Die Leichtigkeit der Kunst

Der Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” bringt dir regelmäßig unbefangene Kunstgespräche aus ganz Deutschland. Ich liebe es, die Kunst mit Achtsamkeit und Leichtigkeit zu betrachten und bin immer gespannt auf die Geschichte hinter den Werken. Im Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” schnappe ich mir Experten, die informativ & intim sowie augenzwinkernd & aufschlussreich erklären können. Und zwar genau dort, wo sie am leichtesten zu finden sind: in Museen, Ausstellungen, Galerien, Werkstätten und vielleicht auch mal hinter der Bühne. Dort spreche ich mit meinen Gästen über die Frage der Herkunft, Passion & Leidenschaft sowie über Biografien aller Art. Findet hier eure monatliche Inspiration für eine Begegnung mit Kunst und Kultur.

https://dieleichtigkeitderkunst.de/podcast/

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episode 1970: Bilderkosmos Leipzig [transcript]


Wenn ich an Leipzig denke…dann fällt mir Auerbachs Keller und Mephistos Schuh ein, ich denke an Küssen verboten und keinen Zentimeter und natürlich an Leipziger Allerlei.

Doch da es sich hier ja um einen Kunstpodcast und nicht um den Genuss von Essen & Trinken sowie Musik drehen sollte, gebe ich zu, dass ich sofort auch einen Leipziger Bilderkosmos bestückt durch Max Beckmann, Wolfgang Mattheuer, die Leipziger Schule, die Hochschule für Grafik und Buchkunst, Professor Neo Rauch, die Spinnerei und natürlich das Museum der bildenden Künste vor Augen habe.

So gerne möchte ich mit euch tiefer in dieses aufgeladene Potpourri eintauchen und Leipzigs Kunstszene der vergangen sagen wir mindestens 1000 Jahre ein bisschen besser kennenlernen. Und wo könnten wir einen besseren Einblick gewinnen, als im MdbK, dem Museum der bildenden Künste in Leipzig.

Ganz besonders freue ich mich, dass mir zur Seite Dr. Stefan Weppelmann, Direktor des Hauses, sitzt und uns in seinen Bilderkosmos Leipzig mitnimmt.

Doch bevor wir über Leipzigs Geschichte zur Kunst sprechen, möchte ich erst etwas über Stefan erfahren…

 


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 2022-05-06  1h1m
 
 
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Music.
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Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast Die Leichtigkeit.
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Kunst. Bevor wir gleich mit der Reise durch einen über 100-jährigen Bilderkosmos starten, möchte ich euch als meinen heutigen Kulturpartner einen Kinofilm empfehlen.
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Heinrich Vogeler aus dem Leben eines Träumers. Ein filmisches Denkmal über einen der erfolgreichsten Künstler seiner Zeit.
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In diesem Film geht es um eine radikale Sinnsuche in Zeiten großer Umbrüche.
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Wirft universelle Fragen zu Verständnis und Verantwortung von Kunst auf, die in interessanten Interviews mit zeitgenössischen Kunst und Kulturschaffenden, wie zum Beispiel Norbert Bisky diskutiert werden.
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Heinrich Vogelar aus dem Leben eines Träumers ist eine packende Dokufiktion, die durch spannende Spielszenen.
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Florian Lukas als Heinrich Vogeler, Anna-Maria Mühe als Marta und Naomi Achternbusch in der Rolle von Paula Modasson Becker, ein einzigartiges Filmerlebnis schaff.
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Hier schon mal in den Trailer.
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Music.
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Heinrich Vogel aber ein Maler, Grafiker, Architekt und Designer, der einfach alles, was er in die Hand bekam, gestaltete. Ich war ein Glückspilz, dem alles gelangen, was er anfasste.
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Er hat grundsätzlich versucht, in seinem Leben für alle Menschen, die ihn umgeben, alles schöner zu machen. Das war ein manischer Verschönerer. Der aber auch immer wieder seine Kunst hinterfragt,
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Woher kommt die überhaupt? Unser Schönheitsgefühl?
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Ich verrenne mich. Das sah auch sein Freund Rainer Maria Wilke so. Steckst du in einer Sackgasse, Heinrich hatte Recht.
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Meine Kunst war horizontlos, eine romantische Flucht aus der Wirklichkeit ohne Inhalt. Sie konnte nur die Wende der Reichen schmücken, ihnen die Welt als Märchen vorgaukeln.
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Aber ich sage keinen Weg, keine Möglichkeiten, all meine vielen Fesseln abzustreifen. Vogel Lerfeld schließlich in ein tiefes Loch. Meine Kunst ist tot.
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Mein Leben, mein Irrtum. Aus Verzweiflung meldete sich Vogeler im September 1914 als Kriegsfreiwilliger. Vogler hat geglaubt.
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Deutschland ein Verteidigungskrieg führt.
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Geglaubt, wie viele andere auch. Deutschland würde inmitten des Friedens von Feinden überfallen, wie der Kaiser Wilhelm das erzählt hat. So zog ich nun in den Weltkrieg.
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Nur mit meiner Uniform und einem Karabiner. Vom Krieg und den Eindrücken gezeichnet kommt Vogeler völlig verändert wieder zurück und das spiegelt sich auch in seiner Kunst wider. Malen Sie doch lieber was Schönes.
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Buntes. Das scheint das wollen die Reichen sich immer noch an meiner Wirklichkeit zeigen, Fantasiekunst.
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Sie werden sich den sozialen Fragen.
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Music.
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Auch neugierig geworden? Heinrich Vogeler aus dem Leben eines Träumers. Ab 12. Mai zweiundzwanzig im Kino. Und nun wünsche ich euch viel Freude beim Hören der Folge.
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Music.
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Ich an Leipzig denke, dann fällt mir Auerbachs Keller und Mephistus Schuh ein,
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Ich denke an küssen verboten und kein Zentimeter und natürlich an Leipziger Allerlei.
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Doch da es sich hier um einen Kunstpodcast und nicht um den Genuss von Essen und Trinken sowie Musik drehen sollte, gebe ich zu, dass ich sofort auch an einen leipziger Bilderkosmos bestückt
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durch Max Beckmann, Wolfgang Matteuer, die Leipziger Schule.
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Hochschule für Grafik und Buchkunst, Professor Neo Rauch, die Spinnerei und natürlich das Museum der bildenden Künste vor Augen habe.
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So gerne möchte ich mit euch tiefer in dieses aufgeladene Potpourri eintauchen und Leipzigs Kunstszene der Vergangenen sagen wir
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Hm, mindestens 120 Jahre ein bisschen besser kennenlernen.
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Und wo könnten wir einen besseren Einblick gewinnen als im MDBK, dem Museum der bildenden Künste in Leipzig.
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Ganz besonders freue ich mich, dass mir zur Seite Stefan Weppelmann, Direktor des Hauses sitzt,
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und uns in seinen Bilderkosmos Leipzig mitnimm.
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Lieber Stefan, bevor wir über Leipzigs Geschichte zur Kunst sprechen, möchte ich erst etwas über dich erfahren. Bitte stell dich an deinen Weg doch einmal vor.
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Ja hallo Claudia, ich bin 1970 geboren im schönen Münsterland.
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Der Weg ist nicht unbedingt gerade gewesen. Ich habe zunächst eine Ausbildung gemacht nach der Realschule in Dülmen, in der damals noch.
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Bundesanstalt für Arbeit, heute Arbeitsagentur und da eine Weile auch dort gearbeitet und später dann in Münster als Spätberufener ein Studium der Kunstgeschichte, Kommunikationswissenschaften und Archäologie begonnen.
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Zunächst mit der Absicht auf die Magisterarbeit,
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studiert habe und als die dann da war, ich noch nicht wissen, was ich jetzt damit anfange, habe ich dann auch noch die Desertation gemacht und die war dann ähm in Italien über ein Thema der italienischen Renaissance.
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Und das hat mich wiederum an die Berliner Gemäldegalerie geführt, wo ich zwölf Jahre als Kurator für italienische Malerei des Mittelalters und der Renaissance tätig war.
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Von dort bis nach Wien gegangen, an die Galerie des Kunsthistorischen Museums.
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Das große Glück haben, diese auch als Direktor leiten zu dürfen und nach sechs Jahren Wien konnte ich dann hierher nach Leipzig wechseln, an das Museum der Berliner Künstler Leipzig,
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das Haus führe ich jetzt seit Januar 20 einund2, also so viel Kürze zu
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dem sogenannten Weg. Ist ja recht spannend von der Arbeitsagentur hin zur Kunst, wann war der Moment, dass du gesagt hast, och, ich studiere jetzt Kunstgeschichte.
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Direkt nach dem Abitur eigentlich, also dass ich dann durch so eine Abendschule äh machen musste und während der Zeit hatte ich ja genug Gelegenheit, darüber nachzudenken, warum ich's überhaupt mache und als ich's dann hatte, war da noch klar, okay, ich möchte auf jeden Fall
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Dinge studieren, die mir die Möglichkeit geben, andere Länder kennenzulernen, andere Methoden des Denkens.
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Vielleicht auch die Gelegenheit geben, die ein oder andere Reise zu machen oder auch selber eigenen,
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Projekten stärker nachgehen zu können und ich habe mich halt immer für Kunst interessiert, auch schon als junger Mensch und das konnte dann endlich ausbrechen. Es war eher die Frage, was ich noch machen sollte.
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Archäologie schien mir äh in meiner unfassbaren Naivität ein Fach zu sein, das zur Kunstgeschichte ganz gut passt. Und ich habe dann aber eben auch die Kommunikationswissenschaften noch angefangen.
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Und lange Zeit auch nicht gewusst, welches von diesen drei Fächern ich eigentlich wirklich richtig ernst nehmen sollte. Und daher ist die Frage wohl eher, wann habe ich mich dafür entschieden äh,
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die Kunstgeschichte auch als Jobperspektive anzusehen und das war während eines Erasmusjahres in Rom
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wo dann man auf Schritt und Tritt natürlich die ganzen Altertümer und Monumente der römischen Antike sehen kann und auch die großen Sammlungen, die Vatikanischen Museen und die kapitulinischen Museen und die systemische Kapelle und.
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All diese Dinge und dort dachte ich dann na ja das ist alles so groß und so wichtig, also kann ich auch versuchen in berufliche Perspektiven,
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mit der Kunst und Kultur zu finden.
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Und die Archäologie und die Kommunikationswissenschaften spielen die dir heute noch zu? Die Kommunikationswissenschaften sicher, was immer das auch ist, aber kommunizieren ist glaube ich eine gute Tugend, wenn man versucht, äh das gut zu machen.
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Und es ist auch gut, das ein wenig zu reflektieren, von daher ja und Archäologie, also nicht, dass es mich nicht interessiert hätte, aber Altgriechisch und so weiter, das war da am Ende doch nicht so meins und ich bin aber immer wieder dankbar, dass ich's gemacht habe.
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Aber für die Aufgaben, die ich zur Zeit erledigen muss
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nicht so hilfreich würde ich sagen. Nicht unmittelbar. Ihr lieben Hörenden, Stefan und ich wir sind gerade schon ein wenig durch das MDBK gelaufen und da habe ich das Gefühl gehabt, dass du aber ganz schön viele Schätze hervorgegraben hast.
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Das zum Thema Archäologie. Wir sind hier im MDBK Leipzig.
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Magst du mir das Haus ein bisschen erklären? Also das im Museum der bildenden Künste Leipzig, kurz auch MDBK, ist eine Gründung der Bürgerinnen und Bürger.
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Leipzigs, die im 19. Jahrhundert, ja ehrlich gesagt, in der ersten Hälfte wie auch andere Orte Deutschlands starb das Bedürfnis hatten,
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ihre städtische Identität auch,
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Durch das Sammeln von Kunst, Ausdruck zu geben und besondere Zähne,
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Leipzig hervorgebracht hat aus Händler, Verleger, berühmte unter ihnen sind vor allem etwa.
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Maximilian Speck von Sternburg, aber auch jüngere Mercede, wie etwa das Ehepaar Bühler Brockhaus wären hier zu nennen, haben im
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mehr oder minder großen Stil, zuweilen viele viele Gemälde und Strukturen für sich privat zusammengetragen und diese nach und nach dann ähm.
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Zu einer Museumssammlung zusammengefügt. Also es ist ein Museum, der Bürgerinnen und Bürger.
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Bürgerschaftlichem Engagement entstanden und bis heute spielt dieses bürgerschaftliche,
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starke Verbindung mit einer Stadtgesellschaft auch.
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Kern der Institution eine ganz wesentliche Rolle. Sie hat dann nach ersten Gründungsansätzen auch über so einen Kunstverein verschiedene Quartiere in der Stadt
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beziehen müssen. Man hat ein Museum errichtet, das durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es gab dann einen Interimspartier im ehemaligen Reichsgericht.
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Leipzigs weitere Quartiere, um schließlich dann 2004 in diesen sehr modernen Neubau auf dem damaligen Sachsenplatz.
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Einzuziehen. Also dieses Gebäude ist ähm jetzt fast 20 Jahre jung.
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Gebäude, das auf sechs Ebenen, die diese bürgerschaftlichen Sammlungen ausstellt und dabei auch,
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ein vielfältiges Programm, was vor allem auch durch Sonderausstellungen geprägt ist, immer wieder neue kontextualisiert.
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Die Geschichte ist äh circa 170 Jahre alt, die diese Institution durch misst, um die Geschichte der Museen natürlich,
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Zwischen sechs Jahrhunderte.
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Das ist auch die Spannung, in der wir uns heute in so einem Haus befinden, wie kann man mit einer solchen Tradition zeitgemäß umgehen?
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Wie kann man das? Indem man zunächst sie auch hinterfragt, was ist ein Museum heute? Ist es ein Ort, in dem mehr oder minder gestrandet durch.
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Zusammengetragene Artefakte nach Zeit und nach Topographie geordnet.
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Sind und ist es ein Ort, der belehren und der durch Expertise entstandene Deutung vorschlägt oder ist es ein Transformatorischer Ort,
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Bewegung ist der unfertig ist.
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Möglichkeiten zulässt und natürlich aus meiner Art, wie ich die Antwort formuliere, dass ich der Meinung bin, dass Letzteres zutrifft. Das Museum muss sich im 21. Jahrhundert.
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Erneuern muss eine,
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der Objekte vornehmen, die es besitzt, muss versuchen, Bindungen zu produzieren, muss eine Produktionsstätte werden, muss aktiv sein.
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Und was es hervorbringt und produziert sind eben diese intensiven Bindungen zwischen Menschen,
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Kunstwerken und das spielt halt vor allem eine Rolle bei städtischen Einrichtungen, die ja in eine ganz besonders engen Art und Weise mit den Nutzerinnen und Nutzern, ich sage es jetzt auch mal bewusst so in diesem,
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Sprich produzieren und nutzen. Das sind wirklich Dinge, die,
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deswegen so ein bisschen provokant mit dem Museum verbinden möchte, weil die ansonsten ja eigentlich nur auf auf nützliche Einrichtungen unseres gesellschaftlichen Lebens angewandt werden, vermeintlich nützlichere wie etwa ja Industrie, die etwas produziert
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und aber nein, auch die Museen produzieren etwas, es ist nur immateriell. Hast du mich deswegen als erstes im Erdgeschoss oder Keller, ich
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gar nicht sicher auf die Baustelle geführt.
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Ja die Baustelle und Hanteln. Die Baustelle ist also ein Ausstellungsinszenierung von Harry Hachmeister, der hier in Leipzig ausgebildet wurde an der für uns ganz wichtigen Hochschule für Grafik und Buchkunst, die diese.
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Kunstlandschaft Leipzig ganz ganz wesentlich prägt und Herr Hachmeister hat diese Baustelle,
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als Metapher gewählt für transitorische Prozesse.
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Eigenen Leben, wir alle kennen das, dass wir zu unseren Kindern, zu unseren Eltern wandelbare Beziehungen haben.
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Zu unseren Berufen. So bin ich, ja. Zu unseren Berufen, zu unserer Kleidung, zu unserer Selbstinszenierung ebenso.
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Zu unseren politischen Haltungen, zu unserem Musikgeschmack. Nichts ist festgefügt, alles ist in Bewegung, unser Leben ist eigentlich weniger ein festes Dispositiv.
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Durch Erziehung und Bildung vorgeben,
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oder vorgefunden finden, sondern es ist mehr eine Abfolge von Möglichkeiten und das zuzulassen und uns klar zu machen, bewusst zu machen, dass wir daran bauen können, dass wir aktiv sein können, uns verändern können,
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Das ist in dieser Ausstellung ganz stark vorgetragen und ja, das macht Spaß natürlich, wenn man auch über die Idee des Museums denkt, mit einer solchen Ausstellung zu beginnen.
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Harry Hachmeister taucht ja durchaus öfter mal im Museum auf.
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Also der Ausstellung unterliegt ein bisschen die Biografie des Künstlers, wenngleich das auch für Herrn Nachmeister überhaupt nicht im Vordergrund steht und er auch mit Recht sagt, dass er keine andere Kunst macht.
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Jetzt Künstler, die keinen transitorischen Prozess in ihrem eigenen Körper erlebt haben, wie Harry Hachmeister, das ist,
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nicht ganz unwichtig zu zu betonen, dass das nicht im Vordergrund steht. Äh Harry Hachmeister ist als Grit Hachmeister geboren und arbeitet heute eben als Harry Hachmeister.
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Die Kunst, die entsteht, ist wahrscheinlich in dieser biografischen Entwicklung bedingt
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und auch verortet. Das sind auch seine Themen. Aber das habe ich auch mal seine Transpersönlichkeit ist, ist also sicher nicht im Vordergrund äh im Vordergrund steht, was für Erfahrungen.
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Machen wir alle in unserem Leben und wie
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können die greifbar, fühlbar, visualisierbar sind. Das ist das, was Künstler leisten, im Gegensatz zu zu uns allen, die wir nicht Künstler sind und sie leisten es für uns, damit wir es als Impuls nehmen über unser eigenes Leben nachzudenken und darüber,
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dass wir, weil Dinge fließend und nicht festgefügt sind, auch das Anderssein, die anderen Lebensentwürfe als etwas Schönes,
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wahrnehmen mögen und sie einbauen sollten in unsere Gesellschaft, statt sie zu normieren. Der zweite Teil des Untergeschosses ist
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gelb und voller Comic-Bilder. Ja, das ist die Ausstellung von Werner Haifisch.
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Diesjährige Preisträgerin des LVZ Kunstpreises, also LVZ ist die Abkürzung für Leipziger Volkszeitung, die Leipziger Volkszeitung kooperiert.
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Museum der bildenden Künstler seit einiger Zeit, seit vielen Jahren, um genau zu sein und vergibt alle zwei Jahre einen auch überregional wichtigen
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Preis an junge Künstlerinnen und Künstler, die sei es durch ihre Ausbildung, sei es durch
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Lebensmittelpunkt mit Leipzig und der Region eng verbunden sind und die am Anfang ihrer Karriere stehen. Dieser Preis dient also dazu eine besondere künstlerische Position
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Regional noch mal hervorzuheben, zu unterstreichen. Einer Stimme Gehör zu verschaffen und wir als äh Museum der Bühne Künstler arbeiten da natürlich sehr gern zu und mit und geben.
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Eine Bühne. In diesem Jahr ist es eben eine Haifisch, die mit ihren anrührenden, oft hintersinnigen, immer humorvollen,
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Linien, eine der spannendsten Erzählerinnen ist, die diese Stadt zurzeit äh hervorgebracht hat und.
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Mit dem sogenannten Comics, wird auch ein Genre ins Museum geholt, das hier nichts einen angestammten Platz hat.
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Sie kennen alle die Altmeisterausstellung oder eine Ausstellung zur Fotografie oder vielleicht Videokunst oder auch etwas Performatives, aber das eine Zeichnerin, die Comics macht, musealisiert.
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Rezipiert wird, dass es eher ungewöhnlich fürs MDK ist das erste Mal, dass wir so etwas machen und auch das ist ein Format, mit dem wir natürlich auch versuchen, andere,
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Menschen in unserer Stadt anzusprechen, die vielleicht jetzt nicht von
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den üblichen Programmen angezogen werden, die aber Analfisch vielleicht kennen, ihre Comics mögen und die dadurch auch so ein bisschen mehr von unserem Haus erfahren. Gibt es hier so eine Art Comic
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Community? Sicher gibt's die, da wir an der Hochschule für Grafik und Buchkunst eben auch dieses Thema Buchkunst, sehr groß schreiben und natürlich auch eine hervorragende Grafikfachklassen haben, ist die Aufmerksamkeit für.
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Künstlerische Buch und damit auch für die Zeichnung im Buch und damit letztlich auch für das Comic natürlich ganz besonders ausgeprägt in in Leipzig und Umgebung. Also wir haben jetzt zwar keine Comicmesse wie die Comic Con oder so, aber es ist sicher ein Ort, der.
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Für das Produkt.
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Buch für das Thema Papier auch für die Qualität der Grafik fürs Layout, für Buch und seine Materialität eine sehr hohe Affinität hat. Auf eurer Internetseite habe ich gesehen
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Changes.
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Du hast mich dann weiter ins Erdgeschoss geführt und ich hatte den Eindruck, natürlich alles sehr aufgeräumt, aber dass dort wahnsinnig viel passiert. Du bist seit einem Jahr Direktor des Hauses.
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Was macht das Foyer mit dir oder das Erdgeschoss, die Eingangshalle? Was passiert hier? Ja, das Foyer ist ja der immer der erste Ort, den Besuchende ähm betreten.
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Aus dem Stadtraum kommen und diese Architektur des Gebäudes ist insofern speziell
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als dass die Architekten vier Zugänge geschaffen haben und das Haus an allen vier Fassadenseiten zum Stadtraum hin öffnen. Die Idee hatten ein Passagensystem zu schaffen. Leipzig ist übrigens bekannt für seine vielen vielen,
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das ist also ein, ich sage mal Feature der Stadt der U-Bahnen Erscheinung, der Innenstadt und das äh Feature ist auf das Museumsgebäude übertragen worden.
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Und mein Anliegen ist es dem auch Rechnung zu tragen, also nicht gegen das Gebäude zu arbeiten, sondern eben zu sagen, ja das ist doch toll, dass wir.
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Passage sind und dass Menschen durch das Museum hindurchgehen können, ohne dass vielleicht,
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Sie an den Sammlungen interessiert sind, aber vielleicht möchten Sie einfach einen guten Moment haben, sich irgendwo in ein Sofa setzen.
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Sie möchten vielleicht ähm interessanten Konzept Store eine spannende Zeitschrift kaufen, die sie sonst nirgendwo in der Stadt bekommen können.
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Vielleicht großartiger Kunst begegnen, ohne dafür Geld zu zahlen oder einfach nur ihre Kinder spielen lassen und all das soll ihnen ermöglicht werden, die
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Überlegungen sind ja das Museen zunehmend sogenannte dritte Orte, also neben unserem Zuhause und unserer Arbeit gibt es einen dritten weiteren Ort, an dem man sich gerne aufhält und daher ist das Anliegen gerade dieses Foyer ganz besonders offen zu haben.
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Wir haben also ein neues Cafe dort gestartet. Wir haben jetzt soeben einen äh interessanten Concept Store, der auch sehr besondere.
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Bücher ich sprach gerade schon von der Affinität zur Hochschulgrafin Buchkunst anbietet, eröffnet und wir haben auch Kunstwerke, die ansonsten.
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Bislang in den oberen Etagen des Hauses zu sehen waren wie etwa die große Skulptur von Max Klinger, sein drohender Beethoven im,
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Erdgeschoss verortet. Es geht darum, Kunst ganz nahe zu kommen,
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möglichst entgeltfrei begegnen zu dürfen. Es geht um Leben.
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In der Stadt und leben im Museum und diese Passage soll diese beiden Lebensbereiche eigentlich miteinander verschränken, transparent machen, verbinden. Warum hast du ausgerechnet diese große Skulptur in den Eingangsbereich gesetzt?
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Spielt sie für die Leipziger eine wichtige Rolle. Ich höre jetzt nicht mehr so ganz so gerne das Wort Eingangsbereich, weil wir eigentlich uns wünschen, dass wir einer der vier Zugänge haben. Ja. Und natürlich spielt gerade dieser große Beethoven,
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eine besondere Rolle für die Leipzigerinnen, weil Max Klinger ist natürlich hier der lokale Hausgott. Wir haben die größte.
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Sammlung weltweit, nicht nur Skulpturen hat, sondern auch seine Gemälde und vor allem auch sein zeichnerisches Werk wird hier am Museum der bildenden Künstler Leipzig.
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Und der Beethoven ist sicher Klingas Hauptwerk, also skulpturales Hauptwerk aus Polychrom, viel gestaltigen Marmor erarbeitet. Klinge hat mehrere Jahre dran,
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Gearbeitet hat die Skulptur in Europa auf eine regelrechte Tournee geschickt, um Käufer dafür zu finden und schließlich den Leipziger Stadtrat überzeugen können, das Werk für Leipzig zu erwerben und das hat dann auch eine
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kleine Odyssee im Stadtraum hinter sich. Kam also an verschiedenen Orten zur Aufstellung und es ist deswegen für,
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Die Leipzigerinnen auch wichtig, weil sie mit dem Schicksal der Stadt verbunden ist, also stellen sich vor der Krieg fegt über die Stadt hinweg, ein Museumsgebäude wird auch von Bombentreffern.
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Beschädigt, aber nicht der Beethoven, der in den Trümmern weiterhin besteht und.
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Irgendwo dann auch ein Versprechen auslöst auf bessere Zeiten, auf eine Zukunft, der dann.
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Übernommen wird ins Gewandhaus, das für das Thema Musik natürlich in Leipzig eine ganz zentrale Rolle spielt und die Skulptur zeigt ja nun nicht irgendwen, sondern einen der großen, ich,
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Veränderer, Neuerer der Musik,
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Veränderung, Neuerung spielen gerade in Leipzig auch eine große Rolle, vor allem auch in der jüngeren Geschichte natürlich. Musik spielt in dieser Stadt eine ungeheuer große Rolle und Beethoven ist einer der wirktmächtigsten künstlerischen Persönlichkeiten.
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Wir überhaupt in der Geschichte fassen können.
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In einem Atemzug zu nennen, natürlich mit Leonardo da Vinci oder Mikel Angelo in der Musik eben derjenige, der.
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Mit einer ungeheuren Wucht ganz neue Klangwelten entstehen lässt.
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Hier mit Fug und Recht auf dem Thron, auf dem Göttertron als Zeus, den,
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Schöpfer des Lebens. So jedenfalls die Antike Göttermethologie dargestellt wird und die Künste zu vergöttern in einer Stadt, die die Musik liebt.
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Als Versprechen an die Zukunft. Das ist das, was diese Skulptur sagt und deswegen ist es auch schön, sie im Erdgeschoss des Museums zu zeigen, wo nun jeder und jede
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sie ohne dafür Eintritt zu zahlen.
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Sehen kann, wenn das Museum geöffnet ist, zu ihr hingehen kann, an ihr vorbeigehen kann, um sie herumgehen kann. Aus dem ersten Stopp des Museums sogar auf sie herabschauen kann. Also wir bieten hier auch einen Perspektivwechsel an und.
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Wenn Sie mit Ihren Enkelkindern ins Museum.
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Museum kommen und es hat geschlossen, dann ist die Skulptur in den Abendstunden angestrahlt und da wir so ein diafanen, transparenten Museumsbau haben, durch den man eben durchschauen kann auf die Sammlungsräume, kann man ihnen eigentlich auch den Beethoven sehen.
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Wenn eigentlich das Haus selbst geschlossen ist und damit ist also,
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ganz visuell ausgedrückt. Die Kunst gehört allen und sie ist auch immer da und sie leuchtet auch für Leipzig. Apropos leuchten, du sprachst gerade an, dass man von oben auf ihn herabschauen kann.
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Ich finde die Architektur des Hauses so spannend. Man hat das Gefühl, es sind ganz viele. Ich würde es jetzt Terrassen nennen, die die unterschiedlichen Ebenen miteinander verbinden. Große Räume, die sich auftun
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nutzt ihr diese Flächen, diese Terrassen auch? Also das ist wirklich auch ein Alleinstellungsmerkmal, eine Eigenart dieser Architektur, die,
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sogenannten Museumsterrassen, so nennen wir die auch tatsächlich. Genau. Von denen gibt's eben im ersten und zweiten Geschoss einige und,
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Die sind eigentlich der Ort, wo man versteht, dass die Architekten sehr stark mit
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der Idee der klassischen Museumsbauten auch liebäugelten, die ja auch so Überwältigungsstrategien verfolgen, also wenn wir ans kunsthistorische Museum in Wien denken, wo man reinkommt und dann gibt's eben eine kleine Kuppel und eine große Kuppel und eine riesige Treppe und
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diese sehr hohen Räume, die den Blick schweifen lassen.
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Einerseits ist eben diese Lichtregie, die dann in solchen großen.
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Tatsächlich lichtdurchfluteten Hallenräumen möglich ist, faszinierend, andererseits wird auch die äh Kirchenraumarchitektur auch aufgerufen.
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Wir denken am Ende sogar an klassische Museumsbauten wie das alte Museum in Berlin, räume also in denen sich Kleinteiligkeit und abgedämmtes Licht mit Öffnung, Weite und,
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Lichtflut abwechseln und die diese Stimmung, die wir ja auch in uns empfinden, ein Auf und Ab, ein Höher und nieder.
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Architektur widerspiegeln und ablegen und dadurch ist das Gebäude, man darf sagen, tatsächlich spektakulär. Also es gibt Terrassen, die an
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zwei Seiten zum Stadtraum geöffnet sind und 17 Meter hoch überdacht sind und das sind schon natürlich auch sehr erhabene und schöne überwältigende Räume, mit denen wir als Haus auch arbeiten wollen, also da stellen wir
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gerne dann auch Skulpturen aus, die mit diesen Raumhöhen auch argumentieren.
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Ausnutzen und die Idee ist hier also eine Reihe von äh Skulpturen auch zu zeigen, die nicht in Europa entstanden sind oder Konzepte, die außereuropäisch sind, die also uns zeigen.
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Wir in einer Welt, die sich global zeigt, in der wir leicht Zugang haben zu anderen Kulturen.
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Diesen Skulpturen auch Raum geben sollten, die wir wahrnehmen sollten, die unsere eigene Kultur zunimmt durchdringen, uns befinden und Leipzig argumentiert immer mit seiner eigenen Weltoffenheit, die sich auch in den Dingen wie der Leipziger Messe äußert.
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Dem geben wir hier in dem Museum natürlich auch Ausdruck, dass wir die Welt also auch ständig zu Gast haben bei uns. Und was hat es mit diesem ganz kleinen Raum auf sich?
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Da stehen Regale, die wirken wie selbst gemacht, ganz eigenwillige Tische. Wir sehen viele Notizen an den Wänden. Also das ist der, wir nennen ihn den Next Raum.
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Raum nach dem Raum, kann man sagen, der nächste Raum, der kommende Raum,
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Weil wir hier auch das Museum neu denken und neu entwerfen wollen als einen Raum der Möglichkeiten, der nicht fest etwas vorgibt, etwa Teile der Sammlung zeigt, sondern.
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Zunächst einmal eine Einladung ausspricht an Leipzigerinnen und Leipziger, mit uns gemeinsam Themen, die,
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Aktuell sind, die uns heute bewegen, auf die das Museum aber mit seiner Sammlung oder mit seinen eigenen Themensetzungen so noch nicht gekommen ist, zu finden und zu bearbeiten und im Nextraum werden.
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Möglichkeiten zugelassen, Gespräche anzustoßen, sich mit Literatur zu beschäftigen oder,
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einfach nur auch mit kontroversen, es können kritische und auch radikale Lösungen.
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Für gesellschaftliche Fragen erarbeitet, diskutiert oder auch nur utopisch angedacht werden und das alles als Prozess.
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Wird in diesem Raum visuell,
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des Museums können diesen Prozess erleben und sehen und dabei auch spüren, Museum ist nichts Statisches, sondern Museum produziert diese Prozesse.
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Bringt Prozesse hervor und isst selber Prozess. Museum ist nicht fertig, Museum ist ständig im Werden und das ist für mich auch ein ganz zentrales Novum oder eine zentrale Idee.
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Für das Museum im 21. Jahrhundert sein, zurückfinden an einen unfertigen Status. Baustelle.
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Genau an die Baustelle, an etwas.
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Was zustandsverändernd sein kann und nur dadurch kann es auch für sich reklamieren die Zustände der Besuchenden zu verändern, weil sie können Teil davon werden jetzt und das ist zunehmend wichtig nicht Objekte als,
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verortet in einer bestimmten Geschichte,
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Und als letztlich tot auszustellen, die man bewundern kann wegen ihrer Schönheit, wegen ihrer besonderen Faktur und so weiter, sondern die Kunstwerke zu verlebendigen, indem sie,
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mit neuen Fragen bearbeitet werden, die darauf abzielen.
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Was haben Sie eigentlich für die Gegenwart heute, für eine Relevanz? Und diese,
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Gegenwärtigung, Vergegenwärtigung ist auch ein sehr schönes Wort. Die passiert sehr stark in diesem Next-Raum. Und wer kommt da hin? Sind das die Besucher des Hauses? Du sagtest Leipziger Leipzigerinnen? Kann man sich bewerben, sprecht ihr Leute gezielt an?
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Was sind das für Menschen? Also alles drei, es können Besucherinnen und Besucher sein. Es kann zufälligen Begegnungen kommen, weil, wie gesagt, der Raum ist offen für alle, die das Museum besuchen.
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Sozusagen daran teilhaben, was da passiert und zumindest sehen und durchaus auch eingeladen sind, sich hinzusetzen und auch zu lesen oder nachzudenken,
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Aber wer jetzt tatsächlich Akteurin oder Akteur wird
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im Ex-Traum. Das beschäftigt uns im Team dann nochmal. Wir haben also ein sehr dynamisches Team an äh Kunstvermittler innen, die mit den Akteurinnen der des Next-Raumes auch arbeiten.
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Diese auch auswählen. Also es können Mitglieder von städtischen Vereinen sein, es können
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Stakeholder sein, die in bestimmten städtischen Quartieren leben und daher die
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Lebensrealität dieser Quartiere ins Museum bringen. Es können Menschen sein, von denen wir annehmen.
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Ihnen die Idee des Museums fremd ist, aber wir sind trotzdem an deren Lebensrealität und an Ihren Ideen und Gedanken interessiert. Wir möchten nicht.
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Allein deuten wie Kunst zu lesen ist, sondern wir möchten lernen, was wir mit Kunstwerken
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noch alles unternehmen und machen können und das geht am besten, indem man Menschen zulässt, menschlich zu sein in all den Facetten, die das mitbringt
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und es nicht zu normieren. Und wir überraschen uns auch,
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mit diesem Raum selbst, weil was dort passiert, können wir nicht vorhersagen. Und das ist genau diese Idee des Unfertigen, des Plötzlichen, des Überraschenden und damit auch das Wirkmächtigen und Kräftigen, was wir dort produzieren wollen. Es ist wie so ein Labor, ne und
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da brodelt es und es kann auch uns um die Ohren fliegen, was dann auch okay ist, aber es ist die Herzkammer, die neue Herzkammer unseres Museums, wo das Blut in alle anderen Räume metaphorisch ne, reingepumpt wird. Die Inhalte, die dort entstehen,
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sollen auch auf die Sammlung einwirken. Einen kleinen Einblick können wir davon schon gewinnen in den Räumen, wo er das 18. und 19. Jahrhundert präsentiert auf einmal tauchen neben den Porträts der damaligen Zeit,
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Hochmoderne Fotografien von Menschen unserer Zeit auf.
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Ja, ich bin kein Freund von diesem Wort der Intervention. Es geht nicht darum, Gegenwartskunst und sogenannter alten Meister gegeneinander zu setzen.
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Sondern wir haben dafür den schönen Begriff des Scharniers gefunden.
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Suchen nach solchen Scharnieren in den thematisch organisierten Räumen und in dem besagten Raum geht's um das Thema Familie und Bildnis. Wir entwerfen Menschen, die die der Familie, wir entwerfen sie sich selber, wie machen wir Bilder von uns,
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unseren Rollen als als Bürgerinnen oder als Repräsentant ihnen einer eines bestimmten Berufes und das ändert sich natürlich auch durch die Jahrhunderte und.
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Gegenwärtig gibt es ganz neue Familienentwürfe, die vor 50 Jahren in dieser Weise nicht gesellschaftlich akzeptiert oder überhaupt bekannt waren. Es gibt auch eine Reihe von Selbstbildern und Selbstentwürfen.
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Von Möglichkeiten, Persönlichkeit, facettenreicher auszubilden,
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zurzeit Anton Grafs, der die meisten dieser Bildnisse gemalt hat aus dem 18. und damit wirft Kunst die Frage auf, ja wer bin ich denn selbst und wer möchte ich denn sein? Wer hätte ich sein können?
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Gewesen, wenn ich vor 15 Jahren gelebt hätte und wer bin ich heute? Welche Möglichkeiten bietet mir mein Leben und wie kann ich darauf Einfluss nehmen?
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Wir möchten unsere Besuchenden dazu animieren, solche Gedanken zu haben und aus ihrem Museumsbesuch etwas mitzunehmen in ihr Alltagsleben, vielleicht etwas, das sie stimuliert und anregt und sagt, ja ich kann das verändern,
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wer ich bin oder ich habe Verantwortung für das, was war und darum kann ich jetzt einen neuen Lebensentwurf für die Zukunft wagen. Das wäre schön, wenn Museum diese Leistungsfähigkeit.
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Seinen Produkten hat. Darf ich dir meine pikante Frage stellen? Wir haben uns ja schon ein bisschen unterhalten über wer bin ich, was will ich, was möchte ich vielleicht auch hören? Wie geht ihr mit alten Bildtiteln um?
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Wir haben an unserem Haus ein von der Bundeskulturstiftung gefördertes sehr schönes Projekt, das heißt 360 Grad.
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Für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft 360 Grad, das ist ein schönes Bild, ne? Das ist das gesamte Spektrum der Gesellschaft
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einmal rund. Wir fokussieren dabei ganz besonders natürlich auf diejenigen Mitmenschen, die nicht zum
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klassischen Museumspublikum zählen. Das sind besonders oft etwa Menschen mit migrantischen Biografien und
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andere Kulturkreise erlebt haben und die nun im Museum natürlich ganz andere Fragen stellen und die auch andere Erwartungen haben. Und gerade die Mitarbeiterinnen, die im 360 Grad Projekt bei uns am Haus tätig ist,
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Er hat Arbeitsplatzbeschreibung
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Aufgabe die Rolle auch unser deuten und damit auch unser Bildtitel dahingehend zu überprüfen was für Konnotationen die eigentlich sonst noch mitteilen und wir haben begonnen einfach unsere Kunstwerke darauf zu befragen wie
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rassistisch sie möglicherweise interpretiert,
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werden oder wurden, ob sie Potential für Verletzungen bergen et cetera und wenn es besonders eklatante Situationen gibt, dann haben wir auch die Titel in der Vergangenheit angepasst.
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Und werden das auch zukünftig immer wieder tun, wobei das kein Handstreich ist.
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Jemand denkt, ach ich könnte ein Kunstwerk auch anders nennen, sondern Titel sind ja oft auch historisch verbürgte Titel, die mit Kunstwerken auch manchmal bis auf den Künstler, die Künstlerin zurückgehend
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verbunden sind. Wir versuchen, diese Titel dann in ihrer Historizität auch nicht auszublenden, aber zu kontextualisieren. Zum Beispiel
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Also wir haben eine Skulptur des französischen Bild,
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einer Frau, also davon gibt's verschiedene Versionen und diese hat in der Sockelzone die Inschrift warum als Sklavin geboren und
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die äh Skulptur ist in der Vergangenheit nicht nur übrigens im Museum der Bildungskunst in Leipzig, sondern auch an anderen Orten, wo wo andere Versionen sind, gern auch mit dem N-Wort ausgestellt wurden.
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Ne und wir haben das thematisiert und aus der Bildtitellei entnommen. Es hat aber eine,
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intensive Auseinandersetzungen mit diesem Vorgang in unserem Team gegeben. Frau Vera Tunga, die 360Grad Agentin bei uns am Haus, hat dazu auch also einen Film produziert und
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Werden die Skulptur in dieser neuen Kontextualisierung also auch über Medien weiter.
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Kommentieren und erschließen, also zum Beispiel durch einen Film, der neben der Skulptur dann läuft, sodass man sich mit dem,
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Warum wird hier der Titel verändert mit diesem Thema
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aktiv beschäftigt als Besucher. Es würde jetzt nicht wirklich ausreichend sein zu sagen wir schreiben einfach einen anderen Titel an ein Kunstwerk und wir haben den
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vormaligen Titel damit dann vergessen, ausgelöscht, die Irritation ist beseitigt, sondern die Irritation entsteht ja
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sollte auch lebendig gehalten werden, weil sie ist ja produktiv und spannend und,
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Wenn man sich thematisiert und darauf hinweist, dass es hier eine Titeländerung gab, dann wird ja überhaupt ein reflektieren erst möglich und darum wird's uns ja auch gehen
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ist das auch der Grund, warum ihr am Eingang die Skulptur ausgetauscht habt? Nein. Jetzt habe ich schon wieder Eingang gesagt, entschuldige. Einer der Zugänge. Äh ja, vormals war auf dem Platz vor dem Museum eine Skulptur von Markus Lüpper zu sehen. Die zeigte auch übrigens Beethoven.
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Ein großartiges Kunstwerk ist und da ist der Leihvertrag, das war eine Leihgabe, ausgelaufen und wir haben danach diesen Standort.
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Einfach behalten, um dort weiterhin Skulpturen zu zeigen und jetzt zeigen wir eben eine Arbeit einer jungen Dresdner.
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Künstlerinnen Stella Hamberg, die die Arbeit von Markus Lüpperts, wenn ich sagen, ersetzt, sondern es ist einfach an dem gleichen Standort, wo eben vorher der Lüpper zwar dessen Leihvertrag ausgelaufen ist,
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eben ein anderes Kunstwerk zu sehen. Das hat jetzt keinerlei inhaltliche irgendwie Verdrängung oder so etwas stattgefunden
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Ich hätte gedacht, vielleicht irgendwie, weil's eine Frau ist oder so. Ja, es war auch wichtig zu sagen, also wir würden gerne eine weibliche Position haben. Wir zeigen zu wenig weibliche Positionen. Das war sicher, also wir hätten auch irgendwas anderes hinstellen können. Nach dem eine weitere männliche
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Position zeigen können, aber da war jetzt dezidiert auch der Versuch, unbedingt eine weibliche Haltung zu haben und einfach um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es bislang einfach viel zu wenig beachtet worden ist, von wem die Sachen sind.
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Jetzt spiele ich ein Spiel mit dir. Ihr lieben Hörenden, es tut mir leid, ihr seht es nicht. Ich halte jetzt eine laugrüne Karte hoch, auf der steht, ich weiß, dass Leipzig für einen bunten Bilderkosmos steht.
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Was weißt du dazu und was kannst du mir dazu erzählen?
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Mache euch ein Foto, dann könnt ihr das auch sehen. Also wir haben den Bilderkosmos Leipzig seit Anfang Februar für alle Leipzigerinnen und Leipziger zugänglich. Äh es ist eine Ausstellung über 120 Jahre.
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Geschichte der Malerei.
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Gemälden und Skulpturen im Wesentlichen, die in Leipzig entstanden sind oder für Leipzig eine bestimmte Bedeutung haben und.
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Ausstellung zeigt eine Auswahl von unserem riesigen Bestand, der aus vielen hunderten,
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Tausenden gehenden ähm Objekten besteht. Wir konnten aus unseren Magazinen natürlich nicht alles hervorholen und.
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Das ist ein Problem. Sind viele großartige Kunstwerke sind natürlich im Magazin verblieben, verdienten aber auch ausgestellt zu werden und
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Nun haben wir uns gesagt, ja, viele Themen, die wir jetzt erzählen, könnte man auch anders erzählen. Vielleicht haben wir auch viele Dinge vergessen.
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Wie kann man denn einen Bilderkosmos Leipzig über 120 Jahre überhaupt in einer einzigen,
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kanonisch festgefügten Erzählung bringen. Also man kann es nicht und daher haben wir uns überlegt, wir fragen unsere Buchenden.
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Und versuchen zu verstehen.
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Was wird empfunden, wenn die Ausstellung besucht wird, welche Themen bewegen, welche Kunstwerke fehlen und es gibt da zwei Möglichkeiten, uns.
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Feedback zu geben.
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Die eine ist über solche Karten, von denen du gerade eine hochgehalten hast, Karten, auf denen die Besuchenden einfach gefragt werden. Wie fühlst du dich hier.
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Oder wie fühlen Sie sich hier? Was fehlt dir oder Ihnen?
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Wie würde dieses oder jenes Gemälde verändert werden können? Also es gibt Karten, die auch so ein bisschen äh so eine kreative Ader
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triggern. Man kann da ja auch Dinge weiter malen auf ihn, weil wir uns einfach vorstellen, was wäre wenn? Was wäre, wenn die Menschen, die ein Museum besuchen, etwas zurücklassen können.
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Wiederum auch auf das Museum, auf sein Gesicht, auf sein Tun, auf sein Darstellen und zeigen, Einfluss hätte.
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Und äh es gibt auch iPads, die auf den ähm Sitzgelegenheiten in der Ausstellung liegen und die eben diese
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Diesen Magazinbestand, von dem ich gerade sprach, in äh wiederum neuen Auswahl, aber immerhin präsentieren.
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Und äh man kann dann äh Gemälde digital sehen, die nicht ausgestellt sind, jetzt nicht ausgestellt sind, weil kein Platz, die wir aber trotzdem für relevant halten und die wir toll finden.
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Wir fragen unsere Besuchenden, nix weiter, außer diese Gemälde zu liken oder eben nicht und durch diese Anhäufung an.
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Positiven Feedback bei einzelnen Gemälden kann man jetzt schon sehen, welche von denen halt ganz besonders gesucht oder beliebt,
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oder gevotet werden und die werden wir dann sicherlich in einer zweiten Phase, wenn nämlich der Bilderkosmos Leipzig in eine ständige Präsentation überführt wird, auch aus dem Magazin.
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Dasein befreien und integrieren. Also das hat es mit diesen blaugrünen Karten auf sich, die sind auch relativ aufwendig produziert, damit man auch irgendwie
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die gerne in die Hand nimmt und und irgendwie auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit auch befüllt. Also es sind jetzt nicht irgendwie so Schmerzettel, die man irgendwie so abreißen kann oder so und dann so hinpostet, sondern das ist schon auch so man darf die auch mit nach Hause nehmen.
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Und sich auch zu Hause noch fragen, ich fühle mich heute
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drei Punkte. Wenn man in Leipzigs Kunst denkt und nicht ganz so viel Wissen mitbringt, dann denkt man ja vielleicht an Leipziger Schule, an neue Leipziger Schule, was müsste man denn über Leipzigskunst wissen?
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Wo fängt sie denn an? Also erstmal ist es so, dass wenn man über Leipzig überhaupt irgendwas wissen möchte und kommt als Gast in die Stadt, dann würde ich jedem
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empfehlen den Besuch im MDBK unbedingt einen nicht. Nee und zwar nicht, weil ich denke, wir sind eh das absolute Muss in Leipzig neben vielen anderen.
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Orten, sondern weil wir eben mit Bilderkosmos eigentlich eine ganz gute Möglichkeit haben, die Stadt auch in ihren Facettenreichtum und auch vor allem in ihrer Seele kennenzulernen und.
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Beginnt jetzt um 195 und zwar deshalb, weil unser frühestes Gemälde von Max Beckmann. Wir haben 13 Gemälde in unserem Beckmann-Saal, auch Skulpturen von ihm ausgestellt,
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aus diesem Jahr 195 eben datiert und ersetzt also diesen Beginn am Beginn des 20. Jahrhunderts im Prinzip ein Jahrhundert, das bekanntermaßen
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durchzogen ist von Brüchen und Dramen und Veränderungen und das endet ja auch jetzt nicht, ne, sondern wir führen über das Jahr 200 diesen Bilderkosmos weiter bis heute und das jüngste Bild ist nur wenige Monate alt, stammt aus dem Jahr 20021 von
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Anna Nero, wo fängt die Kunstgeschichte Leipzigs an? Also die fängt bei der Gründung der Stadt Leipzig an im Grunde und in unserem Museum mit dem 15. und 16. Jahrhundert
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Leipzig hat eine Blütezeit in der 16. Jahrhundert erlebt als Kaufmannsstadt. Martin Luther hat hier teilweise selbst gewirkt.
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Und gepredigt, die Cranach-Werkstatt zu Beginn des 16. Jahrhunderts ist sicher ein ähm Marktstein in der ich sage mal Kunstgeschichte der frühen Neuzeit Leipzigs.
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So dass wir also im MDBK
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auf nunmehr etwas über 500 Jahre Kunstgeschichte zurückblicken können und wir erzählen aber im MDBK das möchte ich jetzt auch unterstreichen
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nicht nur lokale Kunstgeschichte, also das ist kein Regionalmuseum, sondern wir erzählen äh ein internationale Kunstgeschichte, haben also zum Beispiel auch ein paar hochberühmte Werke.
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Tatsächlich zu den Enkonabeln der europäischen Kunstgeschichte gehören. Also ich sage nur, Roger van der Welten, die kleine
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Altartafel von ihm, die zu dem sicherlich besten gehört, was die altniederdische Kunst hervorgebracht hat, neben Jan von Eick natürlich.
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Wir haben Werke von Rubens. Wir haben großartige Kunst. Äh vor allem,
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aus der Zeit der Romantik, wo wir einen regelrechten Schwerpunkt haben. Wir haben durch die Schenkung Bühler Brockhaus eine Gruppe von äh hochbedeutenden Impressionisten, also das ist jetzt die Kunst Frankreichs.
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Tatsächlich also ein Museum, das jetzt sehr große Lücken hat natürlich, sehr equezistisch
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ist, in dem Sammlungsprofil aber durchaus äh auch einen internationalen Anspruch hat, also auch Gäste, die nach Leipzig kommen, sehen hier natürlich Dinge, die wegen den es sich lohnt.
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Nach Leipzig zu kommen und dabei dann auch ein Museum zu besuchen.
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Nicht zuletzt der schon erwähnte Klingerbestand wäre da noch anzusprechen. Ich möchte aber gerne mit dir auf dem Bilderkosmos noch zu sprechen kommen. Max Beckmann neunzehnhundertfünf.
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Welches Werk lässt dich besonders innehalten?
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Es muss jetzt nicht direkt von Max Beckmann sein. Ja also ich finde jetzt mal bei Beckmann aber kurz zu bleiben. Also er hat ein großes Werk gemalt, die sogenannte Bohne. Das ist das Bild von neunzehnhundertfünf. Man sieht einen Mann, der steht auf so einer riesigen
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hat Brückenarchitektur, die über dem tosenden Meer sich erhebt und ziemlich fest und starr in diese Wellen hineingebaut ist und er stemmt sich gegen den Regen.
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So als kleine Figur
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gegen diesen dunklen Himmel und gegen den Regen und schaut über das Meer. Also das ist so das Bild eines jungen Mannes, der aufbricht, in diesem Fall wahrscheinlich auch autobiographisch zu lesen, wird man selbst, war da ja noch nicht so alt, fast noch in Jugendlicher.
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Der also ja sich auch ausgesetzt fühlt. Gleichzeitig aber auch diese vielen Möglichkeiten hat wirklich hinauszutreten in die Welt und sich
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gegen die Unwägbarkeiten zu stemmen und das ist auch so ein Bild für das Künstlertum. Also ich mag dieses Bild sehr, weil es mich sehr anrührt. Man hat auch ein Bild dann gern, wenn es einem jeden Tag irgendwie neu begegnet.
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Man das nicht kennt, ne und und sagt, okay, das habe ich jetzt schon mal gesehen. Und ansonsten sind es natürlich, ja, teilweise die die kleinen Geschichten, also,
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die Reinigungskraft, die am Ende eines Geborenen Fußbodens.
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Ins Bild gesetzt scheint, lethargisch aus dem Bild herausschaut, die Silvesterparty mit den angetrunkenen Gästen.
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Proportionen das Arbeiterbild,
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abgespannten Körper, die Suche nach einer besseren Zukunft im Abendhimmel hinter den Garagen, also ich beschreibe hier
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Dinge, die auf den Bildern im Bilderkosmos zu sehen sind, ne? Also und viele Besuchende reflektieren das auch, dass sie dort Lebensrealität.
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Erinnerungsbilder sehen, die direkt anschlussfähig sind an Dinge, die sie wirklich selbst erlebt haben. Das erste Motorrad, die Lederjacke, die eckige, getönte Sonnenbrille
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die Schlaghosen, also DDR in den siebziger, achtziger Jahren, das ist schon auch sehr anrührend. Du Hemd hat mich stutzig werden lassen, ich oute mich jetzt mal als Nicht-Kennerin. Also ich weiß, Bernhard Heißig ist Leipziger Schule
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Warum hat er denn Peter Beckmann gemalt? Äh Peter Beckmann ist der Sohn von Max Beckmann und daher auch der Erbe von
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Nachlass zu dem auch Kunstutensilien zelten, also Pinsel.
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Leinwand, Palette und die ein Teil der Leinwände, die Beckmann unbearbeitet in seinem Studio zurückgelassen hat, hat Peter Beckmann an Bernhard Heisig übergeben.
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Der daraufhin ein Bildnis Peter Beckmanns malte und das kann man wiederum in der Ausstellung sehen.
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Hier gibt's also einen gewissen Zirkelschluss. Man kann jetzt nicht sagen, dass von der Malerei,
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sein direkter Draht in die Kunst von Bernhard Heisich geht, aber es ist doch eine Tradition, die vielleicht nicht von ungefähr.
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Diese beiden großen künstlerischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zusammenschließt und Beckmann ist in Leipzig sehr verehrt worden, neunzehnhundertvierundachtzig gab's hier eine,
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Retrospektive und deswegen ist der in Leipzig geborene Beckmann auch,
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der berechtigte Starting Point in dem Bilderkosmos im ersten Raum. Und wenn man dort dann ein Bild von Peter Beckmann sieht, also von Max Beckmann Sohn, das gemalt ist auf,
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Leinwand von Bernhard Heisig, der wiederum die berühmte Malereiklasse an der HGB begründet, aus der dann die sogenannten Leipziger Schulen nach und nach
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hervortreten, dann ist das schon nicht von ungefähr eine eine Verbindung, die die wir da auch bewusst
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betonen wollten. So Bernhard Heisig gehört auch Wolfgang Matteuer. Habt ihr von Wolfgang Mateuer auch Bilder? Wir haben mehrere von ihm. Gott sei Dank und zwei sind auch im Bilderkosmos zu sehen. Also das sind beides Leipzig Ansichten.
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Oder Ansichten, nein, die eine ist in Leipzig an sich, die andere ist eher eine Ansicht von einer Autobahn. Das Bild ist in vielen Schulbüchern präsent und heißt hinter den sieben Bergen.
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Ein äh Versprechen, ein Zukunftsversprechen, man fährt durch mehr oder minder blühende Landschaften, vorbei an Industrieanlagen und an Gebäuden in einem taghelle Berglandschaft,
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über den Bergen äh sieht man eine an der inspirierte inspirierte Figur, die Freiheit mit Luftballons der man entgegen.
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Pferd, aber es kann eben auch und in diesem Raum geht's auch um die versteckten Botschaften. Es kann eben auch die Freiheit sein, die das Volk auf die Barrikaden führte. Na, die Französische Revolution.
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Wenn man genau hinsieht, dann sieht man auf den Straßenschildern, die alle keinen Sinn ergeben,
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auch den Schriftzug Aya Popeya, das was so ein Kinderlied ist, also so ein bisschen ja man ist in den Schlaf gewogen in diesem Staat.
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Gibt diese kleinen Hinweise wie Fußnoten in seinem sonst sehr heiteren und zukunftssicheren Bild.
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Bei dem anderen äh Gemälde von ihm sieht man eben die Stadt Leipzig und darüber sieht man die Kondensstreifen von Flugzeugen, Flugzeuge, in die die,
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Menschen nicht steigen durften, wenn sie hinter der Mauer in Leipzig den Blick, den Himmel erhoben.
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Also war er eher regimekritisch? Na ja, also der Raum heißt verdeckte Botschaften, also Regimekritik konnten sich die meisten
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Künstlerinnen und Künstler tatsächlich offen so nicht leisten. Das war viel zu gefährlich. Einige haben's natürlich trotzdem heftigst getan.
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Da weiß man ja auch, dass da sehr viele erschütternde Schicksale dann auch da sind, Künstler sein in der DDR, was sich ja eine Gratwanderung.
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Selber den eigenen.
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Künstlerischen Absichten folgen zu dürfen und zu müssen, was Künstler ja sich oft auch nicht aussuchen können.
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Ist ja auch so eine Notwendigkeit da, ne, sich auszudrücken und
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in einer bestimmten Art und Weise auszudrücken und gleichzeitig aber dieser Kunst ihrer Handlungsmöglichkeiten auch zu erhalten, indem man nicht permanent mit der Obrigkeit in Konflikt trat, die anderen irgendwann ein Berufsverbot auflegen konnte.
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Damit war dann das Künstlerdasein zu einem, wenn wenn nicht im Untergrund in Anführungszeichen, zum Ende verurteilt.
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Ist das nicht auch ein Dilemma? Also du hast auf der einen Seite deinen künstlerischen Anspruch. Du hast das Gefühl, es muss etwas raus und auf der anderen Seite.
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Kommt vielleicht auch die Auftragsarbeit.
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Ja sicher, ja aber das war nicht nur ein Dilemma der Künstlerinnen und Künstler, sondern aller Menschen, dass man sich immer mit den Dingen, die einen umgeben, einerseits reibt,
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weil man an ihn wachsen möchte, weil man sich gegen sich stemmen möchte. Ich hatte Beckmanns Bohne schon erwähnt.
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Und andererseits aber mit den Konditionen des Lebens auch klarkommen muss, damit man eben überleben kann. Und die meisten Menschen, die natürlich aller allermeisten Menschen.
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Nicht nur die in der DDR-Lebenden, auch die, die in der,
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die danachlebenden und die Heutelebenden stehen genau hinter auch wir heute eben, stehen genau unter dieser Spannung, dass wir uns teilweise sperren und reiben und teilweise anpassen.
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Müssen, um überleben zu können. Wolfgang Mateuer, Alte, Leipziger Schule oder Leipziger Schule? Neue Leipziger Schule, wen habt ihr da ausgestellt?
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Also der Begriff dieser Schulen ist einer der zwischen auch sehr ähm nicht ganz also ich sage mal so, ist nicht ganz unproblematisch. Viele Künstlerinnen und Künstler, die heute in Leipzig arbeiten und
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Zumal die die aktuell aus der HGB hervorgehen, würden jetzt vielleicht gar nicht so glücklich sein, wenn man ihnen
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immer noch dieses Label umhängt. Dann zaubern wir das jetzt. Na ja, mehr so äh möchte ich eigentlich auch nur ungern, denn es ist eines der Label, die durchaus international geworden sind und ist ja auch schön, dass,
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es eine schulbildende Kraft aus Leipzig gibt, die inzwischen auch in New Yorker Galerien verstanden wird.
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Und darauf dürfen die Leipzigerinnen noch stolz sein auf ihre Malerei. Also Leipzig hat eine hohe figurative, große, tiefe,
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ausgearbeitete figurative Tradition, die sonst in gar keiner Stadt in Deutschland in dieser Weise vorhanden ist. Es gibt keine Münchener Schule oder eine neue Düsseldorfer Schule. Es gibt andere Schulen, ja, die vielleicht in der Fotografie.
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Aus Düsseldorf kommen. Aus der Philosophie aus Frankfurt kommen et cetera, ja also das Wort der Schule, das sagt ja nur, dass es so etwas wie eine Lehrmeinung gibt oder eine eine Kraft gibt, die irgendwo
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aufschlägt in großen künstlerischen Persönlichkeiten und die dann schulbildend wird, die also Nachfolge hat, die sage jetzt bewusst nicht Nachahmung, sondern Nachfolge hat, die also etwas auslöst, die
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tradiert und fortgeschrieben wird und in Leipzig sind es die Bilder und im Volksmund wird dieses Haus auch das Bildermuseum genannt, was auch nicht ganz falsch ist. Also
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das Fortschreiben einer figurativen Tradition, die.
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Das erreicht bestimmte Höhepunkte sicherlich in der Malereiklasse von Heisig in den Sechzigern und dann aber auch in äh zweiter.
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Und dritter Generation, also mit Malern wie ähm Hannoring und dann natürlich auch mit den sicher allen bekannt
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Neo Rauch und seinen Schülerinnen und Schülern und wir zeigen Gemälde, die eben zwischen neunzehnhundert, ich sage mal, den frühen 2000erjahren bis heute entstanden sind und
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zeichnen, die vielleicht als die sogenannte neue Leipziger Schule.
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Ja, da sind Namen wie Julius Hoffmann, Martin aber auch Anna Nero oder Henriette Granat dabei, also nicht alles RauchschülerInnen, aber die aktuellen Impulse,
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aus der Hochschule kommen.
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Nach wie vor so lebendig und so stark auch mit den 2tausendern verbunden, dass man durchaus aus meiner Sicht noch nicht von einem Ende dieser Tradition sprechen kann. Hoffentlich wird sie auch nicht zu Ende kommen,
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Was meinst du, was die Zukunft bringt? Na ja, weiterhin sehr viel spannende Kunst aus aus Leipzig
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Zweifelsohne, also das ist ein sehr vibrierender Ort, nicht nur durch die Hochschule, sondern auch durch die Galerien, zehn Galeristenzen.
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Die es hier gibt, die sogenannten Spinnerei-Galerien sind auch inzwischen überregional bekannt und ziehen an den Rundgangswochenenden gehen das Publikum an, äh tatsächlich aus dem ganzen Land und auch international.
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Nicht nur, weil sie ein Marktplatz sind, sondern weil halt einfach Kunst dort entsteht, die die toll ist und die
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die die Leipzig auf die internationale Kunstlandkarte bringt und gerade jetzt in diesem Jahr hoffe ich auch, dass wir
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Dokumentajahr in diesem Jahr, dass erneut, nachdem uns die Pandemie jetzt hoffentlich auch aus ihren Fängen entlässt, viele Menschen äh unsere Stadt besuchen und sich hier an an der Kunst erfreuen.
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Übrigens nicht nur an der bildenden, sondern eben auch an den unseren Opernhäusern und Theatern und Konzertsälen. Du bist seit circa einem Jahr in Leipzig. Ich halte jetzt noch eine von deinen Karten hoch. Darauf steht, hier fühle ich mich so.
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Und woran liegt das?
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Ich würde schon sagen, dass ich mich hier nochmal besonders lebendig fühlen muss, weil ich einfach ja also muss und darf. Also war ich doch schon auch
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es liegt daran, dass die Stadt sehr dynamisch ist und das bedeutet für mich, ich habe einfach sehr viel zu tun.
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Das nicht so, würde man sich irgendwann an eine gewisse Routine gewöhnen, man würde immer die gleichen Namen erleben, man hätte immer das gleiche Setting, jeden Tag aufs Neue, aber hier verändert sich zuweilen so.
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Viel noch, weil es noch so viel im Werden, auch grade was die junge Kunstszene angeht, dass man tatsächlich das Gefühl hat, ja man muss auf zack sein, um,
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Die aktuellen Entwicklungen rechtzeitig zu spüren, um auch das, was ich hier mache, irgendwie möglichst gut hinzubekommen.
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Also ich würde sagen, es gibt auch so ein bisschen eine Situation wie ein Marathonläufer, ne, dass man denkt so okay, ich muss das hier gut trainieren, weil das ist eine Sache, die ist schon auch herausfordernd.
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Verantwortungsvoll. Na ja, man muss eben in einer hohen Grundenergie über eine lange Zeit auskommen oder das schaffen.
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Es ist nix, was wenn Sie jetzt klare, kleinere, überschaubare,
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Umgebung mit sehr kontrollierten Stakeholdern haben, dann gibt's manchmal eine große Ausstellung, auf die man dann hinarbeitet und dann gibt's wieder eine Phase, in der mehr Routine, mehr Ruhe äh eintritt, aber wir müssen in Leipzig so viele verschiedene Themen so eine so diverse Stadtgesellschaft
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abholen und mit ihr interagieren, dass einfach eine hohe Konzentration über eine über eine lange Zeit nötig ist. Ja, ich habe gelesen, dass ihr,
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Das Ausstellungshaus sei das als ein sehr aktives Ausstellungshaus gilt
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Ja, das ist ja ganz gut, wobei ich auch unterstreichen möchte, dass unser Programm nicht nur von den Ausstellungen in Anführungszeichen abhängen soll, sondern wir
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natürlich auch wahrgenommen werden für die spannenden Projekte, die wir im Bereich der Kunstvermittlung machen oder mit unserer 360 Grad Initiative
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auch bei den Themen, die wir im Blick auf Forschungsprojekte setzen. Also wir schauen sehr intensiv auf das Gebiet der Fotografie.
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Wollen das auch in der nächsten Zeit entwickeln, Fotografinnen und Fotografen sind aus Leipzig sehr gute hervorgegangen und unterrichten hier ja auch an der Hochschule Ricarda Roggern. Genau. Und.
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Das ist auch eine sehr demokratische Kunstform, die sehr niederschwellig ist. Viele Menschen können mit Fotografie, ich sage mal, etwas anfangen.
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Leichter etwas anfangen als vielleicht mit der schwerer zugänglichen Malerei oder Skulptur.
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Nicht zuletzt, weil wir das alle selber auch so bis zum gewissen Grad mit praktizieren. Wir alle haben ein Fotoalbum und machen Fotos mit unseren Handys und haben so das Gefühl, da ist so eine Wirklichkeit und die kann man in Bildern festhalten.
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Und damit auch neu interpretieren und konstruieren.
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Fotos ja, dass sie Wirklichkeit konstruieren und Leipzig ist im Vergleich zu vielen Städten,
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im westlichen Teil unseres Landes durchaus eine, die grade das Thema Fotografie besetzen sollte.
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Besetzen sollte ist auch eine sehr weibliche Kunst übrigens für Leipzig, gerade die Fotografinnen, also ich nenne da nur Evelyn Richter Ursula Arnold, Karin Wiekors, Karin Plessing.
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Viele andere sind durch Dokumentarfotografie und künstlerische Fotografie während der DDR.
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Und auch ungeheuer wirktmächtig und bildkräftig und das gehört eigentlich auch in der gesamtdeutschen Erzählung.
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Der Fotografiegeschichte noch viel stärker hervorgehoben und da sehen wir auch Verantwortung und auch eine wichtige Rolle für unser Haus in diese Nische oder Nische. Also in diesen Bereich vorzustoßen.
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Hebe ich die dritte Karte hoch, darauf steht Wow.
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Ausrufezeichen. Ja wow, erstmal natürlich überhaupt zum Bilderkosmos. Der hat mich auch total überrascht. Also da bin ich auch jeden Tag drin und finde immer wieder wow, dass es doch so viel gibt
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und dass es so spannend ist, dass man stundenlang immer wieder Bilder anschauen kann und dass sie immer etwas.
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Neues erzählen und ansonsten, dass das MDBK startet jetzt im Frühjahr ganz viel Neues, neuer Shop, neues Café,
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Ausstellungen, neue ständige Sammlung, sodass ich hoffe, man wird sagen, MDBK wow. Und ich sage jetzt wow und vielen Dank für dieses tolle Gespräch, dass du mich hier so.
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Durch das hausgeführt hast von von 1854 oder was da so bis ins Leipzig,
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hat mir auch Spaß gemacht und du warst auch eine sehr angenehme Gesprächspartnerin. Ach danke schön. Jetzt sage ich noch mal wow, danke für das Kompliment.
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Music.
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Immer auf der Suche nach spannenden Gesprächspartner innen, die euch und mir die Welt der Kunst entschlüsseln, reise ich quer durch Deutschland.
59:46
Wenn du die Reisen von die Leichtigkeit der Kunst unterstützen möchtest, dann freue ich mich sehr über deine Kulturpartnerschaft.
59:55
Geht auch ganz einfach. Via PayPal Punkt Me Slash Leichtigkeit der.
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Oder mit einer goldenen silbernen oder bronzenden Mitgliedschaft über Steady Haarkuh Punkt com Slash die Leichtigkeit der.
1:00:14
Bedanken möchte ich mich von ganzem Herzen bei allen Hörenden, die bereits die ein oder andere Reise unterstützt haben.
1:00:23
Ihr möchtet mehr über die Leichtigkeit der Kunst erfahren und mal einen Blick hinter die Kulisse werfen.
1:00:31
Ich einen Tipp. Tragt euch in den Newsletter bei Steady Harku Punkt com Slash die Leichtigkeit der Kunst.
1:00:42
Ihr habt Fragen, Anregungen und Feedback dann schickt mir gerne eine E-Mail an Claudia at die Leichtigkeit der Kunst Punkt DE. Und wenn ihr mögt, dann freue ich mich sehr über euer Like und eine Bewertung.
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Möchtet weitere Informationen? Dann schaut auf meiner Website unter WWW die Leichtigkeit der Kunst Punkt DE.
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Und nun von Herzen.
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Music.