SchönerDenken

Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte Klassiker.

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episode 1169: Folge 1169: DER HAUPTMANN - Vollmacht von ganz oben. Ganz oben.


Die monströsen Verbrechen im Dritten Reich aus der Täterperspektive zu zeigen, das war die Absicht von Robert Schwentke. Er erzählt die weitgehend wahre Geschichte eines Gefreiten, der fahnenflüchtig oder versprengt, hinter der Front in einem Koffer eine Hauptmannsuniform findet, sich als Offizier mit Befehl vom Führer persönlich ausgibt und im Chaos der letzten Kriegstage andere Soldaten unter sein Kommando bringt. Mit herrischem Auftreten verhindert er, dass er kontrolliert wird. Aber aus der Köpenickiade wird ein absurdes Abschlachten. Den falschen Hauptmann (Max Hubacher) verschlägt es in einer Sammellager von Gefangenen. Dort beginnt er willkürlich oder als Standgericht Gefangene zu erschießen oder erschießen zu lassen.

Grotesk, erschreckend, erschütternd sind die Schwarzweissbilder von Robert Schwentke, dabei fast zu schön. Der Hauptmann wird immer sicherer und grausamer, seine Männer verlieren ihre Gewissensbisse, wenn sie welche hatten oder fallen in einen Blutrausch. Im Podcast direkt nach dem Film vor dem Kino diskutieren Bettina und Thomas, wie der Film geworden wäre, wenn Frederick Lau den falschen Hauptmann gespielt hätte, über Distanz durch Schwarzweiss, über die Illusion von Regeln und Ordnung und über die Enden des Films. Sie sind sich dabei sicher, dass sich die Verbrechen dieses selbsternannten Schnellgerichts unter ähnlichen Bedingungen wieder ereignen können. Zumindest in Deutschland.

Gesehen haben wir den Film auf dem Filmfestival FILMZ in Mainz 2022 und spoilern ausnahmsweise.


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 2022-11-15  16m