn heute irgendein Fotograf in irgendeinem Modemagazin ein Bild veröffentlicht, wenn das nicht völlig außergewöhnlich ist, dann nimmt es gar kein Mensch zur Kenntnis. Außer den Lesern und Leserinnen dieses Magazins.
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Das war damals anders. Und es war sozusagen wirklich Gesprächsstoff. Und das dieses Bild so.
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Heftig diskutiert wurde, so kontrovers diskutiert wurde,
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ist heutzutage überhaupt nicht nachvollziehbar. Wenn wir weitergehen, dann sehen wir, ich glaube, das trägt sogar den Titel Selfporträt.
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Und wir sehen vielleicht wird der ein oder andere als erstes einen wunderschönen nackten Damen Po sehen, dann sehen wir einen Mann
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im Trench und wir sehen eine Frau. Bei dem Mann handelt es sich. Ich vermute bei dem Titel self Portrait um Helmut Newton und die Frau ist June.
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Und sie wirkt wie zufällig in das Bild reingerutscht
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Wusste damals nicht, dass sie mit im Bildfeld ist. Beugt sich gewissermaßen über seine Kamera. Es ist ein quadratisches Bild, also entstanden über ein sechs mal sechs negativ mit der Rolllay Flex aufgenommen. Das ist eine doppeläugige Spiegelreflexkamera, in die man von oben hineinschaut.
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Also wir sehen über diese Spiegelung des Mannes, denn wir blicken in einen Spiegel.
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Wir sehen sozusagen in diesem Menschen nicht selbst, aber wir können schon vermuten, dass es sich um ein handelt. June sitzt am Rand, auf der Höhe des Spiegels und schaut der Szenerie zu.
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Wenn wir vor diesem Bild stehen, dann ergänzen wir sozusagen räumlich über die Raum,
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Situation, die Gesamtsituation, denn wir schauen ja mit gewissermaßen in den Spiegel wie Helmut Newton, wir nehmen die Position von Haybrid Newton ein, der
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allerdings im Bild die kleinste Figur ist.
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Und im Hintergrund steht. Dieses Bild ist sehr häufig mit dem berühmten Bild Lassmer Ninjes von Velasquez verglichen worden, by the way. Im Bildvordergrund. Wir sehen diese Frau rückseitig von hinten, weil sie von rückseitig fotografiert worden ist und von vorne vis-a-vis
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über die Spiegelung befindet sich ein Aktmodell und dieses Bild.
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Ist entstanden. Das sieht man dann über die Bildunterschrift für die Vogue Urmo, also für die italienische Männervogue und dann denken wir uns.
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Wieso denn das? Der Hintergrund ist, dass Newton gebeten worden ist für eine Editorial Strecke, also für eine Bildstrecke über Herrenregenmäntel eben diese zu fotografieren.
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Antwortet er war auf dieser Anfrage, das mache ich gern,
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aber wenn, dann fotografiere ich meine eigenen Regenmäntel. Und nehme mich selbst als Model mit rein.
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Gesagt, getan und er bucht sozusagen dieses Akt-Modell, um sozusagen mit diesem Akt-Modell diese Bildstrecke zu realisieren. June kommt zufällig vorbei. Die ganze Szenerie wirkt wie eine.
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Die Situation, wenn man so will. Es ist natürlich nicht, denn June weiß schon ganz genau, womit Helmut sein Leben so da halt verdient und sie sitzt sogar.
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In diesem Regiestuhl auf der Ebene des Spiegels
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auf die Situation blickend wie eine Moderekteurin. Sie guckt distanziert, offen, neugierig
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auf die Situation und eigentlich will sie ihn nur zum Mittagessen abholen.
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Also das ist eine völlig verrückte Situation, ein völlig verrückten Modeinszenierung. Und wahrscheinlich auch deswegen ein ganz
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berühmtes Bild geworden. Ja und du sprachst doch eben, dass Newton für kontraste steht. Auffällig an dem Bild ist doch auch die Schuhe, der eine trägt Weiße, der andere trägt zwar schwarze Schuhe, das Kabel, das irgendwie auf der einen Seite schwarz, auf der anderen Seite weiß ist.
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Bilde ich mir das nur ein oder? Also ich glaube dazu. Das gehört auf jeden Fall dazu. Ich lese das auch genauso. Ich lese das auch als Dualismen. Ich sehe sozusagen auch wieder
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Naked und Dresd in dieser Situation, zweimal dress, ne, zweimal naked, wenn wir sehen, eine zweite Frau sozusagen im Bildanschnitt und.
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Er nimmt sozusagen diese Idee auf. Er kontrastiert. Immer wieder, immer wieder neu. Er baut
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ganz irre Bühnen für seine Bilder und das Verrückte ist, ihm wurde ja auch sehr häufig vorgeworfen, dass er.
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Frauen zu einem Objekt macht, er macht sich in diesem Fall selbst zu einem Objekt und alle, die auf seinen Bühnen agieren.
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Agieren auch wirklich. Das heißt, sie sind objekt und Subjekt zugleich
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Das ist ganz wichtig feststellen, denn die Frauen, ob sie nun nackt oder bekleidet sind oder ob's ein Mann ist, wie auch immer, die sind jetzt ihm nicht schutzlos ausgeliefert. Es ist vielmehr so
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er die Menschen ja selbstbewusst agieren lässt und dass das Verrückte ist, wenn man
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grundsätzlich seine seine Aktfotografie aber auch überhaupt die Modefotografie aus dieser Zeit, sagen wir mal von den 60ern an, sich vor Augen führt, dann ähm ist es eben genau der andere Aspekt.
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Es ist kein Sockel aus Galanterie mehr, wie wir ihn in der frühen Modefotografie der Zwanziger oder Dreißiger, frühunddreißiger Jahre vorfinden, sondern es ist wirklich ein Sockel.
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Aus purem Selbstbewusstsein, auf den er
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Seine Protagonisten und Protagonistinnen stellt. Ist der Betrachter eigentlich auch Teil des Spiels?
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Bezieht er ihn als Foyer mit ein? Ich denke ja, er spielt ja grundsätzlich in seiner Arbeit, zwischen den Extremen oder in dem Dualismus des Vourismus in.
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Melangiert ihn irgendwie, diesen diesen Gegensatz und natürlich macht er uns zu berühren,
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Ganz klar und das ist ein Spiel, er selbst bezeichnet sich auch als Voyeur, als ein professionell das ist ein schönes Zitat ähm und ja er macht uns auch zu ruhig in der Tat, ja. Das große düpp dich schon. Sie kommen.
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Make. Sie kommen dressed
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Ich könnte mir vorstellen, dass der Betrachter als Foyer sich in seiner Einstellung über die Jahre verändert hat. Also für diejenigen, die dieses Bild nicht kennen, es ist eigentlich ist es ein vierteiliges Bild, oder?
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Wir sehen einmal ein zweiteiliges Bild von ähm bekleideten Frauen, die auf den Betrachter zukommen und in direkter Nachbarschaft sehen wir das selbe Bild mit den selben Frauen in derselben Haltung.
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Unbekleidet. Es ist nicht komplett exakt. Du hast mir eben beim Rundgang die freche Frage gestellt. Na, wo ist der Unterschied?
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Der Unterschied ist in dem einen, das sind die Schuhe anders, die Haltung ist anders bei einem meiner und, aber da hast du gesagt, das ist kein Unterschied. Man sieht
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Seine Hohlkehle hat diese Aufnahme ja in in einem Studio gemacht. Das ist für Newton fast unkonventioneller Rückschritt. Den Newton hat die Frauen ja immer im Leben, wie er sagte, fotografiert, auf der Straße, in den unterschiedlichsten Situationen.
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Ja im Leben.
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Er hat in dem Fall, weil ihm eine Lichtsituation nicht gefallen hat im, denn da sind die ersten Bilder der Nike and Traces Serie entstanden. Entschieden
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ins Studio zu gehen, denn da ist das Licht ja gleich. Stimmt, das ist eins der wenigen Studioaufnahmen, ne?
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Mhm. Und dieses Hochspulen der sogenannten Hohlkehle, das ist also eine ein weißes Papier, was sozusagen so eine,
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Boy gemacht, dass man die Raumtiefe nicht richtig sieht. Das ist in jedem Fotostudio eigentlich vorhanden. Diese Spule, dass man das nach oben oder nach unten ziehen kann. Hat normalerweise eine Modefotografie nichts zu suchen.
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Newton hat sie aber nicht raus retuschiert, sondern er zeigt sie uns und das macht er immer wieder. Er zeigt uns auch irgendwelche fake Hintergründe.
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In anderen Modebildern und zum Beispiel für Theorie ähm realisiert in den siebziger, achtziger, neunziger Jahren immer wieder äh zeigt ähm also hier eine
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einen Bruch mit dem Illusionismus, ein Modefotografie muss einen gewissen Illusionismus bedienen.
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Aber er ist in der Zwischenzeit so ein Star, er kann sie sich erlauben und diese Bilder werden dann eben in der französischen Vogue Seite an Seite publiziert, naked entrest und auch dieses Bild ist eine.
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Ja eine.
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Ungeheuerlichkeit. Er zeigt im Grunde genommen diese Frauen, er bittet die Frauen sich einfach auszuziehen und sie machen's und zeigt diese diese Frauen einmal
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begleitet einmal unbegleitet und das hat normalerweise in einem modem überhaupt nichts zu suchen. Aber wir fangen irgendwann an zu vergleichen, wir vergleichen Körper, Körperlichkeit, Körpersprache, wir vergleichen die Wirkung
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die Wirkung auf uns. Das hat 300 Besuchern eine hundertfach unterschiedliche Ausprägung. Also diese.
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Idee, dieses ähm dieses nachvollziehen. Die Rezeption eines Bildes gehört unmittelbar zum Bild dazu. Der Betrachter vollendet gewissermaßen das Bild erst.
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Ohne den Betrachter
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ist Kunst keine Kunst und ist auch Fotografie und auch Modefotografie, keine Modefotografie. Wir brauchen den Betrachter, der reagiert und diese Reaktion hat Newton.
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Provoziert, hervorgerufen, initiiert sowieso und das ist ein sehr, sehr schönes Beispiel. Also dieses Naged and Dress Bild, sie kommen.
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Einen Tick früher schon in Italien, PlayRe realisiert und verschiedenen anderen Situationen auch und Walking Women ist ein weiteres Bild, es gibt sogar auch als Triptychon unter Naked und zwei Triptücher nebeneinander
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Und ähm ja das durch Anfang der achtziger Jahre.
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Er hat von der Modefotografie kommend den Ausdruck in die Aktfotografie gewagt und ist dann der Aktfotografie so ein bisschen treu geblieben, weil es meines Erachtens
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für ihn ein so unglaublich großer Erfolg wurde. Er hat ein Buch realisiert mit dem Titel Big News
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Und das ist allein in Deutschland glaube ich hunderttausend Mal verkauft worden. Das sind Auflagen, die kein anderer Fotograf zu der Zeit hatte, der vielleicht wiederholt wurde später von Sebastian Solgar und.
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Vielleicht dem einen oder anderen Fotografen noch, aber er spielt mit solchen Bildern, mit solchen Auflagen seiner Bücher in einer ganz eigenen Liga. Jetzt sag mal das Bild oder dieses Diptische und das ist fast 40 Jahre alt. Ich könnte mir vorstellen, dass der Aufschrei damals wahnsinnig und
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baldig war.
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Heute glaube ich würde so ein wahrscheinlich eher wahrgenommen werden, aber es wäre nicht mehr so laut um dieses Bild. Worauf 8ten die Betrachter heute, was hat sich im Laufe der Zeit in der Betrachtung verändert?
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Könnt mir vorstellen, das soll ab und zu mal ein Mäuschen spielst in der Ausstellung. Es ist sehr interessant, die Menschen vor diesem Bild zu.
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Zu beobachten. Mhm. Es ist eine sehr lange Betrachtung. Es ist eine teilweise ganz amüsierte Betrachtung, insbesondere von jungen Frauen, die vor diesen Bildern stehen und sich über die Körperbehaarung der Frauen
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amüsieren.
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Dass es heute anscheinend ganz anders und damals war es so, dass dass es nicht nur die Schambehaarung gibt, sondern auch einen leichten Flaum auf dem Oberarm oder auf dem Oberschenkel und das ist ja das ist für für viele junge Frauen ein Moment des Innehaltens.
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Und äh der Verwunderung und auch ein Grund für eine ausgiebige Diskussion.
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Und den einen oder anderen Lacher. Wir reagieren die Damen oder auch die Herren auf die wirklichen closeops der Lippen, des Kinns, also teilweise sehen die Models ja
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richtig.
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Flauschig aus. Das ist genau das Gleiche, also da traut man seine Augen nicht und diese Bilder wurden ja so veröffentlicht in der in dem Fall italienischen Vogue, Anfang der achtziger Jahre, sind aufgenommen Body Gera, das ist eine Make-up
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Bildstrecke, also für auf Newton sehr ungewöhnlich, dass er so nah ansichtig ähm fotografiert hat, also so nah herangegangen ist. Er hat ja sehr häufig auch mit der Normalbrennweite gearbeitet und eben nicht aus acht Meter Entfernung mit der Telebrennweite fotografiert.
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Und da sieht man sozusagen dann sehr, sehr viel Körperbehaarung, auch Gesichtsbehaarung, so ein Bild
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würde man heute überhaupt nicht mehr finden in den Modezeitschriften, das wäre alles weg gephotoshop
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Nee, die werden erst gar nicht da, die haben weggewächst. Auch das. Auch das, aber das ist sozusagen die Zeiten sich geändert und ähm ja, es ist es ist verrückt, dass das alles so zu sehen und der Vorwurf, sagen wir mal, des der Sexismus.
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Vor diesen Bildern stehend geht natürlich ähm komplett fehl. Also das ist so diese Idee eine gewisse Körperlichkeit zu zeigen in der Modefotografie, die Akzeptanz, durch die
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Moderedakteurin in der Zeit und dieses ja zeitlose in der Zwischenzeit.
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Im Rückblick gewissermaßen auf Francisco Goya, also in der gegenüber steht Donake and Dress. Also das sind so verschiedene Faktoren
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Da geht ähm so ein Vorwurf natürlich komplett ins ins Leere. Gegenüberstellung finde ich ganz spannend, ein ganz spannendes Stichwort.
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Ich habe den Eindruck, dass Helmut Newton ein Meister der Inszenierung ist.
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Es gibt aber genau zwei Bilder, die wirken wie aus aus einer zufälligen Begegnung heraus aufgenommen.
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Ich habe den Eindruck, dass sie das Intro bilden zu Junes Room, die ja ganz anders fotografiert hat als Helmut Newton.
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Drückt mich meinen Eindruck oder hast du das absichtlich so kuratiert? Ich habe dich durchschaut. Na ja, ich kenne ja meine Räume ganz gut und kenne
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Sagen wir mal, Blickachsen ganz gut und kann mit denen spielen und diese beiden Bilder, auf die so dich beziehst, die hängen auf einer kleinen Wand, die unmittelbar vor Junestroom sich,
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findet, auf der Wand davor sind noch sehr inszenierte Portraits, unter anderem von aber auf dieser kleinen Wand, auf die du anspielst, befinden sich ähm eben zwei Portraits unter anderem, eins von Ave Miller
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auf dem er sehr verinnerlicht ähm schaut,
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keine große Inszenierung. Und wenn wir dann um die Ecke gegen den Jones Room und die Portraits von June sehen, dann sehen wir eben auch den Blick in die Seele des Menschen.
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Denke mal auch das ist ein Trick gewesen, den June einfach
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sehr clever und smart angewendet hat, denn sie ist als ausgebildete Schauspielerin natürlich in der Lage, diese Menschen in eine ganz bestimmte Richtung zu bringen. Sie weiß um den Ausdruck.
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Gesichtes der Mimik. Nun weiß es auch, Newton wendet es sehr häufig ganz anders an. Er ist viel mehr, sagen wir mal, an dem
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Image des Menschen interessiert und June ist am Menschen selbst interessiert, an der Persönlichkeit. Und wenn wir in diesem Raum stehen, passiert was völlig verrücktes.
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Also Injunce Room ist kleinerer Ausstellungsraum, der hat vielleicht dreißig, 40 Quadratmeter.
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Wir sind umringt von Portraitaufnahmen, meistens sind es Brustporträts oder Kopfportraits und diese Menschen schauen zurück
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in den Raum, durch die Kammer von June, die sie ja nun aufgenommen hat, auf uns im Raum. Und wenn wir uns alleine in diesem Raum befinden, dann werden wir von diesen Menschen angeschaut
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außer von Karl Lagerfeld. Außer vom Karl Lagerfeld, aber man könnte fast schon sagen, angestarrt
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Mhm. Das ist ein ganz intensives Gefühl, was sich da einstellt. Ich glaube bei jedem Besucher.
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Das Verrückte ist ja, wenn wir zehn Besucher fragen, wie empfindest du dieses Bild, dann ähm haben wir normalerweise zehn Antworten. In diesem Fall gehe ich davon aus, dass wir ähnliche Antworten bekommen würden, wie fühlst du dich bei diesem Bild? Also ich fühle mich
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intensiv zurück angeschaut und das muss man als Fotograf erst mal schaffen, dass man diese.
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Kann schon fast sagen, super Egos, vor sich hat in den unterschiedlichsten Kontexten
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über unterschiedliche Jahre aufgenommen, alle in schwarz weiß, dass man da eine gewisse Nivelierung hinbekommt, dass diese Menschen so offen zurückschauen, so neugierig,
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auch selbstbewusst, aber vor allen Dingen offen.
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Und sie öffnet die Menschen für uns. Natürlich ist jede Portraitfotografie, wenn sie so intensiv ist, auch eine Raub, wenn man so will, ne. Also man man raubt die Seele so ein bisschen, also die
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indigene Völker beispielsweise, die fürchten sich ja geradezu vor diesem vor diesem Raub ihrer selbst.
1:20:44
Medienprofis wie Karl Lagerfeld, Isolant, äh Vivien, diese Menschen, die wir eben in finden, Charlotte Gernsburg, die wissen um die Wirkung ihrer selbst.
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Und gerade Karl Lagerfeld und erwähntest, der weiß auch sehr gut um die Wirkung und der ist der einzige, der nicht in die Kamera schaut, der sich selbst inszeniert. In der Portraitfotografie haben wir natürlich immer diese Idee des.
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Wer oktroyiert hier wem welches Bild auf? Also dieses Bild was ich von mir nach außen tragen möchte
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ein Medienstar bin oder eben das Bild des Fotografen, der einen prominenten Menschen fotografiert und ihm sozusagen etwas
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abringt, was so noch nichts gesehen war. Also eine neue Idee der Persönlichkeit beispielsweise. Ein neues Kaktoristikum. Und bei June ist es auch.
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Eingeben und nehmen, aber sie nimmt viel und sie bekommt auch viel und das ist ganz interessant. Wie ist sie eigentlich zum Fotografieren gekommen?
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Schauspielerin. Sie hat, ja, früh Helmut auch schon porträtiert. Das erwähnte ich ja schon. Sie hat Helmut Newton in der Dunkelkammer geholfen in den frühen Jahren.
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Er hat ihr wiederum den Rücken freigehalten als Schauspielerin. Dann gehen die beiden nach Frankreich. 1961.
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War ihre Karriere beendet. Sie ist englischsprachig. Sie hat sozusagen nicht so schnell
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auf einem so hohen Niveau Französisch sprechen können. Das heißt, die Theaterkarriere war ihr versagt,
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Sie hat äh zwischendurch auch mal für den BBC gearbeitet und gesprochen, Text eingesprochen und so weiter, aber damit war's mehr oder weniger vorbei. Sie konnte später ja sozusagen diese, die Skills, die sie als Schauspielerin gelernt hat
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anwenden für ihre Fotografie. Zur Fotografie selbst ist sie gekommen durch einen Zufall. Newton war krank im Bett
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ein Model, ein männliches Model für Zigaretten war gebucht am Placement Dome, also mitten in Paris. Dieses Modell wusste nicht, wo kommt denn nun ein Mann oder eine Frau, wer ist der Fotograf? Er liest sich fotografieren.
1:22:42
Von in dem Fall von Juan, die Helmut vertreten hat. Der Scheck kam ins Haus, also das Honorar.
1:22:49
Wusste, we schreibt sie Schelden in ihrer Autobigrafie.
1:22:53
Ich habe jetzt einen neuen Job und äh da gab es sozusagen Hayout Newton und Newton plötzlich in zwei Fotografen in einer Familie und dann gab es ein legendäres Abendessen.
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Wo Helmut Newton sagte, also sag mal es kann nur ein Fotografen namens Juden in der Familie geben, nicht? Und sie war ja
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relativ zurückhaltend, auch mit dieser ganzen Sache und dann sagt sie, okay, dann lass uns mal irgendwie ein Synonym suchen oder ein Pseudonym suchen und dann fanden sie das, indem sie dieses Spiel gespielt haben, eine Nadel sozusagen in die Karte Australiens zu werfen und diese Nadel landete dann in dem kleinen Örtchen Alice Springs.
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Seitdem heißt sie Alice Springs. Bei der Pressekonferenz wurde sie auch mal gefragt, was wäre denn passiert, wenn die Nadel in Melbourne gelandet wäre?
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Dann hätte sie sagte sie, okay, dann wäre ihr Pseudonym Melbourne gewesen oder aber da gibt es ja die lustigsten Ausdrücke in Australien, also Uhu, Guru. Hätte ich nicht so benannt, nicht? Ich weiß nicht, ob das in dem Bereich der Legende gehört, aber
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ähm sie hat's auf jeden Fall gesagt. Vielleicht wurde ein bisschen nachgeholfen noch. Genau. Warum habt ihr einen eigenen June.
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Was sage ich denn jetzt? Juw Newton oder Alice Springs Room? Also wir nannten den Jones Room und wir haben diesen Raum geschaffen.
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Weil er anders ist, weil er viel intimer ist und weil wir da sehr häufig auch am Anfang Junes arbeitend gezeigt haben.
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In den großen Räumen bei Helmut Juden, wenn June gezeigt wird, in den großen Räumen.
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Zu Retrospektiven. Denke das Spiel um und dann wird Helmut im kleinen Raum gezeigt, der wirklich ganz einen ganz eigenen Charme hat.
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Eigentlich war dieser Teil des Gebäudes gedacht für ein Apartment von Helmut und Jung. Analog zu Heinzberg Grün
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ins Berggrün war eine wichtige Figur für Helmut Newton, denn er war auch derjenige, der ein gewisses Raw-Model für uns gespielt hat, denn Heinz Berggründ kam als Remigrant mit seiner Sammlung zurück.
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In seiner Heimatstadt Berlin. Und ähm die beiden kannten sich sehr gut. Heinz Berggrün war auch damals zugegen, als die Gruppe dieses Gebäude besucht hat. Ja und dann vielleicht auch den entscheidenden Hinweis gegeben hat
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für dieses Gebäude entschieden hat. Als Berggrün hatte im sogenannten Berggrün-Museum ja ein eigenes Apartment, das er auch benutzt hat
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und er klingelt den also beim Pförtner und übernachtete in seinem Museum. Und manchmal kam er dann auch mal raus und hat dann mit den Besuchern gesprochen.
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Genauso wollte es Helmut Juttner haben. Das heißt, dieser kleine Raum war gedacht als Apartment. Und als Newtonstab hat sich June entschieden, diesen Raum nicht als Apartment zu nutzen, sondern als zusätzlichen Ausstellungsraum.
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Und so geschah es dann. Und dann haben wir seitdem uns zunächst an den ersten Jahren jounton ausgestellt, respektive.
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Weiß immer gar nicht, was man sagen kann. Es ist nur June Newton oder es ist Alice Springs. Äh dann gibt es sozusagen auch noch den Namen Juan Brown, als die sie geboren ist und als sie als Schauspielerin auch agiert hat und ja.
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Es ist sozusagen eine großartige Persönlichkeit, die ja auch im letzten Jahr verstorben ist und also ich bin sehr äh privilegiert mit meiner Position hier in der Stiftung mit so einem großartigen Werk zu arbeiten
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Und kann schon fast sagen, mit zwei großartigen Werken zu arbeiten. Wir haben hier sehr, sehr viele Kontaktabzüge gesehen
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auf den viele Markierungen waren. Wahrscheinlich genau die Bilder, die eher ausgewählt hat. Man sieht mal gute Kreuzchen, blaue Umrandungen.
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Wie gehst du denn mit den Bildern, mit diesem Archiv um?
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Wirst du alles zeigen. Man muss sich entscheiden als Nachlassverwalter und als Kurator direkter einer solchen Institution.
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Bestimmte Bilder, die Newton gemacht hat und vielleicht nicht für so zeigenswert erachtet hat, eben nicht zu zeigen. Ja, es ist voll in the Legacy als Prinzip. Wir folgen diesem Vermächtnis des Fotografen, der alles seine Heimatstadt zurückgegeben hat, hier in dieses Gebäude eingebracht hat
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indem wir Bilder zeigen, wenn wir sie nehmen, neu veröffentlichen.
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Markiert sind in den Kontaktabzügen. Das heißt, wenn wir neues Material suchen für neue Ausstellungen, es gibt ja
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darüber hinaus tausende von Bildern, die schon existieren, aus dem aus diesem Material können wir auch schöpfen, aber wenn wir neue Abzüge machen, dann
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die Kontaktabzüge ganz genau an und nehmen nur sozusagen diese Bilder.
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Ins Visier die Newton markiert hat, mitkreuzen, mit Umrandung, mit teilweise Kommentaren und das ist schon ein großartiges Material. Völlig ist sie, wissen wir ja jetzt, was du alles ausgewählt hast.
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Und was kommt als nächstes? Die nächste Ausstellung ist im Thema Hollywood gewidmet
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dass eine Gruppenausstellung, also nach einer Einzelausstellung, zeige ich gerne auch mal wieder eine Gruppenausstellung, denn,
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das war auch der Wunsch von Helbo Newton, dass man sein Werk mit dem anderer Fotografen und Künstler,
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kontrastiert gegenüberstellt. Also diese Helmut Newton Stiftung von ihm gegründet, soll ein Forum werden auch für für die Fotografie im Allgemeinen und Besonderen. Und wenn wir eine neue Ausstellung konzipieren.
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Davor waren es Ausstellungen zum Thema Bodyperformance. Also eine ganz bestimmte Zeit der in Amerika gearbeitet hat. Eine Paparazzi-Erstellung und so bestimmte Aspekte zu seinem Werk
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Demnächst ist es äh Hollywood, also ein ganz bestimmter Ort, ein Mythos, an dem er gearbeitet hat
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an dem er sich abgearbeitet hat. Er kehrte immer wieder zurück nach Los Angeles und hat dort sehr viele äh Menschen porträtiert. Liss Taylors
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beispielsweise oder Debo Ringer, das ziert ja sozusagen auch das Cover unseres neuen ausstellungsbegleitenden Buches. Ja, es gibt die unterschiedlichsten großartigen Portraits, die er gemacht hat und darüber hinaus noch viele andere Bilder.
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Für andere Kontexte im hat er viel fotografiert. Das steht sozusagen am
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Als Ausgangs- und Bezugspunkt für eine solche Gruppenausstellung und dazu stelle ich bestimmte Fotografen, die das Thema Film,
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bearbeitet haben. Das Thema Hollywood als Ort, als Mythos und LA als Stadt
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Und da werden wir sozusagen einen gewissen Parkour dann vor uns haben. Da werden wir hineingeführt in sozusagen in diese Filmindustrie und wieder hinausgeführt zu den Willen in den Hollywood Hills, aufgenommen von Julius Schimmen, zurück in die Stadt.
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Sehen männliche Prostituierte, die,
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in den Straßen stehen, als seien sie Schauspieler, wir sehen die Obdachlosen teilweise in den Straßen, aufgenommen von Michael Dressel.
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Aber wir sehen auch die von June fotografiert, damals mit den Hip Hoppern und Punks, also eine Streetfotography Serie, die relativ unbekannt ist im Werk von June. Etrucia?
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Eduard wird ähm in einer Vitrine ausgestellt mit dieser legendären,
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und das ist sozusagen auch wiederum ein Bezugspunkt
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Hat fotografiert. Wir sehen Anthon Corban, der wiederum Entrosé fotografiert hat. Also es gibt sozusagen ganz viele Verbindungen auf den unterschiedlichsten Ebenen.
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Die uns, sagen wir mal, dieses Bild Hollywoods
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näherbringt ja auch George Harrel nicht fehlen, oder? George Harrel ist natürlich dabei über eine Vitrine, die beiden waren sehr eng befreundet und Georgi hat ja
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gelöst und diese erste Fotografin, die die Schauspieler porträtiert hat in Hollywood von 25 bis 30 abgelöst dann von. Der wird sozusagen ein eigener eine große Wand gewidmet und ich selbst habe diese Ausstellung
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gerade in Göttingen gesehen ist seine Privatsammlung
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Ja, das sind Bilder, die hier zusammenkommen. Stiftschao natürlich, George Hollywood Hühner, ja, das wird eine großartige Ausstellung. Ich bin schon sehr gespannt, wie du den Mythos Hollywood wieder aufleben lässt und bedanke mich ganz, ganz herzlich, dass
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du mir hier so einen schönen Einblick Retrospektliebe über Helmut Newton, June New Newton Alice Springs.
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Sehr gern. Vielen, vielen lieben Dank. Sehr gern.
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Music.
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Ihr habt Fragen, Anmerkungen und Feedback? Dann schreibt mir gerne eine E-Mail an Claudia at Die Leichtigkeit der Kunst Punkt DE.
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Wenn ihr mögt, dann freue ich mich sehr über euer Like und eine Bewertung.
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Ihr möchtet weitere Informationen? Dann schaut auf meiner Website unter WWW die Leichtigkeit der Kunst Punkt DE. Und nun von Herzen.
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