Ablegen!

Wir legen in Kiel ab. Und kreuzen mit der Personenfähre über die Förde nach Laboe und zurück. Zu jeder Folge holen wir uns andere Gäste an Bord. Mit ihnen wechseln die Themen. Immer dabei sind Kulturtipps, ein Schuß Politik und Lebensfreude. Gemeinsam blicken wir auf Schleswig-Holstein und sprechen über das Leben am Meer.

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episode 31: Zukunft Arktis


An diesem Freitagnachmittag zu Beginn der Adventszeit begegnen wir im Zoologischen Museum nur wenigen Besucherinnen und Besuchern. Auf Anraten der Aufsicht ziehen wir uns für das Recording mit Dr. Thomas Henningsen in den Themenraum „Ostsee“ zurück. Er kennt das Kieler Museum noch vom Studium. Es ist eine Einrichtung der Christian-Albrechts-Universität. Danach wechselte er in die USA, promovierte über Delfine im Amazonas und lebte mehrere Jahre in Russland. Seit 1991 arbeitete er für Greenpeace, zuletzt als Kampagnenleiter. Vor zwei Jahren gründete er mit Freunden die ORCA Organisation for Rapid Climate Action GmbH. Sie berät Unternehmen bei der Realisierung unmittelbar umzusetzender, schnell wirksamer Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz.
In unseren vorhergehenden Episoden 018 „Klimawandel“ und 025 „Meeresspiegel“ erwähnte Klimaforscher Dr. Tobias Bayr Kippelemente im Erdklimasystem. Das Grönlandeis ist eines von vier Punkten, die entscheidend das Ausmaß der Klimafolgen beeinflussen. Daher setzen wir an diesem Freitagnachmittag Anfang Dezember 2022 den Fokus auf die Arktis. Von einem, der sich auf dem Kontinent auskennt, wollen wir wissen, was sich dort abspielt, welche Nationen mit welchen Interessen das Gebiet um den Nordpol für sich beanspruchen. Und welche Rolle Deutschland dabei zukommt? Die Antwort von Dr. Thomas Henningsen fällt eindeutig aus: Leben wir als größte Wirtschaftsmacht in der EU, der stärksten Wirtschaftszone der Welt, es nicht vor, dann wird es keinen globalen Klimaschutz geben. Von den jährlichen Weltklimakonferenzen erhofft er sich keine Wende mehr. Trotz verheerender Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände und Stürme in 2022 blieben zuletzt bei COP27, der 27. UN im ägypischen Sharm el-Sheikh, erneut dringend notwendige Impulse zur Einigung aus.  
Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom Medienproduzenten Dieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus.
Kapitel 1
Begrüßung.
Dieter beginnt mit einem Dank an die Museumsleitung und das Team, was uns für das Recording am 2. Dezember 2022 überaus freundlich in den Räumen des Zoologischen Museums willkommen hieß. Einziger Gast in dieser Episode ist Dr. Thomas Henningsen. Ihn habe das Polarvirus erfasst, bekennt der Meeresbiologe und Klimaschützer eingangs.
Kapitel 2
Kipp-Punkt.
Ein Überschreiten der UN-Klimaziele erhöht das Risiko eines Kippeffektes, berichtet Thomas Henningsen. Er verweist dazu auf Ergebnisse eines internationalen Teams am  Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Demnach zählt der Grönländische Eisschild zu den vier entscheidenden Punkten. Sein Abschmelzen würde für einen globalen Anstieg des Meeresspiegels um sieben Meter sorgen.

Kapitel 3
Geographie.
Neun Nationen zählen zu den Anrainern der Arktis. Sie ist ein Kontinent aus Wasser, gesäumt von Landfläche. Achtzig verschiedene arktische Völker bewohnen dieses große Wildnisgebiet. Allein Grönland ist 6,5 mal so groß wie Deutschland. Gegenpol zur Arktis bildet die Antarktis. Sie besteht aus einer gigantischen Landfläche, wird umringt von Wasser. Ihre Eisfläche ist zehnmal größer als die der Arktis.

Kapitel 4
Eisschmelze
. Bei seinem letzten Besuch vor vier Jahren, berichtet Thomas Henningsen, gab es auf Spitzbergen noch Gletscherzungen, die bis ins Meer gereicht hätten. Dreißig Meter hohe Eiswände seien komplett weggeschmolzen. Mit der Wärme kommen Mücken. Sie finden in Pfützen und Tümpeln ideale Brutplätze. Rentiere flüchten vor deren Attacken in höhere Lagen. Dort fehle ihnen jedoch Futter. Mücken transportieren Krankheiten wie Malaria, auf die weder Nordamerikas noch Europas Gesundheitssysteme vorbereitet sind.

Kapitel 5
Schatzkammer
. Die Zahl der Militärbasen in der Arktis nimmt zu. Es droht eine politische Auseinandersetzung um Ressourcen. Lange waren Vorkommen fossiler Brennstoffe die Treiber von Interessen. Russland fördert landseitig Öl und Gas. Sein Netz aus Pipelines erstreckt sich über vierzigtausend Kilometer. Viele davon haben Lecks. Aktuell sei ein Gebiet der Größe Frankreichs von Öl verseucht. Auf Druck von Greenpeace zog Shell sich vorerst zurück. Moratorien verhindern bisher noch, dass Fischtrawler das Schwinden der Eisflächen ausnutzen. In Erwartung reicher Naturschätze sichern sich die Mächte ihren Einfluss in der Region.

Kapitel 6
Global Commons. Die Arktis gehört keinem, den UN nicht und auch nicht dem Arktischen Rat, der aktuell unter Vorsitz Russlands agiert. Thomas Henningsen wünscht der Arktis, dass sie als eines der letzten großen Wildnisgebiete der Erde nicht unter den Nationen aufgeteilt wird, sondern Eigentum aller bleibt. Als positives Beispiel nennt er die Beilegung des kleinen „Whisky-Krieges“ zwischen Kanada und Dänemark um Hans Island.
Kapitel 7
Rapid Climate Action. Mit Freunden gründete Thomas Henningsen vor zwei Jahren die ORCA GmbH. Er wolle nicht nur Klimaschutz einfordern, sondern auch zeigen, wie die Dinge anders gehen, sagt er. Große Firmen sollten die Chance nutzen, ihre Produkte durch Halbierung ihres ökologischen Fußabdrucks zu verbessern. Von ihnen fordert einen Mentalitätswechsel.  
Kapitel 8
Rolle Deutschlands
. In der gesamten Diskussion um Umwelt- und Klimaschutz sei Deutschland das wichtigste Land. Als größter Wirtschaftsmacht in der stärksten Wirtschaftszone der Welt komme uns eine Vorbildfunktion zu.
Kapitel 9
Wildnis. Es sei nicht die Kälte, beteuert Thomas Henningsen, eine der größten Gefahren auf Spitzbergen stellen Eisbären dar. Daher werde man angehalten, stets etwas zur Abschreckung mitzuführen. Während der Sommermonate kann die Temperatur auf 20 Grad Celsius ansteigen. Es würden sogar Erdbeeren angebaut.
Episodencover = https://www.arctic-council.org/explore/work/arctic-knowledge/


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