SWR2 Essay

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SWR2 Essay: The Master's Voice - Radiostimmen deutscher Schriftsteller nach 1945


Von Manfred Koch | Die Schriftsteller nach 1945 wollten eine spröde und pathosfreie Literatur. Warum das beim Vorlesen im Radio dann manchmal nach "Landser" klang, darüber denkt Manfred Koch nach.


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 2018-09-17  56m
 
 
Bis weit in die 1960er-Jahre hinein war der Rundfunk das konkurrenzlose Leitmedium der bundesrepublikanischen Kultur. Wer als Schriftsteller Erfolg haben wollte, war darauf angewiesen, im Radio präsent zu sein, sei es als Verfasser von Hörspielen, Reisereportagen oder Features, sei es als Teilnehmer an einer der zahlreichen Diskussionen. Fast am wichtigsten aber war die Lesung eigener Texte vor einem unsichtbaren Millionenpublikum. Das Radio schuf eine neue Form der Dichterverehrung: die Hingabe an die "authentische Stimme" des Autors, ihren Klang. Wie aber sprachen die Dichterinnen und Dichter, wie gestaltete sich ihre individuelle Intonation, ihre Stimmlage, ihr Rhythmus? Gab es, wie man vermuten könnte, eine zeittypische Art des Vortrags, die - gegen die bombastische Rhetorik des 'Dritten Reichs' - geprägt war vom Willen zur Lakonik. An exemplarischen Aufnahmen aus der Hoch-Zeit des Radios entfaltet der Essay von Manfred Koch ein Hör-Bild der deutschen Nachkriegsliteratur, das zeigt, wie aussichtslos der Versuch ist, deren Stimmenvielfalt auf einen einheitlichen Nenner bringen zu wollen.
curated by Ruhrbube in Hömma! | 2018-10-09,21:46:34