Delikt – Wahre Verbrechen aus Österreichs Süden

Bei delikt, dem Kriminalpodcast der Kleinen Zeitung, geht es um Verbrechen mit Bezug zur Steiermark oder zu Kärnten. Redakteurinnen und Redakteure der Kleinen Zeitung erklären im Gespräch mit Moderator David Knes die Umstände der Verbrechen und sprechen über Hintergründe, die so nicht zu lesen waren. Die Fälle reichen von einigen der bekanntesten der österreichischen Kriminalgeschichte (zum Beispiel Jack Unterweger, der Kindberger Herzfresser oder der Kinderarzt Franz Wurst), bis zu Verbrechen, von denen viele noch nie gehört haben, obwohl sie sich vielleicht in ihrer unmittelbaren Nähe zugetragen haben. Die aktuelle fünfte Staffel bringt acht weitere delikt-Folgen. Etwa als Suizid getarnte Morde, aufsehenerregende Betrugsfälle, oder einen Italiener, der dem Mordkomplott seiner Lebensgefährtin zum Opfer fiel. In einer Folge erklärt ein Strafrichter seine Arbeit und spricht über spannende Themen, die in der Justiz für Diskussionen sorgen. Abonnieren Sie den Podcast, um keine Folge zu verpassen

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episode 1: Gianmaria Vitali: Die letzte Zigarette


Es war ein sonniger Morgen im Jahr 2001, als ein Radfahrer nahe einer Autobahnauffahrt bei Ilz eine männliche fand. Die alarmierten Ermittler stellten schnell fest, dass es sich um eine regelrechte Hinrichtung gehandelt haben muss.  

„Er durfte noch eine rauchen, musste sich hinknien und wurde mit einem Messer und einer Pistole exekutiert.“ so einer der Ermittler. Da der Tote noch Ausweispapiere bei sich hatte, konnte seine Identität schnell festgestellt werden. Es handelte sich um den 47-jährigen Italiener Gianmaria Vitali. 

Ein erster Verdacht ging in Richtung neapolitanische Mafia, einiges an dem Fall deutete auf einen Racheakt hin. Doch eine Verbindung Vitalis zu der Unterwelt konnten die Ermittler nicht finden, zudem hätten die Täter in diesem Fall wohl dafür gesorgt, dass sich die Identifizierung bzw. das Auffinden der Leiche schwieriger gestaltet hätte.

Eine zweite Spur waren Zugtickets, die Vitali bei sich hatte. Bald stand fest, dass er in Wien zu seinen späteren Mördern ins Auto gestiegen sein musste, anstatt den Zug nach Italien zu nehmen.

Ermittlungen im privaten Umfeld des Opfers offenbarten eine Beziehung zu Ludmila B., eine Slowakin: "Spuren führten nach Italien und nach Bratislava, wo die Freundin des Opfers lebt. Die Slowakin war Begünstigte von mehreren Lebensversicherungen, die Vitali abgeschlossen hatte." Das war in Kleinen Zeitung schon 2004 zu lesen.

Doch erst Jahre später, nach umfangreichen Ermittlungen, Behörden-Pannen und der Aussage eines unbeteiligten Afghanen in einem slowakischen Gefängnis kam die Wahrheit ans Licht und der Fall zur Anklage: L’udmila B. (55) soll den Mord an ihrem italienischen Freund in Auftrag gegeben. Der 56-jährige Igor P. soll für die Planung der Tat verantwortlich gewesen sein und das Auto und die Schusswaffe besorgt haben. Die Tat selbst sollen Michael B. (58) und Miroslav D. (55) ausgeführt haben. Sie sollen Vitali am 13. Juli 2001 unter einem am Wiener Südbahnhof aus dem Zug gelockt und ihn überredet haben, zu ihnen ins Auto zu steigen. Das war sein Todesurteil.  


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 2022-09-14  24m