Die Leichtigkeit der Kunst

Der Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” bringt dir regelmäßig unbefangene Kunstgespräche aus ganz Deutschland. Ich liebe es, die Kunst mit Achtsamkeit und Leichtigkeit zu betrachten und bin immer gespannt auf die Geschichte hinter den Werken. Im Podcast “die Leichtigkeit der Kunst” schnappe ich mir Experten, die informativ & intim sowie augenzwinkernd & aufschlussreich erklären können. Und zwar genau dort, wo sie am leichtesten zu finden sind: in Museen, Ausstellungen, Galerien, Werkstätten und vielleicht auch mal hinter der Bühne. Dort spreche ich mit meinen Gästen über die Frage der Herkunft, Passion & Leidenschaft sowie über Biografien aller Art. Findet hier eure monatliche Inspiration für eine Begegnung mit Kunst und Kultur.

https://dieleichtigkeitderkunst.de/podcast/

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episode 1990: Wahrheit oder Pflicht [transcript]


Gebt‘s zu… bei „Wahrheit oder Pflicht“ denkt ihr sofort an das gesellige Partyspiel, indem man soviel Neues, Geheimes und manchmal auch Pikantes von seinen Freunden und Bekannten erfährt. Spontan sind euch sicherlich lustige Erinnerungen und erste Fragen eingefallen. Ein bisschen neugierig bin ich ja schon, welche Details euch so interessieren würden…

Apropos Detail…  meinem heutigen Gesprächspartner wird eine außerordentlich große Liebe zum malerischen Detail nachgesagt. Und mit diesem möchte ich heute das Spiel Wahrheit oder Pflicht spielen… wie gut, dass er zu genau diesem Thema bereits ein Buch publiziert hat.

In der Spinnerei Leipzig treffe ich Hans Aichinger in seinem Atelier  und bin gespannt, ob wir auch ein bisschen was Neues, Geheimes und vielleicht auch Pikantes über ihn und sein Werk erfahren werden.

Soviel verrate ich schon vorab… Hans hat sich ganz und gar nicht  verpflichtet gefühlt, sondern ganz wahrheitsgemäß viel von seinem Weg erzählt.


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 2022-05-20  1h1m
 
 
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Music.
00:10
Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast die.
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Kommt. Ich freue mich, dass ich euch auch vor dieser Episode mit der Zoom-Stimme des Fotografen Markus Hurek auf ein Verein und Projekt aufmerksam machen darf, welches mir so sehr am Herzen liegt.
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Lieber Markus, schön, dass du da bist. Mein Name ist Markus Hurek.
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Fotografiere leidenschaftlich gern und ich möchte die Gelegenheit nutzen an dieser Stelle auf eine Initiative hinzuweisen, die ich ausgesprochen wichtig finde,
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In meiner Familie gab es vor einiger Zeit einen tragischen Fall von Demenz. Demenz ist eine Krankheit, die persönlich viel Leid und Schmerz verursacht,
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Ist aber vor allen Dingen eine Krankheit, die gesellschaftliche Akzeptanz benötigt.
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Diese gesellschaftliche Akzeptanz fördern, kann der Fotowettbewerb Demenz neu sehen. Er richtet sich einen Fotografen, egal ob Amateure oder Profis,
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Genauere Informationen findet ihr unter WWW Demenz neu sehen Punkt DE. Ich würde mich freuen, wenn ihr euch das einmal anschaut.
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Vielleicht teilnimmt. Lieber Markus, danke für deine Zeit und auch deine sehr persönlichen Worte und natürlich danke, dass du mit genau diesen Worten den Fotowettbewerb Demenz neu sehen, sowie den Verein, die sie Deria Care unterstützt.
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Und ich hoffe nun, dass sich viele Fotografierende angesprochen und natürlich motiviert fühlen, ihren Beitrag unter WWW Punkt Demenz neu sehen Punkt DE einzureichen.
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Einsendeschluss ist am fünfzehnten Juni zwanzig zweiundzwanzig.
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Falls ihr mehr über den Verein Desideria Care erfahren möchtet, schaut euch gerne die Website unter WWW Punkt Desideria Care Punkt DE an.
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Und nun wünsche ich euch viel Freude beim Hören der Folge Wahrheit oder Pflicht.
02:07
Music.
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Wahrheit oder Pflicht. Gebt's zu,
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bei Wahrheit oder Pflicht denkt ihr sofort an das gesellige Partyspiel, in dem man so viel Neues, Geheimes und manchmal auch pikantes von seinen Freunden und Bekannten erfährt,
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Spontan sind euch sicherlich lustige Erinnerungen und erste Fragen eingefallen,
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ein bisschen neugierig bin ich ja schon, welche Details euch so interessieren würden.
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Apropos Detail. Meinem heutigen Gesprächspartner wird eine außerordentlich große Liebe zum malerischen Detail nachgesagt.
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Und mit diesem möchte ich heute das Spiel Wahrheit oder Pflicht spielen. Wie gut, dass er zu genau diesem Thema bereits ein Buch publiziert hat.
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Lieber Hans Eichinger, so schön, dass wir uns hier in deinem Atelier in der Spinnerei Leipzig treffen und vielleicht auch ein bisschen was Neues, Geheimes und vielleicht auch pikantes über dich und dein Werk erfahren.
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Fühl dich bloß nicht verpflichtet, sondern nun eingeladen von dir und deinem Weg zu erzählen. Natürlich ganz wahrheitsgemäß,
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bitte stell dich doch einmal vor. Also mein Name ist Hans Eichinger. Ich bin 1959 in Leipzig geboren.
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Verheiratet mit meiner Frau Cornelia und habe zwei Kinder,
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Zwei Mädchen, das große Mädchen ist 21 und heißt Antonia und das kleinere Mädchen ist 18 und heißt Eva.
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Und außerdem ja bin ich Maler und Kraft. Da kommen wir ja schon zum Punkt. Wie bist denn du zum Maler, beziehungsweise Grafiker geworden? Was hat dich geprägt?
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Ja das ist nicht so einfach, weil das.
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Ist einfach passiert. Also ich spiele seit meinem zehnten Lebensjahr Fußball, dreimal die Woche,
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Training, einmal Spiel am Wochenende und das war eigentlich meine Leidenschaft. Das Zeichnen habe ich gern gemacht. Wurde mir immer so gesagt, mach das doch weiter, aber ich habe eigentlich meine Leidenschaft vor.
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Eher in einer Gruppe,
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schreiend, Spitzensport zu treiben und dieses einsame Geschäft war mir irgendwie suspekt. Ich kannte auch niemanden, der Künstler war. Kann man jetzt nicht unbedingt aus einer Familie, die,
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Kunstfern, aber äh,
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Ja also der Weg war verschlungen und führte eher über meine meine Hormone waren eigentlich mein Wegweiser und zwar wollte ich es gab in den,
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Ende siebziger, Anfang achtziger einen angesagten Club in Leipzig. Das war der
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Studentenclub der Hochschule für Grafik und Buchkunst und da stand ich natürlich als jungen Mann davor und kam so gut wie nie rein.
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Und all die schönen Frauen und schönen Männer gingen an mir vorbei und kamen alle rein und ich stellte eben fest, das waren Kunststudenten vorwiegend.
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Und da ich da rein wollte, war das sozusagen mein mein Motiv. Ja. Ich glaube, das ist die schönste Aussage Künstler zu werden.
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Auch immer gerne Partys gemacht
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Ja und na ja, das ist äh klingt vielleicht profan, weil ich würde mir gerne eine andere Geschichte zurechtlegen, aber weil wir ja bei Wahrheit und Pflicht sind, ne und das war jetzt schon wirklich die Wahrheit. Als jungen Mann wollte ich dazugehören, in diesen Club da rein, ich wollte tanzen, ich wollte
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Aber diese blonden Mädchen ran und ich fand in meiner jugendlichen Aivität ist doch ein guter Weg, dass dann,
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Kunststudenten rein konnte, werde ich im Kunststudent. So ein Profifußballer, der hat bestimmt ja, es hat so was sportives auch, ne? Klar, sie muss dir nur Mühe geben und fleißig sein und immer trainieren und dann schaffst du das schon, ne?
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Und dadurch, dass mir das,
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dann noch relativ leicht gemacht wurde, weil ich habe mich einmal beworben und bin gleich angenommen worden mit 13 Zeichnungen. Mehr hatte ich nicht.
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Also ich hatte in meinem ganzen Leben noch nur nichts weitergemacht als 13 Zeichen. Mhm. Und diese dreizehn Zeichen habe ich da abgegeben. Was war da drauf abgebildet?
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Alles Mögliche vorwiegend. Ich, meine Schwester, meine Mutter,
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weil die konnten nicht wegrennen, die mussten stillhalten und die ja die habe ich eben porträtiert, ne? Und ja, vielleicht waren noch ein paar Landschaftszeichnungen. Äh es waren vorwiegend Zeichnungen, weil ich hatte keine Ahnung von Malerei. Ich hatte vorher noch nie gemalt.
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Ja das und wenn das nicht passiert wäre, wenn das nicht so.
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So fluffig, so glatt gegangen wäre, ohne mein Zutun, muss ich wirklich sagen. Wer weiß, was es mir geworden wäre, aber Profifußballer.
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Vielleicht ja, wahrscheinlich nicht, da brauche ich nicht gut genug. Aber ja, so ist das gekommen. Ich habe erst während des Studiums so langsam begriffen, auf was ich mich eigentlich eingelassen habe. Also die.
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Tiefen des Berufes die scheinenden schon so langsam auf nicht im Grundstudium, da lernt man ja noch und ich war sehr wissbegierig aber in der Fachklasse als man dann.
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Schon Kunst in Anführungsstrichen Kunst machen sollte und mit seinem Professor dann darüber reden sollte fand ich einfach kein Thema. Ich wusste nicht was.
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Wusste nur, ich wollte Kunst machen und das mit dem Club war dann schon vorbei, ne. Also ich war dann schon drin, klar, aber das Motiv rutschte mir dann weg. Äh das galt dann nicht mehr und da bin ich das erste Mal in die Krise gekommen. Mhm.
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Ja wozu denn eigentlich, ne.
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Aus der bin ich ja nie so richtig wieder rausgekommen. Ich muss bloß sagen, dass der Krisenmodus, der mich am Anfang so beunruhigt hat, mich jetzt eher beruhigt. Ich habe mich dran gewöhnt. Ich genieße ihn manchmal sogar.
08:03
Die Frage, wozu und warum mache ich das hier? Nicht warum es Kunst gibt oder warum ich mitmache,
08:09
Die stelle ich mir bis heute und ich habe noch keine Antwort gefunden. Hast du eine Vermutung? Nee, keine Ahnung.
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Höhere Wesen wahrscheinlich, haben da irgendwas befohlen und das führe ich jetzt einfach mal aus. Genau, genau. Also
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irgendwie läuft das bei mir wirklich so, dass ich da zwar eine permanente Aufforderung habe, das zu thematisieren und mir die Frage zu stellen, warum
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Gleichzeitig weiß ich mittlerweile, dass die Antworten, die ich dann finde,
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für blödsinnig sind, die sind falsch äh oder irgendwie nicht richtig, aber nicht in Gänze richtig, aber scheiß drauf, Hauptsache man bleibt am arbeiten und am weitermachen und,
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Das ist meine, eigentlich meine Motivation bis heute. Magst du gerne?
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Ausgesprochen. Also ich bin lange Zeit völlig stumpf und uninspiriert.
08:59
Richtig leer, das ist schwierig. Wenn ich keine Ideen habe und ich nicht weiß, was ich meinen soll oder ich habe so einen Drang zu malen, dann bekommt es keine Bilder. Und dann gibt's so in Schüben.
09:12
Alle halben Jahre mal habe ich so drei, vier richtig fiebrige, aufgeregte Wochen.
09:19
Ich kann die aber nicht herbeiführen. Die kommen oder die kommen eben nicht. Ich kann mich mittlerweile darauf verlassen, dass sie kommen, aber ich kann sie, ich weiß nicht wann und in diesen,
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fiebrigen Wochen habe ich sozusagen samtlich hervorraht.
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Also ich weiß nicht, mich nicht hinstellen, sagen, ich muss die Bilder, die sich dann sozusagen vor mir aufschreien, einfach nur mal skizzieren,
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so ist es nicht, aber es entstehen dann so unscharfe Vorhaben, Situationen, ja,
09:48
irgendwo steht jemand und hat einen rechten Arm nach oben. Also wirklich so unscharf geht es los
09:53
und dann wird das immer konkreter, nicht alles, nicht alle diese Ideen haben so viel Hitze, dass ich jetzt wirklich anfange, mich damit zu beschäftigen und sie auch zu zeichnen, aber irgendwann habe ich so ein Konvolut von zehn, fünfzehn,
10:06
Bildern, von denen ich denke.
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Also wenn du sie nicht malst malst du niemand. Fangen wir an. Und dann stelle ich diese Bilder, die ich skizziert habe, relativ
10:17
genaue vor meinem geistigen Auge natürlich schon gesehen habe, dann stelle ich die nach. Also wirklich wie auf einer Bühne, wie ein wie ein Regisseur suche ich mir Schauspieler, meine Protagonisten, meine Modelle,
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und sage, mach mal das. Stell dich mal dahin und guck mal nach dort. Oder nimm mal den dort in den Arm.
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Ich mache das Skizzenfeuer, damit die auch wissen, was sie machen sollen. Das Ganze passiert in einem Fotostudio, bei einem Freund, der ein super Studio hat mit allen Lichteffekten, die ich so brauche, aber ich bin ein großer Freund der Barockmalerei. Das heißt auf meinen Bildern,
10:51
bis ganz viel Dunkelheit, wo nichts ist und ganz wenig Licht da passiert was. Und genauso will ich die Situation dann auch sehen und meistens bin ich überrascht, wie.
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Meine Vorstellung dann mit der Realität übereinstimmt. Frustrierend ist das von den zehn Ideen,
11:10
einige leider in Realität nicht gut aussehen, aber die Freude über die vier, fünf, die dann doch irgendwie funktionieren, ist riesengroß.
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Und die hält dann fürs nächste halbe Jahr.
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Weil dann kommt das, was wirklich Spaß macht, was mir immer Spaß macht, nicht malen. Dann muss ich die Bilder ja nur noch malen. Ne, sind ja schon da,
11:30
schon fertig eigentlich und das Malen ist was köstliches. Es ist eine Form von Meditation eigentlich. In absoluter Ruhe,
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Musik ist an, aber ich bin alleine.
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Fange ich an wie wahrscheinlich die metanische Mönche, Mandalas malen, die führen die aus, ne. Enthoben jeglicher Verantwortung, die Verantwortung ist ja schon passiert. Das Bild ist ja schon da. Ich muss es nur noch ausführen.
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Hand zugucken, wie sie malt. Hier passiert leider viel zu selten, ja? Oft muss ich mich schon anstrengen und der Hand,
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schon ziemlich genau zu sagen, wo sind jetzt die hinbringen muss, aber diese köstlichen Momente, die passieren schon jeden Tag mal für eine Viertelstunde, mal eine Stunde,
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wirklich die Kontrolle aufgeben kann, wo jemand anders oder meine Hand jedenfalls weiß, was sie zu tun hat, ne. Das sind natürlich christliche Momente und.
12:27
Nochmal deine Frage zurückzukommen. Das sind die Momente, wo ich sage, was gibt's denn Schöneres auf der Welt, das mal? Und apropos Mandala, ganz aktuell malst du an einem Bild? Da könnte man auch vermuten, dass du
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dich mal mit Mandala auseinandersetzt,
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Ja, ist ein relativ großes Bild für meine Verhältnisse, großes Bild, zwei Meter ja zehn, 20, weiß ich jetzt gar nicht so genau, auf 24 sind 4 Personen drauf und die stehen
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in einer,
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Ja wie soll man sagen, Landschaft, die sowas von einem Steinbruch hat oder von einem Tagebau und also es sind viele Steine auf dem Fußboden und,
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Und jetzt kläre ich gerade jeden einzelnen Stein kennen, der da liegt und
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der begrüßt mich dann und ich grüße zurück und dann kann der nächste Stein und so weiter und das hat schon irgendwas ich brauche eine Weile um da reinzukommen, aber dann bin ich plötzlich in meinem Tibetorischen Kloster und.
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Sind stilles Omm vor mich hin und Stein für Stein kommt aufs Bild. Zu geregelte Arbeitszeiten? Ja, habe ich.
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Weil ich neige eigentlich so disziplinlos. Als ich jung war, habe ich ja entweder nie angefangen zu arbeiten oder nicht aufgehört zu feiern oder umgedreht, aber jetzt
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schon durch Familie und natürlich auch eine berufliche Routine, wenn du Freiberufler bist und dir niemand sagt, du musst so und so da und da sein und das und das machen. Dann brauchst du das eigentlich als innere Stimme, sonst,
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Also ich jedenfalls würde ansonsten irgendwo so,
13:56
ja mich auflösen in meine kleinsten Bestandteile und ja mittlerweile ist das Regime so um neun, halb zehn spätestens bin ich hier und siebzehn Uhr dreißig ist wirklich Schluss, dann klingelt hier mein Telefon.
14:07
Und dann brauche ich noch 20 Minuten, um runterzufahren und äh nach Hause zu kommen und wenn ich dort mit der Familie am Abendbrotstisch sitze, das Eierbraten mache meistens ich.
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Niemand so gut kochen kann. Ähm dann weiß ich eigentlich nicht mehr, was ich für ein Beruf bin. Dann bin ich einfach nur,
14:29
Ehemann und Vater und das hilft mir, ne, wenn ich so,
14:34
auch wirklich rauskomme aus dem Arbeiten. Einfach wirklich in dem Moment das, was hier auf der Leinwand steht, ist weg.
14:40
Es ist morgen früh wieder da, aber jetzt ist erstmal weg. Ich habe,
14:44
das lange nicht so gehabt. Die Bilder haben mich nicht losgelassen, aber äh wer bin ich dann? Dann bin ich irgendwie so ein,
14:51
asozialer äh der der sich immer nur um sich selbst dreht und die Bilder sind auch nicht unbedingt besser geworden, bloß weil ich mich ewig damit beschäftigt habe. Ich habe gemerkt, diese Ignoranz, ne, diese auch dieses Fremdwerden zu dem eigenen,
15:05
tun. Hat auch der Arbeit gut getan. Also mir jedenfalls tut das wirklich gut. Was ist denn auf deinen Leinwänden abgebildet? Jemand, der deine Werke vielleicht nicht kennt?
15:14
Wer interessiert die meisten sein, ja? Ja, also ich kann nur Menschen malen, ne? Was anderes kann ich habe
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Na, wenn du das sagst, das ist übrigens das erste Mal, dass ich also ich bin jemand, der vieles versucht hat.
15:30
Gescheiterter, abstrakter Maler, also in Männer. Also jetzt mal ganz ehrlich, wenn ich mir deine Bilder anschaue, das Letzte, was ich gedacht hätte, wäre gescheitert und abstrakt.
15:41
Na als abstrakter Maler bin ich schon gescheitert. Ich äh habe mich lange bemüht eigentlich abstrakt zu malen. Ich finde nach wie vor Musik und abstrakte Malerei ist eigentlich der Höhepunkt der Kunst.
15:51
Weil sie am wenigsten die Geschichte erzählt, am wenigsten konkretes und keinen Stoff hat, keine Zeit hat.
15:59
Zeit des Hörens, bis der Ton verklingt oder des Betrachtens des Bildes, aber,
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es hat keinen Kontext, es ist völlig frei. Eine abstrakte Form, die wirklich abstrakt ist, erinnert uns ja an nichts, was wir kennen. Mhm.
16:14
Ton, ein reiner Ton ist auch nichts, was uns an irgendwas anderes erinnert und was scheinbar etwas braucht, um.
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Berechtigung zu haben, sondern es braucht nichts. Es dient nur sich selbst. Und ich habe gedacht, äh weil ich das für die Königsdisziplin hielt, musste natürlich der Königsdisziplin sich widmen.
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Es ist mir nicht gelungen. Ich habe äh den Bildern nie gewusst, wie weit ich bin. Sind die fertig? Sind die nicht fertig? Was brauchen die noch.
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Und ich glaube, in meinen Bemühen bloß bestimmt zehn Jahre ging
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um die abstrakte Malerei, also schon während des Studiums beginnend, aber noch bis zehn Jahre noch im Studium war auch wieder ein Scheitern, ne, und Zweifeln, aber es ist auch wirklich gescheitert, das Projekt Hans Eichinger malt abstrakte Bilder.
17:03
Ja nach ungefähr zehn Jahren habe ich das abgebrochen oder hat sich die Malerei abgebrochen? Die nächste Krise oder ja zwischen gab's natürlich noch mehrere andere Krisen, aber die nächste Krise war also schon mal da. Ich konnte bloß
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mittlerweile schon damit umgehen, weil seit meinem Studium bin ich am Krisenmodus und bin,
17:20
quasi zu etwas als Verzweiflung zurückgekehrt, was ich ganz am Anfang als Teenager schon bestaunt habe, nämlich alte Malerei.
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Renaissance, nicht also nicht ganz so alte Malerei, sondern Barock. Barocke Malerei, diese vertreten Augen, diese hysterischen.
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Bühnenauftritte, ne, die diese Maler so äh wunderbar inszeniert haben. Haben eigentlich diese Oper. Mhm.
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Aus einer Art Verzweiflung über die Situation des Scheiterns mit der abstrakten Malerei habe ich einfach wieder angefangen, Hände zu malen, was ganz konkretes, Hände zu malen, Gesichter zu malen, Figuren zu malen.
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Dann hat wie gesagt die Malerei die Kontrolle übernommen. Das, was ich eigentlich wollte, ich wollte da Kontrolleur sein bei dem abstrakten Versuch war das so.
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Eine Aufgabe, die ich mir selbst gestellt habe und die ich unbedingt erfüllen wollte und das ist schief gegangen. Und dann habe ich das Pläne machen aufgegeben.
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Das scheint gelungen zu sein. Mhm. Und seitdem führe ich eben aus. Folge mehr oder weniger wirklich eine Art inneren Bezug.
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Der sich wirklich schwer in Worte fassen lässt. Also über diese Motive zu reden, also warum ich male, wird das die Bilderkammer reden, ne,
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wissen, was da drauf ist. Ne, also junge Männer, junge also im Moment sind nur noch junge Männer drauf, also es war nochmal junge Frauen natürlich drauf. Im Moment sind's gerade junge Männer, vier.
18:48
Modelle, mit denen ich das letzte,
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viertel halbe Jahr verbracht habe und ja die machen irgendwas miteinander oder manchmal auch alleine oder in Zweiergruppen,
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Was die genau machen, weiß ich nicht, kann ich äh beschreiben, aber der eine hält da eine Schale übern vor ihm Knie hinten. Da guckt irgendwo hin und.
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Könnte eine Taufsituation sein. Jetzt auch meine erste Assoziation. Ja, ja, ja, es äh muss ich auch sagen, ist ein bisschen angeregt doch von solchen Johannessituationen, ne? Also Johannes der Täufer tauft Jesus
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Ja, die ist haben aber wie gesagt Adidas Hosen an und ihre Sweatshirts. Das ist also jetzt ich bin kein Historienmaler.
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Ich bin auch nicht unbedingt ein Maler von religiösen Motiven,
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Das ist jetzt bloß grad mal eins, wo man sagen könnte, ich spiele da ein bisschen damit und wer sich daran erinnert fühlt, ist okay. Es ist witzig, dass du das sagst. Ich sehe ein Bild, was mich an eine Teuflingsituation erinnert.
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Dann sehe ich zwei weitere Bilder, wo mich junge Männer anschauen, die eine kleine Flamme über dem Kopf haben. Pfingsten,
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Ja, Pfingstwunder. Mhm. Sie sprechen den Zungen. Na gut, das hat schon wirklich was mit denen zu tun. Das Beispiel wäre jetzt ein Weiterführung noch mal. Scheinbar bin ich vielleicht doch ein religiöser Maler
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Die beiden haben überhaupt nicht mit Religion am Hut, haben aber so was eiferndes von Pfingstlern.
20:06
Haben die wirklich als Menschen. Und als ich mit denen sprach, während der ganzen Modellgeschichte hatte ich so einen Eindruck,
20:13
über den ist so eine kleine Flamme, so eine kleine, heilige Flamme erscheint, ja. Die reden für mich zwar unverständliches Zeug, aber sie sind durchdrungen von irgendeiner Mission, von irgendeinem Geist, der sie offensichtlich völlig erfasst hat. Das
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beunruhigt mich ein kleines bisschen, muss ich sagen, machte mir Angst. Also ich hatte Angst vor diesen jungen Männern, gleichzeitig,
20:34
war ich aber auch irgendwie angetan davon, dass die so ehrlich sind, so offen sind und so begeisterungsfähig sind, nicht so abgebrüht wie ich,
20:44
Ihr erinnert mich natürlich auch ein bisschen an meine Jugend und der ist auch so, klar, so eine Begeisterung war so und da habe ich dann gedacht, das findet das kleine Flämmchen schon gesehen hast, da kannst du sie auch gleich draufmalen, ne.
20:55
Über sie malen. Warum malst du so gerne junge Männer mit so einem sehr willensstarken Blick?
21:00
Äh das ist jetzt ein Zufall, ne? Also ich male auch gerne junge Frauen und junge Männer, die keinen wilden, starken Blick haben. Warum jung?
21:07
Generell junge Menschen, weil ich finde, die Zeit der,
21:11
Also ich persönlich fand sie nicht so schön. Ich bin nicht gerne pubertiert. Ich wusste nichts richtig wohin mit mir und meine Arme und Beine wurden immer länger und schaden weh und ich wusste nicht wo soll das noch hinführen.
21:23
Aber da ich ja auch noch. Ja, na klar, also wer wer ist schon gern portiert und gewachsen
21:30
Genau und die Hormone rasten und man wusste wirklich nicht wohin, aber gleichzeitig war das so eine herrliche offene Zeit. Die Zukunft versprach alles, ja. Also die größten Schrecklichkeiten, aber auch die größten, wunderbaren, schönen Erfolge.
21:43
Noch alles vor uns, ne? Es war alles so schön offen und wir waren keine Kinder mehr, wir wollten auch um Gottes Willen, keine Kinder mehr sagen. Die Hindernisse wurden irgendwie weggewollt, ne.
21:54
Mich zurück erinnere ich gedacht, aber wenn ich's nur will, dann wird's schon weggehen. Genau, genau, ja, ja, genau.
22:00
Ein starker Arm und mein Wille, der wird das schon schaffen. Na ja, mit starken Armen habe ich nicht so am na ja, diese diese
22:07
Unentschiedenheit, ja, gleichzeitig. Diese Willensstärke, diese Rasserei, diese Großmäudigkeit, aber gleichzeitig auch eine Melancholie.
22:16
Und das ist ein Zustand, der mich schon sehr interessiert. Also Melancholie ist übrigens mein das nächste große Thema.
22:22
Dunkelheit und das wenige Licht assoziieren ja schon eine bestimmte Stimmung, ja? Es ist also meistens abends, die Sonne ist schon untergegangen und bald wird's ganz dunkel.
22:33
Ich genieße das aber. Ich finde Melancholie nicht unbedingt etwas, was mich bedrängt und eher nur so gleich vor der Trauer steht, ne, sondern es ist so was Schönes Offenes, ja. Seele, ja.
22:47
Ja, der Sommer ist zwar vorbei, aber es kommt der wunderschöne Herbst und die letzten warmen Tage sind viel viel
22:54
wichtiger und viel berührender als der heiße Sommer, an dem's natürlich viel mehr für sich,
22:59
heißen Tag gegart. So ein Leben im Moll, ne? Ja, sowas, ne? Und das finde ich aber eine sehr,
23:05
nicht belastet. Also viele fragen mich immer, warum meistens immer so traurige Bilder und die gucken alle so traurig. Ich finde gar nicht, dass sie traurig sind, die einfach nur melancholisch, ne? Die sind die ahnen das natürlich nicht alles schön wird.
23:17
Auch schon. Wir wissen's ja, dass nicht alles schön ist, aber die wissen's natürlich eigentlich noch nicht, aber die ahnen etwas und,
23:26
Also das ist irgendwas, wo ich sage, da bin ich wie ein Vampir und dazu brauche ich eigentlich Modelle. Ich brauche die nicht wegen den Händen, Nasen, die können sich auch aus dem Kopf machen. Aber ich.
23:34
Brauche diese dieses Seele, die die da mitbringen und das verleiht mir dann auch wirklich eine Art Kraft, diese,
23:42
ne auch diese Anstrengung, diese Bilder malen zu. Das macht da macht's Spaß, aber es ist ja anstrengend, ja. Ist viel anstrengend aus Fußballspielen übrigens. Und auch körperlich, ja, aber diese Seele, die die mitbringen, ja, diese Kraft, die die mitbringen,
23:57
Auch das Verstörende, ne, also weil das so in viele Richtungen geht.
24:00
Das ist ja nicht nur in die eine Richtung, das ist dieses Symbol als auch, ne, dieser wunderbare eben melancholische Zustand, nicht genau zu wissen, wo's hingeht.
24:09
Und der verleiht mir aber dann so viel Schwung, dass ich dann auch solche Bilder einfach durchstehe.
24:15
Und wenn's dann mal irgendwie im Detail schwer wird, wenn meine Hand doch nicht gelingt, ja dann nicht aufgeben, ne, dann dran bleiben.
24:23
Das verlangt irgendwie durch dieses Durchhaltevermögen. Das verlangt mir was ab und das geht net die Modelle. Deine Modelle sind das professionelle Schauspieler oder du sagtest eben, dass du nein, komm nicht. Weil das sind natürlich meistens bekannt äh ausm Freundeskreis äh meiner Töchter,
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Ich habe ja ansonsten keinen Zugriff auf diese Generation. Die würden ja nicht mit mir reden.
24:43
Misstrauisch, wenn ein alter Weg da auf die Zug käme und sagte ich bin übrigens Künstler und ich würde euch gerne mal malen. Also das habe ich natürlich schon gemacht, die Nummer. Aber du kannst dir vorstellen, wie also
24:53
äh nicht nur Mädchen, sondern auch Jungs,
24:55
vielleicht Jungs sogar noch mehr ja ich gebe den dann meistens, wenn ich wirklich so Kaltakquise mache, ne, also wirklich auf der Straße Menschen anspreche, weil ich sage, das Gesicht siehst du sonst nie wieder.
25:05
Apropos Gesichter, also ich stehe auf Gesichter, die.
25:09
Irgendwas Altmodisches haben, also irgendwie also nicht in dem Sinne schön sind im na Modell Sinne schön sind, sondern die schön sind, weil sie irgendwas Zeitloses haben und irgendwas Eigenes haben,
25:23
verqueres manchmal auch, ne? Und wenn ich solchen Gesichtern begegne, dann kann ich die nicht einfach weggehen lassen. Die sehe ich ja nie wieder.
25:30
Muss ich dann allen Mut zusammen nehmen und fangen dann an, stottern und stammen und äh ich habe hier übrigens eine Internetadresse, da kannst du mal gucken.
25:41
Ob dich das interessiert und ich habe auch eine Galerie. Guck da mal hin und wenn dich das interessiert, dann melde dich doch mal bei mir. Hast du meine Telefonnummer?
25:49
Und es ist meistens gut gegangen. Also es ist mir eigentlich nur ein einziges Mal passiert bei einem jungen Mann, der mich dann anrief und sagte, nee, deine Bilder sind mir zu altmodisch. Mhm.
25:58
Will ich nicht von dir will ich nicht gemalt werden,
26:00
mit so einem Style, das gefällt mir nicht. Aber alle anderen waren zumindest erstmal so neugierig, dass sie wissen wollten, wie treibt denn der Alte das, was macht der da jetzt, ne? Was ich ja vorhin schon sagte, das ist erstaunlich, ist die Interessierten sich,
26:13
niemals für die fertigen Bilder. Ist mir noch nie passiert, dass irgendeins meiner vielen jungen Männer und Frauen später dann wirklich mal in die Galerie gekommen sind, gesagt haben,
26:22
Was ist denn daraus geworden? Und ich denke, es ist die höchste Form des Selfies, ne? Handy kannst du schnell mal selbst wischen die noch nicht. Wissen die denn bloß ab in 20 Jahren? Der hat mich gut kann sein.
26:34
Aber im Moment jedenfalls nicht. Das auch junge Menschen, die du schon von klein auf begleitest,
26:39
Ja ja, es gibt also eigentlich nur einen, einen Jungen, die anderen sind mir dann alle so ein bisschen abhanden gekommen.
26:45
Gerade gehen dann wirklich studieren oder irgendwas, wenn sie älter werden. In dem Alter,
26:50
bewegt sich auch ganz viel, ne? Bei uns passiert ja jetzt kaum noch was, aber wir sorgen ja auch dafür, dass nicht mehr so viel passiert. Aber bei denen passiert ja ganz viel und die sind dann irgendwie weg.
26:59
Aber bei einem, der es durch Zufall, den male ich auch gerade noch, der ist immer noch da, den habe ich schon als,
27:04
Erstklässler glaube ich das erste Mal gemalt und ja für den wird es vielleicht mal so eine Art Familienalbum, ja. Ist wahrscheinlich auch eine andere Zielgruppe, die du ansprechen möchtest. Ähm oder? Ja, aber.
27:18
Deswegen bin ich nicht traurig, wäre natürlich traurig, wenn sich kein Schwein für meine Bilder interessiert, aber das passiert ja zum Glück nicht. Ich glaube, da gibt es mehr als genug. Oh, danke, danke.
27:27
Sag mal, du hast eben so ein bisschen Religiosität angesprochen, Spiritualität, wir sprachen über das Täuferbild, das Pfingstbild, oh Gott, jetzt gebe ich denen hier einen Namen. Apropos sind Namen für dich wichtig. Damen sind für mich ganz wichtig, weil die sprachliche Ebene
27:41
natürlich eine ganz andere ist als eigentlich die bildnerische Ebene. Die bildet so einen wunderbaren Wiederpart, finde ich. Also die Titel sollten definitiv.
27:49
Nicht das Geschehen auf dem Bild bloß nochmal unterstreichen, also wenn still leben, Stille im Haus ist irgendwie öde, ne? Oder ein Porträtporträt. Aber es sollte gewusst. Ja. Das sollte irgendwas sein, was auf dem Bild eigentlich gar nicht stattfindet.
28:03
Deswegen wird das Bild wahrscheinlich nicht die Zafe heißen. Wenn da schon sowas wie eine Art Taufe,
28:09
dargestellt wird, denn keine Ahnung, meistens kommen die Tippbilde dann später noch zu mir. Es gibt aber auch schon Bilder, die entstehen sogar durch den Titel. Also da ist sogar, ja? Ja, ist ist ein Titel dort und ein Text da
28:22
und irgendwann wird da wie so eine Art Illustration in meinem Kopf, ne, wenn mal eine inspirierte Woche mal irgendwann wieder kommt, dann,
28:29
passiert auch sowas, ne? Aber meistens ist es schon so, dass die Bilder erst einen Titel kriegen. Also sie brauchen Titel, finde ich.
28:35
OT ist irgendwie blöd und die kriegen den Titel, aber oft kommt er dann später erst. Manchmal wird es ein Buch, was ich in der Zeit grad lese oder ein Film, den ich in der Zeit gesehen habe. Der wird dann zum Titel dieses Bildes mal auf einen Titel ansprechen.
28:49
Variation.
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An den jungen Mann denke, an den Fußballer, der Kunst studiert hat, weil er gerne Party machen wollte und dann macht er ein Bild zu Bachs Goldberg Variation,
29:02
Da würde ich gerne wissen, wo da die Brücke geschlagen wird. Na ja, das ist aber ganz schönes Klischeedenken, meine Liebe. Also der Fußball spielt, der kann ja wohl keinen Bach hören oder was. Okay, du hast mich also Jim,
29:14
Mitnehmen auf dem Fußballplatz. Also ich gehe ja
29:17
immer noch zumindest zu Heimspielen meiner Lieblingsmannschaft, BSG Chemie Leipzig muss immer gesagt werden, die größte Mannschaft, die es im Osten überhaupt gibt, der Traditionsverein
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Ja, also da gehe ich natürlich jeden zweiten Sonntag hin,
29:33
mitkommen. Nein, nein, da gibt's auch ganz viele Intellektuelle und äh Bachhörer. Das sind Klischees, dass da einfach bloß so
29:41
Bier trinkende Prolster. Das würde ich auch niemals behaupten. Okay, also Goldberg-Variation äh klar, das ist nur ein typisches Beispiel.
29:50
Habe ich einfach gehört in der Zeit, ne.
29:53
Und deswegen heißt das Bild so. Das ist ja recht erinnere über das Portrait, ne, von einem Mädchen. Mhm. Ja. Also selbst ein Portrait braucht man immer noch einen Titel. Mhm.
30:03
Und es sollte nicht unbedingt so heißen wie vielleicht jetzt Porträt und dann kommt der Name der dargestellten sondern,
30:10
Eben irgendwas, was eigentlich da nicht drauf ist. Also Sprache und Bilder sind ja Feinde, sind ja natürliche Feinde. Also wenn du malst, besteht dein Job eigentlich, ist deine heiligste Aufgabe, deine,
30:21
Deine Mission sollte darin bestehen Sprache abzuschaffen. Das heißt, solange wie jemand eigentlich über dieses Bild reden kann und wenn man dieses Bild ausreichend beschreiben könnte, ohne es zu sehen.
30:33
Dann ist das Bild schlecht.
30:35
Es ist durch nichts zu ersetzen, das Sehen, das Persönliche sehen, das Anwesen sein vor einem Bild, das ist durch nichts zu ersetzen
30:45
Ich weiß, dass das jetzt ein Unglück ist für jemand, der Podcast drehen wir noch eine dritte Ebene, das Hören rein, ne?
30:51
Aber eigentlich geht es darum, was wir jetzt gerade tun, hat natürlich eigentlich mit dem,
30:56
mit der Wirkung des Bildes nichts zu tun. Das Schöne an Kunst ist,
31:01
auch ein bildender Kunst ist. Das ist Situationen schafft, die zwar mit dem Bild an sich gar nichts mehr zu tun haben, meistens zwischenmenschliche Situationen schafft, eine Art von Offenheit und Gesprächsbereitschaft, die du ansonsten.
31:15
Niemals erreichst. Das Verrückte ist, ich habe Gespräche geführt.
31:20
Im Angesicht von Kunst, wo es auch über Kunst über das das Reden über Kunst begann.
31:27
Wir waren so schnell bei so Privaten so persönlichen Dingen, so vertrauten Dingen, so herzlichen Dingen.
31:36
Sonst nie passiert wäre. Das kann dir auf keiner Party passieren.
31:41
Bleibst du beim Smalltalk hängen. Das passiert auch bei keinem Fachgespräch mit irgendwelchen Experten.
31:46
Aber bei Kunst kann es, muss nicht, kann es aber passieren. Und wenn es überhaupt eine Aufgabe gibt, die Kunst hat, dann ist es glaube ich so eine. Das ist echt eine soziale Funktion.
31:56
Kunst können Räume.
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Öffnen, in denen sich Menschen in einer Art und Weise bewegen können, die sich in sonst keinem anderen Raum, ich meine jetzt eher übertragene Sinne Raum,
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wirklich schaffen können, die gibt es nur da. Das ist natürlich nur ein Angebot, das muss nicht passieren. Es gibt das ganze abgefahrene Expertengellaber vor Kunst genauso auch, klar.
32:18
Diese ganze Kunstwissenschaftliche noch schlimmer ist ja diese ganze marktechnische Begleitung, ne? Also dieses,
32:25
dieses Kunstmarkt. Das gibt's natürlich auch alles klar, ne.
32:30
Diese heiligen köstlichen Momente des der Zweisamkeit oder Dreisamkeit oder was auch immer. Auch Einsamkeit des Einsamens, wie
32:39
Gesprächs, ja. Das klingt bisschen komisch, aber du merkst die ich fange an zu stottern, zu stammeln, weil wir jetzt in den Bereich kommen, wo Sprache eben nicht funktioniert. Ein gutes Bild funktioniert sofort
32:50
Also wenn ich dir ein Bild zeigen würde und sagen würde, das meine ich damit. Da würdest du sogar sagen, ich weiß, was du meinst. Trittst du mit deinen Bildern ins Gespräch? Ich meine, sie sind auf Augenhöhe.
33:01
Ja na klar sind meine, sind ja meine Kinder, ne, meine Freunde, meine meine ja meine Eltern uns begleiten mich eine Zeit,
33:10
Ich habe zum Beispiel kein Problem, die Bilder jederzeit zu verkaufen, die sind weg,
33:16
oder zu verschenken, wenn ich's mir's leisten kann, da sind sie weg, ja? Das ist für mich egal. Das Bild an sich, als Artefakt ist mir egal, aber ich habe ja die wunderbare Zeit
33:26
mit ihnen gehabt. Des Entstehens und die wird ja nicht verkauft. Die wird ja nicht verhandelt. Die bleibt ja bei mir.
33:32
Und der Rest ist äh ja Kunsthantel, ne oder Business irgendwie, das da bin ich unsertimental. Sind das moderne Abbilder deiner Jugend?
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Nee, meine Jugend war anders. Also erstens hatte ich natürlich nicht diese geilen Adidas Hosen an. Ja doch, ich hatte ich hatte aber eher auf dem Sportplatz und die sah noch anders aus.
33:52
Ich hatte eine andere Jugend, glaube ich. Ich hatte, das liegt aber bisschen noch an den Zeitumständen.
33:58
Bin ja in der DDR großgeworden und da gab's jetzt nicht so viele Optionen.
34:04
Diese Freiheit, die manchmal auch was Bedrängendes hat, was was depressiv macht, dass wir ja wirklich alles können heutzutage.
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Als Angebot ist ja alles da,
34:15
Das hatte ich natürlich nicht, ne. Ich hatte so eine Art, wenn man so will, natürlich auch köstliche Einschränkungen. Ich hatte eine Beschränkung und dadurch hatte ich die Angst, depressiv zu werden angesichts der Multioptionalität, die das Leben mir bietet, hatte ich natürlich nicht.
34:29
Also ich hatte auf der einen Seite einen würde ich sagen erstmal leichteres Leben als die Teenager heute haben
34:35
Auf der anderen Seite natürlich ein schwierigeres, weil mir einfach vieles fehlt an an Welt.
34:42
An geistigen Angeboten, die mir vor allen Dingen fehlten, ja? Was am allerschlimmsten war, die richtige Musik zu hören,
34:50
war extrem aufwendig. Ging irgendwie. Wir haben das alle hingekriegt. Was war denn die richtige Musik? Äh na gut, also in der Zeit, in dem Alter, in dem die da sind, war ich natürlich
35:00
Und zwar zur richtigen Zeit. Also ich war 9undsiebzig achtzig Punk. Das heißt, sechs Pistols gab's schon nicht mehr, aber Punk war wirklich noch sehr virulent.
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Aber eben nur in England und nicht in Leipzig. Es war überschaubar die Anzahl der Punks war überschaubar.
35:17
Und das ein Iro zu machen war noch relativ einfach, aber die Musik von zu hören von Clash oder ach wer auch immer, ne, dämmt, das war schon
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nicht einfach, aber wir haben's alle hingekriegt. Irgendwie war sie da und die Freude darüber war natürlich riesig groß.
35:35
Wenn du sie dann hattest, weil sie ja nicht so selbstverständlich war. Das gehört schon wieder vielleicht zu den Leichtigkeiten, die Mangel bietet, sagen wir mal so.
35:43
Aber ich war schon neidisch auch auf den Überfluss, denn mein Wescouson beispielsweise hatte. Mhm. Wenn der mal erzählt, wie leicht es war, einfach mal nach Marokko zu fahren im Bus.
35:53
Oder eben sind sechs Pistols Konzerte gehen.
35:58
Da war ich schon neidisch, ja. Wie ist denn das? Also du hast in den 80ern angefangen zu studieren.
36:04
Dann bist du fertiger Künstler geworden, als quasi die Sicherheit der.
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DDR aufbrach und du auf einmal in diese freie Marktwirtschaft reingeschleudert worden bist. Mhm. Weil das sich auch wieder ein Zeitpunkt ist vielleicht Zweifels oder der Unsicherheit?
36:19
Na ja klar. Also da habe ich ernsthaft überlegt, du bist noch jung genug. Du kannst noch mal studieren.
36:26
Richtiges Studieren in Anführungsstrichen, ne. Was was dir irgendwie dein materielles Auskommen sichert. Ja, glücklicherweise war ich da zu ängstlich und zu faul und habe mich dagegen entschieden und habe aus irgendwelchen,
36:39
Gründen, die ich dir auch wieder nicht nennen kann, so richtig vielleicht meine ostpreußische Mutter und mein dieses manische Festhalten an einmal.
36:48
Begonnenen Vorhaben. Ich weiß es nicht genau. Hier muss irgendwas hat mich festgehalten. Ich habe damals schon,
36:57
allen möglichen gelebt, aber nicht von Kunst, ne? Also ich bin arbeiten gegangen, gut außer Kellnern und Telefon sechs habe ich eigentlich alles gemacht.
37:07
Später habe ich dann von meiner Frau gelebt muss ich sagen wirklich, wir haben ganz lange von ihrem schmalen Einkommen gelebt. Sie war damals Verkäuferin und der hat mir sogar schon eine Familie. Da haben wir noch wirklich von ihrem Einkommen gelebt.
37:19
Also es war irgendwie nicht einfach und ich sehe das jetzt so als eine Art Belohnung fürs Durchhalten, ne, weil jetzt ist es wirklich schön, weil jetzt kann ich nicht nur das machen, was ich wirklich am besten kann, meiner Meinung nach und,
37:33
ich wirklich will, sondern ich kriege auch noch Geld dafür. Es gibt auch noch andere Menschen, die wirklich sagen, es ist schön, dass es dich gibt. Du bist mir egal als Person, aber das, was du machst, ist mir nicht egal. Und ich gebe mein Sauer verdientes Geld sogar dafür aus. Es,
37:48
geiles Gefühl, ne? Wobei mich Geld nicht interessiert. Ich kann mit Geld nichts anfangen. Aber,
37:55
Ich bin trotzdem extrem scharf drauf, weil Geld.
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Ist ja auch ein ja, sehr unscharfes und sehr ungenaues Verteilen von Sympathien oder kann es sein?
38:07
Oder von Ablehnung natürlich, wenn du keins kriegst.
38:10
Und ich sehe das einfach so. Mich interessiert das, wenn mein Galerist mich anruft und sagt, ich habe ein Bild verkauft, finde ich das toll, sobald das Geld auf meinem Konto ist, ist mir egal, weil ich nicht weiß, was ich damit soll. Ich bin eh den ganzen Tag hier. Hier brauche ich nur Farbe.
38:25
Im Winter bisschen Wärme und äh ja die Miete muss ich dafür bezahlen und die kommt irgendwie rein und der Rest, ja das,
38:32
andere. Meine Frau und meine Kinder, die wissen besser. Was man damit alles machen kann. Ich bin da eher wie so ein Mönch, der äh ja auch ein bisschen hilflos ist, wenn man plötzlich mal aus seinem Kloster rausgeht und bist du spirituell?
38:47
Ja, weil das mit dem Mönch, das klingt schon wieder so. Ich bin ja sogar Mitglied in der Religionsgemeinschaft. Ich bin ja in der evangelischen lutherischen Landeskirche in,
38:55
Sachsen bin ich ja sogar Mitglied. Ich habe auch eine Kirchgemeinde und gehe auch manchmal zum Gottesdienst. Ich bete auch manchmal.
39:03
Jeden Tag, aber ob das schon spirituell ist, also ich kenne ein paar wirklich fromme Menschen,
39:10
meiner Meinung nach fromm sind, da bin ich ganz weit weg und das will ich auch gar nicht. Also da da sehe ich jetzt nicht als Aufgabe für mich. Ich find's aber extrem bereichernd mit solchen Menschen zu tun zu haben.
39:22
Die sind oft sehr fremd, sind da fremd in ihrer,
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ja in ihrer Art zu leben, aber sie haben was für mich Inspirierendes, so dieses völlig freie und äh Unabhängiger.
39:36
Von diesen ganzen weltlichen Zeug, was es so gibt, ne,
39:39
Ich bin ja gerne auch weltlich, beschäftige mich gern, bin auch politisch beispielsweise, ne. Ich bin ein Mensch, der sich schon mit einem konkreten Alltag sich freut, dass er einen hat. Das ist ein soziales Umfeld gibt, dass es Menschen gibt, die mir
39:52
Fragen stellen, Vorwürfe machen, irgendwas, ne, aber dieses Heilige über den Dingen stehen, ja, so mein Reich ist nicht von dieser Welt.
40:02
Ich möchte mit solchen Menschen nicht den ganzen Tag zu tun haben, aber wenn ich ihnen begegne, das finde ich schon sehr inspirierend.
40:08
Seine Frömmigkeit, so eine Weltfremdheit. Was bedeutet denn Frömmigkeit eigentlich? Puh, irgendwie immer zu wissen, was jetzt richtig.
40:19
Oh, da bin ich ganz, dann bin ich ganz und gar nicht fromm. Ich auch nicht, ich auch nicht, ja ja. Also ich taumel da oft sehr hilflos durch Situationen ohne Leitfaden und die haben so eine Art,
40:30
auch Naivität sich anzuvertrauen.
40:34
Also nochmal Religion anzuvertrauen, in einem Gebet anzuvertrauen, einer religiösen Schrift sich anzuvertrauen
40:40
Das habe ich natürlich nicht. Ich bin zutiefst misstrauisch, immer. Jedes Angebot, was mir gemacht wird, wird immer erstmal hinterfragt. Was bilden wir eigentlich von mir? Gleichzeitig habe ich eine Art,
40:50
leidvolles Registrieren von solchen Verhaltensmustern, wenn ich sie bei anderen sehe.
40:56
Nicht, dass ich wirklich so sein möchte. Ein positiver Neid, ne,
41:00
Ja ja, irgendwie so das ist schön, dass es das gibt und schön, dass ich das jetzt erleben darf. Also ich habe dabei sein darf, aber ja ich will nicht von ich weiß gar nicht wie das geht, ne und du bist ja in den Achtzigern, ich hab's eben schon gesagt,
41:15
Student gewesen. Mhm. Bei Professoren, der an Leipziger Schule. Ja. Was ist denn der Leipziger Schule eigentlich genau?
41:22
Na ja, es ist ja natürlich genauso ein Erfinder wie die neue Leipziger Schule. Das wird dich als nächstes fragen. Ja, das Kind braucht irgendwie einen Namen wahrscheinlich, ne? Also
41:31
Ich mache mir da keine Gedanken, was das eigentlich ist, was der Kern der Leipziger Schule ist und ob's das überhaupt gibt. Ob's da irgendwie so eine Art geistige Klammer gibt. Also
41:39
es gibt wohl in Leipzig eine Tradition und die habe ich noch kennengelernt über meine Professoren äh so einer sehr na ja sagen wir mal am Handwerk orientierten traditionellen Auffassung von Kunst, ja. Das Kunst viel auch
41:52
mit einer Werkstatt zu tun, also wie eine Art Werkstatt entsteht, ja. Also viel auch mit dem Entstehen zu tun hat, mit,
42:00
dem Herstellen zu tun hat. Und in der Schule wurde viel.
42:04
Über das geistige Unterfutter auch geredet, ne, viel über Tradition, Kunstgeschichte, Herkunft, generell Geschichte, ja, also die Bilder hatten,
42:15
eine Geschichte, die hat einen Vorlauf, die hat einen eine Herkunftstradition, einen Herkunftsraum, der lag meistens bei der Renaissance.
42:24
Und ja, da bin ich groß geworden. Das waren mal zwei Tippke.
42:30
Heiß, ich war mein Professor und bei dem habe ich dann der Fachklasse mal erreicht studiert. Das waren alles Menschen, die der Kunst auch eine Funktion, auch eine soziale Funktion bei Maaßen.
42:41
Und die eine Aufgabe. Ich finde ja Kunst hat keine Aufgabe, aber die meint, nehmen sie Kunst hat eine Aufgabe, auch sogar
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geht's bald, dass ich die Welt irgendwie
42:53
besser machen könnte oder die Menschen besser machen könnte. Er hat auch was Frommes, muss ich sagen, ja. Wenn ich dir so zuhöre, ne und solche frommen Leute meine ich natürlich auch damit, die nicht nur so Taten, sondern die wirklich daran glaubten.
43:07
Und das begeistert auch selber praktizierten und diese Begeisterung und diese Freude am Malen auch die Freude am Nachdenken über Malerei und über die Aufgaben und die Funktionen.
43:20
Und über die Betrachter, die potenziellen Betrachter. Das ist vielleicht sowas wie eine Art Klammer,
43:27
Ja und die ist uns durch unsere Lehrer natürlich mitgegeben worden und die, die heute in Leipziger Schule da zugeschlagen werden, sind natürlich auch erstens haben sie in Leipzig studiert. Die haben auch bei diesen Leuten vielleicht zum Teil noch studiert.
43:40
Oder zumindest bei den Schülern, also dann bei solchen Leuten wie Neo Rauch oder auch bei mir. Ich war ja auch mal kurz Lehrer in der Schule, ne? Und ich habe natürlich,
43:49
den Teil der Tradition gern weitergegeben, weil in dem von dem war ich überzeugt. Also das Kunst der Funktion hat davon war ich noch nicht überzeugt, aber äh vor allen Dingen das Handwerk, vor allen Dingen dieses Herstellen mit den Händen, was machen.
44:02
Ne, Technik wieder Grieche sagen würde. Das
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ist für mich schon sehr wichtig. Das darf ja nicht alles sein. Das ist klar, das ist nur Mittel zum Zweck. Aber über diesen Weg des Herstellens teilt sich eben viel mit, finde ich.
44:17
Und wenn du diese Herstellung überspringen willst, indem du Technik ja ignorierst und gleich bei einer Art,
44:25
Idee bist, bei einem Text bist eigentlich, vergibst du dir eigentlich eine große Chance, die bildende Kunst eigentlich hat.
44:31
Du könntest theoretisch eigentlich auch wieder Rat sein, wenn du.
44:36
Mit Ideen arbeitet, mit Konzepten arbeitest. Da frage ich mich nach Bilder. Das ist ja die Sprachlosigkeit am Bild.
44:44
Die brauchst du ja nicht. Du kämpfst ja sogar gegen sie, weil du riesenlanger Pamphlet an deine Kunst heften musst oder willst.
44:52
Gut und heute ist es ein Marketingding. Also,
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große Hype in die Leipziger Schule, der war ja so Anfang der zweitausender Jahre. Also die die heute kommen oder immer noch kommen.
45:04
Oder jetzt überhaupt erst kommen, die kommen nicht weiter irgendwie, das sind Marketings und die stehen auf Bilder, die die vielleicht auch so was.
45:16
Zum Teil schwere Sorgen, Tiefes haben. Ja, ich finde. Wenn's was typisch deutsches gibt, dann
45:20
ist es ja irgendwie so was, ne, also diese ganze Tradition von Renaissance Barock bis zum Expressionismus hin, was da irgendwie so ein bisschen mit reinweht.
45:30
Dieser Weltschmerz, diese Welthaltigkeit, diese ganze Heidecker Wabergeist, der da so ein bisschen mit rumspricht, der Umgang mit der Figur, mit dem Gegenstand,
45:39
äh das zeigt, dass ist ja so was wie in kleinster gemeinsamer Nenner. Klar, es gibt auch in Leipzig eine ganze Menge gute, abstrakte Maler.
45:47
Die auch zur Leipziger Schule gehören, ja. Aber wenn es irgendwie sowas gibt, was Leipzig,
45:52
unverwechselbar macht, ja oder Unterscheidungen vielleicht zu anderen Gegenden, in denen ja.
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Viel mehr hervorragende Kunst gemacht wird als in Leipzig, dann ist das.
46:06
Ja so eine Art Liebe oder nicht loslassen können vom Gegenstand, von der Figur. Von äh zumindest begonnenen Geschichte begonnenen Erzählungen,
46:17
Wenn sie zu Ende erzählt wird, finde ich persönlich wieder langweilig, aber einer Assoziation oder eine Metapher oder ein Bemühensymbol.
46:27
Das ist vielleicht etwas, was man sagen könnte, aber das gibt's ja auch an anderen Orten der Welt, klar, gute Kunst wird überall gemacht, ne und das heißt ja auch nicht, dass die Leipziger Schule, bloß weiß ich, ob das bemüht, automatisch gute Kunst ist, ne
46:40
Das weiß ich auch nicht so richtig. Ich bin überzeugt von dem, was ich mache, aber ob das gut ist, keine Ahnung.
46:46
Mhm ich habe auch überlegt, ob so ein Nenner diese Melancholie ist, hm ich bin natürlich dann auch gerne, dass ich in irgendwelche Klischees reintappe und denke okay, die alte Leipziger Schule irgendwie durch den Sozialismus geprägt
47:00
Mhm. Vielleicht auch durch was düsteres.
47:03
Na ja, klar hatten die auch was düsteres gegen Ende. Wir haben die ja kennengelernt, da waren die alle schon frustrierte Sozialisten oder Kommunisten, aber ich nehme denen ab, dass die wirklich auch
47:12
daran glaubten, dass das was Gutes ist, das ist ein guter Entwurf für Deutschland ist, dass Deutschland ein sozialistisches Land wird. Das ist die Idee von einer gerechteren Gesellschaft,
47:22
was das auch immer sein mag, äh irgendwie funktionieren können. Es hat hier angetrieben.
47:28
Insofern waren das keine, das waren keene Leute, die ihre, die einfach nur ja weil die Weltanschauung hier aufm Vogue war, äh ihre ihren ihrem Mäntelchen in den Wind hingen. Die waren die waren überzeugt von dem. Aber die waren mittlerweile schon wieder unfrustiert, weil die.
47:43
Habe die ja kennengelernt Mitte der achtziger Jahre, ne? Und da war die DDR ja schon fast im Arsch. Das wusste bloß noch keiner von uns, aber
47:49
der Geist war raus. Also der glaubte niemand mehr an irgendeine Idee von Gerechtigkeit und von Sozialismus und von Gleichheit und weiß ich nicht von was.
47:58
Ging's höchstens noch ums Überleben im Alltag, ne? Ich habe ein Bild von Matteuer, das mich schon ziemlich lange begleitet. Also ich habe das nicht im Original. Und zwar,
48:09
Ja, ja, klar.
48:11
Sisyphus, der den Stein immer wieder den Berg und ähm ich habe mich immer gefragt, ist der süße jemand, der vom Kommunismus den Stein hoch in den Kapitalismus rollt oder ist es andersrum?
48:21
Ich habe keiner erklärt. Ja, der mir ist einfach die Idee, die zu einer Realität werden soll und
48:27
umso näher du der Realität kommst, umso mehr du dich bemühst, um eine Machbarkeit umso weiter bist du entfernt von dem eigentlichen, heißen Kern der Idee.
48:36
Also ich finde Sozialismus eine schicke Idee.
48:40
Man sollte es aber nie versuchen wirklich zu machen. Das ist gefährlich, ja. Weil ja jede Idee den Charme verliert, wenn sie versucht wird, wirklich in.
48:49
Machbare und das Pragmatisch Machbare runterzubrechen,
48:53
Du musst sie aber runterbrechen, weil unsere Realität ist natürlich nie eine Reinkultur. Es ist irgendwie ein Kompromiss zwischen allem.
49:01
Ich meine, das ist ja sowieso ein ganz großer Kompromiss zwischen unserer Geburt und unserem Tod, ne. Irgendwie machen wir dann versuchen wir da unseren Weg zu finden, ne. Aber Unsterblichkeit gibt es nicht, ne. Also diese,
49:13
Idee gibt es zwar davon, aber es ist
49:16
ja eben das charmante, das sie dort auch bleiben soll im Bereich der Ideen. Ähm wenn man versuchen würde jetzt so was wird ja jetzt auch schon gemacht in der Moderne an so einer Art Unsterblichkeit zu arbeiten oder schon diese ganze Selbstoptimierungsscheiße, ne?
49:30
Sich fit zu halten und fit zu machen für irgendwas.
49:34
Wird das schon zu so was ja Alltagspraktischen, aber muss es vielleicht auch sein, ja? Das Leben ist eben so, aber äh das Scharmante ist natürlich auch der Traum, die Idee äh das abstrakte.
49:48
Ja
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Man muss ja bloß dort halten, ja. Vielleicht ist der süße Fuß so gemein, dass ich weiß nicht, was der Material wirklich damit gemeint hat, aber der Stein ist eigentlich eine Idee und wir sollten eigentlich anstauen und bewundern und dort aber auf jeden Fall liegen lassen.
50:03
Nicht in die Hand nehmen und sagen, ich baue mal ein Land auf dieser Idee auf. Ah, okay, ja.
50:09
Aber ich mache jetzt mich hier zum zum äh Material und ich weiß es gar nicht, aber ich war nicht dabei. Ich kenne ihn noch nicht mehr. Ich habe ihn nicht mehr erlebt als Mensch. Mhm.
50:19
Hast du noch Träume?
50:22
Hatte ich jemals Träume. Hm, gute Frage, ja. Ja, ja, also ich träume nachts definitiv nichts. Also ich weiß es jedenfalls nicht mehr. Ich erinnere mich an nichts.
50:33
Na klar habe ich bin ich immer noch neugierig auf die nächsten Bilder, die ich male. Und ich habe,
50:37
noch ein Traum, wirklich mal ein relevantes Bild zu malen, mit dem ich auch in der Kunstgeschichte hängen bleibe. Klar, da ist natürlich naiv und ähm narzisstisch und größenwahnsinnig ist der auch ähm aber natürlich bewegt das jeden Künstler.
50:50
Äh das hat mich schon als Fußballer bewegt. Natürlich wollte ich in die Nationalmannschaft, klar. Und jeder, der das nicht will.
50:58
Der hat da eigentlich sowieso schon verloren. Die wenigsten schaffen's, ne? Und äh die Frustration und die Ablehnung ist vorbestimmt, aber aus Sicherheitsgründen gleich sind wir einander, dann will ich das gar nicht erst, weil ich weiß das persönlich. Das geht nicht.
51:12
Du musst schon wirklich alles wollen, um.
51:15
Dann eben vielleicht auch großartig zu scheitern, ne? Aber das Risiko muss man eingehen. Also den Dram habe ich natürlich schon noch, ne.
51:23
Ja meistens erleben die das ja tragischerweise nicht.
51:27
Na ja, das ist mir egal, scheißegal. Es wäre schön, wenn ich noch wüsste, bevor ich dahin gehe, wüsste, es wird
51:33
der einstmals passieren. Wir machen einen Deal. Ich bin ein bisschen jünger als du. Ich werde dir dann oben Bescheid sagen. Alles klar, das ist wunderbar. Schön. Habe ich meine Kinder auch schon verpflichtet dazu, ne.
51:43
Aber ich denke ja die Kunstgeschichte ist so langsam ja das mindestens 100 Jahre gebraucht werden um also wirklich relevante Entscheidungen wer nun in den Kanon aufgenommen wird und wer nicht.
51:54
Das dauert eine Weile, weil da gibt's eine ganze Menge Herrschaften, die heute wahrscheinlich schon ziemlich fest davon überzeugt sind, dass sie dabei sind
52:00
Die werden befrustriert sein oder nicht dabei sind. Und all wir, die nun keine so besonders großen Anzeichen haben, zumindest zu Lebzeiten. Wir haben immerhin noch eine Chance. Es kann auch passieren.
52:12
Also das ist vielleicht noch so wirklich ein Traum. Klar, es ist auch ein Traum, dass man Kinder,
52:17
gut gehen wird, aber das sind schon wieder so ganz praktisch, das ist eigentlich keine Träume, das sind ja Wünsche, ne. Klar sollen meine Kinder glücklich werden und äh bist du heute der, der du sein wolltest.
52:27
Zum großen Teil ja, muss ich wirklich sagen, ne. Also der ich sage mal der Traum des kleinen Jungen in die Disco reinzukommen, der hat sich sowieso erfüllt, aber dann auch später zu sagen
52:36
Ich kann das wirklich als Beruf ausüben, also nicht nur als Behauptung, ich fahre nicht Taxi und male am Abend, sondern ich
52:43
wirklich meine Familie ernähren mit dem, was ich tue, der ist ja aufgegangen.
52:48
Äh das ist natürlich toll. Das ist aber ja natürlich nicht alles. Klar, habe ich immer noch davon geträumt der größte Künstler der Welt zu werden, ne. Also dann neben den anderen Großen, unbestritten Großen irgendwann mal auf der Bank zu sitzen, aber der Traum
53:01
wie soll der werden? Also zumindest in meinen Lebzeiten sowieso nicht klar, aber,
53:06
der kann sich sozusagen nicht erfüllen, aber der wird vielleicht noch geträumt oder den träume ich schon noch.
53:12
Oder der träumt mich, keine Ahnung. Wenn du die Möglichkeit hättest, einen der großen, verstorbenen Künstler eine Frage zu stellen, wem würdest du was stellen?
53:22
Ich würde Karabatsche fragen, wie er das gemacht hat. Er hat ja keine Vorzeichnung gemacht. Wie hat er die Bilder gemacht? Ich wäre gerne mal dabei. Ich würde einfach nur still. Ich würde mich mir wünschen, dass der Typ mich mal für eine Stunde in sein Atelier lässt und ich gucke ihm einfach still zu, wie er's gemacht hat.
53:37
Nachzumachen natürlich. Kannst du das dann, wenn man dir beim Malen über die Schulter schaut.
53:43
Also ich bin durchs Studium gegangen, da musst du ja in Gruppen malen und bist von ständiger Beobachtung. Also insofern
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kann ich das ab. Äh ich hab's nicht so gerne. Aber nicht, weil ich da irgendwie ein Hoheitswissen habe, was ich nicht gerne preisgeben würde, sondern ich bin ausgesprochen, also deswegen war es auch ein Grund, warum ich gerne male. Ich bin Ausschwung gerne allein. Mhm.
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Einsamkeit, ich glaube was schrecklich ist, aber diese acht Stunden am Tag, keiner ruft an, ich kann mich absolut gehen lassen.
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Ist ja auch nicht so, dass ich in der Zeit, wenn ich mit mir alleine bin, großartige Gedanken habe, die schönste Zeit ist, wenn ich gar nicht mehr denke. Ja? Die ist schon köstlich und die würde ja versaut werden, wenn jemand reinkommt und sagt,
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lasse ich mal teilhaben oder so. Außer meine Frau. Also es gibt,
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Manche Tag, wo meine Frau frei hat, ist Lehrerin, wenn sie frei hat, uns sagt, darf ich mich zu dir ins Atelier kommen?
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Mit ihrem Rechner schreibt irgendwas hinter mir.
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Das finde ich köstlich. Finde ich herrlich. Aber das ist die Einzige. Das hat sogar was Inspirierendes, wenn ich weiß, sie ist da. Hast du sie schon mal gemalt,
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Ja ja mehrere Male schon, ja klar. Aber sie waren nie zufrieden damit. Also.
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Ich bin kein Porträtist in dem Sinne, ja. Äh schon gar nicht irgendjemand, der vielleicht bestimmte ästhetische Erwartungen erfüllt.
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Kann ich auch gar nicht, aber ich wollte meine Frau natürlich niemals hässlich malen. Klar, ich wollte sie immer so schön malen, wie ich kann. Scheint mir nicht gelungen zu sein. Hast du dich schon mal selber gemalt?
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Nee, als Student das letzte Mal, also da äh das und das auch bloß weil ich äh wir's machen mussten oder als Verlegenheit, weil ich kein Modell hatte.
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Nee, also ich bin schon glaube ich ein ziemlich ausgeprägter Narzisst, aber an meinem Äußeren oder in meiner Erscheinung interessiert mich eigentlich nicht so viel, ne.
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Ich finde mich eigentlich.
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Ziemlich langweilig. Ja, das ist, kann ich jetzt nicht so viel geben. Na ja, wenn du den ganzen Tag mit mir verbringen würdest, dann würdest du das wahrscheinlich auch sehen.
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Ich gebe mir jetzt extrem Mühe, spannend zu sein, aber ja bin ich glaube ich. Ich ich finde ja auch eine Stadt. Außer es fragt mich jemand, wer bist du?
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Ich bin bereit darauf zu antworten, weil dann fange ich erstmal an zu überlegen, wer will ich denn sein? Oder wer möchte ich denn gerne in seinen Augen sein?
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Gebe ich mir Mühe,
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und versuche irgendwie jemand zu sein und dieses so sein ist dann vielleicht doch äh läuft dann irgendwann mal auf so was wie ein ich hinaus. Aber sobald ich alleine bin ist das weg, komplett weg.
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Existiere ich gar nicht. Ich finde die gar nicht statt. Glaubst du, das ist so, dass man auf dass man unterschiedliche Rollen bei unterschiedlichen Menschen spielt?
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Oder spielen möchte? Ja ja, na klar, klar, klar, klar. Ich glaube, das ist die,
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große Freude am sozialen Beisammensein. Es gibt eine permanente Aufforderung, sich zu inszenieren. Mhm.
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Das hat natürlich eine Seite von, ich verstelle mich, aber was wäre denn dann echt? Wer ist denn dann echt? Wann habe ich denn mein echtes Gesicht, wenn ich tot bin oder wenn ich schlafe vielleicht? Aber ansonsten
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bin ich immer jemand.
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Jemand sein muss oder jemand sein will und das bin ich immer in dem Moment, wenn ich vor einer Aufgabe stehe vor dieser Aufgabe stehe,
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und das bitte ich ja nur, wenn ich nicht allein bin. Mhm. Wenn jemand mit mir zusammen ist und ich möchte ja
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gern diesen Menschen gewinnen, von mir einnehmen, dann werde ich natürlich alle Register ziehen und ne, bestimmte Rollen, wenn ich jemanden verabscheue, dann
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ziehe ich eine Hand drauf, ja. Reaktion. Mhm. Na, dann ich reagiere auf die scheinbare Forderung des anderen.
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Muss ja nicht mal so sein, dass der andere also wirklich eine Forderung an mich hat, aber sobald der auftaucht und ich bin mit ihm zusammen.
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Dann stehe ich vorne Aufgabe. Und wenn ich mit mir allein bin, stehe ich vor keiner Aufgabe.
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Also ich jedenfalls, steht einfach keine Aufgabe. Wenn ich ein Bild male, stehe ich auch vor keiner Aufgabe. Also ganz praktische Aufgaben. Ich muss äh aufpassen, dass ich die richtige Farbe mit der richtigen Farbe vom Micha.
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Auf der Leinwand auftrage, klar. Aber das ist jetzt nicht so eine auf, das ist das ist das Handwerk, das manches Beruhigende,
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bin ich einer Sache jemand sein zu müssen enthoben. Ich muss einfach nur aufpassen, dass ich alles richtig mache. Die Regeln befolge, die Regeln des Handwerks.
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Regeln in der Gesellschaft oder von,
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irgend so was, sondern wenn ich ein Bild malen will und ich habe eine bestimmte Vorstellung davon, wie das Bild aussehen muss, dann gibt es nur eine Art und Weise, das zu machen und die muss ich kennen und die muss ich können.
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Handwerk. Also jedes künstlerische Vorhaben hat ja ein Handwerk.
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Selbst Emil Nolde, der bekennendermaßen schlecht malen wollte oder Baselitz. Die wollten ja alle sozusagen die endlich die Malerei zerstören und so.
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Music.
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Immer auf der Suche nach spannenden Gesprächspartnerinnen euch und mir die Welt der Kunst entschlüsseln, reise ich quer durch Deutschland.
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Dann freue ich mich,
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geht auch ganz einfach.
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Oder? Ich habe das haben Punkt com Leichtigkeit der.
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Bedanken möchte ich mich von ganzem Herzen bei allen Hörenden, die bereits die ein oder andere Reise unterstützt haben.
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Ihr möchtet mehr über die Leichtigkeit der Kunst erfahren und mal einen Blick hinter die Kulisse werfen.
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Ich einen Tipp. Tragt euch in den Newsletter bei Punkt com Slash die Leichtigkeit der Kunst ein.
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