CoronaCast aus Dresden

Updates zur Lage in Sachsen, aktuelle Informationen und spannende Gespräche mit Experten, Politikern und Menschen, die in der Corona-Krise Besonderes leisten: Das ist der CoronaCast von Sächsische.de. Durch den Podcast führt Fabian Deicke, der meist per Video-Konferenz mit seinen Gästen spricht. Redaktionell wirkt der Dresdner Social-Media-Experten und Corona-Twitterer Andreas Szabó mit - teils auch vor dem Mikrofon.

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episode 86: Steigende Preise, hohe Inflation: Was hat Corona damit zu tun?


Die Preise für Strom und Öl steigen weltweit, auch in Deutschland. Auch viele weitere Waren werden derzeit schnell teurer - die Inflation liegt so hoch wie seit Jahren nicht. Welche Bereiche sind besonders betroffen? Wann ist wieder mit einer Normalisierung der Preisanstiege zu rechnen? Und was hat die momentane Handels- und Wirtschaftslage mit Corona zu tun? Klaus-Jürgen Gern, Konjunkturexperte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, beantwortet im CoronaCast von Sächsische.de diese Fragen und erklärt die Zusammenhänge. Deutlich spürbar ist der Preisschub derzeit beim Tanken. "Doch diese Teuerung hat mit Corona nicht so viel zu tun", sagt Gern. Die Preise für Rohöl seien noch nicht dramatisch über einem Niveau wie vor der Pandemie. Hinzugekommen seien jedoch die CO2-Steuer und die Mehrwertsteuer, die nach einer vorübergehenden Absenkung wieder angehoben wurde. All diese Faktoren zusammen ergäben die Steigerung und erklärten einen großen Teil der aktuellen Inflationsrate in Deutschland. Einen Corona-Effekt würde man Gern zufolge jedoch in anderen Wirtschafts- und Handelsbereichen erkennen können. Bei Nahrungsmitteln wirke sich aus, dass wegen Reisebeschränkungen zum Teil Erntehelfer gefehlt hätten. "Jedoch ist das ein saisonaler Effekt, den man jetzt kurzzeitig spürt." Längerfristige Probleme würden sich aus dem in der Corona-Zeit aus dem Takt geratenen internationalen Frachtverkehr ergeben. Am Kieler Weltwirtschaftsinstitut werden mit einer speziellen Software weltweit Bewegungen von Containerschiffen beobachtet. Bis in den Sommer hinein habe es wegen der Schließungen chinesischer Häfen einen Schiffsstau in Asien gegeben. "Inzwischen verlagert sich dieser Stau auf die Zielhäfen verzögerter Waren." Man komme nun in Europa und Amerika nicht mehr hinterher, die Schiffe so schnell zu entladen, um sie wiederum rechtzeitig zurückzuschicken. "Dieser Effekt, das sehen wir, zieht sich wellenartig durch die Pandemie." Und dieser Effekt hat spürbare Folgen. "Etwa für den Markt von Gebraucht- und Neuwagen", erklärt Gern. Weil Autohersteller wegen verzögerter Lieferungen nicht mehr normal produzieren könnten, werde das Angebot knapp und die Preise zögen sowohl für neue Fahrzeuge als auch für gebrauchte an. Abhängig vom internationalen Güterverkehrt ist auch das Weihnachtsgeschäft. "Aber nicht in so einem Maß, dass man sich Sorgen machen muss für die Weihnachtseinkäufe", schätzt Gern die Lage ein. Zwar sei es möglich, dass man "nicht immer genau das Produkt bekommt, was man haben möchte", aber es würden keine leeren Regale drohen. Auch Händler beklagen die Lieferengpässe. Die alles entscheidende Frage, wann Preise und Warenströme wieder ins Gleichgewicht kämen, ließe sich nur schwer beantworten. Eine schwere Infektionswelle im Winter könnte zudem das Produktions- und Konsumklima noch einmal eintrüben. Das IfW und andere führende Wirtschaftsinstitute gehen jedoch davon aus, dass im Verlauf des Jahres 2022 die deutsche Wirtschaft wieder die Normalauslastung erreichen werde. Außerdem Thema in dieser Folge CoronaCast: Welche Auswirkungen haben die zusätzlichen Gaslieferungen aus Russland? Wieso unterliegen Preise eigentlich Schwankungen? Droht mit einer vierten Coronawelle eine Kostenexplosion im Gesundheitswesen? Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.


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 2021-10-29  36m